Top 10 Filme von damals 1987 Platz 10 bis 6

Und weiter geht es mit unserem munteren Blick auf die 10 erfolgreichsten Filme vergangener Jahre in (für den Moment noch) Westdeutschland. Inzwischen sind wir im Jahr 1987 angekommen. Grundlage bildet, wie üblich, die entsprechende Liste der Seite chartsurfer.de. Und ebenfalls wie üblich beginnen wir mit einem Blick darauf, was in dem Jahr außerhalb des Kinos los war. Tschernobyl haben wir ja jetzt hinter uns, so schlimm wird es also nicht werden.

Für das Erste Deutsche Fernsehen endete das letzte Jahr mit einem üblen Fehltritt. Man hatte die Neujahrsansprache von Bundeskanzlerkohl einfach noch einmal vom letzten Jahr wiederholt. Am ersten Januar wurde die aktuelle Version nachgereicht. Bei der CDU/CSU war man nicht unbedingt willens an einen harmlosen Fehler zu glauben und witterte eine Verschwörung. Im Februar löst Rudi Carrells „Tagesshow“ einen internationalen Zwischenfall aus, als sie das iranische Staatsoberhaupt Ayatollah Chomeini mit Damenwäsche in Verbindung bringt. Im März tritt Willy Brandt als SPD-Vorsitzender zurück. Sein Nachfolger wird Hans-Jochen Vogel. Im April wird der „Bofors Skandal“ aufgedeckt. Die indische Regierung unter Rajiv Gandhi hatte Feldhaubitzen des schwedischen Herstellers Bofors im Wert von etwa 1,5 Milliarden Dollar gekauft. Dem sind allerdings Schmiergelder an verschiedene, indische Entscheidungsträger vorausgegangen, mit denen Bofors einen französischen Wettbewerber ausstach. Am 28. Mai landet der 18jährige Mathias Rust mit einer Cessna auf dem Roten Platz in Moskau und löste so einen internationalen Zwischenfall aus. Er wird verhaftet und zu 4 Jahren Arbeitslager verurteilt. Allerdings wird er nach weniger als einem Jahr freigelassen und der Sowjetunion verwiesen. Seine Motivation stellte Rust später oft unterschiedlich dar. Mal war es Völkerverständigung, mal nur ein Spaß. Michail Gorbatschow nutzte das Versagen der Luftabwehr jedenfalls dafür, sich einiger hundert Generäle zu entledigen, die seiner Perestroika und Glasnost Politik im Weg standen. Am 17. August tötete sich der letzte Insasse des Kriegsverbrechergefängnisses Spandau, Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß, selbst. Es war mindestens sein fünfter Selbstmordversuch. Sein Grab in Wunsiedel wurde in den Folgejahren zum Aufmarschort für Neonazis. Im September kommt die „Barschel Affäre“ ans Licht. Uwe Barschel, Ministerpräsident von Schleswig Holstein (CDU), hatte den SPD Kandidaten für das Amt, Björn Engholm, bespitzeln lassen und versucht mit den Ergebnissen die öffentliche Meinung über ihn zu schädigen. Am 18. September gab Barschel bei einer Pressekonferenz sein berühmtes „Ehrenwort“, dass die Vorwürfe falsch seien. Eine Aussage, die durch weitere Veröffentlichungen des Magazins „Der Spiegel“ widerlegt wurden. Am 25. September erklärte er seinen Rücktritt zum 2. Oktober. Neun Tage später wurde er tot in der Badewanne seines Hotelzimmers in Genf gefunden. Er starb an einer Medikamentenüberdosis. Der Tod wird als Suizid gewertet, auch wenn nie alle Umstände geklärt wurden. Der „Stern“ nutzt ein Foto der Leiche Barschels als Titelbild. Die sich anschließende „Schubladenaffäre“ lässt auch Engholms Rolle in dieser Affäre fragwürdig erscheinen. Doch dazu mehr 1993. Ebenfalls im September übernimmt Thomas Gottschalk die Sendung ‚Wetten dass…?“ von ihrem Erfinder Frank Elstner. Wie lange er die Sendezeit seiner ersten Show überzog war mir nicht möglich herauszufinden. Im Dezember unterzeichnen US-Präsident Reagan und Gorbatschow den INF Vertrag über den vollständigen Abbau nuklearer Mittelstreckenwaffen. Jetzt aber schnell ins Kino!

 

  1. ‚Platoon‘

Seine eigenen Erlebnisse in Vietnam verarbeitend, schafft Oliver Stone einen Film weitab von albernen Heldenmärchen wie ‚Rambo II‘. Über Kameradschaft zwischen den Soldaten macht sich der Film kaum Illusionen. Neuankömmlinge werden auf US-Seite als wenig mehr als Kanonenfutter betrachtet. Insbesondere jemand wie Charlie Sheens Charakter, der sich auch noch freiwillig gemeldet hat. Drogen- und Alkoholkonsum, Gewalt gegen vietnamesische Zivilisten, der Film spart wenig aus. Es ist der erste Teil von Stones Vietnam-Trilogie. Der zweite ‚Geboren am 4. Juli‘ beschäftigt sich mit dem Schicksal der US-Veteranen, der dritte ‚Zwischen Himmel und Hölle‘ mit der „anderen Seite“, dem Schicksal einer Vietnamesin während und nach dem Krieg. Stones lauter oftmals fast karikierend überzogene Stil funktioniert nicht immer, doch wenn er von hervorragenden Darstellungen, allen voran Willem Dafoe, getragen wird wie hier, dann kann ein sehr guter Film dabei herauskommen. Die Vietcong bleiben allerdings auch hier quasi gesichtslose Gegnerhorden.

