Weihnachtsgrüße und ein Blick zurück

Es ist Heiliger Abend und ganz egal, ob das Tännlein schon funkelt, oder Ihr kaum noch erwarten könnt bis dieser ganze Weihnachtskram vorüber ist, lasst mich Euch an dieser Stelle ein paar schöne Tage mit freundlichen Menschen wünschen!

Ich schreibe hier wenig über Privates und so will ich es dabei belassen, dass dieses Jahr abseits der Filmlichtung kein gutes für mich war. So gar nicht. Es war genau genommen reichlich scheiße. Aber sowohl Rosen als auch Erdbeeren gedeihen bekanntlich am besten auf Mist, also hoffe ich einfach mal das Beste für das nächste Jahr.

Und die Filmlichtung selbst? Der geht es andererseits ganz gut. Natürlich reißt man mit einem Blog heutzutage keine Besucherzahlbäume mehr aus, doch bin ich nachwievor ohnehin überrascht, dass irgendjemand meinen Kram lesen will. Besucherzahlen sind zum Vorjahr um etwa ein Drittel gewachsen. Das ist schön und ein Wachstum mit dem ich wunderbar leben kann. Der erfolgreichste Artikel stammt dabei übrigens nicht aus diesem Jahr, ist aber erst in diesem Jahr erfolgreich geworden. Keine Ahnung, was da bei Google wohl für ein Schalter umgelegt wurde, doch seit Januar zieht „Warum essen wir eigentlich ausgerechnet Popcorn im Kino?“ täglich mindestens eine Handvoll Klicks, gerne auch mal (deutlich) mehr an. Mir ist nicht ganz klar welche Lehre ich daraus ziehen soll. Eine Reihe von Testartikeln über Mikrowellenpopkörner? Ein Kochvideo, das vermutlich daraus besteht, dass ich einen Maiskolben in eine heiße Pfanne werfe und spritzendem Öl ausweiche?  „Warum trinken wir eigentlich ausgerechnet Cola im Kino?“ als Nachfolgerartikel (Antwort: damit spätestens beim siebten Ende von ‚Rückkehr des Königs‘ ein Tycho Brahe-artiger Druck in der Blase entsteht)?

Themenreihen wie der „Impossible-athon“ vom Januar und der laufende Miyazakizember wurden gut angenommen und werden unregelmäßig weiterhin auftauchen, weil sie auch mir Spaß machen. Ganz sicher weiterlaufen, und schon sehr bald, werden die Rückblicke auf die jährlichen Kinocharts angefangen vor 40 Jahren. Ansonsten läuft vermutlich alles weiter wie bisher. Außer, dass ich die News entweder mal ausfallen lassen werde, oder in lahmen Wochen über länger zurückliegendes berichte, was in einer volleren Woche keinen Platz mehr gehabt hat. Letztlich scheint es den meisten Lesern eh eher um meinen Kommentar als den Nachrichtenwert an sich zu gehen. Was Sinn macht, bekommt man die reinen News doch anderswo einfacher und weniger verlabert.

Weniger positiv haben sich die Interaktionen entwickelt. „Likes“ sind um etwa 12% im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Gut, ich habe auch etwa 6% weniger Artikel veröffentlicht und einige davon waren Ankündigungen, Verweise auf andere Blogs etc, die nie viele Likes bekommen. Die Anzahl Likes pro „echtem“ Artikel hat sich also nicht erheblich verschlechtert aber definitiv auch nicht verbessert. Was soll’s, kann ich mit leben.

Dramatischer sieht es hingegen leider bei den Kommentaren aus. Die sind um fast 40% im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Und das ist in jeder Hinsicht schmerzhafter als die Likes. Gut, zum einen habe ich einfach weniger Artikel geschrieben, die Diskussionen auslösen, das muss ich so hinnehmen. Zum anderen liegt es vielleicht auch ganz wesentlich an mir. Ich habe dieses Jahr weniger kommentiert, sowohl auf meinem als auch auf anderen Blogs. Und ich habe vor allem andere Blogs weit weniger gelesen als mir selbst das lieb ist.

Ich habe fest vor das nächstes Jahr wieder zu ändern und hoffe, dass es sich auch hier wieder besser entwickelt.

So, jetzt habe ich aber auch genug Zeit Eures Heilig Abends beansprucht und verabschiede mich mit Michael Caine den Muppets und Thankful Heart.

