Newslichter Ausgabe 223: Trailerklage und Silvesterprequel

Willkommen bei Ausgabe 223 des Newslichters. Frohes Neues, Euch allen! Das sage ich so leicht, aaaber Moment: Jeder braucht doch heutzutage eine Verschwörungstheorie, der er allergrößten Glauben schenkt. So etwas generiert Klicks, Diskussion und wirkt schlicht weltmännisch. Hier also ist meine Verschwörungstheorie: das Jahr 2023 ist fake! Erfunden von Big Calendar, um die einbrechenden Umsätze aufzufangen. Dieser Newslichter erscheint folglich am 36. Dezember 2022. Glaubt nicht den Einträgen von wordpress, auch die sind bereits unterlaufen! Aber obwohl das Jahr fake ist (wie jeder weiß!), geschehen dennoch Dinge und erscheinen News. Wenden wir uns also denen zu!

Was darf ein Trailer?

Die USA haben einen Ruf als klagefreudiges Land. Für jeden Blödsinn, so hört man häufiger, könne man dort Firmen vor Gericht zerren und gigantische Summen herausschlagen. In meiner (juristisch weitgehend ungebildeten) Beobachtung ist die Wahrheit eine Mischung aus tatsächlicher Aussicht auf hohen Schadensersatz, aber oftmals auch einfach miserablem Verbraucherschutz, der derartige Klagen notwendig macht. Für mich stand es jedoch außer Frage in welche Kategorie die beiden Herren fallen, die letztes Jahr Universal verklagt hatten. Sie hatten für jeweils 3,99 Dollar den Film ‚Yesterday‘ bei Amazon geliehen. Sie taten dies, laut eigener Aussage, weil ein früher Trailer Ana de Armas in einer Hauptrolle versprach. Doch im fertigen Film kommt de Armas quasi gar nicht vor. Nun fordern sie 5 Millionen Dollar Schadensersatz von Universal, für irreführende Werbung. „Hoher Schadensersatz“, in der Tat!

Spätestens diese Höhe der Forderung zog das Ganze für mich ins Lächerliche. Doch nun ist teilweise zu lesen, dass die Männer Recht bekämen und Hollywood Trailer als Ganzes in Gefahr seien. Soweit ist es aber noch lange nicht. Universal hatte der Klage grundsätzlich widersprochen. Sagte, Trailer seien eine eigene Kunstform und eben nicht primär Werbung. Doch hier folgte der Richter den Klägern. Trailer sind seiner Einschätzung nach vor allem Reklame und fallen damit unter die Gesetzgebung für irreführende Werbung. Über die Erfolgsaussichten der eigentlichen Klage sagt das jedoch noch gar nichts aus. Denn das Gericht betont auch, dass es sich um Fälle handeln müsse, in denen eine signifikante Zahl vernünftiger Konsumenten getäuscht werden könnte.

Darüber wird im vorliegenden Fall zu entscheiden sein. Und auch das wäre eine Entscheidung, die nur für Darsteller oder Szenen in Trailern, die im fertigen Film gar nicht vorkommen bedeutsam wäre. Aber ich kann schon verstehen, warum das die Studios ein wenig umtreibt. Oft genug machen die Filmemacher die Trailer gar nicht selbst. Mangelnde Kommunikation kann hier schnell zu „falschen“ Trailern führen. Auch werden Trailer oft genug gemacht, lange bevor die endgültige Schnittfassung des Films steht. Wie im vorliegenden Fall kann das Gezeigte also zum Zeitpunkt eines frühen Trailers völlig korrekt sein, sich aber zum fertigen Film komplett ändern. Sollten die Kläger ihre fünf Millionen bekommen, und nicht einfach ihre vier Dollar zurück, dann dürfte das wohl Konsequenzen haben. Wenn auch vermutlich nur ein kleingedruckter Hinweis, rechts unten im Trailerbild, dass gezeigte Szenen so nicht unbedingt im Film vorkommen müssen. Fraglich auch, was mit Trailern wäre, die gar keine Szenen aus dem eigentlichen Film zeigen. Aber das ist ohnehin erst einmal Zukunftsmusik.