  1. ‚Die Reise Ins Ich‘

‚Gremlins‘-Regisseur Joe Dante dreht ein (mehr oder weniger) Remake des Films ‚Die phantastische Reise‘ von 1966. De Grundidee, jemand wird mit einem U-Boot verkleinert und in einen anderen Körper injiziert, bleibt dabei gleich, doch wie von Dante nicht anders zu erwarten, wird die Thematik mit allerlei irrwitzigen Vorfällen angereichert. Und zwischen Injiziertem Piloten und dem Kassierer, in dem er (fälschlich) landet entwickelt sich eine Freundschaft. Ich muss wieder mal zugeben, es ist sehr lange her, dass ich den Film gesehen habe. Allerdings habe ich ihn durchaus positiv in Erinnerung. Aber wenn ich 80er Dante möchte, dann greife ich eigentlich immer zu ‚Gremlins‘.

  1. ‚Asterix Bei Den Briten‘

Das ist vermutlich mein liebster Asterix Zeichentrickfilm, ist er nicht? Wenn Asterix Besuch bekommt von seinem Vetter Teefax und dessen seltsamer Syntax, dann ist es wahrlich quite shocking was er da zu hören bekommt. Die Römer sind dabei Britannien zu erobern. Und zwar weil die nicht zivilisiert genug sind, um um 5 Uhr Pause im Kampf zu machen, um heißes Wasser zu trinken! So geht das natürlich nicht und so begleiten Asterix und Obelix Teefax samt einem Fass Zaubertrank in dessen Dorf, das noch Widerstand leistet. Unterwegs begegnen sie durchaus liebevollen Verballhornungen des britischen Naturells. Lauwarme Cervisia und Wildschwein in Pfefferminzsoße wollen heruntergewürgt und ein Rugby-Spiel besucht werden. Natürlich wird sich mehrfach durch eine frühe Version des Tower geprügelt und man erfährt, dass es auch mal nicht regnet. Nämlich wenn es neblig ist. Die Pointe, was sich am Ende als wahrer Zaubertrank der Briten entpuppt ist hübsch, der Film schwungvoll. Bloß das Titellied ist eine Variation des letzten. Aber immerhin gefällt es mir in dieser Fassung besser, tut es nicht?

  1. ‚James Bond 007 – Der Hauch Des Todes‘

Nach den zunehmend alberner werdenden Roger Moore Bonds, war die Zeit für einen Neustart gekommen. Tatsächlich war die Idee mit einem neuen, jungen Darsteller den Beginn von Bonds Karriere zu zeigen, wie er zu dem Geheimagenten wurde, der er ist. Das ging Produzent Albert R. Broccoli dann aber doch etwas weit. So wurde die Idee noch etwa 20 Jahre zurückgestellt, bevor sie mit Daniel Craig realisiert wurde. Und dennoch sollte der neue Bond nicht einfach da weitermachen, wo der letzte aufgehört hatte. Man wollte wieder bodenständiger werden, sich mehr auf Charakter, aber auch, den 80ern angemessen, auf Action konzentrieren. Technische Gimmicks und Gags wurden stark zurückgefahren. Mel Gibson und Sam Neill waren unter den möglichen Kandidaten für die Rolle. Am Ende lief es aber auf ein Rennen zwischen Pierce Brosnan und Timothy Dalton hinaus. Der eigentliche Favorit Brosnan kam jedoch nicht aus seinem Serienvertrag zu ‚Remington Steele‘ heraus und so wurde Dalton der neue Bond…für den Moment. In der Eröffnung bekommen wir (was für mich viel zu selten passiert) ein paar andere Doppel-Null-Agenten* zu sehen, die allerdings schnell und fatal feststellen müssen, dass die Sowjets offenbar ihr Programm zur gezielten Tötung gegnerischer Agenten wieder aufgenommen haben. Und so lässt sich der Film erst mal sehr klassisch an, mit einem russischen General, der in den Westen überlaufen will. Aber Waffen- und Drogenhandel geben Hinweise darauf, dass die Dinge nicht immer so einfach und offensichtlich sind. Das ist ein deutlich polarisierender Bond. Die einen finden ihn furchtbar, andere bezeichnen ihn als ihren Favoriten. Ich mag ihn insgesamt recht gern, er ist eine definitive Verbesserung zum Blödsinn der letzten Filme. Ich bin aber vor allem der Meinung, dass Dalton als Bond furchtbar unterschätzt wird.

*Bei der Recherche habe ich gelesen, dass die Darsteller danach ausgewählt wurden, dass sie Ähnlichkeit zu Moore und George Lazenby, also früheren Bonds haben. Ist mir ehrlich gesagt nie aufgefallen…

  1. ‚Der Letzte Kaiser‘

Monumentale Historienfilme sind meist den weltbewegenden Persönlichkeiten vorbehalten. Kriegerischen wie Alexander, Cäsar oder Napoleon, aber auch friedlichen wie Gandhi. ‚Der Letzte Kaiser‘ ist ungewöhnlich, weil er den genau gegenteiligen Ansatz wählt. Puyi mag der letzte Kaiser Chinas gewesen sein, doch war er nie ein Mensch der irgendetwas, nicht einmal sein eigenes Leben kontrollierte. Mit zwei Jahren zum Kaiser gekrönt, mit fünf zum Abdanken gezwungen. Von den Republikanern in der Verboteten Stadt geduldet, von den Nationalisten vertrieben. Dann „Marionettenkaiser“ für den japanischen Staat in der Mandschurei, um schließlich, nach einem Aufenthalt im maoistischen Umerziehungslager, zum einfachen Gärtner zu werden. Ungewöhnlich ist der Film natürlich auch, weil mit Bernardo Bertolucci ein europäischer Regisseur chinesische Geschichte verfilmt. Als erste westliche Produktion durfte dieser Film aber in der Verbotenen Stadt drehen. Gelegentlich droht sich Bertolucci in der Pracht und der „Exotik“ des Gezeigten zu verlieren, aber oft genug ist es die gelungene Darstellung Puyis als Erwachsenen durch John Lone, die ihn auf den Boden zurückholt. Gelegentlich scheint die Darstellung Puyis etwas zu positiv. Dass er etwa von den Gräueltaten der Japaner an der chinesischen Zivilbevölkerung erst durch die Kommunisten erfahren haben soll, ist zumindest unwahrscheinlich. Aber es ist insofern ein sehr guter Film, als dass er motiviert mehr über einen Teil der Geschichte dieser Welt zu erfahren, über den man (vermutlich) viel zu wenig weiß.

