‚Es geschah in einer Nacht‘ (1934) – „I still got my eye on the thumb…“

Es gibt Projekt, an die glaubt eigentlich niemand so wirklich. ‚Es geschah in einer Nacht‘ scheint einer dieser Fälle zu sein. Frank Capra, jener Handelsvertreter, der sich Anfang der 1920er ins Filmgeschäft gelogen hatte und nun als fähiger Handwerker und Komödienexperte galt, sollte ein Drehbuch von Robert Riskin umsetzen. Eines das alles mitbrachte, um zu einem Film unter hunderten zu werden, die alsbald vergessen würden. Unterhaltung für die bittere Zeit der Großen Depression der frühen 30er. Ein Film, in dem ein einfacher Mann einer verwöhnten Millionärstochter mal zeigt wo es langgeht. Perfekte Unterhaltung für notleidende Menschen, aber eher nichts was bleibt. Hauptdarsteller Clark Gable war überzeugt sein Studio MGM wolle ihn für sein aufsässiges Verhalten bestrafen, indem sie ihn für dieses Nichts an Columbia ausliehen. Und Hauptdarstellerin Claudette Colbert, ursprünglich von der Bühne, hatte ihre erste Filmerfahrung 1927 in einem Capra Film gewonnen. Eine Erfahrung, die sie so furchtbar fand, dass sie schwor nie wieder mit ihm zu arbeiten. Doch, nachdem Columbia ihre übliche Gage verdoppelt hatte und ihr zusagte, dass sie einen in vier Wochen geplanten Urlaub nicht verschieben müsse, willigte sie ein.

Man kann sich fragen, wann die Macher bemerkt haben, dass sie hier etwas Besonderes haben. Tatsache ist, dass Colbert und Gable ihre Dialoge am Set aufbesserten und umschrieben. Das ist nichts was man für ein Projekt tut, an das man nicht glaubt. Fakt ist auch, dass Capra es ihnen erlaubte, er muss also ihre gemeinsame Chemie früh erkannt haben. Und so begründete der Film nicht nur das Genre der Screwball Komödie, indem sich Mann und Frau quasi auf Augenhöhe in einem bissig-rhetorisch-hintergründigen Austausch befinden, sondern er wurde auch zum ersten von bis heute nur drei Filmen, der die Oscars in allen 5 wichtigsten Kategorien gewonnen hat. Gar nicht mal übel, für einen Film an den niemand geglaubt hat.

Colbert verkörpert Millionärstochter Ellie Andrews, die von ihrem Vater auf dessen Yacht quasi gefangen gehalten wird, während der ihre Heirat mit dem Piloten und Lebemann King Westley annullieren lässt. Doch Ellie springt über Bord und will sich auf eigene Faust von Miami nach New York zu Westley begeben. Währenddessen hat Zeitungsreporter Peter Warne (Gable) gerade seinen Job verloren. Im Greyhound-Bus erkennt er Ellie und schlägt ihr einen Deal vor. Er hilft ihr zu Westley zu kommen und den Privatdetektiven ihres Vaters auszuweichen, dafür bekommt er die Exklusivrechte an der Geschichte, um sich seinen alten Job zurückzuholen. Oh, und sollte sie dazu nein sagen, dann müsste er wohl ihren Vater über ihren Aufenthaltsort informieren. Kurz, ein Angebot, das sie schwer ablehnen kann, allerdings kann sie Warnes Hilfe auch gut gebrauchen. Natürlich werden beide auf der gemeinsamen Reise die Qualitäten des anderen erkennen.

Eine besonders starke zentrale Handlung hat der Film wirklich nicht, doch liegt Capras Stärke genau darin eine solch einfache Geschichte interessant zu erzählen. Tatsächlich funktioniert ihr Schwung weitgehend auch heute noch, bis vielleicht auf den dritten Akt, wenn jedem klar ist in welche Richtung es geht, der Film aber unbeirrt vorgibt das sei nicht so. Dafür wird man aber ganz am Ende mit einer sorgfältig aufgebauten Pointe belohnt, die gleichzeitig ein schönes Beispiel dafür ist, wie weit Filme in den 30ern gingen, um Sex anzudeuten ohne ihn je auch nur anzusprechen.

Doch wovon der Film wirklich lebt, ist die Chemie zwischen Colbert und Gable. Was eine einfache „Salz der Erde“ und „verwöhnte Göre“ Geschichte hätte werden können wird durch ihre Darstellung deutlich nuancierter. Das wird schon früh zu Anfang klar, wenn Gables aufbrausender Peter bei seinem Chef anruft und erfährt, dass er gefeuert ist. Umstanden von seinen Saufkumpanen lässt er es aussehen, als putze er gerade seinen Chef herunter und stolziert dann mit geschwellter Brust zum Bus, doch sein Gesicht ist das eines verzweifelten Mannes, dessen Leben soeben vollkommen aus der Bahn geraten ist. Ich werde jetzt sicher nicht behaupten das Frauenbild des Films sei nicht von Vorgestern (oder eher von vor 86 Jahren) und das zeigt sich immer wieder einmal, doch begegnen sich Ellie und Peter immer wieder auch auf Augenhöhe und zeigen Seiten, die ihrem Stereotyp überhaupt nicht entsprechen. Und genau das sind die Momente, wenn der Film am besten funktioniert. Schaut Euch ihr Hin- und Her in der folgenden Szene an, in der Peter Ellie zeigen will wie man richtig trampt. Und während ihr sie schaut, überlegt gleich mal, für welchen Cartooncharakter Peter eine wichtige Vorlage gewesen sein könnte.

Die Karotte war der entscheidende Hinweis. Animator Friz Freeleng behauptet in seinen Memoiren Bugs Bunny, der sechs Jahre später zum ersten Mal zu sehen war, sei durch Gable in diesem Film (Freelengs Lieblingsfilm) inspiriert. Dazu passt, dass sich Peter gegenüber einem anderen Mann, der Ellie erkannt hat, als Mafioso ausgibt und einen fiktiven Kompagnon namens „Bugs“ erfindet. Und die Karotten, natürlich.

Frank Capra wurde durch den Erfolg des Films zum bestbezahlten Regisseur Hollywoods, Claudette Colbert war glücklich, dass ihr komisches Talent entdeckt wurde und sie nicht mehr auf dramatische Rollen festgelegt war. Und Gable wurde definitiv nicht mehr von MGM „bestraft“.

