Isolationsfilme

Wisst Ihr vor wem ich wirklich Respekt habe? Jenem Ur-Bären, der eines Tages beschlossen hat „ich fress‘ mich jetzt voll bis nix mehr reingeht und dann hau‘ ich mich ein halbes Jahr zum Pennen hin“. Das nenne ich mal nachvollziehbare Evolution. Homo sapiens hat sich gegen diesen Schritt entschieden, eine Entscheidung mit der wir alle leben müssen. So konnten wir denn die letzten paar Wochen des Pandemie-erzwungenen Lockdowns nicht einfach verschlafen, sondern mussten stattdessen Filme schauen. Hier taten die plötzlich wieder pur das, was sie schon immer am besten konnten: Eskapismus liefern. Nicht nur können wir jeden Punkt der Erde besuchen, den wir uns vorstellen können, nein, wir können auch Mittelerde der Länge nach durchwandern. Bei Bedarf auch zweimal. Können uns Raumschlachten in fernen Galaxien liefern, oder von einem stachelig-schleimigen Irgendwas durch einen finsteren Raumfrachter gehetzt werden. Wenn wir denn wollen.

Spätestens das letztgenannte Beispiel gibt aber auch schon einen Hinweis darauf, dass der Film auch die Isolation auf beeindruckende Weise darstellen kann. Und zwar in vielerlei Nuancen, von denen ich einige hier nennen möchte. Natürlich soll das keine vollständige Liste der „Isolationsfilme“ sein, geht ja auch kaum. Im Gegenteil, ich würde mich darüber freuen, von Euch weitere Beispiele in den Kommentaren zu hören.

Also schön, fangen wir mal wieder mit einem Klassiker an. Einem Hitchcock, natürlich. In ‚Das Fenster zum Hof‘ (1954) wird der abenteuerlustige Fotojournalist Jeff Jefferies (James Stewart) durch ein gebrochenes Bein zur Selbstisolation in seinem Apartment gezwungen. Die Langeweile bekämpft er, indem er zum Voyeur wird und seine Nachbarn beobachtet. Und wir als Zuschauer gleich mit ihm. Alsbald ist er überzeugt, dass einer seiner Nachbarn seine Frau ermordet hat. Sicher, Jefferies hat den entscheidenden Nachteil sich lange vor Streaming-Services sein Bein zu brechen, andererseits hat Grace Kelly mir kein Champagner-Dinner vorbeigebracht, er hat also auch gewisse Vorteile. Doch den Konflikt zwischen womöglich überreizter Fantasie und der Überzeugung wirklich etwas gesehen zu haben und vor allem das letztlich Voyeuristische des Filmschauens arbeitet Hitchcock hier mustergültig heraus.

Noch blöder ist Isolation ja, wenn man aus dem Fenster gleich mal gar nichts sieht. Wie die Herren (und das sind die Charaktere durch die Bank) in John Carpenters Opus Magnum ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ (1982). Nicht nur ist vor dem Fenster Schneegestöber, schlimmer noch mit den Männern in der Forschungsstation drin, ist ein… „Ding“. Aus einer anderen Welt! Und es kann aussehen wie jeder der anderen. Oder vieleicht auch wie man selbst. Da hilft nur testen, testen, testen. Händewaschen leider nicht. Carpenter gelingt hier ein geradezu unglaublicher Spagat aus stetig anziehender Spannungs- und Paranoiaschraube, durchmischt mit exzessiv schmoddrigen Alien-Transformationsszenen. Auch wenn das bei Erscheinen keiner wahrhaben wollte und der Film auch im Kino ziemlich isoliert war…

Auch die Isolation mit der eigenen Familie hat so ihre Tücken, wie die Torrances merken, nachdem Familienvater Jack (Jack Nicholson) in Stanley Kubricks ‚Shining‘ (1980) die einsame Winteraufsicht über das abgelegene Overlook Hotel übernimmt. Nicht nur platzt das Hotel vor lauter Geistern (und schlimmer noch Geister-Zwillingen!) aus allen Nähten, es ist auch voll von der Art Teppichen und Tapeten, die nach den 70ern eigentlich hätten verboten werden sollen. Ach ja und Papa Jack zeigt immer mehr Anzeichen von redruM-Lust. Aber zum Glück gibt’s ja auch nen Hausmeister mit psychischen Fähigkeiten, allerdings erschreckender Abwehrschwäche gegen Baumfällwerkzeuge.

