Horror-(Bilder-)Bücher für Halloween

Eine Woche noch bis Halloween. Das Fest selber könnte mir zwar kaum egaler sein, aber die gute Ausrede (als ob ich sie bräuchte) um Horrorfilme zu schauen, nehme ich gerne mit. Heute soll es aber nicht um Filme gehen, sondern um Bücher. Allerdings um Bücher, die durchaus visuell ansprechen. Eines zumindest hat auch direkte Verbindung zu Film.

„The Art of the Horror Film Press Advert: Alraune to Alien, 1918-1979“ von Paul Sutton

Dieses Buch hat die Art von unhandlichem Titel, der sonst der Ermordung von Jesse James vorbehalten ist. Was es mitbringt ist aber doch recht interessant. Ich erinnere mich noch, als Kind gab es diese Doppelseite in der Zeitung, auf der das Programm aller umliegenden Kinos verzeichnet war. Dazu war sie gefüllt mit kleineren und größeren Anzeigen, die Filminteressierte auf laufende Filme aufmerksam machen wollten. In den letzten Jahrzehnten des Internets hat natürlich sowohl diese Seite (sofern es sie überhaupt noch gibt, was ich für die meisten Zeitungen bezweifle) als auch die Printwerbung für Filme den Großteil ihrer Bedeutung verloren. Über Filmplakate, ihre Bedeutung und den durchschnittlichen Rückschritt ihrer Qualität, wenn sie immer mehr nur noch zu Icons für Streamingdienste werden, ist viel geschrieben worden. Die Printwerbung für den Film hingegen ist einfach einen stillen, kaum beachteten Tod gestorben. Das fand Paul Sutton ganz zu Recht schade und hat daher hochqualitative Scans aus seiner umfangreichen Filmmagazinsammlung und allerlei Archiven zusammengestellt. Der vorliegende Band bildet die Zeit von 1918 bis 1979 ab. Britische Anzeigen bilden dabei, eben aufgrund von Suttons Herkunft, den Löwenanteil. Aber es kommen auch allerlei europäische Anzeigen vor, darunter erfreulich viele deutsche.

Sutton fasst dabei die Idee von „Horror“ sehr weit. So räumte er den deutschen Edgar Wallace Filmen (die er als „german krimi“ vergenret) etwa viel Raum ein. Das schöne dabei ist, dass er nicht nach „deutsche Anzeigen für deutsche Filme“ aufteilt, sondern gerne zeigt wie Filme international vermarktet werden. Gerne auch mit welchen Fehlinformationen. Gleich eine der ersten Anzeigen bewirbt ein expressionistisches Crossover zwischen ‚Alraune und der Golem‘. Einem Film, den es nie gab. Auch ansonsten führt er Interessantes zu Tage. Etwa, dass es ein paar Monate vor ‚Der Weiße Hai‘ einen Hai-Film gab, der in seiner Anzeige mit einem sehr ähnlichen Motiv des aufstrebenden Hais mit aufgerissenem Maul warb. Weist aber auch darauf hin, dass der Film einfach das Cover von Peter Benchleys Romanvorlage kopiert haben könnte.

Das gesamte Buch ist schwarz-weiß gedruckt. Für das meiste funktioniert das natürlich wunderbar, denn so sah es immer aus. Gelegentlich ist es aber schade. Für eine verschwenderische 5-seitige(!) Anzeige für ‚Frankensteins Braut‘ aus einem US-Filmmagazin oder das Cover eines deutschen Programmheftes zu ‚Die Vögel‘ hätte ich mich über eine Handvoll Farbtafeln gefreut. Dennoch ist es spannend die Bandbreit zu sehen, mit der Filme beworben wurden. Mal ist es nur das Plakat, das abgedruckt wird, mal ist es eine gezeichnete Version des Covers, die in schwarz-weiß besser funktioniert. Doch gibt es auch Texte, kleine Bildchen oder sogar kurze Comicstrips, die Interesse für einen Film wecken sollen. Mit kommentierenden Texten hält sich Sutton weitgehend zurück, wenn er etwas anmerkt ist es oft genug interessant, auch wenn ich nicht in allem übereinstimme.