Aus heutiger Sicht ist ‚Es geschah in einer Nacht‘ immer noch ein gelungener Film. Einer der seltenen Fälle, in dem der Humor auch neun Dekaden später in großen Teilen noch funktioniert. Grund dafür ist die Bodenständigkeit nicht nur der Darstellungen, sondern der gesamten Inszenierung.

Top 10 Filme von damals 1982 Platz 5 bis 1

Und weiter geht es mit den Top 10 der westdeutschen Kinocharts des Jahres 1982. Die Plätze 10 bis 6 könnt Ihr im Artikel der letzten Woche nachlesen. Hier folgen nun die Plätz 5 bis 1.

  1. ‚Robin Hood‘ (1973)

Dieses Mal schafft es die Disney Neuveröffentlichung nicht in die obersten Plätze, doch ist ein fünfter Platz für einen neun Jahre alten Film doch durchaus immer noch respektabel. Nicht mehr wirklich aus Disneys „Golden Age“ der Animation, das 1967 mit dem Tode Walts endete, ist der Film dennoch eine unterhaltsame Interpretation der englischen Volkssage, um den Vogelfreien aus dem Sherwood Forest. Clou der Sache ist, dass alle Charaktere in Tierrollen besetzt wurden. Doch zeigt sich hier auch, dass Disney erstmals Abkürzungen nahm. So erinnerte das Charakterdesign des Schlangenberaters Sir Hiss doch frappierend an Kaa aus dem Dschungelbuch. Auch wurde die Tanzszene zwischen Balu und King Louie hier mit Little John und einem Huhn einfach überzeichnet. Dennoch ist der Film flott genug, die von Heinrich Riethmüller eingedeutschten und von Reinhard Mey gesungenen Lieder eingänglich genug, dass ein toller Disney dabei herauskommt.

  1. ‚Conan – der Barbar‘

Krachend wie eine Breitaxt auf den Schädel landet Bodybuilder Arnold Schwarzenegger als neuer Actionstar in John Milius düster-epischem Fantasy-Film. Nach ersten filmischen Gehversuchen 13 Jahre zuvor in ‚Hercules in New York‘, in dem der Steiermärker noch im Original nachsynchronisiert wurde, sowie einigen Bodybuilding-Dokus in denen er durch interessante Thesen auffiel („Bodybuilding is like sex for me… like sex and cumming.“), scheint er als barbarischer Cimmerier in einer fiktiven Frühwelt der untergehenden Hochkulturen seine logische Heimat gefunden zu haben. Hier kann Schwarzenegger vollends mit seinen zwei Stärken, Körperlichkeit und Charisma punkten. Und er boxt betrunken ein Kamel. Ich mag den Film bis heute, weil er über seine gelegentlich schwachen Special Effects und spätestens heute albernen Frisuren mit absolutem Selbstvertrauen hinwegspielt und tatsächlich einige epische Szenen schafft. Das ist nicht zuletzt dem großartigen Soundtrack von Basil Poledouris geschuldet.

  1. ‚Der Gezähmte Widerspenstige‘

Tja, den habe ich meines Wissens nie gesehen… der deutsche Wikipedia-Artikel hält es allerdings für nötig den geneigten Leser in seiner Handlungszusammenfassung daran zu erinnern, dass der Film eine Komödie sei. Ob diese Tatsache nun gegen den Autor oder gegen den Film spricht, darüber mag ich kaum spekulieren. Der Film ist eine Version von Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung“ mit Adriano Celentano und Ornella Muti in den Hauptrollen. Interessant ist vielleicht, dass es zwei deutsche Synchronfassungen gibt. Eine typische „Schnoddersynchro“ von Rainer Brandt und eine Version der DEFA, die in den Kinos der DDR zu sehen war. Zum Film weiß vielleicht jemand in den Kommentaren mehr…

  1. ‚Der Profi‘

Lange vor Leon gab es schon einen Profi. Regisseur Georges Lautner räumt hier auf mit der James Bond-Idee vom coolen Agenten, der die Welt rettet. Jean-Paul Belmondos Beaumont wird beauftragt einen afrikanischen Diktator zu ermorden. Als das jedoch politisch inopportun wird, wird er von seinen eigenen Leuten verraten und in einem Schauprozess vom Regime seines Beinahe-Opfers zu Zwangsarbeit verurteilt. Nach Jahren gelingt ihm die Flucht und… aber ich glaube der Film ist gut und heute unbekannt genug, dass der eine oder andere das vielleicht selbst herausfinden möchte. Anzusiedeln vielleicht irgendwo zwischen einem späten Beispiel der Paranoia-Thriller der 70er und einem sehr frühen Vorläufer von Jason Bourne. Erwähnt sei natürlich auch der Soundtrack von Ennio Morricone, der einmal mehr beweist, dass er auch anderes als Italo-Western kann. Am bekanntesten wahrscheinlich das Stück „Chi Mai“, das Ihr vermutlich kennt, auch wenn Ihr den Film nie gesehen habt. Das entstand übrigens eigentlich schon Jahre vorher für den Film ‚Maddalena‘ und einige Elemente daraus sind schon in Morricones Soundtrack zu Sergio Corbuccis ‚Leichen pflastern seinen Weg‘ (1968) zu hören. Aber erst nach dem Erfolg dieses Films fand es Verwendung in allerlei Werbung und allgemein als Hintergrundmusik.

  1. ‚E.T. – Der Außerirdische‘

Tja, was soll ich zu ‚E.T.‘ groß sagen? Meine Geschichte darüber wie ich den Film sehr jung zum ersten Mal gesehen habe und beim Anblick E.T.s eine derartige Panikreaktion hatte, dass ich beim Versuch aus dem Wohnzimmer zu fliehen voll mit dem Kopf an die Türklinke gerasselt bin, habe ich ja doch schon das ein oder andere Mal erzählt. Später mochte ich den Film lieber auch wenn der Gedanke daran mir immer noch einen leichten Kopfschmerz bereitet. Allerdings muss ich sagen so ganz erschlossen hat sich mir die allgemeine Verehrung für den Film nie. Es ist vielleicht der Spielbergischste Spielberg und alle seine wiederkehrenden Elemente, die kindliche Perspektive, die dysfunktionale Familie, die gesichtslose aber allgegenwärtige Autorität und ein Gefühl der Verlorenheit überkommen durch Freundschaft. Und ich muss sagen, in dieser Ballung wird mir das ein wenig zu viel. Das soll keinesfalls heißen, dass ‚E.T.‘ ein schlechter Film wäre. Im Gegenteil, seine Nummer 1 auf der Liste ist die am wenigsten überraschende Platzierung in diesem projekt seit ‚Das Imperium schlägt zurück‘. Erwähnenswert vielleicht noch die Tatsache, dass dies der Film war, bei dem Spielberg es seinem Freund George Lucas nachtun wollte und eine ‚Special Edition‘ zum 20sten Geburtstag veröffentlichte. Mit erneuerten Spezialeffekten und berüchtigterweise den mittels CGI zu Walkie Talkies umfunktionierten Shotguns der Polizisten. Anders als Lucas bedauerte Spielberg später öffentlich die Änderungen und sagte gar, sie hätten die Magie des Films zerstört. Die BluRay enthält folglich die Kinofassung und die Special Edition Szenen als Bonus. Das ist sicher ein besserer Umgang damit als so zu tun als habe die Neufassung nie stattgefunden.