Happy new year, Ms. Sophie

Prequels. Ich mag sie ja nicht sonderlich. Meistens sind sie purer Fanservice, der Fragen beantwortet, die entweder keiner Antwort bedurft hätten, oder die niemand gestellt hat. Allzu oft lassen sie ein Universum zusammenschnurren, auf einen viel zu engen Fokus. Natürlich gibt es auch gute Prequels, aber die meisten sind fast noch überflüssiger als die üblichen „mehr vom Gleichen“ Sequels. Wenn ich eine Liste machen sollte, mit Dingen, die definitiv kein Prequel benötigen, dann würde ‚Dinner For One‘ dort nicht auftauchen. Weil mir gar nicht einfiele, dass jemand auf die Idee kommen könnte, uns hier eine große Vorgeschichte zu präsentieren. Freddie Frintons und May Wardens Sketch sagt in 18 Minuten alles was er zu sagen hat. Und für die meisten von uns tut er das ein Mal im Jahr, zu Silvester. Hat sich ernsthaft irgendjemand jemals gefragt, was wohl die tiefe Vorgeschichte von Admiral von Schneider sein könnte? Ich kann es mir kaum vorstellen. Sei das wie es will, wir bekommen eine deutsche Prequel Serie. Geschrieben unter anderen, von Tommy Wosch. 50 Jahre vor dem Sketch soll sie spielen und Miss Sophie gelobt denjenigen ihrer vier Verehrer zu heiraten, der ihr das Schönste Geschenk zu ihrem vierzigsten Geburtstag überreicht. Doch in Wahrheit liebt se James, den Sohn des Butlers. Ob wir wohl erfahren, wo das Tigerfell herkommt? Ich hoffe doch, wir erfahren wo das Tigerfell herkommt, aber vielleicht kommt das auch erst in Staffel 2 vor. Haha, ich freu mich schon, wenn Mr. Winterbottom Ms. Sophie „Nicest Little Woman“ nennt, das wird sooo toll!!! Und der letzte Dialog muss sich natürlich um die „same procedure“ drehen, mannoman, ich lach jetzt schon als hätt ich zu viele Berliner gefressen!!! Freddie Frinton galt, als aktiver Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg, nie als großer Freund der Deutschen. So weigerte er sich, seinen Sketch auf Deutsch aufzuführen. Irgendetwas lässt mich vermuten, diese Serie hätte ihn in seinem negativen Eindruck bestätigt. Aber vielleicht bin ich auch bloß ein alter Griesgram.

Wir sehen uns nächste Woche wieder. Mal sehen, ob ich mich dann noch an meine Kalenderverschwörung erinnere… 

Guten Rutsch und wie die Filmlichtung dieses Jahr so lief

Bringen wir das Unangenehme lieber direkt aus dem Weg. In Zahlen ausgedrückt kann man die Situation der Filmlichtung in diesem Jahr mit „desaströs“ ganz gut beschreiben. Das schlägt sich gar nicht mal so sehr in Aufrufen nieder, die und Besucherzahlen sind, nach der Stagnation im letzten Jahr, nur um ein paar Prozent zurückgegangen.

Was natürlich nicht gut ist, aber geradezu traumhaft, wenn man es mit der Entwicklung von Likes und Kommentaren vergleicht. Die sind beide um ein gutes Drittel zurückgegangen und setzen damit eine abwärtige Entwicklung fort.

Was bedeutet das? Nun, offensichtlich, dass weniger Leute mit wordpress Account meinen Blog lesen, und/oder weniger kommentieren/liken. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Den deutlichen Rückgang an aktiven Blogs kann man problemlos beobachten, dazu kommt, dass auch ich selbst weniger kommentiere als früher. Und auch weniger lese, wenn ich ehrlich bin. Das wird anderen vermutlich ähnlich gehen.

Was ändert sich damit im neuen Jahr für mich und, viel wichtiger noch, für Euch als Leser? Tja, der einzig logische Schritt ist natürlich der in die Zukunft. Ein Podcast muss her. Aber nicht über Filme, das interesseiert doch keinen, nein, True Crime ist IN. Ich habe aber bloß Ahnung von Filmen, also was tun? Oh ich weiß, ich mache einen True Crime Podcast über das eine Mal, als ich mich im Multiplex noch in einen zweiten Film geschlichen habe! Muss nur sehen, wie viele Folgen ich daraus klöppeln kann. Für ein gutes Dutzend müsste es reichen.

