Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Urlaubsorte in Serien

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Urlaubsorten in Serien. Juhu, Ferien in Serienland! Schauen wir mal, wo wir landen!

5. Torquay aus ‚Fawlty Towers‘

Weil der Südwesten Englands eigentlich sehr hübsch ist. Sicher, der Service im Hotel könnte sich als etwas chaotisch erweisen, aber solange niemand den Krieg erwähnt sollte eigentlich alles gutgehen…

4. Cabot Cove aus ‚Mord ist ihr Hobby‘

Hach, was für ein malerisches Küstenstädtchen im Bundestaat Maine… mit einer Mordrate, die das vermutlich benachbarte und von Pennywise heimgesuchte Derry erblassen lassen würde. Und bei der Aufklärung wirklich jedes einzelnen dieser Morde ist diese Autorin, Jessica Fletcher, anwesend. Und das findet niemand verdächtig? Ist ja nicht so, als würde sich nicht schon im Serientitel ein Hinweis auf die wahre Schuldige verbergen!! Also, wenn ich hier Urlaub mache, halte ich mich von der Dame bewusst fern!

3. Kopenhagen aus ‚Kommissarin Lund – Das Verbrechen‘

Ist das nicht toll, wenn einem die klamme Kälte so unter den Rollkragenpulli kriecht, während man mit gesenktem Kopf durch die grauen, verharschten Straßen stapft? Hmm, ist gerade sehr heiß hier, vielleicht wirkt das deshalb so attraktiv…

2. Babylon 5 aus ‚Babylon 5‘

Ich meine, wenn ich schone ne Raumstation besuche, dann halt auch die Beste.

1. Twin Peaks aus ‚Twin Peaks‘

Aaah, Spaziergänge im Wald, frische Luft, der Duft der Douglasien und dann ins Double R Diner und Kirschkuchen und Kaffe genießen. Ein schönes, rustikales Zimmer im Great Northern Hotel (sehr schön und ruhig, sofern keine Isländer anwesend sind). Das könnte mir schon gefallen. Wenn dann der rückwärts sprechende Zwerg zu tanzen beginnt, ist aber höchste Zeit den Ort zu verlassen!

Newslichter Ausgabe 202: Warner, Warner, Warner, All Warner, All The Time

Willkommen bei Ausgabe 202 des Newslichters. Ach Freunde, manche Wochen sitze ich hier und grüble, welche News es denn nun wert wären, im newslichter besprochen zu werden. Aber manchmal, manchmal wird Warner von Discovery gekauft. Und dann wird Discovery CEO David Zaslav Chef vom Ganzen. Und was tut man so als brandneuer CEO? Genau, eine Duftmarke setzen. Und die Duftmarke von Herrn Zaslav hat, spät in der letzten Woche, vielen die Tränen in die Augen getrieben. Mir aber ein breites Grinsen ins Gesicht. So viel Material für den newslichter! Oder, um Ian Malcolm zu zitieren: „That is one big pile of shit.“ Buddeln wir drin rum!

‚Batgirl‘ und ‚Scooby‘ sind zu scheiße für den Stream!?

Es begann letzte Woche zuerst mit Gerüchten, die dann sehr schnell als wahr bestätigt wurden. Der DCEU Film ‚Batgirl‘ wandert direkt in den Giftschrank, geht dabei über niemandes Augen und sammelt kein Geld ein. Ca. 80 Millionen Dollar hat der gekostet und war für eine Veröffentlichung auf Warners hauseigenem Streamingkanal HBOMax vorgesehen. Jedenfalls bis David Zaslav kam. Der wollte sehen, ob man da noch ein paar Millionen mehr reinbuttern könnte, um einen Kinofilm draus zu machen. Eine enttäuschende erste Testvorführung scheint diese Pläne jedoch umgeworfen zu haben und er wandert als „unverbesserlich“ („irredeemable“) direkt ins Klo. Warum den Film nicht dennoch im Stream veröffentlichen, ist die große Frage. Warum 80 Millionen bereits ausgegebene Dollar komplett verwerfen? Offenbar weil David Zaslav den Kurs seiner Vorgänger, stark auf den Stream zu setzen, direkt und lautstark widersprechen möchte. Die Kreativen hinter dem Film Adil El Arbi and Bilall Fallah jedenfalls fielen ob der Neuigkeit aus allen Wolken (es war übrigens ausgerechnet Kevin Feige, der in sozialen Medien tröstende Worte fand…). Und auch den Präsidenten von DC Films Walter Hamada, nicht eben als größter Fürsprecher oder Tröster seiner Kreativen bekannt, erwischte es kalt. Der dachte sehr lautstark über einen Rücktritt nach, als er das Schicksal des Films offenbar aus den Medien erfuhr. Eine Entscheidung darüber hat er nun in den späten Oktober vertagt.
Aber, hey, vielleicht ist ‚Batgirl‘ wirklich so mies, das man ihn niemandem zeigen kann. Solange niemand bei Warner Kim Jong-un beleidigt und die Firma gehackt wird, werden wir es wohl nicht erfahren. Aber warum die Fortsetzung zu ‚Scooby! Voll verwedelt‘ wegwerfen? Sicher, der 90 Millionen teure Film war kein Riesenerfolg im Kino und wurde von der Kritik schlecht besprochen. Aber der neue Film war nicht einmal halb so teuer, ein Weihnachtsfilm und für den Stream gedacht. Fürs Fernsehen also, wo Scooby doo seit 1969 mit recht stetigem Erfolg zuhause ist. Mir scheint, da hätte so viel gar nicht schiefgehen können, ganz unabhängig von der Qualität. David Zaslav, so scheint es, will entschieden weg vom Stream und sich im Kinosegment voll auf den Blockbuster konzentrieren. Da ist für einen 80 Millionen Dollar Film wie ‚Batgirl‘ kein Platz. Wobei natürlich z.B. ‚Joker‘ ca. 70 Millionen gekostet hat und über eine Milliarde für Warner eingespielt hat. War aber ein Risiko und dafür scheint kein Platz mehr. Dass es aber mit den Blockbustern, gerade im DCEU Bereich, schwierig werden kann, sehen wir in der folgenden Meldung.

