Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Musikalben für die einsame Insel

Willkommen zu Woche 3 auf der Insel. Meine bleiche, norddeutsche Haut wurde in den letzten 2 Wochen, während ich Filme geschaut und Bücher gelesen habe arg beansprucht, hat inzwischen allerdings eine Farbe angenommen, die man – mit viel gutem Willen – beinahe als gesund einstufen könnte. Und damit ist es Zeit für ein wenig Musik. Nein, diese Überleitung funktioniert nicht im Geringesten aber eine bessere fällt mir momentan wirklich nicht ein. Gorana fragt uns diese Woche also, auf welche Alben wir auf der Insel nicht verzichten wollen würden. Wiederhörbarkeit ist dabei natürlich von größter Bedeutung. Das alles diesmal ohne Rangfolge und mit zufälligen Ziffern versehen!

  1. ‚West Ryder Pauper Lunatic Asylum‘ – Kasabian (2009)

Der für mich überraschendste Titel auf dieser Liste. Als ich das Album das erste Mal hörte, wusste ich nicht viel von Kasabian aber was ich da hörte war irgendwo zwischen Rock-Lexikon zum Hören und irrsinnigem Größenwahn (kein Wunder, dass die Bandmitglieder auf dem Cover als Napoleon verkleidet sind). Gelungener britischer Dance-Rock, angereichert mit 60er Einflüssen, 80er Neue Deutsche Welle Ideen, allerlei Psychedelika und gelegentlicher Düsternis. Ein Album, dass ich immer wieder hören kann und damit ein verdienter Kandidat für die Insel.

  1. ‚Elephant‘ – White Stripes (2003)

Der rohe Indie-Garagensound der Stripes erhielt mit diesem Album ein ganzes Stück mehr Tiefe. Okay, Meg machte mit ihrem Schlagzeug immer noch was auch immer ihr gerade so einfiel aber Jack konnte sich als Songschreiber mehr beweisen und sein Blues-Fanboytum voll ausleben. Mit ‚Seven Nation Army‘ lieferte es eine der unwahrscheinlicheren Fussballhymnen und Michel Gondrys Musikvideo zu ‚Hardest Button To Button‘ ist immer noch eines meiner liebsten (Pixilation!!) .

  1. ‚The Black Light‘ – Calexico (1998)

Calexico leiten ihren Namen von einer winzigen Grenzstadt zwischen – der Name lässt es erahnen – Kalifornien und Mexiko ab. Und genau so klingen sie auch. Allerdings bleiben sie jeder Cowboy-Romantik dabei genauso fern, wie typischem Touri-Mariachi-Gedudel. Calexico klingen, gerade auf diesem Album, nach der Einsamkeit und der Schönheit der Wüste. Falls ich also auf der Insel mal genug vom Meer habe, weiß ich, was ich höre.

  1. ‚Rain Dogs‘ – Tom Waits (1985)

In einer Zeit der Synthesizer und Drum Machines schwamm Tom Waits so stark gegen den Strom, dass er nur ersaufen oder unsterblich werden konnte.  Man nehme eine Auswahl eher seltsamerer Musikinstrumente, Akkordeon, Banjo, Marimba, Posaune und einen Sänger mit einer Stimme irgendwo zwischen Jahrmarktschreier und pöbelndem Besuffski und mische das alles zu einem unfassbar organisch klingenden Ganzen. Gott sei Dank, niemand ist ersoffen und Herr Waits erfreut uns bis heute mit seinem hochoriginellen Stil.

  1. ‚Born to Run‘ – Bruce Springsteen (1975)

Die quintessentielle Springsteen-Pladde. Und perfekt für die Insel. Weil jedes Stück ein Mini-Rockepos ist, dass vom Wunsch nach Entkommen erzählt und dabei die springsteensche Ideenwelt von Verrat, Verlust und Versagen zu Erfolg, Freiheit und Flucht spannt. Irgendwer hat mal gesagt, das hier sei das Album um Außerirdischen Rock zu erklären. Und das stimmt, denn wer beim Titeltrack oder ‚Thunder Road‘ nicht mitgeht, dem ist nicht zu helfen!

