Filmische Lehren: außerirdischer Erstkontakt

Heute wollen wir einmal der Idee wiedersprechen, aus Filmen könne man nichts lernen. Völliger Unsinn, offensichtlich. Nehmen wir einmal eine vollkommen realistische, ja annähernd alltägliche Situation an: Ihr seid die ersten Menschen, die auf Aliens treffen. Filme haben Euch alles Rüstzeug mitgegeben, um mit dieser Situation umzugehen. Also hier auf der Erde. Denn wenn wir ehrlich sind stellt sich nur hier wirklich die Frage, ob die Aliens gut oder mörderisch sind. Folgt man dem Notruf eines Raumschiffs, oder ist der Kontakt zu einem Außenposten vor Wochen abgerissen, dann werden die Aliens, die man da trifft sicherlich nicht freundlich sein. Aber für diese Situationen ein Tipp, auch wenn es nicht unser Thema ist: Vorsicht nicht nur vor offensichtlich feindlichen Aliens, sondern auch vor scheinbar freundlichen Androiden. Es sei denn sie heißen Bishop.

Aber jetzt mal los. Wir reden hier über die unauffällige, persönliche Art des Erstkontakts. Also nicht die Art, bei der riesige UFOs den Himmel bekannter Städte verdunkeln und Sehenswürdigkeiten zerlasern. Da kann ich Euch auch nicht helfen. Ihr seht also vor dem Nachthimmel etwas herabstürzen und begebt Euch auf direktem Weg dorthin, um herauszufinden, worum es sich handelt. Wenn die Wesenheit, die Ihr dort trefft, Drohgebärden zeigt, die denen irdischer Tiere entsprechen, dann nehmt sie lieber ernst! Haltet Hände, Füße und Gesicht entfernt von dem Wesen und versucht Euch zurückzuziehen. Sicherlich, es ist möglich, dass das Wesen eigentlich total lieb ist und bloß genauso viel Angst vor Euch hat wie Ihr vor ihm, aber dann überlegt mal, wie schlecht es sich später fühlen würde, weil es Euch hier den Kopf abgebissen hat. Diese Vorsicht gilt übrigens unabhängig von der Größe des Wesens. Egal wie klein es ist, Ihr habt Keine Ahnung wie sich die Bedingungen der Erde auf seine Größe auswirken. Oder ob es in eine Eurer Körperöffnung schlüpft und womöglich dort wächst (unangenehm!). Oder ob nicht im dramatisch/komischen rechten Moment seine viel größere Mama aus dem Dunkel tritt.

In den 50ern war das alles noch deutlich einfacher. Da war ein Alien halt immer eine plumpe Allegorie auf die böse Sowjetunion, nur eben aus dem Weltall. Aber trotzdem böse.Der Blob der alles gleichmachen will, halt. Immerhin ging man damals mit gut dreißig Jahren noch als Teenager durch, aber das ist ein ganz anderes Thema. Heute ist das alles schwieriger, man sieht dem Alien seine Gemeinheit nicht mehr unbedingt an,

Erinnert das Wesen etwa an einen Clown (oder Klown), dann ist eine sofortige Flucht in die exakt andere Richtung mehr als angebracht. Entweder wird das umliegende Gebiet über Jahrmillionen zu den Jagdgründen eines interdimensionalen Angstfressers, oder es will Dich einfach nur in blutige Zuckerwatte verwandeln. Beides rechtfertigt eine entsprechende Fluchtreaktion.

Wirklich haarig wird es, wenn die Wesen behaupten in Frieden zu kommen. Gut, handelt es sich um riesige verformbare Roboter, die sich „Decepticons“ nennen, ist Skepsis angebracht. Das ist recht offensichtlich. Weniger offensichtlich ist, dass wenn sie sich „Autobots“ nennen alles in Butter ist.

Was wenn es kleine grüne Männchen mit Skelettgesicht und großem Hirn sind? Ist es da pures Vorurteil ängstlich zu reagieren? Was wenn sie wie Menschen aussehen, aber in Wirklichkeit Echsenwesen mit verdächtigen, kulinarischen Vorlieben sind?

