Ist der wirklich sooo schlecht? ‚Speed Racer‘ (2008)

Zehn Jahre alt wird der berüchtigte Flop der Wachowski Geschwister diesen Sommer. Kann es einen besseren Moment geben, um den Blick zurückzuwenden und die Frage zu stellen, ob die Verfilmung eines 60er Jahre Manga von Tatsuo Yoshida (bzw. der etwas späteren Anime-Serie) wirklich derart misslungen ist, wie ihr Ruf vermuten lässt? Kurz: Ist der wirklich sooo schlecht?

Allerdings spiele ich heute nicht nach meinen eigenen Regeln und verrate meine Antwort im Voraus: um Himmels Willen, nein! ‚Speed Racer‘ ist in keiner Hinsicht ein schlechter Film. Er ist ein ungewöhnlicher Film. Für den Mainstream von 2008 ist er sogar ein zu ungewöhnlicher Film, der dazu noch das Pech hatte gegen den schlimmstmöglichen Rivalen antreten zu müssen. In einem Duell, das womöglich den Hollywood Popcorn Mainstream der letzten 10 Jahre entscheidend beeinflusst hat. Falls Euch das noch nicht neugierig genug auf den Artikel gemacht hat, lasst Euch sagen, dass Batman auch noch auftaucht! Verlieren wir also bloß keine Zeit! Weiterlesen

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All Star (Wars)

Tja, das hier existiert. Und jetzt wisst Ihr es auch und könnt es nie wieder entwissen. Das tut mir beinahe leid, aber ich kann mich dem hypnotischen Sog nicht entziehen, kann nicht recht den FINN-gaah drauflegen, was es ist.

 

Ich wünsche dennoch einen schönen sonnigen Sonntag.

Sagt mal, schaut Ihr noch fern?

Vor einiger Zeit schrieb ich hier über die Frage, ob man einen Film lieber im Kino oder zu Hause schauen möchte. Das hat mich jetzt, ganz organisch, zum ehemals mächtigsten Massenmedium geführt: dem Fernsehen. Und der Frage warum man es eigentlich noch schaut. Das „klassische“, „lineare“ Fernsehen, meine ich. Es hat einmal grundlegend verändert wie der Mensch lebt und wohnt, am sichtbarsten wohl insofern, als dass Wohnzimmereinrichtungen grundlegend auf den Fernseher ausgerichtet wurden, was den Fernseher wohl zum einschneidendsten Stück Inneneinrichtung seit Erfindung des Stuhles machen dürfte. Für die Filmstudios war es zunächst der große Buhmann, der böse gefürchtete Konkurrent, wurde aber schnell zur attraktiven Zweitverwertung von Archivtiteln und hat so vermutlich Großes für den Erhalt von Filmen geleistet. In England machte man sich anfangs Sorgen, ob es wohl Majestätsbeleidigung wäre, wenn ein Fernsehzuschauer bei der Krönung Elisabeth II. den Hut aufbehalte. Das Fernsehen schien wie eine neue Quelle demokratischer Macht, als Informationslieferant, Aufklärer und Beobachter. Und natürlich Allround-Entertainer in den eigenen vier Wänden. Dann bekam es irgendwann den Ruf der Verdummungsmaschine. Die Kinder lesen nicht mehr, sie spielen nicht mehr, sie glotzen nur noch. Dem Erfolg des Fernsehens tat das keinen Abbruch, vermutlich weil beide Ansichten in gleichem Maße wahr und korrekt sein können. Dann aber kam das Internet. Weiterlesen

Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Serienwelten, die ich nur sehr ungern verlassen habe

Heute fragt uns Gorana nach etwas, das wohl jeder von uns schon einmal (oder besser noch fünf Mal) erlebt haben dürfte. Einer Serienwelt, die einem derart ans Herz wächst, dass man sie nach Ende der Serie nur ungern verlässt. Wie meine Beispiele zeigen, braucht es für mich dafür nicht einmal besonders viel Zeit solange Charaktere und Ort gut etabliert werden, kann es sehr schnell gehen, dass ich nicht mehr weg möchte.

