Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Filme für die einsame Insel

Aloha! Heute fragt uns Gorana bei den 5 Besten am Donnerstag, welche 5 Filme wir mit auf eine – technisch erstaunlich gut ausgestattete – Insel nehmen würden. Von ‚Cast Away‘ oder Filmen, wie ‚Herr der Fliegen‘ sollte man wohl Abstand nehmen, stellen sie die Situation, in der man sich hoffentlich freiwillig befindet alles andere als schön dar. Nein, der springende Punkt heute ist der Wiederanschauwert von Filmen. Ich möchte eigentlich jeden Film, der mir halbwegs gefallen hat noch einmal sehen, schon weil eine Zweitsichtung einen ganz neuen Blickwinkel eröffnet. Ich habe mich hier aber auf Filme beschränkt, die ich sehr oft gesehen habe.

  1. Blade Runner (1982)

Nicht zuletzt, weil ich so eine Box habe, in der gefühlte 27 Versionen des Films zu finden sind. Wenn ich mir bei der letzten halbwegs sicher bin, ob Deckard nun ein Replikant ist oder nicht, dann habe ich schon wieder vergessen, wie es bei der ersten aussah. In den meisten Versionen ist es auch einfach ein großartiger Film, der vor allem mit seiner Ästhetik auf der Insel für Abwechslung sorgen würde.

  1. Und täglich grüßt das Murmeltier (1993)

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Film dank zahlloser Fernsehausstrahlungen und jetzt dank BluRay schon gesehen habe aber es scheint immer noch nicht genug zu sein. Bill Murray als ziemlicher Mistkerl, der wieder und wieder denselben Tag in einer verschneiten Kleinstadt durchleben muss, bis er endlich ein persönliches Wachstum durchmacht. „That first step is a doozy!“

  1. The Big Lebowski (1998)

Jeff Bridges Paraderolle, die er seit diesem Film anscheinend nie wieder ganz losgeworden ist, der Dude, wird nach dem Diebstahl seines Teppichs in einen chandleresken Kriminalfall rund um Millionäre und Nihilisten verwickelt. Da er weiß, was im Leben wichtig ist, White Russians, Gras und Bowling bleibt er allerdings weitgehend entspannt. Wenn ihr einen Grund braucht den mal wieder zu schauen: Philip Seymour Hoffmans Auftritt als Brandt wird nicht oft genug lobend erwähnt. Und wenn ihr das anders seht, well that’s just like your opinion, man!

  1. Shaun of the Dead (2004) + den Rest der Cornetto Trilogie

Mit Edgar Wright steht einer der besten Komödien Regisseure des 21. Jahrhunderts hinter der Kamera, mit Simon Pegg und Nick Frost, ein Paar mit einer Chemie, wie kein zweites davor. Alle drei Filme der Cornetto Trilogie sind absolut (wieder-)sehenswert aber, weil ich natürlich nicht meine halbe Liste damit füllen wollte, beschränke ich mich hier auf ‚Shaun‘.

  1. Ghostbusters (1984)

Okay, vielleicht müsste ich den Film nicht unbedingt mitnehmen, ich könnte die meisten Dialoge vermutlich frei heruntersprechen und würde mich so schon genug amüsieren. Aber da ja wohl die Chance besteht, dass ich auf der Insel auch mal Besuch bekomme soll der mich nicht für verrückt halten, wenn ich vom Gatekeeper und Keymaster fasele. Und wenn ich auf den Film zeigen kann und sage, dass ich den hunderte Male gesehen habe und mitsprechen kann, wird hoffentlich klar, dass alles völlig normal ist…

‚The LEGO Batman Movie‘ (2017) „Computer! Overcompensate!“

Was hatte ich nicht für Vorstellungen, bevor ich Phil Lords und Chris Millers ‚Lego Movie‘ gesehen habe. Einen seelenlosen 90 minütigen Werbespot für das beliebte, dänische Bauspielzeug habe ich erwartet. Was ich stattdessen bekommen habe, lässt sich wohl am besten mit den Worten „everything is awesome!“ zusammenfassen. Sicherlich, wie ernst man die antikorporatistische Aussage des Films nehmen kann, angesichts nicht nur seiner Entstehung, sondern auch mehrerer Spin-Offs und Fortsetzungen, bleibt jedem selbst überlassen. Dennoch hatte der Film Herz und führte jede Menge liebenswertet Charaktere ein. Und der weitaus coolste von denen, zumindest seiner eigenen Meinung nach, ist Will Arnetts selbstverliebter Batman. Kein Wunder also, dass der dann auch den ersten Spin-off Film bestreiten durfte.