‚Anna und die Apokalypse‘ (2017)

Da ich den Miyazakizember nicht für eine spontane Rezension unterbrechen möchte, bekommt Ihr eine Extrabesprechung an diesem Samstag, denn diese Besprechung passt am besten in die Vorweihnachtszeit! Ich möchte an dieser Stelle Bloggerkollegin ainu danken, die mit ihrem Kommentar zu meinem Artikel zu Filmen mit „Weihnachten als Hintergrund“ dafür gesorgt hat, dass ich den Film endlich mal sehe bevor Weihnachten vorbei ist und ich wieder 11 Monate warten muss…

‚Anna und die Apokalypse‘ ist ein schottisches Zombie-Weihnachtsmusical (ich werde nicht den Begriff „Grusical“ verwenden. Aus irgendeinem Grund erweckt der bei mir körperliches Unbehagen). Das für sich allein ist schon Alleinstellungsmerkmal genug, dass ich mir meine üblichen Einleitungsfloskeln zum Thema Zombieübersättigung sparen kann. Nun könnte man allein bei dieser Beschreibung fürchten, man habe es mit einem reinen Gimmick-Film, der sein Pulver nach 20 Minuten verschossen hat. Das ist keinesfalls so, der Film hat einen funktionierenden, emotionalen Unterbau, was vielleicht nicht zuletzt auch an seiner tragischen Entstehungsgeschichte liegt. 2011 drehte der Schotte Ryan McHenley den Kurzfilm ‚Zombie Musical‘. Er war gerade dabei eine Langfilmfassung des Werkes vorzubereiten, als er 2015 im Alter von 27 Jahren an Knochenkrebs verstarb. Die Produzenten beschlossen John McPhail anzuheuern um den Film, der McHenry als Koautoren führt und ihm gewidmet ist, zu vollenden.

Im Film steht die titelgebende Anna (Ella Hunt) kurz vor der Vollendung der High School in der schottischen Provinz. Danach möchte sie reisen, ihr Vater, Schulhausmeister Tony (Mark Benton) zu dem ihr Verhältnis seit dem Tod der Mutter ohnehin angespannt ist, will hingegen, dass sie direkt auf die Uni geht. Zu Annas Clique gehören ihr bester Freund John (Malcolm Cumming), der heimlich mehr für sie empfindet, sowie das Pärchen Lisa (Marli Siu) und Chris (Christopher Leveaux). Die Schule besuchen ebenfalls die Einzelgängerin und Weltverbesserin Steph (Sarah Swire), die das Schulblog führt, sowie der Schulbully und Macho Nick (Ben Wiggins), mit dem Anna kurzzeitig zusammen war. Sie alle stehen unter der Knute des tyrannischen Schulleiters Arthur Savage (Paul Kaye). Doch nachdem sich eine aggressive Grippeepidemie als Zombieinfektion herausgestellt hat, müssen die über die Kleinstadt verteilten Schüler versuchen zurück zur Schule zu kommen, wo ihre Freunde und Verwandten für eine Aufführung waren. Wenig wird danach wie vorher sein.

McPhail nimmt sich ordentlich Zeit seine Charaktere aufzubauen. Längere Zeit präsentiert er uns normalen Schulalltag mit allen Konflikten und Beziehungen, die der mit sich bringt. Dabei können die weitgehend unbekannten Jungdarsteller direkt beweisen, dass sie ihre Charaktere glaubhaft und sympathisch verkörpern können. Insbesondere Ella Hunt als Anna erweist sich hier als Glücksgriff. Bereits in diesen frühen Szenen beeindrucken Kamera und Produktionsdesign, die den Film sicherlich weit teurer aussehen lassen als er tatsächlich war. Der Schnitt ist flott, wenn auch gelegentlich arg von Edgar Wright inspiriert. Am Vergleich mit Wright kommt der Film dank ‚Shaun of the Dead‘ eh nicht vorbei, also können wir ihn auch gleich hier abhaken: Anna erreicht nicht ganz die Klasse von Shaun ist aber, von den erwähnten Schnittmomenten abgesehen, mehr als eigenständig genug um einen Platz neben ihm zu verdienen.

Doch gefällt mir die Verwendung der Apokalypse-Metapher hier sogar ehrlich gesagt besser als bei Shaun. Während dort das oft gesehene „die Zombies sind wir“ samt Konsumkritik galt, mach Anna etwas Neues daraus. Oft genug wird das Ende der Schulzeit als ein Moment der Freiheit betrachtet, der es auch absolut ist. Und doch gehen mit dieser Freiheit auch gewohnte Rituale und Pflichten verloren. Freundschaften, die womöglich vor allem darauf basierten, dass man täglich Stunden in derselben Situation verbracht hat. Aus dem festen Reglement plötzlich in die Situation „tu-was-du-willst-und-keiner-weiß-was-richtig-ist“ gestoßen zu werden. Dieser letzte Verlust kindlicher Sicherheiten, kann sich, neben aller Freiheit, durchaus beängstigend und sogar apokalyptisch anfühlen.

