Newslichter Extra: Sumpfdinger und Rechenfehler – wie eine Serie endet bevor sie beginnt

UPDATE 09.06.2019: die unten stehenden Informationen sind veraltet. Ein Sprecher des Staates North Carolina hat erklärt, das es keinen Rechenfehler gab, ‚Swamp Thing‘ war für 12 Millionen Dollar Zuschüsse qualifiziert (den Höchstwert) und die hat es bekommen. Staat und Produktion hätten sich im Guten getrennt. Damit ist der Grund für die plötzliche Absetzung der Serie wieder völlig offen. Mehr dazu am Mittwoch im Newslichter.

 

https://modernhorrors.com/swamp-thing-canceled-likely-due-to-failed-tax-rebate/

In diesem Newslichter Extra geht es einmal nicht um einen Film, sondern um eine Serie. Eine Serie, die quasi zu Ende war bevor sie jemals angefangen hat. Und das ohne jegliches eigenes Verschulden. Wie konnte es dazu kommen? Dafür muss ich etwas weiter ausholen.

Warner bietet seit letztem September einen eigenen Streamingdienst in den USA mit dem Namen „DC Universe“ an. Das gibt bereits einen ganz guten Eindruck davon, was man auf dem Dienst finden kann. Filme und Serien aus dem sehr umfangreichen Archiv an Fernsehserien, animiert und real und vor allem natürlich die aktuellen Filme des DC Universums. Dazu kommen exklusiv produzierte Serien, wie ‚Titans‘ oder ‚Doom Patrol‘, die außerhalb der USA bei Netflix zu sehen sind. Sicherlich ein Nischenangebot, für Superheldenfans allerdings ein attraktives.

Vermutlich wollte man diese Nische ein wenig vergrößern, als man die Serie ‚Swamp Thing‘ in Auftrag gab. Hier bewegt man sich abseits der typischen Superheldengeschichte mehr Richtung Horror. Es geht um den Biologen Alec Holland, der an einer biorestaurativen Formel gearbeitet hat, ermordet wird und mitsamt seiner Erfindung in einen Sumpf in Louisiana geworfen wird. Hier verwandelt er sich in das ‚Swamp Thing‘, einen monströsen Avatar der Natur. ‚Swamp Thing‘ war bereits 1982 in einem Film von Wes Craven zu sehen, funktioniert folglich auch ohne jede Verbindung zu Superhelden. Dazu soll die Serie auf den Geschichten von Alan Moore zu dem Charakter aus den 80er Jahren basieren, die oftmals als einige der besten Comics überhaupt bezeichnet werden. Erfolgversprechendes Material also.

Das sah man bei DC Universe offenbar ähnlich und setzte unter anderem Erfolgsregisseur James Wan (‚Aqua Man‘, ‚Conjuring‘) als Produzent auf das Projekt. Für die Pilotfolge holte man sich Len Wiseman (‚Underworld‘-Reihe) als Regisseur an Bord. Virginia Madsen (‚Candyman‘) sollte eine größere Rolle übernehmen und das Swamp Thing selbst sollte größtenteils mittels praktischer Anzugseffekte umgesetzt werden. Ein ambitioniertes Projekt also. Was konnte schon schiefgehen?

Einiges natürlich, sonst würde ich hier nicht schreiben. Dass die Produktion nicht unproblematisch ist, konnte man schon recht früh erkennen, als die erste Staffel, während laufender Produktion, von 13 plötzlich auf 10 Folgen reduziert wurde. Es herrschten Unstimmigkeiten, zwischen den Machern der Serie und den Geldgebern von Warner, die plötzlich mit der Ausrichtung auf Horror gar nicht mehr so glücklich gewesen sein sollen. Wirklich merkwürdig wurde es aber erst vor ein paar Tagen. Am 31. Mai war die erste Folge der Serie bei DC Universe zu sehen. Sie erhielt wohlwollende bis begeisterte Kritiken und schien schnell ein Publikum zu finden. Doch nur einige Tage nach der Ausstrahlung verkündete Warner die Serie sei gecancelt. Alle 10 Folgen werden zwar wohl noch veröffentlicht, aber eine zweite Staffel wird es nicht geben. Eine merkwürdige Reaktion, die mit reinen kreativen Differenzen vermutlich nur schwer zu erklären ist.