Naja, und wo wir eh gerade bei King-Verfilmungen sind in ‚Misery‘ wird James Caans erfolgreicher Autor von seinem „größten Fan“ (Kathy Bates) verletzt auf der Straße gefunden und unfreiwillig in ihrem Haus isoliert. Dort muss er einen neuen Roman seiner „Misery“-Serie verfassen. Arbeitsverweigerung geht böse auf die Beine. In der Isolation auch noch zu einer kreativen Arbeit gezwungen zu werden, die man nicht leisten möchte, das ist eine wahre Misere.

Doch was, wenn man kreativ arbeiten möchte und die Isolation soll einen genau davon abhalten? Dem iranischen Regisseur Jafar Panahi wurde von der iranischen Führung „Propaganda gegen die islamische Republik“ vorgeworfen. Dafür wurde er unter Hausarrest gestellt und ihm ein zwanzigjähriges Arbeitsverbot erteilt. Mit ‚Dies ist kein Film‘ (2011) schuf er allerdings genau einen solchen. Er filmt seinen Alltag in der Isolation, Telefongespräche, Abwaschen, Kuscheln (naja) mit dem Leguan seiner Tochter. Aber wir erleben auch seine Schöpfungswillen und seine kreative Frustration, wenn er Pläne für einen Film entwirft, den er nie wird drehen können. Er plant Szenen, spielt sie als Ein-Mann-Theater und stürmt zornig aus dem Raum, weil er es nie wird wirklich umsetzen können. Am Ende wird der Film, der keiner sein darf auf einem USB-Stick in einer Geburtstagstorte aus dem Land geschmuggelt.

In Alfonso Cuarons ‚Gravity‘ von 2013 strandet Sandra Bullocks Astronautin nach einer unerwarteten Kollision mit Weltraumschrott bei der Reparatur des Hubble-Teleskops ganz allein im Weltall. Das Perfide an der Situation ist, dass ihr Ziel die Erde die ganze Zeit überlebensgroß und doch völlig unerreichbar vor ihr hängt. Aber immerhin erscheint ihr gelegentlich George Clooney als mutmachender Buzz Lightyear-Verschnitt. Kein Grace Kelly-Champagner-Dinner, aber sicher auch nicht übel.

Und wem eine nahe Erdumlaufbahn noch nicht isoliert genug ist, der darf sich gerne auf den Mars begeben. Am besten in Ridley Scotts ‚Der Marsianer‘ (2015). Dieser Marsianer ist Matt Damons Mark Whatney, der hier nach einem Sturm gestrandet ist. Während er versucht aus einer miserablen Situation das Beste zu machen, zeigt sich auf der Erde, dass die Menschheit manchmal vielleicht doch zusammenkommen kann. Nach dem Film überlegt Ihr Euch möglicherweise, ob es nicht ein vielversprechendes Projekt wäre, Kartoffeln in Euren eigenen Exkrementen zu ziehen. Sollte das so sein, dann fragt einfach Eure Nachbarn. Die haben vermutlich einige Ideen, warum das doch gar nicht so toll ist. Am Ende seid womöglich sonst Ihr die endgültig Isolierten.