Batman (Arnett) ist frustriert. Jim Gordon (Hector Elizondo) ist in den Ruhestand gegangen und seine Nachfolgerin Barbara Gordon (Rosario Dawson) erwartet, dass Batman mit der Polizei zusammenarbeitet. Dann überrascht ihn auch noch der Joker (Zach Galifianakis) mit einem Gespräch über ihre „komplizierte“ Beziehung als Erzfeinde. Niemand scheint verstehen zu wollen, dass Batman mit niemandem zusammenarbeitet und ganz bestimmt keine Beziehungen führt. Batman arbeitet und ist allein! Die Tatsache, dass Bruce Wayne in einem unachtsamen Moment den anhänglichen Waisenjungen Dick Grayson (Michael Cera) adoptiert hat, macht diese Position nicht eben einfacher. Aber als sich dann nicht nur der Joker, sondern gleich die gesamte gothamer Schurkenriege der Polizei ergibt und Batman somit überflüssig macht, ist ein Schritt zu weit. Batman lässt sich zu einer Tat hinreißen, die die ganze Stadt in Gefahr bringt.

Eines wird schnell überdeutlich: die Autoren dieses Fims haben ihre Hausaufgaben gemacht und kennen sich in Batmans jahrzehntelanger Geschichte bestens aus. Wenn Batman im Gespräch mit dem Joker von „dem Vorfall mit den zwei Booten“ (‚The Dark Knight‘ 2008) oder „dieser Parade mit Musik von Prince“ (‚Batman‘ 1989) spricht, dann werden noch die meisten wissen wovon die Rede ist. Aber so ziemlich jeder Batman(und Superman)-Film, „diese merkwürdige Phase in den 60ern“, selbst die 40er Jahre Serials und allem voran die Comics werden mit so vielen Anspielungen und Hintergrundgags bedacht, dass man den Film wohl 5 mal schauen müsste, um das alles richtig würdigen zu können. Und nebenbei einen Doktortitel in Batmanologie haben müsste. Das dürfte in naher Zukunft so einige Internet-Listen füllen. Als „90minütiges Easteregg für Batfans“, als das Lego Movie‘ Co-Regisseur Miller den Film einmal bezeichnet hat funktioniert er ohne Frage ganz großartig.
Wie sieht es als Film aus?

Die Qualität des ‚Lego Movie‘ erreicht er nicht ganz, wobei das auch ein sehr hochgestecktes Ziel ist. Die Gagdichte erscheint mir hier noch ein wenig höher, der Film nimmt nur selten einmal ein wenig Tempo heraus, um seinen Charakteren eine Chance für Entwicklung zu geben. Dennoch geht der dritte Akte davon aus, dass sie uns zutiefst ans Herz gewachsen sind, was nicht ganz funktioniert. Zusammen mit der Gagdichte und der Geschwindigkeit ergab sich für mich ein Gefühl der Hyperaktivität, dass mich gegen Ende etwas überfordert hat. Aber ich bin sicher, das jüngere Zielpublikum kommt damit weit besser klar als ich.

Optisch erreicht der Film problemlos das Niveau des ‚Lego Movie‘. Fast wirken die plastikglänzenden Umgebungen hier noch etwas liebevoller, noch etwas schöner als im Original. Die Figuren noch etwas beeindruckender animiert, gelingt es noch mehr Ausdruck aus den steifen Minifiguren herauszuholen.  Das mag daran liegen, dass mit Chris McKay hier der Animationsverantwortliche des ‚Lego Movie‘ die Regisseursarbeit übernommen hat und auf ebensolche Details vermutlich noch ein weitaus schärferes Auge hatte. Akustisch reichen sich klassische und moderne Popmusik hier die Hände und Lorne Blafe liefert einen Score ab, der wunderbar zwischen Superheldenbombast und Albernheit zu oszillieren weiß.

