Frisches Blut: weibliche Regisseure im Horror – Teil 2

Horror hat – nicht ganz zu Unrecht – den Ruf Frauen selten mehr als schreiende Opferrollen zuzudenken. Ich bin der Meinung dieser Trend hat in den letzten zwanzig Jahren zumindest den Beginn einer Veränderung erfahren. Nicht zuletzt, weil mehr Frauen im Bereich des Horrors hinter der Kamera arbeiten. Ohne lange Vorrede geht es heute da weiter, wo Teil 1 letzte Woche aufgehört hat (und wo Ihr, bei Bedarf, auch eine lange Vorrede findet). Weiterlesen

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Kurz und schmerzlos Folge 17: Sport

Passend zum nahenden Ende der olympischen Winterspiele, dreht sich bei Kurz und schmerzlos heute alles um den Sport. Und mit Boxen und Schwimmen behandeln wir zwei Sportarten, die kaum weiter von Wintersport entfernt sein könnten. Okay, ich gebe es zu, der Olympia-Bezug war so weit hergeholt, dass ich eigentlich Langstreckenzuschlag zahlen müsste aber es machte sich nun mal so gut als Einleitung.

‚Standing8‘ (2015)

Nachdem er seinen Gegner im Ring getötet hat erlebt ein Boxer plötzlich Ausfallerscheinungen. Sein nächster Kampf, seine ganze Karriere sind gefährdet. Bald aber muss er sich die Frage stellen, wieviel er bereit ist zu opfern, um noch „Teil des Spiels“ zu bleiben.

In weniger als einer Viertelstunde gelingt es Regisseur Michael Molina Minard nicht nur Fragen der Reue und der Sportethik zu behandeln, er schafft es auch posttraumatischen Stress und die „Trigger“-Momente, die diesen auslösen können glaubhafter einzufangen, als das vielen Filmen mit voller Laufzeit gelingt. Absolut sehenswert, auch wenn man Boxen so gar nichts abgewinnen kann.

 

‚Quand J’ai Remplacé Camille‘ (2017)

Schwimmerin Camille ist tot. Und Laure soll sie im Team ersetzen. Das Team ist alles andere als sicher, ob sie das Zeug dazu hat. Sie selbst auch.

In eleganter, in unterkühltem grün und blau gehaltener Animation erzählen Nathan Otaño, Rémy Clarke und Leïla Courtillon ihre Geschichte. Doch je mehr der externe Konflikt zu einem internen wird, desto mehr überwiegen die aggressiven Rottöne. Mehr und mehr zeigt uns der gut 5minütige Film die Sicht Laures. Ein beeindruckendes und wunderschönes, kleines Stück Animation um die Angst, ob man je der Erinnerung an eine Andere gerecht werden kann. Englische Untertitel kann man übrigens zuschalten. Allerdings ist der Film auch bei Nichtverständnis der Dialoge nachvollziehbar.

Kurz und schmerzlos Folge 15 – und genau so viele Sekunden dauert sie auch

Ein guter Horrorfilm lebt fraglos davon, dass er eine bedrückende Atmosphäre aufbaut. Was aber, wenn für den Horror nur 15 Sekunden zur Verfügung stehen? Diese Frage stellt die „15 Second Horror Film Challenge“, ein internationaler Wettbewerb, der 2017 zum dritten Mal stattgefunden hat. Ins Leben gerufen hat ihn Filmemacher Andrew J.D. Robinson.

An dieser Stelle könnte ich eine launige Bemerkung über Filme für die Generation ADHS oder Smartphone oder Youtube oder sonstwas machen aber seien wir ehrlich: in 15 Sekunden Horror zu erwecken ist eine verflucht knifflige Aufgabe. Schauen wir mal, wie der Siegerfilm ‚Emma‘ des letzten Jahres es gemacht hat:

11 Sekunden seiner kostbaren Zeit verwendet Filmemacher Daniel Limmer in Emma, um eben Atmosphäre aufzubauen, bevor uns das Ende erwischt wie ein Stein am Kopf… okay, ich bin nicht gut mit Metaphern.