Während der Film im Großen und Ganzen gute Laune verbreitet und die Blutfontänen eher cartoonhaft als scheußlich, die Gewalt eher Slapstick als brutal ist, sollte man daraus nicht folgern, dass er nicht auch durchaus einige Schläge in den Magen in petto hat. Gerade zum Ende hin geht der Film durchaus gnadenlos mit seinen Charakteren um, wobei sich deren sorgfältige Ausarbeitung am Anfang bezahlt macht, wenn die Schläge eben auch wirklich sitzen.

Die wesentliche Frage für ein Musical ist aber natürlich: was ist mit den Gesangseinlagen? Ich fand sie, zu meiner eigenen Überraschung, durchweg gelungen. Es gibt drei Arten von Nummern in dem Film, die in denen Charaktere ihre Gefühlslage darlegen („Break Away“), solche die tatsächlich in der Handlung stattfinden („It’s that time of year“), oder die die Handlung vorantreiben („Turning my life around“). Die Musik geht ins Ohr und gelegentliche Schwächen bei Gesang oder Choreografie tragen bestenfalls noch zum Charme bei statt ihm abträglich zu sein. Meine Favoriten sind die drei oben in Klammern genannten Songs. „It’s that time of year“ ist dabei ein Song, den Lisa bei einer Weihnachtsaufführung der Schule singt. Man kann ihn wohl als Parodie auf die kurze aber merkwürdige Liste von sexy Weihnachtssongs sehen, die sich mir nie so ganz erschlossen haben. Hier ist es sehr komisch, weil der Song mit wahrlich versauten Doppeldeutigkeiten arbeitet („Come over, Santa, unload your sack!“) und eben bei einer Schulveranstaltung vor Eltern und Großeltern gesungen wird, während Rektor Savage beinahe Dampf aus den Ohren zischt. In „Turning my life around“ sind Anna und John auf dem Weg zur Schule und bemerken für längere Zeit nicht dass in der letzten Nacht eine Zombieepidemie ausgebrochen ist. Aber schaut selbst, bevor ich noch mehr schreibe:

Wenn ich meckern sollte, dann müsste ich wohl sagen, dass dem Film glatte 90 Minuten besser getan hätten als die knapp 100 die er im Moment läuft. Im letzten Drittel, wenn sich eine weitere Handlung um Rektor Savage entspinnt, dann zieht er sich ein wenig, entschädigt aber mit einem gelungenen Finale. Ich habe übrigens häufiger die Kritik gelesen Savage sei unrealistisch. Dem möchte ich entgegenhalten, dass ich sofort zuordnen könnte, welcher meiner ehemaligen Lehrer in seiner Rolle wäre. Der hatte sogar nen ähnlichen Bart…

‚Anna und die Apokalypse‘ ist ein liebenswerter kleiner Film mit sympathischen Charakteren. Er ist kein zweiter ‚One Cut oft he Dead‘, aber dennoch muss auch ich als erklärter Zombiemuffel zugeben, dass die ollen Untoten vielleicht doch noch ein wenig rottendes Fleisch auf den Knochen haben.

Ankündigung: Hayao Miyazaki im Dezember

Der Dezember. Er ist dunkel, kalt, nass und rundherum ungemütlich. Hätte er nicht Glühwein, Lebkuchen und Weihnachten zu bieten, dann könnte ihn vermutlich niemand ausstehen*. Und darum findet dieses Jahr der Dezember auf der Filmlichtung nicht statt! Es ist mein Blog und ich bin sicher, ich kann das einfach mal so entscheiden, oder? Okay, die 31 Tage verschwinden dadurch natürlich nicht. Vielleicht könnte man sie durch etwas anderes ersetzen… Cezember, nee. Bezember, auch doof. Aazember, albern. Ich hab’s! Miyazakizember!