Infinite Crisis im DCEU

Der kritische und oft genug auch finanzielle Erfolg für die Verfilmungen der DC Helden stellte sich ein, als man sich von der Idee eines Expanded Universe explizit entfernte. Als man einen ‚Joker‘, ‚The Batman‘ und ‚The Suicide Squad‘ haben konnte, die nix miteinander zu tun hatten. Und Kreative machen ließ, was sie wollten. Kurz, als man aufhörte zu versuchen Marvel hinterherzulaufen. Nun aber will man offenbar zurück zu einem vereinten DC Universum. Und das Stichwort lautet, natürlich, Multiversum. Als Erstes sollte Michael Keatons Batman zurückkommen, um nostalgische Deppen wie mich abzuholen. Und zwar in Andy Muschiettis ‚The Flash‘. Der wurde aber inzwischen sehr oft verschoben und steht derzeit für den Sommer 23 auf der Liste.
Allerdings hängt auch noch ein ordentliches Damoklesschwert über der Veröffentlichung. Denn Hauptdarsteller des Flash, Ezra Miller (Hinweis: Miller identifiziert als nonbinär und verwendet im Englischen they/them Pronomen. Ich weiß nicht, wie ich damit im Deutschen umgehe und wiederhole deswegen im Folgenden, sehr unelegant, schlicht Millers Namen. Für Hinweise wie das besser geht, wär ich dankbar) scheint derzeit damit beschäftigt rund um die Welt kriminell auffällig zu werden. So existiert ein Video aus Island, wo Miller in einer Karaokebar eine Frau würgt und zu Boden drückt. Auch in Hawaii soll Miller in einer Karaokebar handgreiflich geworden sein und, in einem anderen Vorfall, eine Frau mit einem Stuhlwurf verletzt haben. In Massachusetts soll Miller vor einer Frau eine Waffe gezückt und ihre Tochter gegen deren Willen im Gesicht berührt haben. Obwohl fast alle diese und weitere Übergriffe mit Verhaftungen endeten, blieb das große Medienecho bisher aus. Und Miller war dank fettem Konto und Celebrity Status wohl auch nie in großen Schwierigkeiten. Bei Warner scheint man zu hoffen, dass genau das so bleibt. Denn man hat zwar verkündet, mit Miller aufgrund dieses Verhaltens nicht mehr zusammenarbeiten zu wollen, doch auf ‚The Flash‘ soll es keinen Einfluss haben. Hoffen wir, dass es im kommenden Jahr nicht knallt*! Das hoffe ich natürlich weniger für Warners Geldbörse und mehr für die Leute, die Miller über den Weg laufen! Die häufigen Verschiebungen von ‚The Flash‘ haben nun aber zu einem weiteren Problem geführt.
Im zweiten Aquaman Film sollte Michael Keaton als Batman auftauchen. Doch da nun niemand verstehen würde warum gerade der da ist, wurden seine Szenen mit Ben Affleck nachgedreht. Ja, jenem Ben Affleck, der lautstark nix mehr mit DC zu tun haben wollte. Der übliche Kipplaster Geld dürfte hier Überzeugungsarbeit geleistet haben. Ach ja und in ‚Batgirl‘ wäre Keaton-Batman auch aufgetaucht. Das ist aber jetzt wohl wurscht. Außer vielleicht für Keaton. An dessen Stelle fühlte ich mich etwas verarscht.
Die Rückkehr zum vereinten Universum kündigt sich also bereits jetzt als ordentlicher Patzer für DC an. Wenn auch einer den Zaslav geerbt hat. Ganz ehrlich, wär ich Kevin Feige, drüben bei Marvel, ich würd all diese Artikel ausdrucken, binden lassen, in großen, roten Lettern vorn „Gehaltserhöhung?“ draufschmieren und das Ganze an Bob Chapek schicken. Aber das ist wohl einer der vielen Gründe, warum ich nicht Kevin Feige bin.

* Während ich das hier schreibe, kommt die neueste Meldung, dass Miller in Vermont in eine Wohnung eingebrochen ist… Aufhören wird Miller wohl nicht.

Wo also geht es hin für Discovery Warner?

Für das Heimsegment scheint es weg von aufwändigen Serien und Filmen und hin zum Reality Format. Ich will nicht über die Veränderungen bei US Sendern schreiben, das ist hier eher wenig interessant. Aber das deutliche Einsparungen beim Stream anstehen, während etwa Netflix rudert und Disney immer mehr Geld reinpumpt, scheint überdeutlich. Mal scheint das sinnvoll, etwa wenn Zaslav den Streaming-Dienst CNN+ wenige Tage nach Start kippt, denn wer braucht ernsthaft einen Nachrichten Streaming Service. Manchmal aber scheint es eben wie die Duftmarke, die der neue CEO setzen muss. Was ein potentielles Ende verschiedener Streaming-Services übrigens für Filme und Serien bedeutet, die speziell für diese Dienste geschaffen wurden, wer weiß. Ein gruseliger Gedanke in Zeiten, wo „Lost Media“ doch eigentlich der Vergangenheit angehören sollten.
Sollte aber der Streaming Markt in den nächsten 10 Jahren krachend kollabieren war der Schritt finanziell sogar weise. Auch wenn das Fortwerfen fertiger Filme keinen Sinn macht. Fürs Kino setzt man aufs ganz große Segment. Hunderte Millionen Dollar Investition mit hoffentlich gigantischen Gewinnen. Für Risiken scheint quasi kein Platz mehr. Sicherlich nicht schön, kann aber erfolgreich sein, wenn man gewisse Probleme umschippert. Man wird definitiv ein Feige Äquivalent für DC benötigen. Jemanden, der tief in der Materie drinsteckt, ein planerisches Genie ist und mit dem Leute arbeiten möchten. Schlimmstenfalls steht Warner halt in 10 Jahren erneut zum Verkauf. Und wer dann mit großer Geldbörse bereitsteht, kann man vermutlich bereits ahnen (er reimt sich auf „Gisney“.

