Alan Smithees falsche Freunde: Hollywood und Pseudonyme

Vor einem guten Jahr haben wir uns das berühmteste Pseudonym Hollywoods, Alan Smithee, genauer angeschaut. Der gar nicht mal so gute Alan ist aber bei Weitem nicht das einzige Pseudonym, das in der Traumfabrik Verwendung findet. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf unterhaltsame und weniger unterhaltsame Verwendungen von Pseudonymen. Ziel ist dabei nicht die vollständige Abdeckung verwendeter Pseudonyme, sondern einen Überblick zu schaffen, über die verschiedenen Gründe, warum sie verwendet werden. Weiterlesen

Trailer-Park: Dick & Doof plus Kindermädchen mit Drachentattoos

Wisst Ihr, dass es ein Jahr her ist seit der Trailer-Park zum letzten Mal seine Türen geöffnet hat? Gab es etwa in der Zeit keine guten Trailer oder ist mir für den Samstag immer was Besseres eingefallen. Ich fürchte wir können beide Fragen mit „nein“ beantworten. Wer hier schon länger mitliest weiß, dass manche Dinge lange liegenbleiben aber nur sehr wenig jemals vergessen wird. Die Trailer-Kategorie z.B. ist mir letzte Woche, durch meinen Artikel über Poster wieder eingefallen… Aber wir sind hier um über Trailer zu sprechen, also legen wir los! Weiterlesen

Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Lieblingsregisseure

Heute geht Gorana bei den 5 Besten am Donnerstag ans Eingemachte. Die Frage, die ich als Filmfreund fast so sehr fürchte, wie die Frage nach dem Lieblingsfilm. Unsere 5 liebsten Regisseure möchte sie von uns wissen. Das wird eine Liste, die ich vermutlich zwei Minuten nach der Veröffentlichung ändern möchte. Und eine, bei der ein umfangreiches „Ferner Liefen“ Material notwendig wird, denn mich auf 5 zu beschränken ist fast unmöglich.

Es gilt der übliche Grundsatz „es muss mir im Moment des Listenschreibens einfallen“:

  1. John Carpenter

Wer hier länger mitliest, der weiß vermutlich um meine Zuneigung zu Carpenters Filmen. Mit der Subtilität hat er es nicht so, der John. Dafür besitzt er die Fähigkeit aus Nichts eine Atmosphäre zu schaffen, die man mit dem Messer schneiden könnte. Was er dann meist auch tut. Er hat es mit ‚Halloween‘ geschafft das Slasher Genre zu begründen und lieferte für 30.000 Dollar einen Film ab, der besser ist als 98% der anderen Vertreter des Genre. Andere Anspieltips: ‚Das Ding aus einer anderen Welt‘ und ‚Sie Leben‘.

  1. Alfred Hitchcock

Zu seiner Zeit durchaus umstritten ist Altmeister Hitchcock aus keiner Geschichtsschreibung des Films wegzudenken. Genaugenommen hat er sogar drei Karrieren hingelegt: eine im Stummfilm, eine im Schwarz-Weiß-Film und eine im Farbfilm. Und jede für sich wäre erwähnenswert. Und beinahe jeder seiner Filme ist sehenswert (einige seiner Letzten vielleicht weniger). In Sachen minutiöser Planung, akribischer Kameraarbeit aber auch bloßem Spektakel macht er vielen Regisseuren heute noch was vor. Meine drei Liebsten: ‚Das Fenster zum Hof‘, ‚Vertigo‘ und ‚Der unsichtbare Dritte‘.

  1. Akira Kurosawa

Und noch eine beeindruckende Filmografie, mit weitreichendem Einfluss. Seine Samuraifilme haben sowohl den amerikanischen Western bleibend beeinflusst (‚Die Sieben Samurai‘), als auch quasi den Grundstein für den Italo-Western gelegt (‚Yojimbo‘). Er hat Shakespeare auf eine typisch japanische Weise interpretiert (‚Das Schloss im Spinnwebwald‘, ‚Ran‘) und mit ‚Rashomon‘ die erzählerischen Grenzen des Mediums ausgetestet und erweitert. Außerdem hat er ‚Ikiru‘ gedreht. Das allein würde schon reichen, um auf meiner Liste zu stehen.