 

Fortsetzungen, eine Wiederaufführung, ein Messer und dreckiges Tanzen erwarten uns in der oberen Hälfte der Charts in der nächsten Woche! Seid dabei!

Top 10 Filme von damals 1986 Platz 5 bis 1

Kommen wir zur oberen Hälfte der westdeutschen Kinocharts von 1986. Basierend auf der Liste von Chartsurfer.de. Die unteren Plätze findet Ihr hier.

  1. ‚Rocky IV – Der Kampf Des Jahrhunderts‘

Der gute Rocky hat schon eine erstaunliche Vita hinter sich. Am Anfang war es noch die Geschichte eines Verlierers, für den eine Niederlage gegen den Boxweltmeister Apollo Creed zum größten Triumph seines Lebens wurde. Oder eben auch nicht, weil er dann diesen Boxweltmeister beim nächsten Mal doch noch besiegte. Der ihn dann trainierte, damit er den Newcomer Clubber „I pity the fool!“ Lang besiegen konnte. Damit hatte ‚Rocky 3‘ der Popkultur der 80er mit Mr. T zwar ein echtes, glitzerndes Kronjuwel geschenkt, ansonsten konnte man am Verlauf der Reihe eigentlich nur Stallones beständig anschwellendes Ego nachvollziehen. Im vierten Teil nun wird Creed vom Russen Ivan Drago (Dolph Lundgren) im Ring totgeschlagen. Klar, dass Rocky Drago und so nebenbei eigentlich auch gleich die Sowjetunion an sich umboxen muss. Immerhin, hier ist der Scheitelpunkt von Stallones Eitelkeit erreicht. Wenigstens in dieser Serie. Stallones Ehefrau Brigitte Nielsen gibt hier übrigens die Gattin von Drago. Ob sich da erste Gewitterwolken am fotogenen Horizont der Medienehe ankündigten?

  1. ‚Police Academy 3 – Und Keiner Kann Sie Bremsen‘

Ich mache mich ja gerne lustig über deutsche Untertitel, aber aus „Und Keiner Kann Sie Bremsen“ spricht eine gewisse Fassungslosigkeit über den jährlichen Erfolg der Police Academy Filme, die ich durchaus nachvollziehen kann. Das wird auch noch ein paar Jahre so weitergehen, aber wir begegnen ihnen heute zumindest zum letzten Mal in den Charts. Also kann sie wohl doch jemand bremsen. Ein Jemand namens Übersättigung. Der hat auch schon den Italowestern besiegt. Nur gegen Superhelden scheint er den Kürzeren zu ziehen.

  1. ‚Top Gun – Sie Fürchten Weder Tod Noch Teufel‘

So, das ist wieder ein richtig schön doofer deutscher Untertitel! Der Hollywood „Ausbildungsfilm“ (über den sich ‚Police Academy‘ lustig macht) hat sehr eindeutige Zutaten, die im Kampffliegerfilm ‚Top Gun‘ allesamt mit gnadenloser Eindeutigkeit drinstecken. Da ist die Rivalität zwischen dem Helden Maverick (Tom Cruise) und dem großmäuligen Iceman (Val Kilmer). Da ist der Tod des guten Freundes während der Ausbildung. Die Legende vom mysteriösen Vater, der natürlich der beste Pilot aller Zeiten war. Und die pflichtbewusste, aber etwas magere Liebesbeziehung. Wobei zwischen Cruise und Kelly McGillis nicht annähernd so viele Funken sprühen wie zwischen Maverick und Iceman. Das alles kommt am Ende zusammen und hilft dem Helden seine Selbstzweifel zu überwinden und… mein Gott, wir haben das alles schon hundert Mal gesehen und es ist von Regisseur Tony Scott hier in den Bodenszenen wahrlich nicht toll inszeniert. Ist aber auch völlig wurscht, denn wenn wir ‚Top Gun‘ schauen, dann wegen der beeindruckenden Flugsequenzen. Wie es dem Film hier gelingt die Dogfights nachvollziehbar und spannend zu inszenieren, sucht bis heute seinesgleichen. Und ja, dabei ist der Film reichlich schamlos darin, ein Werbefilmchen für die US Streitkräfte zu sein. So schamlos, dass etwa Bryan May die Verwendung seiner Musik untersagt hat. Dafür haben wir das schmachtende „Take My Breath Away“. Eine Zeitlang wusste ich als Kind, zum Missmut meiner pazifistischen Eltern, erstaunlich gut über technische Daten von F14 Tomcat Jägern und russischen MIGs Bescheid. Wie weit das nun aber an ‚Top Gun‘ oder den in den 80er Jahren ubiquitären „Quartett“-Spielen lag, weiß ich nicht. Kamen damals mindestens vier Kinder zusammen, war es Pflicht, dass einer ein Quartett aus der Tasche zieht und im Folgenden die Basisdaten von Protzkarren, Kampfjets oder Kriegsschiffen minutiös verglichen wurden. Jetzt bin ich aber vom Thema abgekommen…

  1. ‚Jenseits Von Afrika‘

Den habe ich nie gesehen. Sieben Oscars, darunter den für den besten Film, mit Meryl Streep und Robert Redford zwei gute Hauptdarsteller. Und dennoch hatte ich nie gesteigertes Bedürfnis die Liebesgeschichte zwischen Kaffeeplantagenbesitzerin und Schriftstellerin Karen Blixen und Großwildjäger Denys Finch Hatton im kolonialen Afrika zu sehen. Vielleicht auch weil der Film gern in „Wie konnte der Film nur den Oscar gewinnen?“-Artikeln auftaucht. Und ja, das ist jetzt der zweite Film von Sydney Pollack nach ‚Tootsie‘, den ich hier etwas stiefmütterlich behandle. Ich hoffe Herr Pollack kann es mir vergeben. Persönlich gemeint ist es nicht! ‚Die drei Tage des Condor‘ find ich toll!

