Newslichter Ausgabe 49: Endspiel für Avatar, Augenklappendurcheinander und späte Zombies

Willkommen zu Ausgabe 49 des Newslichters. Diese Ausgabe fällt (relativ) kurz aus. Dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist es ziemlich heiß. Zum anderen habe ich gerade nicht wahnsinnig viel Zeit. Und vor allem ist das Sommerloch in den News derzeit derartig lochig, das vermutlich demnächst ein Urzeitmonster einzieht, das nur auf den verschwommensten Fotografien auftaucht und ebenso gut ein Stück Treibholz sein könnte, von seinen Fans aber dennoch liebevoll „Sommie“ getauft wird. Da bleibt nur zu hoffen, dass für die nächste Woche und damit die Ausgabe 50 Neuigkeiten von wahrlich titanischen Ausmaßen anstehen. Nun aber erst einmal zu den Neuigkeiten dieser Woche, die vielleicht nicht zahlreich aber hoffentlich dennoch unterhaltsam sind.

 

‚Endgame’s letzter Versuch ‚Avatar‘ zu stürzen

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18525930.html

Etwa 38 Millionen Dollar trennen das Einspielergebnis von Disneys ‚Avengers: Endgame‘ derzeit von dem von ‚Avatar‘, dem finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten*. 2,749 Milliarden Dollar bei den Superhelden und 2,787 Milliarden bei den blauen Außerirdischen. Bei Disney ist man aber ganz offensichtlich nicht bereit jetzt schon aufzugeben. Diesen Donnerstag kommt eine erweiterte Fassung von ‚Endgame‘ ins Kino mit einer Handvoll neuer Szenen und einem erweiterten Abspann (hurra?). Ob das reicht, um noch einmal knapp 40 Millionen in die Kassen zu spülen? Disney bräuchte ein paar mehr Hardcore Superfans. Wie einen jungen Mann aus den USA, der den Film bereits 112 Mal im Kino gesehen hat. Damit hat zumindest der es schon einmal ins Guinnes Buch der Rekorde geschafft und den vorigen Vielseher, der übrigens ‚Avengers: Infinity War‘ „nur“ 103 Mal im Kino geschaut hat, verdrängt. Sicher ist nur, dass es einer Frau vollkommen wurscht sein dürfte, ob die Rächer die Na’Vi nun schlagen, denn sie ist so oder so im erfolgreichsten Film aller Zeiten: Zoe Saldana spielt in beiden Filmen mit. Ach nee, nicht nur ihr kann es egal sein: nach dem Kauf von FOX gehört ‚Avatar‘ schließlich auch Disney.

* In einer inflationsbereinigten Liste ist ‚Vom Winde verweht‘ immer noch ganz vorne. Dann folgen die Cameron Filme ‚Avatar‘ und ‚Titanic‘ und der originale ‚Star Wars‘ auf Platz 4. Den wird ‚Endgame‘ von dort auch kaum verdrängen können.

 

Samuel L. Jackson auf dem falschen Auge blind

https://www.indiewire.com/2019/06/samuel-l-jackson-calls-out-spider-man-poster-nick-fury-eye-patch-1202152481/

Erst einmal eine gute Nachricht für mich: Sam Jackson hat meine Herausforderung von vor ein paar Wochen ganz offensichtlich nicht gesehen. Puh. Sein (offensichtlich nicht ganz ernst gemeinter) Zorn entlädt sich derzeit auf die PR Abteilung der Marvel Studios oder Sony Entertainment. Auf einem Promoposter zu ‚Spider-Man: Far From Home‘ ist die Augenklappe seines Charakters Nick Fury auf dem rechten, statt auf dem linken Auge zu sehen. Auf instagram fragt Jackson „Uhhhhhhh, What In The Actual FUCK IS GOING ON HERE???!!!“ und ergänzt die Hashtags #headsgonroll und #lefteyemuthafukkah. Ich nehme einfach mal an, er ist nicht wirklich verwirrt, was passiert ist, aber falls doch: irgendein Genie hatte im letzten Moment die Idee das Bild für das Poster zu spiegeln und hat dabei nicht über die Augenklappe nachgedacht. Sollte Col. Fury also das ernste Bedürfnis haben irgendjemanden mit Grimm zu strafen, sollte er diese Person ausfindig machen. Ich hätte aber noch ne viel tollere Idee: wie wäre es mit Postern, die wieder etwas mehr Kreativität mitbringen, als nur einen Darsteller auf den Betrachter zurückstarren zu lassen? Dann kommt’s auch nicht zu so arg faulen Photoshop-Desastern.