Es scheint fast, als könne man bei den sogenannten friedliebenden Aliens kaum gewinnen, aber dann plötzlich sind es irgendwelche spitzohrigen Typen in Bademänteln, die die Erde in die Vereinte Föderation der Planeten aufnehmen wollen. Da sieht man dann eben auch wieder blöd aus, wenn sie einem „Lebe lange und gedeihe!“ wünschen, dieses Ding mit den Fingern machen und man läuft schreiend davon.

Daher ist mein persönlicher Rat zum Umgang mit herabfallenden fremden Objekten: haltet Euch einfach fern. Tut so als hättet Ihr nix gesehen und lasst es für Stephen King liegen.

(Mal ganz davon ab, dass der Clip ein ganz neues Fass aufmacht: außerirdische Mikroorganismen. Aber dieses Fass lässt sich zum Glück kurz und knapp als „nicht gut“ zusammenfassen und bestärkt dadurch nur meine ursprüngliche These)

Denn was ist das „Beste“ was passieren kann? Ein pelziger, außerirdischer Chaot, der Eure Wohnung regelmäßig verwüstet, Sprüche Reißt und Eure Katze fressen will? Ein schrumpeliger Leuchtefinger, der dank interstellarer Kommunikation Eure Telefonrechnung an Orte bringen will, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat? Ein McDonalds-süchtiges Etwas mit eingefrorenem Gesicht, verkleidet als Teddy-Bär? Eklig!

Der letze Sohn eines toten Planeten, der auf gelbe Sonneneinstrahlung derart heftig reagiert, dass er Euch schon als Säugling in die Stratosphäre pupsen kann? Und solltet Ihr seine Kindheit (und Pubertät!) wider Erwarten überleben, sucht er eine Karriere bei der Zeitung? Ich muss Euch wohl nicht sagen, wie düster die Aussichten für gedruckte Periodika in gut 20 Jahren sind, oder? Und all das gilt, bevor wir über den unausweichlichen Ärger mit Geheimdiensten reden. Und das sind keine lustigen Kerle wie Will Smith, die Euch „Blitzdingsen“. Das sind Unsympathen, die Euch in irgendeiner Blacksite verschwinden lassen.

Von daher, wenn Ihr etwas vom Himmel fallen seht, lauft nicht hin, bleibt zu Hause, haltet Türen und Fenster geschlossen. Oder, falls Ihr ganz sicher gehen wollt, setzt Euch ins Auto und fahrt in die entgegengesetzte Richtung. Nur für ein paar Tage. Bis Ihr sicher sein könnt, dass es keine Riesenspinnen waren. Oder eine Farbe. Oder irgendein anderer mörderischer Kram. Wenn aber natürlich die Dreibeine schon in den Vorgärten verbuddelt sind, dann hilft auch alle Vorsorge nicht mehr.

Aha, ruft der aufmerksame Leser nun, und was ist mit der Aufnahme in die Föderation? Niemand baut mir eine Statue, wenn ich dabei weglaufe. Okay, stimmt. Was aber wenn eine kybernetische Schwarmintelligenz, deren Wege sich mit denen der Föderation in der Zukunft kreuzen, eine Gruppe in der Zeit zurückschickt um genau diesen Erstkontakt zu sabotieren? Wer hat die Zeit und Energie sich damit auseinanderzusetzen? Nee, dann schon lieber Feigling.

‚Underwater‘ (2020)

‚Underwater‘ wurde von FOX (Disney) ganz am Anfang des Seuchenjahres 2020 ins kalte Wasser geworfen. Üblicherweise ein Zeichen dafür, dass das Studio von dem Film nichts erwartet, letztes Jahr aber, welche Ironie, einer der letzten Monate, in dem der Filmmarkt noch normal funktionierte. ‚Underwater‘ nützte das nicht viel, am Publikum spülte er weitgehend vorbei, die Kritik hatte wenig Lust ihm einen Rettungsring zuzuwerfen und so ging er eher sang- und klanglos unter. Die Hauptkritik war dann aber genau das, was mich neugierig machte: der Film sei ja bloß „‚Aliens‘ unter Wasser“. Und, öh, das ist schlecht? Ich für meinen Teil mag ‚Octalus‘ und der ist ‚Aliens‘ auf dem Wasser und nicht mal ein sonderlich guter Film. Wenn ‚Underwater‘ also wirklich „Aliens Underwater“ wäre, sprich ein Cameron-Cocktail aus ‚Aliens‘ und ‚Abyss‘ (geschüttelt nicht gerührt), dann wäre ich für meinen Teil aber mal sowas von an Bord. Leider ist er das nicht ganz, aber die merkwürdige Häme mancher Rezensionen hat er dennoch nicht verdient.