  1. Park Chan-wook

Am bekanntesten dürfte er für seine Rache-Trilogie und aus dieser vor allem für ‚Oldboy‘ sein. Es gelingt ihm sich dreimal mit dem Thema Rache auseinanderzusetzen und ihm jedes Mal neue und interessante Seiten abzugewinnen. Außerdem war es Parks ‚Joint Security Area‘ durch den ich auf das südkoreanische Kino aufmerksam wurde. Allein dafür kann ich ihm gar nicht genug danken.

PS: habe ich eigentlich ‚The Handmaiden‘ im Kino verpasst? Muss ich mal recherchieren…

  1. Joel & Ethan Coen

Tja, hier konnte niemand anderes stehen. Es ist mir kaum möglich auf diesem Raum meinen Respekt für diese beiden Filmemacher gebührend zum Ausdruck zu bringen. Ich könnte über ‚The Big Lebowski‘ schwärmen. Oder ‚Fargo‘. Sie dafür loben, dass sie als erste bemerkt haben, dass John Goodman nicht nur lustig, sondern absolut furchteinflößend sein kann (‚Barton Fink‘). Mich darüber begeistern, dass man bei ihnen nie genau weiß was man bekommt aber es doch immer unverkennbar „Coen“ ist. Aber wer eine derart umfangreiche Filmografie hat, die nur zwei leichte Ausfälle hat (‚Ein (un)möglicher Härtefall‘ und das ‚Ladykillers‘ Remake) und ansonsten zwischen „zutiefst unterhaltsam“ und „Klassiker“ rangiert, den brauche ich nicht mehr über den grünen Klee zu loben.

Ferner Liefen:

„Mein Herz blutet, weil sie nicht auf der Liste sind“-Fraktion:

Quentin Tarantino, Stanley Kubrick, David Lynch, Lars von Trier, Wes Anderson, Bong Joon-ho, Jean-Pierre Jeunet

„Erwähnt werden müssen“ Fraktion:

Steven Spielberg, Martin Scorcese, Ridley Scott, Guillermo del Toro, Christopher Nolan, Ben Wheatley, Wim Wenders, Werner Herzog,

Eigentlich ist alles gesagt: ‚Hail,Caesar!‘ (2016)

„Eine Wahrheit nicht aus Worten, sondern aus Licht!“

– George Clooney als Baird Whitlock als römischer Zenturio

In den 1950ern endete in Hollywood eine Ära. Das Studiosystem, jenes Oligopol, das die amerikanische Filmlandschaft seit dem Beginn des „Golden Age“ in den späten 20ern beherrscht hatte, befand sich in der Auflösung. Neue Freizeitangebote (vor allem das Fernsehen) und einige Schmerzhafte Gerichtsurteile machten ein Umdenken nötig. Etwas, das den machtgewohnten Studiobossen alles andere als leicht fiel. Statt dessen produzierten sie weiter ihre teuren Bibel-Epen, Filme aus dem merkwürdigen, heute vergessenen Genre des Wasserballets, billige Western und gelegentlich einen Film eines europäischen Exilanten mit großem Namen. In dieser Umgebung ist der neueste Film der Coen-Brüder angesiedelt. Einer Zeit, die neben einigen großen Filme jede Menge vergessenen Unsinn hervorbrachte, die aber dennoch mit großer Liebe von den Coens beleuchtet wird.