Okay, schließen wir mit einem kleinen Geheimtipp, über den ich zu meiner eigenen Überraschung offenbar noch nie auf meinem Blog geschrieben habe. In der neuseeländischen Horrorkomödie ‚Housebound‘ (2014), dem Erstlingswerk von Gerard Johnstone, wird die junge Kylie (Morgana O’Reilly) nach einem misslungenen Versuch einen Geldautomaten zu knacken zu Hausarrest verurteilt. Im Haus ihrer entfremdeten Mutter. Die teilt ihr alsbald mit, dass es in dem Haus spukt. Zuerst hält Kylie sie nur für noch etwas mehr eigen als sonst schon, doch es zeigt sich, dass wirklich seltsame Dinge vorgehen. Nun, Kylie lässt sich weder von ihren Eltern noch von der Polizei Vorschriften machen, da wird sie sich, wenn sie schon im Haus bleiben muss, sicher nicht irgendwelchen Geistern unterwerfen! Irgendwie müsste man doch auch denen auf die Fresse geben können…

Okay, jetzt seid Ihr dran. Erzählt mir von Euren liebsten Isolationsfilmen, auch wenn das nicht wirklich ein Genre ist!

Kinos tief in der Krise

Als am 1. August des Jahres 1981 der Sender MTV in den USA auf Sendung ging, war das erste Musikvideo, das er zeigte „Video Killed the Radio Star“ von den Buggles. Ein selbstbewusster Auftakt, doch letztlich killte Musikfernsehen das Radio nicht, sondern koexistierte ganz prima mit ihm. Genau wie vorher LPs und MCs oder später CDs und MP3. Auch Streaming scheint den Radio Star nicht umbringen zu können. Letztlich weil viele Sender fähig waren mit der Zeit zu gehen und selbst Streamingangebote liefern. Ähnlich, und doch völlig anders stellt sich die Lage beim Film dar. Das Kino hat das Fernsehen überlebt. Hat immer besser werdende Heimmedien überstanden. Auch das Heimkino scheint das „echte“ Kinoerlebnis nicht vollkommen ersetzen zu können. Allerdings hatten die Kinos auch immer einen großen Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern, einen Vorteil, den das Radio nie hatte: will man den neuesten Film sehen, muss man ins Kino gehen. Die Abstände zu anderen Veröffentlichungen mögen kürzer werden, doch den neuen Blockbuster siehst Du nachwievor „nur im Kino“.

Und genau da machen gerade die großen Blockbuster, die einen guten Teil der Einnahmen der Studios ausmachen, eben auch ihr Geld. Und so mag es zwar gelegentliche „Störenfriede“ wie Netflix geben, die sich mit den Kinos anlegen wollen, doch die großen Verleihe und Studios stehen zu den Kinos. In jahrzehntelanger, nicht immer friedlich vereinter, aber letztlich symbiotischer Koexistenz. So war es jedenfalls, bis eine globale Pandemie alles veränderte. In Folge der Corona-Krise mussten Kinos quasi weltweit schließen. Und aufgrund dieser Lockdowns war Streaming plötzlich attraktiver denn je zuvor. Disney etwa hätten den Start ihres Disney+ in Europa kaum besser planen können. Man darf annehmen, dass viele ohnehin gebeutelte Kinobetreiber nun mit ängstlichem Blick auf die Veröffentlichungspläne der Studios schauen. Was wenn ein Blockbuster als Video on Demand veröffentlicht wird und da richtig Kasse macht? Plötzlich könnte alles anders sein.

Nun, bei den wirklichen Blockbustern, den Marvels, Wonder Womans oder Bonds haben sich die Studios dann doch (noch?) nicht getraut. Aber Universal hat zumindest einen mittelgroßen Zeh in Form von ‚Trolls World Tour‘ ins kalte Streaming Wasser gesteckt. Und das erwies sich als gar nicht mal so kalt. Weltweit hat der Film im Stream in drei Wochen so viel eingespielt wie der erste ‚Trolls‘-Film in 5 Monaten in den US Kinos nicht. Sicher, der Vergleich mag hinken, doch da Universal genau den überall verkündet, darf man davon ausgehen, dass sie mit diesem Ergebnis zufrieden sind. Sehr zufrieden sogar. So zufrieden, dass NBCUniversal Boss Jeff Shell verkündete, man würde auch nach Corona Filme parallel zum Kinostart direkt als VOD veröffentlichen. Wie blank die Nerven bei den Kinos liegen, zeigt die Reaktion der US-Kette AMC. Deren Kinos in den USA, Europa und dem mittleren Osten würden Universal Filme boykottieren, bis die Entscheidung zurückgenommen würde. Das sagte AMC Chef Adam Aron der New York Times. Damit müsste die erkennbar angeschlagene Kette zukünftig auf Filme der ‚Jurassic World‘ oder ‚Fast and Furious‘ Reihen verzichten. Es wird sich zeigen müssen, ob sie dazu überhaupt in der Lage ist. Ungewollt aber arg ungünstig für die Kinos grätschte nun auch noch die Academy in diese Diskussion und verkündete, dass aufgrund der besonderen Umstände 2021 auch solche Filme bei den Oscars zugelassen würden, die nicht im Kino gelaufen sind. Wenn die Dinge schieflaufen für die Kinos, dann aber mal richtig.

