Spieleempfehlungen: Point & Click & Grusel

Heute will ich Euch mal ein paar Computer-/Videospiele empfehlen. Gruselige, natürlich. Da das, ganz allgemein auf alle Spiele bezogen, aber ein viel zu großes Feld aufmachen würde, will ich mich hier auf Point & Click Adventures konzentrieren.

Was sind Point & Click Adventures? In Adventurespielen löst man üblicherweise Rätsel, um eine Geschichte zu erleben. Ursprünglich tat man dies in Textadventures, wo man mit einem Parser Befehle eintippen konnte, deren Auswirkungen dann als Text beschrieben wurden. Ende der 80er hielt dann jedoch mehr und mehr Grafik Einzug in Adventuregenre. Und mit der Grafik bald auch die Maus als Kontrollgerät der Wahl. Mit ihr klickte man auf Befehle und dann auf das Objekt mit dem man interagieren wollte und sah die Auswirkungen dessen nun als Animation. Es gab Point & Click Spiele aus der dritten Person, wobei man eine Figur auf dem Monitor kontrollierte. Führende Firmen waren hier Lucas Arts (‚Monkey Island‘ Reihe, ‚Indiana Jones‘ uvm.) und Sierra Online (Allerlei ‚Quest‘ Reihen und, natürlich, ‚Leisure Suit Larry‘). Aber auch solche aus der ersten Person, bei der man die Spielwelt durch die Augen des Protagonisten sieht (‚Myst‘). Ihren Höhepunkt hatten diese Spiele fraglos in den 90ern. Seit deren Ende werden sie regelmäßig für tot erklärt. Doch spätestens seit dem Indie-Game-Boom der 2010er feiern sie eine neue Blütezeit, oft als Autorenwerke von einem kleinen Team, oder gar einer Person. Genau solche Projekte, vor allem der letzten 10 Jahre, will ich hier mal empfehlen.

‚Scratches‘

Meine erste Empfehlung ist auch gleich die schwierigste. Zum einen ist das Spiel von 2006, zum anderen derzeit aufgrund eines Rechtsstreits nicht bei typischen online Anbietern verfügbar ist. Aber ehrlich gesagt ist ‚Scratches‘ zu gut, um es hier nicht zu erwähnen. In dem Spiel von Agustin Cordes, spielt man einen Horrorautoren in den 70er Jahren, aus der Ego-Perspektive. Der Manager des Autoren hat ihm für ein paar Wochen ein verlassenes, viktorianisches Herrenhaus gemietet, in dem er, von der Atmosphäre inspiriert und fernab jeder Ablenkung, sein neues Buch fertigstellen soll. Man erforscht nun dieses gigantische Haus und sein Grundstück und stellt fest, dass nicht nur die Atmosphäre bedrückend und die Geschichte des Hauses verstörend ist, es geht auch noch alles schief und irgendwer oder irgendwas ist im Haus. Mehr will ich gar nicht verraten, doch ist das Spiel so atmosphärisch, dass ich mich immer noch an den Moment erinnern kann, wenn man den Keller des Hauses das erste Mal betrat und die Musik einsetzte. Ich will diesen Moment hier nicht als Video verlinken, weil man ihn am besten selbst erleben sollte. Ein Spiel, das ich immer noch alle paar Jahre durchspiele, auch wenn viele der Rätsel heute nicht mehr zeitgemäß und geradezu unfair wirken.

‚The Last Door‘

‚The Last Door‘ ist ein Adventure, das zwischen 2013 und 2016 episodisch in zwei „Staffeln“ erschien. Hierin spielt man Jeremiah Devitt, der im 19ten Jahrhundert, nach dem Selbstmord eines früheren Schulfreundes, nach Antworten sucht, die ihn allerdings an Orte bringen, die nie für Menschen vorgesehen waren. ‚The Last Door‘ atmet die Atmopshäre einer H.P. Lovecraft Erzählung, aber ausnahmsweise mal ohne seine typischen Klischees, wie seine Meeresfrüchte-Phobie, nachzubauen. Die Grafik ist hier sicher gewöhnungsbedürftig. Ich habe sie häufig als „retro“ beschrieben gesehen, aber, nein, so sahen Spiele nie wirklich aus. Sie ist bewusst abstrakt und undeutlich gehalten. Und in Verbindung mit dem sehr guten Sounddesign schafft das eine hocheffektive und einzigartige Atmosphäre. Der Verzicht auf gesprochene Dialoge mag dem Budget geschuldet sein, fügt sich aber in das gesamte Gefühl sehr gut ein. Die Rätsel sind nicht ganz ohne Herausforderung, ich habe aber nie wirklich lange gehangen. Das größte Problem des Spiels ergibt sich auch aus seiner Stärke. Die abstrakte Grafik mag kosmische Bedrohungen vage genug halten, damit sie ihre Wirkung voll entfalten, allerdings weiß ich auch erst ob ein weißes Quadrat nun ein Kästchen, ein Wollknäuel oder ein Schädel ist, wenn ich drauf klicke und Jeremiah es beschreibt. Dennoch, eines meiner liebsten Gruselpsiele! Beide Staffeln sind bei Steam und gog.com erhältlich. Für PS4, XBOX ONE und Nintendo Switch ist eine Complete Edition erschienen.

