Newslichter Ausgabe 200: Jubiläum! Irgendwie, jedenfalls… tut mir leid?

Willkommen bei Ausgabe 200 des Newslichters. Jubiläum! Und ach, ich weiß doch auch nicht. Letzte Woche schrieb ich: „Also, liebe Filmindustrie in den nächsten ca. 5 Tagen bitte Neuigkeiten produzieren, die einer Jubiläumsausgabe würdig sind!“. Und auf ihre ganz eigene Weise hat sie das ja auch getan. Sowohl Disney als auch Warner stellten ihre Superhelden-Pläne für die kommenden Jahre vor. Ich habe jedoch relativ wenig Lust darüber zu schreiben. Steht ja eh schon überall und es gibt konkrete Listen von den Studios selbst. Was soll ich denn dazu sagen? Spekulieren, wer Dr. Doom im ‚Fantastic Four‘ Film spielen wird? Der übrigens diesmal bestimmt wirklich gut wird. Beim vierten Mal muss es ja klappen (oder fünften Mal, wenn wir die unveröffentlichte Corman Version mitrechnen, aber 5 ist halt eine weniger glückverheißende zahl, in diesem Fall).

Das Problem hieran ist jetzt aber, dass für alle anderen Nachrichten tatsächlich bloß noch Krümel übrigbleiben und Krümel allein machen ja keine Jubiläumstorte. Was also tun? Was tun? Da spüre ich doch glatt eine gewisse Panik in mir aufsteigen, ich kann doch für Folge 200 keine von meinen ausweichenden Klatsch-Ausgaben abliefern, die ich sonst immer dann bringe, wenn ich halt nix anderes habe. Hm, was tun denn andere Qualitätsmedien, im Angesicht des Sommerlochs? Mal sehen…

Oh, sie schreiben über Chartstürmer „Layla“. Mh. Soll ich also einen Ausflug ins Musikalische machen? Ich mein, das Ding wirft hohe Wellen! Die Junge Union singt ihn, die Jusos sind empört. Volksfeste verbieten ihn und die Zeitung mit den vier riesig großen Buchstaben ist froh, endlich mal wieder einen Skandal herbeizuschreiben, anstatt dass ihn die dreitagebärtigen Koksnasen, die sie scherzhaft (oder doch böswillig?) „Redaktion“ nennt, selbst innerhäusig produzieren.

An der ganzen Sache ist bloß ein gewaltiger Haken: ich müsste das Ding ja durchaus intensiv hören, wollte ich drüber schreiben. Und so Ballermann-Bumpf ist ja eigentlich nur dann hörbar, wenn man das eigene Hirn in einen Eimer Sangria einlegt. Und den habe ich nicht zur Hand. Und habe meinem Hirn in meinem Leben schon zu viel zugemutet, um ihm das noch anzutun. Aber gut, die Aufreger sind ja offensichtlich. Das „Luder“ (der Begriff beschrieb ursprünglich übrigens einen Tierkadaver, mit dem Jäger größere Beute anlockten, falls ihr Eure Umgebung mit sinnlosen Fakten langweilen wollt) und die „Puffmama“ sind ja quasi die Altherrenversion der im Deutsch-Rap allzu ubiquitären „Hure“. Bloß eben auf Platz 1 der Charts. Warum „Mann“ nun die Frau, die – Schockschwerenot – tatsächlich freudig dazu bereit ist, mit ihm ins Bett zu gehen, geradezu zwanghaft herabwürdigen muss, ist eine Frage, die ich gar nicht in der Lage bin zu beantworten, noch ist hier der richtige Ort dafür.

Überhaupt kann ich meine Meinung zu dem ganzen Thema in nur zwei Sätzen zusammenfassen: 1. Man mag vom Inhalt des Songs halten was man will, aber, um Danger Dan zu zitieren, „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“. 2. Es ist das Recht jedes Gastgebers, im Falle eines Volksfestes also der veranstaltenden Stadt, zu entscheiden, welche Musik gespielt werden soll und welche eben nicht. Das war’s. Mehr kann ich gewinnbringend nicht dazu sagen.

Interessant wäre sicherlich die Antwort auf die Frage, warum gerade jetzt zum ersten Mal ein Ballermann-Hit an die Spitze der Musikcharts klettert. Auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Bin mir aber recht sicher, das kann auch sonst keiner. Denn keiner versteht heutzutage noch die Charts. Ich meine, letztes Jahr war ein Walfängerlied aus den 1860ern auf Platz 1! Hatte wirklich irgendwer „sea shanties“ als Hitmöglichkeit vorhergesehen? Wohl kaum. Aber der Popmusik fehlen heute die superstarken Zentren, die für eine gewisse Vorhersagbarkeit sorgen. Sie ist stark fragmentiert und ein Song der, warum auch immer, über seine übliche Bubble hinwegschwappt, kann zum Überraschungshit werden. Fraglich, ob jetzt findige Produzenten versuchen, beide Genres zu kombinieren. „What shall we do with the drunken Mallorca Tourist“, oder so…

Halten wir fest, „Layla“ ist mäßiger Füllstoff für ein Sommerloch. Macht aber wenig, denn bei den „echten“ Nachrichten ist vom Sommerloch ja sowieso nicht viel zu sehen. Krieg, Teuerung, schwelende Pandemien, schwelende Brände und extreme Hitzewelle liefern Themen genug, dass es nicht viel Füllmaterial braucht. Leider.