  1. ‚Der Name Der Rose‘

Der Franziskaner-Mönch William von Baskerville (Sean Connery) reist 1327 mit seinem Adlatus Adson von Melk (Christian Slater) zu einem Kloster im Apennin, wo er an einem theologischen Disput mit einer Abordnung des Papstes teilnehmen will. Vor Ort sieht er sich aber mit einer Mordserie an den Mönchen konfrontiert, der er erstaunlich analytisch nachgeht. Oder vielleicht nicht so erstaunlich, bezieht sich doch sein Herkunftsort Baskerville direkt auf eines der bekanntesten Sherlock Holmes Abenteuer (der Rest seines Namens auf den Logiker William von Ockham). Und sein Begleiter und späterer Chronist Adson, naja, der bräuchte auch nur noch ein W vor seinem Namen, um das Doylsche Vorbild ganz klarzumachen. Umberto Ecos gleichnamiger Roman, der hier verfilmt wurde, ist voll von solchen Anspielungen. Der blinde Leiter der Klosterbibliothek Jorge de Burgos etwa, ist eine ziemlich deutliche Anspielung auf den ebenfalls blinden Bibliothekar und Ecos literarisches Vorbild, den Argentinier Jorge Luis Borges. Neben solchen textlichen Anspielungen ist der Roman auch voll von politischen, theologischen und philosophischen Exkursen, während der Film sich mehr auf die zentrale Krimi-Handlung konzentriert. Dabei weiß der Film sein Visualität zu nutzen, unterstreicht damit das Labyrinthhafte des Klosters, lässt es fast wie eine Fantasie von M.C. Escher erscheinen. Auch konzentriert sich der Film auf das Finstere im finsteren Mittelalter. Die Menschen sind zum Großteil verdreckt, gerade die Bauernkaten wenig mehr als finstere Löcher. Das hat wohl dazu beigetragen, dass der Film in den USA ein veritabler Flop wurde. In zeitgenössischen Rezensionen kann man dort die Verwunderung lesen, warum „die Mönche alle so hässlich“ seien. Sicher, das eher ernüchternde Ende des Romans, dreht der Film deutlich mehr zum „Happy“ End, aber üblichen Sehgewohnheiten entsprach der Film deshalb lange noch nicht. In Europa, wie die Platzierung hier zeigt, lief er hingegen sehr viel besser. Eco selbst war immer etwas zurückhaltend was den Film betrifft. Bezeicnete Jean Jaques Annauds Film als „eigenständige , akzeptable Interpretation“ ohne Anspruch auf getreue Wiedergabe des Buchinhalts. Geht auch kaum anders, wenn man 800 Seiten eines komplexen Buches in zwei Stunden Film präsentieren will.

Diese Top 10 umfasst eine ganze Menge Erstlinge für mich. ‚Momo‘ dürfte der erste Film auf einer dieser Listen sein, den ich tatsächlich in diesem Zeitraum im Kino gesehen habe. ‚Basil‘ dürfte einer der Filme sein, die ich als Kind am meisten gesehen habe. Denn der lief im steten Wechsel mit ‚Die Hexe und der Zauberer‘ im gratis Kinderkino eines nahegelegenen Möbelmarktes, zu dem ich und ein Freund geradelt sind, wenn wir das ewige Quartett-Spielen mal leid waren. Und ‚Top Gun‘ dürfte der erste Film sein, zu dem ich das zugehörige NES Spiel gespielt habe. Das konzentrierte sich zwar nur auf die Luftszenen, doch verloren die in der Krümelgrafik durchaus einiges ihrer Eindrücklichkeit.

Doch kommen wir zur Auswertung. Vier europäische Filme finden sich in der Liste. Zwei französische, eine deutsch-französisch-italienische Produktion (‚Der Name der Rose‘) und eine deutsch-italienische (‚Momo‘). Die anderen sechs sind amerikanische Produktionen. Franchise Filme finden sich diesmal nur zwei. ‚Top Gun‘, der 34 Jahre später eine Fortsetzung bekommt, zähle ich nicht als Franchise. Überraschend ist für mich ‚Aliens‘ auf einem weit abgeschlagenen 23sten Platz zu sehen. Den hätte ich weit stärker erwartet. ‚Ferris macht blau‘ landet gar nur noch auf Platz 26. Ganz schlimm sieht es für die ehemaligen Top 10 Garanten Spencer und Hill aus. Deren ‚Miami Cops‘ krebst bei Platz 41 herum.

Aber schauen wir mal, was uns das nächste Jahr bringt. Wieder mehr Franchises, auf jeden Fall. Und einen Australier, der uns erklärt was ein Messer ist. Und die Rückkehr der Disney Wiederaufführung. Außerdem tanzen wir richtig dreckig. Verpasst es also lieber nicht!

