‚Runaway Train‘ (1985)

Wenn man sich im US-Action-Kino der 80er auskennt und den Namen Cannon Films liest, dann verbindet man damit eine gewisse Erwartungshaltung. Nämlich blutige, billige Action, entweder mit Leuten in den Hauptrollen, die nie ganz den Durchbruch geschafft haben, wie Michael Dudikoff, oder solchen, die den Zenit ihrer Karriere bereits hinter sich hatten, wie Chuck Norris oder Charles Bronson. Das beschreibt einen guten Teil des Outputs des Studios, das die beiden israelischen Cousins Menahem Golan und Yoram Globus 1979, mit dem Geld aus ihren ‚Eis am Stiel‘ Filmen, übernommen haben recht gut. 1987 überhoben sie sich dann mit dem Versuch via ‚Superman IV‘ und ‚Masters of the Universe‘ ins große Franchise Geschäft einzusteigen so schwer, dass es dem Studio das Rückgrat brach.

Weniger bekannt ist, dass sie auch ganz andere Filme finanzierten. Zeffirellis ‚Otello‘, zum Beispiel. Oder John Cassvetes ‚Love Streams‘. Oder Norman Mailers einzigen Film ‚Tough Guys Don’t Dance‘. Und jeder einzelne dieser Regisseure hatte nichts als positive Worte übrig, für die beiden Produzenten. Solange der Film im Budget blieb genoss man als Regisseur sämtliche Freiheiten.

Neben diesen Filmen hat Cannon aber auch noch einen erstaunlich unbekannten Action-Thriller im Programm. „Erstaunlich unbekannt“ deshalb, weil er auf einem Drehbuch von Akira Kurosawa beruht und beide Hauptdarsteller und der Schnitt für den Oscar nominiert waren. Die anderen Cannon Filme, für die das gilt, kann man an keiner Hand abzählen. Kurosawa schrieb das Buch Mitte der 60er für eine geplante amerikanische Produktion. Er war inspiriert von Dostojewskis „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“, in dem der Autor semibiografisch das Leben in einem sibirischen Gefangenenlager beschreibt, und Nachrichten über einen außer Kontrolle geratenen Zug.

Der Film kam letztlich nie zustande und die Eigentümer des Drehbuchs, die Nippon Herald Company, trug Anfang der 80er, dem frisch aus der Sowjetunion emigrierten Andrei Konchalovsky den Stoff an. Der war begeistert suchte nach Geldgebern und fand sie in Golan und Globus.

Heute wird der Film gern als vergessenes Meisterwerk oder einer der unterbewertetsten Filme der 80er beschrieben. Während ich beiden Einschätzungen nicht direkt widersprechen würde, ist ‚Runaway Train‘ ein Film, dem man mit allzu superlativer Beschreibung vermutlich keinen ganz großen Gefallen tut. Denn in der Zeit, in der Action zumeist dicken Bizeps und noch fettere Explosionen erwarten ließ, ist ‚Runaway Train‘ ein düsterer, teilweise fieser Film, mit ausgefeilten Charakteren und – zugeben – einigen Szenen, die nicht wirklich funktionieren. Aber kommen wir erst einmal zur Geschichte.

Oscar „Manny“ Manheim (Jon Voight) ist ein brutaler Bankräuber, der zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt wurde. Nach mehreren Ausbruchsversuchen hat ihn der sadistische Gefängnisdirektor Ranken (John P. Ryan) in dauerhafte Isolation gesteckt. Dies wurde jedoch vom Gericht für unmenschlich erklärt und Manny kehrt zurück in eine normale Zelle. Er ist ein Held für die Insassen des Hochsicherheitsgefängnisses, insbesondere für den starken, aber etwas beschränkten Buck (Eric Roberts), der Manny alsbald bei einem Ausbruch unterstützt und dafür mitgenommen werden will. Manny lässt sich darauf ein, allerdings ist ihm das Überleben seines „Partners“ nicht sonderlich wichtig. Sie flüchten sich im tiefsten alaskanischen Winter in ein Zugdepot. Hier schleichen sie sich auf ein gerade abfahrendes Gespann aus vier gewaltigen Dieselloks ab, das vor einen riesigen Güterzug gesetzt werden soll. Bevor es dazu kommt erleidet der Zugführer einen Herzinfarkt und zerstört bei einem letzten Versuch der Notbremsung auch noch das Bremssystem. Die riesigen Loks sind außer Kontrolle und nehmen stetig mehr Fahrt auf. Außer den beiden Flüchtigen, die anfangs nichts von der Katastrophe ahnen,  ist noch die Arbeiterin Sara (Rebecca De Mornay) auf den Loks. Sie hätte eine Idee, wie man den Zug stoppen könnte, allerdings würde sie dafür Hilfe benötigen. Leider weiß sie nichts von den Flüchtigen. Und im Kontrollzentrum glaubt man die Loks seien unbesetzt und will sie daher entgleisen lassen, bevor sie mehr Schaden anrichten können.

