Der Comic zum Film am Beispiel von ‚Bram Stoker’s Dracula‘

Ich habe letztens mal den Keller aufgeräumt und was habe ich da in einer der hintersten Kisten gefunden? Die Comicadaption von Francis Ford Coppolas ‚Bram Stoker’s Dracula‘, erschienen 1993 im FeestUSA-Verlag für 29,80 DM. Dieser Fund stellte mich vor eine ganze Reihe von Fragen.

Erstmal, natürlich, warum er überhaupt in der Kiste im Keller gelandet ist. Da ich darauf aber keine Antwort habe übergehe ich die einfach mal. Als zweites merkte ich, dass ich mich sehr gut an den Comic erinnern konnte, aber nicht im Geringsten, wie ich da rangekommen bin. Den Film hatte ich 1993 noch nicht gesehen, daher vermute ich, dass ich ihn später gekauft/bekommen habe. Nicht zuletzt weil ich 1993 sicher keine 30 Mark für einen Comic übrig gehabt hätte. Und die Idee, dass ich meine Eltern hätte Bequengeln können so viel Geld für einen Comic auszugeben, erscheint mir ebenfalls mehr als unwahrscheinlich. Vor allem, weil ich in Unkenntnis des Films wenig Grund zum Quengeln gehabt hätte.

Die wichtigste Frage ist natürlich, ob der Comic gut ist. So als grundsätzlich reines Merchandise-Produkt ist er ja erst einmal suspekt. Nun der langjährige Marvel-Veteran Roy Thomas hat hier das Drehbuch von James V. Hart adaptiert, wichtiger noch, gezeichnet wurde das Ganze von keinem Geringeren als Mike Mignola, dem Hellboy Erfinder höchstpersönlich. Und dessen expressionistische Schatten und kantiger Superheldenstrich im Stil eines Jack Kirby lassen den Comic durchaus als sehr eigenes Werk funktionieren. Natürlich wäre es interessant hier Unterschiede zum Film herauszuarbeiten, aber dafür habe ich Coppolas Film ehrlich gesagt ein paar Jahre zu viel nicht gesehen. Aber ein Moment, der natürlich in Erinnerung bleibt, ist der Schnitt von der Enthauptung von Vampir Lucy Westenra zu Dr. Van Helsing, der Roast Beef schneidet. Im Comic liegt zwischen diesen beiden Szenen hingegen beinahe eine Doppelseite Handlung. Ob das nun daran liegt, dass Thomas den Schnitt zu krude fand oder Harts Drehbuch hier anders war, ich weiß es nicht. Vermutlich würde es aber im Comic auch einfach nicht denselben Effekt haben, wie im Film.

Aber genau das macht Comicadaptionen von Filmen so interessant, dass hier von einem visuellen Medium in ein anderes adaptiert wird. Ich fand Comics zum Film jedenfalls immer spannender als die oftmals reichlich schwerfälligen Romane zum Film (also nicht die Vorlagen, sondern die Adaptionen (von Alan Dean Foster in ca. 80% der Fälle…)). Die frühen 90er waren für mich denn auch die Hochzeit für den Comic zum Film. Weil eben ein Film, einmal im Kino gesehen, oft jahrelang nicht mehr zu sehen war. Meine Eltern wollten ewig keinen Videorekorder und so war ich auf die Hoffnung angewiesen, ihn irgendwann mal im TV zu sehen. Oder eben den Comic zu Film zu lesen. Ich weiß noch, dass ich Adaptionen der ersten beiden Batman Filme von Tim Burton hatte. Insbesondere der ‚Batman Returns‘ Band war reichlich zerlesen und ist schon lange nicht mehr aufzufinden. Ebenso geht es einer Jurassic Park Adaption, der, so meine ich mich zu erinnern, auch noch eigene Comicstories folgten. Zu ‚Vergessene Welt‘ gab es auch eine Adaption, aber erstens mochte ich den Film schon nicht und zweitens fand ich Comics 1997 vermutlich sowieso gerade doof.

‚Ghostbusters‘ Comics gab es auch, die basierten allerdings auf der Zeichentrickserie. Das Internet verrät mir, dass es eine Adaption von ‚Ghostbusters II‘ mit den Charakteren der Zeichentrickserie gab. Daran kann ich mich nicht erinnern, gebe aber zu, meine Neugier ist geweckt (was bei ‚Ghostbusters‘ durchaus einfach ist…). Das öffnet die Tür zu den zahllosen Fernsehserien-Adaptionen. Da sind natürlich die ‚Teenage Mutant Ninja Hero Turtles‘, die ihrerseits auf einem (deutlich finstereren) Comic basierten und so ziemlich alles von ‚ALF‘ bis ‚Star Trek‘. Ich erinnere mich sogar recht deutlich mal einen Mainzelmännchen Comic gelesen zu haben.

Falls sich an dieser Stelle jemand fragt, worauf dieser Artikel eigentlich hinaus will, dann muss ich hier zugeben, dass es keinen stringenten, roten Faden gibt. Bloß ein bisschen nostalgisches Fabulieren, basierend auf dem Zufallsfund des ‚Dracula‘ Comics. Was ich an dieser Stelle eigentlich dachte anbringen zu können war, wie sehr sich die Situation seit den 90ern geändert hat. Damals wurde jeder zweite Blockbuster als Comic adaptiert, heute ist jeder zweite Blockbuster eine Comicadaption. Der zweite Teil dieser schlauen Anmerkung ist sicherlich richtig und es ist faszinierend, dass es weder Marvel noch DC gelingt, aus den Welterfolgen ihrer Filme eine Erhöhung der inzwischen recht kläglichen Comicverkäufe zu ziehen. Das wäre allerdings ein Thema für sich aber ich vermute, dass es daran liegt, dass Superheldencomics eine recht hermetisch mit sich selbst beschäftigte Form der Unterhaltung und schlicht etwas zu teuer sind. Wichtiger ist aber, dass es Comicadaptionen von Filmen nachwievor gibt. Alle ‚Star Wars‘ Sequelfilme etwa wurden als Comic adaptiert. Wobei ‚Rise of Skywalker‘ letztes Jahr im Zuge von Covid pausiert wurde. Auch ‚Mad Max: Fury Road‘ oder ‚Expendables‘ wurden als Comics adaptiert. Wobei ich nicht sicher bin, dass die alle hier in Deutschland erschienen sind. Ich war aber auch lange in keinem Comicladen und im Supermarkt sucht man außer dem Lustigen Taschenbuch ja quasi alle Comics vergeblich. Der Comic zum Film ist also keinesfalls ein nostalgisches Relikt einer Zeit wo man jahrelang auf die VHS und noch länger auf die TV-Ausstrahlung eines Films warten musste.

Tatsächlich hat, in nicht so ferner Vergangenheit, der Tie In Comic das Ursprungsmedium seinerseits beeinflusst. Der US Comicverlag Dark Horse besaß die Rechte sowohl an Aliens als auch Predator und hat, der Crossover Logik des Superheldencomics folgend, Aliens vs. Predator draus gemacht, was dann, mehr oder weniger erfolgreich, verfilmt wurde. Tatsächlich finden sich im Tie In Comic einige unerwartete Crossover. So kann ich mich erinnern, dass Superman auf He-Man traf. Superman bekam es wohl auch mit den Terminatoren zu tun, ebenso wie Robocop, dessen Begegnung mit den Killerrobotern eine Adaption als Super Nintendo-Spiel nach sich zog.

Als unpräzises Fazit: Mike Mignola ist toll, Comics zum Film können Spaß machen und existieren durchaus noch, ich hätte gern die Adaptionen der ersten beiden Burton Filme wieder und der nächste Artikel ist besser strukturiert. Vielleicht. Habt Ihr nostalgische Erinnerungen an Comics zum Film? Möglicherweise an Filme, die ihr nur über Tie In Material erlebt habt? Oder vielleicht gar nicht so nostalgische Erinnerungen. Waren irgendwelche Filmcomics der letzten Zeit unbedingt lesenwert?