 

Danny Boyle schließt einen dritten ‚28 Days Later‘ Film nicht aus

https://www.slashfilm.com/third-28-days-later-movie-danny-boyle/

‚28 Days Later‘ war einer der Startschüsse für die scheinbar unendliche Welle an Zombiefilmen, die bislang das 21ste Jahrhundert heimsucht. Auch die Fortsetzung ‚28 Weeks Later‘ ist schon wieder 12 Jahre her. Doch hat Regisseur Danny Boyle nun verraten, dass er und Autor Alex Garland eine tolle Idee für einen dritten Film in der Welt der Zornzombies haben. Allerdings sagt er auch, dass Alex Garland (‚Ex Machina‘, ‚Auslöschung‘) derzeit mit seinen eigenen Regie-Tätigkeiten gut beschäftigt ist, von einem festen Plan also noch nicht die Rede sein kann. Aber wer weiß, mit unerwarteten, späten Sequels kennt sich Boyle spätestens seit ‚T2 Trainspotting‘ bestens aus. Ich meine, maulen werde ich natürlich trotzdem drüber, ist schließlich ein Zombiefilm und davon haben wir doch nun wirklich mehr als genug.

 

Taika Waititi arbeitet an animiertem ‚Flash Gordon‘

https://screenrant.com/flash-gordon-animated-movie-taika-waititi/

Seit seinem Hollywood Debüt mit ‚Thor: Tag der Entscheidung‘ ist der Neuseeländer Taika Waititi ein gefragter Mann. Nicht nur soll er die Regie bei der Realfilm-Version des Anime-Klassikers ‚Akira‘ übernehmen, soll einer der Regisseure der kommenden Star Wars Serie ‚Mandalorian‘ sein und hat sich vor kurzem aus einem (vermutlich todgeweihten) Animationsprojekt über Michael Jacksons Affen Bubbles zurückgezogen. Es sagt wohl einiges über Waititi aus, dass er bei all den Angeboten, die er zusätzlich dazu nicht angenommen hat, zuerst einmal seinen eigenen Film ‚JoJo Rabbit‘ umsetzen will. Zusätzlich zu all dem arbeitet er nun, in nicht gänzlich klarer Position, an einer animierten Umsetzung von ‚Flash Gordon‘. Die letzte Filmumsetzung des Serials aus den 30er Jahren floppte bei Erscheinen, hat sich inzwischen aber (völlig zu Recht) zu einem veritablen Kultfilm gemausert. Die Rechte an dem Stoff lagen seit einigen Jahren bei FOX, die allerdings nie so recht wussten, was sie damit anfangen sollen. Nun wo sie zu Disney gehören, scheint man dort eine gute Idee zu haben, in welchen Händen der Stoff ein Erfolg werden könnte.

 

Und das war es auch schon wieder. Denkt daran bei den derzeitigen Temperaturen genug zu trinken und wartet gespannt auf Ausgabe 50, die vermutlich nichts Besonderes bringen wird. Ich meine natürlich, die absolut überragend und großartig wirkt. Irgendwann muss ich mal einen Clickbait-Kurs belegen…

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‚Tschick‘ (2016) – „Ich fahr doch jetzt nicht zurück!“

‚Tschick‘ von Regisseur Fatih Akin ist eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Wolfgang Herrndorf. Ich kenne den zu Grunde liegenden Roman nicht. Ich kann den Film daher nur als Film beurteilen. Ich habe das Gefühl, ich muss das gleich am Anfang einführen. Denn ich habe mir nach dem Film noch den Audiokommentar zu einigen Szenen angesehen und aus diesem wurde sehr deutlich, dass es Akin und Kollegen sehr wichtig war, dem beliebten Roman gerecht zu werden. Man wollte nicht nur Herrndorfs Inhalt wiedergeben, man war offenkundig bemüht seine Prosa selbst in entsprechende Bilder zu fassen. Ich werde den Roman sicherlich demnächst nachholen (womit ich vermutlich schon meine Bewertung des Films vorweg genommen habe), doch im Moment beurteile ich ihn eben „nur“ als Film.