Eddie Mannix (Josh Brolin) ist der „Fixer“ des fiktiven Studios „Capitol Pictures“ (eben jenem Studio für das auch ein gewisser ‚Barton Fink‘ in den 40ern Wrestling-Drehbücher geschrieben hat). Seine Aufgabe ist es aufkommende Probleme bei Filmproduktionen schnell und unauffällig zu lösen. Und er hat alle Hände voll zu tun. Vom Set des Sandalen-Epos ‚Hail, Caesar!‘ wurde Star Baird Whitlock (George Clooney) von einer Gruppe kommunistischer Drehbuchautoren um Herbert Marcuse entführt, Synchronschwimmstar DeeAnna Moran (Scarlett Johansson) ist unverheiratet schwanger geworden und Exileuropäer Laurence Laurentz (Ralph Fiennes) wird vom Studio, sehr zu seinem Unmut, gezwungen den schauspielerisch wenig talentierten Westerndarsteller Hobie Doyle (Alden Ehrenreich) als Hauptrolle in seinem neuen Epochendrama zu besetzen. Einzig das Matrosenmusical von Burt Gurney (Channing Tatum) scheint gut zu laufen. Da kommt ein Jobangebot von Lockheed für Mannix doch genau zum richtigen Zeitpunkt, sollte man meinen. Doch Eddie ist hin und hergerissen zwischen seiner Treue zu den (niemals sichtbaren) Studiobossen und der Chance auf einen seriösen Job und nicht zuletzt zwischen seiner Liebe zum Film und der Möglichkeit mehr Zeit mit seiner Familie zu verbringen.

Was für ein durch und durch spaßiger Film. Wenn ich nicht gelacht habe, hatte ich doch stets ein breites Grinsen im Gesicht. Die Coens haben ein wunderbar liebevoll-satirisches Drehbuch geschrieben und elegant (und perfekt ausgestattet) in Film umgesetzt. Roger Deakins liefert ausgefeilte Bildkompostionen dazu und die Schauspieler, allen voran Alden Ehrenreich als dämlicher aber liebenswerter Cowboy und Ralph Fiennes als genervter europäischer Künstler laufen zu Hochform auf. Aber das emotionale Zentrum bildet Josh Brolin als Eddie Mannix. Er ist der typische Coen-Protagonist, der zu keinem Moment wirklich die Kontrolle über sein Leben hat und von den Umständen hin und her getrieben wird. Er reagiert noch mit Stress auf diese Tatsache, hat nicht die stoische Haltung entwickelt, die Marge Gunderson oder den Dude befähigt mit dieser Tatsache umzugehen. Aber an seinem Charakter wird auch deutlich, wie liebevoll die augenzwinkernde Satire mit ihren Charakteren umgeht. Denn wenn man diesen Eddie Mannix mit seinem realen Vorbild vergleicht, wirkt letzterer wie ein Monster. Der historische Mannix war „Fixer“ für MGM, wurde mit mehreren Morden in Verbindung gebracht, hatte kein Problem damit Vergewaltigungsvorwürfe gegen seine Stars mit Drohungen und Rufmord verschwinden zu lassen und betrog seine Frau, bei jeder sich bietenden Gelegenheit (wer mehr darüber wissen möchte, dem sei diese Folge des englischen Podcasts „You must remember this“ empfohlen). Alles Dinge die Brolins Charakter, der sich zutiefst schuldig fühlt, wenn er – hinter dem Rücken seiner Frau – raucht und beinahe täglich beichten geht vermutlich niemals einfallen würden.

Und genau hier liegt vermutlich ein Problem, das viele Kritiker mit dem Film haben: der Zorn auf Hollywood, auf seine schalen, nichtssagenden Produktionen, der aus jedem Einzelbild von ‚Barton Fink‘ troff, ist hier gänzlich der liebenswerten Verschrobenheit gewichen. Das ist nicht zu bestreiten und mag sicher mit der Tatsache zusammenhängen, dass die Coens die letzten 30 Jahre in Hollywood verbracht haben und vermutlich jeder Zorn irgendwann verflogen ist. Immerhin haben sie sich die Fähigkeit des Augenzwinkerns bewahrt.

Im Coenschen Kanon würde ich den Film im guten Mittelfeld einordnen, etwa auf dem Niveau von ‚Burn after Reading‘ durchgehend lustig aber kein Film der zu einem Klassiker werden dürfte. Eines ist sicher: die zwei Brüder deren kreativen „Tiefpunkt“ ‚Ein (un)möglicher Härtefall‘ und das ‚Ladykillers‘ Remake darstellen und die eine Liste von brillanten Filmen länger als mein Arm gemacht haben müssen Niemandem mehr etwas beweisen und das wissen sie auch.