Das zentrale Element des Films funktioniert ganz wunderbar. Der stetig schneller werdende Zug symbolisiert die eskalierende Situation zwischen den Hauptcharakteren. Und wenn der Zug seine tödliche Endphase erreicht, umkreisen sich Buck und Manny, der eine mit einem Schraubenschlüssel bewaffnet, der andere mit einem Messer. „Zwing mich nicht, dich zu töten!“ schreit Buck. Manny antwortet nicht einmal, lacht nur abfällig, als würde er, trotz seiner schweren Verletzungen, den jüngeren, stärkeren Mann nicht einmal als Bedrohung empfinden. Und selbst die bislang so stille und zurückhaltende Sara brüllt Buck zu „Bring ihn um!“. Eine Situation, in der wir scheinbar völlig organisch gelandet sind. Das ist in der Tat purer Kurosawa, für den cinematische Bewegung immer emotionale Bewegung bedeutete. Wenn also der Zug rast, dann rasen auch die Emotionen.

In solchen Momenten, in denen Form und Inhalt perfekt aufeinander abgestimmt scheinen und sich gegenseitig wunderbar stützen, ist der Film ohne jede Frage genau das Meisterwerk, als das er oft beschrieben wird. Doch schneiden wir immer wieder auch zur Zugleitzentrale, wo man versucht die Situation unter Kontrolle zu bringen. Das dient natürlich vor allem der Exposition und dem Aufbau von Suspense. Wir wissen dann, dass der Zug in X Minuten eine alte Brücke erreicht, die bei dieser Geschwindigkeit nie halten wird und unsere Zuginsassen wissen das eben nicht.

Wirklich stolpern tut der Film aber immer dann, wenn Knastsadist Ranken Zeit bekommt. Spätestens, wenn er einen hochrangigen Bahnangestellten kopfüber in ein vollgepisstes Klo tunkt, um zu erfahren, wo der Zug mit seinen Flüchtigen ist, frage ich mich, ob ich versehentlich doch in einen Schwarzenegger-Film geraten bin. Es ist klar, was der Film zeigen will. Dass Manny und Ranken letztlich die gleiche Person sind, nur dass der eine innerhalb, der andere außerhalb der gesellschaftlichen Konventionen handelt. Nur funktioniert das kaum, weil Ranken zu wenig Raum bekommt und wenn er dann doch vorkommt eben derartig cartoonhaft handeln muss.

Es liegt aber auch daran, dass Jon Voight eine derart gruselig-magnetische Darstellung als sein rücksichtslos-charismatischer Manny abliefert, dass sie kaum Raum für anderes lässt. Eric Roberts gibt seinen Buck als loyal und treu-doof. Wird aber dadurch hintergründiger, wenn wir seinen erschreckenden Grund lernen, aus dem er im Gefängnis saß. De Mornay bleibt daneben unauffälliger. Anfangs als Stimme der Vernunft, später ebenfalls dem Wahnsinn der Situation verfallend.

Der Film besitzt natürlich eine gewisse Verwandtschaft zu ‚Speed‘. Tatsächlich kannte dessen Autor, Graham Yost, den Film wohl nur aus Erzählungen, die er aber durchaus als Inspiration für ‚Speed‘ anerkennt. Insgesamt würde ich behaupten, ‚Runaway Train‘ hat das bessere Drehbuch, aber ‚Speed‘ funktioniert besser als Actionfilm. Vielleicht gerade weil er insgesamt ein wenig simpler ist und die Grenzen zwischen gut und böse weitaus klarer verteilt.

