Newslichter Ausgabe 219: Disney Comeback, Kinoflix und erstaunliche Verluste

Willkommen bei Ausgabe 219 des Newslichters. Beginnen wir heute mit einem kurzen, aber extrem wichtigen Nachtrag zum Thema neuer ‚Indiana Jones‘. Ich habe nämlich ein wenig gerechnet. Ich weiß, der neue Film wird in den späten 60ern spielen. Aber wenn Jones genauso schnell gealtert wäre wie sein Schauspieler, ergäbe sich eine interessante Situation. ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘ erschien vor 41 Jahren und spielte im Jahr 1936. Das heißt, wäre die Zeit im Filmuniversum und Realität exakt parallel verlaufen, müsste der neue Film im Jahr 1977 spielen! Und Ihr wisst, was das bedeutet hätte? Dr. Jones hätte diesen neuen SciFi Film, von dem alle seine Studenten reden, im Kino sehen können. Der mit dem sexy, jungen Schmuggler und seinem pelzigen Kumpel. Schade, dass man sich bei Lucasfilm diese Chance entgehen ließ. Okay, kommen wir zu den News!

Hasiges Comeback

Manchmal hat man mit seiner Karriere einfach kein Glück. So erging es Oswald, dem lustigen Hasen. Die 1927 von Walt Disney und vornehmlich Ub Iwerks erdachte Tierfigur tauchte in einer Reihe damals für Universal erschaffenen Zeichentrickfilmen auf, die sich als ziemlich erfolgreich herausstellten. So wollte Disney von Universal Produzent Charles Mintz 1928 mehr Geld für die Produktion folgender Filme. Mintz eröffnete ihm, dass er stattdessen deutlich weniger als bisher bekäme. Disney beendete die Zusammenarbeit mit Universal, die die Rechte an Oswald behielten und ihrerseits weitere Filme produzierten, mit abnehmendem Erfolg. Aber Disney und Iwerks haben bekanntlich diese eine Maus entwickelt, die ohnehin zum absoluten Star am Cartoonhimmel werden würde. Oswald verschwand bei Universal in den frühen 40ern endgültig in der Schublade. Erst 2006 hatte sich der damals frische (und jetzt wieder) CEO von Disney, Bob Iger, in den Kopf gesetzt, den Hasen wiederzubekommen. Und so tauschte er den Sportkommentator Al Michaels von Disneys ABC zu Universals NBC, im Gegenzug für die Rechte an Oswald. Schnell erschienen die klassischen Cartoons auf DVD (ja, ich hab die im Schrank…) und 2010 tauchte Oswald im Videospiel ‚Epic Mickey‘ auf. Das Spiel floppte, bekam 2012 dennoch ein Sequel, erneut mit Oswald, das ebenfalls floppte. Das war es erst einmal wieder für den inzwischen vermutlich gar nicht mehr sooo glücklichen Hasen. Aber nun ist ein komplett handgezeichneter(!), einminütiger Oswald Cartoon veröffentlicht worden! Erschaffen von ‚Pocahontas‘ Regisseur Eric Goldberg. Der dreht sich um Oswalds versuchte Rückkehr auf die Leinwand, ganz im Stile seiner frühen Abenteuer. Und hier ist er:

So sehr ich auch über Euch meckern mag, gerne mehr davon, Disney…

Netflix und das Kino

In letzter Zeit muss sich der doch etwas gebeutelte Streaming Riese Netflix immer wieder auch Kritik und Hohn anhören, was seine Kino-Strategie für eigens produzierte Filme angeht. Denn es entsteht der, sicher nicht ganz falsche Eindruck, dass man da viel Geld liegen lässt. Sie es die ‚Knives Out‘ Fortsetzung ‚Glass Onion‘*, die in den USA nur in wenige Kinos kam, dort aber sagenhaft erfolgreich war, was aber keine erweiterte Veröffentlichung nach sich zog. Oder nun gerade die Musical Umsetzung von Roald Dahls ‚Matilda‘. Die kommt hier in Deutschland und in vielen anderen Ländern direkt in den Stream. Im Vereinigten Königreich kam sie ins Kino und zeichnete dort an ihrem ersten Wochenende verantwortlich für 50% aller verkauften Karten (und nähert sich 10 Millionen Dollar Einnahmen an). Ich verstehe Netflix‘ Dilemma ein Stück weit. Früher waren Kinoveröffentlichungen für sie die absolute Ausnahme und eigentlich nur dafür da, einen Film für den Oscar/BAFTA wählbar zu machen. Das Streaming war und ist das Kerngeschäft. Aber nun hat sich nach schwerster Krise das Kino als weit stabiler erwiesen, als man gedacht hätte und gleichzeitig zeigt der Streaming Markt, dass auch hier kein endloses Wachstum möglich ist und die Konkurrenz beißt auch noch immer größere Löcher in den Kuchen. Wenn man Filme hat, die im Kino gut laufen, insbesondere, wenn es Filme sind, die vom Blockbuster Einerlei abweichen, sagen wir mal, ein Musical oder ein Whodunnit, dann wird Netflix vermutlich früher oder später einsehen, dass das ein Geschäft ist, zu lukrativ, um es sich völlig entgehen zu lassen. Auch bezweifle ich, dass man sich damit ins eigene Fleisch schneidet. Es gibt inzwischen genug Leute, die Kinos komplett meiden und gerne einige Zeit länger auf den Stream warten. Und die sind sicherlich Netflix hardcore Abonnenten. Doch wenn die nicht so hardcore Abo-Zahlen einbrechen, muss man halt anderswo nach Möglichkeiten suchen. Was nicht schwer sein sollte, wenn Leute geradezu darum betteln, Dir Geld für Kinokarten zu geben (bzw. Kinobetreiber betteln Deine Filme zeigen zu dürfen). Und ganz ehrlich, Netflix, wenn Covid die Kinos nicht umbringen konnte, wird es Dir mit Sicherheit nicht gelingen.

