Wenn Kleopatra im Himmelstor baden geht – vom Film-Flop

Was ist das eigentlich, ein Flop? Nur um das gleich klarzustellen, ich rede hier nicht von rein kritischen Flops. Jeder einzelne ‚Transformers‘ Film wurde von der Kritik zerrissen aber niemand denkt über die Filme als „Flop“. Kritikerschelte (und unzufriedenes Publikum) ist ein Teil des „Flop-tums“ aber nicht das Wesentliche. Ordentlich Verlust muss ein Film einfahren, um ein Flop zu sein. Ein kleiner Film kann eigentlich gar nicht floppen, auch wenn gelegentlich in Medien gerne mal Geschichten von Filmen auftauchen, die in einem Land nur 30 Währungseinheiten eingespielt haben. Der Grund dafür ist aber immer der dass die Macher für einen Tag ein kleines Kino gemietet haben, um rechtliche Bestimmungen zu erfüllen, der Film aber eigentlich fürs Heimkino gedacht ist. Nein, eine gewisse Gigantomanie ist für einen „richtigen“ Flop unverzichtbar. Um ein genaueres Bild zu bekommen, was unsere Idee eines Flops ausmacht ist es vielleicht hilfreich auf eine Reihe quasi-mythologischer Flops zu blicken. Einen von denen werdet ihr sicher schon vor Augen haben. Aber während wir das machen, habe ich eine Frage für euch: was ist der (bislang) größte Flop von 2017? Die Antwort gibt es später (nicht spicken!). Weiterlesen

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Die 5 Besten am Donnerstag: meine 5 liebsten Orte im Film

Jeder kennt dieses Gefühl, wenn man einen Film schaut und denkt „ach, da wäre ich jetzt auch gern!“ Und genau darum geht es diese Woche bei den 5 Besten am Donnerstag. Gorana fragt uns nach unseren 5 liebsten Orten im Film, ganz egal ob real oder fiktiv.

  1. Grand Budapest Hotel

Ja, im Grand Budapest Hotel in der Republik Zubrowka könnte ich schon ein paar Tage verbringen. Ich mag dieses Hotel mit seinem langsam verblassenden Glanz der Habsburger Zeit sehr gerne. Das fiktive Hotel ist natürlich ein Konglomerat aus bestehenden Häusern und Kulissen aber zumindest die Lobby könnte ich im Görlitzer Warenhaus besuchen. Mal sehen…

  1. Jurassic Park

In dem funktionierenden Park, so wie ihn sich John Hammond im ersten Teil vorstellt würde ich sehr gerne ein Wochenende verbringen. Diplodoci füttern, Triceratops streicheln, nur auf den Part, wo ich von Raptoren und T-Rexes gejagt werde könnte ich wohl verzichten. Obwohl, irgendwie gehört das ja dazu. Ich will aber nicht der Kerl sein, der aufm Klo entzwei gebissen wird, Dankeschön!

  1. Mittelerde

Schön durch die Straßen von Minas Tirith schlendern, ein gemütlicher Ritt über die Ebenen von Rohan. In Bruchtal mit den Elben meditieren (oder was auch immer die sonst so machen) und mich dann in Hobbingen mal so richtig schön voll fressen. Und wenn ich schon dabei bin könnte ich mich zum Abschluss auch noch mit ’nem Rudel Zwerge besaufen und mit Gandalf Alten Toby rauchen.

  1. Neuseeland

Okay, der oben geplante Mittelerde Besuch ist aus offensichtlichen Gründen nicht möglich. Aber Neuseeland ist immerhin so nahe dran wie es geht und macht auch in anderen Filmen eine gute Figur. Ganz egal ob es in ‚Slow West‘ für die USA einspringt oder sich in ‚Hunt for the Wilderpeople‘ selbst spielt. Einen Besuch scheint es mehr als Wert zu sein.