Dennoch ist ‚Runaway Train‘ ein Film, den man gesehen haben sollte. Eben weil man kein allgemeines Urteil über Action der 80er oder auch nur Cannon Films fällen kann. Es ist ein Film, der in seiner Zeit als Fremdkörper wirkte und genau das lässt ihn, von einigen Greenscreen-Aufnahmen abgesehen, sehr, sehr gut altern.

Fun Fact, den ich nirgendwo anders unterbringen konnte: dies ist der erste Film mit Danny Trejo (hier noch als Daniel Trejo). Er war eigentlich als Roberts Boxtrainer engagiert, spielt aber letztlich auch einen Mithäftling, den Buck im Ring besiegt.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 kompliziertesten Liebesbeziehungen in Filmen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 kompliziertesten Liebesbeziehungen in Filmen. Huh, komplizierte Frage (hehe). Obwohl es wohl mehr als genug schwierige, filmische Beziehungen geben dürfte.

5. ‚Es ist kompliziert..!‘

Lake Bell gerät irrtümlich in ein Blind Date mit Simon Pegg. Was folgt ist eigentlich gar nicht mal sooo kompliziert, aber es würde sich falsch anfühlen bei dieser Fragestellung nicht diesen Film zu nennen. Außerdem ist diese schöne Romcom ein bisschen zu sehr untergegangen (so war ich mir z.B. sicher, ich hätte den hier besprochen, hab ich aber gar nicht…).

4. ‚Titanic‘

Manchmal stehen der großen Liebe unüberwindliche Dinge im Weg, wie Klassenunterschiede. Oder der Untergang eines unsinkbaren Schiffes. Und manchmal ist weniger Platz auf einer schwimmenden Tür als man meinen sollte. Was ich wohl sagen will ist, die Beziehung zwischen dem Eisberg und Kapitän Edward Smith ist kompliziert!

3. ‚Her‘

Man muss es Spike Jonze hoch anrechnen, dass er aus der Idee eines depressiven Mannes, der sich in sein futuristisches Betriebssystem (das immerhin wie Scarlett Johansson klingt) verliebt, keine Farce macht, sondern das Thema mit einiger Ernsthaftigkeit behandelt, ohne dabei das Sonderbare aus den Augen zu verlieren. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand in ChatGPT verliebt und der Film wieder megaaktuell wird…

2. ‚Eternal Sunshine Of The Spotless Mind‘

Ich meine, das ist mal wirklich eine komplizierte Beziehung! Wenn gedächtnisverändernde Technologie auf eine schwierige Beziehung trifft, dann braucht man schon fast ein Fließdiagramm, um ihr folgen zu können. Und dann furzt da auch noch Frodo Beutlin störend rum!

1. ‚In The Mood For Love‘

Vielleicht hätte ich auch einfach schreiben können „die Filmografie von Wong Kar-wai“. An unkomplizierten, geradlinigen Beziehungen hat der Autor/Regisseur jedenfalls offenbar kein großes Interesse. Aber dieser Film, um die Ehepartner zweier Leute, die miteinander fremdgehen und ihre Beziehung zueinander ist vermutlich mein Favorit. 

Manchmal weiß man nicht warum

Ich schreibe hier jetzt ja seit ein paar Jahren Texte, die man wohl großzügig als Rezensionen beschreiben kann. Das Beste, was ich mir von denen erhoffen kann ist, dass sie meine Faszination für bestimmte Filme zum Ausdruck bringen. Und eine gewisse Ahnung vermitteln, warum mir ein Film gefällt oder nicht gefällt. Das rede ich mir zumindest ein. Aber damit gibt es ein recht großes Problem: manchmal weiß ich einfach nicht, warum mir ein Film gefällt.

Nehmen wir den 1999er ‚Die Mumie‘ mit Brendan Fraser. Den Film mag ich sehr gern, habe ihn im Kino gesehen, dutzendfach auf DVD und inzwischen eine Handvoll mal auf BluRay. Es ist ein Film, mit dem ich eine Menge Spaß habe. Es ist aber auch ein Film, den ich gerne auf ‚Guilty Pleasure‘ Listen auftauchen lasse. Nicht weil ich mich „schuldig“ für mein Vergnügen an dem Film fühlen würde (ich mag den Begriff „Guilty Pleasure“ nicht, hab ich, glaub ich, schon mal erwähnt), sondern eben weil ich es nicht wirklich erklären kann.