Die Besetzung der Hauptfiguren ist durch die Bank gelungen und auch im Hintergrund finden sich immer mal wieder gelungene Gags. Wenn Doug Benson Bane mit deutlich artikuliertem britischen Akzent spricht ist dies in sich schon eine weitere Anspielung auf ‚The Dark Knight Rises‘. Manches hat mich aber doch verwundert. Da besetzt man Billy Dee Williams endlich als Two-Face (er spielte im ’89er Film Harvey Dent aber Burton hat Two-Face nie verwendet), lässt ihn dann aber nur einen Halbsatz sagen, der quasi im Lärm der Szene untergeht. Schade. Wenn man Ralph Fiennes ohnehin schon als Alfred im Studio hat, hätte er doch auch gleich noch eine gewisse bekannte Schurkenfigur sprechen können, mit der er einige Erfahrung hat. Wobei Eddie Izzard hier ein mehr als adäquater Ersatz ist.

Was auffällt ist wohl, dass ich von dem Film hier immer nur als Batman Film spreche. Die Tatsache, dass sie in einem Universum aus Legosteinen spielt hat auf die Geschichte tatsächlich so gut wie keinen Einfluss. Die wenigen Momente, wo es dann doch einmal eine Rolle spielt wirken dann auch teilweise etwas aufgesetzt. Lego ist hier eher Medium als wichtiger Teil der Handlung.

Wer einen Batman Film abseits des bitteren Ernstes der derzeitigen DC Filme sucht, der Batman dennoch vollumfänglich als Figur versteht (womöglich sogar besser) der hat derzeit ja nicht eben die größte Auswahl (‚Return of the Caped Crusaders‘ gäbe es noch) und wird hier auf jeden Fall bestens bedient und 100 Minuten lang hervorragend unterhalten. Und dann schaut man den Film nochmal, um mehr Anspielungen mitzukriegen. Und dann…

‚Personal Shopper‘ (2017) „Are you here? Or is it just me?“

Bevor ich zu dem eigentlichen Film komme, erlaubt mir ein paar Worte zu Kristen Stewart zu sagen. Vor Jahren habe ich sie in der netten Tragikomödie ‚Adventureland‘ gesehen und fand ihre sehr zurückgenommene Spielweise dort sehr passend. Von dem ganzen „Twilight“ Rummel habe ich höchstens mal die Trailer oder ein paar Clips gesehen, merkte allerdings, dass sie hier ebenso zurückgenommen spielte. Dann bin  ich irgendwie in ‚Snow White and the Huntsman‘ geraten und habe endlich eingesehen: das ist kein zurückhaltendes Spiel, das ist die Steven Seagal-Schule der Schauspielerei, ein Gesichtsausdruck für alle Lebenslagen.  Nochmal ein paar Jahre vorgespult und ich sehe Olivier Assayas‘ ‚Die Wolken von Sils Maria‘ und erlebe eine ziemliche Überraschung. Das ist eigentlich Juliette Binoches Film aber jedes Mal, wenn Stewart im Bild erscheint, geht von ihr eine beinahe magnetische Kraft aus, die es unmöglich macht irgendetwas anderes anzuschauen. Sie beherrscht hier das Bild, wie ich das nur von wenigen Schauspielern erlebt habe. Obwohl ich mich nun umso mehr wundere, was sie in den anderen Filmen gemacht hat, musste ich meine Meinung bezüglich ihres Talents vollständig revidieren. Ich bin wohl nicht der Einzige, der das so gesehen hat und Stewart erhielt, als erste Amerikanerin, den begehrten französischen César-Preis. Kein Wunder also, dass ich mir die nächste Zusammenarbeit von Assayas und Stewart fest im Kalender vorgemerkt habe. Den Film dann doch im Kino zu verpassen, ist etwas, dass wohl nur mir passieren kann. Aber kommen wir zur Sache.

Maureen Cartwright (Stewart) lebt in Paris und arbeitet als „Personal Shopper“ für Kyra (Nora von Waldstätten), einer dieser Berühmtheiten, die dafür berühmt sind berühmt zu sein. Sie hasst Kyra und hasst den Job, doch hilft er die Miete zu zahlen, während sie wartet. Denn Maureens Zwillingsbruder Lucas ist vor drei Monaten an einem Herzleiden gestorben, welches sie teilt. Da beide spiritistisch interessiert sind, haben sie ausgemacht, wer zuerst stirbt schickt dem Überlebenden eine Nachricht aus dem Jenseits. Darauf wartet Maureen jetzt, nachts in dem Haus, das ihr Bruder gerade renoviert hat, als er starb. Als sie gerade auf dem Weg nach London ist, um ein Kleid für Kyra abzuholen, meldet sich ein merkwürdiger Fremder auf ihrem Telefon, der Vieles über sie zu wissen scheint.