Nein, ernsthaft, es ändert sich erst mal gar nix. Denn ehrlich gesagt hatte ich dieses Jahr mehr Spaß am Schreiben als in den letzten Jahren. Mir selber den Druck zu nehmen, jeden Samstag irgendwas Schlaues zu schreiben war die beste Entscheidung. Mit Rezensionen war ich der Veröffentlichung dieses Jahr teilweise zwei Monate voraus, einfach weil ich so viel Spaß am Schreiben hatte. Auch die News gingen mir gefühlt mit mehr Verve von der Tastatur. Die 5 Besten sind eine stetige Konstante, aber die sind ja nicht wirklich Arbeit für die Teilnehmer, sondern für Gina, die sich allwöchentlich neue Themen ausdenkt und dieses Jahr sogar daran gearbeitet hat, die Teilnahme noch komfortabler zu machen! Großen Dank an dieser Stelle dafür.

Bleibt mir nur noch, Euch einen guten Rutsch ins neue Jahr zu wünschen und mich zu bedanken, dass Ihr als Leser/Liker/Kommentierer treu geblieben seid. Dieser Club wird immer exklusiver! Nicht unbedingt besser, aber exklusiver! Ob Böller, Bleigießen oder Bowle, kommt gut rüber und passt auf Euch auf!

Frohe Festtage von der Filmlichtung

Ein weiteres Jahr neigt sich steil dem Ende entgegen und Weihnachten ist hier. Ganz egal, ob Ihr Weihnachten feiert, oder Jul, oder Chanukka, oder Yalda, oder Saturnalien, oder etwas ganz anderes, oder eben vielleicht auch gar nix, möchte ich Euch ein paar geruhsame und erholsame Tage wünschen.

Auf das Ihr von Menschen umgeben seid, die Ihr liebt, esst und trinkt, was Ihr mögt und vielleicht den ein oder anderen Film schaut, der zu der Zeit passt. ‚Stirb Langsam‘, zum Beispiel. Oder auch ‚Batmans Rückkehr‘, falls der zu offensichtlich ist. Oder den wunderbaren ‚Der Löwe im Winter‘. Oder natürlich ‚Die Muppets Weihnachtsgeschichte‘, der auf Disney+ nun wohl endlich wieder komplett vorliegt, nachdem jahrelang der Song „When love is gone“ herausgekürzt war, weil Jeffrey Katzenberg überzeugt war, der sei zu traurig für Kinder (aber Tiny Tim durfte immer noch sterben, mitsamt Kameraschwenk auf seinen leeren Stuhl mit Schal, Mütze und Krücke, weil das ja nicht traurig ist…).

Aber es ist ja nicht so, als gäbe es an Weihnachtsfilmen irgendeine Art von Mangel. Eher das genaue Gegenteil.

Berichte über den Zustand des Blogs gibt es nächsten Samstag. Dann bin ich wahrscheinlich schon angetrunken und kann die arg niedrigen Zahlen besser ertragen. Bis dahin lasst uns froh und munter sein!

‚Elvis‘ (2022) – „This ain’t no nostalgia show!“

Elvis. Das ist wohl ein Name, mit dem jeder von uns irgendeine Assoziation verbindet. Und das obwohl Elvis Presleys kulturelle Bedeutung in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen scheint. Manche sehen ihn fraglos als den „King of Rock n Roll“, der mit Rhythmus und Hüftschwung der populären Musik des 20ten Jahrhunderts den nötigen Karate-Tritt in den Hintern gegeben hat. Andere mögen ihn als Weißen sehen, der sich die Musik von Afroamerikanern angeeignet hat und aufgrund seiner Hautfarbe zum lukrativen Erfolg führen konnte. Vielleicht aber erinnert man sich vor allem an den nuschelnden Las Vegas Elvis, aufgedunsen in zu engen Jumpsuits. Vorbild für zahllose Imitatoren, noch in den 90ern in allerlei Supermärkten gesichtet, weil er nicht wirklich gestorben sei, und auf Toastscheiben erschienen. Kurz ein Symbolbild für eine spezifisch amerikanische Form unangenehm grellstem Kitsch. All diese Assoziationen sind irgendwo zutreffend. Und Baz Luhrman hat sie nun allesamt, erstaunlich erfolgreich, in einen reichlich wilden Film gezwängt.