 

Das ist in einer bestimmten Hinsicht eine ungewöhnliche Top 10. Weit und breit kein Bud Spencer oder Terrence Hill zu sehen. Na gut, „weit und breit“ ist übertrieben. Auf der 11 wäre ‚Der Bomber‘, auf der 19 ‚Banana Joe‘. Allerdings ist ihre ganz große Zeit in den Kino-Charts hier tatsächlich ziemlich vorbei. Dafür beginnt nun natürlich die ganz große Zeit im Fernsehen und auf VHS. Dafür kündigt sich mit Steven Spielberg ein anderer häufiger Gast an. Schon im letzten Jahr mit ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘ vertreten, bringt er es diesmal auf die Nummer 1. Die Disney-Wiederholung zeigt sich diesmal schwächer, hat allerdings mit ‚Mrs. Brisby…‘ diesmal auch echte aktuelle Konkurrenz. Wie Disney es allgemein in den nächsten Jahren mit der Don Bluth Productions zu tun bekäme. Und auch mit Arnold Schwarzenegger ist ein neuer Chartstürmer angetreten. Dieses Jahr ist also ein größerer Fahnenwechsel als man das auf den ersten Blick annehmen würde. Denn die Zusammensetzung der Charts präsentiert sich auf den ersten Blick in bekannter Weise. Vier europäische Produktionen (diesmal kein deutscher Film dabei, die erste deutsche Produktion in der Liste ist ‚Piratensender Powerplay‘ auf der 14), eine australische und fünf US-Produktionen, davon zwei Zeichentrick.

Böse aber nicht wirklich überraschende Flops sind ‚Blade Runner‘ auf der 23 und #Das Ding aus einer anderen Welt‘ auf der 25. Beide Filme sind ja berühmt dafür, dass sie bei Veröffentlichung ziemlich missverstanden wurden und ihren Status erst später entwickelten. Wir sind jetzt jedenfalls offiziell in den 80ern angekommen. Produktionen, die noch in den 70ern geplant wurden, werden wir kaum noch sehen. Der Actionfilm wird brutaler, der Musikfilm zum Tanzfilm und beide werden verschwitzter. Waren das womöglich Andeutungen was in der nächsten Top 10 zu sehen sein wird. Ihr findet es hier heraus! Oder indem Ihr in eine beliebige Liste schaut. Aber das wäre ja langweilig, oder?

Newslichter Ausgabe 85: Corona, Krise und Katzenpopos

Willkommen bei Ausgabe 85 des Newslichters und Herzliche Grüße aus respektvoller Social Distance! Wie bereits letzte Woche angedroht ist SARS-CoV-19 nun auch im Newslichter angekommen. Aber keine Sorge, nicht in übertragbarer Form. Dennoch könnt Ihr Euch nach dem Lesen gern die Hände waschen. Vielleicht auch mal das Display, oder die Tastatur von dem Gerät auf dem Ihr lest. Gebt’s zu schmuddelig genug ist es. Anders als sonst wird es diesmal ein längeres Hauptthema ohne einen direkten Newsartikelbezug geben, in dem ich ein wenig über die derzeitigen Herausforderungen für die Filmindustrie schwadroniere und meine eigene Naivität eingestehe. Legen wir also los!

 

Corona und der Film

Manchmal, und es ist zwecklos es abzustreiten, ist es doch schwarz auf weiß zu lesen, bin ich recht naiv. Vor einigen Wochen wunderte ich mich darüber, warum Disney-CEO Bob Iger Ende Februar „völlig überraschend“ zurückgetreten ist. Stellt sich heraus, Herr Iger kann ein wenig besser in die Zukunft sehen als ich und wollte seine Stelle offenbar im Erfolg verlassen. Denn zwei von Disneys wichtigsten Geschäftsfeldern dürften hart von der derzeitigen Epidemie getroffen werden. Die Vergnügungsparks und natürlich der Film. Nicht nur Disney, die ganze Filmindustrie steht vor einer nie dagewesenen Situation. Quasi weltweit sind sie nicht mehr in der Lage ihre Filme ins Kino zu bringen. Sei es, weil diese schließen mussten, oder sie diesen Schritt zum Schutz ihrer Kunden freiwillig gegangen sind.

Das ist nicht nur eine wirtschaftlich grausige Situation für die Kinos (dazu unten mehr), sondern auch für die Verleihe und Studios. Vielleicht noch am wenigsten für kleinere Arthouse Filme, die ohnehin nur in einer Handvoll Programmkinos in Großstädten gelaufen wären und dann in den Stream, oder das Video on Demand gegangen wären. Doch der Blockbuster, jene gigantische Krücke auf die sich die großen Filmstudios mehr und mehr stützen, macht einen Gutteil seiner Einnahmen eben immer noch über Kinobesuche. Mal ganz davon abgesehen, dass es hier komplexe Vertragswerke gibt, die vorsehen in wie vielen Kinos der Film bis wann zu laufen hat, wobei dafür hier vermutlich Versicherungen greifen.

Was können die Studios also tun? Sie haben zwei Möglichkeiten. Zum ersten, ihren Film jetzt als Video On Demand veröffentlichen, in der Hoffnung, auf diese Weise zumindest keinen Verlust einzufahren, aber eben auch auf große Gewinne zu verzichten. Vor allem, da durch geschlossenen Einzelhandel auch DVD/BluRay Käufe weit geringer als sonst wären. Zum zweiten den Film zu verschieben. Es fällt auf, dass sich bislang kein größerer Film für Punkt eins entschieden hat. Für ‚Wonder Woman 1984‘ stand es im Raum, doch verkündete Warner letztlich, dass man den Film doch ins Kino bringen wolle. Irgendwie, irgendwann.