Fünf Filme aus der langen Karriere eines der besten Schöpfer von Anime überhaupt**, Hayao Miyazaki, werde ich an den fünf Montagen des Dezembers besprechen. Eine interessante Chance nicht nur endlich einige Lücken meinerseits in seiner Filmografie zu schließen, sondern auch übergreifende Themen und wiederkehrende Elemente seiner Filme genauer unter die Lupe zu nehmen. Falls jemand parallel zu meinen Besprechungen die Filme schauen möchte, liefere ich hier schon einmal die Titel:

 

02.12.: ‚Mein Nachbar Totoro‘ (1988) Erstsichtung

09.12. ‚Kikis kleiner Lieferservice‘ (1989)

16.12. ‚Prinzessin Mononoke‘ (1997)

23.12. ‚Chihiros Reise ins Zauberland‘ (2001)

30.12. ‚Wie der Wind sich hebt‘ (2013) Erstsichtung

 

Und wer jetzt mit berechtigtem Zorn fragt wo ZUR HÖLLE ‚Ponyo‘ ist, dem sei gesagt, ich muss mir ja auch noch was für mögliche zukünftige Miyazaki-Monate aufheben. Nicht zuletzt, weil die Gerüchte um seinen Ruhestand nach ‚Wie der Wind sich hebt‘ offenbar stark übertrieben waren. Nächstes oder übernächstes Jahr ist ein weiterer Film von ihm zu erwarten.

Wer sich schon mal ein wenig auf den Miyazakizember einstimmen möchte, kann hier ein paar Worte zu ‚Nausicaä‘ und hier eine Besprechung von ‚Porco Rosso‘ lesen. Ansonsten geht es in einer guten Woche an dieser Stelle los.

 

*Leute die Glühwein nicht mögen, Lebkuchen eklig finden und Weihnachten nicht mögen nicken vermutlich gerade kräftig.

** Und jetzt schütteln einige Anime Experten vermutlich gerade mit dem Kopf…

Top 10 Filme von damals: Kinocharts 1979 Platz 10 – 6

Was hat man eigentlich vor 40 Jahren in Deutschland für Filme geschaut? Was davon ist in das Unterbewusstsein der Popkultur übergegangen? Was ist vollkommen vergessen? Was hatte einen Einfluss auf mich (obwohl ich es erst deutlich später gesehen haben kann) und wovon habe ich womöglich noch nie gehört? Wenn es Euch gefällt würde ich hieraus gerne eine Reihe machen, die nach und nach die 10 erfolgreichsten Kinofilme in Deutschland Jahr für Jahr von 1979 an durchgeht. Als Grundlage dafür nutzen werde ich die Kinocharts der Seite Chartsurfer. Warum gerade vor 40 Jahren anfangen? Keine Ahnung, ist ehrlich gesagt relativ willkürlich gewählt, vor allem ist es eine schöne runde Zahl.

Was war vor 40 Jahren so los auf der Welt? Bestimmt lauter Sachen an die man sich heute gar nicht mehr erinnert, oder? 1979 wurde im Iran der despotische Schah Pahlewi gestürzt, die „Islamische Revolution“ unter ihrem religiösen Führer Chomeini übernahm die Macht und stellte sich in direkte Konfrontation mit den USA. Im Irak übernahm die Baath-Partei unter Saddam Hussein die Macht und stellte sich in direkte Konfrontation mit dem Iran. Auf Three Mile Island in Harrisburg, Pennsylvania ereignete sich das bis dato größte Kernkraftwerkunglück aller Zeiten mit einer partiellen Kernschmelze. Die Havarie der Tanker Atlantic Empress und Aegean Captain vor der Insel Tobago löste eine gigantische Ölpest aus. In Hamburg sprengten sich drei Kinder beim Spielen mit Chemikalien in die Luft, die quasi unbewacht auf dem Gelände der Chemischen Fabrik Stoltzenberg herumgelegen hatten. Die Firma wurde geschlossen, der Justizsenator entlassen, rechtliche Ermittlungen wurden keine angestellt. Mit der Bremer Grünen Liste zog zum ersten Mal eine grüne Partei in ein Landesparlament ein, noch ein Jahr vor Gründung der Bundespartei. Und der HSV wurde deutscher Fußballmeister. Jetzt aber lieber schnell ins Kino!

 

  1. ‚Der Windhund‘

Zeit direkt mit einem Geständnis anzufangen: in der Filmografie von Jean Paul Belmondo kenne ich mich bestenfalls lückenhaft aus. Diesen von Georges Lautner in Nizza gedrehten Actionkrimi, kenne ich jedenfalls nicht. Eine kurze Recherche hat allerdings erbracht, dass der Film damit warb, dass Belmondo quasi alle seine Stunts selbst gemacht hat. Etwas, das definitiv ein Echo in den heutigen ‚Mission Impossible‘ Filmen und Tom Cruise findet. Wenn jemand Klügeres zu diesem Film mitzuteilen hat, gerne in die Kommentare!

