Kurz und schmerzlos 20: ‚In a Nutshell‘ (2017)

Dieses Jahr möchte ich die „kurz und schmerzlos“ Rubrik etwas mehr hegen und pflegen als in den letzten. Und was wäre da besser als das Jahr mit einem Kurzfilm zu beginnen, der schon einmal auf der Longlist für den Oscar gestanden hat. Wenn man ‚In a Nutshell‘ des Schweizers Fabio Friedli (der als Pablo Nouvelle auch Musik macht) das erste Mal schaut ist man vermutlich überfordert. Denn der Film will absichtlich in seinen wenigen Minuten Laufzeit so viel mehr vermitteln als man fähig ist aufzunehmen. Die unfassliche Objektvielfalt eines ausufernden Materialismus haut er uns um die Ohren, mit der halsbrecherischen Geschwindigkeit einer unüberschaubaren Informationsgesellschaft. Anhand dieser Objekte erfasst er den Menschen und die Menschheit. Geburt, Hunger, Lust, Liebe und Tod. Religion, Fortschritt, Politik, Krieg und Apokalypse. Ein Hoch auf den Menschen und bittere Kritik. Präsentiert in einer ebenso eleganten wie hypnotisierenden Bilderflut. Ein beeindruckendes Stück Stop-Motion.

Kurz und schmerzlos 19: ‚An Island‘ (2018) und ‚Scrambled‘ (2018)

Weiter geht es mit Kurzfilmen, nach dem Halloween-Special sind wir heute aber weit von Horror entfernt. Unsere heutigen beiden Filme haben einiges gemeinsam und könnten doch kaum unterschiedlicher sein. Beide sind sehr schöne Animationsfilme und beide kommen vollständig ohne Dialoge aus. Und in beiden geht es um eine Art von Streben. Die Unterschiede liegen vor allem in der Bandbreite dessen, was sie abbilden wollen.

‚An Island‘

In ‚An Island‘ des Iren Rory Byrne geht es um die Überwindung von Trauer, symbolisiert durch die steilen Klippen „einer Insel“. Ein Mann macht sich daran sie zu ersteigen, was bald zu einer Art Visionssuche wird.

‚Scrambled‘

Der Ansatz von ‚Scrambled‘, der bei den Niederländern von Polder Animation unter Regie von Bastiaan Schravendeel entstanden ist, fällt deutlich kleiner aus. Es ist eine alltägliche Situation: eine junge Frau verpasst spät abends ihre Bahn und ein fortgeworfener Rubiks-Würfel setzt alles daran von ihr gelöst zu werden. Okay, so alltäglich ist das vielleicht doch nicht. Der Film ist in seinen Themen um analoges vs. digitales Spielen und Denken nicht zu aufdringlich und ist, trotz seiner fantastischen Prämisse mehr daran interessiert einen momentausschnitt eines gewöhnlichen Ereignisses zu zeigen. Besonders beachtenswert, mit wie wenig Animation es gelingt den Würfel zu einem sympathischen „Charakter“ zu machen.

 

Entspannter Einstieg in den Jahresendspurt

Heute bin ich mal faul und schreibe keinen Artikel. Ich finde, das habe ich mir nach dem reichlich gefüllten Oktober verdient. Es hat mich sehr gefreut, mit welchem Interesse Ihr die Kurzfilmreihe angenommen habt, ich war mir nicht sicher, ob die nicht zu Übersättigung führen würde. Auch bin ich froh darüber, meine „Spuktakulären Filmmonster“ (irgendwer sollte mir wirklich verbieten Titel auszudenken) beinahe bis zum gewünschten Ende gebracht zu haben. Auch wenn die letzten beiden Artikel über „Slasher“ und „Aliens“ durchaus etwas anstrengend zu schreiben waren. Dann war da noch der Gastbeitrag von Herrn Legosi, aber je weniger wir über den sagen, umso besser… Als Vorsatz für den nächsten Oktober, bleibt mir wie bei so vielem nur, dass ich das Ganze vermutlich ein wenig besser vorbereiten sollte.