* Das erste von zwei Sequels, für die Netflix, auf dem Höhepunkt ihres Größenwahns, 469 Millionen Dollar gezahlt haben! Fortsetzungen zu einem Film, der gerade im Kino super lief…

Blockbuster-Rechnungen

Dass Hollywood-Buchhaltung eigenen, hochkreativen Regeln folgt ist nichts Neues. Fragt man die Chefrechner bei den Studios, macht kein Film jemals Gewinn und ein jeder nagt in seiner Riesenvilla am Hungertuch. In letzter Zeit wird es aber wirklich abenteuerlich, wenn es um Blockbuster geht. Bei der Avatar-Fortsetzung war es vor kurzem kein Erbsenzähler, der verkündete, der Film müsse über 2 Milliarden einspielen um Gewinn zu machen, sondern James Cameron selbst. Und nun heißt es von Warner Discoverys ‚Black Adam‘, dass er gut 100 Millionen Verlust für das Studio einfahren wird. Und das nachdem man vom Größten Eröffnungswochenende in der Karriere von Dwayne „The Rock“ Johnson geschwärmt hatte. Was ist da los? Wie kann ein Film wie ‚Black Adam‘, der ca. 400 Millionen Dollar eingespielt hat derart Verlust machen? Immer angenommen hier liegt keine kreative Hollywood-Buchhaltung vor, um Johnson um eine Gewinnbeteiligung zu prellen, oder so. Das Kino hat sich, wie oben beschrieben, nach Covid erstaunlich gut erholt. Aber die Welt präsentiert sich für Hollywood-Megaproduktionen dennoch komplett anders. Die US-Beziehungen zu China kann man bestenfalls als eisig bezeichnen und bei weitem nicht jeder Blockbuster erscheint da noch/wird es in Zukunft tun (‚Way of the Water‘ aber offenbar schon). Russland als Markt ist ohnehin weggefallen. Und auch überall sonst sorgen steigende Lebenshaltungskosten und Inflation für weniger Kinobesucher. Oder vielleicht eher „überlegtere“ Kinobesuche. ‚Top Gun: Maverick‘ hat es dieses Jahr auf Platz 11 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten geschafft. Der um die letzte Jahreswende veröffentlichte ‚Spider-Man: No Way Home‘ gar auf Platz 6. Es gibt ein Kinopublikum. Es gibt auch ein Kinopublikum für Blockbuster. Aber es gibt keine Gewissheit mehr, dass man mit einem kostümierten Helden allein eine lockere halbe Milliarde mitnimmt. Und das kann ein Problem werden. Denn Blockbuster sind eigentlich als „Tentpoles“ gedacht. Die Pfähle, die das Zelt aufrecht halten, während das Studio das sichere Geld in riskantere, aufregendere Produktionen investiert. Und genau bei dem letzten sind die großen Studios, wie Warner Discovery oder Disney sehr zurückhaltend geworden. Nein, ich rede jetzt nicht wieder den großen Untergang her, die Blockbuster/Superhelden-Zeit wird noch eine ganze Weile anhalten. Aber ein gewisses Bröckeln ist schwer zu übersehen, wenn der Gewinnbedarf sich in halber Milliardenhöhe (oder beim mindestens vierfachen im Fall von Avatar) bewegt. Das macht Blockbuster zur Risikoinvestition, wenn sie doch gerade ein sicheres Ding sein sollten.

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