  1. Millennium Falcon

Natürlich ist der Plan nicht nur auf dem Millennium Falcon zu sein. Der ist mehr für den Zwischentransport da. Ein Waldspaziergang auf Endor hier, dann in Cloud City in ’ne schicke Bar. Vielleicht Alderaan besuchen, bevor es kaputt gemacht wird, soll ja sehr schön da gewesen sein. Und morgen dann nach Coruscant zum Shoppen. Aber im Falcon ist es zwischendurch auch sehr schön. Und wird es doch mal langweilig, dann kann man dieses Weltraum Schach mit ’nem Wookie spielen. Aber immer drauf achten, dass man ihn gewinnen lässt. Man will ja alle Arme behalten. Und dann… einen Moment, ich glaube das da vorne ist gar kein Mond! Schnell in den Hyperraum!

Kurz und schmerzlos Folge 12: ‚Blade Runner 2049‘ – Kurzfilm Nr. 2: ‚Nowhere To Run‘

Zur Einstimmung auf Denis Villeneuves Fortsetzung des Science Fiction Klassikers wurde jetzt eine weitere kleine Vignette (die erste siehe hier) von Luke Scott veröffentlicht. Diesmal mit Dave Bautista in der Hauptrolle. Die Handlung spielt hier im Jahr 2048, also kurz bevor der neue Film einsetzt.

‚High Noon‘ (1952) – „For what? For nothin‘. For a tin star.“

Der Western lässt sich in mehrere Kategorien einteilen. Da ist zum ersten der „Aufbruchswestern“, wenn die Siedler sich in ihren Planwagen auf nach Westen machen, um neues Land zu erschließen und Menschen, die dreisterweise bereits auf diesem Land leben zu vertreiben. Ist die Siedlung gegründet, dann kommen die Räuber, Gangster und Banditen. Entweder rückt die Gemeinde nun zusammen und besiegt diese Gefahr oder ein ebenso schweigsamer wie tapferer Fremder reitet in die Stadt und rückt die Sache zurecht. Diese beiden Kategorien machen einen Großteil des klassischen, amerikanischen Westerns aus. Aus der zweiten Kategorie ging dann der Italo-Western hervor. Und der war deutlich zynischer. Hier stand hinter den Banditen zumeist irgendein Großkapitalist, der den hart erarbeiteten, bescheidenen Wohlstand der Siedler nun in die eigene Tasche umverteilen wollte. Und der schweigsame Fremde war in seinen Methoden kaum noch von seinen finsteren Gegenspielern zu unterscheiden. Sergio Leone hat seinen vielleicht besten Italo-Western ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ geradezu mit Anspielungen auf ‚High Noon‘ gespickt. Es ist nicht schwer zu erkennen warum. ‚High Noon‘ ist so etwas wie die amerikanische Rampe zur Atlantik-Western-Brücke. Dass er etwas anders wäre als normale amerikanische Western der Zeit erkennt man schon daran, dass er dort beginnt wo andere Western aufhören.

Marshall Will Kane (Gary Cooper) hat das Städtchen Hadleyville in langer Arbeit aufgeräumt und sicher für Familien und Kinder gemacht. Nun heiratet er die deutlich jüngere Amy (Grace Kelly). Da die als Quäkerin jegliche Form der Gewalt ablehnt, legt er sein Amt nieder, um mit ihr einen Laden zu eröffnen. Doch kaum ist die Zeremonie vorbei, treffen schlechte Nachrichten ein: Frank Miller (Ian McDonald), der ehemalige Kopf des Verbrechens in der Stadt wurde begnadigt. Drei seiner ehemaligen Ganoven warten bereits am Bahnhof auf ihn und wenn er im Zug einträfe (um Punkt 12 Uhr!) würden sie kommen, um sich an Will zu rächen. Die Stadt rät dem Paar zur Flucht, der neue Marshall würde erst am nächsten Tag eintreffen, doch Will weiß, Miller würde ihm überall hin folgen. Also wird er sich ihm hier stellen, wo er als Marshall schließlich Freunde hat. Amy ist von der erneuten Hinwendung zur Gewalt, keine Minute nach der Eheschließung, zutiefst enttäuscht und verkündet die Stadt (und Will) mit demselben Zug zu verlassen mit dem Frank Miller eintrifft.

