Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Lieblingsregisseure

Heute geht Gorana bei den 5 Besten am Donnerstag ans Eingemachte. Die Frage, die ich als Filmfreund fast so sehr fürchte, wie die Frage nach dem Lieblingsfilm. Unsere 5 liebsten Regisseure möchte sie von uns wissen. Das wird eine Liste, die ich vermutlich zwei Minuten nach der Veröffentlichung ändern möchte. Und eine, bei der ein umfangreiches „Ferner Liefen“ Material notwendig wird, denn mich auf 5 zu beschränken ist fast unmöglich.

Es gilt der übliche Grundsatz „es muss mir im Moment des Listenschreibens einfallen“:

  1. John Carpenter

Wer hier länger mitliest, der weiß vermutlich um meine Zuneigung zu Carpenters Filmen. Mit der Subtilität hat er es nicht so, der John. Dafür besitzt er die Fähigkeit aus Nichts eine Atmosphäre zu schaffen, die man mit dem Messer schneiden könnte. Was er dann meist auch tut. Er hat es mit ‚Halloween‘ geschafft das Slasher Genre zu begründen und lieferte für 30.000 Dollar einen Film ab, der besser ist als 98% der anderen Vertreter des Genre. Andere Anspieltips: ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ und ‚Sie Leben‘.

  1. Alfred Hitchcock

Zu seiner Zeit durchaus umstritten ist Altmeister Hitchcock aus keiner Geschichtsschreibung des Films wegzudenken. Genaugenommen hat er sogar drei Karrieren hingelegt: eine im Stummfilm, eine im Schwarz-Weiß-Film und eine im Farbfilm. Und jede für sich wäre erwähnenswert. Und beinahe jeder seiner Filme ist sehenswert (einige seiner Letzten vielleicht weniger). In Sachen minutiöser Planung, akribischer Kameraarbeit aber auch bloßem Spektakel macht er vielen Regisseuren heute noch was vor. Meine drei Liebsten: ‚Das Fenster zum Hof‘, ‚Vertigo‘ und ‚Der unsichtbare Dritte‘.

  1. Akira Kurosawa

Und noch eine beeindruckende Filmografie, mit weitreichendem Einfluss. Seine Samuraifilme haben sowohl den amerikanischen Western bleibend beeinflusst (‚Die Sieben Samurai‘), als auch quasi den Grundstein für den Italo-Western gelegt (‚Yojimbo‘). Er hat Shakespeare auf eine typisch japanische Weise interpretiert (‚Das Schloss im Spinnwebwald‘, ‚Ran‘) und mit ‚Rashomon‘ die erzählerischen Grenzen des Mediums ausgetestet und erweitert. Außerdem hat er ‚Ikiru‘ gedreht. Das allein würde schon reichen, um auf meiner Liste zu stehen.

  1. Park Chan-wook

Am bekanntesten dürfte er für seine Rache-Trilogie und aus dieser vor allem für ‚Oldboy‘ sein. Es gelingt ihm sich dreimal mit dem Thema Rache auseinanderzusetzen und ihm jedes Mal neue und interessante Seiten abzugewinnen. Außerdem war es Parks ‚Joint Security Area‘ durch den ich auf das südkoreanische Kino aufmerksam wurde. Allein dafür kann ich ihm gar nicht genug danken.

PS: habe ich eigentlich ‚The Handmaiden‘ im Kino verpasst? Muss ich mal recherchieren…

  1. Joel & Ethan Coen

Tja, hier konnte niemand anderes stehen. Es ist mir kaum möglich auf diesem Raum meinen Respekt für diese beiden Filmemacher gebührend zum Ausdruck zu bringen. Ich könnte über ‚The Big Lebowski‘ schwärmen. Oder ‚Fargo‘. Sie dafür loben, dass sie als erste bemerkt haben, dass John Goodman nicht nur lustig, sondern absolut furchteinflößend sein kann (‚Barton Fink‘). Mich darüber begeistern, dass man bei ihnen nie genau weiß was man bekommt aber es doch immer unverkennbar „Coen“ ist. Aber wer eine derart umfangreiche Filmografie hat, die nur zwei leichte Ausfälle hat (‚Ein (un)möglicher Härtefall‘ und das ‚Ladykillers‘ Remake) und ansonsten zwischen „zutiefst unterhaltsam“ und „Klassiker“ rangiert, den brauche ich nicht mehr über den grünen Klee zu loben.