Tatsächlich scheint der Grund für das Aus in einem üblen Rechenfehler zu liegen. Die Serie wurde in North Carolina gedreht. Der Staat tut einiges für die Förderung von Film. Unter anderem bietet er dort produzierenden Studios wohl äußerst großzügige Steuernachlässe an. Verschiedene Quellen im Internet behaupten Verschiedenes, aber für ‚Swamp Thing‘ sollen es zwischen 30 und 40 Millionen Dollar gewesen sein, was fast der Hälfte des Produktionbudgets der ersten Staffel von 85 Millionen Dollar entspricht. Das Problem war offenbar, dass man sich in North Carolina verrechnet hatte und als man Warner die korrigierte Zahl von nur ca. 13 Millionen Nachlass mitteilte hat man dort wohl 1. sofort die Staffel verkürzt und 2. die Reißleine für jegliche Fortsetzung gezogen. 85 Millionen sind eine ordentliche Investition für ein ziemliches Nischenprodukt. Eine Investition, die Warner nicht allein tragen wollte.

Schade um eine ambitioniert wirkende Serie, die zumindest für ihren Anfang hervorragende Kritiken erhielt und ohne jegliches Verschulden in den Sumpf geworfen wurde. Denn wer will eine verkürzte Staffel mit vermutlich offenem Ende sehen, wenn man weiß, dass es nie eine Fortsetzung geben wird? In Zukunft werden Studios Angebote aus North Carolina wohl mit einem scharfen „seid ihr wirklich sicher?“ beantworten.

Newslichter Ausgabe 6: Bond-Autos, schreiende Nonnen und schauspielende Roboter

Wow, ist das wirklich schon die sechste Ausgabe des Newslichters? Kommt mir so vor als hätte es gestern erst angefangen. Allerdings geht heute eine Ära zu Ende. Nein, macht Euch bloß keine Hoffnungen, der Newslichter bleibt. Aber die Gunn Saga hat wohl ein vorläufiges Ende erreicht. Falls Dave Bautista keine handfeste Meuterei anzettelt, dürfte dieser Newslichter die vorerst letzten News zu dem Thema enthalten. Aber auch sonst ist einiges passiert. Ein fähiger Regisseur hätte beinahe einen DC Film gedreht und ein Roboter soll schauspielern.

 

Aston Martin produziert ‚Goldfinger‘-Bond Auto neu

https://screenrant.com/james-bond-aston-martin-db5-gadgets/

Bond Fans können sich freuen, Aston Martin legt den DB5 aus dem wohl ikonischsten aller Bond-Streifen neu auf. Aber halt, bevor sich Eure Bestellfinger selbstständig machen lest erst einmal weiter. Nur 28 Stück sollen produziert werden. Kostenpunkt etwa 3,1 Millionen Euro. Wenn das für Euch noch im Budget drin sein sollte, solltet Ihr allerdings beachten, dass das Fahrzeug, das Ihr erwerbt nicht für den Straßenverkehr zugelassen ist? Warum? Nun, laut Aston Martin kommt der DB5 ausgestattet mit sämtlichen Bond-Gadgets. Rotierende Kennzeichen, Nebelwerfer und Ölspritze mag ich ja noch glauben, aber spätestens bei den Maschinengewehren unter den Blinkern, den Klingen in den Radnaben und dem Schleudersitz komme ich ins Zweifeln. Denn wenn das alles drin wäre, wer sollte den Käufer vom Straßenverkehr fernhalten können!? Lassen wir uns überraschen. Wer mag mir einen mitbestellen?

 

Alfonso Cuarón traf sich mit Warner für DC-Film

https://screenrant.com/alfonso-cuaron-warner-bros-dc-movie/

Vergleicht man das Filmangebot aus dem Hause DC mit dem von Marvel fällt auf (wir lassen Qualität mal außen vor), dass da zurzeit nicht eben viel DC Material kommt. ‚Justice League‘ lief letzten November in den Kinos an und ‚Aquaman‘ wird dort erst im Dezember diesen Jahres auftauchen (hehe). Nachdem sich Zack Snyder zurückgezogen hat scheint eine gewisse Unsicherheit, aber auch der Wunsch nach den kritischen Misserfolgen etwas Neues zu versuchen im Raum zu stehen. Eine verdammt gute Möglichkeit für Letzteres ist uns leider entgangen. Denn offenbar haben sich Warnerleute mit dem mexikanischen Regisseur Alfonso Cuarón (‚Children of Men‘, ‚Gravity‘) getroffen. Dessen cinematischer Dynamismus wäre womöglich genau das, was die DC Helden nach Jahren des Snyder-Geposes gebraucht hätten. Leider trennte man sich wohl nach erfolglosen  Gesprächen wieder. Was soll’s, irgendwann wird schon wieder ein guter Batmanfilm kommen. Und, noch wichtiger, der Trailer zu Cuaróns neuem Film ‚Roma‘ sieht großartig aus.