Für Kane beginnt nun eine schmerzhafte Erkenntnis: keiner in der Stadt ist bereit sich auf seine Seite zu stellen. Jeder hat kleinliche Gründe. Sei es sein Deputy, der enttäuscht ist, dass Will ihn nicht zu seinem Nachfolger gemacht hat oder die Kirchengemeinde, die erschüttert ist, dass Kane eine Quäkerin geheiratet hat. Überall sieht er sich vor verschlossenen Türen und ihm zugewandten Rücken. Letztlich muss er sich der Übermacht allein stellen. Oder nicht ganz allein, denn Amy ist bereit aus Liebe ihre Überzeugungen über Bord zu werfen. Am Ende pfeffert ein angewiderter Kane der unsolidarischen Gemeinde seinen Marshall-Stern vor die Füße.

Die ersten Reaktionen auf den Film bei Erscheinen waren nicht gut. Das Publikum freute sich auf wilde Jagden und Schießereien, stattdessen bekam es einen Film zu sehen, der seine Dramatik daraus bezieht, dass ein Mann um Hilfe bittet und sie nicht bekommt. Die gesamte Action findet in den letzten 10 Minuten statt und ist mehr zweckmäßig. Selbst Amys Rettungsakt hat nichts heldenhaftes, wirft sie doch ihren Pazifismus fort, um jemanden in den Rücken zu schießen. Western Regie-Legende Howard Hawks sagte über den Film: „Ein guter Stadt-Marshall läuft nicht wie ein aufgescheuchtes Huhn durch die Gegend und bittet um Hilfe! Und wer rettet ihn? Seine Quäker Frau! Das ist nicht meine Idee eines guten Westerns!“. Das Urteil von John Wayne fiel noch deutlicher aus: „[‚High Noon‘] ist das Unamerikanischste, was ich je gesehen habe.“

War der Grund für die Ablehnung tatsächlich nur, dass Regisseur Fred Zinnemann hier gegen übliche Klischees inszenierte? Nein, denn es hat einen Grund warum die Szenen, in denen sich die Bewohner der Stadt gegen Kane wenden so kraftvoll wirken, wie sie es tun. Drehbuch-Autor Carl Foreman hat genau das erlebt. Im Zuge der von Senator McCarthy veranstalteten Jagd auf alles, was entfernt links wirkte, war er vom „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ als „unkooperativer Zeuge“ eingestuft worden. In seiner Jugend war Foreman kurzzeitig Mitglied der Kommunistischen Partei und hatte sich geweigert die Namen anderer, längerfristiger Mitglieder zu nennen. Nun stand er bei den Hollywood-Bossen auf der „Schwarzen Liste“ und – wie Kane – vor verschlossenen Türen. ‚High Noon‘ wäre für lange Zeit der letzte Film, der Foremans Namen beim Drehbuch tragen würde. Das war der Hauptgrund für die Kritik durch Konservative wie Hawks und Wayne.

Doch fand der Film trotz allem sowohl sein Publikum als auch kritischen Zuspruch. Und kein Wunder, Zinnemanns Inszenierung quasi in Echtzeit (knapp 100 Minuten werden in gut 80 Minuten Film wiedergegeben), seine beständigen Schnitte auf Uhren und die Eisenbahnschienen, sowie die Tatsache, dass der Film nie das kleine Örtchen verlässt lassen den Druck und die Spannung immer weiter wachsen. Und wenn der Zug sich dann endlich mit lautem Pfeifen ankündigt, dann betrachtet Zinnemanns Kamera noch einmal die Gesichter aller Charaktere und ihre Reaktionen. Stoisch, resigniert, schuldbewusst, zerrissen oder auch voller Vorfreude bei den Gangstern. Die (oscarprämierte) treibende Musik von Dimitri Tiomkin unterstützt die Spannungsbildung in Abwesenheit von Action noch mehr und weiß vor allem den gesungenen Text („Do not forsake me“) geschickt einzusetzen.

Cooper hat nicht nur das perfekte Gesicht für seinen verzweifelten Helden, aus Granit gehauen aber mit ersten Verwitterungserscheinungen, er spielt den Charakter auch erstaunlich nuanciert. Er ist nicht „verweichlicht“ wie Kritiker sagen, er ist der Beweis dafür, dass Mut nicht die Abwesenheit von Angst, sondern die Fähigkeit auch in aussichtslosen Situationen nicht aufzugeben ist. Dafür hat er den Oscar bekommen. Er arbeitete zu der Zeit übrigens in Europa und bat einen Freund ihn für ihn entgegenzunehmen… John Wayne. Grace Kelly in ihrer ersten großen Filmrolle als Amy geht hier, obwohl ein wichtiger Charakter, leider etwas unter. Das größte Problem ist, dass sie (21 Jahre) und Cooper (50, sieht aber älter aus) eher wie Vater und Tochter als ein Paar wirken. Erwähnenswert ist wohl noch, dass einer der drei Gangster, der keinerlei Dialog hat von einem gewissen Lee van Cleef in seiner ersten Filmrolle gespielt wurde.