‚Die Mumie‘ ist ein visuell kompetenter Abenteuerfilm, mit einer ziemlichen Standardstory. Die visuelle Kompetenz wird aber immer wieder durchbrochen von 1999er CGI. Das sah damals bestenfalls okay aus und sieht heute nun wirklich nicht mehr gut aus. Und das Drehbuch kann zwar mit einigen spritzigen Dialogen aufwarten, ist aber teilweise unangenehm kolonialistisch. Wir haben die Amerikaner und Briten auf der einen Seite, die ihre kleinen Problemchen untereinander haben mögen, letztlich aber „die Guten“ sind. Und wir haben die Kategorie „die Anderen“, unter die Ägypter, der Ungar Beni, mysteriöse Ordenskrieger, Monster und Mumien fallen. Und die sind, mit ganz wenigen Ausnahmen, nicht bloß böse, sondern auch reichlich eklig. Der Film würde heute wohl das gefürchtete Prädikat „problematisch“ verpasst bekommen. Und, ja, nicht ganz zu Unrecht.

Ich nehme all das durchaus zur Kenntnis, aber es schmälert mein Vergnügen tatsächlich kaum. Woran liegt das? Ist es der Charme der Hauptdarsteller? Ja, Fraser und Rachel Weisz sind ein wunderbares Paar in den Hauptrollen, bringen eine Chemie ein, die sich eher nach klassischem Hollywood als nach 1999 anfühlt. John Hanna und Oded Fehr geben unterhaltsame Nebenfiguren ab. Und Arnold Vosloo überzeugt durchaus als mumifizierter Missetäter mit mannigfachen, miesen Malignitäten. Dann Sollte die Antwort also doch so einfach sein?

Nicht wirklich. Denn die Darsteller kehren allesamt für ‚Die Mumie kehrt zurück‘ zurück und gehen dort mit ähnlichem Gusto zu Werke. Aber das ist ein Film, den ich kaum zu Ende schauen kann, weil ich ihn so unerträglich finde. Oder vielleicht können hier ihre Stärken einfach nix mehr retten, weil die CGI irgendwie noch schlechter geworden sind (ich sag nur Scorpion King) und die Story ausgerechnet den achtjährigen Sohn von Weiszs und Frasers Charakteren ins Zentrum setzt, der aber nie Angst vor der Mumie haben darf und somit sämtliche Spannung erfolgreich aus der Geschichte entfernt.

Nein das allein kann die Antwort nicht sein. Den dritten Film habe ich übrigens nie gesehen und nach wie vor keinen Bedarf dran.

Ich fürchte also die Faszination des Films muss vage bleiben, denn es gelingt mir einfach nicht direkt den Finger draufzulegen. Vielleicht ist es Mumienmagie. Was aber auch bedeutet, dass ich wohl keine wirkliche Rezension drüber schreiben könnte die über ein „ich mag den Film halt, keine Ahnung warum“ hinausgehen würde. Und ‚Die Mumie‘ ist bei weitem nicht der einzige Film, bei dem mir das so geht.

Ist jetzt kein großes Problem, oder so. nur etwas, dass mir wohl nie aufgefallen wäre, würde ich keine Rezensionen für meinen Blog schreiben. Inwiefern ist das jetzt von Interesse für Euch, liebe Lesende? Tja… öh… naja, vielleicht habt Ihr ja Filme, bei denen es Euch ähnlich geht? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Der existentialistische Horror von Telefon-Hotlines

Womöglich ist der Horror, den ich hier nun beschreiben werde zu auditiv für einen Film. Aber ein Horrorfilm, der die absolute Verzweiflung vom Hängen in der Telefon-Hotline-Warteschlange auch nur teilweise einfangen könnte, wäre ein echter Erfolg. Und falls jetzt jemand vermutet, ich stelle den Zusammenhang zu Film nur deshalb her, damit ich auf meinem Filmblog über Telefon-Hotlines jammern kann: Du hast vollkommen Recht!