Bloß ich sitz hier und habe immer noch so gar nix für mein tolles Jubiläum. Aber gut, schauen wir halt einfach mal zurück auf Ausgabe 1 (die erste nummerierte, es gab zwei Vorläufer) von 2018.

Denis Villeneuve wollte Timothée Chalamet als Paul Atreides für sein ‚Dune‘. Hat er bekommen. Ich fragte mich, wer wohl Feyd Rautha werden würde. Das wird, wie man nun weiß, ‚Elvis‘ Austin Butler. Da können wir getrost einen Haken ins Wurmsegment setzen.

Joaquin Phoenix als ‚Joker‘ in einem Film ohne Batman ist Meldung 2. Jup, ist passiert. Und wenn man mich fragt etwas arg viel Aufregung für Scorsese Fanfiction.

‚Scream 5‘ wird es nicht geben, sagte Neve Campbell im Interview. Stimmt. Der hieß ja einfach wieder ‚Scream‘. Und der sechste ‚Scream‘ kommt nächstes Jahr. Aber ohne Campbell. Schade!

‚Indiana Jones 5‘ wird auf 2021 verschoben. Oh unschuldiges 2018, das noch keine Ahnung von einer kommenden Pandemie hatte. Im Moment soll der Film im Juni 2023 kommen. Schauen wir mal…

Und natürlich erhielt auch die FOX Übernahme durch Disney ihre eigene kurze Meldung. Zu der habe ich in zahlreichen Newslichtern aber wohl alles gesagt.

Mir fällt auf, dass mein Kommentar seitdem grundsätzlich sehr viel länger geworden ist. Ich tue aber erst gar nicht so, als könne ich daran irgendwas ändern.

Tja, das war es dann wohl, das Jubiläum. Ein ziemlich furchtbarer Song und ein arg halbherziger Blick auf die Anfänge. Also eigentlich ziemlich genau wie jedes andere Jubiläum. Vielleicht sehen wir uns dennoch bei Folge 201. Geht vielleicht sogar mal wieder um Filme, wer weiß? Seien wir ehrlich, schlechter kann‘s ja nicht mehr werden… oder?

‚The Many Saints Of Newark‘ (2021)

‚Die Sopranos‘ nimmt einen besonderen Platz in der Fernsehhistorie ein. War die Serie doch der Startschuss für eine ganze Reihe qualitativ hochwertiger Serien mit durchgehender Handlung des US-Senders HBO und wird allgemein als der Startschuss von „prestige television“ an sich gefeiert. Serienerfinder David Chase war dazu noch durchaus talentiert, die Serie über ihre knapp achtjährige Laufzeit im Fokus der Öffentlichkeit  zu halten, zuletzt mit einem wahnwitzig umfangreich diskutierten Finale. 2018, elf Jahre nach der letzten Folge, kaufte New Line Cinema die Rechte an einem ‚Sopranos‘ Hintergrundfilm. Ergebnis ist dieses „Prequel“, ‚The Many Saints Of Newark‘.

1967 ist Dickie Moltisanti (Alessandro Nivola) Mafia-Soldat für die DiMeo-Familie in New Jersey. Er ist ein Vorbild für Anthony (William Ludwig (1967), Michael Gandolfini (1972)), den Sohn seines Mafia-Kollegen Johnny Soprano (Jon Bernthal). Moltisantis Vater (Ray Liotta) hat die deutlich jüngere Giuseppina (Michela De Rossi) aus Italien als seine neue Ehefrau mitgebracht. Doch auch der verheiratete Dickie entwickelt Gefühle für sie. Als sein Vater Giuseppina misshandelt, tötet Dickie ihn in einem Moment des Zorns. Er verbrennt die Leiche in einem Laden seines Vaters und schiebt die Verantwortung auf die Newark Aufstände von 1967. Seine Beziehung zu Tony wird noch enger, als dessen Vater ins Gefängnis kommt und seine Mutter Livia (Vera Farmiga) immer bitterer und distanzierter. Fünf Jahre später hat Dickie eine langjährige Beziehung mit Giuseppina und befindet sich in einem Krieg mit dem Afroamerikaner Harold McBrayer (Leslie Odom jr.), der ihm das illegale Glücksspiel in New Jersey streitig macht. Doch könnte ihre Konkurrenz  persönlicher sein, als Dickie annimmt.

Die obige Zusammenfassung kratzt die Handlung des Films bestenfalls an. Und damit liegt auch schon der Finger auf dem Problem des Films. Chase versucht hier so viel in die zwei Stunden seines Films zu pressen, dass die Nähte sichtlich spannen. Eine Vorgeschichte für Tony Soprano, der letztlich überraschend wenig im Film ist, ein Blick auf die DiMeo Famailie, 30 Jahre bevor wir sie zuerst getroffen haben, die Rivalität der „alten“ organisierten Kriminalität mit dem Aufkommen der afroamerikanischen Gangs in den 70ern und eine ‚Goodfellas‘-eske Mafia-Biografie vor historischen Hintergründen. Und letztlich funktioniert nichts davon richtig, weil alles zu wenig Platz bekommt.

