Newslichter Ausgabe 80: Lange Haare, schnelle Igel und untote Bräute

Willkommen bei Ausgabe 80 des Newslichters. Windig, warm und wässerig, so präsentiert sich dieser Februar. Da ist es doch schön, es sich gemütlich zu machen mit einer heißen Tasse Irgendwas und den Newslichter zu lesen. Und wer aus dieser nichtssagenden Einleitung folgern möchte, dass mir nichts Besseres eingefallen ist, ist ein Schelm, wenn nicht gar ein Schlingel. Und was soll das überhaupt heißen, nichtssagend? Nun, wie auch immer es folgen, wie üblich, einige kommentierte Filmmeldungen, die mir bedeut- oder unterhaltsam erschienen (okay, das IST nichtssagend…). Wie auch immer, legen wir los!

 

Dark Universe: „It’s alive! It’s ALIVE!!!“

https://screenrant.com/bride-frankenstein-movie-reboot-happening-dark-universe-failure/

Zumindest scheint es, als wäre das von Universal totgesagte Dark Universe wenigstens untot. Und dafür brauchte es nicht einmal ein Labor mit diesen Blitzdingern und 30er Jahre Hebeln, für die man beide Hände braucht um sie umzulegen und die dann das Labor in die Luft jagen. Nicht nur läuft bald ‚The Invisible Man‘ an und nicht nur ist Paul Feigs mysteriöses ‚Dark Army‘-Projekt immer noch in Gang, nein jetzt soll es auch tatsächlich noch ein Remake von ‚Frankensteins Braut‘ geben. Wenn auch nicht mehr das ursprünglich geplante Großprojekt mit Angelina Jolie als Braut und Javier Bardem als Monster. Beide scheinen beinahe sicher nichts mit dem neuen Projekt zu tun zu haben. Im Gespräch für die Regie ist allerdings Sam Raimi. Der, wie letzte Woche berichtet, ebenfalls in Gesprächen mit Disney für ‚Doctor Strange 2‘ ist. Ich meine, ich ahne welcher Gehaltsscheck erheblich höher sein dürfte, ich weiß aber auch welchen Film ich von ihm lieber sehen würde. James Whales augenzwinkerndes, campy Original gehört zu meinen Favoriten unter den ursprünglichen Universal Monsters und ich glaube Raimi wäre bestens in der Lage diesen Ton modernisiert einzufangen. Jedoch sollten wir vermutlich erst einmal abwarten ob der ‚Invisble Man‘ überhaupt ein Erfolg wird. Denn wenn der auch wieder komplett floppt, dann dürfte Universal wohl endgültig die Nase vollhaben von dunklen Universen.

 

‚Sonic‘ rennt an die Spitze der Videospielverfilmungen

https://screenrant.com/sonic-hedgehog-movie-box-office-opening-weekend/

Für nicht-Franchise Filme mit animierten Tierwesen endete 2019 schlecht mit ‚Cats‘ und 2020 startete nicht viel besser mit ‚Die fantastische Reise des Dr. Dolittle‘. Welche Chancen hat da ein blauer Videospieligel, dessen Trailer bereits übel verrissen wurde? Erstaunlich gute, wie sich zeigt. ‚Sonic‘ legt den finanziell besten Kinostart einer Videospiel-Verfilmung überhaupt hin. Woran liegt es? An den Rezensionen, die sich hauptsächlich irgendwo zwischen „besser als erwartet“ und „okay“ bewegen wohl eher nicht. Liegt es an der derzeit mangelnden Blockbusterkonkurrenz? Gemäß dem alten Sprichwort „Im Land der Blinden rennt der einbeinige Igel schnell“. Vielleicht. Aber womöglich war auch tatsächlich die ganze Trailerschelte und die anschließende Verbesserung der CGI Darstellung maßgeblich. Womöglich hat genau das mehr Leute aufmerksam auf den Film gemacht. Sicher, bei ‚Cats‘ spielte sich Ähnliches ab, allerdings waren da die Verbesserungen am kritisierten CGI bestenfalls marginal. Ich möchte diese Spekulation noch einmal nutzen, um auf den Umgang mit den CGI Künstlern, eben genau jenen die jetzt Sonics Erfolg ermöglichen, hinzuweisen, die 2 Wochen vor Weihnachten von heute auf morgen ihren Job verloren. Davon ab frage ich mich, ob das in Zukunft dazu führen wird, dass wir frühe Trailer mit absichtlich hässlichem CGI sehen werden, damit große Versprechungen gemacht werden können hier nachzubessern. Ich vermute, dass ist ein Trick, den man nur einmal durchziehen kann. Und dafür muss man schnell sein. Und vermutlich ein blauer Igel. Oder es liegt an Jim Carrey. Ich meine, könnte doch sein, oder?

 