Top 10 Filme von damals 1986 Platz 10 bis 6

Und weiter geht es mit unserem Zug durch die westdeutschen Top Ten Kinocharts. Mittlerweile sind wir im Jahr 1986 angekommen. Als Grundlage dient wie üblich die entsprechende Liste der Seite chartsurfer.de. Und ebenfalls wie immer schreibe ich zu den Filmen was mir einfällt, sei es persönlich, filmhistorisch oder gar nichts. Vor allem in letzterem Fall sollt Ihr natürlich in den Kommentaren gerne etwas dazu sagen. In allen anderen Fällen aber auch gern. So, nun schauen wir erst einmal, was 1986 so los war in der Welt.

Am 28. Januar bricht die Raumfähre Challenger kurz nach dem Start zu ihrer zehnten Mission auseinander, alle sieben Astronauten kommen ums Leben. Das Problem war wohl, dass der Start bei einer Außentemperatur deutlich unter der vom Hersteller der Boosterraketen als Mindesttemperatur festgelegten (oder genauer deren Ingenieuren, die allerdings vom Management überstimmt wurden), durchgeführt wurde. Dadurch schlug der O-Ring mindestens einer Dichtung leck, die austretenden Gase erweiterten sich schlagartig und die Fähre wurde zerstört. Am 28. Februar wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme, ein einflussreicher Aktivist für Frieden und Abrüstung, nach einem Kinobesuch aus nächster Nähe erschossen. Die Ermittlungen blieben lange Jahre erfolglos, bzw. konzentrierten sich auf den falschen Verdächtigen. Im Jahr 2010 wurde die Verjährungsfrist für Mord in Schweden von 25 Jahren, nicht zuletzt aufgrund dieses Falles abgeschafft. Im Juni 2020 präsentierte die Staatsanwaltschaft, den im Jahr 2000 verstorbenen Stig Engström, als definitiven Tatverdächtigen und stellte die Ermittlungen ein. Weniger als 20% der Schweden überzeugt dies. Am 17. April beenden die Niederlande und die südwestlich von England liegenden Scilly Inseln offiziell den seit 1651 bestehenden, aber natürlich seit Jahrhunderten nicht mehr aktiv ausgefochtenen Kriegszustand. Am 26. April explodiert Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der ukrainischen Stadt Pripyat. Zur Katastrophe kam es bei einer Simulation eines totalen Ausfalls, bei dem sichergestellt werden sollte, dass der Eigenstrombedarf bis zum Anspringen der Notstromaggregate gedeckt wäre. Ein Versuch, der ein Jahr zuvor in Block 3 fehlgeschlagen war. Hierbei wurden Sicherheitsvorschriften extrem missachtet, etwa ein Notkühlsystem nicht wieder aktiviert. Ein Konzeptionsfehler des Reaktors sorgte weiterhin dafür, dass es bei der Notabschaltung zu einem kurzzeitigen Anstieg der Reaktivität kam. Um 1.23 Uhr morgens Ortszeit explodierte jedenfalls der Reaktor. Um 4.30 Uhr meldete der Schichtleiter, der Reaktor sei intakt geblieben. Spätestens bei anbrechendem Tageslicht wurde diese Aussage, nicht zuletzt durch verzweifelt löschende Werksfeuerwehren, als falsch überführt. Mittags wurde die Stadt Pripyat, und bis zum 4. Mai ein Gebiet von 30km um den Reaktor evakuiert. Ein schwelendes Graphitfeuer sorgte für erhebliche Freisetzung weiterer strahlender Elemente. Nachdem erste Versuche zu Aufräumarbeiten mit japanischen und deutschen Robotern aufgrund der extremen Strahlenbelastung fehlgeschlagen waren, wurden sogenannte „Liquidatoren“ mit der Entfernung strahlenden Graphits beauftragt, während der Rest des Reaktors unter einem „Sarkophag“ aus Beton begraben wurde. Vom ausgelösten Fallout war die gesamte nördliche Hemsiphäre betroffen. Vor allem natürlich die Ukraine, Russland und Weißrussland. Aber auch die skandinavischen Staaten, sowie Westeuropa, insbesondere Österreich und der Süden Deutschlands. In Deutschland erschütterte die Katastrophe den ohnehin brüchigen Konsens über die Verwendung von Atomenergie. Die Zahl der Opfer der Katastrophe ist bis heute umstritten. Laut WHO sind weniger als 50 Menschen an Strahlenkrankheit und etwa 4000 an Spätfolgen wie Leukämie oder Schilddrüsenkrebs gestorben. Doch allein für die Opfer der Strahlenkrankheit gibt es andere Schätzungen, die von mehr als 50000 Opfern sprechen. Tatsache ist, dass zehntausende überlebende  Liquidatoren bis heute an schweren Folgen der Strahlung leiden. Am 8. Juni kesselt die Hamburger Polizei eine nichtangekündigte Demonstration über Stunden ein, erlaubt den gut 800 Teilnehmern nicht aus gesundheitlichen oder hygienischen Gründen den Kessel zu verlassen. Diese Demonstration war ausgerechnet eine Reaktion auf Polizeigewalt bei einer Demonstration gegen ein Atomkraftwerk einen Tag früher. In den Abendstunden boten Taxifahrer und Privatleute an, die Teilnehmer gratis nach Hause zu fahren. Polizisten beschädigten daraufhin Fahrzeuge, schlugen Scheiben ein. Das Verwaltungsreicht Hamburg erklärte den Einsatz, der letztlich nur zu 15 Anklagen, davon 7 wegen Verstoß gegen das Versammlungsrecht, geführt hatte, später für rechtswidrig. Die Polizeiführung wurde (wegen Freiheitsberaubung in 861 Fällen) verwarnt, die Demonstranten erhielten je 200 DM Schadensersatz. Am 12. Juni demonstrierten nun 50000 Menschen, angeführt von 100 Taxen, gegen die Polizeiwillkür. Der „Hamburger Kessel“ wurde zum meistkritisierten Polizeieinsatz der Bundesrepublik. Für die Hamburger Polizei sollte es kein gutes Jahr werden. Denn am 29. Juli erschoss Werner „Mucki“ Pinzner mit einer von seiner Anwältin geschmuggelten Waffe im Polizeipräsidium den gegen ihn ermittelnden Staatsanwalt seine (Pinzners) Ehefrau und schließlich sich selbst. Pinzner war zuvor, aus dem offenen Strafvollzug heraus, als Auftragsmörder für das Hamburger Rotlichtmilieu tätig gewesen. Am 16. Oktober wird Reinhold Messner zum ersten Menschen, der alle 14 Achttausender erstiegen hat. Am 5. November lässt die Non-Profit Genossenschaft DENIC die Top-Level-Domain .de für die Internetkennung in der IANA Datenbank anlegen. Mann, was für’n Jahr, jetzt aber wirklich bloß schnell ins Kino!