Lasst uns über Filme klönen: Film & Interaktivität – Teil 1 Grundlagen und Geschichte

Heute beginnen wir das Klönen schon direkt im Artikel, denn ich habe mir jemanden eingeladen, der tatsächlich mal ganz offiziell Ahnung vom Thema hat. Den „Spieleforscher“ nämlich, aka Dr. Christian Roth, Forscher und Dozent am Lektorat für Interaktives Narratives Design der University of the Arts Utrecht. Mit ihm möchte ich hier und in einem folgenden Artikel über den scheinbaren Antagonismus und die symbiotischen Möglichkeiten von Film und Interaktivität sprechen, ein Gespräch, von dem wir hoffen, es mit Euch in den Kommentaren fortsetzen zu können.

Im Folgenden werde ich die Abkürzungen SF für den Spieleforscher und FL für mich (sprich, filmlichter) verwenden. Weiterlesen

Eigentlich ist alles gesagt: ‚Logan‘ (2017)

Ganz ehrlich, als ich den ersten Trailer zu diesem Film gesehen habe, unterlegt mit Johnny Cashs apokalyptischer Coverversion von „Hurt“ und aus rauen Kehlen gepressten, düsteren Sätzen vom Untergang, da habe ich nicht eben viel Lust auf den Film bekommen. Finstere, bierernste  Superhelden versucht Warner-DC schon seit dem Weggang von Christopher Nolan erfolglos wieder einzufangen. Jetzt auch noch Fox? Gerade nachdem der selbstironische ‚Deadpool‘ so erfolgreich war? Auch sämtliche positive Stimmen als der Film dann rauskam konnten mich nicht umstimmen. Allerlei Western Vergleiche machten mich dann doch neugierig. Da war es aber zu spät. Jetzt habe ich ihn auf BluRay gesehen und falls es noch jemanden interessieren sollte, ist hier meine (endlich informierte) Meinung.

Wir schreiben das Jahr 2029. Mutanten sind ein Phänomen der Vergangenheit. Seit 25 Jahren wurde kein neuer Mutant geboren. Logan/Wolverine/James Howlett (Hugh Jackman) verdingt sich im Grenzgebiet zwischen Arizona und Mexiko als mietbarer Limousinen-Chauffeur. Alt, verbittert, mit versagender Heilungsfähigkeit und langsam und schmerzhaft von seinem Metallskelett vergiftet. Selbst die Klauen wollen nicht mehr wie früher. Er lebt in einer aufgelassenen Eisenschmelze, gemeinsam mit dem Nosferatu-ähnlichen Caliban (kaum zu erkennen: Stephen Merchant), einem Mutanten mit der Fähigkeit andere Mutanten aufzuspüren und dem an Alzheimer erkrankten Charles Xavier (Patrick Stewart). Eisern spart er Geld für Xaviers Medikamente, die dessen schwere Anfälle, die tödlich für alle Umstehenden sein können, unter Kontrolle halten und für ein Boot, um das Land zu verlassen. Als ihm eine Frau 50.000 Dollar bietet, um das junge Mutantenmädchen Laura (Dafne Keen) nach North Dakota zu bringen ist das verlockend, doch bald tauchen gefährliche Verfolger auf.