Der 14-jährige Maik (Tristan Göbel) stammt aus scheinbar gut situiertem Elternhaus. Hinter dieser Fassade bröckelt es aber gewaltig. Seine Mutter (Anja Schneider) ist alkoholkrank und sucht jeden Sommer eine Entzugsklinik auf. Maiks Vater (Uwe Bohm), vorgeblich erfolgreicher Immobilienmakler, hat die Grenze zur Insolvenz in Wahrheit längst überquert und verbringt den Sommer auf „Geschäftsreise“ mit seiner jungen Assistentin. Zur Schule geht Maik in Berlin Marzahn, wo er aufgrund seiner in sich gekehrten Art als „Psycho“ gilt. Dann kommt  der Russlanddeutsche Andrej „Tschick“ Tschichatschow (Anand Batbileg) in Maiks Klasse. Aus offenbar verwahrlosten Verhältnissen gilt der Junge mit den geklebten Schuhen und der Wodkaflasche in der Tasche sofort als „Assi“. Allerdings scheint mehr in ihm zu stecken. So schreibt er die einzige 1 der Klasse in einer Mathearbeit und bringt einen Schulhof-Bully durch einen geflüsterten Satz zum Schweigen. Die Sommerferien beginnen und zu seinem Entsetzen hat Maiks große Flamme ihn nicht zu ihrer Geburtstagsparty eingeladen. Dabei hat er nächtelang an einem Portrait von ihr gearbeitet. Plötzlich steht Tschick mit einem „geliehenen“ Lada vor der Tür und schlägt dem verdutzten Maik vor einfach auf die Party zu gehen, schon damit Maik sein Geschenk übergeben kann. Gesagt, getan. Danach stellt sich die Frage: warum nach Hause fahren, wo auf beide nichts wartet? Warum nicht in die Walachei? Tschick hat da einen Großvater. Und er weiß (so in etwa) wie man fahren muss.

Der Film beginnt dramatisch. Auf einer nächtlichen Landstraße mit umgestürztem Tiertransporter, einem brennenden Autowrack, koordiniert agierenden Feuerwehrleuten, unkoordiniert herumirrenden Schweinen und einem blutüberströmten Jungen, der nach „Tschick!“ ruft. So schafft Akin eine finstere Grundlage, bevor er uns in einen weit freundlicheren Film entlässt. Sattes grün, gelb und blau lässt an Sommerferien denken. Zwei Außenseiter begeben sich in ein Abenteuer, das ist die Grundlage nicht weniger Jugendbücher. Und es gibt viele Szenen, die genau damit spielen. Die Jungen spekulieren unter dem weiten Sternenhimmel, ob gerade auf einem fernen Planeten zwei Alien-Jungen dasselbe erleben wie sie. Haben Tiefkühlpizzen und Konservendosen (aber keinen Öffner) als Proviant mitgenommen. Fliehen vor wütenden Bauern und Dorf-Sheriffs. Haben bizarre Begegnungen mit „Adel auf dem Radel“ oder einer Familie, in der man sich den Nachtisch mit Antworten auf Fragen des Allgemeinwissens verdienen muss. Doch sind Traurigkeit und Finsternis nie ganz weit weg. Und sie scheinen immer dann schlagartig näher zu kommen, wenn die Jungs sich zu weit in die unverständliche Welt der Erwachsenen wagen. Wenn etwa Tschick in einer Nebelbank den Lada versehentlich auf die Autobahn lenkt, inszeniert Akin das wie einen Horrorfilm.