Große Veränderungen also bei Warner. Keine Veränderungen hier. Wir sehen uns nächste Woche wieder.

Ist der wirklich sooo schlecht? – ‚Der Wüstenplanet‘ (1984)

Der folgende Artikel enthält Besprechungen später Teile des Buches und des Lynch Films. Diese können natürlich als Spoiler für den kommenden zweiten Teil der Villeneuve Version verstanden werden. Ihr seid gewarnt!

Wer bereits meinen Artikel „Wenn eine Neuverfilmung den alten Film besser macht“ gelesen hat, kennt meine Antwort hier ja bereits. Nö, der ist bei weitem nicht so schlecht, wie ich und viele andere ihn lange eingeschätzt haben. Ich denke, ich werde mein übliches Rezensionsformat hier ein wenig abändern. Ich werde mich auf die Teile konzentrieren, die ich für gut gelungen befinde und die meiner Meinung nach den Film sehenswert machen. Am Ende werde ich auch die fraglosen Probleme des Films noch kurz ansprechen.

Also dann, es waren einmal die frühen 80er. Jeder wollte noch unbedingt seinen eigenen Star Wars haben. Einen Blockbuster, der dank Merchandise ein ungeahntes und womöglich nie endendes Geld einspielen würde. Der italienische Produzent Dino De Laurentiis, seit Mitte der 70er in Hollywood, wollte das auch gerne. Und da traf es sich gut, dass er die Rechte an einer Verfilmung von Frank Herberts Roman ‚Dune – Der Wüstenplanet‘ gekauft hatte, nachdem Alejandros Jodorowskis Version grandios in der frühen Produktion scheiterte und eine von Ridley Scott nie zustande kam. Star Wars hatte sich fraglos von ‚Dune‘ inspirieren lassen, was hätte also bessere Chancen der Star Wars Killer zu werden? Und für die Regie wollte De Laurentiis David Lynch. Ob das an dessen früheren Filmen, ‚Eraserhead‘ und ‚Elephant Man‘ lag, ist unklar. Es ist nicht einmal sicher, ob De Laurentiis die gesehen hatte. Aber Lynch hatte die Regie an ‚Die Rückkehr der Jediritter‘ abgelehnt. Damit wäre man Star Wars also noch einen Schritt näher!

Das Problem war, dass Lynch sich nicht für SciFi interessierte. Er behauptete später, er habe ‚Dune‘ nie gelesen, was ich aufgrund der Tatsache, dass er das Drehbuch geschrieben hat und es in vielen Dingen nicht so weit ab von der Vorlage ist (und sogar auf andere Dinge anspielt), für unwahrscheinlich halte. De Laurentiis lockte ihn wohl mit dem Versprechen, ihm danach sein Herzensprojekt ‚Blue Velvet‘ zu finanzieren. Etwas wofür Lynch so dankbar war, dass er sich bis heute weigert schlecht über De Laurentiis zu sprechen. Obwohl ihre professionelle Beziehung während der Arbeit an ‚Der Wüstenplanet‘ wohl mindestens angespannt war. Lynch jedenfalls legte ein Drehbuch vor, das auf gut vier Stunden Drehzeit gekommen wäre (erstaunlich nahe an dem, wo Villeneuves Zweiteiler landen könnte…). Heute wäre ein vierstündiger Blockbuster nicht mehr unvorstellbar, aber in den 80ern? Unmöglich. So entwickelte Lynch einen zweiten Entwurf, der auf etwa drei Stunden kam. Mit dem begann er auch zu drehen. Am Ende würde man ihm den Endschnitt nehmen und einen 2 ¼ Stunden Film schneiden. Der für Zuschauer ohne Kenntnis des Buches, trotz ewiger Exposition und geflüsterten, inneren Monologen der Charaktere, kaum nachzuvollziehen sein dürfte.

Die Handlung in aller Kürze: im 11ten Jahrtausend baut das mächtige Adelshaus Atreides im geheimen eine Armee auf, die es mit revolutionären Schallwaffen ausstatten will. Das gefällt dem mächtigen Imperator (José Ferrer) überhaupt nicht. Daher verleiht er ihnen das wertvollste Lehen, den Planeten Arrakis, auf dem das Spice geerntet wird, dass für die Raumfahrt und somit das Imperium unabdingbar ist. Der Planet gehörte bislang den Erzfeinden der Atreides, den Harkonnen. Der Imperator und die Harkonnen planen die Übergabe nur als reine Falle, in der sie ihre Feinde vernichten können. Doch Jessica (Francesca Annis), die Konkubine des Herzogs Atreides (Jürgen Prochnow) und mächtige Bene Gesserit, ihr gemeinsamer Sohn Paul (Kyle MacLachlan) entkommen dem Gemetzel und fliehen zu den Ureinwohnern des Planeten, den Fremen, in die Wüste. Der Kult der Bene Gesserit hat auf sämtlichen Welten Religionen gestreut, die in einer Bene Gesserit und ihren Nachkommen Messias-Figuren erkennen, für den Fall, dass eine der ihren in Not geraten sollte. Und so übernimmt Paul, als Paul Muad’dib alsbald die Führung der Fremen, die er mit den Schallwaffen ausstattet. So bringen sie die Spice Ernte zum Erliegen, was den Imperator zum Eingreifen zwingt und er in einer letzten Schlacht geschlagen wird.