 

I, Robot and Actor – Roboter soll Filmrolle übernehmen

https://screenrant.com/robot-star-upcoming-movie-tony-kaye/

Die Überschrift klingt nach Zukunftsmusik und ist es im Moment wohl auch noch. Denn Regisseur Tony Kaye (‚American History X‘) hat den Auftritt des Roboters für die Fortsetzung seines Films ‚1st Born‘, der erst dieses Jahr in die Kinos kommt, angekündigt. ‚1st Born‘ mag auf seine Weise innovativ sein, es ist die erste iranisch- amerikanische Filmkooperation, allerdings deutet nichts aus der Beschreibung des Films, in dem Val Kilmer, Tom Berenger und Denise Richards mitspielen, auf einen Roboter hin. Es soll eine romantische Komödie um ein Paar sein, die ihr erstes Kind bekommen, während sich die Großeltern nicht ausstehen können. Wer weiß, ob die Fortsetzung, die ‚2nd Born‘ heißen soll, einen Science Fiction Einschlag bekommt. Allerdings machen mich die Ausführungen von Tony Kaye ein wenig stutzig. Es soll kein Roboter sein, der für jede Szene programmiert wird, es soll „eine künstliche Intelligenz, die als Schauspieler trainiert wird“ sein. Er könne sogar von der Screen Actors Guild anerkannt werden, heißt es. Das klingt für mich dann nicht mehr nach Zukunftsmusik, das klingt nach purer Science Fiction.

 

Schreiende Nonne macht gute Werbung

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18520499.html

Erinnert Euch mal 10 oder 12 Jahre zurück (oder fragt Eure Eltern), damals waren sogenannte „Screamer“ im Internet ganz groß angesagt. Videos oder sogar interaktive Elemente, meistens recht still, die aber die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zogen. Dann tauchte plötzlich eine brüllende Monstervisage auf, der Betrachter erschreckt sich und der neben ihm sitzende Zeigende amüsiert sich und wird in den Oberarm geboxt. So weit, so vergessen, doch das Werbeteam des ‚Conjuring‘ Ablegers ‚The Nun‘ hat den Screamer nun wiederentdeckt. Als 7 Sekunden Werbefilm der Youtube Videos vorgeschaltet wird.

Das führte zu Protesten von erschreckten Zuschauern und schließlich zur Entfernung des Videos durch Youtube. Das darf aber wohl trotzdem als gigantischer Erfolg gewertet werden. Die Herstellung dürfte etwa 5 mäßig arbeitsintensive Minuten in Anspruch genommen haben und neben der Youtube Werbung folgten Nachrichten darüber auf allen einschlägigen Websites. Selbst hier, wo ich sonst nie ein Wort über die olle Nonne verloren hätte. Insofern, alles richtig gemacht. Den Film guck ich trotzdem nicht…

 

Das Ende der Gunn-Saga(?)

(nein, wieder keine Links. Ja, immer noch zu viele)

Disney hat gesprochen. James Gunn wird nicht wieder angestellt. Trotz beinahe durchgehend negativer Presse hält man bei Disney an der Entlassung wegen uralter, lange gelöschter, geschmackloser Witze fest. Auch Marvels Kevin Feige, der sich letzte Woche noch für eine Wiederanstellung Gunns stark gemacht hat, „steht voll und ganz hinter der Entscheidung“. Das lässt ein Machtwort von höchster Stelle vermuten. Gunns Drehbuch für ‚GotG 3‘ soll, in stark überarbeiteter Fassung, weiter verwendet werden. Ein Regisseur, der die undankbare Ersatzaufgabe übernehmen würde hat sich noch nicht gefunden. Ob das eine kluge Entscheidung seitens Disneys war, bezweifle ich einfach mal. Zur Erinnerung: mir geht es nicht so sehr um Gunn, als um die Sache an sich. Das es offenbar kein Recht auf Vergessen für etwas das, so eklig es sein mag, nun mal nur schlechte Witze waren, die dem Betreffenden heute peinlich sind. Und nebenbei dürfte man das Publikum für ‚GotG 3‘ schon gespalten haben, bevor irgendwas im Kasten ist. Dave Bautista vergleicht Disney währenddessen mit Donald Trump und meint das bestimmt nicht positiv. Man könnte also erwarten, dass eine der Veränderungen an Gunns Buch ist, dass Drax nach 5 Minuten in zurück zu seinem Heimatplaneten muss aber unterwegs stirbt, oder sowas.