Wie in jedem guten Road Movie begegnen die Protagonisten einer ganzen Reihe von interessanten Charakteren. Die wichtigste darunter ist sicherlich die obdachlose Jugendliche Isa (Mercedes Müller), die, anders als die beiden Jungen, mit Prag ein sehr präzises Ziel hat. Anfangs wirft man sich Beleidigungen an den Kopf (die Jungs seien Idioten und Isa stinkt), doch ist sie nicht nur insofern hilfreich, als dass sie weiß, wie man Benzin aus dem Tank stiehlt. Sie wird zu einer mysteriösen Begleiterin, visuell repräsentiert durch eine Holzbox, die sie nie öffnet. Bald ist sie aus dem Film auch wieder verschwunden, ohne viele Fragen zu beantworten. Und doch ist danach wenig so wie vorher, was man womöglich auch über die Reise in die Walachei im Allgemeinen sagen kann. Im Zentrum des Films steht allerdings die Beziehung zwischen Maik und Tschick, die diese in beinahe jeder Szene neu evaluieren und neu justieren. Und genau hier liegt, meiner Meinung nach, Fatih Akins größte Stärke.

Seien es Sibel und Cahit aus ‚Gegen die Wand‘ oder Zinos und Illias aus ‚Soul Kitchen‘. Wenn Akin komplexe Beziehungen zweier Menschen beleuchtet, dann schafft er herausragendes Kino. Und in diese Reihe seiner besten Filme reihen sich auch Maik und Tschick problemlos ein.

Unterlegt wird das einerseits mit mehr oder weniger leiernden Richard-Claydermann-Kassetten, die die Jungen im Lada finden und vor allem vom Soundtrack des Briten Vince Pope. Dem gelingt es ähnlich wie Akin, in seinen oft leicht nach Italo-Western klingenden Melodien fröhliche Leichtigkeit mit einer immer vorhandenen Traurigkeit zu verbinden.

‚Tschick‘ scheint ein Film der glücklichen Fügungen zu sein. Akin hat sich bereits vor Jahren, noch zu Lebzeiten des 2013 durch Selbsttötung verstorbenen Herrndorf, um die Filmrechte bemüht, sie aber nicht bekommen. Der geplante Regisseur sprang aber 7 Wochen vor Drehbeginn ab, woraufhin Akin einen Anruf erhielt und begeistert annahm. Die Suche nach dem Darsteller des Tschick gestaltete sich als so schwierig, dass man unter anderem die mongolische Botschaft um Hilfe bat. Dort arbeitete Anands Vater, der seinem Sohn den ausgedruckten Castingaufruf ins Zimmer legte. Der hielt den für Müll und warf ihn weg. Ein Missverständnis, dass sich erst eine Woche später klärte. Eine Woche vor Drehbeginn war es auch, dass Fatih Akin mit seinem Sohn Tristan Göbel in einem Film sah und überzeugt war, dass der sein Maik sei. Durch den Darstellerwechsel hatte man nun das Problem, dass etwa 40 cm Unterschied in der Körpergröße zwischen Tristan und Anand herrschten. Daher musste das Bildformat des Films, trotz epischer Landschaftsaufnahmen, von 2,35:1 auf 1,85:1 ändern, um nicht einem von beiden immer im Bild den Kopf abzuschneiden.

Das war es allerdings wert. Tristan Göbel stellt die Verletzlichkeit, aber auch den tief sitzenden Zorn seines Maik ganz wunderbar dar. Wandelt von kindlicher Naivität zu erwachsener Skepsis mit scheinbarer Mühelosigkeit. Eine noch schwerere Aufgabe hat Anand Batbileg als Tschick, über den wir weit weniger erfahren, den wir in seinen Sätzen, oftmals aber auch dem Ungesagten dazwischen und in seinen Haltungen und Taten finden müssen, was er hier phänomenal  transportiert. Wenn ich das Buch lese, wird es mir vermutlich schwer fallen, andere Gesichter als diese zu sehen.

Wer sich übrigens, wie ich, an den Jugendfilm-Klassiker ‚Nordsee ist Mordsee‘ erinnert fühlt und, anders als ich, nicht bis zum Abspann warten möchte, ob es etwaige Verbindungen gibt: Hark Bohm, Regisseur von ‚Nordsee ist Mordsee‘ ist einer der Koautoren der Drehbuchadaption und sein Sohn Uwe, Hauptdarsteller in ‚Mordsee‘ spielt hier Maiks Vater. Die Parallelen sind folglich absolut gewollt.

