‚Mother!‘ (2017)

Auf die eine oder andere Art habe ich vermutlich jeden Film von Darren Aronofsky gemocht. ‚The Wrestler‘ und ‚Black Swan‘ würde ich als seine besten Filme betrachten, aber alles davor ist ebenfalls grandios. Danach kam ‚Noah‘. Und ich habe mich selten so unterhalten gefühlt. Der Film fühlte sich an wie eine Bibel-Verfilmung, die sämtliche unausgesprochene Regeln für Bibel-Verfilmungen über den Haufen wirft. Da werden Möchtegern-Archen-Blinde Passagiere von gigantischen Steinmonstern zerspladdert und Noah teilweise wie ein Slasher Schurke (der ein Baby ermorden will!) in Szene gesetzt. Der Film hätte in seinem Titel ebenfalls ein Ausrufzeichen gebrauchen können. Hätte zum Ton gepasst. Aber auf das mussten wir bis ‚Mother!‘ warten. Und so ganz hat sich Aronofsky von seiner sehr eigenen, filmischen Umsetzung christlicher Mythologie nicht verabschiedet. Der Film hat lange bei mir im Regal gestanden, bevor ich ihn endlich gesehen habe. Die durchwachsenen Rezensionen haben mich doch etwas abgehalten. Tatsächlich ist „durchwachsen“ auch direkt ein gutes Fazit für den Film. Aber erst mal sollten wir über den reden.

Eine junge Frau (Jennifer Lawrence) lebt mit ihrem deutlich älteren Mann (Javier Bardem), einem Poeten, in einem großen, abgelegenen Haus im Grünen. Eines Tages taucht ein Mann (Ed Harris) auf, der sich zunächst als Nachbar vorstellt, bald aber, auf Einladung des Poeten und gegen den Willen der jungen Frau, ein Zimmer im Haus bezieht. Am nächsten Morgen steht seine Frau (Michelle Pfeiffer) vor der Tür, die ebenfalls, wie selbstverständlich einzieht. Durch die dreiste Vertrauligkeit der Gäste, die Distanz des Poeten und das Auftauchen der streitsüchtigen Söhne der Untermieter (Domhnall und Brian Gleeson) werden Gräben zwischen der jungen Frau und dem Poeten unübersehbar, insbesondere was ihre Kinderlosigkeit betrifft. Bald jedoch gleiten die Geschehnisse im Haus ins Groteske über.

Falls jemand findet, dass sich diese Zusammenfassung schwierig liest, so liegt das nur zum Teil an meinen mangelenden Schreibkünsten. Denn keiner der Charaktere hat einen Namen. Selbst im Abspann nicht. Javier Bardem ist „Him“. Lawrence ist „Mother“. Harris „Man“ und Pfeiffer „Woman“. Das unterstreicht direkt wunderbar mein größtes Problem mit dem Film. Die christliche Allegorie ist so unerträglich überdeutlich, dass für eigentliche Charaktere gar kein Platz mehr bleibt.

Der Poet ist natürlich der Schöpfer, der Gott dieser Allegorie. Mann und Frau sind Adam und Eva. Tatsächlich sehen wir Harris Charakter kurz mit einer Verletzung auf Höhe der Rippen, bevor seine Frau aufkreuzt. Und ja, der ältere Sohn erschlägt seinen jüngeren Bruder, worauf der Schöpfer ein Zeichen an seiner Stirn macht. Wer ist die Mutter in diesem Bild? Vermutlich die Mutter Erde. Das erklärt auch ihre Behandlung im weiteren Verlauf des Films. Als sich das Haus immer mehr mit Menschen füllt wird sie übler und übler misshandelt. Die christliche Idee des Dominium terrae, der Herrschaft des Menschen über die Welt wird hier deutlich.

Aronofsky inszeniert die biblische Menschheitsgeschichte hier mit den Mitteln des Horrorfilms. Und das tut er durchaus interessant. Das große gothische Haus, in dem die gesamte Handlung stattfindet, lässt kaum ein typisches Spukhausmerkmal aus. Es knackt und kracht in den Wänden, es dräut düster und im Keller steht ein Ofen, der Kevin McAllister in einen anderen Staat ziehen lassen würde. Doch nichts davon wirkt bedrohlich. Das Haus ist vielmehr eine Erweiterung von Lawrences Charakter. Als wäre das Haus die eigentliche Welt (weshalb wir auch nie etwas darüber hinaus sehen) und „Mutter“ nur der gute Geist der Welt, der versucht „ein Paradies daraus zu machen“. Wenn schwärende Wunden in Boden und Wänden auftauchen, dann weil Lawrences Charakter verletzt wurde und wenn sie sich letztlich der unsäglichen Schöpfung des Poeten entledigt, dann sind die Zerstörung ihrer selbst und des Hauses eins.

Aber was genau will uns Aronofsky sagen? Ist der Films eine Abrechnung mit dem Christentum? Mit der Menschheit an sich? Ist seine Botschaft eine ökologische, die besagt, wenn wir uns in unserem „Haus“, dem einzigen das wir haben, weiter benehmen wie die letzten Arschlöcher, dann werden wir eines Tages alle brennen? All das kann man da problemlos reinlesen. Aber auch eine Untersuchung seiner eigenen, der kreativen Zunft. Der Poet wird jeder seiner Schöpfungen (die nie gänzlich seine eigenen sind) allzu schnell überdrüssig und sucht nach neuer Inspiration und, nicht zuletzt, neuer Verehrung ohne Rücksicht auf die Folgen für die, die er zurücklässt. Natürlich könnten wir hier auch einfach den nervösen Zusammenbruch einer psychisch kranken Frau sehen, die ihre Medikamente die Toilette herunterspült und deren Ehemann das exakte Gegenteil von hilfreich ist. Damit ist das inhaltlich, wenigstens für mich, ein wenig zu beliebig. Wenn alles allegorisch ist, wie Aronofsky nicht müde wird deutlich zu machen, dann bleibt am Ende wenig übrig.