Ferner Liefen:

„Mein Herz blutet, weil sie nicht auf der Liste sind“-Fraktion:

Quentin Tarantino, Stanley Kubrick, David Lynch, Lars von Trier, Wes Anderson, Bong Joon-ho, Jean-Pierre Jeunet

„Erwähnt werden müssen“ Fraktion:

Steven Spielberg, Martin Scorcese, Ridley Scott, Guillermo del Toro, Christopher Nolan, Ben Wheatley, Wim Wenders, Werner Herzog,

Die 5 Besten am Donnerstag: Welche 5 Filme erzählen die eindrucksvollste Geschichte?

Heute fragt Gorana ,bei den 5 Besten am Donnerstag nach den 5 Filmen, die die beste Geschichte erzählen. Das WAS erzählt wird und das WIE erzählt wird sind im Film natürlich untrennbar verbunden. Das beste Drehbuch nützt wenig, wenn Darsteller und Macher es nicht adäquat umsetzen. Eine gute Geschichte ist also quasi synonym mit einem guten Film.

Für meine Liste gilt, wie immer, ich muss den Film kennen und er muss mir einfallen, während ich über die Liste nachdenke. Sie kann also nur eine Momentaufnahme wiedergeben. Los geht’s:

 

  1. ‚Star Wars‘ (1977, Drehbuch: George Lucas)

Was hat ein Film, dessen Drehbuch bewusst auf älterem B-Material fußt, auf dieser Liste verloren? Es geht um die Art und Weise, wie ‚Star Wars‘ sein Universum darstellt. Da gibt es zahllose Anspielungen, die in diesem Film keine große Rolle spielen. Es wird ein Senat erwähnt und Akademien und ein Imperator. Zahllose Aliens laufen durchs Bild oder trinken in der Cantina. Das Universum fühlt sich so viel größer an, als der Film selbst ist. Der (in meinem Fall sehr junge) Zuschauer kommt auf so viele Ideen, diesen scheinbar endlosen Ort mit Leben zu füllen. Das nachfolgende Filme, Fernsehserien, Bücher, Comics und Videospiele jeden Quadratmillimeter dieses Universums  beschreiben würden (und nicht immer zum Besten), das kann man dem originalen Film kaum vorwerfen.

 

  1. ‚Die Verurteilten‘ (1994, Drehbuch: Stephen King, Frank Darabont)

Ich mochte Stephen Kings Kurzgeschichten immer lieber als seine backsteindicken Bücher. Kein Wunder also, dass eines meiner liebsten Drehbücher auf einer seiner Kurzgeschichten (okay, eher Novelle) beruht. Und dann ist es noch nicht einmal Horror, sondern Drama. Und was für eins. Andy Dufresne bewahrt seine Integrität und sein Selbstwertgefühl unter höllischen Bedingungen. Seine Freundschaft mit Red führt zu einem Ende, dass sich in anderen Filmen zu glatt angefühlt hätte. Hier wirkt es verdient.

 

  1. ‚Pulp Fiction‘ (1994, Drehbuch: Quentin Tarantino, Roger Avary)

„Es gibt Regeln fürs Drehbuchschreiben? Scheiß drauf!“ Zwei Killer unterhalten sich, auf dem Weg zu ihrem Auftrag, über Hamburger und Drogen. Selbst am Zielort angekommen reden sie weiter und weiter. Einer rezitiert einen ebenso langen, wie erfundenen Bibeltext. Der andere würde später (oder früher? Der Film ist nicht chronologisch) mit der Frau seines Bosses einen Sockentwist tanzen, bevor er ihr eine Adrenalinspritze ins Herz rammen müsste, um sie zu retten. Unübersehbar stand der Film damals aus der Masse seiner Konkurrenz heraus. So schreibt man einfach keine Geschichte! Doch für die nächsten 5 Jahre erhielten selbst alterfahrene Drehbuchautoren den Auftrag ihre Geschichte „mehr wie Pulp Fiction“ zu machen.