Erzähler des Films ist Elvis‘ Manager, „Colonel Tom Parker“ (Tom Hanks), 1997 auf seinem Totenbett nach einem Schlaganfall. Ein schlitzohriger Betrüger (der weder Colonel war, noch Tom oder Parker hieß), der seine Anfänge auf der Kirmes hatte, später aber ins Musikmanagement wechselte. Er berichtet, wie er Elvis (Austin Butler) Mitte der 50er beim „Louisiana Hayride“ entdeckte und sofort exklusiv unter Vertrag nahm. Wie Elvis ob seiner afroamerikanischen Einflüsse und seiner aufreizenden Beckenbewegungen im amerikanischen Süden schnell zum Skandal und Politikum wurde und gar eine Verhaftung nicht auszuschließen war. Wie es Parker nicht gelang, Elvis unter Kontrolle zu bringen. Wie er Elvis stattdessen für 2 Jahre zum Militär schickte (nach Westdeutschland, wo er Priscilla Beaulieu (Olivia Dejonge), seine zukünftige Frau traf) und so zum „all american boy“ werden sollte, bevor Parker ihn in allerlei Hollywoodfilmen unterbrachte. Wie die Popkultur Elvis in den 60ern hinter sich ließ, bis zum berühmten Comeback Special 1968, welches komplett Parkers Vorstellungen entgegenlief. Nicht nur weil Elvis zu seinen alten Beckenschwüngen zurückkehrte, sondern weil er, nach den Morden an Martin Luther King und Bob Kennedy, auch eine politische Botschaft vermitteln wollte. Alles Dinge, die Sponsoren und damit Parkers Verdienst im Weg standen. Mit dem erneuten Erfolg kam auch ein alter Traum von Elvis wieder auf: eine Welttournee. Doch das konnte Parker nicht zulassen. Denn er selbst war ein illegaler Einwanderer (Andreas van Kuijk, aus den Niederlanden) und konnte so die USA nicht verlassen, aus Angst nicht zurück ins Land zu können. Und Elvis allein ziehen zu lassen, hieße seine Kontrolle über ihn zu verlieren. Und so endete Elvis in der Knochenmühle der jahrelangen, allnächtlichen Las Vegas-Auftritte, die ihn letztlich zerstören würden.

Der puren Beschreibung nach tut Baz Luhrmanns Film genau das, was ich bei Musiker-Biopics nicht ausstehen kann. Beschreibt Elvis komplette Karriere, nein, sein komplettes Leben, vom armen Jungen aus der einzigen weißen Familie im schwarzen Viertel von Tupelo bis hin zu seinem letzten, schon tragischen Auftritt in las Vegas. Aber der Film hat einen steten, scharfen Fokus, durch den er Elvis‘ Leben betrachtet: seine Beziehung zu Col. Tom Parker.

So erinnert der Film mich ein wenig an Milos Formans ‚Amadeus‘. War es dort Mozarts arger Rivale Salieri, der die Geschichte des Musikers nachzeichnete, ist es hier der an Musik vollständig desinteressierte, rein auf sein Geld bedachte Parker, der uns von Elvis berichtet. Luhrman verschiebt das Bild von Genie gegen Durchschnitt, hin zu Künstler gegen die Personifikation des Kommerz. Und ähnlich wie ‚Amadeus‘ erlaubt sich auch ‚Elvis‘ allerlei erzählerische Freiheiten. Nein, Parker hat Elvis vermutlich nicht auf einem Riesenrad seinen Management-Vertrag aufgeschwatzt. Aber es verdeutlicht halt seine Wurzeln als Jahrmarktschreier und das stetige auf und ab der Beziehung zwischen den beiden Männern.

Vor allem aber ist es visuell interessant. Und da wir uns hier in einem Baz Luhrmann Film befinden, hat das ohnehin Vorrang vor allem anderen. Und er schlägt hier durchaus wilde Kapriolen. Da wird ein Auszug aus Elvis Leben in Comic Panels präsentiert, weil Elvis als Kind ein großer Fan von ‚Captain Marvel‘ (alias ‚Shazam‘) war. Wir sehen ein Konzert fast ausschließlich als Fotografien der „Vice Squad“, die Elvis‘ Jugendgefährdung dokumentieren will. Oder wir sehen eine ganze Sequenz im Stile von Elvis billigen Hollywoodfilmen. Ein Film, der ansonsten womöglich drohte episodenhaft zu werden, hat mich so durch seine 2 ½ Stunden Laufzeit gezogen, fast ohne, dass ich das gemerkt hätte.