  1. ‚Der Große Mit Seinem Außerirdischen Kleinen‘

So, in der Filmografie von Bud Spencer kenne ich mich schon mal direkt besser aus. Hier gibt der schwergewichtige Italiener einen gemütlichen aber bestimmten Sherriff in einer amerikanischen Kleinstadt, wo er auf einen kleinen Jungen trifft, der behauptet ein Außerirdischer zu sein und dies mit seiner „Photonenkanone“, einer Art Fernbedienung, die allerlei Unmögliches möglich macht, auch beweisen kann. Wie im vorjährigen ‚Sie nannten ihn Mücke‘ ist Buddies Gegenspieler hier Kartoffelquetscher Raimund Harmstorf, der den Armee Captain Briggs gibt, der den Jungen und vor allem die Photonenkanone haben will. Regie führt (wie schon bei ‚…Mücke‘) Michele Lupo. Gedreht wurde in der Kleinstadt Newnan in Georgia. Auffällig ist der Film in Spencers Filmografie höchstens für seinen SciFi Einschlag, ansonsten gehört er nicht unbedingt zu meinen Favoriten. Die billigen Photonenkanoneneffekte werten die typischen Kloppereien nicht wirklich auf. Aber hey, es ist ein Bud Spencer Film. Da weiß man exakt was man bekommt: Kloppe und Rainer Brandt Sprüche. Und manchmal reicht genau das. Thematisch fällt natürlich die Ähnlichkeit zum späteren ‚E.T.‘ auf und zumindest Spencer war fest überzeugt, dass Spielberg hier inspiriert wurde. Da der Darsteller des Außerirdischen, Cary Guffey, eine Entdeckung Spielbergs war ist es durchaus möglich, dass er den Film gesehen und Spencer recht hat.

  1. ‚ Zombie – Dawn of the Dead‘

12 Jahre hatte es dauern sollen, bis George Romero eine Fortsetzung zu ‚Night oft he Living Dead‘ drehen konnte. Nach seinem kommerziellen Flop ‚Martin‘ wollte ihm kaum noch jemand Geld geben und erst eine Finanzspritze und gutes Zureden von ‚Night…‘-Fan Dario Argento machten es möglich. Argento erstellte dann einen eigenen, flotteren Schnitt des Films, der in den meisten europäischen Ländern gezeigt wurde (man stelle sich das mal heute vor) und Musik seiner Hauskomponisten Goblin verwendete. Dieser wurde leicht gekürzt auch in Deutschland gezeigt. Interessierte Romero sich im ersten Film noch kaum für die Ghule/Zombies, wichtiger war ihm die Dynamik der belagerten Menschen untereinander, machte er sie hier zu einer Kapitalismus- und Konsumkritik. Noch im Tode stolpern sie hirnlos durch die Gänge eines Einkaufszentrums, getrieben nur vom Wunsch nach Konsum. Auch die Überlebenden fliehen hier hin und benehmen sich wie in jenem Kindertraum im Kaufhaus vergessen zu werden. Die deutsche Kritik erkannte nicht, dass wir die Zombies sind und die Zombies wir und unterstellte Romero direkt eine „Herrenmenschenpolitik“. Es gibt sicher Zombiefilme, denen man diese vorwerfen kann, Romeros aber nun gerade mMn. am allerwenigsten…

Es sollte noch bis zur moralischen Panik der Videojahre in den 80ern dauern, bis der Film in Deutschland beschlagnahmt (nicht nur indiziert!) wurde. 1979 konnte man sogar noch eine Heimkinovariante auf 16mm Film bekommen. 50 Minuten lang auf drei Rollen für je(!) 150 D-Mark. Heimkino war mal richtig teuer.