Was ist gut an dem Film? Ich finde eine frühe Szene sehr beschreibend. Wir sehen den Imperator und seinen Hofstaat im typischen SciFi Feudalismus mit viel Gold und aufwändigen Kostümen. Herein kommt eine Abgesandtschaft der Navigatorengilde, deren Navigatoren durch ständige Spice Einnahme die Fähigkeit erlangen den Raum zu beugen und so Reisen durch das All zu ermöglichen. In schwarzes Leder gekleidet, kahl und merkwürdig, übernehmen sie direkt die Kontrolle. Der Imperator ist abhängig von ihnen und gibt sich unterwürfig. Dann sehen wir den Navigator selbst (etwas was im Buch noch niemals jemand hat) und was für ein Anblick er ist. Irgendwo zwischen Fötus und der Frau in der Heizung aus ‚Eraserhead‘ beginnt das Wesen aus einer Art Anus-Mund zu sprechen. Als die Gesandtschaft geht, versuchen einige Gildenmitglieder halbherzig den Schleim des Navigators wieder aufzufeudeln, doch der marmorne Fußboden ist unwiederbringlich verschmutzt.

Das ist ein David Lynch-Film, der in einen klassischen SciFi Film einmarschiert und direkt die Kontrolle übernimmt. An dieser Stelle wäre ich nicht mehr überrascht, wenn der Navigator „In heaven, everything is fine“ zu singen begänne. Ich liebe jede Sekunde dieser Szene und immerhin das tat ich schon immer.

Weiterhin positiv zu erwähnen ist die Musik von Toto. Nicht unbedingt die Leute an die man für einen SciFi Film denken würde, aber die leicht rockigen Melodien funktionieren wunderbar. Und wenn Paul und Stilgar (Everett McGill) später einen Sandwurm reiten und vor rotem Sonnenuntergang die E-Gitarren einsetzen, dann ist das einfach verdammt cool. Hans Zimmers Klangteppich für die neue Version ist viel gelobt worden, aber Totos Fassung muss sich echt nicht verstecken. Besser im Ohr bleibt sie auch. Besonders hervorheben möchte ich allerdings Brian Enos wunderbar ätherisches „Prophecy Theme“:

Weiterer Höhepunkt sind die Harkonnen. Angefangen bei ihrem Planeten Giedi Prime. Offiziell hatte H.R. Giger mit dem Film nichts mehr zu tun, aber möglicherweise hat man einige Entwürfe der Jodorowski Version mit eingekauft. Denn Giedi Prime sieht zutiefst nach Giger aus. Von einem Fabrikschlot der schwarzen Qualm aus aufgeblähten Backen zu pusten scheint, über irrwitzige industrielle Labyrinthe hin zu den Alptraum-Kerkern, in denen die Harkonnen selbst hausen. Kenneth McMillen ist ein widerwärtiges Highlight des Films. Im Englischen spricht man von „chewing the scenery“, wenn ein Darsteller übertrieben agiert. Nun, McMillen zerkaut das Bühnenbild, schluckt es runter, würgt es wieder hoch und kaut es gleich noch einmal. Das ist ein Charakter derart übertrieben, dass nur Lynch ihn funktionieren lassen kann. Herberts Homophobie, die sich im Buch an Harkonnen abarbeitet, überzieht er ebenfalls ins Absurde, wenn der Baron einem verängstigten Untergebenen einen Herzstecker aus der Brust zieht und sich (weitgehend off camera) über ihn hermacht, während sein Blut spritzt. Paul L. Smith (Fun Fact über Smith: der hat in den 70ern mit dichtem Vollbart an italienischen Bud Spencer Plagiatsfilmen mitgearbeitet) gibt seinen stumpfen Neffen Rabban, ähnlich grausam aber weniger raffiniert. Der zerquetscht kleine Insekten, um sie wie eine Capri-Sonne auszutrinken und reißt die Zunge aus einem Kuhkadaver, um sie aufzuessen. Brad Dourif ist Mentat Piter De Vries, ähnlich psychopatisch wie das Haus dem er dient. Ein Sadist, der sich bis zu seinem eigenen Tod durch Herzog Atreides Zahngas, an der eigenen Bösartigkeit weidet. Stings Feyd Rautha wirkt zunächst wie ein Fremdkörper zwischen den grotesken Gestalten und doch sehen wir Andeutungen, dass er der Schlimmste von allen ist.

Die Atreides bleiben weitgehend blass, mit einer Ausnahme. Alia, gespielt von einer sehr jungen Alicia Witt, ist der Stoff aus dem Alpträume sind. Lady Jessica war schwanger mit ihr, als sie als Ehrwürdige Mutter der Fremen eine Überdosis Spice zu sich nehmen musste. Dadurch wurde Alia mit dem gesamten Wissen einer Ehrwürdigen Mutter der Bene Gesserit geboren. Im Film sehen wir sie, als sie zwei oder drei Jahre alt ist und im Schiff des Imperators auftaucht, um Baron Harkonnen zu bedrohen und zu ermorden. Sie spricht mit der Stimme eines Kleinkinds aber in seltsam reifen Sätzen. Einmal sehen wir kurz ihr flammend rotes Haar, was ein Hinweis auf viel spätere Entwicklungen der Buchreihe sein könnte (oder schlicht der Tatsache geschuldet ist, dass Witt rote Haare hat…).