Ich verstehe die Western-Vergleiche, die viele Besprechungen gezogen haben. Und der Film macht seine Beziehung zu ‚Mein großer Freund Shane‘ auch durchaus deutlich, schauen doch die Charaktere exakt diesen Film. Ich habe mich allerdings die ganze Zeit an ein anderes Genre erinnert gefühlt. Den Film Noir. Der Logan, den wir zu Beginn des Films treffen ist ein typischer Noir Charakter. Desillusioniert, zynisch und freiwillig von der ihn umgebenden selbstzerstörerischen, hedonistischen Welt entrückt, die er nur noch mit einer ausreichenden Dosis Alkohol erträgt. Das ist aber noch nicht der Tiefpunkt für den Helden. Er ist auf eine Lesebrille angewiesen, will er sein Handy benutzen und erreicht seinen absoluten Nadir, wenn er in einem Moment impotenten Zorns auf sein Auto einprügelt und dann eher an Basil Fawlty als an einen Superhelden erinnert. Professor Xavier erfährt eine ähnlich brutale Dekonstruktion. Das mächtigste Hirn der Welt wird von einer degenerativen Krankheit und unkontrollierbaren Anfällen heimgesucht, die den ehemaligen Retter zu einer Gefahr und zu einem sehr anstrengenden Patienten machen, der sein Dasein in einem alten Wasserturm fristet. Einer der tragischsten Momente des Films ist, wenn Laura auftaucht und wir für einen Moment wieder den Mann sehen, der Xavier einmal war. Interessant ist der Kniff, dass in der Realität des Films X-Men Comics existieren. Logan tut sie zwar als Blödsinn für Kinder und Idioten ab, allerdings inspirieren sie das zentrale Element der Handlung, sodass schon beinahe eine Art Metaerzählung dabei herauskommt.

Der Film geht also durchaus brutal mit seinen Charakteren um und ebenso brutal sind einige physische Sequenzen, die wir zu sehen bekommen. Sei es, dass der Film tatsächlich zeigt, was Logans Klauen mit einem anderen Menschen anstellen würden oder gleich eine ganze Montage, die daraus besteht, wie in einem Krankenhaus Kinder getötet werden. Beinahe schon erstaunlich, dass der mit einer 16er Freigabe davongekommen ist.

James Mangolds Regie-Karriere würde ich eher als durchwachsen bezeichnen, doch diesem Film merkt man in jeder Aufnahme die Liebe und Aufmerksamkeit an, die hineingeflossen sind. Wirken viele Superheldenfilme, bei aller technischen Brillanz doch oftmals ein wenig zweidimensional (vielleicht liegt es an der Comic-Herkunft) nutzt Mangold hier in fast jeder Szene die Tiefe des Bildes effektiv aus. Unterschiedliche Ebenen bedrohen einander, sehnen sich nach einander wirken jederzeit aufeinander ein, Vordergrund und Hintergrund erzählen gleichzeitig und ergänzen sich. Und dann springt Laura aus dem ungewissen Raum hinter der Kamera mit schmerzhaften Folgen für denjenigen der davor steht. Das sind definitiv erzählerische Mittel, die der Film mit dem Western teilt.

Als wir Wolverine vor 17 Jahren das erste Mal in einem Film trafen, da war er die unfreiwillige Vaterfigur für Anna Paquins Roque. Gerade Comic-Fans reagierten irritiert, dass „irgendein australischer Musical-Darsteller“ den beliebten, mürrischen Mutanten spielen sollte. Zahlreiche Auftritte später, kann man sich kaum jemand anderen als Hugh Jackman in der Rolle vorstellen. Und um mit diesem Film einen würdigen Abgang für seine Figur zu bekommen hat er gebettelt, gedroht und am Ende auf einen Großteil seiner Gage verzichtet, um genau den Film machen zu können, den er und James Mangold machen wollten. Und es hat sich gelohnt, der Kreis hat sich geschlossen, Wolverine endet wie er begann als unwillige Vaterfigur und durch die brutale Dekonstruktion in diesem Film kommen wir seinem Charakter näher als je zuvor. Jackman hängt sich hier voll rein und gibt eine ebenso nuancierte wie unprätentiöse letzte Vorstellung. Man merkt, dass es der Film ist den er machen wollte. Für Stewart dürfte es ebenfalls der letzte größere Auftritt als Professor X gewesen sein. Er bekommt hier deutlich mehr zu tun als in den übrigen X-Filmen, wo er meist nur würdevoll in die Gegend schaute und gelegentlich mit Magneto Schach spielte. Unbedingt erwähnenswert ist der Auftritt von Dafne Keen, die ihre Rolle für ihre 11 Jahre mit einer geradezu erschreckenden Intensität spielt. Der Film leidet an der üblichen Marvel-Krankheit des lahmen Schurkencharakters, Boyd Holbrook und seine halbmechanischen Mordbuben bleiben recht blass, einzig ein seelenloser Klon von Wolverine bekommt eine wohl unvergessliche Szene. Doch ist das in diesem Film, der zu gleichen Teilen Charakterstudie und Survivalthriller / Actionfilm ist ausnahmsweise einmal völlig egal.

‚Logan‘ ist ein absolut gelungener Film, meine Skepsis war völlig unangebracht. Er ist ein wenig für das Genre des Superheldenfilms, was die revisionistischen Western der 70er, wie ‚McCabe & Mrs. Miller‘ oder ‚Das Wiegenlied vom Totschlag‘ für den amerikanischen Western waren. Das würde ihn dann wohl zu einem revisionistischen Superheldenfilm machen, ein Genre, dass ich soeben erfunden habe. Ein wenig zu hoch mögen manche überschwänglichen Kritiken die Erwartungen getrieben haben aber enttäuscht wurden sie auf keinen Fall.

Morgen geht es los!!

Morgen beginnt auf Krötors Blog die neue Runde von Ma-Gos Filmrätsel! Veranstaltet von Krötor selbst und dem schurzgeschichtenschreiber, die hier in meiner Runde so beeindruckend abgeräumt haben. Was genau macht Ihr also noch hier? Seht zu, dass Ihr da rüber kommt und ein paar Fragen zu Komödien der 90er beantwortet. Sonst mache ich das und die nächste Runde ist schon wieder hier! Und das kann keiner wollen!!

Ich habe übrigens Gerüchte bezüglich eines Gastraters mit echtem Celebrity-Status gesehen! Es steht mir nicht zu mehr dazu zu sagen, deswegen hier nur zwei kleine Worte als Hinweise: „Hans“ und „Meiser“! Ist das etwas nix?!

kroetor

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Hallo Leute,

wie bereits mitgeteilt, haben Schurzgeschichtenschreiber und Krötor das Filmrätselquiz von Ma-Go gewonnen. Somit werden wir das nächste Filmrätsel veranstalten, worauf wir sehr stolz sind!! Veranstalter dieses Rätsels war Filmlichter, der knackige und phantasievolle Rätsel aufgegeben hat. Aber nicht knackig genug:)

Hier die harten Fakten, wie UJM schreiben würde:)

  • Beginn ist am 15.07. um 15 Uhr
  • Es gibt ab dann jeden Tag ein Rätsel, welches es zu lösen gilt (immer gg 15 Uhr)
  • Der Spass dauert 10 Tage lang. Danach geben wir Euch nochmal die Gelegenheit, etwaige Fehler zu beheben. Ende des Quiz ist daher der 25.07.. Die Auswertung und Gewinner Bekanntgabe gibt es aber erst am 27.07.
  • Eure Antworten schreibt Ihr bitte in die Kommentare. Diese sind ab morgen so eingestellt, dass ich sie freigeben muss und sie sonst keiner sieht. Ich werde sie aber erst am 27.07. freigeben. Somit einfach die Antwort in die Kommentare schreiben…

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Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Bücher für die einsame Insel

Aloha again! Diese Woche geht es zurück auf unsere einsame Insel. Diesmal fragt uns Gorana aber welche 5 Bücher wir dorthin mitnehmen würden. Und zwar nicht um unser Feuer anzumachen oder gewisse Geschäfte zu erledigen, sondern zum Lesen. Und dann nochmal lesen und nochmal. Und vermutlich nochmal. Ich habe also nur Bücher ausgewählt, die dafür geeignet sind.