Das Buch scheint exklusiv bei Amazon erhältlich zu sein. Jedenfalls steht in meiner Ausgabe „Printed in Poland by Amazon Fulfillment“. Als Verlag ist „Camera Journal Cambridge“ vermerkt, was ich nur als den Namen eines 2009 gelöschten Blogs von Sutton ausmachen konnte. Der Druck ist allerdings sehr gut. Jedoch wellte sich das Papier, als das Buch hier eintraf. Nach ein paar Wochen im Bücherschrank eingezwängt, scheint sich das aber gegeben zu haben. Im Oktober sollte eigentlich ein weiterer Band mit Anzeigen aus den 80ern erscheinen, allerdings ist von dem bislang nichts zu sehen. Ich würd ihn kaufen…

„Paperbacks From Hell“ von Grady Hendrix

Mit dem Erfolg von Ira Levins „Rosemarys Baby“ begann nicht nur auf dem amerikanischen Buchmarkt eine extreme Nachfrage nach Horrorliteratur. Durch weitere gigantische Erfolge wie William Peter Blattys „Der Exorzist“ (1973) zunächst ein rein „satanisches“ Phänomen, zeigte Benchleys ‚Der Weiße Hai‘ (1974), dass auch anderer Horror funktionierte. Es folgte eine wahre Flut von schnell auf den Markt geworfenen Horror-Paperbacks immer in der Hoffnung den nächsten Hai oder Exorzisten im Angebot zu haben. Die Flut endete in den frühen 90ern, als der Thriller Horror als „genre du jour“ ablöste und von den vielen Paperback-Autoren nur Superstars wie Stephen King übrigblieben. Aber wie fällt man in einer solchen Horrorflut auf? Natürlich durch möglichst grelle Cover. Blut ist gut. Gruselhäuser. Federmäuse. Und Skelette, Skelette gehen immer.

Hier kommt unser Autor, Mr. Hendrix, ins Spiel. Seine Sammelleidenschaft für 70/80er-Horror wurde von einem ungewöhnlich bizarren Cover geweckt. John Christophers „The Little People“ zeigt einen typischen, grüngewandeten Leprechaun. Allerdings mit Nazi-Armbinde, Peitsche und reichlich fiesem Gesichtsausdruck. Dieser Fund sorgte dafür, dass Hendrix jahrelang Dollarkisten und Flohmärkte durchforstete und eine gigantische Sammlung anhäufte. Ein Buch, das die wunderbar übertrieben reißerischen Cover dieser Zeit illustriert wäre schon sehr gut. Aber Hendrix hat all diese Bücher auch noch gelesen.

Und natürlich finden sich bei so viel vergessenem Material einige Schätze an. An dieser Stelle wurde Hendrix‘ Buch zweischneidig. So effektiv macht er Lust auf einige der Geschichten, dass die Zweithand-Preise plötzlich von ein paar Dollar in die hunderte schossen. Doch zum Glück bemerkten sowohl Autoren als auch Verlage die neue Nachfrage und legten zahlreiche Bücher wenigstens als ebook neu auf. Ich lese etwa gerade Michael McDowells wunderbare „Blackwater“-Saga, die ich ohne dieses Buch niemals entdeckt hätte (nicht zuletzt weil sie seit Mitte der 80er vergriffen war).

Hendrix teilt die Bücher thematisch in Kapitel ein. „Creepy Kids“, „Real Estate Horror“, oder „When Animals Attack“ etwa. Diese Überschriften geben einen guten Eindruck des lockeren Tonfalls des Buchs. Hendrix ist sehr gut darin gleichzeitig ein Schmunzeln über besonders absurde Themen oder Cover (siehe eben die SM-Gestapochauns) zu transportieren, gleichzeitig aber auch seine Begeisterung für gelungene Bücher herüberzubringen. Ich jedenfalls habe bald angefangen mir Titel aufzuschreiben.

Wenn ich meckern sollte, dann höchstens, dass das Buch auf den amerikanischen Markt beschränkt ist. Aber das kann ich dem Amerikaner Hendrix nun echt nicht vorwerfen. Ansonsten halte ich das Buch von vorne bis hinten für gelungen.

Grady Hendrix selbst hat übrigens selbst einen Roman namens „Horrorstör“ verfasst. Ein Horrorroman im Stil eines Kataloges einer bekannten skandinavischen Möbelfirma gehalten. Den habe ich zwar noch nicht gelesen, der liegt, anders als „Paperbacks“, aber auch auf Deutsch vor und scheint gut anzukommen. Ich übernehme aber keine Verantwortung, wenn Ihr Angst vor Eurem Billy bekommt!

