Was heißt eigentlich „unverfilmbar“?

„Unverfilmbar“ ist ein merkwürdiges Wort. Eines, das man oftmals erst dann liest wenn es bereits widerlegt ist. „‚Der Herr der Ringe‘ galt lange als unverfilmbar“ konnte man in nicht wenigen Artikeln lesen, als Peter Jacksons Filmtrilogie in die Kinos kam. Thomas Pynchons ‚Inherent Vice‘ galt ebenso als unverfilmbar. David Mitchells ‚Cloud Atlas‘? Unverfilmbar! Und auch Comics sind nicht sicher. Alan Moores ‚Watchmen‘ galt auch über Jahre als unverfilmbar. Was also soll man von diesem Wort halten, dass so häufig in Zusammenhang mit bestehenden Filmen auftaucht? Ist es ein reiner Marketingtrick der Filmstudios, um ihren Werken ein wenig mehr Prestige zu verleihen? „Das Werk galt als unverfilmbar aber wir haben es geschafft! Danke, danke, bewundern sie uns später, nachdem Sie Ihre Karte gekauft haben!“ Ist es so ernst zu nehmen wie der Hinweis der Film „basiere auf wahren Gegebenheiten“, der alles bedeuten kann, von realistischer Wiedergabe von historischen Ereignissen bis zu „etwas zumindest ansatzweise Ähnliches, soll angeblich schon mal irgendwo passiert sein, hat der Schwippschwager vom Beleuchter vermutlich letztens in der Kantine gehört!“. Oder haben manche Bücher wirklich quantifizierbare Qualitäten, die eine filmische Adaption schwer bis unmöglich machen? Weiterlesen

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Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten (noch lebenden) Schauspielerinnen

Nachdem letzte Woche die Herren dran waren, fragt uns Gorana bei den 5 Besten heute nach den besten, lebenden Schauspielerinnen. Ich weise lieber gleich darauf hin, dass meine Liste nicht Meryl Streep enthält. Sie hat ihre jährliche Oscarnominierung bereits bekommen, da wird sie vermutlich verkraften nicht auf der Liste der „Filmlichtung“ aufzutauchen. Auf einer „objektiven“ Liste wäre sie natürlich drauf. Und nein, das ist kein billiger Trick eine sechste Schauspielerin auf meine Liste zu schmuggeln, auf so eine Idee käme ich niemals! Legen wir los.

  1. Helen Mirren

Ich glaube ich habe noch nie eine Darstellung von Mirren gesehen, die ich nicht gut fand. Oh sicher, ich habe sie in Filmen gesehen, die ich nicht gut fand, das lag aber nie an ihr. Außerdem scheint sie eine rundum coole, wahnsinnig passionierte Person zu sein. Und eine der wenigen Beteiligten, die es nie für nötig ansah sich für ‚Caligula‘ zu rechtfertigen.

  1. Jessica Chastain

In 20 Jahren wird Chastain vermutlich die offensichtliche Antwort auf „die beste, lebende Schauspielerin“ sein (wem mache ich was vor, die Antwort wird natürlich auch dann noch Meryl Streep sein). Jeder ihrer starken Charaktere hat gleichzeitig tiefe Fehler, was zu emotional aufreibenden, gleichzeitig aber immersiven Darstellungen führt. Sie ist jemand, die vollständig in ihren Charakteren verschwindet.

  1. Cate Blanchett

Dasselbe gilt für Blanchett, seien es ikonische Charaktere, wie Königin Elisabeth I. oder Galadriel oder ihre brillante Darstellung von Katherine Hepburn in ‚Aviator‘. Sie dürfte ein ähnlicher Fall wie Helen Mirren sein, ich kann mich an keinen Film erinnern, in dem sie schlecht wäre, wohl aber an Filme wie ‚Blue Jasmin‘ oder ‚Carol‘ in denen sie hervorragend war.

  1. Julianne Moore

Hier mag ich sicherlich nicht ihre gesamte Filmografie oder alle ihre Darstellungen aber das geht wohl damit einher, wenn die Liste derselben so lang ist. Das wird aber problemlos dadurch ausgeglichen, dass wenn sie gut ist, sie besser ist als jede andere. Sie kann ihren Rollen eine erstaunliche emotionale Tiefe verleihen oder sie andererseits (oder auch gleichzeitig) mit jeder Menge Exzentrik ausstatten.