Ansonsten hat der Film eine Reihe brillanter Miniatureffekte, insbesondere, wie reale Darsteller mit Miniaturen interagieren, also etwa aus gigantischen Raumschiffen aussteigen. Die Wurmeffekte  funktionieren bis heute sehr gut. Sei es der Moment, wenn ein Wurm den Ernter frisst, oder Paul den Reithaken zwischen die Segmente drückt. Man hat sich weiterhin ein Beispiel an Star Wars genommen und lässt Dinge gebraucht aussehen. Besonders sichtbar in der Szene, wenn Liet Kynes (Max von Sydow) den Atreides die Spice Ernte zeigt. Sein Stillsuit ist sonnengebleicht, abgenutzt und verschmutzt, die der anderen sind brandneu.

Was funktioniert nicht? Nun, die übergreifende Geschichte. Trotz jeder Menge Exposition, oder gerade deswegen, folgt man dem Film kaum. Charaktere treten auf, nur um zu verschwinden (wofür genau war Duncan Idaho (Richard Jordan) im Film? Um in den Kopf geschossen zu werden?), oder tauchen spät wieder auf, nur um doch keine Rolle zu spielen (siehe Patrick Stewarts Gurney Halleck). Oder ihr Bogen bleibt schlicht unerfüllt, siehe Thufir Hawat, den die Harkonnen in ihre Dienste zwingen. Sein Selbstmord, als er herausfindet, wer der Fremenführer Muad’dib wirklich ist, wurde gefilmt, schaffte es aber nicht in die Endfassung. Hier hätte man vermutlich ordentlich Personal eindampfen können. Die Schallmodule um die Kampfart des „weirding way“ zu ersetzen sind… okay, denke ich. Habe ich lange gehasst, heute sehe ich, warum das visuell, gerade damals, vermutlich besser funktioniert. Außerdem hat Lynch ja sowieso so ein Faible für die zerstöreische Kraft der Sprache.

Apropos visuell, für einen Lynch Film, gerade einen mit so viel mehr Action als gewöhnlich, ist der Film erstaunlich statisch. Nicht nur die einzelnen Bilder, es ist insgesamt wenig Zug drin und in der zweiten Hälfte fällt die Handlung dann ziemlich auseinander mit etwas Training, einer „zerstören wir Spice-Ernter“ Montage und dann plötzlich schon dem Endkampf.

Aber dennoch, der Film enthält mehr als genug, was ihn sehenswert macht. Gerade als Begleitstück zur modernen Verfilmung würde ich ihn unbedingt empfehlen. Schon damit man mal vergleichen kann, wo sich Villeneuve (und Hans Zimmer!) eindeutig hat inspirieren lassen.

Hervorragender Artikel zu Hollywoods VFX Krise

Normalerweise fasse ich aktuelle Neuigkeiten der Filmbranche ja gerne als Newslichter zusammen und gebe meinen ganz persönlichen Senf dazu ab. Aber das würde Drew Magarys Artikel zur VFX Krise in Hollywood auf der Seite defector.com in keiner Weise gerecht werden. Also sage ich einfach, lest ihn selbst. Ja, er ist lang, ja, er ist auf Englisch, aber er ist fraglos sämtliche hineingesteckte Mühe des Lesens wert (Forderungen der Seite nach Emailadressen solltet Ihr einfach wegklicken können).

https://defector.com/inside-hollywoods-visual-effects-crisis/

Magary führt hier gekonnt aus, wie VFX, im Sinne von CGI Effekten, zur Panacea, zum magischen Allheilmittel des Hollywoodblockbusters geworden sind. Die Perücke der Darstellerin ist zu offensichtlich? Egal, das richten die VFX Leute! Der praktische Effekt sieht nicht gut genug aus? Egal, das richten die VFX Leute! Ich hätte die Szene lieber vor einem anderen Hintergrund gedreht. Egal, das richten die VFX Leute! Ich bin ein arroganter Dödel, der sich weigert, seine Darsteller Motion Capture Suits tragen zu lassen! Egal, die VFX Leute werden ja wohl ein bisschen Katzenfell auftragen können!

Und das Schöne ist, sie richten es ja tatsächlich meistens. Unter reichlich üblen Bedingungen, wie schon oft genug berichtet. Das Lob dafür streichen die Filmemacher gern ein. Und klappt es mal nicht, weil die Zeit nicht reicht, oder aus dem Material schlicht nix herauszuholen ist? Tja, dann erzählen uns millionenschwere Regisseure und Darsteller in augenzwinkernden Interviews, dass wir doch eh alle wüssten, dass Computereffekte ja eigentlich total Scheiße seien. Aber was will man halt heutzutage machen?

VFX Künstler sind eine Unterklasse in Hollywood, die man misshandeln und wenn nötig vor den Bus schubsen kann. So weit, so ärgerlich bekannt. Doch Magary führt hier nach intensiven Gesprächen aus, welche Ausmaße das manchmal annimmt. Von Studios ist die Rede, die Effekte nach langer Arbeitszeit plötzlich in 60 Frames statt 24 wollen. Von unfassbarem Datensalat, der mehrere Petabyte(!) umfasst, wie schön, das Filmmaterial selbst kein (Kosten-)Faktor mehr ist! Regisseure, die plötzlich die Entscheidungen ihrer eigenen VFX Supervisor überstimmen und gemachte Arbeit wegschmeißen. Bis hinunter zur böswillig-kleinlichen Schikane, wenn Filmstudios VFX Künstlern verbieten ihre eigene Arbeit für ihre Showreel zu verwenden, um sich andernorts zu bewerben.