‚Unavowed‘

‚Unavowed‘ erschien 2018 bei Designer Dave Gilberts eigenem Indie-Publisher Wadjet Eye Game. Hier spielt man einen Protagonisten, der einem Exorzismus unterzogen wird, nachdem er ein Jahr lang von einem Dämon besessen war. Magier Eli und Halb-Dschinn Mandana nehmen die dramatische Aktion vor. Beide gehören zum New Yorker Zweig der Unavowed. Einer Organisation, die hinter den Kulissen das Übernatürliche bekämpft. Da Dein Charakter im letzten Jahr unter Kontrolle des Dämons allerlei Unheil angerichtet hat, wirst Du direkt in die dünnen Reihen der Unavowed rekrutiert. Im Spielverlauf sind eine Reihe übernatürlicher Missionen in ganz New York zu lösen und neue Mitglieder für das Team zu rekrutieren. ‚Unavowed‘ ist nicht wirklich ein gruseliges Spiel, nutzt aber durchaus Elemente des Horrors. Was es vor allem von anderen Adventures auszeichnet ist seine Wiederspielbarkeit. Am Anfang kann man wählen, ob die eigene Figur männlich oder weiblich sein soll und aus drei Professionen (Barkeeper, Polizist, Schauspieler) wählen. All das hat Einfluss auf den Spielverlauf. Zudem kann man vor jeder Mission zwei Mitglieder der Unavowed aussuchen, die einen begleiten sollen, was für andere Dialoge und Rätsellösungen sorgt. Das Spiel ist sehr gut geschrieben und fühlt sich, wie schon Gilberts vorige Spiele, die ebenfalls gelungene ‚Blackwell‘-Reihe, wie ein Liebesbrief an seine Heimatstadt New York an. Mit seiner Pixeloptik erinnert das Spiel an Genre-Größen aus den 90ern, doch sein Spieldesign ist ein rundum modernes. ‚Unavowed‘  bei Steam und gog.com, sowie für die Nintendo Switch erhältlich.

‚Gibbous – A Cthulhu Adventure‘

Privatdetektiv R. Ketype hat den Auftrag nach dem berüchtigten Necronomicon zu suchen. Als er es in der Miskatonic Library im düsteren Darkham ausfindig macht, wird er jedoch von einem seltsamen Kult entführt. Stattdessen stolpert Bibliothekar Buzz Kerwan über das gefährliche Buch. Ein unvorsichtig gelesener Spruch daraus sorgt flugs dafür, dass seine Katze Kitteh plötzlich sprechen kann, sehr zu ihrem Unmut. Ketype, Kerwan und sogar Kitteh werden nun die Welt bereisen müssen, sich Jahrhunderte alten Verschwörungen, mehreren Kulten und sogar dem Bösen aus den Sternen stellen müssen. ‚Gibbous‘ ist eine Parodie auf typische Lovecraft und Cthulhu Klischees. In schicker, handgezeichneter Comicgrafik bereisen die Protagonisten hier allerlei Schauplätze, lösen Rätsel und reißen Witze. Die Witze landen bei weitem nicht alle, aber ihre Dichte ist so hoch, dass es trotzdem zu unterhalten weiß. Die einzelnen Schauplätze sind meist klein genug, dass die Rätselketten nie zu komplex werden, der Spielfluß bleibt jederzeit erhalten. Leider haben mich der letze Schauplatz und vor allem das Ende ein wenig enttäuscht. Hier arbeitet alles auf eine Pointe hin, die man Kilometer weit kommen sieht. Aber in einem Spiel ist der Weg das Ziel und der Weg wusste mich zu gut 80% hervorragend zu unterhalten. Gelegentlich bemerkt man die Grenzen des Budgets. Da sämtliche Sprache vertont ist, sind die Interaktionsmöglichkeiten an manchen Orten recht beschränkt. Das Spiel erschien 2019 auf PC und ist bei Steam und gog.com erhältlich. Seit 2020 gibt es auch eine Nintendo Switch Version.

‚The Darkside Detective‘

In einfacher aber schöner Pixelgrafik gehalten spielt ‚The Darkside Detective‘ in der fiktiven Stadt Twin Lakes. Diese ist mit einer Geisterwelt, der Darkside verbunden. Daher geschieht hier allerlei übernatürliches Verbrechen, das von der Bevölkerung aber weitgehend ignoriert wird. Die Polizei unterhält daher eine „Darkside Division“. Diese ist jedoch hoffnungslos unterfinanziert und besteht aus Detective Francis McQueen und dem uniformierten Polizisten Patrick Dooley. Ebenfalls in einzelne Episoden gegliedert ist der Humor von ‚The Darkside Detective‘ reichlich albern mit allerlei (Horror-)Popkultur-Anspielungen. Die Episoden spielen sich flott weg und wissen absolut zu unterhalten, achten vor allem darauf auch nicht länger zu sein als nötig. Ein sehr schönes Siel „für zwischendurch“. Das Spiel erschien 2017 für PC und danach für so ziemlich alle Konsolen unter der Sonne (oder sollte ich sagen unter dem Bluuutmond?).

‚If On A Winter’s Night, Four Travelers‘

So, jetzt gehe ich mal ein Risiko ein und empfehle ein Spiel, das ich bislang nur angespielt habe. In dem Spiel finden sich vier Charaktere Ende der 1920er Jahre bei einem merkwürdigen Maskenball in einem Zug wieder. Im Laufe des Spiels erforscht man ihre jeweiligen Geschichten. Soweit ich das bisher gesehen habe, stellt das Spiel das Narrativ in den Vordergrund. Echte Rätsel gibt es kaum. Aber das Ganze scheint mir sehr gut geschrieben, in edler Pixelgrafik präsentiert und mit einer tollen Soundkulisse unterlegt. Und warum traue ich mich, dieses Spiel von 2021 zu empfehlen, obwohl ich es bislang nicht einmal durchgespielt habe? Weil es gratis ist. Man kann es bei Steam und an zahlreichen weiteren Orten für PC herunterladen. Und ich sehe keinen Grund das nicht zu tun.