  1. ‚Apocalypse Now‘

Und da haben wir ihn, den ersten fraglosen Klassiker in dieser Top 10. Francis Ford Coppolas freie Adaption von Joseph Conrads „Heart Of Darkness“, die die Handlung in den Vietnamkonflikt verlegt gilt, je nachdem wen man fragt, als bester Film über den Vietnamkrieg, bester Antikriegsfilm oder gar bester Film überhaupt. Unter schwierigsten Bedingungen (siehe auch hier) auf den Philippinen gedreht, geht Coppola ganz offensiv mit dem Problem des Antikriegsfilms um, dass die ästhetische Wirkung kriegerischer Szenen, diese schnell ihre „Anti“-Wirkung verlieren lassen. Coppola zeigt wie man am Krieg verrückt wird. Fast scheint er zu sagen, das Verrücktwerden ist der einzig vernünftige Umgang mit dem Krieg. Es gibt keine „Guten“ im Krieg, nur Lügen, die man sich selbst erzählt und im schlimmsten Fall auch noch selbst glaubt. Dass es nach diesem Film überhaupt noch Diskussionen über „sauberen Krieg“ gibt, sagt vermutlich etwas über die Grenzen dessen aus, was Kunst erreichen kann.

Natürlich entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass wohl die meistzitierte und –parodierte Szene des Films diejenige ist, in der sich Coppola voll der falschen Ästhetik des Krieges hingibt: der Hubschrauberangriff unterlegt vom „Walkürenritt“. Von der Tatsache, dass Coppola die letzten 40 Jahre immer weiter an dem Film herumgeschraubt hat, über die ‚Redux‘-Fassung von 2001 bis zum gerade eben erschienen ‚Final Cut‘, kann man halten was man will, der Stellung des Films tut das wenig Abbruch.

  1. ‚Die Blechtrommel‘

Der erste deutsche Film in den Top 10 und der allererste deutsche Gewinner des „Fremdsprachen-Oscars“. Passend, geht es in Volker Schlöndorffs Verfilmung des gleichnamigen Günther Grass Romans doch um Oskar Mazerath, der sich in den 30er Jahren 11jährig absichtlich eine Treppe hinunterwirft, um sein Wachstum einzustellen und dann als distanzierter Beobachter, auf seine Blechtrommel hämmernd und Glas zerkreischend, eine immer verlogenere, erwachsene Welt schrill zu kommentieren und vorzuführen, ohne sich ihr letztlich entziehen zu können. ‚Die Blechtrommel‘ ist einer dieser Filme, die vermutlich am meisten Laufzeit in Deutsch-Leistungskursen bekommen dürfte. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man fraglos das Meiste aus dem Film herausholen kann, wenn man Grass‘ Roman kennt. Das Verzichten auf eine im Roman vorhandene Rahmenhandlung lässt den Film zwar besser fließen, lässt Oskars Charakter aber gelegentlich mit einem gewissen Fragezeichen versehen. Dennoch versammelt Schlöndorff so ziemlich alles was zu der Zeit im deutschen Film Rang und Namen hatte und verzichtet auch nicht auf groteskere Szenen des Romans, etwa dem Fischen nach Aalen mit einem Pferdekopf oder dem Verschlucken eines NSDAP-Ansteckers mit geöffneter Sicherheitsnadel und tödlichen Folgen.

Einen kleinen Skandal löste der Film fast 20 Jahre nach Erscheinen in den USA aus, wo ein wütender Vater klagte, nachdem seine Tochter die Sichtung des Films als Hausaufgabe bekommen hatte. Er wollte in einer Szene mit David Bennent, dem jungen Darsteller des Oskar, Kinderpornografie erkannt haben. In letzter Instanz wurde die Klage abgelehnt mit der Begründung, bei ‚Der Blechtrommel‘ würde es sich um „ein echtes Kunstwerk“ handeln. Was für Rechtsprechung so wunderbar schwammig ist, dass man fast selbst auf eine Blechtrommel hämmern möchte.

Nächste Woche wenden wir uns der oberen Hälfte der Top 10 zu, wo Ihr glauben werdet, dass ein Mann fliegen kann und die Wiederaufführung eines Films einer Krisenfirma alle anderen alt aussehen lässt! Ich hoffe wir sehen uns im holzvertäfelten, rauchverhangenen Kinosaal von 1979.

Falls jemand ne knackigere Titelidee als „Top 10 Filme von damals“ für eine mögliche Reihe hat, wäre ich Vorschlägen nicht abgeneigt…

‚Berberian Sound Studio‘ (2012)

Film ist ein visuelles Medium. Das ist keine besonders tiefe oder in irgendeiner Art neue Erkenntnis. Und doch besteht Film natürlich aus mehr als nur den Bildern. Seit 90 Jahren ist Ton ein ähnlich integraler Bestandteil. Und schon davor war ein live gespielter Soundtrack nicht unüblich. Doch natürlich sind nicht nur die Bilder eines Films „falsch“, gestellt, geschauspielert, der Ton ist es ganz genauso. Das wissen wir nicht erst seit ‚Die Ritter der Kokosnuss‘. Filme übers Filmen gibt es durchaus recht viele, Filme über das Tonmachen haben vermutlich Seltenheitswert. Und hier kommt Peter Stricklands ‚Berberian Sound Studio‘ von 2012 ins Spiel.