Rechnen wir einmal durch, etwa 10 „große“ Filme erscheinen in der Woche. Bleiben wir positiv (oder utopisch) und hoffen einmal, dass die weitreichenden Kinoschließungen nur vier Wochen dauern. Das wären 40 Filme, die später im Jahr/nächstes Jahr neue Termine brauchen. Einem Jahr, das eigentlich schon verplant ist. In einem Markt, auf dem die Studios es hassen sich selbst Konkurrenz zu machen, indem sie zwei „große“ Filme gleichzeitig draußen haben. Sicherlich wird sich das irgendwann ausgleichen, aufgrund der Tatsache, dass viele Filme nun ihre Dreharbeiten einstellen müssen, sei es auf Anordnung, oder um ihre Mitarbeiter zu schützen. Doch wird es ein komplexes System von Verschiebungen geben, das die Filmbranche sicherlich Milliarden kosten wird. Aber sie kann es tragen. Weit besser vermutlich als der Techniker beim neuen ‚Batman‘ Film, der nach dem Drehstop ohne Job dasteht. Und wer weiß, vielleicht erwartet uns 2021 der blockbusterigste Januar aller Zeiten.

Gebeutelt sind auch die Kinos. Tatsächlich erscheinen bereits wieder Spekulationen, ob dies nun das Ende des Kinos sei. Ich selbst mag nicht mehr der größte Kinogänger sein, doch ist das wohl kaum etwas, das irgendjemand der dieses Blog liest wollen kann. Von daher spendet Euren örtlichen Kinos. Gerade den kleineren, wenn Ihr irgend könnt. Oder kauft Gutscheine für die Zeit nach Corona. Oder lasst sie wenigstens wissen, dass Ihr vorhabt Ihnen die Türen einzurennen wie nie zuvor, sobald es wieder möglich ist. Das gilt natürlich auch für alle anderen kulturellen Einrichtungen außer Kinos, aber das hier ist halt ein Filmblog. Die Welt nach Corona mag anders aussehen als die vorher. Aber sie wird immer noch eine mit Kinos und Filmen sein. Mit Popcorngeraschel, Nachogestank, Filmquatschern und Handybenutzern. Und, wenn Ihr mich fragt, ist das tausendmal besser als die Alternative.

PS: unter hilfdeinemkino.de könnt Ihr Euer Lieblingskino auch durch das Gucken von Werbung unterstützen.

 

‚The Suicide Squad‘ im Heimschnitt

https://screenrant.com/james-gunn-suicide-squad-movie-editing-coronavirus/

Vielleicht habt Ihr Euch gefragt, was der Dauergast früher Newslichterausgaben James Gunn eigentlich so während des Corona-bedingten Zuhausebleibens macht. Nein? Okay ich auch nicht, aber ich erzähl‘s Euch trotzdem. Er arbeitet am Schnitt seines Sequels/Reboots zu ‚Suicide Squad‘, das für maximale Verwirrung  ‚The Suicide Squad‘ heißen wird. Insbesondere die Person, die bei der Eindeutschung von Filmtiteln gern das „The“ entfernt dürfte ihn verfluchen (Die ‚Suicide Squad‘, die?). Schön zu sehen, dass er seine Zeit sinnvoll nutzen kann, auch wenn die Veröffentlichung seines Films wohl in einiger Unsicherheit stehen dürfte (siehe oben). Und? War exakt so spannend wie Ihr erwartet habt, huh?

 

‚New Mutants‘ und die Katastrophen der Veröffentlichung

https://screenrant.com/new-mutants-movie-marvel-firsts-delays/

Irgendwo ist bei dem Film ‚New Mutants‘, der im FOX-schen ‚X-Men‘ Universum spielt, der Wurm drin. 2018 sollte er ursprünglich veröffentlicht werden, ein Termin, der aufgrund von Nachdrehs verpasst wurde. Dann sollte er 2019 erscheinen, was durch die Übernahme von FOX durch Disney verhindert wurde. Eine gigantische Umwälzung innerhalb der Filmwelt und ein großer Schritt auf Disneys Weg zum Monopol. Nun also wurde April 2020 als neuer Termin unter Disney angepeilt, diesmal mit ordentlich Werbung, damit auch nichts schiefgehen könnte. Und dann… aber das habt Ihr sicherlich alle bemerkt, was dann schiefgegangen ist. Sollte der Film einen neuen Veröffentlichungstermin für 2021 finden und dann eine Drachenplage ausbrechen, oder die Aliens die Erde überfallen, sollten wir uns vielleicht mit dem Gedanken anfreunden, dass ‚New Mutants‘ verflucht ist…

Anmerkung: nein, ich denke nicht, dass die derzeitige Covid-19 Krise auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass ‚New Mutants‘ „verflucht“ ist. Ich denke auch nicht, dass einer meiner Leser das glaubt. Doch sei dies hiermit, im Sinne einer vernünftigen Informationspolitik als FAKE NEWS zum Zwecke der mäßigen Unterhaltung markiert.

 

Von Katzen und Arschlöchern

https://screenrant.com/cats-movie-butthole-cut-universal-studio-response/

‚Cats‘ ist ein Flop, der einfach nicht aufhören kann zu floppen. Der Elefant, der bereits den gesamten Porzellanladen in Schutt und Asche gelegt hat und dann noch einmal zurückkommt, um den Ofen zu zertreten und die Glasur auszutrinken. Auf Twitter verbreitet sich dieser Tage das Gerücht eines „Butthole Cuts“. Die CGI Homunku-Katzen hätten, so will es das Gerücht, für lange Zeit liebevoll modellierte Arschlöcher gehabt. Bis jemand bei Universal, der noch nicht völlig high auf Katzenminze war, VFX Spezialisten mit der Überarbeitung der Katzenkimmen noch vor Veröffentlichung beauftragt habe. Diese Information stützt sich auf den Bekannten eines Bekannten der an den VFX mitgearbeitet haben soll. Es sagt vermutlich einiges über ‚Cats‘ aus, dass dieses Gerücht nicht in Bausch und Bogen verlacht wurde, sondern im Gegenteil eine Bewegung gegründet wurde, mit dem Ziel den „Butthole Cut“ veröffentlicht zu sehen. Und Universal? Die sagen gar nichts dazu. Auch das sagt vermutlich einiges über ‚Cats‘ aus. Wahrscheinlich ist man einfach mal froh zu lesen, dass jemand den Film sehen will. Und sei es auch nur wegen CGI-Arschlöchern.