Live Action Rapunzel vom Haus der Maus

https://screenrant.com/disney-rapunzel-tangled-live-action-movie/

Disney arbeiten sich mit geradezu beängstigender Geschwindigkeit durch ihr sehr tiefes Archiv an animierten Klassikern, um sie als „Realfilmen“ (mit jeder Menge CGI) neu umzusetzen. Mit gigantischem Erfolg an den Kassen, aber mäßiger Kritikerantwort. Erst letztens habe ich die Theorie gelesen, Disney bestünde darauf, dass ‚König der Löwen‘ ein Realfilm sei, weil sie ihn nicht ins Rennen um den Animations-Oscar schicken wollten. Weil sie Sorge hatten nicht zu gewinnen. Ganz unglaubwürdig klingt das nicht, aber vielleicht wollten sie ihrem eigenen Pixar-Film ‚Toy Story – Alles hört auf kein Kommando‘ (der deutsche Titel ist immer noch… Ihr wisst schon) auch einfach keine hauseigene Konkurrenz machen. Klingt fast plausibler. Wie auch immer, jetzt sind sie bei der Remakerei schon beim ersten CGI Film angekommen. ‚Rapunzel – neu verföhnt‘ war nicht nur sagenhaft teuer, er wurde auch ein gigantischer Erfolg und leitete vor 10 Jahren das Ende der klassischen Animation bei Disney ein. Bald darauf wurde er beinahe vollständig von ‚Die Eiskönigin‘ überschattet und ist seitdem ein wenig vergessen. Vielleicht nicht zuletzt deswegen steht jetzt bei Disney eine Realfim Rapunzel (Realpunzel?) auf dem Programm. Ob die sich allerdings an „neu verföhnt“ orientiert, oder das klassische Märchen komplett neu interpretiert ist noch nicht ganz klar. Aber falls es Letzteres ist, dann gibt es doch noch so viele Grimmsche Märchen, die auf eine Verfilmung warten. Warum immer wieder dieselben fünf. Rotkäppchen ist ein Grimm-„Superstar“ ohne Disneyfilm oder auch die Bremer Stadtmusikanten. Und Frau Holle etwa wartet sicher auch auf ihren Moment. Oder Der Teufel mit den drei Goldenen Haaren (ein Favorit von mir als Kind). Von den Sieben Schwaben ganz zu schweiga…

 

Das war‘s. Nächste Woche geht es weiter, dann sicher auch mit (marginal) besserer Einleitung.

Newslichter Ausgabe 79: Academy-Erinnerung, Zauber-Raimi und Cluedo?

Willkommen bei Ausgabe 79 des Newslichters. Die Oscars sind verliehen, die Diskussionen laufen noch und auch beim Newslichter werden wir sie zumindest am Rande berühren. Ansonsten war diese Woche nicht wahnsinnig viel los. Taika Waititi bestreitet eine der Neuigkeiten des Newslichters der letzten Wochen, nämlich, dass er in Gesprächen um die Regie bei einem ‚Star Wars‘ Film sei. Das kann natürlich alles und nichts bedeuten, schließlich gibt es zu allem aus dem Blockbusterbereich Geheimhaltungsverträge. Wir werden sehen. Ich wollte es hier nur nicht ganz verschweigen. Und nun legen wir für diese Woche los!

 

Die Academy und die Erinnerung

Ich kann zu den diesjährigen Oscars, wie so oft, nicht allzu viel sagen, weil ich noch zu wenige der nominierten/ausgezeichneten Filme gesehen habe. Erwähnt sei aber immerhin, dass ich mich für Bong Joon-ho sehr freue. Auf das seine bisherige Filmografie mehr Zuschauer bekomme!

Doch zu einer Sache kann und muss ich leider (mal wieder) etwas sagen: das inzwischen leidige „In Memoriam“ Segment, mit welchem die Academy im letzten Jahr verstorbene Beteiligte am Film, vor und hinter der Kamera, ehren will. Und sich dabei immer wieder unbeliebt macht, siehe etwa meinen Text zur Auslassung von Tobe Hooper. Die „Vergessenen“, die dieses Jahr den meisten Unmut verursachten waren die tragisch früh verstorbenen Luke Perry (52 Jahre) und Disney Channel Star Cameron Boyce (20 Jahre). Bei beiden mag man argumentieren, dass sie eher für Fernseh- als Filmauftritte berühmt waren, Perrys Gastauftritt in ‚Once Upon A Time in Hollywood‘ ist zwar nicht lange her, aber sagen könnte man es, doch fände ich das ein etwas unpassendes Argument. Aber eines, das womöglich auch für die Auslassung etwa von ‚Airwolf‘-Pilot Jan-Michael Vincent, oder ‚ALF‘ Kumpel Willie Tanner-Darsteller Max Wright ins Feld geführt werden könnte. Vielleicht auch für den Darsteller des Odo aus ‚Deep Space Nine‘, René Auberjonois. Wobei spätestens der auch eine ansehnliche Filmografie vorzuweisen hat. Wenn auch sicher keine so umfangreiche wie Sid Haig, der in fast 150 Filmen mitgespielt hat. Das mögen zwar nicht unbedingt Oscar-Anwärter gewesen sein, doch eine Rolle wie seinen sadistischen Captain Spaulding aus ‚Devils Rejects‘ vergisst man nicht, egal was man von dem Film ansonsten halten mag. Auch Autor/Regisseur Larry Cohens Filme mögen nicht wirklich Oscar-Material gewesen sein, doch sollte das zum einen keine Voraussetzung sein, zum anderen gilt auch hier, man mag von ‚American Monster‘ halten was man will, vergessen wird man diese Stop Motion Kreatur eher nicht.

Doch kann man durchaus auch vergessen werden, selbst wenn man „Oscar-Material“ ist, wie der Fall Michael J. Pollard zeigt. Der war 1968 für seine Rolle in ‚Bonnie & Clyde‘ für den Preis nominiert. Außerdem war er eine dieser Charakterköpfe, eines dieser nicht eben hübschen, aber dafür unvergesslichen Gesichter, von denen es in Hollywood immer weniger gibt.

Seht mal Academy, ein Stück weit verstehe ich Euch sogar. Ihr könnt in Zeiten schwindender Zuschauerzahlen kein 15 Minutensegment für die Nennung Verstorbener, von denen kaum einer Eurer Zuseher gehört hat, zusammenstellen. Das Problem ist, dass genau dieses Segment das einzige Eurer Veranstaltung sein sollte, das sich nicht wie ein Wettbewerb anfühlt. Voraussetzung für eine Erwähnung sollte nicht sein, dass der Name (noch) bekannt ist. Es sollte eine Geste allgemeiner Höflichkeit und Pietät gegenüber Mitarbeitern in Eurem Gewerbe sein. Ich will verdammt nochmal nicht raten müssen, ob jemand der Zeit wegen fehlt, weil irgendein hohes Academy-Mitglied sie nicht mochte, oder weil der verantwortliche Praktikant nicht googeln kann. Und dass Letzteres durchaus der Falls ein kann, zeigt die fälschliche Verwendung eines Bildes der (nachwievor) lebendigen, australischen Produzentin Jan Chapman im „In Memoriam“ von 2017. Dann beschränkt das Segment während der Übertragung halt auf die absoluten Superstars und setzt das vollständige Video auf Youtube, wo es sich Interessierte ansehen können. Ich verstehe wirklich nicht, wie das jedes Jahr erneut in die Hose gehen kann…