Okay, das sollte genug Material bis mindestens Halloween sein. Falls Ihr Tipps für (halbwegs) aktuelle Horror Point & Clicks habt, nur immer her damit! Wir können auch gern über alte Horroradventures schwadronieren, wenn Ihr wollt.

Buchempfehlungen: ‚The Elementals‘ und ‚Blackwater‘ von Michael McDowell

Obwohl ich sehr gerne Horrorfilme schaue, lese ich gar nicht mal so viel Gruseliges. Allerdings hat mich die Lektüre von Grady Hendrix‘ wunderbarem ‚Paperbacks From Hell‘ (siehe hier) auf allerlei Lesefährten geschickt. Und dabei habe ich mit ‚Blackwater‘ auch ein Buch entdeckt, dass direkt seinen Weg auf die vorderen Plätze meiner liebsten Horrorliteratur geschafft hat. Das möchte ich Euch heute kurz vorstellen. Daneben aber auch ‚The Elementals‘ vom selben Autor, Michael McDowell. Aus verschiedenen Gründen, nicht zuletzt weil das auch auf Deutsch verfügbar ist. Wenigstens theoretisch. Aber dazu unten mehr. Zunächst lohnt es sich vielleicht mit einer kurzen Biografie McDowells einzusteigen.

Michael McEachern McDowell ist ein Name, den man nicht unbedingt kennt. Allerdings dürfte die eine oder der andere mit seiner Arbeit am Film vertraut sein. Er wurde am 1.6.1950 in Alabama geboren, wo er auch aufwuchs. 1969 traf er seinen lebenslangen Partner Laurence Senelnick, einen Theaterhistoriker und Regisseur in dessen Stück er eine Rolle übernahm. 1978 erlangte er einen Ph.D. in Englisch an der Brandeis University. Kurz darauf begann sein umfangreiches, literarisches Schaffen. Unter seinem eigenen Namen veröffentlichte er während der 80er Jahre eine ganze Reihe Horror-Romane, aber auch Auftragsarbeiten, wie eine Roman-Adaption des Cluedo-Films ‚Alle Mörder sind schon da‘. Unter verschiedenen Pseudonymen schrieb er jedoch so ziemlich alles von der Komödie bis zu Science Fiction. Dabei betrachtete er sich als kommerziellen Autor und war durchaus stolz darauf. In einem Interview mit Literaturkritiker Douglas E. Winter sagte er „Ich schreibe Dinge, die nächsten Monat in den Buchhandlungen stehen sollen. Ich halte es für einen großen Fehler für die Ewigkeit schreiben zu wollen.“
Mitte der 80er begann er dann für verschiedene Anthologie-Fernsehserien zu schreiben und 1988 entwickelte er Geschichte und Drehbuch zu Tim Burtons ‚Beetlejuice‘ mit. Mit den 90ern ließ er die Literatur weitgehend hinter sich und wandte sich voll dem Drehbuchschreiben zu. So entwickelte er eine Idee Burtons zu ‚Nightmare Before Christmas‘ oder adaptierte Stephen Kings ‚Thinner‘. 1994 wurde ihm eine AIDS Diagnose gestellt. Daraufhin nahm er, für mehr finanzielle Sicherheit, an verschiedenen Universtäten Dozentenstellen für Drehbuchschreiben an. Daneben arbeitete er jedoch weiter an Auftragsarbeiten und persönlichen Projekten, etwa einer Fortsetzung zu ‚Beetlejuice‘. Diese stellte er jedoch vor seinem frühen Tod am 27.12.1999, in Folge seiner Erkrankung, nicht mehr fertig. Er wurde nur 49 Jahre alt.

Kommen wir zu den Büchern. In ‚The Elementals‘ haben zwei reiche, verschwägerte Familien aus Mobile, Alabama, die McCrays und die Savages, gerade eine sehr seltsame Beerdigung hinter sich gebracht und wollen nun in den extrem abgelegenen Ferienort der Familien fahren. Beldame an der Küste, bei Hochwasser sogar vor der Küste, besteht aus alten viktorianischen Häusern. Eines gehört den McCrays, das andere den Savages. Allerdings ist da noch ein drittes Haus. Das steht leer und wird langsam aber sicher vom Sand verschluckt. Die 15jährige India McCray, die für die Beerdigung und diesen Urlaub mit ihrem Vater aus New York angereist ist, versteht nicht, warum die Erwachsenen nicht über dieses Haus sprechen wollen. Ja, sogar fast so tun als existiere es nicht. Denn, da ist sie sich sicher, irgendetwas ist in diesem Haus.

Die Beschreibung lässt es wie eine Geisterhaus-Geschichte klingen und das ist sie ein Stück weit auch. McDowell ist durchaus sehr gut darin seinen Horror verstörend anschleichen zu lassen. Was ihn aber wirklich auszeichnet, ist wie er ihn dosiert und was er darum herum schafft. Seine Darstellung des US-Südens fühlt sich absolut wahrhaftig an. Sicherlich aus eigener Erfahrung, ist er dort ja auch aufgewachsen. Die absolute Trägheit ausgelöst durch die Hitze, die Umgangsformen, die hinter Höflichkeit versteckte, soziale Schichtung, all das lässt einen Ort, an dem ich noch nie war völlig greifbar erscheinen. Noch stärker ist aber die scheinbar spielerische Leichtigkeit mit der er in wenigen Sätzen hochkomplexe Beziehungen zwischen seinen Charakteren aufspannen kann. So rund fühlen sie sich an, dass der Horror, wenn er dann kommt, tatsächlich wie das Eindringen von etwas Fremdem, etwas Bösem in das Vertraute anfühlt.