Die größte Stärke des Films ist seine Inszenierung. Wir bleiben den gesamten Film über in direkter Nähe von Lawrences Charakter und ihrer streng subjektiven Sicht auf die Dinge. Ohne Musik sind wir den düsteren Grün- und Brauntönen des Hauses unentrinnbar ausgeliefert. Und Lawrence liefert eine reichliche Tour de Force des Schauspiels ab. Leider schleicht sich alsbald hier eine gewisse Repetition ein. Lawrence erlebt etwas furchbares, Bardem ist nirgendwo zu sehen, bis er plötzlich, ein wenig dümmlich grinsend, etwas zu nah vor der Kamera erscheint und verkündet, dass alles gut würde. Von Pfeiffer und Harris hätte ich gern mehr gesehen. Die Inszenierung von Adam und Eva als rauchende, saufende, dreiste Nervbolzen hatte etwas vom anarchischen Charme von ‚Noah‘. Der verschwand in dem sich hoffnungslos selbst ernst nehmenden Rest des Film leider völlig.

Ich muss zugeben, ich habe Schwierigkeiten zu sagen, was ich von dem Film halte. Die biblische Menschheitsgeschichte als Variation auf ‚Rosemarys Baby‘ ist fraglos eine hochoriginelle Idee, leider finde ich das filmische Ergebnis eher interessant als wirklich gut. Wobei man sich vermutlich fragen darf, ob das ein Film ist, der überhaupt „gut“ gefunden werden will. Gelegentlich fühlte sich der Film, wenigstens für mich, weniger nach Aronofsky und mehr nach Lars von Trier an (‚Antichrist‘ lässt grüßen). Nicht zuletzt weil eine gewisse filmische Provokation hier absolut im Mittelpunkt steht. Aber ich vermute, wer ihn sehen wollte hat ihn inzwischen gesehen und bedarf kaum noch meines Ratschlags. Für mich bleibt Bong Joon-hos ‚Mother‘ die bessere filmische Mutter (Andres Muschiettis ‚Mama‘ hat sich durch Heintje-Betitelung direkt selbst disqualifiziert). Ich für meinen Teil bin aber auf jeden Fall für mehr Ausrufezeichen in Filmtiteln!!

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 2 – deutscher Exkurs

Was als kurzer Blick auf deutsche, „tote“ Filmfranchises geplant war ist, mal wieder, etwas aus den Fugen geraten und erscheint hier nun als eigener Teil. Internationale Franchises folgen nächste Woche (es sei denn, es drängt sich wieder was dazwischen).

Nachdem wir uns letzte Woche mit den Definitionen der Begriffe „Franchise“ und „sterben“ gelangweilt haben und einen kurzen Blick auf langlebige Filmfranchises geworfen haben, wollen wir uns diese Woche eher den „toten“ Franchises zuwenden. Fangen wir mit dieser Betrachtung doch einfach mal in Deutschland an. Denn hier gibt es einige faszinierende Beispiele.

Da wären zunächst natürlich einmal die Edgar Wallace-Filme. Da in Deutschland angesiedelte Krimis in der Nachkriegszeit nicht besonders erfolgreich waren, versuchte es der dänische Produzent Preben Philipsen 1959 mit der Verfilmung des Romans ‚Der Frosch mit der Maske‘ des Briten Edgar Wallace, angesiedelt in Foggy London Town. Nach dem grandiosen Erfolg dieses Films gründete Philipsen einen deutschen Ableger seiner Produktionsfirma Rialto Films und erwarb die exklusiven Filmrechte am Werk Wallaces. 32 Filme entstanden so bis 1972. Ab 1961 unter der Leitung von Produzent Horst Wendtlandt. Das Aussehen der Produktionen wurde dabei insbesondere von Regisseur Alfred Vohrer, der für 14 Filme verantwortlich zeichnet, geprägt, wobei Harald Reinl den Grundstein legte. Mehr noch aber durch häufig wiederkehrende Darsteller, allen voran Eddi Ahrent, Joachim Fuchsberger und Klaus Kinski. Aber auch internationale Stars waren zu sehen, etwa Christopher Lee. Klassische whodunnit Motive wurden mit sanftem Grusel maskierter Schurken und Humor verwoben. Ende der 60er ging der Erfolg erheblich zurück. Man holte italienische Produktionspartner ins Boot, doch 1972 war mit ‚Das Rätsel des silbernen Halbmondes‘, der fast völlig unter italienischer Aufsicht entstand Schluss. Die Edgar Walle reihe war „tot“. In Italien lebte sie sicher in gewisser Weise im Genre des Giallo fort. Und in Deutschland wurde sie ein häufig geschehener Gast im Fernsehen.

Und damit sind wir wieder beim Problem des „toten“ Franchises. Die Wallace Filme durchdrangen, auch nachdem es keine neuen mehr gab, immer noch die deutsche Popkultur. Genug, dass RTL und Otto Waalkes 1994 ‚Otto – die Serie‘ produzierten, in der Komiker Otto in Szenen der Serie mit mehr oder weniger humoristischem Effekt eingefügt wurde. 1995 folgte auf RTL auch eine „ernsthafte“ Fernsehversion mit 8 Filmen, sehr frei nach Wallace, die einige der alten Darsteller gewinnen konnte. 2004, mehr als 30 Jahre nach dem sogenannten „Tod“ des Franchises produzierte Oliver Kalkofe ‚Der Wixxer‘, eine namentliche Parodie auf ‚Der Hexer‘, die aber die Filmreihe als Ganzes auf den Arm nahm. Der Film war erfolgreich genug, um 2007 die Fortsetzung ‚Neues vom Wixxer‘ zu rechtfertigen. Wahrscheinlichkeit, dass man sich hier früher oder später an einer Neuauflage versucht? Sehr hoch.