 

Superheldenrückkehr für Sam Raimi?

https://screenrant.com/doctor-strange-2-sam-raimi-director-in-talks/

Bekannt vor allem sicherlich für seine ‚Evil Dead‘ Filme, stand Regisseur Sam Raimi auch ganz am Anfang der Superheldenwelle des neuen Jahrtausends. Mit der ersten ‚Spider-Man‘ Trilogie, die er mit dem leider wenige gelungenen dritten Teil verließ. Und damit auch den Superheldenfilm an sich. Nun steht aber die Möglichkeit einer Rückkehr im Raum. Raimi soll sich, nach dem Weggang von Scott Derrickson, in Gesprächen für eine mögliche Regie im zweiten ‚Doctor Strange‘ Film befinden. Ein für Marvel sehr wichtiger Film, soll er doch eine neue Ära der engeren Verbindung zwischen MCU Filmen und den entsprechenden Serien auf Disney+ einläuten. Sollte Raimi für die Rolle ausgewählt werden, dann macht das meine Spekulationen, ob Derrickson gehen musste, weil er eher in eine Horror-Richtung wollte, vermutlich blödsinnig. Denn wenn ich weiter weg vom Horror will, dann hole ich mir wohl eher nicht den ‚Evil Dead‘ Mann ins Comicboot.

 

Mr. Reynolds im Filmzimmer mit der Neuverfilmung

https://movieweb.com/clue-reboot-director-james-bobin/

Cluedo ist einer dieser nicht totzukriegenden Dauerbrenner auf Brettspieltischen. Die heitere Mörderjagd existiert in allerlei mehr oder weniger abwegigen Editionen, von Sherlock Holmes bis Harry Potter. Auch eine Filmadaption gab es bereits, 1985 in Deutschland als ‚Alle Mörder sind schon da‘ erschienen. Der Film glänzte mit dem unvergleichlichen Tim Curry als Butler und vier verschiedenen Auflösungen von denen heute drei in Reihe am Ende des Films gezeigt werden (die vierte wurde als zu schlecht befunden). Aber ansonsten nicht viel. Nun wird es wohl eine neue Verfilmung des Stoffes geben. James Bobin (‚Muppets Most Wanted‘) soll die Regie übernehmen, die ‚Deadpool‘ Autoren Rhett Reese und Paul Wernick haben das Drehbuch geschrieben. Ernst wird sich der Film also mit ziemlicher Sicherheit nicht nehmen. Vor der Kamera scheint momentan einzig Ryan Reynolds gesichert, der den Film gemeinsam mit 20th Century FOX auch produziert. Welche Rolle Reynolds übernimmt ist noch unklar, allerdings darf man wohl, wie in jeder seiner Rollen seit Deadpool allerlei dumme Sprüche und vor allem Popkulturanspielungen erwarten/befürchten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie hoch die Synergie zwischen Brettspielenthusiasten und Kinogängern ist, dass sich eine solche Verfilmung wirklich lohnt.

 

Und das war es auch schon wieder. Bis nächste Woche!

Newslichter Ausgabe 78: unerwünschte Oscar-Vorhersagen, Vogel-Remake und Sarah Connor mag nicht mehr

Willkommen beim 78sten Newslichter! Heute wird es wieder mal ein wenig kürzer. Weil die News vor allem von Meldungen über neue Trailer in der „Superbowl“ Pause gefüllt waren. Und dazu kann ich hier nicht so richtig viel sagen. Aber ich habe mir dennoch ein paar News herausgefischt, die mir und hoffentlich Euch lesenswert erscheinen. Nicht reden werden wir über das geleakte Logo von Denis Villeneuves neuem Film ‚DUNC‘. Denn das lässt Warner überall entfernen wo es auftaucht. Vermutlich sind sie sauer, dass wir jetzt wissen, dass der Film ‚DUNC‘ und nicht ‚Dune‘ heißt. Ich vermute mal DUNCan Idaho ist diesmal der Hauptcharakter und nicht Paul Atreides. Okay, genug Quatsch, legen wir los.

 

Und der Oscar geht an…

https://deadline.com/2020/02/oscar-ballots-due-witter-firestorm-academy-prediction-site-1202850662/

Die „Academy of Motion Picture Arts & Sciences“ machte, kurz bevor die Abstimmungsperiode ihrer Mitglieder für die kommende Oscar-Verleihung endete, durch merkwürdige Tweets auf sich aufmerksam. Dort verkündete sie „Vorhersagen“ für die Gewinner in verschiedenen Kategorien. Was war hier denn los? Verrieten sie Abstimmungsergebnisse eines Mitgliedes? Ist gar alles ein abgekartetes Spiel und die Gewinner stehen längst fest? Sehen wir eine Panne vom Ausmaß des ‚La La Land‘/‘Moonlight‘-Umschlag-Hopplas von vor drei Jahren?

Nein, es stellt sich nur heraus, dass die Academy ihren Finger immer noch fest am Puls der Zeit hat. Denn während man sich in den USA ohnehin gerade über die Undurchschaubarkeit gewisser Wahl-Apps ärgert, wollte wohl auch die Oscar-Verleihung nicht hintanstehen. Offenbar hatte man ein Twitter-Widget falsch eingerichtet, in dem Nutzer ihre Oscar Vorhersagen abgeben konnten. Diese tauchten dann aber als Tweets der Academy selbst auf, anstatt als Tweets der anderen Nutzer an die Academy. So verstehe ich das jedenfalls. Aber falls das Ziel war, dass auf Sozialen Medien mehr über die Oscars geredet wird, wurde zumindest das erreicht. Wenn auch vielleicht nicht in der Art und Weise wie es gedacht war.

 

Die Krähe fliegt wieder?

https://www.moviepilot.de/news/nach-jason-momoa-aus-the-crow-remake-kriegt-neue-chance-1124997

Ein Remake von ‚The Crow‘ wurde vor ein paar Jahren schon einmal angekündigt. Damals sollte ‚Aquaman‘ Jason Momoa die Titelrolle übernehmen, in dem Film um einen Toten, der von einer Krähe auf die Erde zurückgeholt wird um Rache zu nehmen. Das letzte Remake verschwand aber spurlos, als nach und nach alle Beteiligten verkündeten nichts mehr damit zu tun haben zu wollen. Nun steht es wohl wieder auf dem Programm, nachdem drei Produktionsfirmen gemeinsam die Rechte an dem Stoff erworben haben.

Eigentlich ist ‚The Crow‘ in meinen Augen ein ganz guter Kandidat für ein Remake. Alex Proyas originaler Film fällt in jene Zeit als Comic-Verfilmungen noch durchaus experimentell sein konnten und sich ausprobierten. Der Zeit von ‚Tank Girl‘, ‚Dick Tracy‘, ‚Rocketeer‘ oder ‚Die Maske‘. Bevor ‚Spider-Man‘ und ‚X-Men‘ so ziemlich die Formel für den heutigen Comicfilm ausformulierten. Das macht ihn interessant, aber sicherlich nicht zu einem unantastbaren Meisterwerk. Der Film wird von seinen reichlich miserablen Fortsetzungen überschattet und wenn überhaupt, erinnert man sich heute fast nur noch an den tragischen Tod von Hauptdarsteller Brandon Lee, nachdem in einer Nahaufnahme die falsche Munition verwendet wurde.

Mein einziges Problem mit einem Remake wäre wohl, dass der Film für mich quintessentiell 90er Jahre ist. Wenn hier also etwas kommen sollte, würde ich mir das in dieser Periode angesiedelt wünschen. Ich bin mir nicht sicher ob ein ‚The Crow‘ der im Jahr 2020 spielt funktioniert.

 

Linda Hamilton scheint fertig mit Sarah Connor

https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/linda-hamilton-would-be-happy-never-return-terminator-1274687

Nachdem Linda Hamilton für ‚Dark Fate‘ noch einmal in die Rolle der Sarah Connor aus dem ‚Terminator‘ Franchise zurückgekehrt ist, scheint sie nun endgültig genug von der Figur zu haben. In einem Interview mit dem Magazin Hollywood Reporter antwortete die 63Jährige auf die Frage, ob sie sich vorstellen könnte noch einmal Connor zu spielen: „Nein. Irgendwas sagt mir… ich weiß nicht. Vielleicht in einer kleineren Version, wo nicht so viele Millionen auf dem Spiel stehen. […] Ich wäre sehr glücklich damit nie zurückzukehren. Also nein, ich habe wenig Hoffnung, ich wäre wirklich gerne durch damit.“ ‚Dark Fate‘ gilt allgemein als der beste Film der Reihe seit ‚Terminator 2‘, sowohl bei Kritik als auch bei den Zuschauern, die ihn gesehen haben. Nur ist das zum einen keine besonders hohe Hürde, die es zu überwinden gilt und andererseits haben ihn schlicht zu wenige gesehen. Die Zukunft der groß angelegten Trilogie jedenfalls ist nach dem mäßigen Einspielergebnis des Films mehr als fraglich.

Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich die ‚Terminator‘-Reihe ganz ähnlich wie Frau Hamilton. Wenn man sie schon partout nicht sterben lassen will, dann versucht doch mal wieder was Interessantes mit ihr. Mit einem kleineren Budget wie dem ersten Film. Jeder versucht krampfhaft den zweiten zu emulieren, ohne das je wirklich hinzukriegen, dabei ist der erste mindestens genauso gut. Macht einen dreckigen, kleinen neo noir SciFi Thriller anstatt wieder und wieder und wieder mit dem Blockbuster vor die Wand zu rennen. Ich glaube sogar, da ist noch Potential in der Serie, das liegt aber nicht einmal unbedingt in den Charakteren und sicherlich nicht im Zeitreise-Mumpitz, sondern in der Welt, die James Cameron hier skizziert hat. Oder schmelzt den Terminator halt mal endgültig ein. Dafür gäb‘s von mir auch einen Daumen nach oben. Hasta La Vista, Baby!

 

Und das war es für heute. Wir sehen uns nächste Woche hier wieder!

Newslichter Ausgabe 77: Das Ding, die Schlange, der Agent und der Betrüger

Willkommen beim 77sten Newslichter! Die Reboot/Remake Phase Hollywoods scheint sich langsam aber sicher dem Ende zu nähern. Das bedeutet, wie wir diese Woche sehen werden, dass man es ein zweites Mal versucht, wo es beim ersten Mal nicht funktioniert hat, oder gleich ganz unten am tiefsten Boden des Schlangenfasses kratzen muss. Aber es gibt auch Franchises, die haben sich schon sehr oft selbst neu erfunden und funktionieren immer noch. Das womöglich dienstälteste von diesen steht jetzt aber vielleicht zum Verkauf. Außerdem: Lachen über den Wolf of Wall Street. Legen wir also los!