‚The Elementals‘ ist perfekt um auszuprobieren, ob McDowell etwas für einen ist. Möchte man danach mehr, ist viel da, gefällt es gar nicht, wird einem auch der Rest nicht zusagen. Das Bekommen ist nur nicht ganz so einfach. Jedenfalls wenn man keinen E-Reader hat. Das amerikanische Taschenbuch ist recht teuer. Auf Deutsch ist das Buch als ‚Die Elementare‘ als Hardcover beim Festa Verlag erschienen, ist dort jedoch vergriffen. Aus zweiter Hand kann es entsprechend teuer werden. Das englische Ebook hingegen ist günstig zu erwerben und auch die Form in der ich es gelesen habe und zu der ich raten würde.

Nun aber zum Hauptgang: ‚Blackwater‘. 1919 treten die Flüsse Blackwater und Perdido über ihre Ufer und begraben das Örtchen Perdido in Alabama unter ihren Fluten. Oscar Caskey, Sohn der reichsten Holzindustrie-Familie des Ortes, sucht die Stadt mit seinem Boot nach Überlebenden ab. Überraschend findet er im ersten Stock des örtlichen Hotels die mysteriöse Elinor Dammert. Elinor und Oscar kommen sich schnell näher, sehr zum Unmut von Caskey-Matriarchin Mary Love, die fürchtet, die absolute Kontrolle über ihre Familie zu verlieren. Zu Recht, wie sich herausstellt. Über Jahrzehnte verfolgen wir den Aufstieg der Caskeys, denen scheinbar nichts misslingt, solange Elinor da ist. Allerdings kommen immer wieder einmal Menschen auf ebenso mysteriöse wie grausame Weise ums Leben. Und was ist Elinors Verbindung zum Fluss Blackwater in dem sie, trotz gefährlicher Strömungen, immer wieder nachts schwimmen geht?

Ich habe es an anderer Stelle schon einmal geschrieben: Horror ist ein Genre, das sehr arm an Epen ist. Ein Genre, das häufig nur einen Moment beschreiben will. Sicher, der Schrecken mag aus der weiten Vergangenheit drohen, doch an der eigentlichen Geschichte dazwischen ist Horror selten wirklich interessiert. McDowell mach hier ein Epos auf, dass es in seiner Spannweite bald mit Gabriel Garcia Marquez‘ ‚Hundert Jahre Einsamkeit‘ aufnehmen kann. Über Jahrzehnte verfolgen wir die Geschichte der Caskeys nach und auch hier kommt wieder McDowells große Stärke zum Tragen, wenn er die komplexen Verwicklungen zwischen den Charakteren mit spielerisch leichter Klarheit beschreibt und im Auge behält. Das bedeutet allerdings auch, dass das Buch lang ist. Wirklich lang. Ursprünglich erschien es über ein halbes Jahr als sechs einzelne Novellen.

Und es ist was man wohl einen „Slow Burn“ nennt. Ganze Kapitel können aus einer einzigen Konversation in Schaukelstühlen auf der Veranda bei Eistee bestehen. Allerdings sind McDowells Charaktere auch hier so rund, dass einem nicht langweilig wird. Insbesondere Mary Love ist ein grandios unsympathisch geschriebener Charakter. Doch McDowell sorgt dafür, dass man Sympathie für ein Monster empfinden wird. Und das am Ende der Abschied von den Charakteren, fehlerbehaftet wie sie sind, fast schmerzhaft wird. Auch hier schleicht sich der Horror auf leisen Sohlen an, bleibt jedoch anders als bei ‚The Elementals‘ stets wenigstens ein leises Hintergrundgeräusch, weil Elinor eben, aber nee, das könnt Ihr schön selbst rausfinden.

Die Themen die McDowell hier anreißt sind durchaus ernsthafte. Rassismus und Geschlechterungleicheit, die soziale Schere zwischen arm und reich sind nie direkt angesprochene aber stets vorhandene Themen. Überhaupt zeigt McDowell hier wie viel man darüber transportieren kann, was nicht direkt ausgesprochen wird, was nämlich auch ein Stück weit die Familienphilosophie der Caskeys zu sein scheint. Es wundert mich ehrlich gesagt, dass dieses Buch noch nicht zu einer Prestige-trächtigen Miniserie verarbeitet wurde. Das Format wäre, dank des ursprünglich seriellen Erscheinens ja schon quasi perfekt.

Auch hier ist meine Empfehlung wieder das englische EBook. Eine deutsche Version gibt es nicht und Soft- und Hardcover der originalen Version rufen lächerlich hohe Preise auf. Da das physische Buch aber auch ein ziemlicher Wälzer sein dürfte, ist die Ebook Version vielleicht ohnehin die beste Wahl.

Hier am Ende muss ich nun Herrn McDowell widersprechen. Ich kann natürlich nichts darüber sagen, ob sie für die Ewigkeit sind, aber über 30 Jahre später haben sie nichts von ihrer Faszination verloren. Für mich steht als nächstes sein ‚Cold Moon Over Babylon‘ auf dem Programm. Das soll ein „typischerer“ Horroroman sein. Aber wenn er nur halb so gut ist wie diese beiden, bin ich mehr als zufrieden.

Der Oktober ist da! Gruselfilm-Monaaat!!!

Man mag von importierten Halloween-Bräuchen halten was man will. Man muss nicht daran glauben, dass die Grenzen zur Geisterwelt gerade im frühen Herbst besonders dünn werden. Man muss nicht mal unbedingt an eine „Geisterwelt“ glauben. Aber wenn mir die Welt schon einen Vorwand liefert einen Monat lang nur gruselige Filme zu schauen, dann nutze ich den auch. Nicht dass ich ihn unbedingt bräuchte, aber wenn er halt nun mal schon da ist…

Doch dieses Jahr soll es hier auf der Filmlichtung nicht nur um gruselige Filme gehen. Dieses Jahr möchte ich auch einmal über Grusel in anderen Medien schreiben. Manche offensichtlich, andere, vielleicht, überraschend.