Aus privaten Gründen habe ich in den letzten Monaten und Wochen mit einer ganzen Reihe von Hotlines großer Unternehmen telefonieren müssen. Bestimmt nicht weil ich das wollte. Ich habe auf den Webseiten verzweifelt nach Möglichkeiten gesucht, mein Anliegen dort zu lösen. Und dann Briefe geschrieben. Aber, wenn die nach zehn Tagen unbeantwortet blieben, und sich mittels „Rückruffunktion“ auch keiner meldet, naja, dann war da eben nur noch die Hotline.

Eine Hotline beginnt immer gleich. Mit einer Bandansage, die einen auf die Existenz der Webseite hinweist und geradezu bettelt, dass man sein Problem irgendwie anders löst. Die Bandansage weiß, was einem bevorsteht und sie weiß, dass man es selber weiß. Sie dauert auch gern mal drei Minuten, weil man ja sonst nix zu tun hat. Ist die Ansage durch beginnt der Spaß.

Um gezielt verbunden werden zu können, möge man doch bitte sein Anliegen schildern. Das tue ich in einem kurzen Satz. Das habe man leider nicht verstanden, ertönt es. Ich fasse mein Anliegen leidlich in einem einzigen Wort zusammen. Auch das sei völlig unverständlich, antwortet das gnadenlose Band. Ich stoße einen Laut aus, der urtümliche Verwirrung und beginnende Verzweiflung ausdrückt. „Vielen Dank“, lobt das Band, man werde mich nun mit dem nächsten freien Mitarbeiter verbinden.

In manchen Fällen darf man, statt zu reden, sich für bestimmte Kategorien entscheiden, indem man die entsprechende Ziffer auf dem Telefon drückt. Die Kategorien sind immer gleich aufgebaut und immer gleich nutzlos. „Für das superoffensichtliche Anliegen, dass Sie problemlos Online hätten erledigen können, drücken Sie bitte die 1 (Sie Trottel!!!)!“ „Falls Sie Ihren Vertrag kündigen wollen, drücken sie bitte die 2 (Sie Arsch!!!)!“ „Falls Sie, aus unerfindlichen Gründen, mit einem echten Menschen sprechen wollen, drücken Sie bitte die 3 (Sie Sonderling!!!)!“

Nun beginnt der wahre Horror. Jedenfalls meistens. Manchmal muss man noch seine Kundennummer eintippen oder aufsagen. Ansonsten beginnt das Gedüdel, das man vermutlich auch im untersten Kreis der Hölle zu hören bekommt und das man hier viel, viel länger zu hören bekommen wird, als dass man ein echtes Gespräch führt. Gibt es wirklich Menschen, die Musik für genau diesen Zweck komponieren? Dann würde mich interessieren, welche Gedanken dorthinein fließen. Oder sind das doch schon seit Jahrzehnten KIs, die diese Musik entwerfen und die Menschheit so für Skynet schon einmal weichklopfen? Ich weiß es nicht. Ich weiß aber, wie ich mich fühle, wenn die Musik zum achtundzwanzigsten Mal von vorne beginnt. Wenn Arnie da an der Tür auftauchen würde und verkündet: „Eim a fränd of dö Filmlichter. Kän ei sieh him, plies?“, ich würde nicht einmal mehr wegrennen.

Manche Hotlines kennen zumindest eine gewisse Gnade und spielen gelegentlich einen Soundclip ein, der einem das Gefühl gibt voranzukommen. Der nächste Mitarbeiter, so heißt es, wäre in acht Minuten und zwölf Sekunden frei. Die Frage, wie sie die Länge von Gesprächen auf die Sekunde genau bestimmen können, stelle ich mir da gar nicht erst. Ich klammere mich an die Hoffnung. Aber die meisten Hotlines geben einem die nicht. „Bitte bleiben Sie dran.“, heißt es da, „unser nächster freier Mitarbeiter ist gleich für Sie da.“ Die Stimme und ich, wir wissen beide, dass das eine fiese Lüge ist. Und dankbar bin ich doch, dass das Gedüdel für ein paar herrliche Sekunden unterbrochen wird.

