Kurz und schmerzlos Folge 15 – und genau so viele Sekunden dauert sie auch

Ein guter Horrorfilm lebt fraglos davon, dass er eine bedrückende Atmosphäre aufbaut. Was aber, wenn für den Horror nur 15 Sekunden zur Verfügung stehen? Diese Frage stellt die „15 Second Horror Film Challenge“, ein internationaler Wettbewerb, der 2017 zum dritten Mal stattgefunden hat. Ins Leben gerufen hat ihn Filmemacher Andrew J.D. Robinson.

An dieser Stelle könnte ich eine launige Bemerkung über Filme für die Generation ADHS oder Smartphone oder Youtube oder sonstwas machen aber seien wir ehrlich: in 15 Sekunden Horror zu erwecken ist eine verflucht knifflige Aufgabe. Schauen wir mal, wie der Siegerfilm ‚Emma‘ des letzten Jahres es gemacht hat:

11 Sekunden seiner kostbaren Zeit verwendet Filmemacher Daniel Limmer in Emma, um eben Atmosphäre aufzubauen, bevor uns das Ende erwischt wie ein Stein am Kopf… okay, ich bin nicht gut mit Metaphern.

Ich mag auch Platz 5 ‚Paradox‘ sehr, ein wortloser Beitrag von Shazad Ali:

Aber auch Platz 6 ‚Good Night‘ hat es mir angetan. Ein Film der sein Thema so gut behandelt, dass er dafür gesorgt, dass das Paradox „Monster unter dem Bett/Monster im Bett“ für zukünftige Wettbewerbe nicht mehr zugelassen ist.

Aber wisst Ihr was? Schaut Euch doch einfach die gesamten Top 20 des letzten Jahres an. Die sind nämlich alle sehenswert und auf dem Youtube Kanal von Lloyd Kaufmans Trash-Schmiede Troma hochgeladen. Sie alle anzusehen dauert gerade einmal 5 Minuten und sie geben Einblicke in einige kreative Ideen zum Thema 15 Sekunden Horror. Zur Playlist führt ein Click hier.

Wenn Ihr dadurch inspiriert wurdet selbst einen 15 Sekunden Horror zu drehen und einzureichen, so könnt Ihr hier auf der offiziellen Seite des Wettbewerbs nachlesen wie das für die vierte Staffel 2018 geht und was Ihr dürft und nicht dürft.

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Kurz und schmerzlos Folge 14 – Au Weihnachten Edition: ‚Treevenge‘ (2008)

Mögt ihr Weihnachten? Oder steht Ihr dem Ganzen eher mit einem Scrooge-igem „Bah Humbug!“ gegenüber? Seien wir ehrlich, viele Menschen haben Grund Weihnachten nicht zu mögen. Angestellte im Einzelhandel zum Beispiel. Oder Mitarbeiter von Zustelldiensten. Die haben derzeit vermutlich wirklich wenig zu lachen. Möge ihnen und allen anderen Weihnachtsmuffeln dieser Kurzfilm zumindest ein Grinsen ins Gesicht zaubern.

‚Treevenge‘, ein Kurzfilm von Regisseur Jason Eisener und Produzent Rob Cotterill, den Machern des irrsinnigen ‚Hobo With A Shotgun‘, erzählt vom Festtag aus ungewöhnlicher Sicht. Aus der Perspektive einer Reihe von Spezies, die Weihnachten nicht sehr schätzen dürften: Tannen, Fichten und Kiefern, den typischen Weihnachtsbäumen. Die werden anfangs von brutalen, vulgären Holzfällern aus ihrem Wald entführt und dann in die Behausungen der Menschen gebracht, wo sie zum Mittelpunkt merkwürdiger Rituale rund um dieses seltsame Fest namens „Weihnachten“ werden. In einer kleinen Stadt haben die Bäume aber genug von der Erniedrigung und Misshandlung und die titelgebende ‚Treevenge‘ beginnt.

Wie in ‚Hobo…‘ treffen die Macher den Tonfall des 70er Jahre Autokino-Schunds hier ziemlich perfekt. Und wer ihren Spielfilm kennt, den wird nicht überraschen, dass sie auch hier die Grenzen des guten Geschmacks teilweise recht weit übertreten werden und Baumharz natürlich nicht der einzige Lebenssaft ist, der kübelweise fließt. Herausgekommen ist ein kleiner, gemeiner, kreativer und auch lustiger Weihnachts-Splatter. Viel Spaß!