 

Das war es für diese Woche. Seid vernünftig und bleibt gesund selbst wenn Ihr selbst Euch nicht vor der Krankheit fürchten müsst. Vorgeschädigte und alte Menschen werden es Euch danken. Wenn Ihr in der Pflege, oder der Medizin arbeitet, wenn Ihr Regale bei REWE bestückt oder Waren ausliefert, kurz wenn derzeit Ihr im Umgang von Menschen eine entscheidende Rolle erfüllt, weiß ich nicht, ob Euch jemals genug zu danken ist. Dennoch: vielen Dank! Ansonsten ruft Freunde oder Verwandte an, die in der derzeitigen Situation einsam oder verzweifelt sein könnten. Wenn wir alle einander helfen, dann gehen wir vielleicht als eine bessere Gesellschaft aus dieser Krise hervor als wir hineingestolpert sind. Alles Gute und bis nächste Woche!

‚Mid90s‘ (2018)

2017 bekam Greta Gerwig von der amerikanischen Produktionsfirma A24 die Chance ‚Lady Bird‘, ihren ersten Film in Alleinregie (nach früheren Kollaborationen mit Noah Baumbach) zu veröffentlichen. Ein Jahr später erhielt Jonah Hill dieselbe Chance mit ‚Mid90s‘. Und die Gemeinsamkeiten der Filme enden nicht damit, dass hier jemand ansonsten vor allem fürs Schauspiel bekannt hinter der Kamera platznimmt. Beide Filme sind Coming of Age Geschichten. Beide sind durch die Jugend ihrer Schöpfer inspiriert, aber gefiltert durch den Abstand des Erwachsenseins. In der Ausführung sind sie jedoch komplett unterschiedliche Werke.

Mitte der 90er wächst der 13jährige Stevie (Sunny Suljic) mit seiner alleinerziehenden Mutter (Katherine Waterston) und seinem brutalen, älteren Bruder Ian (Lucas Hedges) in einer der ärmeren Gegenden von L.A. auf. Der einsame Stevie beobachtet eines Tages eine Gruppe Skater, die um einen Skateshop herumhängen. Ihre Kameradschaft, ihre „Scheißegal“-Attitüde, kurzgesagt ihre Coolness beeindruckt Stevie. Er ertauscht sich ein Board von Ian und hängt ebenfalls im Laden ab. Alsbald wird er, unter dem Spitznamen Sunburn, in der Gruppe akzeptiert. Diese besteht aus dem jungen Ruben (Gio Galicia), der erkennbar glücklich ist nicht mehr „der Neue“ zu sein, Fourth Grade (Ryder McLaughlin), der nicht ganz helle ist, aber stets alles filmt, Fuckshit (Olan Prenatt), der einfach nur feiern und abhängen möchte und Ray (Na-kel Smith), der das Skaten gern zum Beruf machen würde. Die drei Letztgenannten sind 2 bis 3 Jahre älter als Stevie. Der Rest des Films beschäftigt sich mit der Dynamik dieser Gruppe, aber auch der Auswirkungen der neuen Freunde auf Stevie. Denn obwohl er neues Selbstbewusstsein gewinnt, haben Saufen, Rauchen, Kiffen und Parties für die er eigentlich noch zu jung ist auch eine selbstzerstörerische Wirkung.

Was man Hill ohne jegliche Umschweife zu Gute halten muss, ist wie hervorragend es ihm gelingt die subtilen (und unsubtilen) Hierarchien und Rivalitäten einer Gruppe Halbstarker einzufangen. Dabei bedient er sich auch durchaus kruder homophober oder sexistischer Sprache, wofür ihn manche Rezensionen kritisieren. Doch wenn seine Charaktere feststellen, dass sich zu bedanken „schwul“ sei und Mädchen grundsätzlich „Bitches“ sind, dann tun sie das nicht nur weil sie damals sicher so gesprochen hätten, sondern weil Hill etwas über die (Un-)Reife seiner Charaktere aussagt. Es lohnt sich durchaus darauf zu achten welcher Charakter wie spricht. Tatsächlich ist der Film immer genau dann am besten, wenn er seine Charaktere einfach herumhängen und reden lässt. Sei es, dass sie sich mit einem Wachmann streiten, mit einem Obdachlosen sprechen, oder Ruben und Sunburn spekulieren warum manche von ihnen Spitznamen haben, andere aber nicht. Auch einer der wesentlicheren Konflikte des Films, Rays Wunsch Profi zu werden und Fuckshits Bedürfnis Spaß zu haben, das so weit geht, dass er dafür bereit ist den Erfolg seines Freundes zu sabotieren, spielt zumeist auf dieser Ebene. Beinahe jedem Charakter merkt man an, dass deutlich mehr hinter ihm steckt als der Film uns hier präsentiert. Mit wenigen kurzen Szenen bekommen sie hier eine erstaunliche Tiefe verliehen.

Wenn der Film ins Dramatischere geht funktioniert er immer noch gut, fühlt sich aber gelegentlich, und leider gerade zum Ende hin, etwas danach an, als hätte jemand eingeworfen nun müsse aber auch mal „was passieren“. Einige Szenen bei und nach einer Party, die, ohne zu viel zu verraten, eine gewisse Verwandtschaft zu Larry Clarks ‚Kids‘ zeigen, sind hier deutlich einfühlsamer inszeniert und gleiten nicht in Clarks, zumindest für mich, oftmals schwer erträgliche Mischung aus Exploitation und erhobenem Zeigefinger ab.

Hill inszeniert das alles in äußerst nüchternen 4:3 Bildern. Und, dafür bin ich ihm sehr dankbar, er begibt sich nicht auf die Schiene der derzeit so beliebten „erinnert Ihr Euch noch an…“ Produkte. Tatsächlich ist der Film sogar fast vollständig unnostalgisch. In einem Interview distanziert sich Hill auch ganz bewusst von, wie er es nennt, „Nostalgia Porn“. Sicherlich kommen akkurate Mode und Musik aus den 90ern hier vor. Allerdings keine Musik aus den Top 10 Charts, sondern jede Menge 90er Hip Hop, Pixies oder Nirvana. Musik die Hill damals vermutlich gehört hat. Und die seine Charaktere auch hören. Oder die eben in einem Restaurant im Hintergrund gelaufen wäre. Dazu kommt ein nicht eben umfangreicher, aber effektiver Score von Trent Reznor und Atticus Finch. Dadurch fühlt sich das alles derart in den Hintergrund eingebacken, dass es quasi nicht mehr auffällt. Keine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Zwischendurch kann man glatt vergessen, dass man einen aktuellen Film schaut, der in der Vergangenheit spielt und könnte fast annehmen, einen 25 Jahre alten Film entdeckt zu haben.