Seit CGI und Film vor bald 30 Jahren mit großer Wucht aufeinandergetroffen sind, hat sich die Filmindustrie, gerade im Blockbusterbereich, stark gewandelt. CGI ist zu einem absolut zentralen Werkzeug des Filmemachens geworden. Etwas, das wir als Zuschauer nur noch dann wahrnehmen, wenn es misslingt. Aber die zum damaligen Zeitpunkt schon fast hundertjährige Filmindustrie hat es nie für nötig gehalten, für diese neue Art der VFX einen gesicherten Platz in ihrer Mitte einzuräumen. Egal wie wichtig sie wird. Es bleibt eine harte, undankbare und prekäre Arbeit. Und das, wo die nächste Evolutionsstufe nicht nur ansteht, sondern quasi schon da ist. Das Ende des Greenscreens. Die Ära des rein virtuellen Sets. CGVFX gehen nicht mehr weg. Sie sind für Blockbuster so zentral wie ein Soundtrack.

In der Branche, so Magary, herrsche eine Mischung aus gesunder Perspektive und Resignation. Gesunde Perspektive, insofern, dass ein VFX Künstler sagte, es sei nicht verkehrt, wenn das Publikum Fehler in den Effekten sehen könne. Nur so kann man nachvollziehen, dass Menschen und nicht magische Computer dafür verantwortlich seien.

Ein anderer bringt auch meine Meinung zum Ausdruck: „Diese Industrie braucht eine Gewerkschaft, Punkt.“ Exakt, Punkt. Und die Filmindustrie braucht mehr Journalismus dieser Qualität! Ausrufezeichen.

Newslichter Ausgabe 201: Nichelle Nichols, MGM Umstrukturierung und Stallone-Schelte

Willkommen bei Ausgabe 201 des Newslichters. Puh, habt Ihr Euch erholt von der wilden Jubiläumsparty letzte Woche? Wurde ja doch ein bisschen wilder als geplant, und ich vermute, ich bin nicht ganz unschuldig daran. Ein zweites Glas Apfelschorle war dann halt doch zu viel! Aber nun sind wir zurück, in der staubtrockenen Ebene der wöchentlichen News. Und, neben einer traurigen Meldung, haben wir heute sogar ein übergreifendes Thema. Was macht Amazons neueste Erwerbung MGM? Das da einiges in Bewegung gerät werden wir heute sehen. Legen wir also los!

Zum Tode Nichelle Nichols

Am 30. Juli 2022 starb die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin Nichelle Nichols im Alter von 89 Jahren an Herzversagen. Nichols Name ist selbstverständlich untrennbar mit der originalen ‚Star Trek‘ (oder ‚Raumschiff Enterprise‘ in Deutschland) Serie verbunden. Sie spielte hier die Brückenoffizierin Lt. Nyota Uhura und war die erste afroamerikanische Darstellerin mit einer so großen Rolle in einer amerikanischen Serie. Eine oft zitierte Szene ist der Kuss zwischen ihr und William Shatners Cpt. Kirk. Er ist zwar nicht der erste Kuss zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann im US Fernsehen, aber sicherlich der damals aufsehenerregendste. Tatsächlich wollte Nichols die Serie bereits nach der ersten Staffel wieder verlassen, da sie ihre Rolle als eine bessere Telefonistin wahrnahm, um zu ihren Wurzeln, dem Musiktheater zurückzukehren. Aber es war Bürgerrechtler (und Trekkie) Martin Luther King jr., der sie von der Bedeutung ihrer Rolle überzeugte, nicht nur weil sie eine Hoffnung auf eine bessere, gleichberechtigte Zukunft verspräche, sondern weil es eben keine spezifisch afroamerikanische, und keine spezifisch weibliche Rolle sei, sondern eben einfach eine Rolle. Und diese Normalität sei gerade das Entscheidende.
Einer der vielen Gründe übrigens, dass ich mit den Augen Rolle, wenn sich Leute (einschließlich gewisser Kusspartner von Frau Nichols) beklagen, dass Star Trek heutzutage „so politisch“ geworden wäre. War es schon immer. Es gibt genug Gründe, um über modernen Trek zu motzen, aber das ist keiner. Nach Star Trek hatte Nichols, wie die meisten ihrer Mitdarsteller, mit der starken Verbindung zu ihrer Figur zu kämpfen. Es fiel ihr nicht leicht, neue Rollen zu bekommen, doch hatte sie über die Jahrzehnte viele Gelegenheiten zu ihrer Stammrolle zurückzukehren oder nutzte ihre Bekanntheit, um Nachwuchs für die US Weltraumbehörde NASA zu werben.

MGM verabschiedet sich von ‚Tomb Raider‘

Der letzte ‚Tomb Raider‘ Film mit Alicia Vikander war erfolgreich genug, dass alsbald ein Nachfolger angekündigt wurde, bei dem Ben Wheatley Regie führen sollte. Problem war der Veröffentlichungstermin im Frühsommer 2021. Damit fielen die geplanten Dreharbeiten mitten in die Hochphase der Covid Pandemie. Und fielen damit direkt aus. Wheatley sprang in Folge dessen ab und wurde durch Autorin/Regisseurin Misha Green ersetzt. Doch mit der Übernahme durch Amazon verschwand offenbar das Interesse bei MGM, nicht nur an einer Fortsetzung, sondern an filmischen Umsetzungen des Videospielfranchises an sich. Denn die Film-Rechte an ‚Tomb Raider‘ stehen nun für den höchsten Bieter zur Verfügung meldet deren Inhaber GK Films. Damit ist auch Vikander als Darstellerin von Lara Croft vermutlich raus. Man darf gespannt sein, ob sich einer von Amazons Konkurrenten im Streaming Business nun direkt auf die Rechte stürzen wird. Mit anderen Franchises ist man bei MGM hingegen offenbar noch lange nicht durch, wie wir in der nächsten Meldung sehen werden.