  1. ‚Firefly‘

Mit ’ner Bande Gaunern durchs All fliegen, Abenteuer erleben und Geld verdienen. Das hätte mir mit 12 Jahren gefallen und, wenn es so läuft wie bei Firefly, dann klingt es auch heute noch noch wie ein guter Deal. Zumindest war der Ausflug hier viel zu schnell wieder vorbei.

  1. ‚Deadwood‘

„Welcome to fuckin‘ Deadwood! It can be… combative!“ Sowohl im historischen Deadwood, als auch in dieser sehr bodenständigen Westernserie hätte ich vermutlich die Überlebenschancen eines dreibeinigen Waschbären auf der Autobahn gehabt, aber trotzdem hat dieses dreckige Nest mit seinen Halsabschneidern, Glücksrittern, Betrügern, Zuhältern und allem anderen zwielichtigen Gesindel seine ganz eigene Anziehungskraft. Und wenigstens waren sich alle einig, das Hearst und die Pinkerton-Agenten das Letzte sind. Das ist doch schon mal was.

  1. ‚Spaced‘

Das ist eine WG, in die ich sofort einziehen würde. Die erste Zusammenarbeit zwischen Edgar Wright, Simon Pegg und Nick Frost zeichnet das Bild einer hochsympathischen Freundesgruppe, mit der ich immer wieder gerne etwas Zeit verbringe.

  1. ‚Carnivale‘

Habe ich schon mal erwähnt, dass ich nicht mehr bitter über die frühe Absetzung von Carnivale bin? Wer hätte gedacht, dass es so faszinierend sein könnte mit einem durchaus merkwürdigen wandernden Jahrmarkt, mit noch seltsameren Personal, durch die Trostlosigkeit des amerikanischen Dustbowl der 30er Jahre zu ziehen? Mythologische und historische Elemente vermengten sich hier auf faszinierendste Weise und Clancy Brown gab einen der besten Antagonisten der Seriengeschichte. Aber ich bin nicht mehr bitter wegen des überhetzten Finales, HBO. ICH BIN NICHT BITTER!

  1. ‚Twin Peaks‘

Ich habe die neuen Twin Peaks Teile noch nicht gesehen, beziehe mich also nur auf die originale Serie. Und während Twin Peaks dort ein durchaus merkwürdiger und nicht selten sogar unheimlicher Ort ist, ist es doch einer in dem ich, selbst in der schwachen zweiten Hälfte der zweiten Staffel, gerne Zeit verbracht habe. Die majestätischen Wälder des Pazifischen Nordwestens, der Duft der Douglasien. Kirschkuchen und verdammt guter Kaffee im Double R Diner und ein paar Nächte im Great Northern Hotel. Das klingt für mich ganz wunderbar. Selbst wenn im Nebenzimmer die Isländer singen und die Eulen nicht sind was sie scheinen.

‚Crimson Peak‘ (2015) – Tonförderung geht auf den Geist

Ich mag Guillermo Del Toro. Er hat mit ‚Pans Labyrinth‘ für mich einen der besten Filme des noch jungen Jahrtausends abgeliefert. Letztlich merkt man aber jedem seiner Filme die tiefe Liebe zum Medium und den gewählten Themen an. Selbst den Filmen, die er eindeutig mehr für das Studio gedreht hat. In den beiden ‚Hellboys‘ und im ersten ‚Pacific Rim‘ steckt mehr Vision, mehr Detail und mehr Herz als in vielen anderen Blockbustern. Kurz: ich kann mir kaum einen würdigeren Oscar-Gewinner vorstellen. Mal ganz davon abgesehen, dass es sich irgendwie angefühlt hat, als hätte ein guter Kumpel was gewonnen.

Da ich Del Toro also sehr schätze, hätte ich ‚Crimson Peak‘ eigentlich lieben müssen, fühlt er sich doch ein bisschen so an, als wäre er speziell für mich gemacht. Er wirkt, als wäre er aus einer Liebesbeziehung der Filme der Hammer Studios und Roger Cormans Poe-Verfilmungen entstanden, hätte Mario Bava zum Taufpaten gehabt, sehr viel Shirley Jackson und Daphne Du Maurier gelesen und es dann irgendwie zu einem Millionen-Budget gebracht. Und doch mag ich den Film nur sehr, eine richtige Liebe will sich nicht recht entwickeln. Im Folgenden versuche ich zu ergründen warum.