Spielte sie im letzten Film noch eine Nebenrolle, lädt Assayas diesmal den ganzen Film auf Stewarts Schultern. Kaum eine Szene in der ihr Charakter nicht im Mittelpunkt stünde und das obwohl Maureens ganzes Leben daraus besteht sich am Rande aufzuhalten. Selbst fast geisterhaft eilt sie auf ihrer Vespa durch die High Society Boutiquen von Paris, kauft Kleider, die sie nicht anziehen darf und macht Deals, die ihre abwesende Chefin bricht. Ihr Freund arbeitet in Oman, bittet sie wieder und wieder zu ihm zu kommen. Sie lehnt das ab, bis sie ein Zeichen von Lucas bekommt, vertieft sich stattdessen in die spiritistischen Ideen der Künstlerin Hilma af Klint und Victor Hugos. Das alte, leere Haus nimmt schnell bedrohliche Züge an, die Textnachrichten des Fremden werden schnell fordernd, dann befehlend. Ihre einzige wirkliche Bezugsperson ist Lucas‘ Freundin Lara (Sigrid Bouaziz). Als die ihr verkündet, sie habe bereits einen neuen Freund versucht Maureen alles, um den Eindruck zu erwecken, sie habe keinerlei Problem damit.

Wie auch schon ‚Die Wolken von Sils Maria‘ ist ‚Personal Shopper‘ ein schwierig zu kategorisierender Film. Ist er einerseits ein Geisterfilm, scheint ihm das doch andererseits immer wieder peinlich zu sein und macht selbst darauf aufmerksam, dass das ein wenig albern ist. Dann wildert er wenig im Bereich des Thrillers, was einige Leute zu arg weit hergeholten Hitchcockvergleichen getrieben hat, bleibt aber auch hier immer etwas distanziert, scheint sich nicht auf die typischen Spannungsklischees einlassen zu wollen. Assayas ist sicherlich nicht an einem Spannungsaufbau im hitchcockschen Sinne interessiert, dafür bleiben seine Ideen, seine Ziele immer etwas zu diffus. Am Rande schwingen hier wieder Ideen mit, die auch den Rand von ‚Wolken‘ beherrscht haben. Berühmtheit, der Wunsch danach aber auch eine gewisse Verachtung, für die Infantilisierung, die damit einhergeht vom täglichen Leben befreit zu sein. Was aber letztlich klar im Mittelpunkt steht, ist ein Portrait von einer jungen, einsamen Frau, die den Tod eines für sie sehr wichtigen Menschen verarbeiten muss, der sie gleichzeitig auf extreme Weise mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert, leidet sie doch an dem selben, genetischen Defekt. Die Zukunft wird für sie zu einem Abstrakt, Risiken und Rücksichtslosigkeiten erscheinen normaler, das Einzige worauf sie noch wartet ist das Zeichen von ihrem Bruder.

Dass der Film, trotz tonaler Umschwünge und gelegentlich mangelndem Fokus der Handlung dennoch gut funktioniert ist, neben Stewarts wiederum gelungener Vorstellung, Assayas selbstbewusster Bildsprache zu verdanken, mit der er das Elegante, das Unheimliche und das Verführerische gleichermaßen einfängt und zu einem kohärenten Ganzen zu fügen schafft. Das er willens ist, seine Geheimnisse zu wahren, eben nicht alle Antworten auf den Tisch zu legen bereit ist, dürfte ebenso viele Leute faszinieren wie frustrieren. Ich gehöre insgesamt mehr zum ersten Lager, wünschte mir teilweise aber doch mehr Fokus und Substanz. Aber vielleicht ist genau das mein Fehler, bei einem Film, in dem es um Geister geht.

 

„Wenn es am schönsten ist, sollte man aufhören“ Daniel Day-Lewis und das Karriere-Ende

Anlässlich des selbstverkündeten Karriere-Endes von Schauspiel-Ausnahmetalent Daniel Day-Lewis hat Ma-Go zu einer Blogparade aufgerufen, in der wir einen Blick auf Berufskollegen von Herrn Day-Lewis werfen, die ihre Karriere vielleicht auch etwas früher hätten beenden sollen. Dabei lasse ich bewusst Darsteller außen vor, die Erfolge als Kinderdarsteller einfuhren, die sie als Erwachsene nicht wiederholen konnten. Macaulay Culkin (‚Kevin allein zu Haus‘) oder Linda Blair (‚Der Exorzist‘) zum Beispiel. Die bilden eine eigene Kategorie. Anmerken möchte ich natürlich, dass bei jedem der genannten Darsteller (sofern er noch lebt) eine Rückkehr zur Form möglich und wünschenswert ist.