Was bedeutet das für Studios/Verleihe und Zuschauer? Nun, ‚Troll World Tour‘ kann man hier in Deutschland für 15 Euro leihen. Das ist ein Betrag, bei dem eine Einzelperson vermutlich schlucken wird. Doch die Eltern mit drei Kindern (und damit wohl die Zielgruppe der Trolls) werden vermutlich ein Freudentänzchen aufführen. Drei Euro pro Person, das ginge im Kino nicht. Und genau bei dieser Freude liegt für die Studios das Problem beim Stream. Nicht jeder muss bezahlen. Einer kann einen brandaktuellen Film leihen und dann etwa mit seiner ganzen Fußballmannschaft schauen (also, im Moment natürlich nicht, aber in einer potentiellen, nicht länger sozial distanzierten Zukunft). Das liefe dann auf einen Centbetrag pro Person hinaus. Andererseits kann der Verleih hier 80% des Leihpreises behalten. Im Gegensatz zu etwa 50% der Kinokarte. Und eine parallele Veröffentlichung in Kino und Stream könnte auch Leute dazu bringen den Film direkt zu sehen, die sonst eher auf Heimmedien oder eben spätere Streamingveröffentlichung gewartet hätten. Auch kann man davon ausgehen, dass für „richtige“ Blockbuster sogar Preise in Richtung 20 Euro veranschlagt werden. ‚The Invisible Man‘ gab’s etwa in den USA für diesen Dollar-Betrag zu leihen.

Und was bedeutet es für die Kinos? Tja. Ich habe die Idee des alsbaldigen Kinosterbens bislang eigentlich immer mit einem Augenrollen abgetan. Doch wenn das Beispiel von Universal Schule macht, dann könnte das wirklich der Todesstoß für eine Branche sein, die bestenfalls auf dem Zahnfleisch aus dieser Krise herauskriechen wird. Und sich mit einem verunsicherten Publikum konfrontiert sehen wird, das ihr vermutlich nicht direkt die Bude einrennt. Im Moment sieht es immerhin noch nicht so aus, als ob die Warners und Disneys nachziehen wollten. Doch wenn die Kinos noch länger geschlossen bleiben und doch ein Wonder Woman oder Black Widow direkt als VOD erscheint, wie viel wäre dann wohl genug, um sich Universal anzuschließen? 50% des erwarteten Ergebnisses? 75%? 90%?

Covid Killed The Cinema Star? Wenn Ihr Möglichkeiten such, um Eurem Lieblingskino zu helfen, damit es dazu nicht kommt, könnt Ihr hier schauen. Ansonsten meine Frage: was meint Ihr, würdet Ihr Euch einen aktuellen Blockbuster für 20 Euro leihen, anstatt ins Kino zu gehen? Oder Euch mit Freunden vor der größten Heimkinoanlage des Bekanntenkreises treffen, um ihn gemeinsam zu leihen? Glaubt Ihr für das Kino gibt es eine Zukunft?