Für das nächste Franchise kann ich einen guten Teil der oben erwähnten Namen schlicht wiederholen. Rialto Film, Horst Wendtlandt, Harald Reinl und Alfred Vohrer. Denn ab 1962 wollte man auch die kontemporär sehr beliebten Karl May Romane umsetzen. Allen voran die beliebten Geschichten um Winnetou. Erfolgsverwöhnt plante man hier direkt mit einer Serie. Für die Rolle des Old Shatterhand stand früh der Amerikaner und ehemalige Tarzan-Darsteller (behaltet das mal im Hinterkopf für nächste Woche…) Lex Barker fest. Für die Rolle des Winnetou entdeckte Wendtlandt den recht unbekannten Franzosen Pierre Brice. Der erste Film wurde zu einem Megaerfolg und um die Hauptdarsteller entwickelte sich gar eine Hysterie, die bei ihren Auftritten bei Filmpremieren annähernd Beatles-eske Züge annahm. Bis 1968 entstanden 9 weitere Filme der Rialto, die teilweise außer den Charakteren nichts mehr mit den Buchvorlagen zu tun hatten. An dem Erfolg beteiligte sich ebenfalls Produzent Artur Brauner mit seiner CCC-Film. Er produzierte Karl May Verfilmungen, die nichts mit Winnetou zu tun hatten. Für die Rolle des Kara ben Nemsi castete er ebenfalls Barker.

Auch hier darf man vermutlich wieder fragen, wie „tot“ das Franchise nach 1968 war. Denn nicht nur hat der Erfolg der Reihe in der DDR die DEFA Indianerfilme inspiriert, die bis in die 80er produziert wurden, auch im Westen gab es zahlreiche Fernseh- und Zeichentrickbearbeitungen von Karl May und Indianer-Stoffen. Auch Winnetou selbst wurde immer wieder gesehen. In ‚Winnetous Rückkehr‘, einem Zweiteiler des ZDF etwa, in dem Brice 1998 die Rolle noch einmal übernahm. Und noch 2015 war der Stoff auf RTL in ‚Winnetou – Der Mythos lebt‘ zu sehen. Und nicht zu vergessen die jährlichen Karl May-Spiele, die seit den frühen 50er Jahren May Abenteuer als Theater im Bad Segeberger Kalkstadion inszenieren (daneben gibt es zahlreiche weitere Karl May Spiele), die höchstens mal von einer globalen Pandemie aufgehalten werden. Doch der größte Erfolg ist hier die Parodie. Mit ‚Der Schuh des Manitu‘ landete Michael Bully Herbig 2001 einen der größten Erfolge der deutschen Kinogeschichte. Eine plump kalauernde Nummernrevue, die Bullys Sketchherkunft ganz deutlich erkennen lässt. Dabei ist die Umsetzung durchaus professionell und technisch kompetent. Aber natürlich erklärt sich ein ganz großer Teil des Erfolgs des Films über die ungebrochene Begeisterung für Winnetou. Wahrscheinlichkeit einer Neuauflage: naja, passiert doch schon dauernd, bringt heute aber nicht mehr den ganz großen Erfolg. Ich vermute, da es heute Kinogänger gibt, die eher Bullys Version als der originalen Nostalgie entgegenbringen, dürfte es eine große Neuauflage schwer haben.

Ob Ihr es glaubt oder nicht, für das nächste „tote“ Franchise sind wir schon wieder bei Rialto und Horst Wendtlandt. Otto Waalkes war ab den 70er Jahren eine Sensation in der deutschen Komik. Er verband Wortspiele und Kalauer mit clownesker Körpersprache und Geräuschen, allerlei komischen Liedern und immer wieder Parodien. Bezeichnend war auch, dass Waalkes in Interviews und ähnlichem stets „im Charakter“ blieb. Verlage wussten mit ihm anfangs wenig anzufangen, doch als sich seine Bücher und Schallplatten seiner Auftritte verkauften wie geschnitten Brot und erste Fernseherfolge hinzukamen, wurde ein Kinofilm immer mehr zum logischen nächsten Schritt. Umgesetzt von Rialto unter Produktion von Horst Wendtlandt. Und ‚Otto – der Film‘ wurde zu einem gigantischen, zum bis dahin größten, Erfolg des deutschen Kinos. Klar, dass der ein Franchise nach sich zieht. Bis zum Jahr 2000 folgten vier Fortsetzungen. Seitdem war Otto zwar noch häufiger im Kino, auch in Hauptrollen, zu sehen, die Filme hatten aber nicht mehr das „Otto“ Branding (von der Parodie ‚Otto’s Eleven‘ einmal abgesehen).

Doch könnte man durchaus argumentieren, dass Franchise Otto sei alles andere als „tot“ (Herrn Waalkes selbst wünsche ich selbstverständlich beste und lange Gesundheit!), schließlich ist er doch gerade jetzt, in diesem Moment, in der Hauptrolle von ‚Catweazle‘, einer Neuauflage einer britischen Serie der 70er, zu sehen. Aber es steht eben nicht mehr die „Otto“-Persona im Mittelpunkt, sondern eine Serie von der ich nicht überzeugt bin, wie viele sich an die noch erinnern. Vom erfolgreichsten deutschen Film dürfte der jedenfalls weit entfernt bleiben.