 

  1. ‚Der Unbesiegbare‘ (1964) Stanislaw Lem

Das Raumschiff „Der Unbesiegbare“ soll die Mannschaft ihres Schwesterschiffes „Kondor“ retten, zu der, nach der Landung auf einem Planeten, jeder Kontakt abgebrochen ist. Die Prämisse liest sich aus heutiger Sicht sicherlich recht klischeehaft, doch gelingt es Lem, wie üblich, spannende philosophische Fragen aufzuwerfen und typisch menschliche Schwächen aufzuzeigen. Es ist sicherlich nicht Lems bestes Buch aber das, was ich am häufigsten gelesen habe. Warum? Tja, dafür müsste ich es nochmal lesen…

  1. ‚Baudolino‘ (2000) Umberto Eco

Während die fränkischen Kreuzfahrer Byzanz verbrennen erzählt Baudolino einem byzantinischen Geschichtsschreiber, wie er als armer Bauernjunge an den Hof Friedrich Barbarossas gekommen ist. Wie er viele Aspekte der mittelalterlichen Geschichte miterlebt und später die mittelalterliche Geschichte selbst geschaffen hat. Baudolino hat die heiligen drei Könige nach Köln geschafft und den sagenhaften Priesterkönig Johannes getroffen (und einen Brief von ihm gefälscht). Was ist Wahrheit? Was ist erfunden? Wer kann es sagen, denn wie Baudolino von seiner eigenen Geschichte sagt: „Früher oder später wird sie jemand erzählen, der noch verlogener ist als Baudolino.“

  1. ‚Good Omens: The Nice and Accurate Prophecies of Agnes Nutter, Witch‘ (1990) Neil Gaiman, Terry Pratchett

Dieses Buch ist ein Verlegenheitskandidat, weil ich mich nicht für ein Scheibenweltbuch entscheiden mochte. Aber dieses Gemeinschaftswerk von Pratchett und Gaiman habe ich auch schon sehr häufig gelesen. In dieser Geschichte geht es um den Untergang der Welt, der nicht ganz so verläuft wie geplant, da der Antichrist bei der Geburt vertauscht wurde und ein Engel und ein Dämon die Welt eigentlich ganz gern mögen und nicht wollen, dass sie endet. Beide Autoren scheinen hier das Beste im jeweils anderen hervorzubringen. „It may help to understand human affairs to be clear that most of the great triumphs and tragedies of history are caused, not by people being fundamentally good or fundamentally bad, but by people being fundamentally people.“

  1. ‚Fiktionen‘ (1956) Jorge Luis Borges

‚Tlön, Uqbar und Orbis Tertius‘ dürfte meine liebste Kurzgeschichte schlechthin sein. Und die meisten anderen aus dieser besten Sammlung von Borges‘ Geschichten sind beinahe ebenso gut. Borges beliebtes Thema vom Labyrinth kehrt wieder und wieder und wie das Labyrinth in ‚Der Garten der Pfade, die sich verzweigen‘ kann man seine Geschichten wieder und wieder lesen und immer etwas Neues entdecken, fließt doch in jede einzelne so viel, das andere Autoren ein Buch, wenn nicht gleich eine Reihe draus gemacht hätten.

  1. ‚Die unendliche Geschichte‘ (1979) Michael Ende

Hey, der Titel sagt doch alles, oder? Das dürfte wohl das Buch sein, dass ich in meinem Leben am häufigsten gelesen habe. Einfach, weil ich schon recht früh damit begonnen habe und es alle paar Jahre erneut zu Hand nehme. Endes Plädoyer für die Bedeutung von Kunst und Poesie, die, anders als die Wissenschaft, die Welt nicht erklären wollen, sondern sie darstellen und als solche für einen vollständig entwickelten Menschen ebenso wichtig sind, wie harte, wissenschaftliche Fakten. Gleichzeitig ist das Buch aber auch eine Warnung davor, sich in Kunstwelten zu verlieren und als solche heute vielleicht bedeutender denn je (auffälliger Weise lässt der Film genau diesen Teil aus). Wenn Ihr seit der Kindheit (oder vielleicht sogar noch nie!) ‚Die unendliche Geschichte‘ nicht mehr gelesen habt, nehmt sie Euch mal wieder vor, Ihr werdest sicherlich nicht enttäuscht sein!