Newslichter Ausgabe 89: Corman-Festival, Warner-Schiebung und ein Gerichtsurteil

Weil das System irgendwie den Beitrag verschluckt hat, hier nochmal der aktuelle Newslichter von heute als Re-Blog..

filmlichtung

Willkommen bei Ausgabe 89 des Newslichters und Herzliche Grüße aus respektvoller Social Distance, jetzt mit Maske in den Bundesländern wo es Pflicht ist und als Vorbild auch in allen anderen! Auch heute ist es mir wieder gelungen einige interessante Themen aufzutreiben und auch heute haben sie nicht alle mit Covid zu tun. Ist doch auch mal schön. Sparen wir uns die lange Vorrede und üblichen Erklärungen warum die Newslage derzeit etwas dünn ist und legen stattdessen direkt los!

Roger Cormans Quarantine Film Festival

https://screenrant.com/roger-corman-quarantine-film-festival/

Hey Du! Ja, Du! Genaaau! Möchtest Du für Roger Corman einen Film drehen? Was? Nein, natürlich gibt er Dir kein Budget, wir reden über Roger Corman!
Der B-Movie Gottkaiser ruft derzeit Daheimbleibende auf mit ihrem Handy einen weniger als 2 Minuten langen Film zu drehen, einzig im eigenen Haus und Garten. Er und eine Jury aus Leuten wie Andy Muschietti, Peter Bogdanovich, Amy Jones und nicht…

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Corona-Hilfe für Kinos!

Ich vermute jeder hat die Covid-19 Krise inzwischen mitbekommen, daher führe ich sie hier nicht noch einmal aus. Dieser Einleitungssatz versteht sich mehr als Erklärung für Leute, die das vielleicht in zwei Jahren lesen und sich fragen, worum es geht. Über Ostern und mindestens noch eine weitere Woche werden wir exakt so downgelockt bleiben wie derzeit. Und selbst wenn es danach zu ersten Lockerungen der Distanzregelungen und Ladenschließungen kommt, sieht es für Kinos erst einmal düster aus. Auf der einen Seite sind sie nicht eben „essentiell“ (auch wenn dem mancher widersprechen mag), auf der anderen Seite stellen sie eine große Ansammlung von Menschen im geschlossenen Raum dar.

Gerade bei kleineren Kinos drohen hier Existenzen vernichtet zu werden. Und gerade diese kleinen, oftmals von hochenthusiastischen Individuen geführten und bearbeiteten Lichtspielhäuser sind diejenigen, die wir am wenigsten missen mögen und können. Ich weiß nicht wie es Euch geht, aber für mich haben Kunst und Unterhaltung, vor allem in der Form von Film, in der derzeitigen Situation erheblichen Anteil an der Erhaltung meiner (relativen) geistigen Gesundheit. Kinos sind ein wesentlicher Teil nicht nur der Filmwirtschaft, sondern der Filmkultur. Und ich für meinen Teil möchte diesen Teil der Filmkultur gern erhalten.

Sicher haben viele Kinos Spendenmöglichkeiten eingerichtet, oder bieten weiterhin den Kauf von Gutscheinen für eine post-Covid-Zeit an. Dies sind wahrscheinlich die besten Werkzeuge um direkte Hilfe zu leisten. Doch wenn Ihr das nicht könnt oder nicht wollt, dann stelle ich Euch hier ein paar andere Möglichkeiten vor, um Kinos zu unterstützen. Diese Aufzählung hat keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.

Wenn ihr irgendwelche weiteren Aktionen kennt, die ich hier nicht erwähne, setzt sie bitte in die Kommentare mit einer kurzen Erläuterung. Ich werde mich bemühen sie für bessere Sichtbarkeit zeitnah in den Haupttext zu übernehmen. Am besten sind natürlich übergreifende Aktionen, wenn Euer Lieblingskino allerdings etwas ganz besonders kreatives macht, dann gern auch das.