Otto steht hier auch mehr stellvertretend für eine ganze Reihe Komiker-Franchises der 80er Jahre. Seien es die Didi (Hallervorden) oder die Supernasen Filme. Mit Klamauk und aus dem Fernsehen bekannten Gesichtern war damals der Kinoerfolg schon halbwegs gesichert. Was heute nicht mehr unbedingt klappt. Wobei das Fernsehen sich für die Unterhaltung auch weitgehend auf „Reality“-Müll zurückgezogen hat. Woher sollen da die Charakternasen kommen?

Rialto war übrigens auch noch an der Produktion zahlreicher Spencer/Hill und Louis De Funes Filmen beteiligt, die also rein technisch hier auch auftauchen könnten. Aber das würde wohl zu weit führen. Es zeigt sich bei dieser groben Untersuchung, dass die 60er Jahre und die 80er Jahre des deutschen Kinos anscheinend besonders geeignet waren, erfolgreiche Franchises zu produzieren. In den 50ern war es eher das Genre des Heimatfilms, der derart happy endings hatte, dass eine Fortsetzung kaum Sinn geben würde. Und der „Neue Deutsche Film“ der 70er war eher künstlerisch als finanziell ausgerichtet. Natürlich gibt es auch heute noch erfolgreiche deutsche Franchises, man schaue nur auf ‚Fack ju, Göthe‘.

Selbstverständlich erhebt mein kurzer (heh) Text hier keinerlei Anspruch auch auf nur annähernde Vollständigkeit. Nicht zuletzt, weil ich mich rein auf die Nachkriegszeit konzentriert habe. Auch davor gab es durchaus Franchises, erwähnt sei hier nur als Beispiel Paul Wegeners ‚Der Golem‘-Filme (inklusive eines nie realisierten „Crossovers“ mit ‚Alraune‘). Doch beenden wir diesen Exkurs an dieser Stelle und kehren nächste Woche zum internationaleren Thema zurück. Wenn Ihr lebende oder „tote“ deutsche Franchises in den Kommentaren ergänzen wollt, freue ich mich darüber natürlich.

PS: ist der „Til Schweiger Film“ ein Franchise?

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Filme, die in den Bergen spielen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Filmen, die in den Bergen spielen. Auweia, der Berg ruft. Das ist ja ein Ruf, demgegenüber ich als Nordlicht relativ taub bin. Ich hab’s lieber flach. Da sieht man was kommt und fällt nicht so tief. Aber 5 Filme sollte ich trotzdem auftreiben können.

5. ‚Cliffhanger‘ (1993)

Jaja, der Film ist blöder als 2 Meter Wanderweg, Sylvester Stallones Erlebnisse haben mit der Realität eines Bergführers so viel zu tun, wie Stallone selbst mit deutlicher Aussprache. Und wenn schon, was soll’s. Ein unterhaltsamer 90er Actionfilm mit ordentlich Rumms und einem John Lithgow, der ordentlich fies sein darf.

4. ‚Das Finstere Tal‘ (2014)

Das Ergebnis, wenn man den Heimatfilm mit Western kreuzt. Okay, ein Ergebnis dieser Kreuzung, die Winnetou-Filme sind das andere. Andreas Prochaska macht hier einen gelungenen Film um Gewalt, Terror und Kälte draus.

3. ‚Free Solo‘ (2018)

Warum erklettert man einen Berg ohne jede Absicherung? Das ist die eine Frage, die die Dokumentation beantworten will. Fast interessanter sind dann aber die Fragen nach der Ethik des eigenen Handelns.

2. ‚Lohn der Angst‘ (1953)

Eine Ölfirma bietet einigen gescheiterten Existenzen in Südamerika einen hohen Betrag, wenn sie Lastwagen mit Nitroglyzerin zu einer brennenden Mine fahren. Über eine unwegsame Gebirgsstraße. Ein Film, der nach fast 70 Jahren immer noch hochspannend ist.

1. ‚The Shining‘ (1980)

Oh doch, der zählt absolut, das Overlook Hotel liegt in den Bergen! Zwar klettert hier keiner, aber die Abgelegenheit des Hotels ist ein ganz zentrales Element des Films. Ansonsten muss ich wohl nicht mehr viel dazu sagen.

Newslichter Ausgabe 147: Star Trek?, Pferderückkehr und Extremklettern

Willkommen bei Ausgabe 147 des Newslichters. Sie klingt immer wahnsinnig platt, die Floskel von den „unvorstellbaren Bildern“. Und doch hätte ich mir Bilder wie die von der Flutkatastrophe nicht vorstellen können. Jedenfalls nicht in Deutschland und nicht in diesem Ausmaß und nicht zu meinen Lebzeiten. Doch keiner von Euch bedarf meiner Meinung dazu, die gesamte Situation wird hoffentlich genauestens aufgearbeitet und den Opfern geholfen. Für den Moment bleibt mir nur zu wünschen, dass es Euch und Euren Lieben gut geht. Kommen wir zum Unwichtigen.