Und Gunn selbst? Der hat offenbar einen Horrorfilm für Sony produziert (aber wohl nicht gedreht), was genau in dem Moment verkündet werden sollte, als die ganze Saga ihren Anfang nahm. Nun eben einen Monat später. Viel mehr ist über den Film aber noch nicht bekannt.

Wir lesen uns nächste Woche!

Und jetzt: viel zu viele Worte über Batman Filme

Manchmal kommen Leute zu mir und fragen: „Herr Lichter, was ist Ihr liebster Batman Film?“ und von nun an kann ich… ach, wem mache ich was vor? Niemand hat mich das je gefragt und niemand wird es je fragen, hier ist dennoch eine Auflistung aller Batman Filme vom Schlechtesten zum Besten. Aller Batman Filme? Nein, zwei Kriterien gibt es: 1. sie müssen im Kino gelaufen sein und 2. ich muss sie gesehen haben. Aufgrund Kriterium 1 fallen die meisten (aber nicht alle!) animierten Filme weg und dank Kriterium 2 fallen alle Filme mit Ben Affleck raus. Es tut mir leid, falls das jemandes Gefühle verletzt.

hello

Legen wir trotzdem los. Und zwar mit dem Schlechtesten (Anm.: die Wertung ist natürlich meine. Eure dürft Ihr gerne in den Kommentaren kundtun): Weiterlesen

Ich helfe Ben Affleck dem DC Universum zu entkommen!

https://theplaylist.net/ben-affleck-segue-dceu-20171113/

„You don’t do it forever, so I want to find a graceful and cool way to segue out of it“
– Ben Affleck im obigen Artikel über seine Rolle als Batman

Ben Affleck möchte „einen coolen Weg sich aus dem DCEU zu verabschieden“? Na da kann ich helfen! Hier mein Kurzfilm-Skript namens ‚The Dark Flight of Stairs of the Dark Soul of the Dark Protector of Dark Gotham City‘, speziell für Herrn Affleck:

Ein düsteres Treppenhaus, irgendwo im großen, finsteren, ökonomisch benachteiligten Bereich Gothams. Batman eilt Treppen nach oben, er scheint ein wenig außer Atem, die Aufschrift an der Wand verrät, dass wir uns im 23. Stock befinden. Von oben sind Geräusche eines Kampfes zu hören. Nach mehreren Minuten hat Batman endlich das oberste Stockwerk erreicht. Er tritt auf einen Rollschuh und fällt rückwärts die Treppen herunter. Cartoon-Geräusche sind zu hören, *Sproings*, *Doings*, *Klirren* und *Tröten*. Dazwischen Batmans Schmerzenschreie: „Aua, mein Schlüsselbein!“, „Argh, meine Bauchspeicheldrüse!“, „Oh Gott, mein allgemeiner Rumpfbereich!“ Dann Stille. Der Sturz scheint vorbei. Doch nach 10 Sekunden beginnt der Krach von Neuem. *Plumps*, *Watsch*, *Zack* und „Urks, meine Achillessehne!“, „Oh, voll auf die Hirnhaut!“, „Iaaaah, meine Seele!“