Sunny Suljic ist ideal besetzt in dem Film. Bei den Dreharbeiten muss er etwa 12-13 gewesen sein, wirkt aber eher noch jünger. Dabei wirkt er sehr offen und verletzlich, was auch schon Yorgos Lanthimos in ‚The Killing of a Sacred Deer‘ für sich zu nutzen wusste. Hier weckt er beim Zuschauer Beschützerinstinkte, Besorgnis aber liefert auch Momente ab, in denen man sich mit ihm freuen kann und bildet insgesamt sehr gut ab, was es heißt jung zu sein, wenn man gern älter wäre. Erwähnt sei auch Na-kel Smith, dessen Ray so etwas wie der „alte“ Weise der Gruppe ist. Sein Wunsch professioneller Skater zu werden, so unwahrscheinlich der auch ist, bringt zwangsläufig eine gewisse Vernunft mit sich, die zu einem Bruch mit seinem vermutlich besten Freund Fuckshit (und nein, man erfährt seinen eigentlichen Namen nie) führen wird. Gerade diesen Konflikt fängt Smith sehr gut ein.

‚Mid90s‘ ist ein gelungener Erstlingsfilm für Hill. Ich gebe zu, als Schauspieler begeistert er mich nicht besonders, aber auf seine nächste Regiearbeit wäre ich durchaus neugierig. In einer nüchternen, bodenständigen Inszenierung, stets auf Augenhöhe mit seinen Charakteren und daher nie verurteilend, zeigt er vor allem, dass er sehr gut darin ist einen „Rumhäng“-Film in Szene zu setzen. Und ehrlich gesagt können wir zwischen all den Special Effects Explosionen ein paar davon sehr gut gebrauchen.

Top 10 Filme von damals: 1982 Platz 10 bis 6

Und weiter geht es mit unserer wilden Reise durch die Top 10 Listen der Filmjahre. Im Moment nachwievor nur für Westdeutschland. Aber das ändert sich ja in nicht zu ferner Zukunft. Grundlage bildet, wie immer, die entsprechende Liste bei Chartsurfer.de. Wie üblich schreibe ich zu den jeweiligen Filmen was mir dazu einfällt, sei es persönlich oder popkulturhistorisch. Oder eben manchmal auch gar nichts. Aber dann dürft gerne Ihr in den Kommentaren einspringen. Zunächst schauen wir aber was 1982 außerhalb des Kinos so in der Welt passierte.

Am 2. April besetzen argentinische Truppen die britisch kontrollierten Falklandinseln. Nach anfänglichem Überraschungserfolg müssen sich die Truppen der argentinischen Militärdiktatur unter Leopoldo Galtieri bereits Mitte Juni den Briten ergeben. Galtieri tritt zurück, Argentinien kehrt zurück zum demokratischen System, zahlreiche Soldaten auf beiden Seiten leiden in Folge der hart geführten Kämpfe an posttraumatischem Stress und nehmen sich in den folgenden Jahren das Leben. Der Konflikt dauert offiziell noch bis 1989, wenn er durch spanische Intervention geschlichtet wird. Doch bereits im Folgejahr erhebt Argentinien erneut Anspruch auf die Inseln.

Im April wird das erste „Retortenbaby“ in Deutschland geboren.

Ein Besuch Ronald Reagans in Bonn sorgt für Großproteste der Friedensbewegung gegen die atomare Aufrüstungspolitik, die der amerikanische Präsident verkörpert.

Im September zerbricht die sozial-liberale Koalition in Deutschland. Kanzler Schmidt regiert bis 1. Oktober mit der SPD allein weiter. Dann wird ein Misstrauensvotum gegen ihn gestellt und Helmut Kohl (CDU) zum neuen Regierungschef ernannt.

Am Silvestertag findet ein angeblicher Anschlag des Ofenbauers Paul Eßling auf Erich Honecker statt. Tatsächlich erweist sich der „Anschlag“ später eher als unglücklicher Zufall. Der betrunkene und bewaffnete Eßling hat der Wagenkolonne des Generalsekretärs der SED die Vorfahrt genommen. Als ihn Polizisten (oder Personenschützer) zur Rede stellen wollen, eröffnet er in Panik das Feuer. Dabei stirbt er entweder durch eigene Hand, oder im Feuergefecht. Ein streng geheimer Bericht der Stasi stützt diese Version.

Nun aber schnell ins Kino!

  1. Am Anfang War Das Feuer

An Jean-Jaques Annauds Verfilmung des Romans ‚Kampf ums Feuer‘ (1909) von J.H. Rosny-aîné habe ich eine sehr direkte Erinnerung, die gar nicht so sehr mit dem Film zu tun hat. Wir haben den Film irgendwann in der frühen Oberstufe im Biounterricht geschaut. Unsere Lehrerin musste sich allerdings alle paar Minuten vor den Bildschirm stellen und vorspulen, „sonst rufen mich Eure Eltern wieder an“. Es ist vor allem das „wieder“ in der Aussage, das ich denkwürdig finde… Ansonsten ist der Film für Unterrichtszwecke vielleicht nicht ganz schlecht gewählt. Die Protagonisten sind drei Jäger eines Neandertaler-Stammes, denen nach einem Überfall ihr Feuer ausgegangen ist. Da sie nicht wissen, wie man selbst neues macht, suchen sie nun nach einer neuen Quelle. Dabei begegnen sie allerhand anderen Frühmenschen mit denen sie in nicht immer freundlichen Kontakt treten. Gesprochen wird dabei in einer unverständlichen Fantasie-Sprache (von ‚A Clockwork Orange‘ Autor Anthony Burgess entwickelt). Dabei hält sich der Film mit verstörenden Szenen nicht zurück, von Vergewaltigung bis zu einem kannibalistischen Stamm, der seine Opfer/Nahrung lebend verwahrt und nach und nach zerstückelt. Da macht es Sinn, dass sich unsere Lehrerin um böse Elternanrufe gesorgt hat, obwohl wir alle die 12 Jahre Altersempfehlung erfüllten.