Doch halt, manchmal ist das gar kein generisches Gedüdel, dass Synapsen gleich im Dutzend abtötet. Manchmal hat man richtig Geld in die Hand genommen und eine Aufnahme eines klassischen Stückes lizensiert. Oder wenigstens 15 Sekunden davon, die in der Dauerschleife dann sogar noch unerträglicher werden als das generische Höllen-düdel. Weil man merkt, dass die Musik eigentlich irgendwo hinwill, es aber nicht kann. GENAU WIE ICH!!!

Nach oft genug schier endloser Zeit ist es dann soweit. Irgendwo wird das Telefon abgenommen. Jedenfalls meistens. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass stattdessen eine andere Bandansage, die offensichtlich nicht für den Endverbraucher bestimmt ist, zu hören ist und so etwas sagt wie: „Anschluss 5b ist derzeit nicht erreichbar.“, gefolgt von einem Besetztzeichen. Dann braucht man wirkliche Willensstärke um nicht Bissabdrücke im Telefon zu hinterlassen.

Über die sodann erreichten Mitarbeiter will ich gar nicht viel sagen. Die decken das gesamte Spektrum ab von derartiger Hilfsbereitschaft, dass nach dem Gespräch mein gesamter Hotline-Frust verflogen ist, bis zu „Keine Ahnung. Rufen se halt morgen wieder an.“. Was wohl das Grausamste ist, was man sagen kann. Denn da man niemals nie mit derselben Person spricht, darf man sein gesamtes Anliegen neu schildern. Auch Notizen vorangegangener Gespräche scheint es nie zu geben. „Also, da steht hier nix…“ ist ein viel und ungern gehörter Satz. Man muss also Glück haben, an jemanden zu geraten, der helfen will und weiß was zu tun ist. Und einen womöglich unaufgefordert zurückruft, um mitzuteilen, dass das Problem gelöst ist. Dann sind Hotlines gar nicht so schlimm. Aber auch nur dann. Und wenn einen das verwirrte Grunzen, das man ganz am Anfang von sich gegeben hat, nicht in eine ganz falsche Unterabteilung geführt hat und man prompt wieder beim Warteschlangen-Düdel landet.

Wobei es durchaus schlimmer sein, wenn es keine Warteschlange gibt. Die „Gebührenzentrale“ gewisser großer Sender hat eine Hotline, bei der man die übliche gute Minute Bandansage bekommt, die dann oft endet mit „Leider sind unsere Mitarbeiter gerade alle im Gespräch, wir können Ihren Anruf daher nicht annehmen.“ und auflegt.  Wär toll, wenn Ihr mir das gleich gesagt hättet.

So, jetzt dürft Ihr Euch über Eure Hotline-Erlebnisse auslassen. Sollte jemand von Euch zufällig bei einer arbeiten, gerne auch über die nervigsten Anrufer. Auch wenn ich merke, dass ich einer davon bin.

Filmlichter wünscht Frohe Ostertage!

Es ist wieder soweit! Wir feiern das Fest, an dem der Hase von der Südpazifikinsel in einen Steinkopf verwandelt wurde! Oder sowas ähnliches jedenfalls. Wie der große Philosoph, der Titan Oliver Kahn, es einmal meisterhaft treffend formulierte: „Eier, wir brauchen Eier! Sie wissen was das heißt!“

Darin steckt natürlich viel unverrückbare Wahrheit. Doch sind Eier nicht zwingend für jede Ostertradition vonnöten. In deutschsprachigen Regionen zündet man auch mal ein (hoffentlich kontrolliertes) Feuer an. In einigen Regionen Osteuropas übergießt man sich gegenseitig mit Wasser. Einen Zusammenhang zwischen diesen Traditionen kann man nur vermuten. In Finnland verkleiden sich Kinder als Hexen, in Norwegen liest man Krimis. In Bermuda lässt man Drachen steigen, auf Korfu wirf man Tongefäße.

Aber natürlich hat Herr Kahn recht. Für die meisten Traditionen brauchen wir Eier. Ganz egal, ob sie in ein riesiges Omelette kommen, einen Hügel heruntergekullert werden, in Bäume gehängt, zusammengehauen, oder schlicht bemalt und versteckt (und hoffentlich gefunden) werden.

Und auch für die nachfastenzeitliche Grobjustierung des Cholesterinspiegels mittels Eierlikör und Schokoeiern spielen die Hühnerprodukte eine durchaus wichtige Rolle.