In den 70er Jahren wird der britische Toningenieur Gilderoy (Toby Jones) vom italienischen Regisseur Santini (Antonio Mancino) in das römische Berberian Tonstudio eingeladen, um dort bei der Postproduktion seines neuen Filmes ‚Il Vortice Equestre‘ die Vertonungsarbeiten zu überwachen. Gilderoy kann dem Namen des Filmes nur entnehmen, dass es um „irgendwas mit Pferden“ geht und ist vor Ort schockiert, dass es sich um einen blutigen „Giallo“ (einen Thriller mit übernatürlichen Elementen) handelt. Wir als Zuschauer bekommen (vom Vorspann abgesehen) nie einen Frame des Films im Film zu sehen und können nur aus Szenentiteln ableiten, dass wiederauferstandene Hexen und ein „gefährlich erregter Goblin“ an einer Reitschule für junge Frauen ebenso zentrale wie mörderische Rollen spielen. Und so reißt der schüchterne Gilderoy bald die Stiele von Radieschen, sticht auf Salatköpfe ein und zermatscht ganze Melonen, um die überzogene Gewalt des Films mit noch überzogeneren Geräuschen zu unterlegen, während in der Tonkabine die Darstellerinnen um das Leben ihrer Charaktere schreien, oder die bizarren Hexenbeschwörungen intonieren. Mehr und mehr scheint Gilderoy vom Gesehenen und seinem eigenen Zutun abgestoßen aber auch fasziniert, bis er darin zu versinken droht.

Was Strickland hier tut, widerspricht natürlich jeder „normalen“ Idee des Films. Jeder Film will seine Nähte verbergen, die Künstlichkeit unsichtbar machen, „echt“ wirken. Hier zeigt er uns verschiedene Ebenen der Postproduktion, die allesamt deutlich zeigen, dass so gar nichts „echt“ an einem Film ist. Film ist Illusion, das wissen wir alle, wollen es aber möglichst für zwei Stunden vergessen. Was Strickland aber auch zeigt ist die Kraft der Suggestion. Nicht nur wir Zuschauer sind bestens in der Lage aus den gehörten Matschgeräuschen allerlei furchtbare Gewalttaten in unseren Köpfen zu formen, selbst wenn  wir sehen, dass es nur Gemüse ist, das hier malträtiert wird. Mehr noch ist es die suggestive Wirkung der Filmszenen auf Gilderoy, der sich mehr und mehr in ihnen zu verlieren scheint, obwohl er doch Teil ihres Schöpfungsprozesses ist. In einer Szene meint er einen Charakter des Films „retten“ zu können, indem er einfach den Moment, wenn sie auf unaussprechliche Weise mit einem glühenden Schüreisen misshandelt wird, nicht mit dem entsprechenden Ton (Wassertropfen in eine heiße Pfanne) unterlegt. Letztlich quält er sich damit allerdings nur selbst, weil er die Szene wieder und wieder sehen muss, während der Rest der Crew auf seinen Einsatz wartet.

Doch auch was Gilderoy angeht beginnt der Film bald Fragen aufzuwerfen. Warum sollte ein italienischer Regisseur einen britischen Toningenieur einfliegen lassen, dessen Meisterwerk eine Naturdokumentation über Wald und Wiesen rund um das Kaff Dorking ist? Der sonst nur Geräusche für Kinderprogramme im Fernsehen macht? Dessen „Tonstudio“ ein Schuppen im Garten seiner Mutter ist? Ausgerechnet aus den unterhaltsam-kafkaesken Szenen zwischen Gilderoy und Elena (Tonia Sotiropoulou), der Empfangsdame des Berberian Studio, deren Englisch immer gerade dann aussetzt, wenn es um die Vergütung von Gildreroys Reisekosten geht, oder die ihn an eine weitere Station der labyrinthinen Finanzabteilung verweist, erwächst bald die größte Frage, was Gilderoy angeht.