In stets interessant inszenierten Szenen zeigt er Elvis Inspiration durch afroamerikanische Musik und macht fast beiläufig deutlich, wie wichtig seine Hautfarbe für seinen Erfolg war. Hervorheben möchte ich hier einen tollen Auftritt von Alton Mason als jungem Little Richard. Sein Auftreten als erster „gefährlicher“ Popstar (Punk ginge mir dann doch zu weit) der USA. Ausgerechnet als Südstaatler, der immer wieder Segregationsgesetze missachtete, der die schwarze Gemeinde respektierte und im Gegenzug von ihr respektiert wurde. Parker ist stets bemüht ihn in finanziell sicheres Fahrwasser zu lenken. Der Film postuliert, dass Elvis immer dann erfolgreich war, wenn er selbst Kontrolle über seine Karriere hatte und stagnierte, sobald Parker die Kontrolle übernahm. Am Ende eben mit fatalen Auswirkungen. Inwiefern das gegenüber Parker fair oder unfair ist, kann ich schwer beurteilen, soweit geht mein Wissen über Elvis nicht. Der „böse Manager“ ist seinerseits natürlich eine Standardfigur des Musiker-Biopics, doch so wie ‚Amadeus‘ die (angebliche) Rivalität zwischen zwei Künstlern auf ein neues Niveau gehievt hat, so gelingt es Luhrmann hier mit der symbiotisch/parasitären Beziehung zwischen Künstler und Manager.

Und ganz wichtig dafür sind selbstverständlich die Darsteller. Das jemand „geboren ist, um eine Rolle zu spielen“ ist natürlich ein dummes Klischee. Aber bei Austin Butler muss man es fast sagen. Optisch ist er dem jungen Elvis beinahe unheimlich ähnlich. Akustisch auch, wurde für die Auftritte von Elvis als jungem Mann im Film doch tatsächlich Butlers Gesang verwendet. Für die späteren dann originale Elvis Aufnahmen. Viel wichtiger als die Ähnlichkeit scheint mir hingegen sein Spiel. Es dürfte sehr schwer sein Elvis und seine zahllosen Manierismen einzufangen, ohne dabei in die Parodie zu verfallen. Und so ist das größte Lob, das ich Butler aussprechen kann, dass sich seine Darstellung in jedem Moment authentisch anfühlt. Das ist nicht leicht bei einem derartigen Charakter und vermutlich noch einmal schwerer in einem derart visuell wilden Film (wirke ich allzu sehr wie ein Nerd, wenn ich sage, dass ich sehr auf seinen Feyd Rautha im zweiten ‚Dune‘ gespannt bin?). Ihm gegenüber steht Tom Hanks, gegen seinen üblichen Typ besetzt als zwielichtiger Manager. Er spielt ihn mit einem Akzent, der für mich nicht sonderlich niederländisch klingt, sondern mich eher an Bela Lugosis Dracula erinnert. Dazu spielt er unter einer erheblichen Maske, die die meiste Zeit sehr gut funktioniert, wenn sie es aber nicht tut, bei mir Assoziationen zum „Fat Bastard“ aus den ‚Austin Powers‘ Filmen weckt. Ich weiß nicht wie, aber Tom Hanks lässt es funktionieren. Tatsächlich ist der Film immer dann am besten, wenn Elvis und Parker interagieren. Ihre Beziehung wirkt komplex, kompliziert und nicht unbedingt gesund, aber auf jeden Fall spannend.

Ich gebe zu, meistens kann ich mit Baz Luhrmanns maximalistischen Stil nicht wahnsinnig viel anfangen. ‚Elvis‘ aber fand ich nichts weniger als grandios. Womöglich braucht es einen gewissen Maximalismus, um die Geschichte eines der größten Solokünstlers der Popkultur und seiner gewaltigen Ambitionen und seines gewaltigen Hungers zu erzählen. Vor allem aber wirkt es nicht wie ein nostalgisch verbrämter Rückblick, sondern zu jeder Zeit erstaunlich aktuell. Was für ein Film!

Zum Tode Angelo Badalamentis

Am 11. Dezember diesen Jahres ist Komponist, Dirigent und Musiker Angelo Badalamenti in seinem Haus in Lincoln Park, New Jersey gestorben. Er wurde 85 Jahre alt.
Am 22. März 1937 als Sohn eines Sizilien-stämmigen Fischhändlers und Hobbymusikers in Brooklyn geboren, begeisterte sich Badalamenti früh für Musik und machte 1958 schließlich seinen Abschluss an der Manhattan School of Music.
Für die nächsten 20 Jahre war er in allerlei Richtungen musikalisch beschäftigt. Als Barpianist, als gelegentlicher Songschreiber oder Arrangeur für Künstlerinnen wie Nina Simone oder Shirley Bassey. Mit dem „Andy Badale Orchestra“ machte er zweckgebundene Unterhaltungsmusik.

„Andy Badale“ war der „amerikafreundlichere“ Künstlername, den er sich für das damalige Musikgeschäft zulegte. Unter diesem komponierte er gelegentlich auch Filmmusik, so etwa 1973 für Ossie Davis‘ Blaxploitation-Film ‚Gordon’s War‘/‘Jagd auf linke Brüder‘. Sein wirklicher Durchbruch, sowie seine längste und erfolgreichste Kollaboration sollten aber aus einem deutlich kleineren Auftrag entstehen. 1985 wurde er für David Lynchs ‚Blue Velvet‘ als Gesangscoach für Isabella Rossellini angeheuert (im Film selbst ist er in ihrer Gesangszene als Pianist zu sehen). Diese würde im Film den titelgebenden Song singen. Als Lynch die Rechte für einen anderen Song nicht bekam, bot sich Badalamenti an, einen Ersatz zu komponieren. Als Sängerin heuerte er die ihm bekannte Julee Cruise an. So entstand „Mysteries of Love“, dann auch gleich noch der Rest von ‚Blue Velvets‘ originalem Soundtrack und eine lange Zusammenarbeit.

Nach seinem Durchbruch mit ‚Blue Velvet‘, erstmals als Angelo Badalamenti, komponierte er für einige durchaus erfolgreiche Mainstreamfilme der 80er. Etwa den dritten ‚Nightmare on Elmstreet‘, oder den alle Jahre wieder aktuellen ‚Schöne Bescherung‘ mit Chevy Chase.
1990 kehrte er zu Lynch zurück. Zum einen für ‚Wild at Heart‘, aber sicherlich noch wichtiger für ‚Twin Peaks‘. Wer hier auch nur eine kurze Weile mitliest, wird wissen, dass ‚Twin Peaks‘ meine absolute Lieblingsserie ist. Die Mischung aus Krimi, Mystery, Soap(parodie) und David Lynchs ganz eigener Alchemie gab in den ganz frühen 90ern einen Ausblick darauf, was Fernsehen einmal werden könnte. Wurde oft kopiert, nie aber auch nur annähernd erreicht. Und ein ganz wichtiger Aspekt dafür ist die Musik von Angelo Badalamenti.

10 Sekunden und eine Handvoll Töne benötigt er, um mich nach Twin Peaks zu transportieren. Damit ich mich tief im Wald befinde, den Duft der Douglasien genieße, den kühlen aber angenehmen Wind in Laub und Nadelwerk mehr spüre als höre, den Nebel zwischen den Stämmen sehe. Und einen fremdartigen Blick auf mir fühle, der mir einen Schauer über den Rücken laufen lässt.

Jeder einzelne Badalamenti Soundtrack zu einem Lynch-Film ist mindestens hervorragend und jeder einzelne von ihnen wäre weit schwächer ohne seine Musik (ich bin sicher, Lynch würde mir hier zustimmen). Aber ‚Twin Peaks‘ (und der zugehörige Film ‚Fire Walk With Me‘) sind, in meinen Ohren, Badalamentis Opus Magnum.

Ich will hier nun gar nicht die gesamte Musik vorstellen (obwohl sie es wert wäre!) aber ich picke mir zumindest einige Beispiele heraus. Da ist „Audrey‘s Dance“ ein experimentelles Jazzstück, dass seinen Anfang als diegetische Musik aus einer Jukebox hat, zu dem Charakter Audrey Horne, man ahnt es, tanzt.

Später wird es zu ihrem Leitmotiv, das quasi immer zu hören ist, wenn sie in einer Szene zu sehen ist.

Noch zentraler ist natürlich „Laura Palmer‘s Theme“. Das Leitmotiv der vor Beginn der Serie ermordeten Laura Palmer. Kaum ein Stück kommt mehr zum Einsatz und macht deutlich, wie sehr Laura und ihr Tod  das Leben der kleinen Stadt prägen. Aber kaum ein Einsatz des Stücks ist so effektiv wie der Moment, wenn Bobby Briggs in Staffel 3 die alten Relikte der Palmer Untersuchung auf dem Tisch findet. Er fasst die Wirkung hier vollkommen inadäquat aber perfekt mit „Man, brings back some memories!“ zusammen.

Oder Jimmy Scotts gespenstisch schöne Darbietung von „Sycamore Trees“, die die Black Lodge endgültig zu einem Ort des Schreckens macht.

Aber bei aller Liebe wird es Badalamentis Arbeit nicht gerecht, ihn auf seine Kollaborationen mit Lynch zu reduzieren. Er hat auch mit Jane Campion, Paul Schrader, Danny Boyle oder Jean-Pierre Jeunet gearbeitet. Sogar für einen deutschen Film, ‚Napola – Elite für den Führer‘ von Dennis Gansel, hat er komponiert. Und auch vor dem gelegentlichen Flop, allen voran Neil LaButes grausiges ‚Wicker Man‘ Remake, war er nicht gefeit. Wobei das Problem dieses Films nun sicherlich nicht die Musik war…

Aber kehren wir doch noch einmal zu ‚Twin Peaks‘ zurück. Badalamenti, Lynch und Julee Cruise, die diesen Sommer viel zu früh mit 65 Jahren ebenfalls verstorben ist, haben aus der Twin Peaks Musik auch noch ein Album mit Gesang von Cruise und Lyrics von Lynch geschaffen. Das hörenswerte „Floating into the Night“. Cruises mehr gehauchte als gesungene Worte unterstreichen das Ätherische von Badalamentis Musik. Und so wird aus der Twin Peaks Titelmusik „Falling“.

Cruise tauchte in ‚Twin Peaks‘ und ‚Fire Walk With Me‘ ihrerseits mehrfach als Sängerin auf.

Zum Schluss soll Mr. Badalamenti selbst zu Wort kommen, als er vor einigen Jahren den kreativen Prozess der Entstehung von „Laura Palmer’s Theme“ erklärte.

Allgemein wird Angelo Badalamenti fehlen. Er war vor allem einer dieser Komponisten, die den Wert von Stille verstanden haben. Dass Filmmusik eben keine Dauerberieselung sein muss oder gar sein sollte, sondern vor allem eine Unterstützung des Gezeigten. Denn zu seinem Ätherischen, zu seinem Traumhaften, das ihn zu so einem hervorragenden Partner für Lynch machte, kam immer auch eine sehr bodenständige Präzision. Und das ist eine Mischung, die man wahrlich nicht häufig findet.

‚A Muppet Family Christmas‘ (1987) auf Youtube

Selbstverständlich habt Ihr dieses Jahr längst die ‚Muppet Weihnachtsgeschichte‘ geschaut und fragt Euch nun, wie Ihr den Rest der Vorweihnachtszeit ganz ohne weiteres Muppet Material überstehen sollt. Die gute Nachricht ist, das braucht Ihr gar nicht.

Ich serviere Euch hier das ‚Muppets Family Christmas‘ Special. Ein Crossover von Muppetshow, Sesamstraße und Fraggles Figuren, die sich allesamt auf der Farm von Fozzie Bärs Mutter treffen. Kermit ist dabei erkennbar kein Fan der Fraggles. Und am Ende taucht sogar noch Jim Henson selbst in einem Cameo Auftritt auf.

Jede Menge Planung rund um Schlafplätze, der schwedische Koch, der gern Bibo zubereiten würde, eine rutschige Stelle, ein Schneemann, Miss Piggy in Gefahr und die Inspiration für die ‚Muppet Babies‘ stammt ebenfalls aus diesem Special.