Am schlimmsten erwischt es hier die historischen Hintergründe. Als jemand, der nicht sonderlich firm ist, was die Geschichte New Jerseys angeht, bleiben die Aufstände 1967 purer Hintergrund, für den ich als Erklärung nur rassistische (vermutlich originale) Radioberichterstattung und die grotesken Ansichten der Mafiosi bekomme. Harold besucht später für zwei Minuten Frank Lucas, jenen realen, vielgehassten, afroamerikanischen Drogendealer, der sich damit rühmte sein Heroin in den Särgen toter G.I.s des Vietnamkriegs zu importieren. Auch das bleibt purer, bedeutungsloser Hintergrund.

Die Mafia-Biografie funktioniert auch nur gerade so. Hier ist das große Problem für mich, dass Dickie einfach kein sonderlich interessanter Charakter ist. Und das ist in einem Film, der auf den Sopranos beruht, wo James Gandolfini aus einem Monster einen zutiefst vielschichtigen Charakter gemacht hat, einfach zu wenig. Dickie ist der joviale Mobster, der zu gelegentlichen Gewaltausbrüchen neigt. Also ein Charakter, den man x-fach gesehen hat. Dazu kommt seine Geschichte regelmäßig zum absoluten Stillstand, wenn er den Zwillingsbruder(!) seines Vaters im Knast besucht. Weil er sich schuldig fühlt, seinen Vater getötet zu haben. Diese Szenen sind für sich genommen nicht schlecht, Liotta spielt die Rolle des Onkels, der den Bullshit seines Neffen direkt durchschaut sehr gut, aber letztlich fühlt sich das an, als wäre es nur da, um Liotta länger im Film zu haben (zugegeben, nicht das schlechteste Ziel, das man haben kann).

Peinlich wird es beim Blick auf die DiMeo Familie. Silvio Dante (John Magaro), Paulie Walnuts (Billy Magnussen) und Pussy Bonpensiero (Samson Moeakiola) werden hier zu einem Trio von puren Witzfiguren. Auch in der Serie waren sie fraglos überzeichnete Figuren, aber dennoch bedrohlich, hier verkommen sie zum reinen Comic Relief. Selbst wenn sie jemanden foltern, kann ich sie nicht ernst nehmen. Am schlimmsten erwischt es Silvio, dessen Darsteller Steven van Zandts Manierismen und Körpersprache derart überzogen kopiert, dass es zur knallchargierten Karikatur wird. Und ausgerechnet Sil bekommt von den dreien auch noch die meiste Screentime. Dazu kommen teilweise albern deutliche Anspielungen auf die Serie. Baby Christopher Moltisanti weint jedes Mal, wenn Tony Soprano in seine Nähe kommt. Eine alte Verwandte erklärt, dass Babys manchmal Erinnerungen aus dem Jenseits mitbringen. Und dann sagt Erzähler Chris Moltisanti (ach ja, Michael Imperioli taucht ca. drei Mal kurz als Erzähler auf, warum auch immer), dass sein Onkel ihn ermordet hat, damit es auch bloß jeder versteht.  

Und als Vorgeschichte von Tony? Nun, einige wesentliche Momente haben wir tatsächlich schon in der Serie gesehen und bekommen sie hier noch einmal. Der viel erwähnte Dickie bekommt ein Gesicht und wir sehen Tony mit seiner Familie, einem jungen Jackie Aprile, Artie Bucco und in einer Szene sogar mit Carmela. Braucht man das? Nicht unbedingt, meine ich. Die Serie ist ein perfekt rundes Paket. Allerdings spielt der Film hier seine größten Darstellerischen Stärken aus. Michael Gandolfini (der, laut den Machern ganz normal für die Rolle vorgesprochen hat) fängt hier fast magisch eine unschuldigere Version des Charakters seines Vaters ein. Insbesondere die letzte Einstellung ist hier fast gespenstisch. Aber für mich die größte Stärke des Films war Vera Farmiga. Sie zeigt ebenfalls, wie es richtig geht, eine etablierte Rolle zu übernehmen. Ohne Nancy Marchand zu imitieren, fängt sie deren Bitterkeit perfekt ein. Und nachdem wir sie hier gesehen haben können wir Tonys zahlreichen Mutterkomplexen nun auch einen ödipalen hinzufügen. Ich versteh einfach nicht, wie nunacierte Darstellungen wie Farmigas und Gandolfinis im selben Film zu finden sind wie die drei oben erwähnten Clowns.

Leslie Odom jr.s Charakter Harold wird groß aufgebaut, hat aber letztlich wenig zu tun. Was besonders ärgerlich ist, da er einer der interessanteren Charaktere ist. Aber an ihm wird vielleicht das Problem des Films insbesondere deutlich. Die Handlung funktioniert nicht wirklich als Film. Das will ich gar nicht so sehr Regisseur Alan Taylor anlasten, der einige gute Folgen Sopranos abgeliefert hat, im Kino mit ‚Thor: The Dark Kingdom‘ oder ‚Terminator: Genisys‘ eher enttäuscht hat. Es ist die Handlungsfülle, die die Grenzen eines Films sprengt. Chases Material hätte eine, wenn nicht zwei Staffeln einer Serie gefüllt. Und da hätte es denn auch weniger wehgetan, dass es filmisch einfach mehr nach Fernsehen als Kino aussieht. Die Geschichte hätte Raum zum Atmen, Dickie (verdammt, ich muss es einfach sagen: es fällt mir sooo schwer nicht „Hoppenstedt“ hinter den Namen zu schreiben!) hätte ein richtiger Charakter werden können. Okay, die Karikaturen der Seriencharaktere wären immer noch ein Problem.

Wem empfehle ich den Film? Einzig Hardcore-Sopranos Fans, die auf Vollständigkeit aus sind. Wer die Serie nicht kennt, wird hier vermutlich gar nichts rausholen können. Fans werden zumindest an einigen Momenten ihre Freude haben. Insgesamt aber eine Enttäuschung. Immerhin, meine Vorurteile gegen Prequels wurden bestätigt…

Newslichter Ausgabe 199: CEO-Keile, Gizmo Imitat und Toiletten-Spielzeug

Willkommen bei Ausgabe 199 des Newslichters-ichters-ichters. Ihr fragt Euch sicher, was das für ein Echo ist-ist-ist. Das ist das Sommerloch-och-och. Aber um dieses nervige Gimmick-immick-immick nicht zu Tode zu reiten, leg ich eben ein bisschen Wellblech drüber. So. Heiß heute, wa? Find ich auch. Die News heute sind… eklektisch und haben eher entfernt mit Film zu tun. Der Grund dafür ist hinter dem Stück oben erwähnten Wellblechs verborgen. Aber weil es eben heute auch ordentlich heiß ist, wollt Ihr bestimmt eh nicht viel lesen. Legen wir trotzdem los.

Iger stänkert gegen Chapek

Bob Iger, der 2020 seinen Rücktritt als CEO von Disney bekannt gab und bis Ende 2021 das Geschäft komplett an seinen Nachfolger Bob Chapek übergeben hat, kritisiert, nach Angaben des Magazins Business Insider, die Wahl seines Nachfolgers erheblich. Die Pandemie habe die geplante langsame Übergabe der Verantwortung erschwert und Iger habe den Prozess beschleunigen müssen. Ein Fehler, wie er heute sagt. Iger ist offenbar unglücklich, was Chapeks deutliche Umstrukturierung Disneys betrifft. Insbesondere über die Konzentration auf Disney+. Diese ist auch Konzernintern immer wieder ein Zankapfel. So klagte etwa Scarlett Johannson wegen Vertragsbruch, als ihr ‚Black Widow‘ zeitgleich zur Kinoauswertung auch im Stream zu sehen war. Und Pixar geben sich lautstark unglücklich, dass die begeistert aufgenommenen ‚Luca‘ und ‚Rot‘ für den Stream verwurstet wurden und gerade der eher mäßig beliebte ‚Lightyear‘ wieder ins Kino kam. Aber auch auf der Seite der Themenparks, eigentlich Chapeks Expertise, wird von Konsumentenseite Kritik laut. Star Wars ist immer wieder mit Dingen in den News (so auch hier), die derart überteuert sind, dass sie „gewöhnliche“ Konsumenten von vornherein ausgrenzen, für den Preis aber auch schlicht enttäuschend sind. Sei es das Starcruiser Hotel oder der 5.000 Dollar Drink. Dazu kommt, dass Chapek bei der Parkplanung mehr auf „brand synergy“ und den Verkauf von Merchandise setzt, anstatt auf ein originelles Parkerlebnis. Und natürlich hat die finanzielle Verwicklung des Konzerns in die homophobe Politik der republikanischen Partei in Florida (der Heimat von Disney World) einen hässlichen Schatten auf das sorgfältig gepflegte Image des sich gewollt progressiv gebenden Konzerns geworfen. Wobei diese Verwicklungen nun sicherlich nicht erst in Chapeks Ägide begonnen haben. Was sie aber nicht besser macht.

Aber in einer Hinsicht hat Chapek gewonnen und das sollte nicht unerwähnt bleiben! Disney hat ihn natürlich ernannt, um endlich Amazon zu schlagen, im wichtigsten Feld, das es gibt. Nämlich „CEO der am meisten wie Lex Luthor aussieht“. Und Bezos ist bekanntlich letztes Jahr als CEO von Amazon zurückgetreten. Hier hat Chapek also einen vollumfänglichen Erfolg vorzuweisen. Hoffentlich taucht Superman jetzt halt irgendwann mal auf…

Grogu gaga

Wo wir gerade über Ähnlichkeiten sprechen. Joe Dante, Regisseur der ‚Gremlins‘-Filme hat in einem Interview mit dem San Francisco Chronicle erstaunlich deutliche Worte gefunden. Als er über die Bedeutung der Figur Gizmo für die Filme sprach sagte er (Übersetzung von mir): „Was mich, natürlich, zum Thema Baby Yoda bringt, der gestohlen ist und schlicht kopiert. Schamlos, würde ich meinen.“ Mein erster Reflex war zu sagen, es sei halt eine Babyversion von Yoda und die Ähnlichkeiten zufällig, aber wenn man Grogu und Gizmo einmal direkt nebeneinander sieht wird es doch recht schwer, Dantes Vorwurf rundheraus abzustreiten. Vielleicht haben wir hier aber auch einfach Yodas mysteriöse Spezies endlich aufgedeckt: Yoda ein Gremlin er ist, hrrrmr!

Hunger auf dem Plumpsklo

Hey Du! Ja, Du! Was ist Deine Lieblingsszene aus ‚Jurassic Park‘ und warum ist es die, in der Anwalt Genarro vom T-Rex vom Plumpsklo gesnackt wird? Na gut, weil wir alle einfach guten Geschmack haben und wissen, dass das die beste Szene ist. Und nun können wir sie in unseren eigenen vier Wänden nachspielen, so oft wir wollen. Jedenfalls wenn wir das Set „Outhouse Chaos“ aus Mattels  „Jurassic World Hammond Collection“ kaufen. Das kommt mit Klo, Genarro Figur und Tyrannosaurus Rex mit „dehnbarem Kiefer“ und „positionierbarer Zunge“. Vermutlich, damit sich Frau Rex nach dem Genuss des Paragraphenreiters über die schuppigen Lippen schlecken kann. Ich vermute, dass sich das Set nicht an Kinder richtet, sondern überteuerter Sammlerkram ist. Ansonsten droht ihm vermutlich ein ähnliches Schicksal, wie dem Fearsome Flush aus der wunderbaren Real Ghostbusters Toy-Reihe der 80er/frühen 90er. Jene dämonische Kloschüssel, die mir meine Eltern nie kaufen wollten… seufz

Wir sehen uns nächste Woche, vermutlich immer noch mit Sommerloch-och-och. Okay, wer hat das Wellblech geklaut-laut-laut!?

PS: Ohaueha, nächstes Mal ist ja Nummer 200! Also, liebe Filmindustrie in den nächsten ca. 5 Tagen bitte Neuigkeiten produzieren, die einer Jubiläumsausgabe würdig sind!

Ist der wirklich sooo schlecht? – ‚Hydrotoxin – Die Bombe tickt in Dir‘ (1992)

Endlich mal wieder ein Film aus der Kategorie „Ist der wirklich sooo schlecht?“, in der ich meine ganz persönliche Meinung zu einem allgemein als „schlecht“ geltenden Film abgebe. Aber seien wir ehrlich, die Frage, die Euch, liebe Lesende derzeit beschäftigt ist weniger „ist der wirklich sooo schlecht?“ und mehr „was zur Hölle ist ‚Hydrotoxin – Die Bombe tickt in Dir‘?“. Faire Frage. Daher beantworte ich die thematische Eingangsfrage erst einmal direkt, bevor ich zu diesem Thema komme. Oh ja, der Film ist „sooo schlecht“. Aber, meine Fresse, ist er unterhaltsam dabei! Und kein Mensch redet drüber. Es gibt diese „so schlecht, dass sie gut sind“ Filme, die das Internet derart gründlich durchkaut, dass der Witz irgendwann halt gegessen ist. Dieses Schicksal ist ‚Hydrotoxin – Die Bombe tickt in Dir‘ bislang erspart geblieben. Der Originaltitel ist übrigens ‚Live Wire‘, den ich ab hier ebenfalls verwenden werde. Schauen wir nun, wo der Film herkam.

1985 wollte Roger Moore endgültig  die James Bond Rolle loswerden. Das hatte er zuvor schon mehrfach angekündigt, aber nun meinte er es ernst. So wurde 1986 eines dieser Jahre der Suche nach dem neuen 007. Doch der war fix gefunden. Pierce Brosnan spielte in der NBC Serie ‚Remington Steele‘ den Titelcharakter, einen fiktionalen Superdetektiv, der Aushängeschild für eine weiblich geführte Detektei war. NBC verkündete die Serie 1986 zu beenden. Brosnan war auf elegante Weise gutaussehend, als Ire eben noch britisch genug und ein fähiger Darsteller dazu. Und er könnte direkt 1987 das Bond Erbe antreten. Alles prima! Doch die mediale Verkündung des neuen Bond ließ plötzlich die Einschaltquoten von ‚Remington Steele‘ in die Höhe schießen. Und NBC produzierte eine weitere Staffel. Dafür ließen sie Brosnan nun nicht aus seinem Vertrag heraus und so musste er auf Bond verzichten. Timothy Dalton wurde neuer Bond, die Einschaltquoten von ‚Remington Steele‘ normalisierten sich auf früherem Niveau, NBC cancelte die Serie 1987 und Brosnan stand als beinahe-Bond, als Albert Broccolis ausgesprochener Wunsch-Bond mit heruntergelassenen Smoking-Hosen da.

Dalton verkörperte Bond nur für zwei Filme, doch war das Publikum insgesamt noch nicht bereit für den ernsten, finsteren Bond, den er vorwegnahm und der später für Daniel Craig zum Erfolg werden würde. Es galt als inoffiziell ausgemacht, dass Brosnan sein Nachfolger werden würde, allerdings gingen die Bond Filme Anfang der 90er in eine ungewohnt lange Pause. Brosnan äußerte sich in der Zeit nicht zu seinem Bond Status, trat aber etwa in Werbespots bereits als Figur im Smoking auf. Bloß auf der filmischen Seit wusste man nicht so recht was mit dem Darsteller anzufangen und er schien anderen Agentenrollen bewusst auszuweichen. So war er in der verhunzten Stephen King Adaption ‚Lawnmower Man‘ zu sehen (das einzige Mal, dass King gegen die Verwendung seines Namens klagte), oder im Robin Williams-Vehikel ‚Mrs. Doubtfire‘.

Er war ein etwas richtungsloser Darsteller und traf als solcher auf ein Studio, das seine eigene Richtung neu bestimmen wollte. New Line Cinema war in den 80ern sehr erfolgreich mit Freddy Krüger und den Ninja Turtles. Doch nun wollte man sein Portfolio erweitern. Erwachsener werden. Aber natürlich immer noch ordentlich Knete machen. Dafür eignete sich in den frühen 90ern ein Action Film im Stile von ‚Stirb Langsam‘ natürlich ziemlich gut. Und ‚Live Wire‘ brachte eine recht kreative Prämisse mit. Ein Terrorist hat eine Formel für einen geruchs- und geschmacklosen Sprengstoff in seinen Besitz gebracht, der nach dem Trinken durch die Magensäure aktiviert wird. Man kann also Menschen ohne ihr Wissen zu unfreiwilligen Bomben machen.

Oh, ich weiß was Ihr jetzt denkt. Der durchschnittliche Batman Schurke wäre mit dem Zeug schon auf dem Weg zu Gothams Wasserreservoir, bevor er den obigen Absatz zu Ende gelesen hätte. Aber unser Schurke hier, Mikhail Rashid (Ben Cross), der sich namentlich offenbar nicht entscheiden konnte, ob er nun fieser Sowjet oder doch lieber fieser Araber sein soll, will bloß ein paar US-Senatoren erpressen, einen Waffendeal durchzuwinken. Schließlich haben die schon sein Bestechungsgeld eingesteckt! Wie auch immer, in Washington gehen Senatoren in die Luft und FBI Sprengstoffexperte Danny O’Neill (Brosnan) soll rausfinden wie, denn es gibt keine Spuren von Sprengkörpern. Wir treffen O’Neill übrigens zwischen den Beinen einer Autofahrerin, wo er gerade eine (herkömmliche) Bombe entschärft. Ich bin mir nicht sicher, ob die Szene ihn cool oder inkompetent darstellen soll. Denn er schneidet das falsche Kabel durch. Aber wie im Film üblich geht das Ding dann nicht hoch, nur der Timer läuft schneller. Am Ende kommentiert er die Unterwäschesituation des Beinahe-Opfers… O’Neills Ehe steht kurz vorm Scheitern (ich bin mir sicher, John McClane kann das nachfühlen). Nicht nur haben Ehefrau Terry (Lisa Eilbacher) ein Kind durch Ertrinken verloren, wofür Danny sich die Schuld gibt, nein, Terry hat ihn auch noch mit einem der bedrohten Senatoren, Frank Traveres (Ron Silver) betrogen. Was Gesprächsstoff in ganz Wahington DC ist. Vom Wachpersonal bis zum Oberfiesling Rashid. Jeder weiß es und vor allem weiß jeder, dass Danny der Betrogene ist. Und jeder, aber wirklich jeder, zieht ihn damit auf.

Ich will hier gar nicht die ganze Handlung erzählen. Es sei allerdings erwähnt, dass sich O’Neill mit einem Clown in einem Springbrunnen prügelt! Explodiert er, der Clown*? Ohohoh und wie! Die Explosionen in diesem Film sind übrigens eine reine Freude, praktisch inszeniert mit brennenden Stuntleuten und fliegenden Dummies! Genau mein Ding.

Es ist jedoch eindeutig das Drehbuch, an dem der Film krankt. Denn alles ist durchaus kompetent inszeniert und die Darsteller sind gut aufgelegt, aber die Handlung ist nicht bloß wirr, was okay wäre, nein, es gelingt ihr auch die Meisterleistung Pierce Brosnan unsympathisch zu machen. Jeder hier handelt auf die dümmste mögliche Weise. Von Rashid bis zu O’Neills selbstverständlich erzböser Schwiegermutter. Bloß Danny O’Neill, der handelt wie ein Psychopath. Zweimal bricht er in das Haus seines romantischen Rivalen Traveres ein. Doch beim zweiten Mal haben die Terroristen zum Glück keine Lust mehr auf die Wasserbomben und stürmen ebenfalls das Haus mit Waffengewalt. Die kann O’Neill dann mit allerlei Sprengfallen aus Haushaltsgegenständen Kevin-allein-zu-Hausen. Unter anderem kommt ein riesiger Pott Vaseline aus dem Sexdungeon des Senators zum Einsatz… Was für ein Satz!

Wart Ihr schon einmal stocknüchtern und jemand sturzbesoffenes erzählt Euch eine Geschichte? Einiges wird ausgelassen, anderes vernuschelt und plötzlich ist die gewollte große Pointe da, der Erzähler bricht in Lachen aus und Ihr habt keine Ahnung worum es geht? So in etwa fühlt es sich an diesen Film zu schauen. Nicht unbedingt wegen der übergreifenden Handlung, die ist nachvollziehbar genug, aber die Motivationen und das eigentliche Handeln in einzelnen Szenen sind oft genug derart bizarr, das man sich fragt, wer hier nun eigentlich besoffen ist. So wird das ertrunkene Kind in einer gar nicht mal so kurzen Rückblende eingeführt und prompt vom Film komplett vergessen. Einzig die Affäre, von der jeder weiß, steht zwischen Terry und Danny. Und natürlich die mörderischen Wassermänner. Und am Ende des Film, Spoiler, nehme ich an, erhält Danny einen Anruf, dass seine Frau ein neues Kind zur Welt gebracht hat. Und der Film behandelt das, als wäre damit die Tragödie des ersten aus  der Welt!

Es ist dieses seltsame und komplette Missverstehen davon, wie Menschen funktionieren, das diesen Film so unterhaltsam macht. Und die Tatsache, dass ordentlich Geld drinsteckt (die Explosionen, ich sag‘s gern nochmal, sind tiptop!), New Line aber offenbar erkannt hat, was für einen Stinker man hier hatte und ihn direct-to-video herausbrachte. Jedenfalls in den USA. In Deutschland kam er aber doch in die Kinos und wurde, immerhin, von 150.000 Zuschauern gesehen. In gewisser Weise nahm er mit seinem Bombenthema auch Schon den wunderbaren ‚Speed‘ vorweg. Aber ‚Hydrotoxin – Die Bombe tickt in Dir‘ ist ein Blindgänger. Die Zeitschrift von vor drei Monaten, die ein gelangweilter Pierce Brosnan im Band Wartezimmer lesen muss, während er auf seine Gadget-Laser-Armbanduhr schaut, wann endlich 1995 ist. Aber wenn Ihr auf der Suche nach einem „So schlecht, dass er gut ist“ Film seid und auch nur irgendwas mit 90er Action anfangen könnt, oder halt schlicht einen Clown platzen sehen wollt, dann seid Ihr bei ‚Hydrotoxin – Die Bombe tickt in Dir‘ definitiv richtig.

*Dieser Clown ist Mikhail Rashids Handlanger Al-red (Tony Plana). Und jetzt wo ich oben die Sowjet/Araber Durchmischung festgestellt habe, frage ich mich, ob das eine englisch/arabische Verballhornung von „Der Rote“ im Sinne von ‚“Der Kommunist“ sein soll… egal, viel mehr als eindrucksvoll platzen tut der eh nicht.

Kurz & schmerzlos 47: ‚Hansel & Gretel‘ (2006)

Kennt Ihr das, wenn Ihr plötzlich eine eigentlich ziemlich unwichtige Frage im Kopf habt, die Euch aber einfach keine Ruhe lässt? Nun, man kann über das Internet sagen was man will, es ist hervorragend darin eben diese Fragen zu beantworten.
Letztens schaue ich also Robert Eggers (‚The Witch‘, ‚Der Leuchtturm‘) neuesten Film. ‚The Northman‘, und zwischen all den Bärten, Blut und Berserkertum frage mich, was der wohl als ersten Kurzfilm, als Studentenfilm gedreht haben mag. Und die Antwort hierauf hat mich durchaus grinsen lassen, denn sie war ebenso offensichtlich, wie merkwürdig. Selbstverständlich hat Herr Eggers eine Variation auf das ‚Hänsel & Gretel‘ Märchen als Stummfilm im Stil des deutschen Expressionismus gedreht. Natürlich, hätte gar nichts anderes sein können. Noch besser, der Film ist sogar auf Youtube verfügbar. Und während ich den Film durchaus interessant fand, ging mir die Musik lange vor Ablauf der halben Stunde Laufzeit leider erheblich auf den Geist. Der Rest ist recht typischer Studentenfilm, der aber durchaus Eggers Sensibilitäten erahnen lässt.

Der Account, „Famous First Films“ hält, wie sich vielleicht erahnen lässt, noch eine ganze Reihe weitere erste Filme berühmter Filmemacher bereit, falls Ihr Interesse habt!

Newslichter Ausgabe 198: Playstation Filmfiasko und marvelöser VFX Stress

Willkommen bei Ausgabe 198 des Newslichters. Heute wieder einmal nur zwei, dafür umfangreiche und, wie ich finde, wichtige Nachrichten. Das Sommerloch sommerlocht halt, was soll ich sagen? Und wenn Mickey Rourke Tom Cruise „irrelevant“ nennt, dann kann ich dem halt auch nix Humoristisches mehr hinzufügen, außer mit den Schultern zu zucken, und „okay, Mickey“ zu sagen. Legen wir halt direkt los!

Playstation: gekaufte Filme nicht mehr verfügbar

Im August des letzten Jahres verkündete Sony nicht länger Filme und Serien in ihrem digitalen Playstation Store zu „verkaufen“. Der Grund hierfür war, dass beliebte Streamingdienste auch auf der Playstation verfügbar wären und den „Verkauf“ einzelner Filme somit sinnlos machen würden. Damals betonte der Technikriese aber, dass bereits „gekaufte“ Filme und Serien selbstverständlich weiterhin zugänglich bleiben würden. Ein Jahr später stellt sich genau das als Lüge heraus. Jedenfalls in Deutschland und Österreich. Inhalte von Studio Canal werden zum Ende des August dieses Jahres nicht länger für ihre „Käufer“ verfügbar sein. Aufgrund von „sich entwickelnden Lizenzvereinbarungen mit Inhaltsanbietern“. Anders ausgedrückt, Sony will keine Lizenzgebühren mehr abdrücken, für Produkte, an denen sie kein Geld mehr verdienen. In Deutschland betrifft das 314 Titel, in Österreich 137. Darunter Hits wie ‚John Wick‘, ‚Paddington‘ oder ‚La La Land‘. Ob die Betroffenen eine Wiedergutmachung in irgendeiner Form erhalten, ist bislang nicht bekannt.
Lesenden mag, leicht genervt, aufgefallen sein, dass ich kaufen in Bezug auf die Playstation Store Titel stets in Anführungszeichen gesetzt habe. Eben weil man einen Film/eine Serie in einem digitalen Store üblicherweise eben bekannterweise nicht kauft, sondern ein eingeschränktes Nutzungsrecht erwirbt. Eines, das der Verkäufer, wie hier, auch wieder entziehen kann. Deswegen kaufe ich einen Film in digitaler Form nur dann, wenn ich eine Datei ohne Kopierschutz zum Herunterladen und Speichern für zukünftige Ansicht erhalte. Mal ganz davon abgesehen, dass ich vermutlich eh vergessen würde, wenn ich Filme bei verschiedenen Online Stores digital kaufe und früher oder später eh die BluRay nach Hause tragen würde.
Ich gebe zu, es überrascht mich ein wenig, dass dieses Thema nicht höhere Wellen schlägt. Allerdings verkauft Sony eben schon länger keine Filme mehr und so haben vielleicht auch viele Käufer, gerade im Angesicht von Streamingdiensten, vergessen, dass sie Filme im Playstation Store haben. Ärgerlich ist es allemal und bestätigt mein Misstrauen in die zukünftige Verfügbarkeit digitaler Inhalte vollumfänglich. Mal ganz davon ab, dass es absolut miese Form von Sony ist.

VFX Künstlerinnen lehnen Arbeit an Marvel Projekten ab

Achtung! Die spezifischen Geschehnisse dieser Meldung sind mit gehöriger Skepsis zu betrachten, beruht sie doch zum guten Teil auf Threads aus einem Subreddit, das User nicht verifiziert!

Nachdem sich Taika Waititi, Regisseur des aktuellen Marvel Films ‚Thor: Love & Thunder‘, und Darstellerin Tessa Thompson sich während eines Interviews über die Qualität der CGI ihres eigenen Films lustig gemacht haben, ist vielen VFX Künstlern wohl endgültig der Kragen geplatzt. Im Subreddit r/VFX, aber auch auf Twitter äußerten sich zahlreiche Künstler, über die Qual für Marvel zu arbeiten. Marvel wüssten nie, was sie wirklich wollten, bis die Arbeit halb beendet sei und dann wollten sie es komplett anders. Das sorgt für zahllose Überstunden, die nie vernünftig kompensiert würden. Tatsächlich wolle man wohl auch für kleine Vorführungssequenzen bereits vervollständigte Effekte und gäbe sich nicht mit Zwischenlösungen zufrieden. Mitarbeiter berichten von unerträglichem Stress und dem Wunsch nie wieder für Marvel zu arbeiten.
Derartige Berichte sind keinesfalls auf Marvel oder Disney beschränkt. Etwa bei ‚Cats‘ konnte man ganz Ähnliches vernehmen (da waren es übrigens Rebel Wilson und James Corden, die meinten Witze über die CGI machen zu müssen). Oder Michael Bay, der die VFX seines ‚Ambulance‘ öffentlich „scheiße“ nannte. Schuld daran scheint die offenbar unter Filmemachern verbreitete Idee zu sein, CGI tauche einfach so, ohne große Arbeit auf und könnte daher bis zum letzten Moment ausgetauscht werden. VFX Künstlerinnen in Hollywood leiden zudem daran, dass sie eine recht neue Zunft bilden und nicht in das starke Gewerkschaftssystem der Filmschaffenden integriert sind (womit ich keinesfalls sagen möchte, alle anderen Jobs beim Film wären Zuckerschlecken und Mittagspause!). Sie sind vor allem „gesichtslose“ Arbeiter, die von ihren Kollegen praktisch nicht gesehen werden. Und so sind sie und ihre Arbeit gern genommene Fußabtreter für mäßige Witzchen über fraglos nicht immer gelungene Effekte. Dass die aber weniger mangelndem Talent oder Hingabe der Schaffenden zuzuschreiben sind, sondern vielmehr den schlicht miserablen Arbeitsbedingungen der Branche, fällt dabei unter den Tisch. Und das gilt ganz unabhängig davon, ob diese speziellen Horrorgeschichten über Marvel nun 100% zutreffend sind oder nicht! Hier muss sich etwas ändern. Man kann nicht genau die Klasse, die für das Funktionieren einer Milliardenindustrie unabdingbar geworden ist, wie den letzten Mist behandeln. Oh… warte, doch kann man. Ist sogar sehr lukrativ. Nennt sich „Kapitalismus“ oder so ähnlich. Vielleicht hilft hier nur ein Generalstreik der VFX Häuser. Oder doch der ‚Cats‘ Weg und man verpasst jeder CGI Kreatur ein gut sichtbares Arschloch bis sich die Bedingungen bessern…