Robert DeNiro

Ich versteh es nicht Robert. Warum? Muss eine Kloschüssel aus massivem Gold her oder warum tust Du Dir das selbst an? Hast Du den Punkt überschritten, wo Dir alles egal ist aber anstatt nur noch Rollen anzunehmen, die Dir gefallen, nimmst Du jede Rolle an, die Dir angeboten wird? Die Idee, dass Dir die Filme gefallen, in denen Du mitspielst kann ich nicht glauben. Von ‚Dirty Grandpa‘ hast Du doch nie etwas anderes gesehen als den Scheck, den Du dafür bekommen hast. Ich bleibe verwirrt und etwas zornig und zitiere mich selbst aus meiner ‚Grandma‘ Rezension:  „So hatte in ‚Dirty Grandpa‘ zuletzt Robert De Niro die Gelegenheit einen prostataschmerzenden Uringuss auf die traurigen Reste seiner irgendwann mal brillanten Karriere zu miktieren.“

Johnny Depp

Okay, ganz ehrlich gesagt möchte ich nicht, dass Depp seine Karriere hinschmeißt. Ich würde mir nur wünschen, dass er damit aufhört sich für seine Rollen hinter dicken Masken, doofen Hüten, falschen Glatzen, lustigen (?) Schnauzbärten oder vor allem allerlei Manierismen zu verstecken. Ich würde gern wieder den Johnny Depp der 90er sehen, der in Rollen wie Ed Wood oder Donnie Brasco schlicht zu verschwinden schien. Das wird aber wohl nicht passieren, bis die Welt sein Jack Sparrow-Gehabe endgültig Leid ist. Insofern könnte er also in Rente gehen und sich von einem CGI Deppbot vertreten lassen. Einfach die gewünschten Manierismen eingeben und der chargiert sie dann hin.

Sean Connery

Hat Sean Connery wirklich was auf dieser Liste verloren? Er hat Bond zu dem gemacht, was er ist und seine Karriere verlief danach durchaus solide weiter. In den 90ern wurde es dann etwas holperig und es mischten sich Fehltritte wie ‚Highlander 2: The Quickening‘ in seine Filmografie. Aber wenn man den Gerüchten Glauben schenkt, definiert sich sein Karriere-Ende vor allem durch Filme, in denen er nicht mitgespielt hat. Angeblich wurde ihm die Rolle des Morpheus in ‚Matrix‘ angeboten. Er fand das Drehbuch doof und lehnte ab. Dann sollte er Gandalf im ‚Herr der Ringe‘ sein (schwer vorstellbar, die Rolle mit irgendjemandem außer McKellen besetzt zu sehen). Wiederum lehnte er ab, weil er das Buch nicht gut fand. Als beide Filme zu Megaerfolgen wurden, beschloss er die nächste Rolle in diese Richtung anzunehmen, egal wie blöd er das Buch findet. Das nächste Drehbuch auf seinem Tisch war ‚League of Extraordinary Gentlemen’… Danach beendete er seine Karriere. Oder auch nicht, denn 2012 kam er noch einmal zurück für die Hauptrolle im Animationsfilm ‚Sir Billi‘. Ihr fragt Euch, warum Ihr von dem nie gehört habt? Seht und urteilt selbst, ob er lieber früher hätte aufhören sollen:

Marlon Brando

Brando ist wohl das Vorzeige-Beispiel für die öffentliche Selbstzerstörung. Er gilt als der Schauspieler der den Realismus in der Darstellung nach Hollywood gebracht hat. Nach ‚Endstation Sehnsucht‘ und ‚Die Faust im Nacken‘ war er ein Superstar. Aber exzentrisches Verhalten und schwierige Zusammenarbeit machten ihn, zusammen mit einigen Flops, beinahe zur persona non grata. Dann gab ihm Francis Ford Coppola die Titelrolle in ‚Der Pate‘ und Brandos Ruhm schoss in neue Höhen und mit ihm leider auch sein erratisches Verhalten. Wieder 20 Jahre später saß er am Set von ‚ DNA – Die Insel des Dr. Moreau‘ mit einem Knopf im Ohr, weil er sich weigerte seine Texte zu lernen. Niemand wagte ihm zu widersprechen, als er beschloss seine nächste Szene mit einem Eiseimer auf dem Kopf zu drehen. Einige Jahre später musste das Filmteam von ‚The Score‘ in seine Sauna kommen, da er sich weigerte für seine Szenen das Haus zu verlasen. Er nannte Regisseur Frank Oz, langjährigen Puppenspieler bei den Muppets, durchgehend „Miss Piggy“. Im endgültigen Film ist ein müder, alter Mann zu sehen, der keine Ahnung hat worum es geht. Ich frage mich, ob das Brando-Prestige die Mühe wert war.