  1. Mad Max II – Der Vollstrecker

Am anderen Ende der menschlichen Evolution, nämlich nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft, spielt dieser Film und ist dennoch (oder gerade deswegen) nicht ganz unähnlich. Nachdem George Millers erster ‚Mad Max‘ zu einem Überraschungserfolg geworden war, konnte er hier zeigen, was er mit etwas mehr Geld, um nicht zu sagen mit vier Millionen Dollar (und damit den bis dato teuersten australischen Film), abliefern kann. Den Kampf um Öl und Benzin setzt Miller hier ganz in den Mittelpunkt der Handlung, als eine Art postapokalyptische Satire auf nachwievor aktuelle globale Politik. Nebenbei schafft er den typischen Look, den wir uns für die Postapokalypse denken und den nicht nur zahllose billigere, schlechtere Nachahmer vor allem die 80er über, quasi vollständig übernommen haben. Essentieller Road(warrior) Movie.

  1. Pink Floyd – The Wall

Die Verfilmung des 11. Studioalbums von Pink Floyd „The Wall“. Nun dürfte es nicht eben viele Albenverfilmungen geben, doch ein Konzeptalbum bietet sich dafür ja schon irgendwie an. Pink Floyd Bassist und Sänger Roger Waters hat das Drehbuch verfasst und auch große Kontrolle über die eigentlichen Dreharbeiten ausgeübt. Regie übernahm Alan Parker mit animierten Sequenzen von Gerald Scarfe. Im Zentrum der eher metaphorischen Handlung steht der Rockstar Pink (nein, nicht P!nk), verkörpert von Bob Geldof. Den erleben wir in Hotelzimmern und Trailern wie er eine mehr oder weniger metaphorische Wand um sich errichtet. Dabei geht es um Themen wie Drogen, Gewalt Faschismus und mentale Isolation. Waters, Parker und Scarfe konnten einander übrigens nicht ausstehen. Parker bezeichnete die Arbeit an dem Film später als die schlimmste Zeit seines Lebens, die er nur durch umfänglichen Scotch-Konsum überstanden hätte. Dieses durchaus dissonante aneinander Reiben merkt man dem Film auch an, was ihm allerdings nicht wirklich schadet. Ich habe ihn seit Ewigkeiten nicht gesehen, aber allein durch die kurze Recherche hierfür wieder ein wenig Lust drauf bekommen.

  1. Porky’s

‚Porky’s‘ darf wohl zu Recht als die amerikanische Antwort auf den Erfolg der israelischen ‚Eis am Stiel‘ Filme gesehen werden. Hier wie dort ist die Handlung in den 50er Jahren angesiedelt. Hier wie da steht eine Gruppe junger Männer mit dem Ziel ihre Unschuld zu verlieren im Mittelpunkt. Allerdings spielt es nicht am Mittelmeerstrand, sondern in und um den anrüchigen Nachtclub Porky’s in Floridas Everglades. Dessen Besitzer und sein Bruder, der örtliche Sheriff, nehmen die Jungen aber recht böse aus, wobei einer von ihnen krankenhausreif geschlagen wird. Was zu einem zusätzlichen Racheplot gegen Porky’s führt. Ich kann aber ehrlich gesagt nicht behaupten mich besonders gut an den Film erinnern zu können…

  1. Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH

1979 waren die Disney-Animatoren Don Bluth, Gary Goldman und John Pomeroy frustriert. Neben ihrer Arbeit hatte sie einen eigenen animierten Kurzfilm geschaffen, den sie hofften über Disney veröffentlichen zu können. Doch keiner der Verantwortlichen wollte ihn auch nur ansehen. So gründeten sie kurzerhand ihr eigenes Studio „Don Bluth Productions“ um zu arbeiten woran sie wollten. Dabei darf dann wohl als fast erstaunlich gelten wie nahe ‚Mrs. Brisby und das Geheimnis von NIMH‘ einem typischen Disney kommt. Die Geschichte um anthropomorphe Tierfiguren, allen voran Feldmaus Mrs. Brisby, die ihren kranken Sohn aus ihrem Steinzuhause kriegen muss, bevor der Bauer das Feld abmäht, ist nicht weit von typischem Disney Stoff entfernt. Erstaunlicher ist vielleicht die Verbindung von magischen Elementen mit durchaus tragisch „realistischen“, kommt der Titel doch von einer Gruppe Ratten, die vor einem Experiment aus dem NIMH, dem National Institute of Mental Health geflohen sind. Doch das Rezept ging wunderbar auf, der klassische Stoff kam an, die Animation war mindestens so gut wie die damals aktueller Disneys und erregte gar die Aufmerksamkeit von Steven Spielberg. Mit dem gemeinsam wurde der nächste Film ‚Feivel der Mauswanderer‘ umgesetzt. Selbst beim Mäusemotiv blieb man Disney also nahe. Mit Filmen wie ‚Ein Land vor unserer Zeit‘ oder ‚Anastasia‘ hatte Don Bluth Productions jedenfalls die gesamten 80er und 90er hindurch einige Erfolge aufzuweisen. Mit ‚Dragon’s Lair‘ auch noch einen höchst ungewöhnlichen Ausflug in die Welt der Arcade Spiele. Bevor mit dem brutalen Flop von ‚Titan A.E.‘ (2000) das Ende der „Disneyalternative“ gekommen war. Schade.

Und das war es mit der unteren Hälfte der Top 10 von 1982. Was fehlt? Spencer und Hill, zum Beispiel, die bislang Dauergäste auf den Listen waren. Aber vielleicht kommen die noch. Dann erwarten wir natürlich die jährliche Disney Neuveröffentlichung. Und wer wird im Jahr 1982 mit Sicherheit auch nicht in den Charts fehlen? Ihr erfahrt es spätestens nächste Woche hier!

Newslichter Ausgabe 84: Anti-Sandmann Oscar Isaac, Mutant Hulk und Influencer Dracula?