Edith Cushing (Mia Wasikowska) ist eine intelligent aber naive, junge Autorin im Buffalo des späten 19ten Jahrhunderts. Eines Tages taucht der verarmte, britische Aristokrat Sir Thomas Sharp (Tom Hiddleston) in Buffalo auf und versucht Geld für eine neue Förderanlage für den roten Ton auf seinem Familiensitz Allerdale Hall von Ediths Vater (Jim Beaver) zu erbitten. Der hat für den eleganten Engländer wenig mehr als Verachtung übrig. Bald sind Edith und Thomas einander aber romantisch zugetan, sehr zum Unmut des Vaters und ihres Jugendfreundes Dr. Allan Michael (Charlie Hunnam). Doch als ihr Vater – plötzlich und unerwartet und zumindest ein wenig verdächtig – zu Tode kommt, hält sie Nichts und Niemand davon ab Thomas zu heiraten und ihn und seine Schwester Lucille (Jessica Chastain) nach Allerdale Hall zu begleiten. Das verfallende Haus erweist sich für Edith bald als Alptraum, als ihr sowohl Geister als auch eigene Nachforschungen die grausame Geschichte des ‚Crimson Peak‘ aber auch des Geschwisterpaares eröffnen.

Was die Ausstattung angeht ist der Film beinahe unglaublich. Produktionsdesign und Kostüme sind schlicht meisterhaft. In Allerdale Hall meint man Feuchtigkeit, Schwarzschimmel und Verfall beinahe riechen zu können, die kalte Zugluft der löchrigen Wände auf der eigenen Haut zu spüren. Und Del Toro sieht das nicht als Selbstzweck, er bindet es perfekt in seine Geschichte ein. Wenn Edith in einem gelben Kleid im Gitterfahrstuhl in die Mine herabfährt, denkt man unwillkürlich an den Kanarienvogel und seine tödliche Mission in alten Bergbauzeiten. Lucille hingegen scheint quasi ein Teil des Hauses zu sein und gelegentlich aus ihm hervorzuwachsen, Kleid und Haltung machen klar, dass auch wenn das Haus zusammenfällt, sie das Alte aufrechterhalten will. Del Toro bildet die Zeit seiner Erzählung ab, gleichzeitig aber gemahnt auch alles an diese sehr spezifische Zeit des 60er Jahre Horrors, besessen vom 19ten Jahrhundert. Kameramann Dan Laustsen und Del Toro verlieren sich aber nie in direkten Hommagen (oder gar Parodien) sondern schaffen etwas sehr Eigenständiges.

Vielleicht ist diese glaubwürdige Rückschau aber auch einer der Gründe, warum die Geister sich ein wenig wie Fremdkörper anfühlen. Und das meine ich nicht im positiven Sinne. In die Erscheinungen ist fast etwas zu viel CGI geflossen, ein paar zu viele schwarze Rauchwolken steigen auf, etwas zu viel Computerblut verblubbert ins Nichts. Dass sie nicht unheimlich sind ist hingegen nicht das Problem. Die Geister sollen hier nicht die Quelle des Schreckens sein, das ist was die lebenden Menschen einander antun.

Und hier sind wir vermutlich bei einem der zentralen Probleme des Films angekommen. Das Drehbuch von Matthew Robinson, der auch für das Buch des schwachen Del Toro Films ‚Mimic‘ verantwortlich zeichnet, ist ebenso oft offensichtlich, wie redundant. Ihm scheint sehr daran gelegen, dass jeder aber wirklich jeder mitbekommt worum es geht. Sei es, dass er Edith über eine ihrer Geschichten sagen lässt „die Geister sind eine Metapher für die Vergangenheit“, damit wir auch ja wissen, wie wir die Geister hier einzuschätzen haben. Ediths Nachforschungen über Thomas‘ frühere Ehen und die Geistererscheinungen wiederholen Eindeutiges mehrfach bis zum Augenrollen. Die Charaktere sind immer einen kleinen Schritt hinter dem Zuschauer zurück aber oft auf eine Weise, die weniger Spannung erzeugt, als frustriert. Und Charlie Hunnams Charakter ist in etwa Scatman Crothers aus ‚Shining‘, nur noch ein Stück weniger effektiv.