Damit sind wir auch schon wieder beim Italowestern. Wenn in ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ der Gangsterboss also Frank heißt und am Anfang des Films drei Ganoven auf das Eintreffen eines Zuges warten, dann ist das nur der sichtbarste Stempel, den ‚High Noon‘ diesem Genre aufgedrückt hat.

„Ist das Kunst oder kann das weg?“ – von der Langzeitaufbewahrung von Filmen

In manchen Dingen bin ich ziemlich altmodisch. Gerade was den Film angeht mag ich meine physischen Medien. Eine physische Sammlung von Filmen verlangt aber immer nach einem gewissen Maß des Kuratierens. Ich kann nicht alles behalten, eine endliche Menge an Platz gebietet es gelegentlich Filme auszusortieren, sie weiterzuverkaufen oder zu verschenken, wegwerfen tue ich sie bestimmt nicht. Fällt mir ein Film auf, den ich ewig nicht gesehen habe, stelle ich mir die Frage „würde ich den vermissen?“ Wenn ich die nicht mit einem deutlichen „Ja“ beantworten kann kommt er weg und schafft Platz für Neues. Anmerkung des Autors: das oben Beschriebene ist ein Idealzustand. Aus meinem Augenwinkel sehe ich derzeit zwei große Stapel nicht eingeordneter Medien, deren Statik langsam an den schiefen Turm von Pisa zu erinnern beginnt aber tun wir für diesen Artikel einmal so, als besäße ich die behauptete Disziplin. Um die Nutzbarkeit dieser Medien muss ich mir eigentlich keine Gedanken machen. DVDs sollten idealerweise 100, BluRay Disks ca. 80 Jahre halten. Die Medien werden also zumindest theoretisch eher länger in funktionstüchtigem Zustand auf dieser Welt verweilen als ich. Die Frage ist, ob es in 10 oder 20 Jahren noch kompatible Abspielgeräte geben wird, wenn meine einmal den Geist aufgeben. Weiterlesen

Ma-Gos Filmrätsel September 2017 – Ankündigung

Heda verehrte Leserschaft! Morgen beginnt die neue Runde des Filmrätsels, veranstaltet von Schurzgeschichtsschreiber (und nicht etwas Schurzgeschichtenschreiber wie bösartige Nachredner immer wieder behaupten) und da niemand ernsthaft wollen kann, dass ich schon wieder gewinne, solltet ihr möglichst zahlreich teilnehmen, um diesen Super-GAU zu verhindern! Ich bin mir sicher Ihr könnt das!

Ma-Gos Filmrätsel

Hallo liebe Rätselrunde, Filmfreunde und zukünftige Quizgewinner!

Dies ist die Ankündigung für Ma-Gos Filmrätsel im September 2017. Der wichtigste Punkt zuerst, das Thema:

Die IMDb Top 250 Filme (Stand: 13.09.2017)

Ab Freitag, den 15. September wird es bis zum 24. September jeden Tag um 17:00 Uhr eine Filmfrage geben, deren Lösung aus einem Film besteht, der sich in den besten Filmen aller Zeiten befindet – zumindest laut der IMDb-Community.
Die Seite findet ihr hier: http://www.imdb.com/chart/top

Rätselschluss ist Freitag, der 29. September um 23:59 Uhr.
Die Auflösung mitsamt der zugehörigen Siegerehrung folgt am Samstag, den 30. September um 17 Uhr.

Für jede richtige Antwort gibt es einen Punkt. Der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt. Die Antwort bitte so eindeutig wie möglich geben.
Mehr dazu in den Regeln.

Die Kommentare werden ab dem 15. September für andere auf nicht sichtbar geschaltet. Wer also noch etwas sagen möchte, der möge das…

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