Für die kommenden Samstage habe ich schon eine Reihe Ideen, bei denen ich mich darauf freue sie hier mit Euch zu bequatschen. Und alle Horrormuffel unter den Lesern können sich freuen: das Thema steht jetzt erst einmal nicht mehr auf dem Programm. Natürlich kann es aber jederzeit unerwartet aus einer finsteren Ecke springen, das liegt nun mal in seiner Natur.

So, bevor noch jemand zu Recht darauf hinweist, dass das jetzt schon erstaunlich viele Worte dafür sind, dass Ihr hier heute eigentlich nichts lest, höre ich an dieser Stelle lieber auf und wünsche einfach ein schönes Wochenende!

Ach, wisst Ihr was? Wenn Ihr eh hier seid, kann ich Euch auch noch einen Kurzfilm mit auf den Weg geben. In ‚The Heist‘ stellen zwei gutaussehende Hochstapler ein Team aus wirklich sämtlichen Klischees für den „großen Raub“ zusammen.

Kurz und schmerzlos Halloween Finale: ‚Welcome to Bushwick‘ (2018)

Ich hoffe Ihr hattet Spaß an meiner kleinen Kurzfilmreihe durch den Oktober. Mein Ziel war es ein möglichst großes Spektrum an Horrorshorts zu präsentieren. Ich glaube das ist mir auch weitgehend gelungen. Mich würde allerdings noch interessieren, welcher Film Euch am besten gefallen hat.

Doch kommen wir zu heutigen Kandidaten. Der ist, wenn Ihr ihn direkt an Halloween schaut, gerade einmal seit 2 Tagen im Netz. Eine solche brandheiße Präsentation wird natürlich nur möglich, wenn man so verplant ist wie ich und der finale Film nicht schon seit einem Monat feststand… Wie dem auch sei, Regisseur Henry Jennings gelingt es hier typische soziale Ängste, etwa die bei einem ersten Date, zu einem echten Horrorerlebnis zu verdichten. Viel Spaß und Happy Halloween, oder schönen Reformationstag, wenn Euch das lieber ist.

Kurz und schmerzlos Halloween Special 7: ‚Conventional‘ (2015)

Man kann sich wohl darüber streiten, ob der heutige Kurzfilm eigentlich als Horror zu klassifizieren ist. Ich sehe genug Argumente dafür, weil er im Horrorumfeld spielt und einen ganz eigenen existenziellen Horror anspricht. Karen Gillan, ehemalige ‚Dr. Who‘ Companion und derzeit Gamora im Marvel Universum gibt hier die ehemalige „Scream Queen“, die auf Horror-Conventions versucht von ihrem verblassenden Ruhm zu zehren. Die Angst vor einem „konventionellen“ Leben treibt sie zu reichlich grauenhaften Botox Verunstaltungen und Selbsterniedrigung. Sie erinnert ein wenig an eine Miniatur Norma Desmond aus ‚Sunset Boulevard‘. Jemand der vom Ruhm gekostet hat und nun nicht mehr ohne ihn auskommen kann. Gillan spielt diesen Charakter hier aber nicht als totale Parodie, sondern durchaus mit einigem Pathos. Ihr Spiel ist denn auch der Höhepunkt des Films, denn die Regie (für die Gillan ebenfalls verantwortlich zeichnet) ist gelegentlich etwas uneben.

Kurz und schmerzlos Halloween Special 6: ‚Born Again‘ (2016)

Wir kennen womöglich alle einen Greg. Immer ein bisschen zu spät. Immer ein bisschen verplant. Das kann nerven, wenn Greg das Bier zum Grillen mitbringen soll und stattdessen mit Knobibrot auftaucht. Wenn er aber der 5 Zacken im Pentagramm des örtlichen Satanistenzirkels ist, der so kurz davor steht den Antichristen in die Welt zu bringen, dann kann seine Verplantheit furchtbare(?) Folgen haben.

Jason Tostevins Film sollte eigentlich für einen Kurzfilmwettberb entstehen, wurde aber, ironischer Weise, zu spät fertig. Aber die Idee hat den Macher nicht mehr losgelassen und das ist gut. Denn sein kleiner 5minüter ist lustiger als so manche abendfüllende Komödie.