Das soll nicht heißen, das Buch habe keine Stärken. Ich fand es zum Beispiel interessant, dass Ediths Vater, der vorgeblich ihre Unabhängigkeit und ihren – für eine Frau im 19ten Jahrhundert ungewöhnlichen – Lebensstil unterstützt, ihr  eben nicht die Wahrheit sagt, als er diese über Thomas herausfindet, sondern Thomas zwingt eine Geschichte zu erfinden, weil er meint Edith könne mit der Wahrheit nicht umgehen. So ist er – nachdem sein Kopf eine ebenso unangenehme wie fatale Begegnung mit einem Waschbecken hatte – ein Stück weit verantwortlich für das was seiner Tochter passiert. Und auch mit den Schwächen des Buches weiß Del Toro zu spielen. Jessica Chastains Blick, als Edith die Wahrheit über Thomas und Lucille Beziehung klar wird und sie messerscharf aber völlig falsch schlussfolgert „ihr seid gar keine Geschwister“, ist einer der am besten gespielten Momente des Films.

Überhaupt genießen sowohl Chastain als auch Tom Hiddleston ihre Rollen als mörderische Bösewichte sichtlich. Stimmen, die Chastain hier fehlbesetzt sehen wollen kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, sie ist annähernd perfekt. Und sicherlich merkt man als Zuschauer sofort, wenn Tom Hiddlestons Charakter ins Bild tritt, das mit ihm so einiges nicht stimmt, doch gelingt Mia Wasikowska das Kunststück ihre Rolle naiv (aber dabei nicht dumm!) genug wirken zu lassen, um auf Loki hereinzufallen.

Ob man den Film nun als Horror oder, wie Del Toro, als „Gothische Romanze“ sehen möchte sei jedem überlassen, relativ unangenehme Themen behandelt er dennoch, von Inzest, über alle Formen innerfamiliärer Schrecken, bis zu grafischer und oft erschreckend brutaler Gewalt.

Ich habe den Film jetzt drei Mal gesehen. Bei jedem Ansehen gefiel er mir ein klein wenig mehr. Was fehlt also noch zu echter Liebe? Vielleicht hätte man das Buch noch ein wenig mehr bändigen müssen oder bei den Geistern ein wenig mehr dem vertrauen können, was vor der Kamera ist. Letztlich ist der Film ein wunderschönes Gefäß, in dem aber nicht wirklich viel drin ist. Aber wer weiß, vielleicht muss ich ihn auch nur noch drei weitere Male sehen, bis ich selbst etwas in das Gefäß lege und dann ist die Liebe da. Obwohl man die ja nicht heraufzwingen kann, wie Ton aus dem Erdboden.

Wer früher geht verpasst was nach dem Abspann kommt – auch an Ostern

Ah Freunde, das Osterfest steht vor der Tür! Wir feiern, dass dieser Hase von der Südpazifikinsel mit den Steinköpfen drauf, den Hühnern der Welt gezeigt hat wie man bunte Schokoeier legt! Oder die Auferstehung Jesus Christus, je nachdem. Worüber könnte ich zu diesem Anlass schreiben? Über den besten Film um Jesus (der deutlich mehr bekommen hat, als der Hase) vielleicht? Wie diese Einleitung zeigen mag, bin ich dafür vermutlich nicht ganz der Richtige, falls es aber doch jemanden interessieren sollte, mein Liebster ist Martin Scorceses ‚Die Letzte Versuchung Christi‘ von 1988. Nein, ich werde heute über etwas anderes schreiben (mit immerhin besserer Osterverbindung, als die furchtbare Überschrift vermuten lässt). Wir alle kennen „Easter Eggs“ im Film, kleine versteckte Gags für Aufmerksame und Mehrfachgucker. Und eine Form dieser Easter Eggs waren einmal Nach-Credit-Szenen. Inzwischen werden die bei Blockbustern ja schon erwartet. Aber wer hat damit angefangen und wie haben sie sich im Laufe der Zeit gewandelt? Schauen wir mal! Weiterlesen