‚Star Trek‘ Filmstatus

Wie sieht es aus mit einem neuen ‚Star Trek‘ Film? Das ist eine nicht ganz unkomplizierte Frage. Wäre ein neuer Film eine Fortsetzung der „Kelvin Zeitlinie“, oder doch eine Rückkehr zum originalen Kanon? Oder etwas ganz Neues? Paramount scheint regelmäßig Angst vor der eigenen Courage zu bekommen und dann lieber gar nichts draus zu machen. Quentin Tarantinos ‚Star Trek‘ war immer so eine Art „Schrödingers Katze“. Aber eine Version des Experiments, bei der es in der Box so dunkel ist, dass man auch beim Öffnen nicht sicher sein kann, ob die Katze, sprich der Film, noch lebt. Jetzt, würde ich sagen, hat sich das Projekt erledigt. Tarantino überlegt, ob er überhaupt noch einen Film drehen will und irgendwie bezweifle ich, dass sein letzter Film (wenn es denn der Letzte wird) gerade ein Franchise Beitrag sein wird. Noah Hawley sollte auch einen ‚Star Trek‘ drehen. Dort stand aber wohl eine pandemische Katastrophe im Zentrum der Handlung, was Paramount, man ahnt warum, nicht mehr so toll fand (ich vermute ja, dass er Ideen davon mit zu seiner ‚Alien‘ Serie nehmen wird). Dann also doch ein neuer Kelvin Film? Im Moment sieht viel danach aus. Zwei Autorinnen sollen derzeit daran arbeiten: Geneva Robertson-Dworet und Lindsey Beer. Robertson-Dworet hat Blockbustererfahrung, hat ‚Captain Marvel‘ und den letzten ‚Tomb Raider‘ geschrieben. Beer hat einen sympathischen Nachnamen, bislang aber nur einen Indie-Film geschrieben. Doch schaut man bei imdb in ihre nahe Zukunft, schlackern die Ohren. Nicht nur ‚Star Trek‘ soll sie schreiben, sondern auch den nächsten Turtles Film, ein Remake von ‚Nummer 5 lebt‘, eine Adaption des Fantasy Erfolgs ‚Kingkiller Chronicles‘ und die Spielzeugverfilmung ‚M.A.S.K.‘. Und ein Sequel zum ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ Remake bei dem sie auch Regie führen soll. Und das war noch nicht einmal alles. Irgendwer muss ihr verdammt viel zutrauen. Regie beim ‚Star Trek‘ Sequel soll jedenfalls Matt Shakman führen, der bislang Fernseh-Regisseur war, zuletzt bei ‚Wanda Vision‘. Bleibt abzuwarten, ob dieser Film materialisiert, oder ob es wieder ein Transporterunglück gibt. Fraglich wie viele der Stars eigentlich noch Lust oder Zeit für den Film haben.

‚Spirit – frei und ungezähmt‘

Fein, ich gebe es zu, manchmal überrascht mich Disney dann doch noch. Hätte man mich gefragt, welcher Disney Zeichentrickfilm eine späte Fortsetzung bekommt, hätte ich eine ganze Reihe von Filmen genannt, sicher aber nicht ‚Spirit – Der wilde Mustang‘. Das ist gar kein Qualitätsurteil, ich hätte schlicht gar nicht daran gedacht, dass es den Film gibt. Denn Spirit ist vollständig an mir vorbeigallopiert. Daran mag ‚Chihiros Reise ins Zauberland‘ nicht ganz unschuldig sein, der dem Spirit eben auch den Oscar für den besten animierten Film vor den Nüstern wegschnappte. Aber offenbar hatte der Film dennoch einige „staying power“. Pferdefilme finden ja meist ein dankbares Publikum. Bereits 2017 erhielt der Film eine Fortsetzung in Form einer animierten Fernsehserie. Und die war offenbar erfolgreich genug, dass der nicht mehr ganz junge Gaul nun wieder in die Kinos galloppeln darf. Morgen bereits. Wie gesagt, oft überrascht mich die Maus nicht eben, aber wenn doch, fühlt es sich halt an wie ein Pferdekuss.

Reinhold Messner Biopic

Kennt man als Kind heutzutage eigentlich die Namen von Bergsteigern? Wenn man in den 80ern aufgewachsen ist, kam man jedenfalls um den Namen Reinhold Messner nicht herum. Mit seinem wilden Bart und Haupthaar und wettergegerbtem Gesicht brauchte man ihn nur anzusehen, um den Hauch des Abenteuers zu spüren. Messner war ein Superstar, gern gesehener Gast in allerlei Fernsehsendungen, Autor eines unüberschaubaren Stapels von Büchern. Und natürlich Bergsteiger. Von vielen als der Beste dieser Zunft bezeichnet. Alle 8000er der Welt hat er ohne Sauerstoff erklettert. Teils im Alleingang. Und wenn er nicht kletterte, schrieb oder im Fernsehen auftrat, lief er zum Südpol oder durch die Wüste Gobi. Vermutlich so zur Erholung. Natürlich lebt er in einem Schloss in den Bergen. Man kann fast fragen, warum es so lange gedauert hat, bis diese schon halbmythologisierte Person einen eigenen Film bekommt. Jetzt dreht jedenfalls der Österreicher Andreas Prochaska einen. Der kennt sich aus mit Bergen hat er doch auch den österreichischen Western (Öster-Western?) ‚Das Finstere Tal‘ gedreht. Sein Messner Film wird ‚Whiteout‘ heißen und eine US-Österreichische Koproduktion.  Wer Messner spielt ist bislang nicht bekannt. Ebensowenig wer die Rolle des Yeti übernehmen wird.

Das war es für diese Woche. Wir sehen uns hier in sieben Tagen.