Sylvester Stallone boxt gegen ‚Drago‘

1975 schrieb ein weitgehend unbekannter Sylvester Stallone ein Drehbuch um einen Boxer, der sein Leben lang ganz unten war und eine unerwartete Chance erhält. ‚Rocky‘. Problem nur, kein Studio wollte ein Buch von so einem Nobody haben. So verkaufte er das Buch an die etablierten Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff, mit der Bedingung, dass er selbst die Hauptrolle spielen würde. Der Film gewann drei Oscars, begründete Stallones Karriere und ein riesiges, durchwachsenes Franchise. Und über Jahrzehnte schienen alle zufrieden damit. Doch mit der Verkündung, dass Stallone am neuesten Film, ‚Creed III‘ nicht beteiligt wäre, taten sich erste Risse auf. Und nun, da ein weiteres Spinoff ansteht, ‚Drago‘, basierend auf Rockys Gegner Ivan Drago (Dolph Lundgren) und dessen Sohn Viktor (Florian Munteanu), findet Stallone in sozialen Medien sogar recht drastische Worte. Nachdem er zunächst Winkler bestimmt, aber noch mit einer gewissen Höflichkeit um eine Rückgabe wenigstens eines Teils der Rechte an ‚Rocky‘ bat, und erwähnte, Winkler habe mehrere Filme und eine Serie um den Charakter verhindert, so wurde daraus nach der Verkündung von ‚Drago‘ eine deutliche Schimpftirade. Winkler sei ein erbärmlicher 94Jähriger und seine Familie seien Geier, die die Knochen von ‚Rocky‘ abnagen würden, ließ Stallone auf Instagram verlauten. Auch Lundgren bekam einige Splitter dieser zornigen Explosion ab. Den habe Stallone für einen Freund gehalten, aber er habe ihm nie erzählt, was da hinter seinem Rücken abgehe, mit dem Charakter, den er extra für Lundgren entwickelt habe. Lundgren reagierte umgehend und beschwichtigend, er hätte nicht gewusst, dass Stallone nicht involviert sei und stehe nun in Kontakt mit ihm. Stallones Zorn war jedoch alles andere als verraucht. In einem neuen Post präsentiert er in einer blutigen Fotomontage Winkler als Vampir, der Rocky aussaugt. Genau das wirft er ihm im Text auch vor mit dem Franchise zu tun. Und dass er der „untalentierteste“, „verhassteste“ und gebrechlichste(?)(„decrepited“) Produzent Hollywoods sei. Lundgren kommt um weitere verbale Schwinger zwar herum, aber eines der begleitenden Bilder zeigt eine Szene aus ‚Rocky IV‘, in der Rocky Drago zu Boden schickt. Man kann das nun sicher abtun, als den Wutanfall eines Millionärs, ärgerlich darüber, dass er nicht noch ein paar Millionen mehr hat. Und es scheint eindeutig, dass einige emotionale Ladung dahinter steckt. Aber letztlich reiht sich Stallone hier in eine lange Reihe von finanziell weitaus weniger gesegneten Kreativen ein, die in den 70ern und 80ern Franchises mit erschaffen haben, die bis heute „abgenagt“ und „ausgesaugt“ werden und die dafür nie auch nur annähernd faire Kompensation erfahren haben, bzw. direkt um ihre Rechte gebracht wurden und eben später nicht zu einem Sylvester Stallone wurden. Man kann also durchaus über Stallones Vehemenz lachen (und sicherlich mehr als ein bisschen Furcht vor dem Alter in die Bemerkungen des 76Jährigen hineinlesen), aber letztlich wird er damit zu einem prominenten Vertreter einer oft übersehenen und letztlich guten und wichtigen Sache.

Ihr, liebe Lesende, seid selbstverständlich gutaussehende, wohlriechende, gebildete, junggebliebene und rundum liebenswerte Persönlichkeiten. Daher werdet Ihr sicher keinen Moment zögern auch nächste Woche wieder an dieser Stelle den newslichter zu verfolgen.

PS: oh cooooool, wordpress hat wieder verschlimmbessert und sämtliche Absätze sind raus! Und die Blöcke sind „ungültig“. Na, mal sehen was ich machen kann. Da macht das Schreiben (und fraglos das Lesen) Spaß…

‚Wenn Du König wärst‘ (2019)

Ich habe hier ja schon einmal sehr deutlich gemacht, dass ich Joe Cornishs ‚Attack The Block‘ sehr mag. Leider ist sein unterhaltsamer Monster-SciFi Film 2011 vom Publikum weitgehend unbeachtet geblieben. Cornish war es, seiner Aussage nach, egal, er hatte den Film gedreht, den er wollte. Aber natürlich macht es ein finanzieller Misserfolg nicht leichter, einen weiteren Film finanziert zu bekommen. Das sollte für ihn ganze acht Jahre dauern. 2019 kam ‚Wenn Du König wärst‘ in die Kinos. Eine moderne Adaption des König Artus Stoffes, die sich explizit an ein jüngeres Publikum richtet. Erneut wurde der Film eine finanzielle Enttäuschung und erneut hatte Cornish kein allzu großes Problem damit. Ich jedenfalls war gespannt, ob mir der Film gefallen würde, obwohl ich definitiv nicht zur Hauptzielgruppe gehöre.

Der zwölfjährige Alex (Louis Ashbourne Serkis) lebt mit seiner Mutter in einem Londoner Vorort. An seinen Vater kann er sich kaum erinnern, seit der die Familie verlassen hat. In der Schule hat er den Ruf eines Losers. Er und sein bester Freund Bedders (Dean Chaumoo) werden von Bullies gepeinigt, allen voran Lance (Tom Taylor) und Kaye (Rhianna Dorris). Eines Abends, auf der Flucht vor den Bullies, gerät Alex auf eine Baustelle. Hier findet er ein Schwert in einen Stein gerammt, das er jedoch problemlos herausziehen kann. Eine kurze Internetsuche identifiziert das Schwert als Excalibur, das Schwert von Artus auf Camelot, des größten Königs Britanniens. Nachdem Alex Bedders noch spielerisch zum Ritter schlägt, müssen sie bald feststellen, dass durchaus Handfestes hinter der Klinge steckt. Nicht nur taucht ein seltsamer, schlaksiger Junge (Angus Imrie) in der Schule auf, der sich „Mertin“ nennt, viel schlimmer ist, dass sich Alex plötzlich von skelettierten Rittern verfolgt sieht. Geschickt von der erwachten Morgana (Rebecca Ferguson), die nach Schwert und Macht und Rache giert. Für Alex und Bedders beginnt ein Abenteuer, dass sie an die Orte der arturischen Legende führen wird. Doch dafür benötigen sie mehr Ritter. Und wer wäre dafür geeigneter als die stärksten Menschen, die sie kennen: die Bullies Kaye und Lance.