Ich mag auch Platz 5 ‚Paradox‘ sehr, ein wortloser Beitrag von Shazad Ali:

Aber auch Platz 6 ‚Good Night‘ hat es mir angetan. Ein Film der sein Thema so gut behandelt, dass er dafür gesorgt, dass das Paradox „Monster unter dem Bett/Monster im Bett“ für zukünftige Wettbewerbe nicht mehr zugelassen ist.

Aber wisst Ihr was? Schaut Euch doch einfach die gesamten Top 20 des letzten Jahres an. Die sind nämlich alle sehenswert und auf dem Youtube Kanal von Lloyd Kaufmans Trash-Schmiede Troma hochgeladen. Sie alle anzusehen dauert gerade einmal 5 Minuten und sie geben Einblicke in einige kreative Ideen zum Thema 15 Sekunden Horror. Zur Playlist führt ein Click hier.

Wenn Ihr dadurch inspiriert wurdet selbst einen 15 Sekunden Horror zu drehen und einzureichen, so könnt Ihr hier auf der offiziellen Seite des Wettbewerbs nachlesen wie das für die vierte Staffel 2018 geht und was Ihr dürft und nicht dürft.

Kurz und schmerzlos Folge 14 – Au Weihnachten Edition: ‚Treevenge‘ (2008)

Mögt ihr Weihnachten? Oder steht Ihr dem Ganzen eher mit einem Scrooge-igem „Bah Humbug!“ gegenüber? Seien wir ehrlich, viele Menschen haben Grund Weihnachten nicht zu mögen. Angestellte im Einzelhandel zum Beispiel. Oder Mitarbeiter von Zustelldiensten. Die haben derzeit vermutlich wirklich wenig zu lachen. Möge ihnen und allen anderen Weihnachtsmuffeln dieser Kurzfilm zumindest ein Grinsen ins Gesicht zaubern.

‚Treevenge‘, ein Kurzfilm von Regisseur Jason Eisener und Produzent Rob Cotterill, den Machern des irrsinnigen ‚Hobo With A Shotgun‘, erzählt vom Festtag aus ungewöhnlicher Sicht. Aus der Perspektive einer Reihe von Spezies, die Weihnachten nicht sehr schätzen dürften: Tannen, Fichten und Kiefern, den typischen Weihnachtsbäumen. Die werden anfangs von brutalen, vulgären Holzfällern aus ihrem Wald entführt und dann in die Behausungen der Menschen gebracht, wo sie zum Mittelpunkt merkwürdiger Rituale rund um dieses seltsame Fest namens „Weihnachten“ werden. In einer kleinen Stadt haben die Bäume aber genug von der Erniedrigung und Misshandlung und die titelgebende ‚Treevenge‘ beginnt.

Wie in ‚Hobo…‘ treffen die Macher den Tonfall des 70er Jahre Autokino-Schunds hier ziemlich perfekt. Und wer ihren Spielfilm kennt, den wird nicht überraschen, dass sie auch hier die Grenzen des guten Geschmacks teilweise recht weit übertreten werden und Baumharz natürlich nicht der einzige Lebenssaft ist, der kübelweise fließt. Herausgekommen ist ein kleiner, gemeiner, kreativer und auch lustiger Weihnachts-Splatter. Viel Spaß!

Kurz und schmerzlos Folge 13: ‚Blade Runner 2049‘ – Kurzfilm Nr. 3 ‚Black Out 2022‘

Mit etwas Verspätung dann auch hier der dritte Prequel-Kurzfilm zu ‚Blade Runner 2049‘. Diesmal in Form eines Anime von ‚Cowboy Bebop‘ Macher Shinichiro Watanabe. Das scheint nur angemessen, wenn man bedenkt, wie sehr sich Blade Runner und japanische Animation gegenseitig beeinflusst haben.

Nur drei Jahre nach der Handlung des originalen ‚Blade Runner‘ angesiedelt gibt es hier einige Dinge für den fan wiederzerkennen. Und nicht zuletzt ein kurzes Wiedersehen mit Edward James Olmos‘ Gaff. Dieser Film fühlt sich, nicht nur aufgrund seiner Länge, kompletter, runder an als die bediden bisherigen. Der fließende Übergang zwischen verschiedenen Animationsstilen gefällt mir ebenfalls sehr gut.

Jetzt bleibt nur noch zu hoffen, dass ein ‚Animatrix‘ Erlebnis ausbleibt und auch der Film zu den Kurzfilmen gut wird….