Price Is Right: ‚The Masque of the Red Death‘/‘Satanas‘ (1964)

2018 erschienen hier auf dem Blog gerade mal zwei Ausgaben einer Reihe namens „Price Is Right“ (‚Theater des Grauens‘; ‚Basil, der große Mäusedetektiv‘), in der ich, man ahnt es, Filme mit Vincent Price besprechen wollte. Kaum drei Jahre später erscheint also Teil drei der Reihe. Mal schauen, wie lange es bis Teil vier dauert…

‚The Masque of the Red Death‘ ist die sechste von Roger Cormans Edgar Alan Poe-Adaptionen (wobei Cormans Lovecraft Adaption ‚The Haunted Palace‘ (1964) auch oft in die Reihe gerechnet wird). Am Anfang der Reihe standen, wie eigentlich immer bei Corman, finanzielle Gedanken. Poes Geschichten waren in der public domain, hatten aber einen hohen namentlichen Erkennungswert, zumindest in der englischsprachigen Welt. Nach dem Erfolg von ‚Die Verfluchten‘/‘House of Usher‘ (1960) hatte er für die weiteren Filme plötzlich für seine Verhältnisse ungewöhnlich hohe Budgets zur Verfügung, konnte Horror Veteranen wie Boris Karloff und Peter Lorre anheuern und sich sogar filmische Experimente leisten, etwa das Spiel mit Humor, vor allem in ‚Der Rabe‘ (1963) und der Anthologie ‚Der grauenvolle Mr. X‘ (1962). Price, der Humor mindestens so gut wie Horror beherrschte blieb dabei stets zentrales Element der Filme.

Corman sagte später, nach ‚Usher‘ hätte er am liebsten direkt ‚Masque oft he Red Death‘ umgesetzt, die er für eine der besten Poe Geschichten hielt. Er fürchtete aber man könne ihm bei der Umsetzung des existenzialistischen Horrors vorwerfen, er würde bei Bergmans ‚Das Siebente Siegel‘ (1957) abkupfern. Später gab er zu, dass es eher die Angst davor war, dass ein Herzensprojekt scheitern könnte. 1964 drehte er ihn dann doch. Und dreht den Humor wieder deutlich zurück. Erstaunlicherweise aber den konventionellen Horror auch.

In Poes Kurzgeschichte wütet eine grausige Krankheit, der Rote Tod, in einem spätmittelalterlichen Lande. Der Herrscher, Prinz Prospero, hat sich derweil mit anderen Adligen in einer abgelegenen Abtei verbunkert, wo sie dem Leid mit Exzess begegnen. Auf einem Maskenball taucht dann jedoch der personifizierte Rote Tod auf und Prospero und die Feiernden fallen ihm alle zum Opfer. Prospero wollte in seiner Hybris dem Tod trotzen, was bei Poe niemals funktioniert, der den Tod in jedem Menschen bereits angelegt erkennt.

Corman und Price treiben diese Figur ein ganzes Stück weiter. Prices Prospero ist ein pompöser, sadistischer, eitler und vor allem gelangweilter Satanist. Am Anfang des Films entführt er die junge Francesca (Jane Asher), sowie ihren Vater und ihren Geliebten, die sich gegen seine grausame Herrschaft aufgelehnt haben, aus genau dem Dorf in dem der Rote Tod ausbricht. Mit dem Ziel Francescas Unschuld zu zerstören und sie zu seiner Gefährtin zu machen. Prosperos Konkubine Juliana (Hazel Court) sieht sich dadurch, nicht zu Unrecht, in ihrer Position gefährdet und übergibt ihre Seele vollends dem Satan, um Prospero zu gefallen. Mit erwartbaren Folgen. Der Maskenball endet bei Corman immerhin nicht ganz so hoffnungslos wie bei Poe.

Sonderlich handlungsgetrieben ist der Film in der Tat nicht. Kein Wunder, gibt Poes Kurzgeschichte doch kaum genug her, um einen Spielfilm zu füllen. Tatsächlich wird eine andere Poe Geschichte, Hop-Frosch, als Nebenhandlung hergenommen. Was also lässt den Film funktionieren? Da ist allem voran das visuelle Flair.

Corman drehte den Film in fünf Wochen, in England. Hier hatte er Zugriff auf umfangreiche Burgkulissen, die kurz zuvor für ‚Becket‘ verwendet wurden und die er natürlich nur zu gerne wiederverwertete. Vor dem Vorwurf sich bei Bergman zu bedienen hätte er sich nicht fürchten müssen. Jedenfalls nicht visuell. Denn dessen skandinavischer Askese setzt eine wahre Bilderflut entgegen. Da sind die aufwändigen Kostüme der Adligen. Da ist eine grandiose psychedelische Traumsequenz wenn Juliana ihre Seele dem Teufel überlässt, in der sie von Priestern aus allen möglichen Zeitaltern und Regionen der Welt auf einem Altar geopfert wird. Eine Sequenz, die die amerikanischen Zensoren so schlimm fanden, dass sie herausgeschnitten werden musste, obwohl man nichts Explizites sieht, wie Corman richtig betont. Der abschließende danse macabre wird hier zu einem Farbrausch. Selbst Dinge, die eigentlich nicht funktionieren sollten, wirken in dieser merkwürdigen Welt. Wenn sich hier am Ende ein ganzer Regenbogen farbcodierter Tode trifft und Fallzahlen abgleicht, dann wirkt das bei weitem nicht so albern, wie es klingt.

All das mag auch daran liegen, dass hier nicht Cormans üblicher Kameramann für die Poe Adaptionen, Foyd Crosby, hinter der Kamera stand, sondern ein junger Brite namens Nicolas Roeg. Der durfte hier zum ersten Mal in Farbe arbeiten und tobte sich dementsprechend voll aus. Und dass er das durchaus beherrscht, konnte er später als Regisseur in Filmen wie ‚Wenn die Gondeln Trauer tragen‘ oder ‚Der Mann, der vom Himmel fiel‘ beweisen. Womit Corman zum hundertdrölfzigsten Mal sein Talent andere Talente zu finden bewiesen hätte.