Kurz und schmerzlos Folge 13: ‚Blade Runner 2049‘ – Kurzfilm Nr. 3 ‚Black Out 2022‘

Mit etwas Verspätung dann auch hier der dritte Prequel-Kurzfilm zu ‚Blade Runner 2049‘. Diesmal in Form eines Anime von ‚Cowboy Bebop‘ Macher Shinichiro Watanabe. Das scheint nur angemessen, wenn man bedenkt, wie sehr sich Blade Runner und japanische Animation gegenseitig beeinflusst haben.

Nur drei Jahre nach der Handlung des originalen ‚Blade Runner‘ angesiedelt gibt es hier einige Dinge für den fan wiederzerkennen. Und nicht zuletzt ein kurzes Wiedersehen mit Edward James Olmos‘ Gaff. Dieser Film fühlt sich, nicht nur aufgrund seiner Länge, kompletter, runder an als die bediden bisherigen. Der fließende Übergang zwischen verschiedenen Animationsstilen gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass ein ‚Animatrix‘ Erlebnis ausbleibt und auch der Film zu den Kurzfilmen gut wird….

Kurz und schmerzlos Folge 10: ‚Oats Studios – Volume 1 – Rakka‘ (Neill Blomkamp)

Nachdem sein ‚Alien‘-Projekt wohl endgültig gestorben ist, hat Neill Blomkamp (‚District 9‘, ‚Chappie‘) doch noch eine Möglichkeit gefunden Sigourney Weaver und bösartige Aliens in einen Film zu bekommen. Im Kurzfilm ‚Rakka‘ haben echsenähnliche Außerirdische die Welt übernommen, scheinen aber weniger an Kontrolle und mehr an einem völligen Genozid der Menschheit interessiert. Natürlich formiert sich ein Widerstand unter der Leitung von Jasper (Weaver). Eine Möglichkeit zum Zurückschlagen könnte sich ergeben, als der von den Aliens veränderte Amir (Eugene Khumbanyiwa ) gefunden wird.

Arg finster, was Blomkamp hier inszeniert. Die Alien-Invasoren schrecken vor nichts zurück, gelegentlich überschreitet das vielleicht die Grenze zur Albernheit. „Sie haben unsere Monumente mit Leichen überzogen“ Okay Neill, ich glaub Dir, dass sie fies sind. Thematische Ähnlichkeiten zu ‚District 9‘ – unter umgekehrten Vorzeichen – sind deutlich erkennbar. In einem Interview bestreitet Blomkamp zwar direkte politische Vergleiche ziehen zu wollen, die namentlich Ähnlichkeit des Films zur heftig umkämpften syrischen Stadt wäre allerdings schon ein ziemlicher Zufall. Weaver und die anderen Darsteller sind nicht sonderlich gefordert, zu sehr scheint dieser Kurzfilm darauf ausgelegt seine Welt zu erschaffen. Wird es Fortsetzungen in Form weiterer Kurzfilme geben? Einen Kinofilm? Wer weiß.

Für Fans von Blomkamp und düsterer Science Fiction sicher ein kleiner Leckerbissen.

Kurz und schmerzlos Folge 9: ‚Subconcious Password‘ (2013)

Kennt ihr dieses furchtbare Gefühl? Ihr trefft jemanden wieder, den ihr seit Jahren nicht gesehen habt, er scheint sich an alles zu erinnern aber ihr wisst nicht einmal mehr seinen Namen?

Der kanadische Animator Chris Landreth zeigt in seinem merkwürdigen, 3-D-animierten Kurzfilm ‚Subconcious Password‘ die furchtbare Quizshow, die das Gehirn auf der Suche nach dem entfallenen Namen durchmacht. Mehr oder weniger unterstützt von allerlei Berühmtheiten, Autoren und dem einen oder anderen Monster (jeder etwas anders animiert für den größtmöglichen Verfremdungseffekt) versucht das Hirn des Hauptcharakters sich an den Namen zu erinnern. Für die Realaufnahmen kam Pixilation zum Einsatz, jenes Stop-Motion Verfahren, das auch schon Landreths kanadischer Kollege Norman McLaren benutzt hat. Abgedreht, merkwürdig, lustig und doch lebensnah: