Newslichter Ausgabe 80: Lange Haare, schnelle Igel und untote Bräute

Willkommen bei Ausgabe 80 des Newslichters. Windig, warm und wässerig, so präsentiert sich dieser Februar. Da ist es doch schön, es sich gemütlich zu machen mit einer heißen Tasse Irgendwas und den Newslichter zu lesen. Und wer aus dieser nichtssagenden Einleitung folgern möchte, dass mir nichts Besseres eingefallen ist, ist ein Schelm, wenn nicht gar ein Schlingel. Und was soll das überhaupt heißen, nichtssagend? Nun, wie auch immer es folgen, wie üblich, einige kommentierte Filmmeldungen, die mir bedeut- oder unterhaltsam erschienen (okay, das IST nichtssagend…). Wie auch immer, legen wir los!

 

Dark Universe: „It’s alive! It’s ALIVE!!!“

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Zumindest scheint es, als wäre das von Universal totgesagte Dark Universe wenigstens untot. Und dafür brauchte es nicht einmal ein Labor mit diesen Blitzdingern und 30er Jahre Hebeln, für die man beide Hände braucht um sie umzulegen und die dann das Labor in die Luft jagen. Nicht nur läuft bald ‚The Invisible Man‘ an und nicht nur ist Paul Feigs mysteriöses ‚Dark Army‘-Projekt immer noch in Gang, nein jetzt soll es auch tatsächlich noch ein Remake von ‚Frankensteins Braut‘ geben. Wenn auch nicht mehr das ursprünglich geplante Großprojekt mit Angelina Jolie als Braut und Javier Bardem als Monster. Beide scheinen beinahe sicher nichts mit dem neuen Projekt zu tun zu haben. Im Gespräch für die Regie ist allerdings Sam Raimi. Der, wie letzte Woche berichtet, ebenfalls in Gesprächen mit Disney für ‚Doctor Strange 2‘ ist. Ich meine, ich ahne welcher Gehaltsscheck erheblich höher sein dürfte, ich weiß aber auch welchen Film ich von ihm lieber sehen würde. James Whales augenzwinkerndes, campy Original gehört zu meinen Favoriten unter den ursprünglichen Universal Monsters und ich glaube Raimi wäre bestens in der Lage diesen Ton modernisiert einzufangen. Jedoch sollten wir vermutlich erst einmal abwarten ob der ‚Invisble Man‘ überhaupt ein Erfolg wird. Denn wenn der auch wieder komplett floppt, dann dürfte Universal wohl endgültig die Nase vollhaben von dunklen Universen.

 

‚Sonic‘ rennt an die Spitze der Videospielverfilmungen

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Für nicht-Franchise Filme mit animierten Tierwesen endete 2019 schlecht mit ‚Cats‘ und 2020 startete nicht viel besser mit ‚Die fantastische Reise des Dr. Dolittle‘. Welche Chancen hat da ein blauer Videospieligel, dessen Trailer bereits übel verrissen wurde? Erstaunlich gute, wie sich zeigt. ‚Sonic‘ legt den finanziell besten Kinostart einer Videospiel-Verfilmung überhaupt hin. Woran liegt es? An den Rezensionen, die sich hauptsächlich irgendwo zwischen „besser als erwartet“ und „okay“ bewegen wohl eher nicht. Liegt es an der derzeit mangelnden Blockbusterkonkurrenz? Gemäß dem alten Sprichwort „Im Land der Blinden rennt der einbeinige Igel schnell“. Vielleicht. Aber womöglich war auch tatsächlich die ganze Trailerschelte und die anschließende Verbesserung der CGI Darstellung maßgeblich. Womöglich hat genau das mehr Leute aufmerksam auf den Film gemacht. Sicher, bei ‚Cats‘ spielte sich Ähnliches ab, allerdings waren da die Verbesserungen am kritisierten CGI bestenfalls marginal. Ich möchte diese Spekulation noch einmal nutzen, um auf den Umgang mit den CGI Künstlern, eben genau jenen die jetzt Sonics Erfolg ermöglichen, hinzuweisen, die 2 Wochen vor Weihnachten von heute auf morgen ihren Job verloren. Davon ab frage ich mich, ob das in Zukunft dazu führen wird, dass wir frühe Trailer mit absichtlich hässlichem CGI sehen werden, damit große Versprechungen gemacht werden können hier nachzubessern. Ich vermute, dass ist ein Trick, den man nur einmal durchziehen kann. Und dafür muss man schnell sein. Und vermutlich ein blauer Igel. Oder es liegt an Jim Carrey. Ich meine, könnte doch sein, oder?

 

Live Action Rapunzel vom Haus der Maus

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Disney arbeiten sich mit geradezu beängstigender Geschwindigkeit durch ihr sehr tiefes Archiv an animierten Klassikern, um sie als „Realfilmen“ (mit jeder Menge CGI) neu umzusetzen. Mit gigantischem Erfolg an den Kassen, aber mäßiger Kritikerantwort. Erst letztens habe ich die Theorie gelesen, Disney bestünde darauf, dass ‚König der Löwen‘ ein Realfilm sei, weil sie ihn nicht ins Rennen um den Animations-Oscar schicken wollten. Weil sie Sorge hatten nicht zu gewinnen. Ganz unglaubwürdig klingt das nicht, aber vielleicht wollten sie ihrem eigenen Pixar-Film ‚Toy Story – Alles hört auf kein Kommando‘ (der deutsche Titel ist immer noch… Ihr wisst schon) auch einfach keine hauseigene Konkurrenz machen. Klingt fast plausibler. Wie auch immer, jetzt sind sie bei der Remakerei schon beim ersten CGI Film angekommen. ‚Rapunzel – neu verföhnt‘ war nicht nur sagenhaft teuer, er wurde auch ein gigantischer Erfolg und leitete vor 10 Jahren das Ende der klassischen Animation bei Disney ein. Bald darauf wurde er beinahe vollständig von ‚Die Eiskönigin‘ überschattet und ist seitdem ein wenig vergessen. Vielleicht nicht zuletzt deswegen steht jetzt bei Disney eine Realfim Rapunzel (Realpunzel?) auf dem Programm. Ob die sich allerdings an „neu verföhnt“ orientiert, oder das klassische Märchen komplett neu interpretiert ist noch nicht ganz klar. Aber falls es Letzteres ist, dann gibt es doch noch so viele Grimmsche Märchen, die auf eine Verfilmung warten. Warum immer wieder dieselben fünf. Rotkäppchen ist ein Grimm-„Superstar“ ohne Disneyfilm oder auch die Bremer Stadtmusikanten. Und Frau Holle etwa wartet sicher auch auf ihren Moment. Oder Der Teufel mit den drei Goldenen Haaren (ein Favorit von mir als Kind). Von den Sieben Schwaben ganz zu schweiga…

 

Das war‘s. Nächste Woche geht es weiter, dann sicher auch mit (marginal) besserer Einleitung.

‚Searching‘ (2018)

Manchmal hat ein Film eine gute Idee, scheitert aber an deren Umsetzung. Genau das ist meiner Meinung nach bei dem Film ‚Unfriended‘ von 2014 der Fall. Eine Geschichte um Cyberbullying und dessen dramatische Folgen, die sich ausschließlich auf einer Computeroberfläche in Videotelefonie und Chats abspielt klingt faszinierend. Scheiterte dann aber an unerträglichen Charakteren und Slasher-Mumpitz so öde, dass sich Jason Voorhees ausgeloggt hätte. Das hat aber bei weitem nicht jeder so gesehen und so machte der Film mit einer knappen Million Dollar Budget über 68 Millionen Gewinn. Als Erstlingsregisseur Aneesh Chaganty und Ko-Autor Sev Ohanian einige Zeit später bei ‚Unfriended‘-Produzent Timur Bekmambetow mit einer Idee für einen Kurzfilm, der nur auf den Desktops verschiedener Geräte spielen sollte auf der Matte standen, wollte der ihn nicht finanzieren. Stattdessen sollten sie, basierend auf dem ‚Unfriended‘ Erfolg, gleich einen ganzen Spielfilm daraus machen. Und, um das schon einmal vorweg zu nehmen, Chaganty hat es geschafft zu zeigen, dass ein solcher Film kein reines Gimmick sein muss. Indem Ohanian und er ein Drehbuch verfassten mit einer Geschichte und Charakteren, die auch bei konventioneller Erzählweise funktionieren würden.

David Kim (John Cho) macht sich Sorgen. Seine 16jährige Tochter Margot (Michelle La), die er nach dem tragisch frühen Tod seiner Frau allein erzieht, ist nach einer abendlichen Lerngruppe nicht nach Hause gekommen. Als er die Polizei informiert, wird die fähige, engagierte Detective Vick (Debra Messing) auf den Fall angesetzt. Diese bittet David Margots Freunde anzurufen und, anhand ihres Laptops, auch ihre Social Media-Kontakte zu befragen, während sie in der „wirklichen Welt“ ermittelt. Bei seinen Nachforschungen merkt David bald, dass er seine Tochter nicht so gut kennt wie er dachte. In der Schule hat sie keine Freunde. Den Klavierunterricht hat sie vor einem halben Jahr beendet, aber weiterhin jede Woche die 100 Dollar dafür eingesteckt. Vick ist bald überzeugt, dass das Mädchen von zu Hause fortgelaufen ist. Doch wie passt das mit der Tatsache zusammen, dass sie in der Nacht ihres Verschwindens mehrfach versucht hat ihren schlafenden Vater anzurufen?

Mehr über die Handlung zu verraten wäre unfair, lebt der Thriller doch von der Entdeckung neuer Tatsachen. Auffällig dabei ist, dass er für die ersten zwei Drittel seiner Handlung dabei sehr bodenständig bleibt, vor allem die familiäre Vater-Tochter Beziehung in den Vordergrund stellt und zumindest mich damit sehr an den gelungenen aber unbekannten ‚Lake Mungo‘ erinnert hat (wenn auch ohne die Horror-Elemente). Im letzten Akt ergeht sich die Handlung dann in einer ganzen Reihe von Twists, die der Grenze zum Albernen teilweise bedenklich nahe kommen, für mich aber den Rest des gelungenen Films nicht wirklich beschädigen.

Es ist interessant, wie nachvollziehbar sich die Desktop-Darstellung anfühlt. Sicherlich, es ist etwas unglaubwürdig, wie oft David seine Webcam laufen lässt, doch sein Multitasking, etwa Detective Vick bei ihrem ersten Anruf direkt zu googeln, wirkt absolut intuitiv. Und ist eine gelungene Möglichkeit dem Zuschauer sehr schnell Hintergrund zu vermitteln, ohne diesen krampfig in die Dialoge einbauen zu müssen. David als Home Office-Arbeiter kennt sich dabei durchaus am PC und im Netz aus, weiß etwa wie er an die Passwörter seiner Tochter kommen kann, aber ist auch genau an den Stellen ahnungslos, wo ich das von einem Mittvierziger erwarten würde („Was ist ein Tumblr?“).

Der Zusammenbruch der Kommunikation zwischen Teenagern und ihren Eltern (hier noch verstärkt durch den Tod der Mutter) ist kein neues Thema für Film und sicher auch nicht für den Thriller, doch habe ich es bislang nicht so glaubhaft in die heutige Zeit geholt gesehen, wo die geheimen Gedanken der Tochter eben nicht mehr in einem versteckten Tagebuch gehütet,  sondern auf einer Streamingseite für jeden (außer dem Vater der davon nichts weiß) sichtbar sind. Dabei hält sich der Film mit dem Urteil über die moderne Online-Welt zurück. Er zeigt sie als quasi unentbehrlich, wenn er die Geschichte der Kims seit Margots Geburt anhand von Terminplanern, Emails und Videos nachzeichnet. Sie ist integrale Hilfe bei der Suche nach der Tochter, doch befeuern ihre negativen Seiten, zynische „Influencer“ und seelenloses Kommentariat, nach dem weiteren Bekanntwerden von Margots Verschwinden, durchaus die väterliche Paranoia.

Der Film wird sicherlich vor allem seiner Form wegen in Erinnerung bleiben. Allerdings lohnt es durchaus die schauspielerischen Leistungen zu erwähnen. Allen voran John Cho (am bekanntesten vielleicht als Sulu in den „Kelvin“-‚Star Trek‘ Filmen), der in seiner Rolle alles gibt, über die Form hinauswächst mit einer Leistung, die jede Behauptung der Film sei ein reines Gimmick von vornherein zum Schweigen bringen sollte. Er selbst hatte anfangs an der Machbarkeit des Films gezweifelt, ein Zweifel, den er in eine umso bessere Leistung gewandelt hat. Die relativ unbekannte Michelle La erfüllt die nicht unbedingt dankbare Aufgabe, ihre Margot innerhalb kurzer Videoschnipsel zu einem nachvollziehbaren, sympathischen aber dennoch mysteriösen Charakter zu machen erstaunlich gut. Etwas schwächer habe ich Debra Messing erlebt, die sich mit dem Schauspiel direkt in die Kamera nicht so recht wohlgefühlt zu haben scheint.

Diese Art von Film wird wohl eher nicht die Zukunft des Mediums sein, selbst ‚Searching‘ gibt seine strenge Form von „wir sehen was David auf seinem Gerät sieht“ zwischendurch auf, wenn wir Ausschnitte aus Live-Nachrichten sehen, in denen David selbst auftaucht. Aber nicht zuletzt weil ‚Searching‘ aus knapp 900.000 Dollar Budget über 75 Millionen Gewinn gemacht hat, werden wir wohl noch einige andere in dieser Form sehen. Ob ein veritables Genre daraus wird, a la Found Footage, das wird hingegen die Zukunft zeigen müssen. Sicher ist, dass diese Filme veralten werden, mit der Geschwindigkeit, mit der sich die Kommunikation im Internet ändert. Also nicht gerade langsam. Aber zu diesem Moment in der Zeit fühlt sich ‚Searching‘ wie ein äußerst gelungener, kontemporärer Thriller an.

 

Top 10 Filme von damals: 1981 Platz 10 bis 6

Zeit in meiner kleinen Kinocharts-Rückblick-Reihe auf das Jahr 1981 zu schauen. Grundlage sind wieder die westdeutschen Kinocharts auf Chartsurfer.de. Ich blicke erneut aus eher persönlicher Warte auf die Filme zurück, versuche aber auch zu erfassen, ob und wie sie die Popkultur beeinflusst haben oder eben gerade nicht. Und diesmal kenne ich quasi alle Filme, das war ja nicht unbedingt immer so. Doch bevor wir zu den Charts kommen schauen wir, wie üblich, was 1981 sonst so auf der Welt los war.

Im Januar wird der ehemalige Schauspieler Ronald Reagan zum 40ten Präsidenten der USA und leitet eine neue Phase der harten Linie im stetig schwelenden Ost-West Konflikt ein. Die Demonstration gegen das Atomkraftwerk bei Brokdorf gilt mit bis zu 100.000 Teilnehmern bis heute als einer der größten Anti-AKW-Proteste Deutschlands. Im April verhängt Jugoslawien, in Folge zunehmender Unruhen zwischen Albanern und Serben, den Ausnahmezustand über die Provinz Kosovo. Im Juni beginnt die ARD mit der Ausstrahlung der Serie ‚Dallas‘. Im Juli heiratet der britische Thronfolger Charles Lady Diana Spencer. Im September werden bei einem Sprengstoffanschlag der RAF auf die Ramstein Air Base zwei Deutsche und 18 Amerikaner zum Teil erheblich verletzt. Die Kolonie Britisch-Honduras wird als Belize unabhängig.  Im Oktober beginnt mit der Entdeckung eines havarierten sowjetischen U-Boots vor der schwedischen Küste eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle durch die 80er, die als „schwedische U-Boot Affäre“ zusammengefasst werden. Die britische Kolonie Antigua wurde als Antigua und Barbuda unabhängig. In den USA ging der Sender MTV auf Sendung. Mit anfangs nur 168 Musikvideos, davon allein 30 von Rod Stewart. Nun aber wirklich schnell ins Kino!

  1. ‚Eis am Stiel, 3. Teil – Liebeleien‘

Und hier haben wir ihn, den ersten Vertreter in diesem Projekt, eines Genres, das in den 80er sehr wichtig war: der Erotikkomödie. In der Einleitung habe ich noch geschrieben, dass ich diesmal alle Filme kennen würde. Nun bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Ich habe sicherlich einige ‚Eis am Stiel‘ gesehen, aber gerade den hier? Ein wenig laufen sie ineinander, wie es sich für Eis gehört. In den meisten sind die drei (mehr oder weniger) jugendlichen Protagonisten am Strand und von dort aus ergeben sich allerlei (mehr oder weniger) erotische und/oder lustige Situationen. War der erste Film noch von den Jugenderinnerungen von Autor/Regisseur Boaz Davidson geprägt, wurden die nächsten (insgesamt 8 und ein Spin-Off) immer beliebiger. In Deutschland waren sie allerdings so erfolgreich, dass die israelischen Produktionen schon ab dem zweiten Teil von deutschen Investoren kofinanziert wurden. Apropos Finanzen: Produzenten der Reihe waren Yoram Globus und Menahem Golan. Die haben unter anderem die erheblichen Gewinne des ersten Teils dafür verwandt das US-Studio Cannon zu kaufen und einige der billigsten Actionheuler der 80er und frühen 90er zu produzieren. Und da sie für ihren „kreativen“ Umgang mit Geldern bekannt waren, würde es mich nicht wundern wenn manches ‚Eis am Stiel‘ Produktionsbudget letztlich Chuck Norris Filmen zugeflossen wäre. Was ich sagen will ist wohl, schaut ‚Electric Boogaloo‘, eine wunderbare Doku über die wilden Cannon Jahre. Jetzt bin ich vom Thema abgekommen, hatte aber auch nicht wirklich viel dazu zu sagen.

  1. ‚Eine Faust Geht Nach Westen‘

‚Eine Faust geht nach Westen‘ ist definitiv der interessanteste (wenn auch vielleicht nicht beste) Bud Spencer Solofilm. Ein Italo-Western, Jahre nachdem das Genre bereits tot war. Mit Morricone Soundtrack! Spencer gibt den typischen bärbeißigen Kleinganoven, der gemeinsam mit dem Indianer „Donnernder Adler“ allerlei Betrügereien abzieht. Als er mit einem gemopsten Koffer in eine Kleinstadt kommt, erweist sich diese Tasche als Arztausrüstung. Folglich gibt sich Buddy als Doktor aus. Das ist nicht nur für einen Italowestern ungewöhnlich, auch für einen Bud Spencer Film und führt zu einigen sehr komischen Szenen. Aber Spencer weiß natürlich auch was er seinen Fans schuldig ist und so gibt es eine der widerlichsten Fressszenen überhaupt und gegen Ende hin, wenn sich, Italowestern-typisch, der Sheriff (der natürlich Bronson heißt) als korrupt erweist allerlei handfeste Auseinandersetzungen. Genreseitenhiebe, typische Buddy-Sprüche und -Szenen und ein letztes Hurra des Italowesterns machen den Film für mich absolut sehenswert.

  1. ‚Zwei Asse Trumpfen Auf‘

Und hier haben wir Spencer und Hill wieder beisammen. Hills Charakter hat jede Menge Wettschulden und eine Schatzkarte, aber kein Geld. Spencers Käptn hat ein Schiff aber keine Lust Hill umsonst zu fahren. Der schifft sich als blinder Passagier ein und nach allerlei Kompassmanipulation landen beide auf einer einsamen Pazifikinsel mit freundlichen Eingeborenen, weniger freundlichen Piraten und einem japanischen Soldaten, der nicht weiß, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ist. Wie im letztjährigen Hill-Solo ‚Supercop‘ ist Sergio Corbucci für die Regie verantwortlich. Und schlägt sich diesmal deutlich besser, wenn auch kaum weniger merkwürdig. Selbst für Spencer/Hill Verhältnisse ist die Handlung absurd, die Charaktere so weit jenseits von hanebüchen, dass sie es nicht mehr sehen können und ein Papagei steht unter stetem Verdacht eine Pfanne voll Bohnen verdrückt zu haben. Es ist aber gerade diese vollständige Überzeichnung und die stets wiedererkennbaren Rollenbilder von Hill und Spencer, die diesen reichlich dämlichen Klamauk funktionieren lassen. Corbucci nimmt sich selbst nicht ernst. Nach üblichen Filmmaßstäben gemessen käme man wohl zu keinem allzu positiven Urteil, aber es sind halt Spencer und Hill und da gelten andere Maßstäbe, da muss man auch mal die Denkmurmel zu machen können.

  1. ‚Jäger Des Verlorenen Schatzes‘

Gebt es zu, Ihr habt den Titel gelesen und Ihr hattet die ersten Noten von John Williams Raiders March im Ohr… George Lucas wollte, nachdem er mit ‚Star Wars‘ bereits den SciFi Serials seiner Jugend ein neues Gewand verpasst hatte, dasselbe für die Abenteuer-Serials tun. Er hatte aber keine Zeit das selbst umzusetzen. Steven Spielberg wollte schon immer einen James Bond Film drehen, musste aber einsehen, dass es dazu wahrscheinlich nie kommen würde. Also taten sie sich zusammen und Spielberg verfilmte die Abenteuer des Archäologen „Indiana“ Jones während der Nazi-Zeit. Am Anfang des zweiten Teils durfte der dann übrigens Sean Connerys Bond-Tuxedo tragen, bevor Connery selbst im dritten Teil (passend als sein Vater) auftauchte. Doch hier lernen wir ihn in einer der besten Eröffnungsszenen überhaupt erst einmal als Hut tragenden, Peitsche schwingenden, verschwitzten Anti-Bond kennen. Statt Harrison Ford sollte eigentlich Tom Selleck nach Spielbergs Willen die Rolle übernehmen, doch das ließ dessen Serienvertrag mit ‚Magnum‘ nicht zu. Dr. Jones hätte also beinahe einen Schnauz gehabt. In der Rückschau schwer vorstellbar, irgendjemanden außer Ford in der Rolle zu sehen. Ich zumindest habe die immer noch stärker mit ihm assoziiert als Han Solo. Die Rolle des Major Toht wurde übrigens zuerst Klaus Kinski angeboten. Er soll sie… wortgewaltig abgelehnt haben. Einige Szenen aus dem Film sind direkt in das Vokabular der Popkultur übergegangen. Das Austauschen des Idols gegen einen Sandsack, die rollende Steinfalle, die Öffnung der Bundeslade mit ihren Folgen. Das sind allgemeinverständliche Zitate, auf die Serien, Filme und Videospiele gern zurückgreifen. Eigentlich muss man nur Hut und Peitsche erwähnen und ein Großteil weiß ohnehin wovon man spricht.

  1. ‚Die Klapperschlange‘

Fangen wir gleich mit dem Offensichtlichen an. Der deutsche Titel ist Mumpitz! Die Tätowierung von Hauptcharakter Snake Plissken (Kurt Russell) zeigt eine Kobra, keine Klapperschlange, ihr zoologischen Nixblicker von Titelgebern!! Aber ernsthaft, ‚Escape From New York‘ beschreibt nicht nur die Handlung von John Carpenters Film sehr gut. Hier wird Plissken als unwilliger Söldner gezwungen den amerikanischen Präsidenten zu retten, nachdem dessen Notkapsel aus der Air Force One im Freilichtgroßgefängnis, zu dem Manhattan inzwischen gemacht wurde, abgestürzt ist. Doch die Idee des Escapes, des Entkommens ist auch das grundlegende Thema des Films, der eine bitter-zynische Zukunftsvision zeigt. Plissken ist kein Held. Er ist kaum weniger schrecklich als die übelsten Insassen des Gefängnisses. Dessen Wärter wiederrum noch viel schlimmer sind. Carpenter kann im dystopischen Manhattan seine größte Stärke als Regisseur, dem Zuschauer ein Gefühl für einen cinematischen Ort zu vermitteln und ihn in sich glaubwürdig wirken zu lassen, natürlich voll ausleben. Zusammen mit den sehr zurückgenommenen Dialogen und Carpenters eigenem unterkühltem Synthie Soundtrack schafft er hier eine sehr eigne, sehr düstere Zukunftsvision. Oft kopiert, aber eigentlich nie erreicht (nicht einmal von Carpenter selbst *hust* ‚Flucht aus LA‘ *hust*). Aus heutiger Sicht sicherlich einer der unterschätzteren Filme von Carpenter. Einige der Matte Paintings stammten übrigens von einem Special Effects-Mann namens James Cameron. Irgendwas sagt mir, dem werden wir auf diesen Listen früher oder später wieder begegnen.

So, das war es für die untere Hälfte der Top 10 von 1981. Können wir informierte Spekulationen für die obere Hälfte anstellen? Nun, dass mindestens ein deutscher Film noch auftauchen müsste ist denke ich eine vernünftige Annahme. Aus den beiden früheren Runden können wir vielleicht auch eine Disney Wiederveröffentlichung erwarten. Und vielleicht ‚Flash Gordon‘? Okay, da ist eher meine Hoffnung als realistische Einschätzung… Die Antworten gibt‘s nächste Woche.

Newslichter Ausgabe 79: Academy-Erinnerung, Zauber-Raimi und Cluedo?

Willkommen bei Ausgabe 79 des Newslichters. Die Oscars sind verliehen, die Diskussionen laufen noch und auch beim Newslichter werden wir sie zumindest am Rande berühren. Ansonsten war diese Woche nicht wahnsinnig viel los. Taika Waititi bestreitet eine der Neuigkeiten des Newslichters der letzten Wochen, nämlich, dass er in Gesprächen um die Regie bei einem ‚Star Wars‘ Film sei. Das kann natürlich alles und nichts bedeuten, schließlich gibt es zu allem aus dem Blockbusterbereich Geheimhaltungsverträge. Wir werden sehen. Ich wollte es hier nur nicht ganz verschweigen. Und nun legen wir für diese Woche los!

 

Die Academy und die Erinnerung

Ich kann zu den diesjährigen Oscars, wie so oft, nicht allzu viel sagen, weil ich noch zu wenige der nominierten/ausgezeichneten Filme gesehen habe. Erwähnt sei aber immerhin, dass ich mich für Bong Joon-ho sehr freue. Auf das seine bisherige Filmografie mehr Zuschauer bekomme!

Doch zu einer Sache kann und muss ich leider (mal wieder) etwas sagen: das inzwischen leidige „In Memoriam“ Segment, mit welchem die Academy im letzten Jahr verstorbene Beteiligte am Film, vor und hinter der Kamera, ehren will. Und sich dabei immer wieder unbeliebt macht, siehe etwa meinen Text zur Auslassung von Tobe Hooper. Die „Vergessenen“, die dieses Jahr den meisten Unmut verursachten waren die tragisch früh verstorbenen Luke Perry (52 Jahre) und Disney Channel Star Cameron Boyce (20 Jahre). Bei beiden mag man argumentieren, dass sie eher für Fernseh- als Filmauftritte berühmt waren, Perrys Gastauftritt in ‚Once Upon A Time in Hollywood‘ ist zwar nicht lange her, aber sagen könnte man es, doch fände ich das ein etwas unpassendes Argument. Aber eines, das womöglich auch für die Auslassung etwa von ‚Airwolf‘-Pilot Jan-Michael Vincent, oder ‚ALF‘ Kumpel Willie Tanner-Darsteller Max Wright ins Feld geführt werden könnte. Vielleicht auch für den Darsteller des Odo aus ‚Deep Space Nine‘, René Auberjonois. Wobei spätestens der auch eine ansehnliche Filmografie vorzuweisen hat. Wenn auch sicher keine so umfangreiche wie Sid Haig, der in fast 150 Filmen mitgespielt hat. Das mögen zwar nicht unbedingt Oscar-Anwärter gewesen sein, doch eine Rolle wie seinen sadistischen Captain Spaulding aus ‚Devils Rejects‘ vergisst man nicht, egal was man von dem Film ansonsten halten mag. Auch Autor/Regisseur Larry Cohens Filme mögen nicht wirklich Oscar-Material gewesen sein, doch sollte das zum einen keine Voraussetzung sein, zum anderen gilt auch hier, man mag von ‚American Monster‘ halten was man will, vergessen wird man diese Stop Motion Kreatur eher nicht.

Doch kann man durchaus auch vergessen werden, selbst wenn man „Oscar-Material“ ist, wie der Fall Michael J. Pollard zeigt. Der war 1968 für seine Rolle in ‚Bonnie & Clyde‘ für den Preis nominiert. Außerdem war er eine dieser Charakterköpfe, eines dieser nicht eben hübschen, aber dafür unvergesslichen Gesichter, von denen es in Hollywood immer weniger gibt.

Seht mal Academy, ein Stück weit verstehe ich Euch sogar. Ihr könnt in Zeiten schwindender Zuschauerzahlen kein 15 Minutensegment für die Nennung Verstorbener, von denen kaum einer Eurer Zuseher gehört hat, zusammenstellen. Das Problem ist, dass genau dieses Segment das einzige Eurer Veranstaltung sein sollte, das sich nicht wie ein Wettbewerb anfühlt. Voraussetzung für eine Erwähnung sollte nicht sein, dass der Name (noch) bekannt ist. Es sollte eine Geste allgemeiner Höflichkeit und Pietät gegenüber Mitarbeitern in Eurem Gewerbe sein. Ich will verdammt nochmal nicht raten müssen, ob jemand der Zeit wegen fehlt, weil irgendein hohes Academy-Mitglied sie nicht mochte, oder weil der verantwortliche Praktikant nicht googeln kann. Und dass Letzteres durchaus der Falls ein kann, zeigt die fälschliche Verwendung eines Bildes der (nachwievor) lebendigen, australischen Produzentin Jan Chapman im „In Memoriam“ von 2017. Dann beschränkt das Segment während der Übertragung halt auf die absoluten Superstars und setzt das vollständige Video auf Youtube, wo es sich Interessierte ansehen können. Ich verstehe wirklich nicht, wie das jedes Jahr erneut in die Hose gehen kann…

 

Superheldenrückkehr für Sam Raimi?

https://screenrant.com/doctor-strange-2-sam-raimi-director-in-talks/

Bekannt vor allem sicherlich für seine ‚Evil Dead‘ Filme, stand Regisseur Sam Raimi auch ganz am Anfang der Superheldenwelle des neuen Jahrtausends. Mit der ersten ‚Spider-Man‘ Trilogie, die er mit dem leider wenige gelungenen dritten Teil verließ. Und damit auch den Superheldenfilm an sich. Nun steht aber die Möglichkeit einer Rückkehr im Raum. Raimi soll sich, nach dem Weggang von Scott Derrickson, in Gesprächen für eine mögliche Regie im zweiten ‚Doctor Strange‘ Film befinden. Ein für Marvel sehr wichtiger Film, soll er doch eine neue Ära der engeren Verbindung zwischen MCU Filmen und den entsprechenden Serien auf Disney+ einläuten. Sollte Raimi für die Rolle ausgewählt werden, dann macht das meine Spekulationen, ob Derrickson gehen musste, weil er eher in eine Horror-Richtung wollte, vermutlich blödsinnig. Denn wenn ich weiter weg vom Horror will, dann hole ich mir wohl eher nicht den ‚Evil Dead‘ Mann ins Comicboot.

 

Mr. Reynolds im Filmzimmer mit der Neuverfilmung

https://movieweb.com/clue-reboot-director-james-bobin/

Cluedo ist einer dieser nicht totzukriegenden Dauerbrenner auf Brettspieltischen. Die heitere Mörderjagd existiert in allerlei mehr oder weniger abwegigen Editionen, von Sherlock Holmes bis Harry Potter. Auch eine Filmadaption gab es bereits, 1985 in Deutschland als ‚Alle Mörder sind schon da‘ erschienen. Der Film glänzte mit dem unvergleichlichen Tim Curry als Butler und vier verschiedenen Auflösungen von denen heute drei in Reihe am Ende des Films gezeigt werden (die vierte wurde als zu schlecht befunden). Aber ansonsten nicht viel. Nun wird es wohl eine neue Verfilmung des Stoffes geben. James Bobin (‚Muppets Most Wanted‘) soll die Regie übernehmen, die ‚Deadpool‘ Autoren Rhett Reese und Paul Wernick haben das Drehbuch geschrieben. Ernst wird sich der Film also mit ziemlicher Sicherheit nicht nehmen. Vor der Kamera scheint momentan einzig Ryan Reynolds gesichert, der den Film gemeinsam mit 20th Century FOX auch produziert. Welche Rolle Reynolds übernimmt ist noch unklar, allerdings darf man wohl, wie in jeder seiner Rollen seit Deadpool allerlei dumme Sprüche und vor allem Popkulturanspielungen erwarten/befürchten. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie hoch die Synergie zwischen Brettspielenthusiasten und Kinogängern ist, dass sich eine solche Verfilmung wirklich lohnt.

 

Und das war es auch schon wieder. Bis nächste Woche!

‚Ready Or Not‘ (2019)

Schon F. Scott Fitzgerald wusste „Die Reichen sind anders als Du und ich.“ Auch im Film ist diese Idee immer wieder zu finden, nicht zuletzt im Horrorfilm. Brian Yuznas ‚Society‘ von 1989, der als High Society Parodie beginnt und als… öh, etwas vollkommen anderes endet, ist wohl das bekannteste Beispiel. Nun da in den letzten Jahren selbst der Hollywood-Film den Klassenkampf als Thema (wieder-)entdeckt hat, kommt mit ‚Ready Or Not‘ eine Horrorkomödie, die mit der Angst spielt, dass man nie wirklich weiß, in was für eine Familie man einheiratet und die Superreichen als fanatische, mörderische Kultisten darstellt.

Grace (Samara Weaving) heiratet Alex (Mark O’Brien), den entfremdeten Spross der schwerreichen Brettspiel-Herausgeber-Dynastie Le Domas. Das bedeutet auch, das Grace der Familientradition folgen muss an Mitternacht ihres Hochzeitstages eine zufällig ausgewähltes Spiel spielen zu müssen. Denn die Familie glaubt ihren Wohlstand auf einen komplexen Pakt eines Vorfahren mit einer mysteriösen Wesenheit zurückführen zu können. Die mitternächtliche Spielrunde ist für gewöhnlich unspektakulär. Außer wenn der Zufall das Versteckspiel wählt. Dann jagt der Clan das neue Mitglied, um es noch vor Morgengrauen dem „Mr. Le Bail“ zu opfern. Natürlich ist es genau diese Karte, die Grace zieht und die Jagd, aber auch zahlreiche innerfamiliäre Konflikte, nehmen ihren Lauf.

Falls Ihr das Poster oder sonstige Reklame für den Film gesehen habt, dann ist Euch sicherlich das Bild aufgefallen, mit dem der Film hauptsächlich für sich wirbt: Grace im zerrissenen Brautkleid und Chuck Taylors, die Elefantenbüchse im Anschlag, den gigantischen Patronengurt umgelegt, scheinbar bereit die Situation ins Gegenteil zu verkehren und, wie in Adam Wingards grandiosem ‚You’re Next‘, mit den Fieslingen aufzuräumen. Das trifft den Ton des Films allerdings nicht ganz. Büchse und Munition stellen sich nämlich alsbald als nutzlose Schaustücke heraus und Grace muss sich der mörderischen Schwiegerschaft größtenteils in Einzelduellen stellen, die sie gerade so eben, aber sicher nicht mit heiler Haut übersteht. Das funktioniert vor allem aus zwei Gründen.

Zum einen, weil sich der Film im ersten Akt genug Zeit nimmt, um die leeren, ebenso privilegierten wie verkorksten Leben seiner Le Domas Charaktere zu zeigen und ihre Eigenschafte sorgfältig umreißt. Hervorheben möchte ich hier etwa die Tante Helene (Nicky Guadagni), eine ältere Frau, die Grace schon lange vor dem Spiel mit mörderischen Blicken durchbohrt, aber auch den Rest ihrer Familie (aus guten Gründen) zu hassen scheint. Oder Henry Czerny als Patriarch Tony, dem die Traditionen seiner Familie über alles  gehen, außer wenn sie seinen Zielen im Weg sind. Andie MacDowell liefert eine tolle Performance als seine Frau ab, deren falsche Freundlichkeit mindestens so gefährlich wie ihr Pfeil und Bogen sind. Zentral ist auch Adam Brodys Daniel, Graces Schwager, der von seiner Familie als Versager betrachtet wird, den Traditionen mit ätzender Ablehnung gegenübersteht und das ganze Zusammentreffen nur besoffen erträgt. Nicht alle Familienmitglieder werden so sorgfältig aufgebaut, Melanie Scrofanos Emilie etwa zeichnet sich vor allem dadurch aus zugekokst zu sein, doch werden alle ihre Eigenschaften bei der späteren Jagd gekonnt für äußerst schwarzhumorige Momente eingesetzt.

Zum anderen setzt der Film seine „Gore“-Effekte äußerst realistisch und durchaus schmerzhaft ein. Zudem bereitet er sie gut vor, wenn die Kamera etwa am Anfang einer Szene die Existenz eines Nagels etabliert und uns dann minutenlang befürchten lässt, er lande genau da, wo wir ihn nicht sehen wollen – was er natürlich tut. Die Effekte sind bodenständig und sicher kein Splatter… bis sie genau das doch sind und dann grandios komisch werden. Denn wo viele Horrorkomödien im dritten Akt die Puste ausgeht, dreht ‚Ready Or Not‘ noch einmal richtig auf, mit fiesen Finten und glibbrigem Gematsche.

Zentral ist allerdings auch Samara Weavings (Hugo Weavings Nichte, übrigens) darstellerische Leistung, die bei allem schwarzhumorigen Treiben Graces Angst, Leid und schließlich Zorn glaubhaft transportiert und in jedem Moment nachvollziehbar bleibt.

Man darf hier allerdings keine feingeistige Satire erwarten. Das Team „Radio Silence“, bestehend aus Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett als Regisseure und Chad Villella als Produzent, das vorher bereits Beiträge zu Anthologie-Filmen wie dem ersten ‚V/H/S‘ abgeliefert hat, ist zu sehr damit beschäftigt dem Geldadel und der Institution der Ehe an sich fröhlich-rüpelhafte Mittelfinger zu zeigen. Die treffen für meinen Geschmack zwar oft genug ins Schwarze, doch wer mit Horrorkomödien so gar nichts anfangen kann, der wird von ‚Ready Or Not‘ wohl eher auch nicht überzeugt werden, denn das Rad erfindet „Radio Silence“ hier sicherlich nicht neu.

‚Ready Or Not‘ ist eine gelungene, tiefschwarze Horrorkomödie mit derart rasant-involvierender Erzählweise, dass ich mir am Ende fast gewünscht hätte, sie würde noch etwas länger dauern. Und dass ich sowas mal über einen Film sage, will schon was heißen! Seine Themen reißt der Film zwar nur an, doch allein das hebt ihn schon über völlig sinnlosen Slasher-Einheitsbrei hinaus.

Kurz und schmerzlos 26: ‚Sew Torn‘ (2019)

Zeit mal wieder einen Kurzfilm vorzustellen. Zum heutigen Film ‚Sew Torn‘ habe ich ehrlich gesagt nicht viel zu sagen. Es ist kein wahnsinnig tiefer Film, aber für seine knapp 6 Minuten durchweg unterhaltsam. Eine Näherin (in ihrem Nähmobil) stößt auf die Überreste einer wilden Actionszene aus einem anderen Film. Blutige Leichen und kaputte Motorräder liegen am Straßenrand. Zwei Männer leben schwer verletzt noch und scheinen hinter einem Koffer her. Was ist zu tun? Die Antwort kommt definitiv überraschend.

Noch überraschender ist vielleicht nur, dass Freddy MacDonald, der Autor/Regisseur hinter dem Film gerade einmal 19 Jahre alt ist. Wenn ich so überlege, was ich mit 19 zu Wege gebracht habe, dann wirkt der Film nur umso beeindruckender…