 

Remake oder Neuverfilmung? ‚The Thing‘ kommt wieder

https://screenrant.com/thing-movie-remake-universal-blumhouse-new-novel/

Es gibt Aspekte an John Carpenters großartigem ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ von 1982, die gerne vergessen werden. Zum Beispiel, dass es bei Erscheinen ein ganz übler finanzieller Flop war, der Carpenters Karriere aus der Bahn zu werfen drohte. Oder, dass es sich um ein Remake von Christian Nybys ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ von 1951 handelt. Aber ist es wirklich ein Remake? Ist es nicht vielmehr eine sehr eigene Neuverfilmung der Romanvorlage „Who Goes There?“ von John W. Campbell? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Fraglos ist hingegen, dass Universal sich 2011 an einen Reboot/Remake/Prequel versuchte, wieder unter dem Originaltitel ‚The Thing‘, der diesmal auch im Deutschen beibehalten wurde. Wie sein Vorgänger floppte der Film, anders als dieser wurde er allerdings nicht später als Meisterwerk erkannt, sondern weitgehend vergessen.

Nachdem 2018 aber die Universal/Blumhouse Koproduktion ‚Halloween‘ gleich Süßkrameimerweise Geld eingenommen hat, scheint es wohl wie eine gute Idee, dieselbe Konstellation für ‚The Thing‘ zu probieren. Da passt es natürlich, dass vor kurzem ein Manuskript für „Who Goes There?“ gefunden wurde, das den Titel „Frozen Hell“ trägt und gut vierzig Seiten länger ist als das bekannte Buch. Da konnte Produzent Alan Donnes natürlich gleich auf Facebook damit werben, dass nun zum ersten Mal Campbells ganze Vision auf der Leinwand zu sehen sein wird. Natürlich ist nicht bekannt, ob der Film irgendwas von dem neuen Material verwenden wird. Aber so ist es definitiv kein Remake, sondern eine Neuverfilmung! Ich selber habe keine großen Hoffnungen für den Film. Das ‚Thing‘ Material scheint im Kino einfach nicht akzeptiert zu werden. Ich hoffe aber, man involviert wieder Carpenter (wenn er denn will) und verwendet praktische Effekte.

 

‚Anaconda‘ Remake

https://www.cinemablend.com/news/2489107/anaconda-is-getting-a-reboot-but-will-it-include-jennifer-lopez?pv=related_list

Ach ‚Anaconda‘, einer meiner liebsten Schrottfilme der 90er. Jennifer Lopez, Ice Cube, Eric Stolz und Co. Als National Geographic-Leute. Die zwischen die Fronten riesiger ‚Ancondas‘ einerseits und andererseits natürlich John Voigt als schurkisch-murmelndem ‚Anaconda‘-Jäger mit dem schmierigsten Pferdeschwanz diesseits von Steven Seagal, geraten. Die Handlung war doof, die Effekte mäßig bis albern und die Darsteller überzeugten durch akutes Desinteresse. Bei Columbia steht jetzt jedenfalls ein Film in der Pipeline, der Name und Story-Konzept des 1997er Films übernimmt. Das Drehbuch verfasst Evan Daugherty, der für die Bücher für Filme wie ‚Die Bestimmung – Divergent‘ oder die Neuauflagen der ‚Teenage Mutant Ninja Turtles‘ oder ‚Tomb Raider‘ verantwortlich zeichnet. Das erfüllt mich nicht mit Vorfreude. Denn, während er wohl eher kein genialer Autor ist, scheint er mir doch zu kompetent um die schiere Blödheit eines Buches wie dem von ‚Anaconda‘ einzufangen. Und mit Filmen die absichtlich „so bad, it’s good“ sein wollen, konnte zumindest ich fast noch nie etwas anfangen (obwohl es Ausnahmen gibt, aber die wurden von echten Liebhabern ihres Genres gemacht, ‚Black Dynamite‘, etwa). Aber gut, ich werde mich jetzt nicht hier hinstellen und behaupten irgendjemand ruiniere den guten Namen von ‚Anaconda‘. Denn den hat ‚Anaconda‘ natürlich nie gehabt und das lässt mich wundern, warum hier nun überhaupt ein Remake her muss.

PS: habe nach dem Schreiben des Obigen erfahren, dass sich der Film an ‚The Meg‘ orientieren soll. Den kenne ich zwar nicht, weiß aber dass er nicht das geliefert hat, was „Jason Statham gegen einen riesigen Hai“ erwarten lassen würde. Meine Erwartung ist jetzt eher auf dem Niveau Blindschleiche als ‚Anaconda‘…

 

Verkaufen Metro-Goldwyn-Meyer ihre „Bond“-Anteile?

https://www.cinemablend.com/news/2489148/is-mgm-selling-the-james-bond-franchise-after-no-time-to-die?pv=related_list

Daniel Craig hat ja keinen Zweifel daran gelassen, dass der kommende Bond-Film sein letzter sein wird. Da steht natürlich die übliche Spekulation an, wer als nächstes Martinis schlürfen darf. Doch sieht es so aus, als würden weit größere Veränderungen anstehen, als nur der altbekannte Wechsel des Hauptdarstellers. Denn Gerüchte besagen, dass MGM ihren Anteil an dem altehrwürdigen Franchise verkaufen möchten. Einen ersten Hinweis darauf gab es als Disney (*seufz*, es geht aber auch keine Woche ohne die Maus, oder?) CEO Bob Iger Interesse an der Reihe bekundet hat. Dem Vernehmen nach sind aber auch Netflix und Apple an den Rechten interessiert. Das ist eine spannende Konstellation, auf der einen Seite das klassische Studio, das aber inzwischen brutal zum Monopol strebt, auf der anderen Seite relative Neueinsteiger ins Filmgeschäft. Wie es auch ausgeht, es könnte einschneidende Veränderungen für die Reihe bedeuten, die zwar lange schon kein Trendsetter mehr ist, aber stets in der Lage war sich neuen Trends anzupassen. Allerdings lohnt es sich zu betonen, dass Eon Productions, Barbara Broccolis Produktionsfirma, natürlich keinerlei Pläne hat ihre Rechte an Bond an irgendjemanden abzugeben und von jeher sehr bewahrend waren, was den Kern der Serie betrifft. Also auch wenn Disney die Rechte kauft, wird Bond wohl eher nicht im MCU auftauchen, um mit Black Widow Agentenabenteuer zu erleben, oder mit dem Hulk (der Einzige, dessen Leber ich das zutraue) Martinis zu saufen. Aber, wie heißt es so schön? Wer weiß.