Falls sich Leute, die hier schon länger lesen fragen, wo denn bloß der Herr Legosi ist, vormals schließlich Oktober-Stammgast, dann muss ich sagen, ich weiß es nicht. Er ist nicht an seinem Platz im Schrank. Und das bereitet mir ein wenig Sorge. Ich habe schon unter dem Bett nachgesehen, aber das wäre wohl zu offensichtlich für ihn. Naja, ich werde die nächsten Tage einfach mal die Ohren offen halten, ob ich irgendwo empörtes Murmeln höre.

Na schön, und damit ist der gruseligste Monat des Jahres offiziell eröffnet! Fangen wir doch direkt mit Isaac Ruths Kurzfilm ‚It Crawled in Through The Window‘ an. Der zeigt, dass auch nur zwei Minuten schon ziemlich gruselig sein können!

Ich wünsche uns allen einen schönen Oktober!

MWAHAHAHAHA! Der Narr Filmlichter ahnt nichts von meinen finsteren Machenschaften! Nicht nur habe ich seinen Tomatensaft bis auf den letzten Tropfen leergetrunken, ich werde heute Nacht auch Klemmbausteine an strategischen Positionen in seinem Schlafzimmer platzieren, auf die er morgen früh zwangsläufig barfuß treten muss! Derart grausige Strafe über jeden, der nicht zollt den gebührenden Respekt, dem großen, dem furchtbaren, dem herrlichen GRAF Legosi!

Newslichter Ausgabe 151: potentielle Verschiebungen, Remakes und Prequels

Willkommen bei Ausgabe 151 des Newslichters. Nach dem Ausflug in tiefste Klatschgefilde letzte Woche, geht es heute mit gewöhnlichen Filmnews weiter. Und wie in der Überschrift zu lesen ist, kehren einige der gängigsten Themen diese Woche zurück. Legen wir direkt los!

Stehen wir vor einer neuen Verschiebe-Welle?

Die Hollywood Studios sind derzeit besorgt. Blockbuster scheinen in den USA an der Kinokasse schlicht nicht zu zünden. Tatsächlich zeigt ‚The Suicide Squad‘, dass ein bekanntes Phänomen derzeit verstärkt auftritt. Vom ersten Wochenende auf das zweite sind die Einnahmen um ca. 70% gefallen. Sprich, die Hardcorefans gehen gleich zu Anfang rein, danach kaum noch jemand. Schuld daran ist, zumindest glaubt man das bei den Studios, natürlich die Covid-Pandemie. Denn viele Kinos in den USA lassen Zuschauer nur noch mit Impfnachweis hinein. Ein tagesaktueller Test genügt in Zeiten der delta-Variante nicht mehr. Damit schließt man, gerade in nicht impfwilligen Regionen, natürlich große Teile des Publikums aus. Ich würde argumentieren, dass die zeitgleiche Veröffentlichung im Stream, sowie die Tatsache, dass es sich um die Fortsetzung/ein Reboot eines nicht unbedingt beliebten Films handelt, auch eine Rolle spielen.

Aber natürlich ist nicht wegzudiskutieren, dass Blockbuster, gerade im bei Hollywood-Studios immer noch so wichtigem „domestic market“, derzeit nicht annähernd so laufen wie in Vor-Corona-Zeiten. Was also tun? Die großen Blockbuster noch einmal auf Halde legen bis nächstes Jahr und hoffen, dass es dann besser aussieht? Und noch Kinos gibt. Disney CEO Bob Chapek hat ‚Shang Chi and the Legend of the Ten Rings‘ nun ganz offiziell zum „Experiment“ erklärt. Zum verständlichen Missfallen der am Film Beteiligten. Läuft der Film gut bleibt Disneys Veröffentlichungsplan stehen, wenn nicht, naja, wird es wohl auf Verschiebungen hinauslaufen. Und wenn Disney verschiebt, werden vermutlich alle anderen nachziehen. Brancheninsider behaupten gar, die Verschiebung des neuen Bond sei schon quasi beschlossene Sache und nur eine Kinokassenwunder Shang Chis könnte das ändern. Immerhin scheint MGM/Amazon bis jetzt dabei zu bleiben, dass der Film einen reinen Kinostart erhalten soll.

Ich möchte doch nur endlich ‚Dune‘ sehen. Und den neuen ‚Ghostbusters‘, weil ich ein elender Nerd bin.

Winnetou reitet wieder zum ersten Mal

In meinem kürzlichen Ausflug zum Thema deutsche Franchises habe ich auch über Karl Mays Winnetou und seine erfolgreichen Verfilmungen geschrieben. Und jetzt ist Winnetou wieder da, weil kein Franchise jemals wieder enden darf. Und wie kommt er zurück der Winnetou? Oh, in der typischsten Franchise Form des 21sten Jahrhunderts als, sagt es mit mir, Origin-Story. Oh ja, in ‚Der junge Häuptling Winnetou‘ sehen wir den Häuptlingssohn als Apachen-Steppke, der seinen Vater beeindrucken will. Für Regie und Drehbuch zeichnet dabei Mike Mazurk verantwortlich, der in den letzten Jahren auch ‚Die Fünf Freunde‘ erfolgreich zurück auf die Leinwand geführt hat. Sprich es läuft auf einen Film hinaus, der Kinder als Zielgruppe hat. Eine vernünftige Entscheidung in meinen Augen. Bei allem Hohn für Origin-Stories und Prequels, hier halte ich den Ansatz ehrlich gesagt für ziemlich sinnvoll. Man läuft nicht den 60er Jahre-Filmen hinterher und hat ein Publikum, das definitiv an Indianern interessiert ist.