Streiflichter Nummer 3: Polizeiwagen und Irische Wälder

Folge 3 der Streiflichter, diesmal nur mit zwei Filmen, ‚Cop Car‘ und ‚The Hallow‘. Weil ich es nicht geschafft habe mich kurz zu fassen. Dafür gibt es eine unerwartete thematische Klammer in Form von „was hat der Regisseur als nächstes gemacht“.

 

‚Cop Car‘ (2015)

Die Jungen Travis (James Freedson-Jackson) und Harrison (Hays Wellford) sind von Zuhause abgehauen. Auf einem einsamen Feld, nahe einem Wäldchen stoßen sie auf ein scheinbar verlassenes Polizeiauto. Nachdem sie sich gegenseitig zu mehreren Mutproben aufgefordert haben, starten sie schließlich das Auto und fahren davon. Das würde sie schon unter normalen Umständen in große Schwierigkeiten bringen, doch das Auto gehört dem korrupten Sheriff Kretzer (Kevin Bacon), der gerade damit beschäftigt war eine Leiche in dem Wäldchen zu entsorgen. Dumm: eine weitere befindet sich noch im Kofferraum seines Dienstwagens. Kretzer unternimmt nun alles, um einerseits zu verhindern, dass seine Kollegen den Diebstahl bemerken und andererseits alles um sein Auto zurückzubekommen. Und mögliche Zeugen zu beseitigen…

Kevin Bacon ist großartig in diesem Film. Er schafft es in seiner Rolle eine komisch anmutende Hilflosigkeit ob des Diebstahls mit gleichzeitiger, grausamer Cleverness und völliger Rücksichtslosigkeit zu verbinden. Als Zuschauer zweifeln wir zu keinem Moment daran, dass dieser Charakter die beiden Kinder ohne eine Sekunde zu zögern ermorden würde. Falls das überhaupt nötig ist. Denn die beiden Jungen sind eine ständige Gefahr für sich selbst. Ob sie nun in Schlangenlinien über einsame Landstraßen fahren oder, noch weit schlimmer, das umfangreiche Waffenarsenal des Wagens finden. Und die beiden Jungschauspieler geben sich dabei so mitreißend, das man gelegentlich scharf Luft zwischen den Zähnen einzieht, wenn sie wieder irgendeinen arg gefährlichen Unsinn anstellen, ohne vom Baconschen Damoklesschwert zu ahnen, dass über ihren Köpfen hängt.

Regisseur Jon Watts gelingt aber das Kunststück das alles so schön schwarzhumorig und dabei so ungemein charmant zu inszenieren, dass man absolut bereit ist sich auf diese zunächst recht düstere Geschichte einzulassen. Er erstellt einen gelungenen visuellen Kontrast zwischen der großen, weiten Einsamkeit  der Mitte der Vereinigten Staaten und der immer drängender werdenden Klaustrophobie durch den, im Laufe des Films allgegenwärtig scheinenden Sheriff Kretzer, der sogar einen Monolog halten darf, der einen Superschurken erröten lassen würde, ohne dass seine Figur dabei Schaden nähme. Da war ich dann sogar bereit dem Film gegen Ende hin eine paar erzählerische Holperigkeiten zu verzeihen.

Wenn es Watts gelingt diese Mischung aus jugendlicher Naivität und bösartiger, tiefschwarzer Komödie auch nur halbwegs auf ‚Spider-Man: Homecoming‘ zu übertragen, könnte das ein ungewöhnlicher Superhelden-Film und einer der besten Spider-Man Filme werden.