Ganz egal was Ihr in diesen Tagen anstellt, ich wünsche Euch viel Spaß dabei!

Wie bitte? Was das jetzt mit Film zu tun hat? Naja, nix. Ich kann doch mal ganz filmlos nen schönen Feiertag wünschen, oder? Sonst guckt halt nen Film mit Eiern. ‚Alien‘ für einen Klassiker, etwa. Oder den kürzlich von mir besprochen ‚Hatching‘ für was Aktuelles. Eieieiei.

Sonderarchiv: ‚Die Akte Springfield‘

In meiner „Archivarbeit“ schaue ich mich derzeit ja durch die ersten fünf Staffeln und den ersten Film der Serie ‚Akte X‘. Im „Sonderarchiv“ will ich dabei nun Dinge betrachten, die nicht direkt zur Serie gehören, aber vielleicht die kulturelle Bedeutung und Einfluss der Serie zeigen. Und dafür ist wohl wenig geeigneter als unser heutiges Beispiel, das „Crossover“ der FOX-Superhits der 90er, ‚Akte X‘ und ‚Die Simpsons‘.

Die Idee hat eine Weile bei den Simpsons Autoren herumgelegen. Das lag wohl vor allem daran, dass die meisten keine besonders großen Fans der X-Akten waren. Nachdem die Produzenten Al Jean und Mike Reiss, Showrunner der Staffeln drei und vier, inzwischen unter Vertrag bei Disney, für ein paar Folgen von Staffel acht an FOX ausgeliehen wurden, beschlossen sie das Crossover endlich umzusetzen. Herausgekommen ist eine vor kulturellen Anspielungen fast platzende, aber sehr unterhaltsame Folge der späten Hochphase der Simpsons.

Leonard Nimoy erscheint im Rahmenprogramm und moderiert eine Show über UFO Phänomene (eine Anspielung auf die Show ‚In Search Of…‘, die Nimoy von 1977 bis 82 moderierte, die es aber erst in späteren Versionen (ohne Nimoy) nach Deutschland geschafft hat). Homer, Lenny und Carl schleichen sich an einem Freitag früher von ihren Jobs im Kernkraftwerk Springfields davon. Homer schließt dazu einen Videorecorder mit alten Aufnahmen an das Überwachungskamerasystem an. Ein Trick, den er im Film „der Bus, der nicht langsamer werden durfte“ gesehen hat. Später (nach umfänglichem Genuss von Düff (aus Schweden!) und Red Tick Beer) macht sich Homer durch den Wald auf den Heimweg. Dort begegnet er gruseligen Plakaten, dem Springfield Philharmonic Orchestra, das im Bus die Psycho Melodie spielt und einem dürren, leuchtenden, fistelstimmigen Alien, dass Frieden und Liebe verspricht.
Doch weder seine Familie noch Chief Wiggum glauben Homer die Geschichte. Dennoch tauchen zwei uns bekannte FBI Agenten in Springfield auf. Mulder und Scully machen eine Reihe Test mit Homer, zeigen ihm ein Line-Up mit Marvin, dem Marsmenschen, Gort, Chewbacca, ALF und einem der Aliens aus den Halloween Folgen. Letztlich ist Homer aber derart unglaubwürdig, dass nicht einmal Mulder mit dem Fall zu tun haben will. Nur Bart stellt sich auf seine Seite und so lauern sie eine Woche später dem Alien erneut auf. Trotz Homers Ungeschick gelingt ihnen eine Videoaufnahme und alsbald ist ganz Springfield im Alien Fieber.
In der nächsten Woche wartet folglich die gesamte Bevölkerung auf das Alien. Kaum taucht es auf und verspricht Liebe, rottet sich, in typischer Springfield Manier, ein Mob zusammen, um es zu töten. Doch da stellt sich heraus, dass das „Alien“ Mr. Burns war. Nach seiner allwöchentlichen Verjüngungskur aus Drogen, Augentropen und Stimmbandreinigung, ist er desorientiert, glubschäugig und erstaunlich friedfertig. Das Leuchten hingegen entsteht aus seiner lebenslangen Karriere im Atomkraftwerk. Die Drogen lassen nach, Burns droht zu seinem bösartigen Selbst zu werden, da verpasst ihm Dr. Nick eine weitere Dröhnung und alle Anwesenden, inklusive der X-Aktler, Chewbacca und Leonard Nimoy singen „Good Morning Starshine“. Entsprechend muss Nimoys jugendlicher Praktikant die Abmoderation der Rahmenhandlung vornehmen. Ende.