Zunächst einmal wäre da die von mir schon einmal kurz in einem Newslichter erwähnte Aktion #hilfdeinemkino des Kinowerbungsanbieters Weischer.Cinema. Unter https://hilfdeinemkino.de/ könnt Ihr Euer zu unterstützendes Kino auswählen und dann typische Kinowerbespots schauen. Das ausgewählte Kino erhält sodann denselben Anteil, den es für den Spot im Kino bekommen hätte. Vielleicht schiebt Ihr die Spots einfach vor dem abendlichen Heimkinofilm ein. Da kommt man direkt der Kinoatmosphäre näher. Vielleicht macht Ihr Euch einen Eimer Popcorn. Ihr könntet auch noch die Couchplätze durchnummerieren, um klassische „Entschuldigung, Sie sitzen auf meinem Platz“-Szenen nachzustellen.  Und die Bastler unter Euch bauen aus einem alten Waschmaschinenmotor ein Gerät, das regelmäßige Tritte in den Rücken simuliert. Und nicht vergessen während des Abspanns das Licht anzumachen! Nicht böse gemeint, Kino! Du weißt doch, was sich liebt das neckt sich! Auf jeden Fall ist dies eine Hilfsmöglichkeit, die absolut jedem offen steht!

Unter https://www.kino-on-demand.com/ könnt Ihr Filme ausleihen. Dabei wählt Ihr wiederrum Euer Lieblingskino aus. Beim ersten Abruf und dann bei jeweils fünf weiteren erhaltet Ihr einen fünf Euro Gutschein für das Kino Eurer Wahl. Dieser Betrag wird dem Kino dann zur Verfügung gestellt. Das Angebot ist nicht gigantisch, aber sehenswert und könnte sich bei anhaltender Kinosperre durchaus noch erweitern. Die Leihgebühr mit knapp 5 Euro etwas teurer als anderswo, doch bekommt man und vor allem die Kinos ja auch einen weiteren Gegenwert.

Ein österreichisches Pendant dazu ist der Kino VOD Club. Unter https://www.vodclub.online/ könnt Ihr Euch österreichische Filme (darunter ‚Hotel‘ und ‚Ich seh, ich seh‘, einige Favoriten dieses Blogs!) ausleihen. Ein Drittel des Erlöses geht dabei an Euer ausgewähltes Partnerkino.

Der Verleih Grandfilm bietet viele seiner Filme auf Vimeo als VOD an. Die Erlöse daraus will er 50:50 mit einer ganzen Liste von Kinos teilen, die Ihr unter https://grandfilm.de/grandfilmondemand/ einsehen könnt. Das aktuelle Angebot seht Ihr unter https://vimeo.com/grandfilmverleih/vod_pages. Grandfilm ist spezialisiert auf ungewöhnliche Filme. Mit knapp 10 Euro sind auch hier die Leihgebühren etwas höher. Jedoch gibt es ein wöchentlich wechselndes Sonderangebot. Zum Zeitpunkt meines Schreibens ist das ‚Mein liebster Stoff‘ für 99 Cent unter https://vimeo.com/ondemand/mls. So habt Ihr neben der Chance zu helfen auch die Möglichkeit günstig Filme zu entdecken, die Euch sonst vielleicht entgangen wären.

 

Und jetzt seid Ihr dran. Wie gesagt, schreibt bitte weitere Hilfsangebote in die Kommentare, ich übernehme sie dann in den Haupttext, um hier ein möglichst umfassendes Bild an Hilfsmöglichkeiten zu bieten. Ich beschränke das mal auf den deutschsprachigen Raum, aber nicht auf Deutschland. Gerne verlinke ich auch andere, vollständigere Listen von Hilfsangeboten.

flightattendantlovesmovies

weist auf die Startnextkampagne der Berliner Programmkinos hin:

Über Viren im Film

Hallo Leserinnen und Leser,

für die April-Ausgabe von Ma-Gos Filmmagazin Klappe! habe ich über Viren im Film geschrieben. Wenn Ihr das lesen wollt ist hier Eure Chance! Ich empfehle aber dringend auch (oder vor allem?) die anderen Beiträge der gelungenen Ausgabe anzusehen!

Klappe!