  1. ‚Die City-Cobra‘

Das ist der Film, den Sylvester Stallone statt ‚Beverly Hills Cop‘ gedreht hat. Maria (im Original Marion) „Cobra“ Cobretti (Stallone) ist ein knallharter Polizist des LAPD. In L.A. geht gerade die Sekte des Nightstalker um. Wenn die nicht gerade irgendwo herumstehen und Äxte aneinanderdengeln, begehen sie scheinbar wahllos Morde. Model Ingrid (Brigitte Nielsen) wird Zeugin eines solchen Mordes und wird, nachdem sich herausstellt, dass die Nightstalker auch die Polizei unterwandert haben, unter Cobras Schutz gestellt. Das ist einer dieser Filme, dem nicht nur zu Erscheinen häufig faschistische Tendenzen nachgesagt wurden. Das Lexikon des Internationalen Films schreibt etwa: „Ein bluttriefendes Action-Spektakel, das seine gewaltverherrlichende Botschaft teilweise mit faschistoider Mentalität verbreitet.“ Und in diesem Fall finde ich es, gerade wegen Slogans wie „Verbrechen ist eine Krankheit. Er ist die Heilung.“ ein Stück weit nachvollziehbar. Zumindest theoretisch. Denn praktisch ist der Film derart albern und unfreiwillig komisch, dass ich ihn unmöglich ernst nehmen kann. Da nimmt Cobra eine Pizza aus dem Kühlschrank, schneidet sich mit der Papierschere ein Stück ab und schiebt es sich in den Hals. Oder reißt einem Punk unmotiviert das Shirt auf und enthüllt das Köpermikro des Darstellers. Das Ganze ist so zwanghaft darauf ausgerichtet Stallone cool aussehen zu lassen, dass es wehtut aber immerhin das Zwerchfell kitzelt. Die Action hingegen ist gewohnt gekonnt von ‚Rambo 2‘ Regisseur George P. Cosmatos inszeniert.

  1. ‚Momo‘

Die andere Michael Ende Verfilmung. Im Gegensatz zu ‚Die unendliche Geschichte‘, war der Autor mit der Umsetzung von ‚Momo‘ hochzufrieden. Radost Bokel gibt das Mädchen Momo, das in einem alten Amphitheater lebt und das Zuhören zur Kunstform erhoben hat. Das Auftauchen der Grauen Herren habe ich für mich als kleinen Jungen sehr unheimlich in Erinnerung. Unter der Führung eines Charakters vom stets großartigen Armin Müller-Stahl verkörpert, wollen die den Menschen die Zeit stehlen. Ihr größtes Hindernis dabei sind Kinder, allen voran Momo, die sich auch mit materiellen Geschenken nicht kaufen lässt. Von Regisseur Johannes Schaaf in den römischen Cinecitta Studios in enger Zusammenarbeit mit Ende, der auch einen Cameo Auftritt hat, inszeniert, ist der Film der letzte Auftritt von Hollywoodlegende John Huston als weiser Meister Hora. Ich habe den Film wohl seit deutlich über 20 Jahren nicht gesehen, aber durch die kurze Recherche wieder erheblich Lust drauf bekommen.

  1. ‚Basil – Der Große Mäusedetektiv‘

‚Basil‘ ist ein großartiger Film, der Disney vor der drohenden Pleite gerettet hat. So richtig dankbar waren sie ihrem kleinen Mäusedetektiv dafür aber nie. Wir erfahren, dass die Mäuse Londons in einer ganz ähnlichen Gesellschaft organisiert sind wie die Menschen. Ja, die britischen Mäuse scheinen gar ihr eigenes Empire zu betreiben, ist doch auch Watson Analog Wasdenn/Dawson gerade aus Afghanistan zurückgekehrt. Highlight des Films ist im Original zweifelsohne Vincent Price als Moriarty Figur Rattenzahn/Rattigan. Ausführlich habe ich zu dem Film hier geschrieben.

  1. ‚Drei Männer Und Ein Baby‘

Das französische Original. Eine Verflossene stellt vor der WG dreier jungeselliger Lebemänner ein Baby, von dem einer von ihnen der Vater ist, ab. Nun werden sie in eine ungewohnte Elternrolle gedrängt und er Film nimmt dabei typische Geschlechterrollen humoristisch ins Visier. Dank eines Packens voll Heroin kommen auch noch wütende Gangster ins Spiel. Ich muss gestehen, für mich fließen dieses Original von Coline Serreau und das alsbaldige US-Remake von „Mr. Spock“ Leonard Nimoy ziemlich ineinander. Nicht zuletzt weil ich beide Ewigkeiten nicht gesehen habe und es für mich eigentlich immer so „Katerfilme“ waren, die man Sonntags mit Brummschädel halt im Fernsehen mehr oder weniger aufmerksam geschaut hat.