 

‚Wolf of Wall Street‘ und Betrug

https://screenrant.com/wolf-wall-street-jordan-belfort-lawsuit-red-granite/

Jordan Belfort, der Wolf of Wall Street ist gar nicht glücklich. Aufgrund von Martin Scorseses Film ‚Wolf of Wall Street‘, wo es um ihn, Jordan Belfort, den Wolf of Wall Street und seine betrügerische Anlage-Firma Stratton Oakmont ging. Nicht aufgrund des Inhalts des Film, der ihn als den üblen Betrüger zeigt der er ist, mit dem hatte Jordan Belfort, der Wolf of Wall Street kein Problem und ein nettes Beraterhonorar kassiert. Nein, sein Problem besteht darin, dass eine der Produktionsfirmen hinter dem Film, Red Granite, offenbar fast 250 Millionen Dollar aus einem malaysischen staatlichen Entwicklungs-Fonds veruntreut hat und damit unter anderem auch ‚Wolf of Wall Street‘ produziert hat. Nun verklagt Jordan Belfort, der Wolf of Wall Street also die Produzenten des Films auf 300 Millionen Dollar wegen Betrugs. Denn sie hätten den guten Namen John Belforts, des Wolf of Wall Street, in Zusammenhang mit Betrug gebracht und das sei offensichtlich schädigend für ihn. Sicherlich, es existieren Interviews in denen John Belfort wissen lässt, dass er sofort gewusst habe, es bei Red Granite mit Gangstern zu tun gehabt zu haben und er hatte offenbar dennoch kein Problem mit ihnen Geschäfte zu machen und ihnen die Rechte an seiner Lebensgeschichte zu verkaufen. Aber nun gibt sich der Wolf of Wall Street gänzlich unwissend und tief verletzt. So albern das alles ist, ich verstehe zumindest, warum Scorsese für ‚The Irishman‘ zu Netflix gegangen ist, anstatt sich wieder auf irgendwelche halbseidenen Geldgeber zu verlassen. Denn auch ganz ohne Belfort entbehrt es nicht einer Menge Ironie, dass ein Film über einen Finanzbetrüger von Finanzbetrügern (betrügerisch) finanziert wurde.

 

Und das war es für diese Woche. Wir sehen uns in sieben Tagen hier wieder und das ist ganz sicher kein Betrug!

Newslichter Ausgabe 76: Ghibli-Stream, Affenverhör und Filmtraining

Willkommen zur Ausgabe 76 des Newslichters. Heute habe ich mal gute Nachrichten für Euch. Also nicht nur, aber immerhin auch! Und da heute einiges an Material vorliegt, muss ich auch mal nicht hier in der Einleitung Zeilen schinden, sondern wir können direkt loslegen!

 

Taika Waititi ‚Star Wars‘ Film?

https://screenrant.com/star-wars-movie-taika-waititi-develop-direct/

Angeblich soll sich Lucasfilm bei dem neuseeländischen Filmemacher Taika Waititi nach einem möglichen Interesse am Dreh eines ‚Star Wars‘ Films erkundigt haben. In Interviews hat Waititi zwar häufiger gesagt, er könne sich das nicht vorstellen, da sein distinkter Stil nicht unbedingt mit dem klassischen ‚Star Wars‘ vereinbar ist (und was das für Reaktionen hervorrufen kann, sah man an Rian Johnsons ‚Die Letzten Jedi‘). Doch nun ist das „klassische“ Star Wars immerhin durch und Waititi hat bereits die Regie einer Folge von ‚The Mandalorian‘ übernommen. Davon abgesehen habe ich letztens sein ‚Thor: Tag der Entscheidung‘ wiedergesehen. In der BluRay Einleitung erzählt er (nicht ganz ernst gemeint), dass er viel lieber einen Star Wars gedreht hätte und entschuldigt sich bei seinen Eltern dafür nicht J.J. Abrams zu sein. Ob er nach den Reaktionen auf ‚Episode IX‘ diese Entschuldigung aufrecht erhält und ob er mehr oder weniger Lust hat einen Star Wars zu drehen, wer weiß. Es ist eh Zukunftsmusik, steht doch erstmal der nächste Thor auf dem Programm. Und danach womöglich die Live Action Version von ‚Akira‘. Davon abgesehen hat Waititi ja auch gerade wieder gezeigt, dass er nicht aufhören will kleinere „eigene“ Produktionen wie ‚Jojo Rabbit‘ zu verwirklichen. Zum Glück.

 

Filme schauen ist Training!!

https://screenrant.com/watching-movies-exercise-study/

Was müssen Film und Fernsehen sich nicht alles nachsagen lassen. Dumm machen sie. Faul sowieso. Und vermutlich gewalttätig. Oh sicher, sie mögen positive emotionale Erfahrungen vermitteln, aber die sind doch nur Flucht vor der Wirklichkeit und überhaupt und sowieso! In der Reihe alltäglicher Unternehmungen, die ein positives Trainingsergebnis mit sich bringen, wie Treppensteigen, dem Bus hinterherrennen, Gartenarbeit oder mit dem Hund spielen, taucht Filmeschauen bislang nicht auf. Womöglich zu Unrecht, wie eine Studie des University College London nun zeigt*. Das Schauen emotionaler Szenen erhöht nicht nur die Herzfrequenz (Herz-Kreislauftraining sagt die Studie), nein es erhöht auch die Gesundheit des Gehirns und die Konzentrationsfähigkeit. Das Schauen im Kino ist dabei effektiver als zuhause, da dort weniger vom Training ablenken kann. Von nun  werde ich also verkünden, dass ich trainiere, wenn ich einen Film schaue. Und das ich ins Fitnessstudio gehe, wenn ich ins Kino marschiere. Ganz ehrlich, ich hatte mein Leben lang Probleme die richtige Sportart für mich zu finden. Aber nun, wo ich weiß es gibt eine, die ich mit einer Tüte Popcorn in der einen Hand und einem Halbliter Cola in der anderen ausführen kann, ist diese Frage für mich endlich geklärt. Und die Filmlichtung ist nun ein Fitnessblog. Schaut mehr Filme, Ihr schlaffen Fleischsäcke!!!

