Kurz und schmerzlos Folge 10: ‚Oats Studios – Volume 1 – Rakka‘ (Neill Blomkamp)

Nachdem sein ‚Alien‘-Projekt wohl endgültig gestorben ist, hat Neill Blomkamp (‚District 9‘, ‚Chappie‘) doch noch eine Möglichkeit gefunden Sigourney Weaver und bösartige Aliens in einen Film zu bekommen. Im Kurzfilm ‚Rakka‘ haben echsenähnliche Außerirdische die Welt übernommen, scheinen aber weniger an Kontrolle und mehr an einem völligen Genozid der Menschheit interessiert. Natürlich formiert sich ein Widerstand unter der Leitung von Jasper (Weaver). Eine Möglichkeit zum Zurückschlagen könnte sich ergeben, als der von den Aliens veränderte Amir (Eugene Khumbanyiwa ) gefunden wird.

Arg finster, was Blomkamp hier inszeniert. Die Alien-Invasoren schrecken vor nichts zurück, gelegentlich überschreitet das vielleicht die Grenze zur Albernheit. „Sie haben unsere Monumente mit Leichen überzogen“ Okay Neill, ich glaub Dir, dass sie fies sind. Thematische Ähnlichkeiten zu ‚District 9‘ – unter umgekehrten Vorzeichen – sind deutlich erkennbar. In einem Interview bestreitet Blomkamp zwar direkte politische Vergleiche ziehen zu wollen, die namentlich Ähnlichkeit des Films zur heftig umkämpften syrischen Stadt wäre allerdings schon ein ziemlicher Zufall. Weaver und die anderen Darsteller sind nicht sonderlich gefordert, zu sehr scheint dieser Kurzfilm darauf ausgelegt seine Welt zu erschaffen. Wird es Fortsetzungen in Form weiterer Kurzfilme geben? Einen Kinofilm? Wer weiß.

Für Fans von Blomkamp und düsterer Science Fiction sicher ein kleiner Leckerbissen.

Kurz und schmerzlos Folge 9: ‚Subconcious Password‘ (2013)

Kennt ihr dieses furchtbare Gefühl? Ihr trefft jemanden wieder, den ihr seit Jahren nicht gesehen habt, er scheint sich an alles zu erinnern aber ihr wisst nicht einmal mehr seinen Namen?

Der kanadische Animator Chris Landreth zeigt in seinem merkwürdigen, 3-D-animierten Kurzfilm ‚Subconcious Password‘ die furchtbare Quizshow, die das Gehirn auf der Suche nach dem entfallenen Namen durchmacht. Mehr oder weniger unterstützt von allerlei Berühmtheiten, Autoren und dem einen oder anderen Monster (jeder etwas anders animiert für den größtmöglichen Verfremdungseffekt) versucht das Hirn des Hauptcharakters sich an den Namen zu erinnern. Für die Realaufnahmen kam Pixilation zum Einsatz, jenes Stop-Motion Verfahren, das auch schon Landreths kanadischer Kollege Norman McLaren benutzt hat. Abgedreht, merkwürdig, lustig und doch lebensnah:

Kurz und schmerzlos Folge 8: Neon-SciFi Doppelpack

Heute wird es mal mehr atmosphärisch als besonders tiefgängig. Als erstes im Angebot wäre hier ‚Lost Boy‘, in dem eine Mad Max-eske Frau vor einem Borg-Zylonen-Terminator flieht:

Für einen Kurzfilm optisch sicherlich beeindruckend. Und die Musik hat mir auch gefallen. An sich aber mehr ein „Proof of Concept“, als runde Erzählung.

Eine ebenfalls interessante, ebenfalls Neon-geprägte aber ansonsten gänzlich andere Optik bringt der kurze Animationsfilm ‚Fisherman‘ mit. Ich bin nicht vollkommen sicher worum es geht, aber der Film hat dafür gesorgt, dass ich Begriffe wie „Fischradar“ und „Fischtechniker“ im (Fisch)Kopp habe, kann also nicht ganz schlecht sein.

 

Kurz und schmerzlos Folge 7: 12 essentielle Kamerafrauen

Hinter der Kamera herrscht in der Filmindustrie, sei es Hollywood oder anderswo, nach wie vor ein extremes Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen. Nirgendwo ist dieses Ungleichgewicht höher als „direkt hinter der Kamera“, bei den Kameraleuten. Bei den 250 finanziell erfolgreichsten Filmen von 2015 haben war nur bei 6% der Filme eine Frau hinter der Kamera. Wenn man sich den „Celluloid Ceiling“ Bericht anschaut, kann man die Entwicklung wohlmeinend als positiv betrachten, 1998 waren es schließlich nur 3%. Oder aber man betrachtet es zynischer und sieht die paar Prozentpunkte als Fluktuation an. „Cinematography“ ist denn auch der einzige Bereich, in dem noch nie eine Frau für den Oscar nominiert war.  Das Merkwürdige ist, dass im, letztendlich sehr ähnlichen, Bereich der Fotografie Frauen sehr gut Fuß gefasst haben (mein Eindruck, Daten habe ich da keine!)