Endlich kullert Batman aus der Vordertür des Gebäudes. Drei Personen warten hier und halten Preisrichterschilder hoch. Commissioner Gordon gibt ihm 8.5. Alfred gibt ihm 10.0 (er weiß wer sein Gehalt bezahlt). Und Martha Wayne gibt ihm 0.0! Moment, Martha Wayne?? Da nimmt sie die Maske ab! Es ist der Joker! Er verprügelt den am Boden liegenden Batman mit dem Preisschild. Mühevoll kämpft sich Batman auf die Füße. Er packt den Joker am Kragen und knurrt „Wer hat Dir verra…“ In dem Moment fällt ihm ein großer Tresor auf den Kopf. Die Tür öffnet sich und heraus tanzen in einer langen (laaaaaangen) Polonaise alle Schurken mit denen es Batman je zu tun hatte. Ein schockierter Gordon gibt 2.4 Punkte. Alfred bleibt bei 10.0 (er weiß wer im Testament begünstigt ist). Der Joker lacht. Zur Überraschung aller kriecht Batman unter dem Safe hervor. Die Schurken haben sich inzwischen zu zwei langen Revueballet-Linien aufgestellt und treten den angeschlagenen Helden mit elegant geschwungenen Tanzbeinen hin- und her. Gordon gibt eine wohlwollende 7.8. Alfred eine 4.3 (er hatte die Erbschaft jetzt eigentlich schon fest eingeplant). Der Joker schickt dem Regieassistenten eine tote Ratte in einer Tupperdose.

Nach etwa 10 Minuten gelingt es Batman den fliegenden Tritten zu entgehen. Er nimmt die Maske ab und wirft sie auf den Boden. „Der ganze Scheiß hier ist mir echt zu blöd! Ich verschwinde!“ (Meta: wir wissen nicht, ob hier Bruce Wayne oder Ben Affleck spricht! #genial #Oscar) Als er ohne nach links und rechts zu Schauen auf die Straße geht überfährt ihn ein Bus.

*Schwarzblende*

‚Fin‘

(begleitet von trauriger Akkordeon-Musik und gelegentlichen Maultrommeln)

Nach-Credits-Szene: jemand versucht mühsam einem von Weinkrämpfen geschüttelten Matt Damon klarzumachen, dass nicht wirklich Ben Affleck überfahren wurde.

zweite Nach-Credits-Szene: der Joker nimmt nochmal eine Maske ab und entpuppt sich als… Martha Wayne! Gordon nimmt die Maske ab und ist… Thomas Wayne. Beide grinsen, zeigen auf Bruce und sagen „April, April! Reingelegt! Du hättest Dein Gesicht sehen sollen, als Du dachtest wir wären erschossen aber selbst wir hatten nicht erwartet, dass Du dich als Fledermaus verkleidest!“ und alle lachen und lachen und lachen bis selbst Alfred sich nicht mehr zusammenreißen kann.

Cooler geht nicht.

Das Leben, das „Cinematische Universum“ und der ganze Rest

Manchmal kommen sie eben nicht wieder: Universals „Dark Universe“ scheint ein weiteres Mal vorüber zu sein, bevor es wirklich begonnen hat. ‚Dracula Untold‘ von 2014, der die Frage beantwortete, was passieren würde, wenn man aus den ersten 5 Minuten von Coppolas Dracula einen ganzen Film machen würde, sollte mal der Anfang sein, nachdem der bei Kritik und Publikum weitgehend durchgefallen war, „galt“ er aber nicht mehr. Dann sollte das Tom Cruise Vehikel ‚Die Mumie‘ den Anfang bilden, kam allerdings beinahe ebenso schlecht an. Nun sind die beiden „Architekten“ des „Dark Universe“, Alex Kurtzman und Chris Morgan zu ‚Star Trek: Discovery‘ bzw. dem ‚Fast and Furious‘ Franchise versetzt und der nächste Film ‚Bride of Frankenstein‘ soll zwar noch erscheinen. Aber wann? Keine Ahnung.[1] Tragisch für Universal, die mit ihren Monster Filmen in den 30er und 40er Jahren für das erste „Cinematische Universum“ verantwortlich zeichneten. Sie standen hier allerdings vor dem erkennbaren Dilemma, dass sie wohl einerseits meinten ihre Monster als Horror nicht mehr in Mainstream-fähigen Blockbustern vermarkten zu können, andererseits offensichtlich nicht wirklich wussten, was sie sonst mit ihnen anfangen sollen. Das mittendrin nun auch noch ‚ES‘ erschien und bewies, dass Mainstream-Horror durchaus auch heute funktionieren kann dürfte wohl noch zusätzliches Salz in die Wunde gestreut haben. Aber was genau ist eigentlich ein „Cinematisches Universum“? Und was macht es für Studios und Publikum so attraktiv? Weiterlesen

*Biff!* *Sock!* *Pow!* ‚Batman: Return of the Caped Crusaders‘ (2016)

Man kann vom derzeitigen Kino-Angebot der Superhelden des DC Verlages halten was man möchte, doch scheint der Großteil zu dem Schluss zu kommen, dass Marvel hier Vieles besser macht. Sucht man eine Zeit, in der DC fraglos besser aufgestellt war als Marvel, lohnt sich ein Blick in die frühen 90er. Nicht nur dominierte hier Tim Burtons Batman das Kino, nein auch die großartige, animierte Batman Serie war Spider-Man, den X-Men oder sonstigen Marvel-Männer-Zeichentrick-Angeboten um einige Nasenlängen voraus. Mit ‚Mask of the Phantasm‘ hat sie meiner Meinung nach sogar einen der besseren Batman-Filme hervorgebracht. Diese Animationstradition war DC-Time-Warner klug genug durchgängig am Leben zu halten, auch wenn in den letzten Jahren die Kreativität etwas gelitten hat und vor allem Comic-Bestseller 1:1 in Direct-to-Video/Stream Filme umgesetzt wurden. Doch spätestens mit diesem Film wagt DC sich hier wieder in spannendes Territorium ist er doch nach 50 Jahren eine Fortsetzung der Batman-Serie der späten 60er Jahre.

„Batman ’66“ ist vermutlich eine dieser Serien, die man entweder liebt oder hasst. Sie ist mit dem schwer übersetzbaren, englischen Begriff „campy“ eigentlich ideal umschrieben. Die Idee kam dem Produzenten William Dozier, als er in einem vollen Kino-Saal ein Batman-Serial aus den 40ern gesehen hat und das gesamte Publikum, wegen der dick aufgetragenen Moral und albernen Handlung, in schallendes Gelächter ausbrach. Das wollte er ganz gezielt erreichen. Batman (Adam West) und Robin (Burt Ward) würden ihre Rollen mit komplett naivem Ernst spielen, während ausufernd chargierende Schurken, wie der Riddler (Frank Gorshin), Joker (Cesar Romero) oder Pinguin (Burgess Meredith) sie in absolut bizarre Kriminalfälle verwickeln. Diese folgen meist einem bestimmten Muster, die Kriminellen begehen Verbrechen, hinterlassen Hinweise für Batman und Robin, stellen ihnen ein Todesfalle, Cliffhanger, das dynamische Duo entkommt, stellt den oder die Schurken endgültig und es kommt zur Schlägerei mit den berühmten Comic-Soundword-Einblendungen (und BluRay-Auflösung sei Dank, inzwischen problemlos erkennbaren Stuntleuten). Das alles passiert in knallbunten Sets, neben Star Trek einer der großen Verkaufsgründe für Farbfernseher. Es ist sicherlich keine Serie die man, wie heute üblich, an einem Stück schauen kann, doch nachdem ich mir über Monate die erste Staffel (zum ersten Mal seit bestimmt 20 Jahren) gegeben habe kann ich eindeutig sagen ich falle in das Lager derer, die die Serie lieben. Umso gespannter war ich auf diesen Film.

Vier von Batmans fiesesten Feinden, Joker, Riddler, Pinguin und Catwoman haben sich zusammengetan und einen Duplikationsstrahler entwendet. Als das dynamische Duo das Querulanten-Quartett stellt, setzt Catwoman den maskierten Musterbürger Batman einer merkwürdigen, malevolenten Substanz aus, die schon bald dafür sorgt, dass der eine unheimliche Veränderung durchmacht. Wird Robin seinem alten Freund und Ziehvater helfen können? Kann er gar auf die Hilfe einer reumütigen Catwoman hoffen?

Falls diese ganz im Stile der Serie gehaltene Inhaltszusammenfassung es noch nicht klar machen sollte: ich hatte jede Menge Spaß mit diesem Film! Die Handlung um das Bündnis der Schurken lässt den Film wie eine Fortsetzung des Kinofilms, der auf der Serie basierte wirken. Es gibt zwar kleinere Anspielungen auf die Geschichte der Serie selbst (Batman sieht nach einem Schlag auf den Kopf drei verschiedene Catwomen, eine Anspielung an die oft neubesetzte Rolle), das größere DC Universum (während Batman unter Kontrolle der Substanz Gerät zitiert er beinahe wörtlich Frank Millers weit düsterere Batman-Version) oder auch die Realität (Robins Tante Harriet erkennt, dass sie nur da ist um im reinen Männerhaushalt des Wayne Manor „den Anschein zu wahren“), doch versucht der Film nicht die Serie neu zu erfinden oder gar zu parodieren (was wohl auch recht schwierig wäre). Insgesamt ordnet er sich sehr gut ins klassische Muster ein, wobei er in der Lage ist Actionszenen und Schauplätze einzubauen, die das knapp bemessene Budget der Real-Serie niemals zugelassen hätte. Auch darf in einer Szene beinahe die gesamte Schurkengallerie der Serie einen kleinen Cameo-Auftritt absolvieren. Und Fans des Bat-Anti-Hai-Sprays dürfen sich auf eine ganze Reihe bizarrer Gadgets vom Bat-Anti-Antidot bis zur Batzooka freuen.

Die Macher haben es geschafft alle noch lebenden Beteiligten an der Serie ins Boot zu holen. Leider sind es nur noch drei. Die Hauptdarsteller West und Ward, sowie Catwoman-Darstellerin (Staffel 1+2) Julie Newmar. Wests Batman hatte stets einen ganz bestimmten Sprachduktus, den West auch 50 Jahre nach Ende der Serie noch ganz hervorragend beherrscht. Allerdings lässt es sich gelegentlich nicht überspielen, dass er ein Mann in seinen hohen 80ern ist. Hier scheint ein Wort mal etwas undeutlicher als es sein sollte, dort fehlt einem Satz ein wenig die Energie. Doch würde ich keinen anderen als West in dieser Rolle hören wollen, somit sind das wirklich nur Kleinigkeiten. Ward, immerhin auch schon über 70, schafft es hingegen immer noch sehr glaubhaft seinen Robin mit jener überbordenden, naiv-jugendlichen Energie auszustatten. Auch Newmar merkt man ihr Alter kaum an. Die anderen Schurken, sowie Nebenrollen wie Butler Alfred oder Comissioner Gordon, sind mit neuen Sprechern besetzt, die ihren Vorgängern folgen ohne dabei in reine Imitation zu verfallen. Sie machen ihre Sache gut aber nicht herausragend.

Das Aussehen ist bei einer Hommage an eine so augenfällige Serie natürlich durchaus wichtig. Das ist hier durchwachsen, funktioniert aber an den entscheidenden Stellen. Gotham City sieht ein wenig generisch aus. Das mag damit zusammenhängen, dass in DCs Animationstudio eine gewisse Fließbandproduktion für Dinge wie Stadtansichten vorherrscht. Hier ist jedenfalls nichts zu sehen, was an die Serie erinnern würde oder insbesondere 60er Assoziationen hervorriefe. Ganz anders sieht das bei den liebevoll nachgezeichneten, serientypischen Innensets, wie Wayne Manor, der Bathöhle oder Gordons Büro aus. Hier ist viel Liebe zum Detail und zur Serie erkennbar. Bei anderen Szenen ist man mit Hintergründen gern etwas sparsam und sorgt dafür, dass diese nicht allzu gut ausgeleuchtet sind aber das war bei der chronisch unterfinanzierten Serie nicht anders. Der animierte Batman macht sicherlich eine bessere Figur als Adam West in Spandex das in der Realität je getan hätte, ist aber gut und wiedererkennbar getroffen. Das Gleiche gilt für alle anderen Charaktere. Allerdings ist der Joker glatt rasiert und das geht ja mal gar nicht 0/10 Punkten (Cesar Romero weigerte sich für die Serie seinen Schnauz zu rasieren und das Joker-Make-Up wurde schlicht drübergetyncht)! Die Animation selbst ist auf typischem Direct-to-Video/Stream Niveau, erfüllt ihren Zweck ist aber nix besonderes. Die beste Animation ist komischerweise zu sehen, wenn Batman und Catwoman zur Abspannmusik tanzen, da hat jemand jede Menge Mühe reingesteckt. Insgesamt hätte ich mir etwas mehr geschwungenen Sixties Stil gewünscht.

Dieser Film wird absolut Niemanden der es vorher nicht war von den Qualitäten der 60er Serie überzeugen können. Das will er aber auch gar nicht und für Fans des Ausgangsmaterials bietet er ein hochwillkommenes Wiedersehen mit einem weitaus weniger düsteren und ernsten Batman als heutzutage (abseits von Lego) üblich. Eine Fortsetzung mit William Shatner als Two-Face, einem Schurken, der es nie in die originale Serie geschafft hat, ist bereits angekündigt. Ich bin dabei. Und jetzt alle: Nänänänänänä Batman!