Es fällt durchaus auf, dass die Autoren keine Riesenfans der ‚Akte X‘ sind. Alle Verweise auf die Serie bleiben reichlich oberflächlich. Die geschriebenen Orts- und Zeitangaben (die immerhin für einen ‚Shining‘ Gag genutzt werden) und der Cigarette Smoking Man im Hintergrund einiger Szenen. Die einzige etwas tiefere Anspielung ist das Foto von Mulder in Speedo-Badehose, das er hier neben seiner Marke vorzeigt. In einer Folge der zweiten Staffel ‚Akte X‘ sehen wir Mulder länger in Badehose. Und gerade in den 90er war es wohl noch auffällig genug, dass man den männlichen Hauptdarsteller spärlich bekleidet zeigt und nicht die Hauptdarstellerin, dass das eine Parodie wert war. Wobei die Idee, dass Mulder so ein Foto neben seiner Marke mit sich rumträgt sehr, sehr lustig ist! Nicht zuletzt, weil es wohl Duchovny war, der die Badehosen-Szene unbedingt wollte.

Aber fast alle anderen Gags beziehen sich auf ältere UFO Medien. Die Nimoy Moderation, deren Herkunft ich heute zum ersten Mal nachgeschaut habe, etwa. Ansonsten werden ‚E.T.‘‚Unheimliche Begegnung der dritten Art‘, ‚Der Tag an dem die Erde stillstand‘, ‚Plan 9 aus dem Weltall‘ oder die FOX Alien Autopsie erwähnt. Und Milhouse spielt an einem ‚Waterworld‘ Arcade Automaten, der sich als wahres Groschengrab erweist. Wobei das nix mit UFOs zu tun hat.

Aber die wirklich guten Gags liegen ohnehin zumeist abseits der Anspielungen. Wiggums „unsichtbare Schreibmaschine“ zum Beispiel. Oder Moes Killerwal Schmuggel. Oder die Geheimzutat von Red Tick Beer. Oder Homer, der so doof ist, dass er Scullys Lügendetektor mit nur einer Antwort in die Luft jagt.

Durch die reine ‚Akte X‘ Brille betrachtet ist die Folge ein wenig enttäuschend. Hinterlässt einem mit dem Gefühl, dass man aus dem Auftritt der Figuren mehr hätte machen können. Ich hätte gerne Burns mit dem Cigarette Smoking Man interagieren sehen, denn natürlich wäre der in die große Verschwörung verwickelt. Oder Anspielungen auf die Springfield-internen Verschwörungen (die genaue Lage der Stadt, trägt Krusty Makeup, oder nicht?, wo ist Herb Simpsons Baby Übersetzer?, wer hat Mr. Burns WIRKLICH angeschossen?, Hans Sprungfeld, Armin Tamzarian taucht ja erste ne Staffel später auf). Der Eindruck bleibt aber nicht lange bestehen, denn es ist einfach eine sehr gute Simpsons Folge. Damit steht sie, zugegeben, nicht allein da. Das gilt für quasi alle Folgen der Staffeln 3 bis 8. Und viele davor und einige danach.

Ich weiß übrigens noch nicht, ob dieses „Sonderarchiv“ einmalig bleibt. Sollte mir noch mehr berichtenswertes Akte X Material der Zeit über den Weg laufen, werde ich sicher weitere Einträge erwägen. Ich hätte z.B. durchaus Interesse an dem damaligen FMV Spiel. Weil ich für diese Art Spiel mehr Sympathie habe, als die meisten Leute. Aber das gibt es weder bei Steam noch gog.com. Und ich mag mir den Alptraum selbst zu versuchen das auf einem modernen System zum Laufen zu bringen gar nicht vorstellen. Falls Ihr Euch an das Auftauchen der X-Aktler an ungewöhnlicher (aber heute möglichst ohne die Spende einer Niere erschwinglicher) Stelle erinnert, schreibt es gern in die Kommentare.