Das zweite Standbein des Films sind die Darsteller und hier, natürlich, allen voran Vincent Price. Es ist schwer sich einen anderen Darsteller in der Rolle dieses Prospero vorzustellen. Allzu sehr macht er sie sich zu eigen. Viele von Prosperos nihilistischen Blasphemien, wortreich und mit ironischem Unterton vorgetragen, soll Price selbst improvisiert haben. Aber der Charakter ist auch interessant in seiner Anlage. Einerseits ein mörderisches Monster, doch vergleicht er sich süffisant mit einem tief christlichen Vorfahren, der hunderte Menschen hat verbrennen lassen um ihre Seele zu retten. Ist er wirklich so viel schlimmer als der, fragt er. Auch sind ihm Standesdünkel fern. Einen anderen Adligen lässt er mit derselben distanzierten Amüsiertheit erschießen, wie eine Gruppe Bauern. Und wenn ein kleinwüchsiger Tänzer grausige Rache an einem weiteren sadistischen Adligen nimmt, dann lässt Prospero ihn dafür belohnen, weil es ihn unterhalten hat. Am Ende passen einzig seine Arroganz und sein Nihilismus nicht zusammen. Warum sollte in einer vollkommen bedeutungslosen Welt gerade er eine besondere Position einnehmen?

Leider wurden Cormans Befürchtungen wahr und der Film blieb hinter den Erwartungen zurück. Er selber gab sich später kleinlaut, er habe die selbstgewählte Zielgruppe für seine B-Movies, die Teenager, mit diesem Film aus den Augen verloren. Habe sich nicht auf das eigentliche Element des Horrors konzentriert. Produzent Samuel Z. Arkoff sagt es deutlicher, der Film sei „too arty farty“. Und dennoch zählt Corman ihn auch heute noch zu seinen besten Arbeiten.

Und völlig zu Recht. Ich würde den Film, sowie den ganzen Poe-Zyklus von Corman, absolut empfehlen. Eben gerade weil sich Corman hier einmal von seinen festen Erfolgsformeln für seine B-Movies verabschiedet, weil er künstlerisch experimenteller wird. Kurz, gerade weil er ein bisschen „arty farty“ ist. Und wegen Vincent Price, natürlich. Insgesamt ein großer Spaß!

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 1

„Kein Franchise wird jemals wieder sterben dürfen!“ Das ist so ein neunmalkluger Satz, den ich gern, vor allem beim Newslichter verwende. Allerdings bin ich ein Scharlatan, der keine Ahnung hat, wovon er spricht. Darum traue ich solchem Blödsinn, den ich von mir gebe erst einmal nicht. Von daher lohnt es sich vermutlich, diesen Satz mal genauer zu untersuchen. Er sagt genau genommen zwei Sachen aus. Explizit, eben genau das was da steht, jetzt und in Zukunft wird kein Filmstudio (dies ist ein Filmblog, deshalb schränke ich diesen unachtsam allgemein formulierten Satz einmal auf dieses Medium ein) mehr ein Franchise „sterben“ (oh, diese Anführungszeichen sind ein Omen) lassen. Implizit sagt er aber auch, dass es mal eine „gute alte Zeit“ gab, in der Franchises gestorben sind.

Prima, das sind doch Dinge, die sich mit vermutlich minimaler  Recherche leicht be- oder widerlegen lassen! Dachte ich. Weil ich ein Scharlatan bin. Ein Nixwisser, ein Trottel, der mit seiner Zeit nicht umzugehen weiß. Also dann, definieren wir doch mal was ich mit „Franchises“, die für die Aussage qualifiziert sind, meine.

Erst mal natürlich Filmfranchises. Also eine Filmreihe mit mehr als einem Film, die in derselben Kontinuität spielen, oder die wenigstens thematisch eng zusammenhängen. ‚Ghostbusters‘ etwa, um mal ein völlig zufälliges Beispiel zu wählen. Allerdings wächst so ein Franchise natürlich schnell über den Film hinaus. Im Fall von ‚Ghostbusters‘ mit Zeichentrickserien, Spielzeug, Videospielen, Brettspielen und Tonnen von Merchandise. Was bedeuten könnte ein Franchise „stirbt“ als Filmfranchise, überlebt aber in einer anderen Nische.

Das gilt natürlich noch mehr für Franchises, die schon bestehen, bevor es einen Film gibt. Die können sich wohl auch mit einem Film schon als „Franchise“ im Sinne des Satzes qualifizieren. Zahllose Videospiel- oder Comicverfilmungen, etwa. Wenn dieser eine Film schlecht genug läuft, um ein solches Franchise zu zerstören, wäre es sicher qualifiziert. Kann man (oder wenigstens ich) sich aber kaum vorstellen. Die Ninja Turtles dürfte es kaum an ihrer harten Schale kratzen, dass die letzten beiden Filme eher so mittel waren. Dafür haben sie zu viele Eisen im Ooze. Ein Super Mario oder Assassins Creed werden ihre mäßigen Filme in ihren Hauptabsatzmärkten, den Spielen, kaum bemerken.

Eine Einschränkung wird allerdings an dieser Stelle nötig. In meinen Augen sind nicht alle ‚Dracula‘ Filme, alle ‚Sherlock Holmes‘ oder alle ‚Robin Hood‘ Filme usw. ein Franchise. Das sind verschiedene Verfilmungen derselben literarischen Figur. Allerdings gib es innerhalb dieser zahlreichen Verfilmungen durchaus wieder Franchises. Etwa die Universal Dracula-Filme. Oder die der Hammer Studios. Bei Holmes die 14(!) Rathbone/Bruce Produktionen, oder die im Vergleich kümmerlichen zwei Downey jr./Law Filme.