Willkommen bei Ausgabe 84 des Newslichters und Herzliche Grüße aus respektvoller Social Distance! Letzte Woche habe ich hier noch vollmundig geschrieben, dass ich Filmmeldungen um die Corona Krise herum weitgehend aussparen werde, da sie (und das sehe ich immer noch so) meiner doofen Kommentare nicht bedürfen. Das Problem, vor dem ich jetzt stehe, ist ein ähnliches wie letzten Samstagmittag, als ich in der Obstabteilung eines Supermarktes stand und alles was noch da war, war eine einzelne Orange mit einem Schuhabdruck darauf. Tatsache ist, es gibt quasi keine Filmmeldungen mehr, die ohne das Wort „Corona“ auskommen. Und wenn, dann haben sie die Qualität einer, unter einer Schuhsohle halb ausgepressten Orange. Was keine beeindruckende Qualität ist, falls Ihr Euch fragt. Doch, um meinem Wort nicht gänzlich zuwiderzulaufen, werde ich mich diese Woche an meine Ankündigung halten und mit dem arbeiten was mir übrig bleibt. Was nächste Woche ist, das sehen wir dann. So scheint die Welt jetzt ja ohnehin zu funktionieren. Also, was meint Ihr, legen wir erst mal los?

 

Scarlett Johansson bezeichnet Hulk als Mutanten

https://screenrant.com/mcu-scarlett-johansson-calls-hulk-mutant/

Könnt Ihr Euch das vorstellen? In einem Interview mit Entertainment Weekly bezeichnet die Black Widow Darstellerin Marvel Kollegen Hulk als Mutanten! Dabei weiß doch jeder, dass im Marvel-Sinne nur X-Men Mutanten sind. Das isses. Das ist die Meldung… Puh. Okay, lasst mich hinzufügen, dass Frau Johansson im wissenschaftlichen Sinne sicherlich nicht unrecht hatte. Die Fähigkeiten des Hulk gehen zurück auf eine Kontamination von Dr. Bruce Banner mit Gammastrahlung. Diese muss eine extreme Veränderung seines Genoms ausgelöst haben, in dessen Folge er erhebliche physiologische Veränderungen durchmacht. Eine Zunahme der Muskelmasse um mehrere hundert Prozent, eine Zunahme des Herz-Lungen Volumens und Skelettstruktur um einen vermutlich ähnlichen Wert, bei gleichzeitigem, erkennbaren Verlust kognitiver Fähigkeiten. Noch auffälliger ist jedoch seine deutliche Grünfärbung, die gar Spekulationen um eine spontane Ausbildung von Chlorophyll in den oberen Schichten der Epidermis zulässt, was den Hulk nicht nur zu einem Säugetier-Pflanzenhybriden machen würde, sondern ihn auch unabhängig von Nahrungsaufnahme. Wobei als fraglich gelten darf, ob er sich auf ein Fastenexperiment einlassen würde. Das womöglich Erstaunlichste ist jedoch, dass diese Veränderungen vollständig reversibel sind. Wir müssen also davon ausgehen, dass durch die Gammastrahlung vollständig neue Gene in Dr. Banners ansonsten stabiles Genom eingefügt wurden. Gene, die offenbar durch eine erhöhte Konzentration von Adrenalin, Noadrenalin und/oder anderen Stresshormonen in Dr. Banners System, spontan in erheblich erhöhtem Maße repliziert werden und die obigen Veränderungen innerhalb weniger Augenblicke hervorrufen können. In dem Sinne hat Frau Johansson nicht nur nicht unrecht, sie trifft den Nagel geradezu auf den Kopf.

 

Oscar Isaac mag keinen Sand

https://screenrant.com/star-wars-rise-skywalker-video-oscar-isaac-sand/

Okay, jetzt aber wirklich die harten News. In einem neuen Behind the Scenes zum neunten Star Wars  ist zu sehen, dass Oscar Isaac Sand als ziemlich schwierig beim Dreh beschreibt. Nicht verwunderlich, spielten doch so einige Szenen der neuen Star Wars Trilogie in sandigen Gegenden. Zum anderen hat eine Abneigung gegen Sand ja schon Tradition in Star Wars. „Ich mag Sand nicht. Er ist kratzig und rau und unangenehm. Er ist einfach überall“, um mal einen bekannten Sithlord zu zitieren. Nun, stellt sich die Frage, welches fraglos komplett unsandige Projekt sich Isaac wohl zur Erholung als nächstes ausgesucht hat. Die Antwort lautet ‚Dune – der Wüstenplanet‘. Interessante Wahl, das muss man wohl sagen.

 

Moderner Dracula

https://screenrant.com/modern-day-dracula-movie-universal-standalone-monster-films/

Und die Universal/Blumhouse Monsterreihe reißt nicht ab! Nach dem Erfolg des Unsichtbaren wurde bereits letzte Woche eine moderne Version von Frankenstein angekündigt. Auch ein ‚Braut von Frankenstein‘ Film ist in Arbeit, sowie das mysteriöse ‚Dark Army‘ Projekt. Nun kommt also auch noch ein neuer Dracula, der in der Moderne spielen soll dazu. Bei modernem Dracula muss ich leider immer zuerst an ‚Dracula 2000‘ denken, der tatsächlich sehr nach dem Jahr 2000 aussieht, den transsilvanischen Grafen vom menschlichen Megaphon GERARD BUTLER verkörpert sah und nicht zu Unrecht quasi vergessen ist. Aber es wäre mindestens spannend, wie sich der olle Graf in Zeiten von Smartphones wohl so macht.

 

Scream 5 könnte schon bald schreien

https://www.moviepilot.de/news/der-neue-scream-film-hat-gerade-riesigen-schritt-nach-vorne-gemacht-1125971

Lange schien ein weiterer Teil der metatextuellen Slasher Reihe ‚Scream‘ eher unwahrscheinlich. ‚Scream 4‘ ist hinter den finanziellen Erwartungen geblieben und dann starb 2015 Wes Craven, Schöpfer und Regisseur der Reihe. Ob es sich bei dem neuen Film nun um eine echte Fortsetzung handeln wird, oder um ein weiches oder hartes Reboot ist noch unklar. Selbst ob Neve Campbell beteiligt sein wird scheint nicht klar. Allerdings soll das Horrorfilmkollektiv  Radio Silence hinter der Kamera verantwortlich zeichnen. Und deren letzter Film ‚Ready Or Not‘ hat mir sehr gut gefallen. Tonal kam der einem ‚Scream‘ auch durchaus nahe, von daher bin ich ganz guter Hoffnung in dieser Richtung. Braucht es einen fünften ‚Scream‘? Meiner Meinung nach eher nicht, aber ehrlich gesagt hätte man das auch schon spätestens über den Dritten sagen können…

 

Und das war es für heute. Wir sehen uns nächste Woche. Handelt bis dahin mit Bedacht, aber ohne Panik und vergesst vor allem das Händewaschen nicht!