  1. ‚Asterix – Sieg Über Cäsar‘

Eine Vermischung der Geschichten der Comic-Bände ‚Asterix als Legionär‘ und ‚Asterix als Gladiator‘. Ein unerfahrener Dekurio macht den Fehler Falbala und Tragicomix, zwei Bewohner des bekannten gallischen Dorfes zu entführen. Nachdem das Römerlager ohne Auffindung der Entführten zerlegt wurde, machen sich Asterix und Obelix schnell an die Verfolgung der Entführer durch das halbe römische Reich. Hinunter nach Nordafrika und schließlich nach Rom, wohin die beiden im Zuge der Siegesfeierlichkeiten Cäsars gebracht wurden. Kein schlechter Asterix-Film, wobei ich sowohl den (lange) davor ‚Asterix erobert Rom‘ und den (kurz) danach ‚Asterix bei den Briten‘ deutlich lieber mag. Der Titelsong („Asteeerix ist daaaaaa“) ist allerdings ziemlich furchtbar. Eine Besonderheit der deutschen Synchro ist, dass sowohl Obelix (Wolfgang Hess) als auch Miraculix (Arnold Marquis) wie Bud Spencer klingen. Das gab’s nicht oft. Hier passt‘s ja, gibt es doch ganz im Spencer-Sinne  ordentlich auffe Nuss.

Nächste Woche schauen wir uns die obere Hälfte der Charts an. Dort treffen wir erneut auf ein Paar aus einem dieser Filme, gehen in die Luft und kriegen schon wieder Besuch von der Deppen-Polizei. Auf Platz eins wird es hingegen monastisch.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 liebsten männlichen Seriencharaktere (Lead-Role)

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag. Heute fragt uns Gina nach unseren 5 liebsten männlichen Seriencharakteren. Wobei diese Hauptcharaktere sein müssen. Das hat’s für mich etwas schwieriger gemacht, weil es meist die Nebenfiguren sind, die mir mehr im Gedächtnis bleiben. Hier ist jedenfalls meine Liste.

  1. Sherlock Holmes (Jeremy Brett) aus ‚Sherlock Holmes‘

Brett ist für mich so etwas wie die ideale Gerinnung der Beschreibung des Meisterdetektivs aus Doyles Geschichten. Fast wirkt er wie direkt den Seiten entstiegen. Genau wie der Detektiv dort beginnt er die Serie als der kalte, distanzierte Analytiker und entdeckt in ihrem Laufe sein Herz.

  1. Homer Simpson aus ‚Die Simpsons‘

Homer ist ein Charakter ganz ähnlich dem Donald Duck von Carl Barks. Charaktere, denen wir uns durch ihr beständiges Scheitern nahe fühlen. Bloß trinkt Homer weit mehr Bier als Donald und ist vermutlich eine noch weit schlechtere Vaterfigur als der jähzornige Erpel.

  1. Jean-Luc Picard aus ‚Star Trek: das nächste Jahrhundert‘

Auch Picard machte im Laufe der Serie eine Entwicklung durch. Vom über allem stehenden Moralapostel, zum immer noch hochmoralischen Mann, der aber beide Beine fest auf dem Deck hatte.

  1. Agent Dale Cooper aus ‚Twin Peaks‘

Dale Cooper erschien anfangs wie der typische, hochanständige FBI Agent, wie man ihn in Serien im Dutzend begegnet. Sicherlich von Lynch und Frost mit einigen ungewöhnlichen Eigenschaften ausgestattet aber nicht unbedingt auffällig. Es war letztlich Kyle McLachlans Darstellung, die ihn in meiner Sympathie weit hat steigen lassen. Und, ohne zu viel zu verraten, Lynch lässt uns in ‚The Return‘ ja grausam lange auf Coop warten, aber als der Satz ‚I am the FBI!‘ fiel, habe ich schon in die  Luft geboxt…

  1. Tony Soprano aus ‚Die Sopranos‘

Tony Soprano ist ein Monster. Dass er seine Frau serienmäßig hintergeht fällt bei all den Morden, der Erpressung, dem Raub, den Drohungen und was nicht noch allem kaum mehr ins Gewicht. Das macht ihn nicht zu etwas besonderem, diese Beschreibung passt vermutlich auf tausende Mafiosi. Doch Tony ahnt auf irgendeiner Ebene, dass er ein Monster ist. Er sucht eine Therapeutin auf, mit der er aber nicht offen sprechen kann. Dieses Monster wird vom großartigen James Gandolfini in all seiner Widersprüchlichkeit und ohne jede Beschönigung mit einem derartigen Charisma gespielt, dass wir zwar immer noch sehen, dass er ein Monster ist, wir uns aber dennoch nicht von ihm losreißen können.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Historienfilme

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag. Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Historienfilmen. Ich könnte jetzt wieder komplexe Regeln aufstellen für die Auswahl des Films, doch da mich heute meine 5 (oder 6) Kandidaten geradezu angesprungen haben, kann ich mir das zum Glück sparen. Legen wir los!

  1. ‚Master & Commander‘

Manchmal habe ich das Gefühl neben Peter Weir und Russel Crowe der Einzige zu sein, dem an dieser Verfilmung aus der Romanreihe um den Kapitän „Lucky“ Jack Aubrey etwas liegt. Dabei macht der Film etwas richtig, woran so viele andere Historienfilme scheitern. Anstatt einer existierenden Person Taten anzudichten, erfindet er eine neue und führt sie in ein vollkommen realistisches, historisches Szenario ein, in dem sie vollkommen glaubwürdig handeln darf. War es im Buch noch ein amerikanisches Kriegsschiff, mit dem Aubrey es aufnehmen musste, wurde es für den Film ein französisches, aus Sorge das US Publikum würde auf die Barrikaden gehen. Genützt hat’s nix, das Publikum wollte insgesamt lieber Jack Sparrow als Jack Aubrey sehen. Schade.