Was definitiv auch nicht gilt, sind versuchte, aber schon im Ansatz gescheiterte Franchises. ‚John Carter‘? Kein Franchise. Das „Dark Universe“? Kein Franchise. Die Filme, die als solches qualifiziert werden könnten, wie ‚Invisible Man“ erscheinen sicher nicht zufällig ohne dieses Branding. Hier gab es nie ein Franchise, das hätte „sterben“ können.

In Ordnung, damit haben wir die Idee des Wortes „Franchise“ in meiner Aussage gut genug umrissen, um uns auf die Suche nach Beispielen zu machen. Kommen wir jetzt zur Definition des Wortes  „sterben“ (und hier verabschieden sich vermutlich auch die letzten paar Leser). Dieses Wort ist schwierig. Denn es gibt einen Unterschied zwischen „sterben“ und „enden“. ‚Zurück in die Zukunft‘ hat geendet. Es ist in keiner Art und Weise gestorben. Es gibt immer noch Fans, immer noch neue Veröffentlichungen der Filme und Bildbände, Spiele, Hintergrundmaterial usw.. Vor allem hängt aber immer noch das Damoklesschwert des Remakes über der Reihe. Also, eine Reihe, die noch mit anhaltendem Erfolg beendet wird endet. Sterben tut ein Franchise, bei dem langsam Erfolg und Budgets immer kleiner werden, die Filme immer schwächer, bis das Franchise ein klägliches Ende nimmt. Ein Musterbeispiel hierfür wären die ‚Planet der Affen‘ Filme. Wären sie, wenn sich hier das Damokles-Schwert des Reboots/Prequels nicht als kleiner Segen erwiesen hätte und für drei gelungene Filme vor ein paar Jahren gesorgt hätte. Was natürlich in gewisser Weise meine Aussage bestätigt. Aber soweit sind wir noch nicht. Aber ja, ich gebe zu, der „Tod“ eines Franchises ist schwer zu bestimmen. Solange noch ein leises Echo seines Namens durch die Popkultur geistert, kann es jeder Zeit wieder auferstehen. Aber gemeint ist hier mit „Sterben“ „aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitestgehend verschwunden, abgesehen vielleicht von einer kleinen Gruppe Fans“.

So damit haben wir, sicher keinen wissenschaftlichen Standards standhaltenden, aber für unsere Zwecke genügende Definitionen der Begriffe „Franchise“ und „sterben“ im medialen Sinne geschaffen. Jetzt geht die Recherche los. Eine Recherche, die weit anstrengender war, als ich mir das vorgestellt hätte. Doch dazu werden wir mehr in Teil zwei sehen.

Damit dieser Teil aber irgendeinen halbwegs unterhaltsam/informativen Inhalt hat und nicht gänzlich aus trockenen Definitionen besteht, schauen wir doch erst einmal das genaue Gegenteil eines gestorbenen Franchises an. Was ist das langlebigste Film-Franchise? Mein Bauchgefühl sagte sofort, in einer very sophisticated Stimme: „Bond, James Bond!“

Und, zugegeben, der Geheimagent ihrer Majestät hat beste Karten (wie bei jedem Baccara-Spiel), um zu gewinnen. Seit 1962 erschienen 24 (demnächst 25) offizielle Filme von Eon und zwei „inoffizielle“. Trotz wechselnder Darsteller und sich verändernder Kontinuität bilden die Filme ein einheitliches Franchise. Tatsächlich könnte Bond sogar gewinnen. Wenn wir die Definition etwas strecken, um eine Fernsehverfilmung von ‚Casino Royale‘ aus dem Jahr 1954 mit einzuschließen. Hier hieß James allerdings „Jimmy“ und arbeitete (schockschwere Not!) für die CIA. Doch während wir noch mit solchen Dehnübungen beschäftigt sind, ertönt ein markerschütternder Schrei und „Jimmy“, samt Tux und Martiniglas, wird von einem weißen Glühen auf seine subatomaren Bestandteile reduziert.

‚Godzilla‘ ist hier, um uns daran zu erinnern, dass er seit 1954 in 32 japanischen und vier amerikanischen Filmen aufgetreten ist (und zwar donnernd). Sicherlich, man könnte hier argumentieren, ob es sich tatsächlich um ein einziges Franchise handelt, da die Filme von verschiedenen Studios gehandhabt wurden, es verschiedene Kontinuitäten gibt und auch der Tonfall der einzelnen Filme oft genug extrem unterschiedlich ist. Doch ganz Ähnliches könnte man über Bond sagen. Und vermutlich bleibt das auch gar nicht aus, bei einer Filmreihe, die Jahrzehnte umspannt. Aber Godzilla hat einen festen Platz in der Popkultur, hohen Wiedererkennungswert und hat sich bereits mehrfach mit King Kong und, im Comic, mit den Avengers geprügelt. Und er ist Ehrenbürger von Tokio. Sorry, aber da kann so ein Geheimagent einfach nicht mithalten. Godzilla ist nicht nur König der Monster, er ist auch der Ludwig XIV. unter den Franchises, was die Amtszeit angeht. 

Doch beide dieser ewiglangen Franchises werden uns sicher auch durch die absehbare Zukunft begleiten. Werden sich weiterändern und weiterwachsen. Wir werden uns nächste Woche für den zweiten Teil wiedersehen, wo wir uns hoffentlich ein paar tote Franchises angucken können. Wenn Ihr bis dahin ein paar weitere besonders langlebige (womöglich noch langlebiger als die atomare Echse?) Franchises in die Kommentare posten wollt, würde ich mich darüber sehr freuen. Bis dann.