Doch ist nicht die ganze Produktion seltsam? Ist es ein reiner „Culture-Clash“, oder sind die italienischen Mitarbeiter schon übertrieben feindselig gegen den introvertierten Briten? Hat der selten gesehene Santini nicht die Aura eines Hohepriesters? Geschrei, Beschwörungen und rituelles Zerhacken von Nahrungsmitteln etwas von einer Beschwörung? Wem gehört die seltsame schwarzbehandschuhte Hand, die den Projektor startet und Gilderoy so den Gewalttaten aussetzt? Bald glaubt man sich im halbdunklen, zigarettenrauchverhangenen Tonstudio zwischen holzvertäfelter, trister 70er-Jahre Optik und beinahe fetischistischen Aufnahmen analoger Tontechnologie so verloren, dass man fast geschockt ist zu hören, ein Charakter säße auf der Terrasse in der Sonne. Oh richtig, wir sind ja in Bella Italia. Da gibt es mehr als Düsternis, Geschrei und Matschgemüse.

Für Giallo Fans gibt es in dem Film fraglos zahllose Anspielungen. Ich bin sicher nicht der größte Experte auf dem Gebiet, doch ist nicht nur im fiktiven Film problemlos eine Anspielung auf ‚Suspiria‘ zu entdecken (mit Reit- statt Tanzschule), auch Santini ist zu gleichen Teilen Hommage an und Karikatur auf Dario Argento. Der junge Mann, der vor allem mit seinem eigenen Vergnügen beschäftigt scheint und nur deswegen da ist, weil sein Vater ein berühmter Regisseur ist, lässt an Lamberto Bava denken. Natürlich ist die schwarzbehandschuhte Hand die jedes ungesehenen Mörders aus einem Giallo, hier bloß mit einem Projektor statt eines Messers bewaffnet. Doch ist da sicherlich noch weit mehr.

Eine Warnung sei noch an diejenigen ausgesprochen, die strikt auf einer linearen Handlung bestehen. Im dritten Akt wird der Film zunehmend erratisch-bizarrer, auf eine Art und Weise, die zahlreiche Interpretationen zulässt, aber nicht unbedingt klare Antworten liefert. Bei meiner ersten Sichtung fühlte ich mich davon ein wenig enttäuscht, doch nun wo ich weiß was mich erwartet, gefällt mir das Ende mit jedem Ansehen besser. Ich habe Vergleiche mit David Lynch gelesen, kann die aber nur teilweise nachvollziehen. Der Film an den mich Stricklands Arbeit hier am ehesten erinnert, ist ‚Videodrome‘. In beiden Filmen verlieren sich die zentralen Charaktere in gesehenen Grausamkeiten, doch gehen Strickland und Cronenberg auf vollständig andere Weise mit diesem Thema um.

Zu erwähnen ist definitiv noch Toby Jones‘ darstellerische Leistung. Er hat eines dieser wahnsinnig ausdruckstarken Gesichter, auf dem sich nur durch winzige Veränderung allerlei Nuancen ablesen lassen. In einer Szene bekleckert sich sein Gilderoy beim Versuch mit einem Mixer voller Tomatenmark ein überzeugendes Kettensägengeräusch zu schaffen selbst. In der folgenden Szene vor dem Spiegel wirkt dies fast wie Blut. Oder eher wie Kunstblut in einem Film. Und Jones wechselt zwischen jenem Mann aus England, der keiner Fliege (oder eher Spinne, in dieser Szene) etwas zu leide tun kann und etwas deutlich Finstererem.

Peter Stricklands Film ist ungewöhnlich, bizarr und reichlich eigen. Ob man ihn überhaupt als Horrorfilm verorten möchte, muss wohl jeder selbst entscheiden, doch wer Interesse daran hat wie die Wurst (oder der Film) gemacht wird, einen weitgehend Nostalgiefreien Rückblick auf ein nur noch selten erwähntes Genre möchte, oder schlicht Vergnügen an ungewöhnlichen Filmen hat, der macht hier sicherlich nichts verkehrt.

Filmrätsel im Oktober

Für neue Leser, die Ma-Gos berühmtes Filmrätsel noch nicht kennen und für Langzeitleser, die frisch ihre Freude am Rätseln (insbesondere über Filme) entdeckt haben, sei hier darauf hingewiesen, dass ich die Oktoberrunde des Rätsels veranstalte.

Das Thema sind Horrorfilme („Nein!“ „Doch!“ „OooH“!). Genaueres findet Ihr heraus, wenn Ihr genau hierhin klickt, da kommt Ihr zu meiner Ankündigung auf der Rätselseite. Am morgigen Samstag beginnt die Rätselei, Ihr habt also noch alle Chancen frisch einzusteigen.

Ich würde mich freuen, Euch dort zu sehen!