Ich helfe Ben Affleck dem DC Universum zu entkommen!

https://theplaylist.net/ben-affleck-segue-dceu-20171113/

„You don’t do it forever, so I want to find a graceful and cool way to segue out of it“
– Ben Affleck im obigen Artikel über seine Rolle als Batman

Ben Affleck möchte „einen coolen Weg sich aus dem DCEU zu verabschieden“? Na da kann ich helfen! Hier mein Kurzfilm-Skript namens ‚The Dark Flight of Stairs of the Dark Soul of the Dark Protector of Dark Gotham City‘, speziell für Herrn Affleck:

Ein düsteres Treppenhaus, irgendwo im großen, finsteren, ökonomisch benachteiligten Bereich Gothams. Batman eilt Treppen nach oben, er scheint ein wenig außer Atem, die Aufschrift an der Wand verrät, dass wir uns im 23. Stock befinden. Von oben sind Geräusche eines Kampfes zu hören. Nach mehreren Minuten hat Batman endlich das oberste Stockwerk erreicht. Er tritt auf einen Rollschuh und fällt rückwärts die Treppen herunter. Cartoon-Geräusche sind zu hören, *Sproings*, *Doings*, *Klirren* und *Tröten*. Dazwischen Batmans Schmerzenschreie: „Aua, mein Schlüsselbein!“, „Argh, meine Bauchspeicheldrüse!“, „Oh Gott, mein allgemeiner Rumpfbereich!“ Dann Stille. Der Sturz scheint vorbei. Doch nach 10 Sekunden beginnt der Krach von Neuem. *Plumps*, *Watsch*, *Zack* und „Urks, meine Achillessehne!“, „Oh, voll auf die Hirnhaut!“, „Iaaaah, meine Seele!“

Endlich kullert Batman aus der Vordertür des Gebäudes. Drei Personen warten hier und halten Preisrichterschilder hoch. Commissioner Gordon gibt ihm 8.5. Alfred gibt ihm 10.0 (er weiß wer sein Gehalt bezahlt). Und Martha Wayne gibt ihm 0.0! Moment, Martha Wayne?? Da nimmt sie die Maske ab! Es ist der Joker! Er verprügelt den am Boden liegenden Batman mit dem Preisschild. Mühevoll kämpft sich Batman auf die Füße. Er packt den Joker am Kragen und knurrt „Wer hat Dir verra…“ In dem Moment fällt ihm ein großer Tresor auf den Kopf. Die Tür öffnet sich und heraus tanzen in einer langen (laaaaaangen) Polonaise alle Schurken mit denen es Batman je zu tun hatte. Ein schockierter Gordon gibt 2.4 Punkte. Alfred bleibt bei 10.0 (er weiß wer im Testament begünstigt ist). Der Joker lacht. Zur Überraschung aller kriecht Batman unter dem Safe hervor. Die Schurken haben sich inzwischen zu zwei langen Revueballet-Linien aufgestellt und treten den angeschlagenen Helden mit elegant geschwungenen Tanzbeinen hin- und her. Gordon gibt eine wohlwollende 7.8. Alfred eine 4.3 (er hatte die Erbschaft jetzt eigentlich schon fest eingeplant). Der Joker schickt dem Regieassistenten eine tote Ratte in einer Tupperdose.

Nach etwa 10 Minuten gelingt es Batman den fliegenden Tritten zu entgehen. Er nimmt die Maske ab und wirft sie auf den Boden. „Der ganze Scheiß hier ist mir echt zu blöd! Ich verschwinde!“ (Meta: wir wissen nicht, ob hier Bruce Wayne oder Ben Affleck spricht! #genial #Oscar) Als er ohne nach links und rechts zu Schauen auf die Straße geht überfährt ihn ein Bus.

*Schwarzblende*

‚Fin‘

(begleitet von trauriger Akkordeon-Musik und gelegentlichen Maultrommeln)

Nach-Credits-Szene: jemand versucht mühsam einem von Weinkrämpfen geschüttelten Matt Damon klarzumachen, dass nicht wirklich Ben Affleck überfahren wurde.

zweite Nach-Credits-Szene: der Joker nimmt nochmal eine Maske ab und entpuppt sich als… Martha Wayne! Gordon nimmt die Maske ab und ist… Thomas Wayne. Beide grinsen, zeigen auf Bruce und sagen „April, April! Reingelegt! Du hättest Dein Gesicht sehen sollen, als Du dachtest wir wären erschossen aber selbst wir hatten nicht erwartet, dass Du dich als Fledermaus verkleidest!“ und alle lachen und lachen und lachen bis selbst Alfred sich nicht mehr zusammenreißen kann.