‚Night Of The Animated Dead‘

Nach derart ungewohnt wohlwollenden Worten über ein Reboot, mal schnell zurück zum Motzen! Ich weiß, Trailer Park war am Samstag, aber schaut Euch den hier an:

Was soll das? Das sieht derart billig und lieblos aus. Spricht das wirklich jemanden an? Na klar, das Original sieht auch billig aus, aber genau das macht einen Teil seines Charmes aus, weil man in jeder Szene die Liebe erkennt, den Willen einen grandiosen Film zu drehen, zu experimentieren. Das hier ist… ich weiß auch nicht. Das würde ich nicht mal als Videospiel-Zwischensequenz schauen wollen. Das erinnert mich, dass ich irgendwann mal das ‚Night of the Living Dead‘ Remake von Tom, Savini schauen muss. Das soll zwar auch nicht gut sein, hat aber immerhin Splatter-Effekte von Savini. Und die sehen meist teurer aus als sie sind.

„I played this stinking city like a harp from hell!“

Danny DeVito gibt demnächst sein Debüt als Comic-Autor! Für eine Anthologie von Geschichten über Batmans glorreiche Schurken-Gallerie wird er eine Geschichte über, natürlich, den Pinguin beisteuern. Ob er sein Skript auf Klopapier abfassen wird, um seinem grandiosen Charakter aus ‚Batman Returns‘ besonders nahe zu kommen weiß ich nicht. Aber damit und mit der neuen ‚Batman 89‘ Comicreihe habe ich fast das Gefühl, man will mich bei DC als Leser zurückgewinnen. Mal sehen, ob das funktioniert!

Und damit sind wir auch schon wieder am Ende. Bis nächste Woche!

Newslichter Ausgabe 143: Spielberg/Netflix, Amazon/Bond und überflüssige/Remakes

Willkommen bei Ausgabe 143 des Newslichters. Eine gute Zeit für Wellen derzeit. Die große Hitzewelle macht Pause, die Corona-Welle ist für den Moment gebrochen und die Wellenbäder machen wieder auf. Da schlägt doch bestimmt auch das eine oder andere im Filmbereich hohe Wellen, oder? Und genau dafür ist der Wellenlichter ja da. Um das unter die Lupe zu nehmen. Ja, das geht dieser Tage schon als Einleitung durch. Erschreckend, ich weiß. Legen wir los!

What A Difference Two Years Make

Vor gut zwei Jahre, um die Zeit der Oscar Verleihung herum, wurde Steven Spielberg zu einer Art inoffiziellen Sprecher einer Gruppe, die meinte Netflix und andere Streamingfilme hätten bei Veranstaltungen wie dem Oscar nichts zu suchen, unabhängig davon, ob sie im Kino liefen. Denn sie wären der Natur der Sache nach immer Fernsehfilme.
Eine globale Pandemie später geht Spielbergs Produktionsfirma Amblin Partners eine Partnerschaft mit Netflix ein, um mehrere Filme für den Dienst zu produzieren. Wie glücklich man bei Universal, Amblins üblichem Partner, ist, man kann es vermutlich ahnen. Das ist für Netflix natürlich vor allem ein symbolischer Erfolg. Einer der größten Kritiker der Plattform arbeitet nun mit ihr zusammen. Ist es das jetzt? Ist das jetzt der endgültige Anfang vom Ende des Kinos? Möglich. Aber ich für meinen Teil erinnere mich an Netflix irrsinnigen Deal für die Fortsetzungen zu ‚Knives Out‘. Ich glaube, bei Netflix schmeisst man derzeit einfach derart mit ganzen Batzen von Venture Capital Geldbündeln um sich, dass es fast fahrlässig wäre nicht mit dem Kescher aufzutauchen, wenn man nur den Hauch einer Chance dazu hat. Und seien wir ehrlich, Spielberg ist nicht nur ein sehr guter Regisseur, er ist auch ein durchaus cleverer Geschäftsmann.
Ich für meinen Teil mag aber auch einfach keine Voraussagen mehr treffen. Eine Voraussage ist schließlich immer nur eine Projektion des ist-Zustands in die Zukunft. Und wenn uns das letzte Jahr eines gelehrt hat, dann wohl, dass Morgen keineswegs immer die Notwendigkeit sieht so zu sein wie Heute.

Gute Nacht, Mutti

Immer wenn man gerade glaubt die Zeit der US-Remakes von Filmen aus anderen Ländern sei vorbei, überraschen sie einen wieder. Veronika Franz und Severin Fialas ‚Ich seh, ich seh‘ soll unter dem Titel ‚Goodnight Mommy‘ (war wohl auch der internationale Titel des Originals) ein Remake für Amazons Streaming Dienst erfahren. Regie führen soll der mir gänzlich unbekannte Matt Sobel. Ich mag den originalen Film sehr, daher stehe ich einem Remake natürlich mit der gebührenden Skepsis gegenüber. Jene Skepsis, die sich in Sätzen wie „was soll der Scheiß?“ äußert. Manche spekulieren schon, dass Amazon den Film wohl mit einer viralen Kampagne auf den Weg schicken will, ähnlich wie ‚Bird Box‘. Ich für meinen Teil freu mich schon auf Youtube Sekundenkleber-Prank-Videos und Fauchschaben-TikToks. Moment, habe ich „freuen“ geschrieben? Ich meinte das andere Wort.

Quo Vadis, Jimmy?