 

  1. ‚Pans Labyrinth‘ (2006, Drehbuch: Guillermo del Toro)

Guillermo del Toros (bislang) bester Film erzählt die Geschichte der jungen Ofelia und Hauptmann Vidals im spanischen Bürgerkrieg. Eine Unterwelt bevölkert von wunderschön/furchtbaren Monstern dient als Spiegel und Erhöhung der Geschichte. Einer Geschichte, die auf so vielen Ebenen funktioniert, dass man bei jedem Ansehen das Gefühl hat einen neuen Film zu sehen. Der Film funktioniert, wie eine der besten Kurzgeschichten von Jorge Luis Borges, der definitiv als (eine) Quelle der Inspiration diente.

 

  1. ‚Rashomon‘ (1950, Drehbuch: Shinobu Hashimoto, Akira Kurosawa)

„Ich verstehe das nicht“, sagt der Holzfäller, als er im verfallenen Rashomon-Tor von Kyoto Schutz vor dem strömenden Regen sucht. Was er nicht versteht erfahren wir im Laufe des Films. Ein Samurai ist ermordet worden. Es gibt 4 Zeugenaussagen (Rückblenden), die einander grundsätzlich widersprechen. Nicht zuletzt weil alle die Schuld auf sich nehmen. Objektive Realität und das was wir erleben ist nichtunbedingt dasselbe. Der Film lässt sich nicht „lösen“.  Heute spricht man, bei sich widersprechenden Aussagen von Zeugen, vom Rashomon-Effekt. Niemand lügt, doch niemand sagt objektiv die Wahrheit. Am Ende von ‚Rashomon‘ hat der Holzfäller aber zum Glück etwas viel Wichtigeres verstanden.

Das ist auf Youtube!: Every Frame a Painting

Okay, heute kein ganzer Film, sondern ein ganzer Kanal, voll mit guten Sachen! In „Every Frame a Painting“ zeigt Film-Editor Tony Zhou seine großartigen Video-Essays zum Thema „visuelles Storytelling“.

Manchmal im großen Stil, wie im Fall von Bewegung im Werk von Akira Kurosawa:

Oder im Kleinen, wie die große Wirkung einfacher Cadrage in einer Szene aus Nicolas Refns „Drive“:

Oder, mein persönlicher Favorit, über den Gebrauch von Requisiten, in diesem Fall Stühlen:

Was soll „Das ist auf Youtube!“ sein? + gnadenlose Werbung für Mosfilm

Mit den „Das ist auf Youtube!“ Beiträgen will ich Lesern die Chance geben Filme zu sehen, die ansonsten im deutschsprachigen Raum gar nicht oder nur sehr schwer erhältlich sind. Youtube bietet hier die sehr gute Möglichkeit ohne große Schwierigkeiten an viele Klassiker heran zu kommen. Manchmal geschieht das ganz offiziell, wie zum Beispiel beim russischen Studio Mosfilm, die ihr gesamtes Filmarchiv mit englischen Untertiteln zur Verfügung stellen (jeder der das hier liest sollte eigentlich sofort damit aufhören und auf der verlinkten Seite nach Eisensteins „Panzerkreuzer Potemkin“ (Броненосец Потёмкин) und Kurosawas erstem nicht-japanischen Film „Dersu Uzala“ (Дерсу Узала) suchen und sie ansehen!).

Im Normalfall sind es aber individuelle Nutzer, die die Videos hochladen. Deshalb kann es gut sein, dass aus urheberrechtlichen Gründen Links verschwinden. Sollte das passieren sagt mir Bescheid und ich versuche einen Alternativlink zu suchen.

Genug der Worte, jetzt nehmt euch mal eben zweieinhalb Stunden und schaut Tarkovskys „Stalker“. Hier im Direktlink, weil Einbettung nicht funktioniert.

https://www.youtube.com/watch?v=JYEfJhkPK7o

https://www.youtube.com/watch?v=hUHBgqx8YP8