Cooler geht nicht.

Pierce „Kaiju“ Brosnan?

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„VORSICHT JACKIE! HINTER DIR! PIERCE BROSNAN! UND ER HAT EINE WAFFE! DIE IST ÜBRIGENS GIGANTISCH!! GENAU WIE PIERCE BROSNAN SELBER!!! DAS HÄTTE ICH VIELLEICHT ZUERST BRÜLLEN SOLLEN!!!! ABER MEINE KERNAUSSAGE BLEIBT BESTEHEN: VORSICHT JACKIE!!!!!“

Vielleicht wird es auch nur ein Crossover. ‚Ant-Man vs. Ex-Bond‘, oder so…

Hacker, Kidnapper und Piraten: Der ‚Fluch der Karibik – Salazars Rache‘ Hoax

Yo-Ho-Ho, analoges Kidnapping könnte sich überholt haben. Mitte Mai konnte man der Presse entnehmen, dass fiese Digital-Kidnapper sich den Johnny-Depp-braucht-dringend-Geld-Film ‚Fluch der Karibik – Salazars Rache‘ von Disneys-Servern erhackt haben sollen1. Nun drohten sie den Film zunächst in 5-minütigen, später 20-minütigen Schnipseln auf Youtube zu laden. Angesichts der durchschnittlichen Länge heutiger Blockbuster fällt diese Drohgebärde gegenüber der „klassischen“ Eskalationsfolge bei Entführungen, von „Foto mit aktueller Tageszeitung“ zu „abgeschnittenem Finger“ zu „abgeschnittenem Ohr“ erst einmal recht lasch aus.

Disney-Konzernboss Bob Igner gab sich daher auch kämpferisch. Wollte keinesfalls mit den Entführern verhandeln, sondern es Netflix gleichtun und mit dem FBI zusammenarbeiten, um die Ganoven zu stellen. Netflix war nämlich kurz vorher einige Folgen der neuen Staffel von ‚Orange is the New Black‘ gemopst worden2. Bei Netflix dachte man aber gar nicht daran die Hacker, die sich selbst „thedarkoverlord“ nennen zu bezahlen. Obwohl bereits ganze Folgen im Netz als Torrents zu finden sind, verlässt sich Netflix darauf, dass ihre Kunden die Einfachheit des Streaming-Dienstes schätzen und der Großteil sich nicht mit Fileshare-Programmen herumschlagen wollen werde. Ob diese Idee aufgeht wird sich zeigen müssen. „thedarkoverlord“ haben jedenfalls angekündigt, dass sie weiter machen wollen mit ihren Erpressungen.

Doch zurück zur Disney-Piraterie. Die erschien nämlich zunehmend seltsamer. Der Konzern veröffentlichte anfangs nur, dass ein Film entführt wurde und machte keine Angaben welcher. Die Seite Deadline gab später bekannt ein Informant habe bestätigt, dass es sich bei dem Opfer um das neue depperte Piratenspektakel handele3. Disney bestätigte das zunächst, wollte dann jedoch nichts mehr zu der Sache sagen. Das erschien merkwürdig. Warum erst die Entführung öffentlich machen, dann noch bestätigen, dass es um die Piraten geht, nur um dann plötzlich jeden Kommentar zu verweigern? Dann trat die Filesharing und Copyright Experten-Seite TorrentFreak auf den Plan. Die bauten Kontakt zum angeblichen Entführer auf, es stellte sich aber heraus, dass der behauptet er habe ‚Die Letzten Jedi‘ entführt und Deadline habe den Piraten-Titel schlicht geraten4. Allerdings konnte TorrentFreak auch große Zweifel an der Authentizität der Behauptung, der Hacker sei im Besitz von ‚Die Letzten Jedi‘ aufwerfen. TorrentFreak konfrontierte Disney sodann mit diesen Erkenntissen. In einem Interview mit Yahoo Finances änderte Iger dann seine Aussage5. Disney wurde nicht gehackt, es habe allerdings eine Drohung in diese Richtung gegeben. Also alles nur jede Menge heiße Luft.