Muss man sich um den Top-Spion Ihrer Majestät Sorgen machen, weil MGM nun von Amazon aufgekauft wurde? Jemand der meint es gäbe keinen Grund dazu ist Regisseur Martin Campbell. „Noone’s gonna f— around with success.“ sagte er zum Magazin Business Insider. Und da hat er sicher Recht, ist es doch seine Rolle im Bond-Franchise immer dann schonend einzugreifen, wenn der Erfolg eben nicht so richtig da ist. Auf seine Kappe gehen schließlich sowohl ‚Goldeneye‘ als auch ‚Casino Royale‘, die man beide wohl als erfolgreiche Soft Reboots der Serie ansehen kann. Die James Bond Reihe ist eine, die immer auch von der jeweiligen Zeit beeinflusst wurde. Wie ernst nimmt man sich? Wer sind die Bösen? Wie dreist ist das Product Placement? Ein britischer Spion in einem BMW?! Im Kern war es aber eigentlich schon immer eine Superhelden-Reihe. Und als solche muss man sich um sie im Moment wohl kaum Sorgen machen. Auch nicht im Auftrag seiner Majestät, Goldfinger Jeff Bezos.

Das war‘s. Nächste Woche gibt es keinen Newslichter. Es sei denn, das war eine ziemlich dreiste Lüge und es gibt doch einen. Also gibt es vermutlich doch einen, denn ich würde mir nicht glauben. Wir sehen uns also nächste Woche (oder???)!

Lustiges Taschenbuch Sonderedition Film – 4

Hiermit kommen wir zum vierten und letzten Band der Sonderedition Film des Lustigen Taschenbuchs. Legen wir ohne große Vorrede direkt los!

Die Rose von Rajahstan

Autorin: Teresa Radice
Zeichner: Stefano Turconi

Die Tochter des Maharadschas von Rajahstan, Minnie Mala, soll mit dem Bollywood-Fiesling-Darsteller Khaterkharlothunitguud (ugh) verheiratet werden. Der hat es natürlich vornehmlich auf den Schatz des Maharadschas abgesehen. Aber auch Gärtner Mickhad Mandoori ist in Minnie verliebt.
In Bollywood kenne ich mich filmisch kaum aus, deswegen kann ich hier wenig zu möglichen Anspielungen auf die Filme sagen. Ein wenig anstrengend fand ich die Knüttelverse in den oft doch recht langen „Gesangsnummern“, die im Comic natürlich ohnehin kaum halb so gut wirken, als könnte man sie hören. Ansonsten eine recht typische romantische Geschichte, die hier und da am Rande mal das Kastensystem erwähnt. Gut gefallen haben mir die dynamischen Zeichnungen und insbesondere die warme Farbgebung.

Der Duck ohne Vergangenheit

Autor: Kari Korhonen
Zeichner: Girogio Cavazzano

Aha, man hat bei Disney offenbar meine letzte Rezension gelesen und will sich bei mir persönlich für die Verunglimpfung von Aki Kaurismäki entschuldigen! Aber ernsthaft, mit vielem hätte ich in diesen Comics gerechnet, mit einer liebevollen Umsetzung eines Kaurismäki-Stoffes nicht. Donald und seine Neffen schauen ‚Der Mann ohne Vergangenheit‘ im Kino. Donald schläft mal wieder ein, diesmal allerdings aus Erschöpfung und nicht aus Langeweile. Im Traum vermischen sich seine Erlebnisse und die Handlung des Films. Was herauskommt ist eine schöne, wenn auch natürlich „disneyfizierte“ Version von ‚Der Mann ohne Vergangenheit‘. Autor Korhonen wollte seinem finnischen Landsmann Kaurismäki hier ganz offensichtlich eine wirklich liebevolle Hommage bringen und das ist gelungen. Unterstützt wird das von den klaren, schnörkellosen Zeichnungen Cavazzanos. Prima!

Der knurrende Hai

Autor: Roberto Gagnor
Zeichner: Giada Perissinotto

Regisseur Sten Spielsberg arbeitet an einem Film über einen gefräßigen Hai. Leider will aber die Requisite nicht so recht funktionieren. Der Hai knurrt dauernd. Tatsächlich geht so viel am Set schief, dass Sten Sabotage befürchtet und seine alten Kumpels Micky und Goofy bittet „Bruce“, den Hai, in die Bucht zu transportieren, wo die Außenaufnahmen gedreht werden sollen. Auf dem Weg dorthin sehen sich die beiden alsbald von einem riesigen Truck verfolgt…

Das war mal hübsch angetäuscht. Was wie eine Geschichte hinter den Kulissen von ‚Der Weiße Hai‘ beginnt, wird plötzlich zu einer Parodie von ‚Duell‘ mit zahlreichen weiteren Anspielungen auf Spielbergfilme. Hat mir sehr gut gefallen, auch wenn die Auflösung letztlich recht öde ist.

Gehen Wir Ins Kino? Fantasyfilme

Autor: Marco Bosco
Zeichner Stefano Zanchi

Und wieder eine Geschichte von Marco Bosco, die Klischees eines bestimmten Genres auf die Schippe nimmt. Hier eben der Fantasyfilm. Aber ganz ehrlich, nachdem in den vorherigen Bänden mehrere Stories waren, die quasi alle hier genannten Klischees erfüllten, fühlte sich das hier etwas redundant an. Auch wenn die Geschichte selbst handwerklich durchaus wieder gut gemacht war.