Ich schreibe die Einleitung zu diesem Artikel inzwischen ungefähr zum dritten Mal. Zu veraltet und lächerlich mutet sie in der derzeitigen Situation schon nach wenigen Tagen an. Und genau das ist etwas, was die derzeitige Coronakrise so schwierig macht. Sie greift alles an, was wir als „Normalität“ empfinden. Unseren Alltag gibt es nicht mehr. Wir arbeiten von zu Hause, oder wir müssen weiterhin zur Arbeit, haben aber nun Angst davor. Wir sorgen uns um Eltern, Großeltern oder vorgeschädigte Freunde, vielleicht auch uns selbst. Vor allem aber wird uns vor Augen geführt, wie sehr der Mensch ein soziales Wesen ist. Treffen mit Freunden, um einander zu versichern, dass schon alles nicht so schlimm wird, Handschütteln, Umarmungen, Sex, all die Dinge, die für uns „normal“ und menschlich sind, nutzt nun ein unsichtbarer Feind auf perfide Art gegen uns aus. Sicherlich, er ist nicht der Erste, der das tut und sicher auch nicht…

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Neue Geburtstagswünsche an den Film

Nun bin ich dieser Tage wieder einmal ein erschreckendes Jahr älter geworden. Falls das so klingt als wolle ich mich beschweren, dann trügt das. Ich bin zwar in nem Alter wo man mehr damit beschäftigt ist neue graue Haare zu finden (und neue Orte an denen Haare wachsen, niemand sagt einem, dass die irgendwann über 30 aus Nase und Ohren kommen!), als großartig Partys zu feiern, aber nicht mehr älter zu werden ist sicherlich auch keine Lösung. Und damit ist wieder einmal Zeit für meine Wünsche an den Film.

Zunächst einmal möchte ich feststellen, dass ich mit der Qualität des Films an sich in den letzten Jahren eigentlich sehr zufrieden bin. Das mag aber auch daran liegen, dass ich etwas tiefer in der Materie drinstecke. Als jemand, der einfach gelegentlich mal ins Kino geht, sähe ich die Sache vermutlich anders. Fortsetzungen, Remakes und Superhelden beherrschen die Multiplexe mit absolut eiserner Faust. Der Blockbuster unterliegt einer thematischen und ästhetischen Vereinheitlichung von den USA bis nach China, Nebenprodukte (aber ich will Euch nicht auch noch hier damit langweilen) der Monopolisierung durch Disney, sowie der durch sie popularisierten Konzepte wie des Cinematic Universe. Natürlich dürfte es davon gern weniger geben. Letztlich muss es aber auch nicht unbedingt weniger sein. Denn wenn man ein Programmkino in der Nähe hat, oder auf das heimatliche Angebot warten kann, dann hat man heute Zugriff auf ein so abwechslungsreiches Angebot wie selten zuvor. Nie war es leichter (einfach ist es natürlich immer noch nicht!) für Kreative den eigenen Film vor Zuschauer zu bekommen als heute. Allerdings muss man immer noch danach suchen. Denn Streaminganbieter neigen dazu ebenfalls ihre teuer erworbenen Blockbuster und natürlich ihre Eigenproduktionen zu empfehlen. Andererseits kann ein Indie-Film aber auch weit mehr Aufmerksamkeit erregen als je zuvor. Siehe etwa Robert Eggers ‚The Lighthouse‘ um zwei Männer, die in einem Phallus-Symbol wahnsinnig werden. Selbst der Oscar hat es zum ersten Mal geschafft den Preis für den besten Film an eine nicht englische Produktion, an irgendein Prestigeprojekt eines Studios zu geben, sondern an einen Film, der weitgehend als der Beste anerkannt wird. Selbst Studios für kleine Produktionen gibt es einige. Allen voran natürlich Blumhouse, die ihre nicht immer tollen, aber fast immer erfolgreichen Horrorproduktionen nutzen, um andere Produktionen gegenzufinanzieren.