Was bleibt ist die Frage nach dem „warum“. Was wollte Disney mit diesem sehr merkwürdigen Spektakel erreichen? Traute man seinem eigenen Piraten-Franchise nicht und wollte Interesse und Mitleid durch Berufung auf andere Piraten erwecken? Oder handelt es sich schlicht um Unerfahrenheit, gepaart mit Angst nach dem Netflix Fall, dem Sony-Hack und den kürzlichen Ransomware Attacken? Einen Film vor Veröffentlichung zu stehlen ist heute so einfach wie nie. Man muss keine Filmrollen mehr aus einem Lager schleppen, man braucht nur Zugriff auf eine mangelhaft geschützte Datei. Und für die Lösegeldübergabe braucht es keine dagobertschen Konstruktionen mehr, das geht via Bitcoin. War es echte Angst, war es ein Wunsch nach Publicity oder hat sich Iger anfangs einfach falsch ausgedrückt und wollte daraufhin keinen Fehler eingestehen (das scheint ja so eine Art CEO Krankheit zu sein)? TorrentFreak vermutet das Ziel des Konzern sei es den Kampf gegen die Daten-Piraterie mit allen Mitteln voran zu treiben6. Was auch immer stimmen mag, ein gewisser, unangenehm schaler Beigeschmack lässt sich nicht verleugnen.

Eine andere Frage wäre, wieviel Schaden eine entführte, früher veröffentlichte Version eines Films wirklich anrichten kann. Wie viele Leute laden sich mehrere Gigabyte als Torrent herunter und verzichten dafür auf den Besuch im Kino? Netflix war sich der Attraktivität seines Angebots im Angesicht der illegalen Gratis-Fileshare-Konkurrenz sehr sicher, das klassische Hollywood erscheint deutlicher weniger überzeugt. Das „Neuland“ Internet scheint für sie immer noch Feindesland.

1 http://www.stern.de/digital/online/fluch-der-karibik-5–hacker-stehlen-disney-hit—und-fordern-loesegeld-7455166.html

2 https://www.musikexpress.de/hollywood-wird-weiter-attackiert-hackergruppe-kuendigt-weitere-filmdiebstaehle-an-814311/

3 http://deadline.com/2017/05/pirates-of-the-caribbean-dead-men-tell-no-tales-hackers-ransom-1202094203/

4 https://torrentfreak.com/was-the-disney-movie-hacking-ransom-a-giant-hoax-170524/

5 https://finance.yahoo.com/news/disney-ceo-not-hacked-183725507.html

6 https://torrentfreak.com/even-fake-leaks-can-help-in-hollywoods-anti-piracy-wars-170527/

Top Ten Titelmelodien – Film

Ich habe an dieser Stelle schon einmal darüber geschrieben (bzw. klügere Menschen verlinkt) aber es lohnt sich zu wiederholen: die eingängige Titelmelodie scheint dem heutigen Blockbuster-Soundtrack etwas abhanden gekommen zu sein. Es gibt Melodien, die hat man im Ohr sobald man einen Filmtitel nur hört, auch wenn man den eigentlichen Film seit Jahren nicht gesehen hat. Und um genau solche soll es hier gehen.

Einige Einschränkungen: Erstens, werde ich mich nicht rein auf Titelmelodien beschränken, die Überschrift ist mehr der abartig attraktiven Alliteration geschuldet. Sollte eine andere Melodie eingängiger sein nehme ich die. Zweitens sind dies rein persönliche Vorlieben, die in keiner Weise in irgendwelcher Musiktheorie fundiert sind. Im Musikunterricht habe ich gelernt halbwegs das Xylophon zu spielen, so zu tun als könne ich eine Partitur mitlesen und gebeten zu werden nicht ganz so laut mitzusingen. All das hilft mir hier nicht wirklich weiter. Aber hey, ich weiß was mir gefällt! Drittens beschränke ich mich auf ein Stück pro Film(-Reihe). Von einem Komponisten darf es aber mehr sein.

  1. ‚Fire Walk With Me‘ (1992) – Theme From Twin Peaks – Angelo Badalamenti

Ein Fernseher wird in Stücke geschlagen und es ertönt diese verzerrte Version von Badalamentis berühmter TV-Serien-Melodie. Komponist wie Regisseur tun alles, um so schnell wie möglich deutlich zu machen, dass dies nicht das Twin Peaks ist, das wir kennen. Genutzt hat’s nix, der Film floppte und ist bis heute einer von Lynchs am meisten unterschätzten. Schade.