In der nahen Zukunft betreibt der Konzern Weyland-Yut…Tian Industries im Mariannengraben eine Tiefsee-Bohrstation. Diese wird plötzlich von einem heftigen Erdbeben erschüttert und schwer beschädigt. Viele der 300 Mitarbeiter können sich mittels Fluchtkapseln retten, noch mehr kommen ums Leben. Eine kleine Gruppe Überlebender aus Mechanikerin Norah (Kristen Stewart), Stationskapitän Lucien (Vincent Cassel), den Unterwassertechnikern Paul (T.J. Miller), Liam (John Gallagher jr.) und Rodrigo (Mamoudou Athie), sowie Biologin Emily (Jessica Henwick) findet sich aber in der auseinanderbrechenden Station gestrandet. Ihre einzige Hoffnung ist zu Fuß den Weg zu einer Schwesterstation zurückzulegen, in der Hoffnung, dort einen Weg an die Oberfläche zu finden. Doch natürlich war das Erdbeben nicht einfach ein Erdbeben. „Da draußen“ ist „etwas“ und es ist nicht eben amüsiert, dass Menschen meinen, in seinem Vorgarten nach Rohstoffen bohren zu müssen.

Die Handlung beginnt in medias chaos. Stewarts Norah hat nicht einmal Zeit, sich die Zähne fertig zu putzen bevor das Unheil über sie hereinbricht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Da bleibt für Charakterzeichnung nicht wahnsinnig viel Platz und so werden die mit recht groben Strichen skizziert. Emily hat Angst, Liam will sie beschützen, Lucien hat sowas schon mal erlebt und Norah ist Ellen Ripley mit rausgefeilter Seriennummer. Gerade im ersten Akt, der in der zerbrechenden Station spielt, ist der Film teilweise dann aber so nah an ‚Aliens‘, dass, zugegeben, sogar ich mit den Augen gerollt habe. Wenn Taucher mit Helmkameras unterwegs sind und aus einem Kontrollzentrum beobachtet werden und dabei ein merkwürdiges Lebewesen entdecken, das aus dem Oberkörper einer Leiche hervorbricht, dann braucht Biologin Emily kaum noch zu spekulieren, dass das wohl nur die juvenile Version ist und wir das erwachsene Wesen noch nicht gesehen haben. Gibt es womöglich sogar ein besonders großes Alpha oder Königinnenwesen? Naja, was glaubt Ihr denn?

Wenn die Überlebenden die Station verlassen und sich auf den Fußmarsch machen, dann findet ‚Underwater‘ zu seinen eigenen Stärken und Schwächen. Wobei ein Zyniker wohl sagen könnte die Autoren Duffield und Cozard, sowie Regisseur William Eubanks haben nicht nur ‚Aliens‘, sondern auch dessen Derivat ‚Pitch Black‘ gesehen. Denn „pitch black“ ist es natürlich auch auf dem Grund des Mariannengrabens. Dazu kommen die ständige Gefahr des Wasserdrucks und der wenige vorhandene Sauerstoff. Das nutzt Eubanks einerseits sehr gut um Spannung aufzubauen, Klaustrophobie in einer eigentlich gigantischen Umgebung zu schaffen. Andererseits verliere ich, sobald die Action beginnt, quasi sofort jegliche Orientierung. Das mag gewollt sein, doch war ich ernstlich verwirrt, als ein Charakter scheinbar weit davon gezerrt wurde, sich dann aber plötzlich wieder direkt neben einem anderen wiederfand. Dennoch weiß Eubanks mit der Finsternis stimmungsvoll umzugehen. Weniger stimmungsvoll ist, dass er auf kaum ein visuelles Klischee verzichten mag. So gibt es etwa keine Explosion, bei der die Darsteller nicht kurz in extremer Zeitlupe in der Luft (oder dem Wasser) festgehalten würden.

Den Höhepunkt bildet ausgerechnet das Finale, über das ich aus offensichtlichen Spoilergründen hier nicht viel sagen möchte. Nur so viel, es ist wunderbar over the top und ich wünschte es wäre länger. [an dieser Stelle stand ein literarischer Vergleich, allerdings war das was ich als Anspielung sah, vom Regisseur gewollter Text und somit ein Spoiler, aber fragt halt in den Kommentaren, falls es Euch ernstlich interessiert] Gewöhnlich stehe ich heutigem CGI-Bombast im Finale ja meist sehr skeptisch gegenüber, hier ist es genau richtig gemacht und findet eine sehr gute Synthese zwischen dem Persönlichen und dem Gigantischen.

Die Darsteller, allen voran Stewart und Cassel, sind wie gewohnt gut und ehrlich gesagt ein wenig unterfordert. Daher lohnt es kaum einzeln auf sie einzugehen. Einen möchte ich doch hervorheben, allerdings negativ. T.J. Miller wähnte sich offenbar in einem komplett anderen Film als alle anderen. Allzu gewollt launige Bemerkungen und ein ständig herumgetragener Stoffhase, lassen mit einiger Ungeduld auf den Moment warten, wenn es für ihn heißt: „Game over, man! Game over!“

Wenn Ihr ‚Aliens‘ mögt, vor allem wenn Ihr auch Derivate wie eben ‚Pitch Black‘ oder ‚Octalus‘ mögt, dann gebt ‚Underwater‘ ruhig auch eine Chance. Wenn Ihr Tiefsee SciFi allgemein mögt, seid Ihr vermutlich auch nicht ganz verkehrt. Wenn Ihr Euch aber arg daran stört, dass der Film garkeinen Versuch macht, sein Vorbild zu leugnen, naja, Ihr habt ‚Underwater‘ bis hierhin ignoriert und solltet es vermutlich weiterhin tun. Eubanks erfindet nicht nur das Rad nicht neu, er wuchtet es nicht mal frisch aus. Aber drehen tut es sich halt trotzdem. Sogar unter Wasser…

Ist der wirklich sooo schlecht? ‚Aliens vs. Predator 2‘ (2007)

Ich mochte ‚Aliens vs. Predator‘ nicht wirklich. Dieser ganze „Ancient Alien“-Pyramide am Südpol Kram und die etwas zu heldenhaft gezeichneten Predatoren, die wenig mit dem kichernden Mistkerl, der sich am Ende vom Arnie-Film in die Luft jagt, zu tun hatten, plus ziemlich öde Action-Szenen, ließen ihn mir in keiner guten Erinnerung bleiben. Und so kam ich auf die einzig mögliche Weise in den Genuss von Teil 2: ich angelte ihn tief vom Grund einer Ramschkiste im örtlichen Elektro-Markt. Und die BluRay hielt exakt, was der Herkunftsort versprach: Bonusmaterial ist Fehlanzeige, ja es gibt nicht einmal ein Menü, Ton/Untertiteleinstellungen werden während des Films geändert. Wurscht, auf den Film der Brüder Strause kommt es schließlich an. Falls Euch die Namen Colin und Greg Strause etwas sagen, dann hat das vermutlich weniger mit ihrem filmemacherischen Erfolg zu tun. Denn die beiden betreiben vor allem ein Computer FX Studio. Als solches arbeiteten sie 2010 an den Effekten für den Sony Film ‚Battle: Los Angeles‘, indem L.A. von Aliens überfallen wird. Sony war wenig erfreut, als die Brüder Strause die zeitgleiche Veröffentlichung ihres eigenen „Aliens überfallen L.A.“ Films ‚Skyline‘ verkündeten. So wenig erfreut, dass sie die Brüder wegen des Verdachts verklagten, FX Gelder des Sony Films für ihr eigenes Projekt verwendet zu haben. Man einigte sich schließlich außergerichtlich. Daher kannte zumindest ich vor diesem Film (auch wenn der natürlich früher entstanden ist…) den Namen Strause. Und zu diesem Film wollen wir jetzt endlich mal kommen.

Der Film beginnt dort, wo der letzte aufgehört hat. Ein Chestburster platzt aus der Brust des Hauptpredators des ersten Films. Das daraus entstehende „Predalien“ (laut Wikipedia) macht sich eilig daran die Predatoren Crew zu ermorden und das Schiff direkt zurück auf die Erde stürzen zu lassen. Hier entkommt es mit einigen Facehuggern in den Wald nahe des Ortes Gunnison in Colorado. Schnell fallen den Facehuggern ein Vater und ein Sohn auf der Jagd, sowie einige Obdachlose zum Opfer. Das Predalien trägt nicht nur den breiten Klappkiefer und schnieke Dreadlocks seines ehemaligen Wirtes zur Schau, sondern ist auch in der Lage mit seinem „Kiefer im Kiefer“ Leute mit Aliens zu infizieren. Anders als ein Facehugger legt er dabei gleich mehrere Chestburster ab. Der Xenomorph-Nachwuchs ist also gesichert. Ein sterbender Predator konnte allerdings noch einen Notruf absetzen. Und so kommt ein erfahrener Predator auf die Erde, erstens um die Aliens zu jagen und zweitens um alle Spuren sowohl von Aliens als auch Predatoren zu beseitigen. Sein Name (der im Film nie genannt wird) ist denn auch Wolf, nach Harvey Keitels „Cleaner“-Charakter aus ‚Pulp Fiction‘. Tatsächlich entsorgt dieser Wolf Leichen mit Chestburster Loch in der Brust, tote Facehugger und später ganze Aliens sehr effektiv mit hochwirksamer Säure. Da er allerdings aus seiner Predator Haut nicht heraus kann, kommt er nicht umhin einen Hilfssheriff, den er umbringt, weil der ihn beobachtet hat, nicht einfach verschwinden zu lassen, sondern er hängt seine gehäutete Leiche in einen Baum. Weil das die Predatoren in ihren Filmen das halt auch so gemacht haben. Wenig überraschend sorgt das dafür, dass die Ermittlungswut des örtlichen Sheriffs Morales (John Ortiz) steigt, anstatt zu sinken. Wer hätte das gedacht? Überhaupt sollte ich wohl ein paar Worte über die öden, menschlichen Charaktere sagen.

Da wäre Ex-Knacki Dallas (Steven Pasquale), frisch aus dem gefängnis nach Hause zurückgekehrt. Aber der sieht gut aus und der Sheriff mag ihn, also wissen wir, dass der kein Schlechter ist. Sein minderjähriger Bruder Ricky (Johnny Lewis) muss sich mit Pizzaaustragen und Bullies herumschlagen, aber immerhin mag ihn die Schulschönheit Jesse (Kristen Hager). Ebenfalls zurück kehrt Kelly O’Brien (Reiko Aylesworth). Allerdings nicht aus dem Knast, sondern dem Krieg. Ihre kleine Tochter Molly steht ihr sehr entfremdet gegenüber. All das wird aber in jener Nacht egal, als die Aliens das örtliche Kraftwerk ausschalten und zu aberdutzenden aus der Kanalisation hervorbrechen. Damit beginnt für die Menschen von Gunnison ein Kampf ums überleben.

Filmisch versagt ‚Aliens vs. Predator 2‘ ehrlich gesagt beinahe in jeder Hinsicht. Der Film ist hässlich. Wirklich hässlich. Die Helligkeit wurde extrem herausgenommen, damit die meist finsteren und oft recht heftigen Action- und Horrorszenen nicht zu einer höheren Altersfreigabe führen. Das sorgt dafür, dass in hellen Szenen die Farben „falsch“ wirken und selbst vor Ort, etwa im Wald, gedrehte Szenen wie von einem billigen Set wirken. Und bei längeren Szenen im Dunkeln tun einem fast die Augen weh, so muss man sich anstrengen um etwas zu sehen.

Die Handlung beginnt quasi als Slasher (mit nem mörderischen Predator als Doktor Loomis-Ersatz) und wird zu einem Invasionsfilm. Viele Überraschungen bietet das nicht, ist aber völlig okay. Die Dialoge hingegen sind annähernd schmerzhaft. „You are too stupid to talk, Dale! So shut up!“ Ist da beinahe schon ein Satz, der einen Funken Selbsterkenntnis enthält. Die Charaktere sind absolut flache Abziehbildchen, verkörpert von Darstellern, die mit „mittelmäßig“ freundlich umschrieben würden. Ausnahme ist John Ortiz, der seinen Sheriff, der vom Drehbuch irgendwo zwischen der Nutzlosigkeit von ‚Aliens‘ Lt. Gorman und dem Bürgermeister aus ‚Der Weiße Hai‘ verortet wurde, mit erstaunlich viel Pathos ausstattet. Ironisch.

Und dann sind da die Anspielungen. Oh, die Anspielungen. Dallas heißt nicht nur einfach Dallas (wie Tom Skerritts Charakter in ‚Alien‘), nein er sagt auch noch wortwörtlich in einer Szene „Get to da Choppa!“ (im Gegensatz zu mir versucht er sich dabei wenigstens nicht an einer Arnie-Imitation!), natürlich wie Dutch in ‚Predator‘. Manches funktioniert aber auch, wie der kurze Blick auf die Predatoren Heimatwelt, von der ich gern mehr gesehen hätte.

Nach alledem ist der Film also sooo schlecht wie sein Ruf? Tja… Nö. Ich hatte ehrlich gesagt weit mehr Spaß mit diesem Film als mit seinem Vorgänger. Die Idee die beiden Weltraummonster in einer Umgebung agieren zu lassen, die ansonsten irdischen Slashern vorbehalten ist, funktioniert für mich ganz erstaunlich gut. Die Kampfszenen zwischen Predator und Aliens (wenn man sie denn erkennen kann) haben ordentlich Wumms dahinter, vor allem weil Darsteller in Kostümen und nicht CGI-Monster verwendet werden. Die Szenen wenn das Predalien (ein erstaunlich doofes Wort) Patienten im Krankenhaus, hier vor allem eine werdende Mutter, infiziert, sind tatsächlich recht grausig (im positiven Sinne) inszeniert. Und wenn die Aliens das Kraftwerk überfallen, dann gelingen dem Film sogar recht beeindruckende Aufnahmen. Vor allem habe ich selten so gegrinst, wie wenn ein Alien durch eine Western-Saloon-Schwingtür kommt. Auch wenn sich daran direkt eine unnötige Anspielung auf die Küchenszene aus ‚Alien 3‘ anschließt…

Ein wenig zum Stillstand kommt der Film immer dann, wenn wir zu viel von den menschlichen Charakteren sehen. Eben auch wie bei einem Slasher. Aber irgendwann habe ich dann halt über die doofen Dialoge doch lachen müssen (‚Do you look at me, or the clock?“). Ich mag bekanntlich den Begriff „Guilty Pleasure“ nicht, denn wenn ich aus etwas Vergnügen ziehe und es niemandem schadet, dann fühle ich mich nicht „schuldig“. Der Einfachheit halber könnte man diesen Film für mich aber als genau solchen bezeichnen. Es ist ein bisschen so, als würde man einen Hamburger in einem heruntergekommenen Restaurant bestellen. Obwohl das Salatblatt nicht ganz frisch scheint und der extra bestellte Käse fehlt, schmeckt er deutlich besser als erwartet, wird aber nicht gerade zum neuen Lieblingsessen werden. Und ‚AvP2‘ ist wenigstens nicht so fettig, dass man nachts um 3 mit Sodbrennen aufwacht. Das ist doch auch was.

So, aus dieser verwirrenden Essensmetapher müsst Ihr nun selbst entschlüsseln, ob ich den Film empfehle oder nicht. So ganz sicher bin ich mir da nämlich selbst nicht.