Zorro in Los Enteles

Autor: Nino Russo
Zeichner: Francesco Guerrini

Der Titel verrät eigentlich schon alles. Eine Geschichte die spielt, als Kalifornien noch spanisch war und fiese Gesellen wie Capitan Klaasan el Klevan (erneut, ugh) die Bevölkerung ausbeuten. Doch zum Glück ist da ja auch Zorro, der die Unterdrückten beschützt. Um seinen reichen Onkel und Senorita Daisetta zu beeindrucken gibt sich der Schöngeist Donaldos di Duckos eines Tages als der maskierte Rächer aus, mit katastrophalen Folgen.
Erstmals 1994 erschienen nimmt die Geschichte tatsächlich einige Elemente des späteren Films mit Antonio Banderas voraus, etwa die Idee eines neuen Zorro, ausgebildet vom alten (wobei es das durchaus auch vorher schon gegeben haben mag, ich bin kein Zorro-Kenner). Insgesamt ist die Geschichte aber deutlich länger als sie sein müsste. Und hat gewisse Logikfehler, so werden die Los Panzeros Knackeros (hab ich schon „ugh“ gesagt?) als Handlanger des Capitan eingeführt, aber der heuert sie erst später aus dem Knast an. Ob das nun an der Übersetzung liegt, weiß ich natürlich nicht. Aber auch hier wissen die Zeichnungen zu überzeugen. Oft etwas düsterer als in den anderen Geschichten und mit dem einen oder anderen doppelseitigen Splashpanel.

Einmal Hollyholz und zurück

Autor: Giorgio Salati
Zeichner: Alessandro Gottardo

Minnies Bekannte haben alle berühmte Partner. Der eine ist Model, der andere Schauspieler. Nur Micky ist bloß ein weltbekannter Abenteurer und Detektiv. Das geht natürlich nicht, so muss auch für Micky eine Schauspielerkarriere her. Beim Vorsprechen für eine Geheimagentenrolle stellt sich Micky aber so trottelig an, dass er direkt von Sönke Schulz als linkischer Hauptdarsteller für seine neueste romantische Komödie entdeckt wird.
Eine ziemlich typische „willst Du wirklich berühmt sein?“ Geschichte mit Micky Maus in der recht unglaubwürdigen Hauptrolle. Auch würde man heute vermutlich nicht mehr unbedingt eine Karikatur von Woody Allen für Sönke Schulz verwenden. Mehr als ganz nett ist das nicht.

Ghostbusters

Autor: Giorgio Pezzin
Zeichner: Silvio Camboni

Yay Ghostbusters. Das sage ich. Giorgio Pezzin sah das offenbar anders. Die Geschichte erschien 1991, ist also ganz offensichtlich unter dem enttäuschenden Eindruck des zweiten Teils entstanden. Pezzin lässt Donald und Neffen hier aus Ghostbuster 56 aus dem Kino kommen. Tick, Trick und Track haben längst durchschaut, dass das immer das Gleiche ist, nur Donald ist begeistert. Und glaubt an Geister. Eine merkwürdige Begegnung inspiriert ihn zusammen mit Dussel sein eigenes Ghostbusters Team zu gründen.
Das fühlt sich schon sehr nach Auftragsarbeit an. Irgendwer sagte vermutlich zum Herrn Pezzin, Ghostbusters ist erfolgreich, mach da mal was fürs Lustige Taschenbuch (bzw. das italienische Topolino, wo die meisten (alle?) Geschichten herstammen). Als Ghostbusters Fan sicher nett, aber letztlich reichlich uninspiriert.

Mausopolis

Autor: Francesco Artibani
Zeichner: Paolo Mottura

Und jetzt folgt das genaue Gegenteil von uninspiriert. Eine Umsetzung von Fritz Langs legendärem Stummfilmklassiker ‚Metropolis‘. Und was für eine! Sicherlich, Artibani muss hier allerlei Kürzungen vornehmen, Motivationen von Charaktere werden verkürzt oder gleich ganz entfernt und durch typische Plattitüden rund um Freundschaft, Liebe und Ehrlichkeit ersetzt und doch ist noch so einiges der beklemmenden Atmosphäre des Films geblieben. Und am Ende beerdigen sowohl Lang als auch Disney die aufgebauten gesellschaftlichen Widersprüche unter reaktionärem Pathos, das passt‘s dann eh wieder. Aber, ganz ehrlich, die Leistung einen doch recht schwierigen Filmklassiker auf 70 Seiten für Kinder umzusetzen und dabei erkennbar und nachvollziehbar zu bleiben ist nichts weniger als beeindruckend.
Beeindruckend sind auch die Zeichnungen von Paolo Mottura. Mit viel expressionistsicher Ausdruckskraft. Da ist man gelegentlich fast etwas enttäuscht, dass doch so viel Text drin ist. Als „Stummcomic“ hätte das möglicherweise auch funktioniert. Nichts desto trotz ein beeindruckender Abschluss für die Reihe.

Und das war die Sonderedition Film. Insgesamt habe ich mich, obwohl offensichtlich nicht Zielgruppe, durchaus gut unterhalten gefühlt. Nicht alle Geschichten haben funktioniert, aber das kann man bei einer solchen Sammlung wohl auch kaum erwarten. Insgesamt haben aber viele erstaunlich gut funktioniert. Mein Ranking, falls es wen interessiert, wäre wohl 2,4,1,3. Wobei 1 und 3 quasi gleichauf und sicher nicht schlecht sind. Ich hege ja ohnehin gewisse Sympathie für das LTB, ist es doch eines der wenigen reinen Comicprodukte, die es noch in quasi jedem Supermarkt zu kaufen gibt.

Hier noch ein Bild wie sich die Bände in meinem „Filmkrams“ Regal machen:

Schick, nicht wahr?

Die LTB Sonderedition erscheint bei Egmont Ehapa Media GmbH und ist für 8€ pro Band mit ca. 300 Seiten erhältlich.