 

‚The Hallow‘ (2016)

Ein abgelegener Wald in Irland, der bislang in staatlicher Hand war, soll privatisiert werden. Der Londoner Forstwissenschaftler Adam Hitchens (Joseph Mawle) soll, im Auftrag des neuen Besitzers, den Zustand des Waldes evaluieren. Er zieht dafür mit seiner Frau Claire (Bojana Novakovic) und ihrem gemeinsamen Baby Finn in ein altes Haus nahe des Waldes. Den abergläubischen Anwohnern, allen voran Farmer Donnelly (Michael McElhatten) sind sowohl der Verkauf an sich, wie auch die Anwesenheit der Hitchens ein Dorn im Auge. Als Adam im Wald ein totes Reh findet, befleckt mit einer seltsamen, schwarzen Substanz und am selben Abend jemand in sein Haus einbricht und das Zimmer von Finn verwüstet scheint es aber so, als sei am Aberglauben der Bevölkerung doch etwas dran.

Auf den britischen Inseln gibt es das schöne Genre des Folklore-Horrors. Vertreter vom ‚Wicker Man‘ bis zu ‚Kill List‘ haben hier ihre Finger auf tief sitzende Ängste der britischen Gesellschaft gelegt. ‚The Hallow‘ versprach dieses Genre mit einem gelungenen Monsterfilm und einer ökologischen Botschaft zu verbinden. Herausgekommen ist die frustrierendste Art von Film. Ein Film der beinahe gut ist.

Lässt der Anfang also an Folk-Horror und an Feen, Leprechauns und Banshees denken scheint sich der Film für zu intelligent für so etwas zu halten. Eine „wissenschaftliche“ Erklärung muss her. Die wird zwar nie direkt ausgesprochen aber Adam hält nach etwa 10 Minuten Laufzeit ein unprovoziertes Referat über die insektenparasitären Pilzgattung Cordyceps (wobei er genaugenommen Ophiocordyceps unilateralis beschreibt, der nach einer grundlegenden Änderung der Systematik der Mutterkornpilzverwandten zu den Ophiocordycipitaceae gehört /Biologen Talk Ende) außerdem sehen wir im Laufe des Films immer mal wieder Aufnahmen von Zellen, die andere Zellen mit schwarzen, stachelartigen Auswüchsen pieksen, allgemein akzeptierter, visueller Ausdruck von Parasitismus.

So wird dann nach einer halben Stunde aus dem atmosphärischen Film eine Art Zombiefilm, der jedem Klischee dieser Gattung folgt. Aber auch dieser Spuk ist schnell wieder vorbei und sodann wildert der Film im Forstgebiet von ‚The Shining‘. Solche Genrewechsel können durchaus funktionieren, nur hat es Regisseur und Autor Corin Hardy hier verpasst ein Interesse am Ort der Handlung oder der handelnden Charakter zu wecken. Adam und Claire sind leider nicht vielmehr als Abziehbilder und Plot-Transporteure. Das liegt keinesfalls an den Darstellern und rein am Drehbuch. Wenn ich die Geduld hätte würde ich feststellen wie viel von ihrem Dialog in der zweiten Hälfte des Films aus dem Rufen des Namens des anderen besteht.

So weit so schlecht aber was macht den Film dann „beinahe gut“? Da sind zum einen einige Sequenzen, die in einem besseren Film wirklich effektiv gewesen wären. Vor allem aber das Design der Kreaturen. Es ist anders genug, als typische Horror-Monster, um aufzufallen und funktioniert am besten, solange der Film es sparsam einsetzt. Auch das Hyphengewebe, das nach und nach überall auftaucht und die widerliche, schwarze Substanz schreien förmlich nach einem besseren Film. Das einzig ähnliche, dass mir einfiele wäre ‚Pan’s Labyrinth‘, allerdings ist der Film so viel besser als das hier, das der Vergleich schon beinahe unfair erscheint. Aber meinen letzten guten Willen verspielte der Film dann mit einem absurden Finale, dass nicht nur reichlich dämlich war sondern auch noch sämtlichem Streben der Monster im übrigen Film komplett widersprach.

Hier würde ich jetzt normalerweise schreiben, dass das ja ein Erstlingsfilm war und genug Gutes da war, dass ich gespannt auf Hardys nächsten Film bin. Allerdings weiß ich bereits, dass sein nächster Film der ‚Conjuring‘ Ableger ‚The Nun‘ wird. Insofern kann ich nicht mal das guten Gewissens behaupten.