Beinahe wäre auch John Travolta auf dieser Liste aufgetaucht aber der hat mir in ‚In a Valley of Violence‘ so gut gefallen, dass ihm das erspart bleibt.

Ich frage mich, ob die Tatsache, dass mir keine Schauspielerinnen einfallen, ein Beleg für das Klischee ist, dass es für Frauen über 40 keine Rollen mehr gibt.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Sommerfilme

Es ist schwül, es regnet nur gelegentlich und manchmal gibt es Gewitter mit Hagelkörnern von 3cm Durchmesser. Das ist der Sommer im schönen Hamburg und somit der beste Sommer, den es gibt. Aber auch Filme präsentieren uns gerne die schönen und auch weniger schönen Momente der heißesten Zeit des Jahres. Und genau nach dieser Art von Film fragt uns Gorana heute, bei den 5 Besten am Donnerstag. Für einen Moment dachte ich mir fielen gar keine Filme ein, dann wurden es (wie üblich) viel zu viele. Hier meine hoffentlich abwechslungsreiche Liste:

 

  1. ‚Son of Rambow‘ (2007)

Spielt der Film überhaupt im Sommer? Ich bin mir nicht 100% sicher aber diese liebenswerte Geschichte um die Außenseiter Will Proudfoot und Lee Carter, die das Schicksal zusammenwürfelt und die daraufhin gemeinsam einen Actionfilm drehen wollen erinnert mich an Sommer der Kindheit, als man sich tatsächlich noch völlig verändern konnte, wenn man nur einen Sommer mit ganz neuen Menschen verbringt.

  1. ‚Adventureland‘ (2009)

In den 80er Jahren ist James (Jesse Eisenberg) fertig mit der High School und will den Sommer vor dem College in Europa verbringen. Dann streichen ihm aber seine Eltern die finanziellen Mittel. Daraufhin nimmt er einen Job in dem heruntergekommenen Vergnügungspark „Adventureland“ an. Da gibt es „Big Ass Pandas“ zu gewinnen, Rettung vor einem Messerstecher durch Kristen Stewart und aus lädierten Boxen dröhnt Falcos „Rock me Amadeus“ in Endlosschleife. Aber auch Teenager-Romanzen, Feuerwerk und Crowded House. Gibt schlimmere Sommer.

  1. ‚Das Fenster zum Hof‘ (1954)

Man könnte zum Beispiel Jimmy Stewart sein, der während einer Hitzewelle mit gebrochenem Bein in seiner Wohnung sitzt und nichts besseres zu tun hat, als die Nachbarn durch einen Feldstecher zu bespitzeln. Als er dann noch glaubt einen Mord beobachtet zu haben, kann er gar nicht anders als Grace Kelly in tödliche Gefahr zu bringen. Oder so.

  1. ‚Before Sunrise‘ (1995)

Jesse (Ethan Hawke) hat mehr Glück, als James und hat es tatsächlich auf seinen Trip nach Europa geschafft. In Wien trifft er auf Celine (Julie Delpy). Der Film eröffnet uns das Privileg sie an dem einen Tag, den sie gemeinsam haben begleiten zu können. Jesse ist ein Romantiker hinter der Maske eines Zynikers und Celine ebenfalls eine Romantikerin aber eine mit Zweifeln. Das ist ein wunderbarer Film und besser ist nur noch der nächste in der Trilogie ‚Before Sunset‘ (aber ich war mir nicht sicher, ob der im Sommer spielt).

  1. ‚Der Weiße Hai‘ (1975)

Na, da schau an, Herr Horror-Heini hat’s geschafft bei einer Sommerfilm-Liste einen Monsterfilm auf die Nummer 1 zu setzen, typisch. Ja, stimmt schon. Aber hier beweist Spielberg, dass man für einen unheimlichen Film keine knarrigen, alten Gemäuer und schummriges Licht benötigt, bei der richtigen Inszenierung kann auch der schönste Ferienstrand zu einem Ort des Schreckens werden. „You’re going to need a bigger boat!“