 

  1. ‚James Bond – 007 jagt Dr. No‘ – James Bond Theme – Monty Norman

Ja sicher, jeder Bond-Film hat seine ganz eigene Titelmelodie und seinen eigenen aufwändig produzierten Vorspann. Aber seien wir doch ehrlich, Monty Normans Titelmelodie zu „Dr. No“, die seitdem in jedem Bond-Film Verwendung fand, ist das erste woran wir denken, wenn wir die Worte „James“ und „Bond“ hören. Noch vor coolen Autos, schönen Frauen und Wodka Martinis geschüttelt, nicht gerührt!

 

  1. ‚Ghostbusters‘ (1984) – Ghostbusters – Ray Parker jr.

„Who you gonna call?“ Parker ließ sich von einem billigen Werbespot eines lokalen Unternehmens im Fernseh-Nachtprogramm inspirieren und schrieb den Titelsong als Pseudo-Werbejingle. Und der Charts-taugliche Titelsong wird dem Mega-Erfolg des ersten Ghostbusters Film sicherlich nicht abträglich gewesen sein. Daran konnte auch eine Plagiats-Klage von Huey Lewis, der meinte extreme Ähnlichkeiten zu seinem Song „I Want A New Drug“ zu erkennen, nichts mehr ändern.

 

  1. ‚The Mission‘ (1986) – Gabriels Oboe – Ennio Morricone

Hört man den Namen Morricone denkt man an Italo-Western Melodien. Eine reine Beschränkung auf diese würde aber der unglaublich umfangreichen Karriere dieses Workaholic Komponisten nicht gerecht werden. Dieses wunderbare, ruhige Stück aus dem Film ‚The Mission‘ zelebriert die Universalität von Musik aber brachte Morricone, zusammen mit dem Rest des Soundtracks, trotz Nominierung, nicht den reichlich verdienten Oscar ein. Eine der größten Fehlentscheidungen der Jury. Immerhin, ein Traum für Oboisten(?) überall, die bestimmt nicht viele Chancen für Soli bekommen.

 

  1. ‚Terminator‘ (1984) – Terminator Theme – Brad Fiedel

Fiedels treibendes, elektronisches Titelthema zu James Camerons Low Budget SciFi Hit versetzt den Zuschauer sofort in die passende Stimmung. Kalt, mechanisch und doch aufregend und aufreibend. Als „Herzschlag eines mechanischen Mannes“ hat Fiedel seine Melodie einmal treffend umschrieben. Sie ist heute mindestens so ikonisch wie Arnies „I’ll be back!“

 

  1. ‚Halloween‘ (1978) – Main Theme – John Carpenter

Man kann beinahe den erkaltenden Kaffee und den allgegenwärtigen Zigarettenrauch riechen, der vorgeherrscht haben dürfte, als Carpenter hinter seinem Keyboard saß und dieses Stück eingespielt hat. Wer hätte gedacht, dass er hier Magie schafft? Die Synthie-Melodie lässt nicht nur einen Film, sondern ein ganzes Genre, eine ganze Zeit vor dem inneren Auge erscheinen. Kein Wunder, dass viele heutige Horror-Regisseure, die mit diesem Thema aufgewachsen sind in ihren Soundtracks Hommagen leisten – oder schlicht abkupfern.

 

  1. ‚Jurassic Park‘ (1993) – Welcome to Jurassic Park – John Williams

Beinahe hätte ich die Titelmelodie genommen. Aber ich denke dieses Stück ist besser darin deutlich zu machen, was den ersten ‚Jurassic Park‘ auszeichnet. Das Staunen, der „sense of wonder“, der hier in jeder Note John Williams‘ mitschwingt ist etwas, das allen Nachfolgerfilmen auf ganz frappierende Weise fehlt. Hier beginnt es leise und steigert sich zum Bombast. Alle anderen beginnen bei Bombast und bleiben da.

 

  1. ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘ (1981) – Raiders March – John Williams

Ich könnte irgendwen von Euch auffordern die Indiana Jones Titelmelodie zu summen, pfeifen, auf dem Kamm zu blasen oder nachzurülpsen. Und es besteht die allerhöchste Wahrscheinlichkeit, dass Ihr das wiedererkennbar hinbekommen würdet. Selbst wenn ihr Indiana Jones nie gesehen habt. Nicht nur eines der am meisten gespielten Soundtrackstücke, hier schafft es Williams schon in der Musik den Bogen zu schlagen vom 30er Jahre Serial über James Bond bis zum Bombast der frühen 80er.