Wie bricht man einen solchen „nur für Jungs“ Club nun auf? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, bin ich doch beim ganzen Filmgeschäft im wahrsten Sinne des Wortes nur Zuschauer. Liegt das Problem schon in der Ausbildung, wo Frauen das ebenso alte wie idiotische Bild von „das ist zu technisch für euch“ vermittelt wird? Ist es schlicht eine gewachsene Entwicklung von „das macht man als Frau halt nicht“? Liegt es daran, das gerade die Arbeit hinter der Kamera für Frauen unattraktiv ist (unwahrscheinlich aber nicht unmöglich)? Wie gesagt, ich habe darauf keine guten Antworten, ich weiß nur das vielleicht ein Projekt, wie das von Jacob Swinney vom amerikanischen Streaming-Dienst Fandor gar nicht verkehrt ist. In einem vierminütigen Video Essay präsentiert er 12 essentielle, derzeit arbeitende Kamerafrauen.

Ich hoffe das diese Art der Präsentation dazu beitragen kann Vorurteile abzubauen und bei interessierten Frauen Berührungsängste mindern kann. Wer mehr zu dem Thema lesen möchte, dem sei dieser Artikel auf nofilmschool nahegelegt, in dem 5 Kamerafrauen ihre Vorstellungen von ihrer  Rolle beim Film darlegen.

Die vorgestellten Filme sind vermutlich alle sehenswert und wer wissen möchte was ich von ‚Creed‘ und ‚The Rover‘ halte, der zögere nicht auf die Links zu klicken. Besondere Empfehlungen gibt es von mir weiterhin für den wahnsinnigen ‚Holy Motors‘, einen französischen Film, um einen Mann, der zwischen verschiedenen Rollen hin- und herspringt, sowie für ‚Von Menschen und Göttern‘, der sich mit dem Schicksal von 7 katholischen Mönchen beschäftigt, die 1996 in Algerien entführt werden.

PS: ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass es in anderen Bereichen hinter der Kamera eine Gleichverteilung der Geschlechter gäbe (ein Blick in den „Celluloid Ceiling“ Bericht reicht, um das zu widerlegen) aber beim Beruf der Kamerafrau ist es am deutlichsten.

PPS: gibt es so etwas wie den „Celluloid Ceiling“ Bericht für andere Länder? Insbesondere Deutschland?

Kurz und schmerzlos Folge 6: ‚Spitzendeckchen‘

Es ist seltsam aber wenn ich über österreichischen Film schreibe, dann ist es üblicherweise über Horrorfilm. Irgendwie haben unsere südlichen Nachbarn einen Weg gefunden, der mir direkt unter die Haut geht. Sei es ‚Ich seh, ich seh‘ (nur beim Schreiben des Titels schüttelt es mich schon wieder etwas) oder einer meiner ewigen Favoriten, ‚Hotel‘ (ihr habt den inzwischen alle gesehen oder? *hält drohend einen Legostein in die Höhe*).

‚Spitzendeckchen‘ kommt zunächst gar nicht daher, wie ein Horrorfilm, der Ton scheint zu locker und leicht und doch entfaltet die Idee rund um eine Wohnung, die keine Veränderung akzeptiert, nicht mal bei ihren Bewohnern durchaus ihre gruselige Wirkung. Die Idee, dass die Wohnung selbst eine bösartige Entität darstellt und ansonsten keinerlei Monster oder Mörder auftauchten kam Regisseur Dominik Hartl als er bemerkte wie viele sehr junge Studenten in Wien in sehr alten Wohnungen wohnten, die vielleicht häufig eine recht finstere Geschichte haben könnten.

Er erzählt hier in rund 25 Minuten die Geschichte von Anna, deren Freund gerade mit ihr Schluss gemacht hat und die deshalb eine neue Bleibe braucht. Die Wohnung, die ihr angeboten wird klingt eigentlich zu gut um wahr zu zu sein. . .

Der Kurzfilm erlaubt sich, nach einem fulminanten wie augenzwinkernden Auftakt, keinerlei Fehltritte und unterhält (und verstört) über seine kurze Laufzeit perfekt. Der Film stellt Hartls Bachelor-Abschlussarbeit dar und hat eine Reihe Preise eingefahren, was vermuten lässt, dass da in der Zukunft noch Großes auf uns warten könnte.

Viel spaß mit den *schauder* Spitzendeckchen:

Kurz und Schmerzlos Folge 5: 121 Jahre Horror

Vimeo Nutzer Diego Carrera hat ein Video-Essay erstellt, in dem er einen Horrorfilm aus jedem Jahr von 1895 bis 2016 zeigt. Er ist sehr gut darin, ästhetische Clips aus den Filmen auszuwählen, stellt Dinge clever dar, wie den Übergang zum Tonfilm und hat somit in 10 Minuten ein Werk geschaffen, dass dem Zuschauer zahlreiche neue Anregungen zum Anschauen gibt (auch wenn ich erschreckend viele der Filme schon gesehen habe).

Seine Aufzählung hat er nach den Parametern Einfluss und ästhetische Schönheit gewählt. Ich denke die Liste ist sehr gelungen aber es fließt immer auch persönlicher Geschmack mit ein, deshalb wäre es idiotisch jetzt an der Liste herumzukritteln. . .

aber mal ganz ehrlich, 2002 hätte ‚May‘ sein müssen und wo ist ‚Häxan‘, man kann so eine Liste doch nicht ohne ‚Häxan‘ erstellen und Coppolas ‚Dracula‘? Im selben Jahr kam ‚Candyman‘ raus! Und aaah! *Abgang rechts, verfolgt von Bär*

Wir möchten uns für den unqualifizierten Ausbruch unseres Mitarbeiters entschuldigen und kehren jetzt zurück zu unserem gewohnten Programm!