‚Wenn Du König wärst‘ ist ein seltsamer Film. Erzählerisch wirkt er wie ein alter, europäischer Kinderfilm aus den 70er oder 80er Jahren. Da ist eine gewisse Unschuld in der Erzählung, die Abwesenheit jeglichen Zynismus. Eine Geschichte, die ihre kindlichen Charaktere zu jedem Moment ernst nimmt, auch wenn sie weiß, dass sie nicht alles wissen können, aber bereit sind zu lernen. Einher geht das mit teilweise etwas ungelenken Dialogen. Doch wird diese alte Erzählweise vermischt  mit modernem Blockbusterkino. Morganna schickt ihre „Mortes Milles“ in durchaus gelungenen CGI Sequenzen hinter den Kindern her und will am Ende auch selbst als geflügelte Monstrosität actionreich bezwungen werden. Teilweise herrscht ein vernehmbares Knirschen zwischen diesen beiden disparaten Elementen. Ich glaube fast, weniger wäre hier mehr gewesen. Eine lange Verfolgungsjagd in der Mitte des Films, in der die Kinder hunderten feindlicher Reiter entgehen etwa, war mir zumindest zu viel. Genau wie die erwähnte Endschlacht. Auch ist Morgana immer dann eine interessante Gegenspielerin, wenn sie von der talentierten Rebecca Ferguson verkörpert wird. Verwandelt sie sich in irgendein Monster, verschwindet mein Interesse schnell.

Was erzählerisch auffällt sind Elemente, die Cornish von ‚Attack The Block‘ hier weiterführt. Hier wie dort erzählt er von einem England (und einer Welt), die zerrissen und uneinig ist. Und es sind die jungen Menschen, in die er vertraut ihre Differenzen beizulegen und in Folge dessen die größeren Probleme zu lösen. Hier wie dort ist es Einigkeit, die er beschwört. So ist es hier eben nicht das arturische Element des Auserwählten, des Sprosses einer langen Blutlinie, der hier Rettung bringt. Stattdessen betont Cornish die Idee der Tafelrunde, von Gleichen unter Gleichen. Er lässt gar den jungen Merlin (Patrick Stewart, Merlin altert bekanntlich rückwärts), in den sich der junge gelegentlich durch einen heftigen Nieser verwandelt, betonen, dass die Legenden wie wir sie kennen, nicht ganz korrekt wären. Auch hier kann man sich fragen, ob die Vorlage einer ritterlichen Legende, die ja nun einmal ihrer Natur nach immer herausragende Charaktere begleitet, für dieses Bild der gleichberechtigten Eintracht taugt. Runde Tafel hin oder her. Ich bin davon jedenfalls nicht so ganz überzeugt.

Cornish geht hier mit einigem Humor zu Werk. Merlin braucht ein Zaubermittel aus allerlei ekligen Zutaten, um seine Macht zu erhalten. Zum Glück finden sich die allesamt in Fast Food. Die „Dame aus dem See“ kann in jedem Gewässer Englands auftauchen, ja, auch in einer Badewanne. Und Stonehenge ist, selbstverständlich, ein vor-mittelalterliches Schnellreisesystem. Wäre das also auch endlich geklärt.

Insgesamt ist ‚Wenn Du König wärst‘ ein durchaus charmanter und trotz, oder sogar wegen, seiner ältlichen Erzählweise ein erstaunlich aktueller Film. Warum ist er also gefloppt? Nun vielleicht liegt es an den disparaten Elementen, von denen ich oben schrieb. Aber bei den Kritikern kam der Film eigentlich ziemlich gut an. Ich glaube die Antworten hier sind simpler. Zum einen ist es ein sehr europäischer (oder meinetwegen sehr britischer, falls sich gewisse Briten nicht unter diesem Begriff wiederfinden wollen) Film, mit dem die Amerikaner nicht viel anzufangen wussten. Zum anderen ist König Artus in den letzten Jahren schlicht Kassengift geworden. Guy Ritchies ‚King Arthur: Legend of the Sword‘ erging es 2017 nicht besser. Ausnahmen scheinen hier nur Nebengeschichten des arturischen Mythos zu sein, etwa ‚The Green Knight‘, die der durchschnittliche Zuschauer nicht gleich mit Camelot in Verbindung bringt. Man könnte jetzt viel spekulieren warum, aber vielleicht haben mythische Heroen neben Superhelden einfach zu wenig Platz.

Wenn Ihr Kinder habt, die sich für Ritter interessieren und womöglich schon eine kindgerechte Fassung der Artus Legende kennen, dann ist dieser Film allemal einen Blick wert. Als purer Fan von Cornishs ‚Attack The Block‘ muss man sich hier erst einmal auf einen völlig anderen Ton und eine völlig andere Zielgruppe einstellen. Cornish jedenfalls hat erneut den Film gemacht den er wollte. Und diesmal hat er sogar schon Finanzierung für den nächsten. Ein ‚Attack The Block 2‘ scheint im Moment schon fast sicher. Ich bleibe gespannt.