 

  1. ‚Zwei glorreiche Halunken‘ (1966) – Titelmelodie – Ennio Morricone

Das ist das Stück, an das man denkt, wenn man das Wort Italo-Western hört. Morricone zeichnet für jede Menge Italo-Western-Soundtracks verantwortlich und sicherlich für einige der besten, sei es für Filme von Leone oder Corbucci. Aber dieses Stück hier ist was den Italo-Western definiert. Jede Hommage, jede Parodie wird sich zwangsläufig immer an dieser Melodie orientieren müssen. Pistolen, Kojoten, Kanonen und Schlangen sind zu hören. Die Titelmelodie fasst den Film bereits zusammen.

 

  1. ‚Star Wars: Das Imperium schlägt zurück‘ (1980) – Imperial March – John Williams

Okay, ein Star Wars Stück auszuwählen war nicht ganz einfach. Dass es die Nummer 1 sein würde war eigentlich von Anfang an klar, aber was nehmen? Die ikonische Titelmelodie wäre die offensichtlichste Wahl. Das Stück der Cantina Band wäre die Außenseiteroption, ohne falsch zu sein. Duel of the Fates das mit Abstand beste an Episode I. Aber letztlich kann ich gar nicht anders als den Imperial March zu wählen. Als eines der besten Beispiele für ein Leitmotiv, ist das Stück untrennbar mit Darth Vader verbunden und kann durchaus effektvoll eingesetzt werden, wenn zum Beispiel nach seiner Läuterung eine leicht veränderte Harfenversion ertönt oder nur einige Noten des Themas gespielt werden, wenn Kylo Ren den Helm seines Großvaters betrachtet.

 

Lasst uns über Filme klönen: Warum Horror?

Teil 1: Theater, Mord und Politik

Im Herbst des Jahres 1962 schloss das Pariser „Théâtre du Grand Guignol“ seine Pforten. Das mit weniger als 300 Plätzen für Pariser Verhältnisse winzige Theater war 1897 gegründet worden. Ein Abend bestand aus einer Handvoll kurzer Vorstellungen. Waren anfangs vor allem derbe Komödien erfolgreich, zeigte sich schnell, dass sich das Publikum vor allem für die Horror-Stücke begeisterte. Grausamkeiten aller Art, Mord, Folter, Vergewaltigung, brutale Rache aber auch Krankheit und Krieg wurden dem Publikum hier in möglichst blutigem Detail präsentiert. Schauspielerin Paula Maxa schätzt, dass sie zwischen 1917 und 1930 etwa 10.000 mal auf mindestens 60 verschiedene Arten ermordet wurde1. Den Grund für das Anfang der 60er Jahre schwindende Interesse suchte Charles Nonon, der letzte Direktor des „Grand Guignol“, im 2. Weltkrieg und im Holocaust. Nichts könne diesen wahren Schrecken gleichkommen, meinte er. Da hat er sicherlich Recht. Doch da war noch etwas Anderes, etwas dem sein nicht sehr altes und nicht sehr ehrwürdiges Theater nichts entgegenzusetzen hatte. Der Unterhaltungsmoloch des 20ten Jahrhunderts hatte zu ihm aufgeschlossen: der Film. Auch die Filmemacher, ebenso wie das Publikum hatten die unfassbaren Schrecken des Krieges gesehen, hatten gesehen, was Menschen bereit sind einander anzutun. Nach einer Pietätsphase von 15 Jahren tauchten diese Schrecken nun im Film auf. Die Schreckgestalten wurden Menschen, wie Du und ich. ‚Psycho‘ (1960) aus den USA, ‚Peeping Tom‘ (1960) aus Großbritannien, ‚Les Yeux sans Visage‘ (1960) aus Frankreich oder ‚Onibaba‘ (1964) aus Japan. Die Täter waren Menschen, wie die Opfer und die Taten erreichten eine neue Qualität blutiger Grausamkeit, z.B. in ‚Blood Feast‘ (1963), der allgemein als erster Splatterfilm gilt. Diese Filme schienen förmlich hervorzubrechen, der Zeitgeist nach ihnen zu verlangen. Es war eine kleine Revolution im Horrorfilm und nicht die erste. Weiterlesen