  1. ‚The Witch‘ und ‚Der Leuchtturm‘

Ich konnte mich nicht für einen Film von robert Eggers entscheiden, also landen beide auf der Liste. Sie stellen zwar unterschiedliche Epochen dar, doch gemeinsam ist ihnen, dass Eggers niemals gezielt auf die Zeit seiner Filme hinweist. Stattdessen fühlt man sich als Zuschauer zu gleichen Teilen in einer glaubhaften aber völlig fremden Welt wieder und mit Charakteren konfrontiert die für sich logisch, für uns aber ungewohnt handeln.

  1. ‚Barry Lyndon‘

Kubricks etwas ungeliebter Barry Lyndon ist das genaue Gegenteil. Kubrick besteht darauf, das wir wissen hier Historie zu sehen. Und lässt sie exakt so aussehen wie zeitgenössische Gemälde. Damals musste er sich, um bei Kerzenschein drehen zu können, noch von der Nasa mit Objektiven aushelfen lassen, aber es hat sich gelohnt. Kein anderer Film hat bislang wieder einen derart ambitionierten Versuch unternommen. Das bei Perfektionist Kubrick jede Gabel und jeder Knopf historisch korrekt ist, steht ja eh außer Frage.

  1. ‚The Favourite‘

Yorgos Lanthimos präsentiert seinen Historienfilm als einen ironisch-distanzierten Blick auf eine dekadente, intrigenspinnende Hofgesellschaft, in der sich zwei Frauen um die Gunst von Olivia Colmans grandioser Queen Anne streiten. Das die zu gleichen Teilen bemitleidenswert, unerträglich und furchteinflößend ist, ist für den historischen Film wenigstens ungewohnt. Ebenso, dass man einen nackten Torie mit Perücke zu sehen bekommt, der vom gesamten Hofstaat mit Granatäpfeln beworfen wird.

  1. ‚Porträt einer jungen Frau in Flammen‘

Céline Sciammas Film um eine Malerin, die eine junge Adelige heimlich malen muss, während sie vorgibt ihre Gesellschafterin zu sein ist nicht einfach nur technisch perfekt, großartig besetzt und sieht umwerfend aus. Sciamma will ganz nebenbei noch eine Diskussion über Bedeutung und Arten des Sehens, nicht nur im visuellen Medium Film, führen. Dabei wird es aber nie, was bei französischen Filmen nicht selbstverständlich ist, zum gefilmten Essay, sondern bleibt zu jedem Moment eine fesselnde Liebesgeschichte.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 schlechtesten Buchverfilmungen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag. Heute fragt uns Gina nach den 5 schlechtesten Buchverfilmungen. Und daran bin ich womöglich nicht ganz unschuldig. Wie letzte Woche gilt, dass ich sowohl Buch als auch Film kennen muss und der Film nicht nur eine schlechte Adaption, sondern auch ein schlechter (oder wenigstens kein guter) Film sein darf.

 

  1. ‚Der Rasenmähermann‘

Miserable King-Verfilmungen gibt es viele. Aber nicht viele sind derartiger Etikettenschwindel. In Kings Geschichte ist der Rasenmähermann, ein dicker, haariger Gärtner, der anstatt zu mähen, nackt das Gras im Garten des Protagonisten isst. Wenn ich mich recht erinnere stellt er sich als der Gott Pan heraus. Im Film geht’s um irgendeinen dämlichen Cyberspace-Intelligenzerhöhungs-Kram. Frechheit! Ich will einen Danny DeVito-Pan, der Gras mampft, verdammt noch eins!

  1. ‚Dune‘ (1984)

Ich liebe David Lynch, aber der Film hier geht gar nicht. Das liegt zugegeben weniger an Lynchs Regie und mehr am Drehbuch. Hier werden keine Dialoge geführt, es wird Exposition herausgewürgt. Die Darsteller stehen herum und erklären sich gegenseitig den Film. Und nicht mal besonders gut, folglich muss eine extrem benebelt klingende Prinzessin Irulan am Anfang gefühlte fünfeinhalb Tage lang ein Referat über die würzige Lage im Universum halten.

  1. ‚Der Hobbit‘

Wo ‚Dune‘ erheblich zu viel Inhalt in einen Film pressen wollte, mühen sich die Hobbit-Filme am genauen Gegenteil ab. Ein kurzes Buch muss hier auf drei riesige Filme aufgebläht werden, weil es doch für den Herrn der Ringe auch funktioniert hat. Das Ergebnis ist zu viel von allem.

  1. ‚I, Robot‘

Isaac Asimov hat seine Roboter-Geschichten aus einem ganz bestimmten Grund geschrieben. Ihn langweilten die typischen SciFi Stories um Roboter, die Menschen töten. Also entwarf er seine berühmten drei Gesetze der Robotik, die es Robotern unmöglich machen Menschen zu schaden und wurde kreativ, was für Geschichten man mit dieser Ausgangssituation erzählen kann. Die Reaktion der Filmemacher darauf war offenbar „Der Scheiß ist öde, wir wollen Roboter, die Menschen töten! Und Product Placement! Jede Menge Product Placement!“

  1. ‚The Time Machine‘ (2002)

An dieser Adaption funktioniert nichts. Nicht die idiotische, erweiterte Geschichte. Nicht die miserablen 2002 CGI Effekte. Nicht Guy Pearce (den ich sonst sehr mag), der die gesamte Hauptrolle mit halb geöffnetem Mund spielt, als könne er selbst nicht fassen was er da tut. Und sicherlich nicht Jeremy Irons als Obermorlock-Ninjaturtle-Dingsbums, mit dem sich Protagonist in der Zeitmaschine prügelt. Der Film existiert aus genau einem Grund: weil Regisseur Simon Wells Autor H.G. Wells Urgroßenkel ist und sich das gut in Promomaterial machte. Absolut lächerlicher Murks.