Die Rückkehr der Spuktakulären Filmmonster Kapitel 7: Aliens

Außerirdische sind im Film sicherlich Grenzerscheinungen. Denn natürlich tauchen sie nicht nur (und nicht einmal vor allem) im Horror auf, sondern auch in der Science Fiction. Die Grenzen zu ziehen ist hier nicht immer ganz einfach. Und doch, wenn ein Alien feindlich gesonnen ist können seine Fremdartigkeit, seine unbekannten und womöglich nicht zu verstehenden Fähigkeiten und Absichten durchaus einen fruchtbaren Boden für Schrecken liefern. Wenn ich unten zur Wurzel des Aliens im Film komme, werde ich aber auch einige friedliche Exemplare erwähnen. Ein vollumfängliches Abbild des Aliens im Horrorfilm kann und will dieser Artikel natürlich nicht liefern. Weiterlesen

Kurz und schmerzlos Folge 10: ‚Oats Studios – Volume 1 – Rakka‘ (Neill Blomkamp)

Nachdem sein ‚Alien‘-Projekt wohl endgültig gestorben ist, hat Neill Blomkamp (‚District 9‘, ‚Chappie‘) doch noch eine Möglichkeit gefunden Sigourney Weaver und bösartige Aliens in einen Film zu bekommen. Im Kurzfilm ‚Rakka‘ haben echsenähnliche Außerirdische die Welt übernommen, scheinen aber weniger an Kontrolle und mehr an einem völligen Genozid der Menschheit interessiert. Natürlich formiert sich ein Widerstand unter der Leitung von Jasper (Weaver). Eine Möglichkeit zum Zurückschlagen könnte sich ergeben, als der von den Aliens veränderte Amir (Eugene Khumbanyiwa ) gefunden wird.

Arg finster, was Blomkamp hier inszeniert. Die Alien-Invasoren schrecken vor nichts zurück, gelegentlich überschreitet das vielleicht die Grenze zur Albernheit. „Sie haben unsere Monumente mit Leichen überzogen“ Okay Neill, ich glaub Dir, dass sie fies sind. Thematische Ähnlichkeiten zu ‚District 9‘ – unter umgekehrten Vorzeichen – sind deutlich erkennbar. In einem Interview bestreitet Blomkamp zwar direkte politische Vergleiche ziehen zu wollen, die namentlich Ähnlichkeit des Films zur heftig umkämpften syrischen Stadt wäre allerdings schon ein ziemlicher Zufall. Weaver und die anderen Darsteller sind nicht sonderlich gefordert, zu sehr scheint dieser Kurzfilm darauf ausgelegt seine Welt zu erschaffen. Wird es Fortsetzungen in Form weiterer Kurzfilme geben? Einen Kinofilm? Wer weiß.

Für Fans von Blomkamp und düsterer Science Fiction sicher ein kleiner Leckerbissen.

Erster Trailer zu ‚Arrival‘

Okay, das sieht interessant aus. Wirklich interessant. Die Kommunikation mit einer komplett fremden Intelligenz ist ein Aspekt der Science Fiction, der mich immer sehr fasziniert hat, der im Film aber nie richtig Fuß gefasst. Da sprechen die Aliens entweder von Anfang an verständlich (mit dem ein oder anderen eingestreuten Alien-Wort) oder aber, wenn eine Kommunikation nicht möglich ist, wird direkt effektreich das Feuer aufeinander eröffnet (obwohl das hier auch zu passieren scheint).

Die Kommunikation aber zum zentralen Punkt der Handlung zu machen, wie es hier zumindest der Fall scheint, ist rar genug, um mein Interesse zu wecken. Und selbst, wenn es das nicht wäre, würde mich der Name des Regisseurs, Denis Villeneuve, neugierig machen. Sein ‚Enemy‘, sowie der letztjährige ‚Sicario‘ sind beide hervorragend (und ‚Prisoners‘ sollte ich wohl endlich mal nachholen). Amy Adams und Forrest Whitaker sind auch zumeist sehenswert und vielleicht wird mich sogar Jeremy Renner mal überzeugen können.

Ich freu‘ mich drauf!