*Der Blog Filmlichtung übernimmt keinerlei Garantien für die Korrektheit der Ergebnisse der Studie oder die Trainigseffektivität des Filmeschauens. Offensichtlich…

 

David Lynch verhört einen Affen

https://www.cinemablend.com/news/2488832/surprise-david-lynch-just-released-a-bonkers-netflix-film-where-he-interrogates-a-monkey-for-murder?pv=related_list

Am 20ten Januar ist David Lynch 74 Jahre alt geworden. Dazu wünsche ich ihm natürlich ein herzliches „This ist he water and this ist he well. Drink deep and descend!“. Möge jemand Feuer gehabt haben, um die Kerzen auf dem Geburtstagskuchen zu entzünden.

Passend zu diesem Datum veröffentlichte Netflix einen Kurzfilm des Meisters des Surrealen, in dem Lynch selbst einen Polizisten spielt, der einen Affen verhört, der des Mordes beschuldigt wird. Was auch sonst? Leider ist das wohl kein Anzeichen dafür, dass Lynch zum Filmemachen zurückkehren will, da der Kurzfilm wohl schon von 2016 stammt. Es muss ja kein ‚Twin Peaks‘ Staffel 4 sein, David. Obwohl das natürlich großartig wäre. Aber ein Filmchen vielleicht? Oder zwei? Es dürfen auch Affen drin sein!

 

Ghibli kommt zu Netflix

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18529243.html

Gute Nachrichten, insbesondere für diejenigen unter Euch, die sich letzten Monat während des Miyazakizembers enttäuscht gezeigt haben, dass die Filme nirgendwo zum Stream verfügbar waren. Falls Ihr Netflixkunden seid, werdet Ihr in den nächsten Monaten in den Genuss von insgesamt 21 Studio Ghibli Filmen bei dem Streaminganbieter kommen, darunter auch alle von mir besprochenen. Die einzige Ghibli-Produktion, die unerklärlicherweise fehlt ist Isao Takahatas großartiger ‚Die letzten Glühwürmchen‘. Das zeigt, dass meine Spekulationen, ob sich womöglich Disney die Rechte an den Filmen für ihren eigenen Streamingservice gesichert haben, genau das waren: blödsinnige Spekulationen. Aber das wusstet Ihr sicherlich schon. Ich freue mich jedenfalls, dass diese Filme weitreichend verfügbar sein werden.

 

Armer Bob Iger

https://deadline.com/2020/01/disney-bob-iger-compensation-falls-2019-1202834338/

Bob Iger, CEO von Disney muss dieser Tage ganz besonders stark sein. Es kam heraus, dass er für 2019 eine Gehaltskürzung um satte 28% hinnehmen musste. Statt den 65,6 Millionen Dollar aus 2018, musste der Mann sich 2019 mit gerade einmal 47,5 Millionen begnügen. Hoffentlich kann er damit seinen Haushalt bestreiten… Im letzten Jahr sah er sich Kritik von Abigail Disney ausgesetzt, dass er das 1000fache eines durchschnittlichen Angestellten von Disney in die Lohntüte bekäme. Viel wird sich daran durch seine Lohnkürzung nicht geändert haben, denn das eigentliche Problem ist die absolut miserable Bezahlung von Disneys Parkangestellten. 2018 gaben gut 10% von ihnen an in den letzten 2 Jahren obdachlos gewesen zu sein und 56% sahen sich durch unerwartete Ausgaben von der Obdachlosigkeit bedroht. Leider wird Igers Kürzung auf die prekäre Situation dieser Mitarbeiter der „happiest places on earth“ wohl keinen Einfluss haben.

 

Und das war es auch schon wieder! Wir sehen uns nächste Woche zum nächsten Newslichter!

Newslichter Ausgabe 75: Passwörter, Algorithmen und Blockbustertauglichkeit

Willkommen bei Ausgabe 75 des Newslichters. Wie oft ist die Unterhaltungsindustrie in den letzten 40 Jahren von ihren undankbaren Konsumenten getötet worden? Wenn man sie fragt, gleich dutzendfach! Und nun steht ein neuer spektakulärer Mordanschlag bevor. Und Du, ja DU, könntest Dich dem schon jetzt schuldig machen. Oder es handelt sich um reichlich überfächerte heiße Luft, um von echten Problemen abzulenken. Apropos echte Probleme, wir reden heute auch über Algorithmen in der Blockbusterplanung und Marvels neuer Vorsicht. Legen wir also los!

 

Passwort-Teilen tötet den Stream

https://www.hollywoodreporter.com/news/streaming-services-prepare-password-sharing-havoc-1267728?utm_source=twitter&utm_medium=social

Ich bin sicher, die verschiedenen Sparten der Unterhaltungsindustrie können die Narben der vielen versuchten Tötungen, die, nach eigenen Angaben, an ihnen vorgenommen werden mit einigem Stolz vergleichen. Nehmen wir nur die Musikindustrie. Die wurde durch die Verbreitung der bespielbaren Musikkassette und entsprechender Rekorder getötet. Und dann noch mal durch CD-Brenner. Und dann durch MP3s (wer alt genug ist, erinnert sich an den Schurken Napster!) und dann durch Streaming. Und hier ist sie im Jahr 2020 immer noch Milliardenschwer, immer noch klagend. Denn das ist das Erstaunliche in der Unterhaltungsbranche. Läuft es mal schlecht, ist immer der Konsument schuld. Und vor allem der ehrlich zahlende muss sich mit den Konsequenzen herumärgern. Bei Film-DVDs bedeutete das etwa Regionalcodes, Kopierschutzmaßnahmen, die inkompatibel mit manchen Playern waren, unüberspringbare Spots darüber wie böse und widerlich Kopierer sind. Die den ganzen Mist für ihre illegalen Versionen natürlich entfernt haben. Von Computerspielen, die direkt mit Schadsoftware daherkommen aus Angst vor Kopierern wollen wir gar nicht sprechen.