Nicht-Hollywoodfilme haben eine neue größere Sichtbarkeit, die muss ich mir also nicht mehr wirklich wünschen. Prima. Kommen wir zum Problemkind der derzeitigen Filmlandschaft. Der Mid Budget Produktion. Die wird, gerade in Hollywood, Studioseitig überhaupt nicht mehr geschätzt. Wenn nicht jemand mit einem Namen wie Tarantino auf dem Regiestuhl sitzt, ist es fast unmöglich sie finanziert zu bekommen. Siehe Martin Scorsese, der zu Netflix gehen musste. Was für die ironische Situation sorgt, dass häufig junge Regisseure nach ihrem ersten Erfolg direkt auf ein gigantisches Disney Projekt gesetzt werden. Weil es keine mittleren Produktionen gibt, an denen sie sich ausprobieren könnten (oder, wie der Zyniker sagt, weil sie so unerfahren besser vom Studio zu kontrollieren sind). Es gibt Filme, die dem entgegenlaufen. Die ‚John Wick‘ Reihe etwa, die kackendreist mit einem Namen als Titel auftrat, den niemand kannte, von dem sie aber so tat als müsse man ihn kennen. Und sie wird mit jedem Titel finanziell erfolgreicher, eine gänzlich ungewohnte Entwicklung. ‚Knives Out‘ kam so ziemlich aus dem Nichts (so weit ein Film von einem Regisseur, der einen ‚Star Wars‘ gedreht hat aus dem „Nichts“ kommen kann) und wurde ein erheblicher finanzieller und kritischer Erfolg. Nicht alles muss ein etabliertes Franchise sein. Nicht jeder Film muss 200 Millionen Dollar kosten. Nicht jeder Film eine halbe Milliarde einspielen um nicht als „Flop“ zu gelten. Die Sorge den eigenen Superblockbustern einen Kinosaal mit eigenen Produktionen zu „versperren“ sollte und darf nicht Zentrum der Überlegungen sein. Das ist eine Einsicht, die ich mir wünschen würde. Denn ein Blumhouse kann eben kaum 100 Millionenfilm riskieren. Dafür braucht es ein Studio wie Disney oder Warner.

So, genug der gräulichen Theorie kommen wir zu handfesteren Wünschen. Ich wünsche mir, dass ‚Dune‘ (Verzeihung, ‚DUNC‘) gut wird. Und dann hoffe ich, dass die weiteren Dune Romane von Frank Herbert verfilmt werden. Mindestens bis zu dem, wo sich ein Gottkaiser in einen Sandwurm verwandelt und lange, philosophische Gespräche mit einem Klon führt!

Ich wünsche mir, dass man Batman (dem „echten“, nicht dem aus Billunder Klemmbausteinen) erlaubt wieder ein bisschen „unernster“ zu sein. Die ersten Bilder vom Pattinson Batman sind dieselbe pseudorealistische Kevlarrüstungsscheiße, wie die letzten Filme, die ich ehrlich gesagt nicht mehr verknusen kann. Er muss ja nicht gleich den Batusi tanzen, aber es bricht sich doch niemand was ab, wenn er sich mal mit, sagen wir dem Clock King prügelt. Ich mag ‚The Dark Knight‘ ja auch, aber das ist doch nun nicht alles was Batman sein kann!

Und wo ich eh schon über Superhelden schreibe: hey Disney, tief in Eurem Marvel-Portfolio habt Ihr einen Helden, der super zu Euch passen würde: The Almighty Dollar! J. Pennington Pennypacker ist am Tag ein ganz normaler Buchhalter, des Nachts löst er Probleme mit seiner Superkraft: indem er sie mit Geld bewirft. Ich habe mir das nicht ausgedacht, schaut es gerne nach! Jedenfalls wünsche ich mir den Almighty Dollar fürs MCU!

Ich wünsche mir, dass David Lynch mindestens einen weiteren Film dreht. Ich wünsche mir, dass man ihm dabei erlaubt was auch immer zu machen und so viel zu träumen wie er für nötig hält!

Ansonsten wünsche ich mir einfach nur gute Filme. Nicht nur für mich, sondern für uns alle!