  1. Tilda Swinton

„Exzentrik“ kann man wohl nicht sagen, ohne das irgendwoher Tilda Swinton auftaucht. Gut so. Aber es würde viel zu kurz greifen, sie auf exzentrische Rollen beschränken zu wollen. Ihre eindringlichste Rolle ist für mich immer noch die der Mutter eines Schul-Amokläufers in ‚We Need To Talk About Kevin‘. Und die spielt sie ohne auch nur einen Anflug von Exzentrik mit totaler, roher, emotionaler Blöße, versteckt hinter einer hauchdünnen Fassade der Normalität. Und dann taucht sie in ‚Snowpiercer‘ als Mischung aus Prinzessin Leia und Muammar Gaddafi mit schlechten Zähnen auf. Sie ist die einzig mögliche Antwort für beste Schauspielerin und jede andere Antwort ist falsch!*

Und nun ist die Liste schon voll, bevor ich bei der jüngeren Generation angekommen bin. Hier also ein Shoutout für Saoirse Ronan, Kristen Stewart und Florence Pugh!

 

* andere Antworten sind nicht unbedingt falsch!

Reisetagebuch: ‚Who Killed Captain Alex?‘ (2010) – „The movie is on!!“

Weltreise Ziel #6

Diesmal geht es für die Filmreise Challenge ins touristisch wie filmisch wenig erschlossene Uganda. Wenn es Euch so geht wie mir, dann ist auch Eure erste Assoziation, wenn Ihr Uganda hört Idi Amin. Das ist weder zeitgemäß noch fair. Zeit also sich ein wenig weiterzubilden. 2005 erschien der erste ugandische Spielfilm überhaupt und ‚Who Killed Captain Alex?‘ behauptet von sich der erste ugandische Actionfilm zu sein. Bevor wir über den Film selbst sprechen, den ich am Ende des Textes verlinkt habe, sind aber einige Vorabinformationen vonnöten, damit Ihr, anders als ich, nicht denkt Ihr wärt im falschen Film. Weiterlesen

Kurz und schmerzlos Folge 16: ‚Incident By A Bank‘ (2009)

Dieser 10-minütige Kurzfilm des schwedischen Regisseurs Ruben Östlund zeigt eine sehr eigene Sicht auf einen Banküberfall. Östlund hat selbst einen Banküberfall beobachtet und bemerkte wie sehr seine Idee des Ereignis‘ „Banküberfall“ durch Film und Fernsehen bestimmt war. Das wirkliche Geschehen war so anders, dass sich die Realität  für ihn beinahe absurd anfühlte.

Diesen leicht absurden Ton hat er auch auf seinen Film übertragen. Der besteht aus einer einzigen, etwa 10 Minuten langen, hochauflösenden Aufnahme eines Platzes, eines Stücks Straße und den Häusern dahinter, darunter die Bank. In diese Aufnahme zoomte Östlund anschließend hinein, so dass wir uns auf einzelene „Protagonisten“ konzentrieren können. Zwei Touristen zum Beispiel, die quasi denselben Film wie Östlund drehen. Und natürlich die alles andere als professionellen Räuber selbst.

Der Film ist distanziert, beobachtet das Geschehen durch eine leicht absurde Linse,  transportiert dennoch Drama aber auch Komik. Bei der Berlinale 2010 gewann Östlund damit den Goldenen Bären für den besten Kurzfilm. Und acht Jahre später ist er immer noch sehenswert.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten (noch lebenden) männlichen Schauspieler

Ach ja, die Oscarnominierungen sind verkündet und ‚Boss Baby‘ ist in der Kategorie bester Animationsfilm nominiert… was zur Höl… Nein, Moment, darauf wollte ich gar nicht hinaus. Ich fang nochmal an, ähem: Ach ja, die Oscarnominierungen sind verkündet, was könnte es für einen besseren Moment geben, um bei den 5 Besten über Superlative nachzudenken. So fragt uns Gorana diese Woche nach den 5 besten, lebenden, männlichen Schauspielern. Ich habe Schauspieler, die fraglos großartig sind aber seit langem nicht viel Gutes mehr abgeliefert haben, mal von meiner Liste ausgeschlossen. Sorry an die Herren DeNiro und Pacino. Nu aber los:

  1. Christian Bale

Niemand hat gesagt sie sollen nett sein, nur gut. Und während es Hinweise gibt, dass Bale ein ziemliches Arschloch ist, wenn die Kamera aus ist, so ist er davor doch zumeist großartig. Ob Bateman oder Batman, ob Muskelprotz oder Gerippe, Bale gibt für seine Rollen alles. Einer meiner liebsten Momente in ‚Batman Begins‘ ist wenn Bruce Wayne triefnass mit den beiden Models aus dem Springbrunnen steigt und auf Katie Holmes‘ Rachel Dawes trifft. In dem Sekundenbruchteil, in dem Wayne sie erkennt und das verarbeitet, spielen sich etwa 50 Emotionen auf Bales Gesicht ab.

  1. Song Kang-ho

Ob als etwas langsamer aber besorgter Vater in ‚The Host‘, als überforderter Polizist im grandiosen ‚Memories of Murder‘, Pfarrer in der Glaubenskrise in ‚Durst‘ oder „the Weird“ in ‚The Good, The Bad, The Weird‘, Song, der nie eine Schauspielausbildung absolviert hat, überzeugt mich in quasi jeder seiner Rollen und sein Mitwirken allein ist für mich Grund genug einen Film sehen zu wollen.

  1. Jake Gyllenhaal

Kann sowohl einen überzeugenden Actionhelden in ‚Source Code‘ geben, als auch einen der erschreckendsten Soziopathen seit Travis Bickle in ‚Nightcrawler‘. Und mit ‚Donnie Darko‘ hat er auch noch ein Kultfilm-Empfehlungsschreiben in der Tasche. Am meisten überzeugt mich aber seine Doppelrolle in Denis Villeneuves gelungenem ‚Enemy‘. Und ‚Prince of Persia‘ scheint jeder vergessen zu haben aber der war ohnehin nicht Gyllenhaals Schuld.

  1. Michael Fassbender

Wie viele Schauspieler können einen Film mit einem Pappmache-Kopp auf dem eigenen bestreiten und trotzdem eine eindrucksvolle Vorstellung abliefern? Ich weiß es auch nicht aber ‚Frank‘ beweist, dass Fassbender es kann. Tragische, überlebensgroße Figuren von Magneto bis Macbeth liegen ihm, ich mag ihn aber in kleineren Filmen fast noch lieber. Sei es ‚Slow West‘ oder ‚Fish Tank‘. Und ‚Assassin’s Creed‘ wird sicher bald den Weg des Persischen Prinzen gehen…

  1. Daniel Day-Lewis

Das Idealbild des Schauspielers, der in seinen Rollen vollständig verschwindet. Ob Abe Lincoln oder anderer-Leute-Michshake-Trinker Daniel Plainview, ob Politikprofiteur Bill the Butcher oder Justizopfer Gerry Conlon der Method Actor lebte sie alle. Derzeit ist er in seinem vermutlich letzten Film ‚Der seidene Faden‘ zu sehen. Was gibt es noch über ihn zu sagen? Oh ja, er hat nie in einer blöden Videospielverfilmung mitgewirkt.

Ich habe bei Spieleforschung.de über Horror geklönt

Der Medienpsychologe Dr. Christian Roth hat ein schönes Gespräch zum Thema „Faszination Horror“ mit mir geführt, das ihr hier auf seiner Seite nachlesen könnt. Wie der Name seiner Seite, Spieleforschung, schon andeutet, ging es dabei aber nicht nur um Film, sondern auch um Videospiele und ganz konkret um Horrorerlebnisse in Spielen, die mir, teilweise schon sehr lange, im Gedächtnis geblieben sind. Aber auch meine grundsätzlichen Ansichten zu Horror und seiner Faszination werden angesprochen.

Wer sich also fragt, warum man sich Horror „antut“ und zumindest meine Antwort darauf wissen will, sollte auf den Link klicken und das Interview lesen. Wer sich lustig machen möchte, welche Spiele ich gruselig finde auch.