Und nun ist die Angst vor dem illegalen Konsumenten, der steten Verlust bedeutet, also bei den Streamingservices angekommen. In 2020 sind Passwort-Teiler plötzlich zu einem Problem geworden, nachdem in den letzten Jahren Social Media Konten etwa von Netflix noch Witze darüber gemacht haben. Warum? Ist die Zahl der Teiler radikal gestiegen? Nein, danach sieht es nicht aus. Ich vermute die Teiler sind auch nicht das wirkliche Problem. Das wirkliche Problem ist die Konkurrenz, die aus dem Boden schießt. Disney und Apple stehen den Platzhirschen Netflix und Amazon nun in direkter Konkurrenz gegenüber. Kaum jemand wird alle diese Dienste kaufen wollen oder können. Es gibt also mehr angebotenen Inhalt als Nachfrage. Es ist durchaus anzunehmen, dass das zu einem regeren Tausch in der Zukunft führen könnte, nach dem Prinzip „gibst Du mir Dein Disney+, kriegst Du mein Netflix“. Das ist sicherlich nicht legal und ich will es hier gar nicht schönreden (ebenso wenig wie die oben erwähnten Kopien), ich versuche es nur zu erklären. Ob es für die Anbieter nun ein kluger Schachzug wäre, aggressiv gegen das Passwort-Teilen (unter Freunden/Verwandten, gegen das im großen Maßstab gehen sie, soweit ich weiß, ohnehin vor) vorzugehen, oder ob das die Konsumenten direkt auf die ebenfalls verfügbaren Piraten-Streams treibt, werden sie hoffentlich klug abwägen. Mit Rückblick auf das Vorgehen der DVD-Ära habe ich da aber nicht die größten Hoffnungen…

 

Warner erwirbt KI basiertes Filmmanagement-System

https://www.theverge.com/2020/1/9/21058094/ai-film-decision-making-warner-bros-signs-cinelytic

Algorithmen wissen was wir im Internet tun und lassen. Algorithmen sagen voraus, was wir im Internet und im echten Leben tun und lassen. Die Frage ist, wie gut und wie nützlich diese Voraussagen sind. Bei Warner jedenfalls scheint man großes Vertrauen in das Algorithmus-basierte Filmmanagement-System von Cinelytic zu legen. Der CEO von Cinelytic beeilte sich zu versichern, dass sein System selbstverständlich keine kreativen Entscheidungen fällen kann und soll, diese seien auch in Zukunft dem „Bauchgefühl“ vorbehalten. Nun kann man aber mit ziemlicher Sicherheit feststellen, dass kreative und geschäftliche Entscheidungen im Blockbusterbereich des Films oft genug ein- und dasselbe sind. Natürlich wird von der Marktforschung mindestens ebenso sehr wie von kreativer Seite bestimmt, ob ein Film einen Will Smith oder einen Tom Cruise in der Hauptrolle hat. Ob die Auslagerung dieser Marktwirtschaft in ein KI-gesteuertes System nun überhaupt einen großen Unterschied macht ist fraglich. Was es definitiv tut, ist die kalt-mechanistische Businesshaltung der Blockbusterplanung einem gnadenlosen Scheinwerferlicht auszusetzen. Und schaut man sich Reaktionen an, dann war das womöglich kein so kluger Schachzug.

Aber nehmen wir einmal an der Algorithmus würde alle kreative Entscheidungen aufgrund ihrer Marktfähigkeit treffen, dann käme vermutlich so etwas wie Dwayne „The Rock“ Johnson als Ethan Hunt in ‚Avengers vs. Transformers‘ dabei heraus. Ich würde gern Eure absurden Ideen für Algo-Buster in den Kommentaren lesen!

 

Doctor Strange 2 ohne Regisseur

https://screenrant.com/doctor-strange-2-director-scott-derrickson-exit-reason/

Scott Derrickson, Regisseur des ersten ‚Doctor Strange‘ Films und geplanter Regisseur für die für 2021 geplante Fortsetzung hat bekannt gegeben, dass Marvel und er sich aufgrund „kreativer Differenzen“ getrennt haben. Das erinnert natürlich daran, wie Edgar Wright und Marvel sich über „kreative Differenzen“ zu ‚Ant-Man‘ getrennt haben. Und ich könnte mir sogar vorstellen, dass es tatsächliche kreative Differenzen waren. Derrickson hat mehrfach angedeutet, dass er aus ‚Doctor Strange 2‘ gerne einen Horrorfilm gemacht hätte. Das wäre absolut passend, setzt sich doch der Sorceror Supreme in seinen Comics immer wieder mit lovecraftschen kosmischen Schrecken auseinander. Doch womöglich war genau das Marvel und Produzent Kevin Feige in dieser Situation zu riskant. Horror ist eben nicht Mainstream. Und nach ‚Endgame‘ wird die nächste „Staffel“ Marvelfilme von der gesamten Branche sicherlich mit dem Mikroskop untersucht, ob sich auch nur irgendwelche Anzeichen von Publikumsermüdung feststellen lassen. Das kann durchaus dazu führen, dass hier absolut auf Nummer sicher gefahren wird und wieder Schema F wie zu Beginn des MCU gilt. Das wäre schade, gerade weil Marvel für mich wieder interessanter wurde, weil sie ihren Kreativen freiere Hand ließen. Aber am Ende sind diese Filme halt doch eins vor allem anderen: ein Milliardengeschäft.

 

Und das war es auch schon wieder für heute. Wir sehen uns nächste Woche genau hier wieder!