Ein rundum gelungener Sommerfilm, ohne dabei finstere Töne gänzlich zu ignorieren. Akin gelingt hier genau das, was jedes gute Roadmovie erreichen möchte: dass man sich wünscht, die Fahrt möge noch etwas länger dauern, dass man noch etwas mehr Zeit mit diesen Charakteren verbringen darf. Und nicht nur weil man von Anfang an ahnt, was am Ende wartet. Die bestmögliche Fahrt in die Walachei.

Die 5 besten und schlechtesten Autos in Science Fiction Filmen

Es ist sicherlich nichts Neues, das ich eine gewisse Affinität zu futuristischen Vehikeln habe. Heute möchte ich mir daher die, meiner Meinung nach, 5 besten, aber auch die 5 schlechtesten Autos die es in Science Fiction Filme geschafft haben ansehen. Wenn ihr anderer Meinung seid, dann dürft Ihr die selbstverständlich in den Kommentaren kundtun. Ich habe übrigens Science Fiction recht frei ausgelegt. Sprich, die Filme müssen nicht unbedingt in der Zukunft spielen, aber gewisse SciFi Elemente mitbringen. Kurz gesagt, ‚Ghostbusters‘ und ‚Batman‘ zählen! Sparen wir uns weitere Vorreden und lassen die Motoren an.

Die 5 besten Autos in Science Fiction Filmen

  1. Tumbler aus ‚Dark Knight‘-Reihe

Ich muss zugeben, ich war reichlich skeptisch, als Christopher Nolan das schlanke, elegante Batmobil durch diese gepanzerte Monstrosität ersetzen wollte. Sicher, Maschinengewehre und Raketenwerfer sind nichts ganz Neues für den fahrbaren Untersatz des dunklen Ritters, aber wäre es nicht doch etwas zu martialisch? Letztlich passte es dann aber ganz wunderbar zu Nolans bodenständigerer Version des Charakters. Und wer hätte im Feierabendverkehr nicht schon einmal Jim Gordons Gedanken „I gotta get me one of those“ gehabt. Und sei es nur für ein paar Sprünge.

  1. Ecto-1 aus ‚Ghostbusters‘

Das Ecto-1 ist eines dieser Fahrzeuge, die man weder optisch noch akustisch je wieder vergisst. Im Grunde ist es ein Cadillac Meteor Miller von 1959, der für gewöhnlich Einsatz als Krankenwagen, oder aber als Leichenwagen gesehen hätte. Ray Stantz kauft ihn quasi schrottreif und völlig überteuert. Doch, nach allerlei Reparaturen, neuem Lack, allerlei Geisterjagd-Gadgets als Dachaufbauten und vor allem mit der merkwürdig weinerlichen Sirene kommt ein Fahrzeug heraus, dass nicht nur im New York der 80er allerlei Aufmerksamkeit auf sich zieht. Fun Fact: Das Ray relativ viel für den Wagen bezahlt, spiegelt die Realität wieder. Während der Planung sollte ein alter Meteor Miller noch 1600 Dollar kosten, als man soweit war einen zu kaufen, waren die Preise auf beinahe 5000 Dollar gestiegen.

  1. Pursuit Special aus ‚Mad Max‘-Reihe

Vermutlich eines der ikonischsten Fahrzeuge in der Science Fiction überhaupt. Ein schwarzer Ford Falcon XB GT von 1973, der für den postapokalyptischen ersten Film allerlei Modifikationen erhielt. Die auffälligste darunter ist sicherlich der Kompressor, so riesig, dass er martialisch durch die Motorhaube ragt. Im Film gilt „Mad“ Max Rockatanskys Fahrzeug als der letzte 8-Zylinder der der Welt. Im nächsten Film ließ sich bereits am Auto absehen, dass die Zeiten noch weit schlechter geworden sind. Weg ist die Kofferraumklappe, um Platz zu schaffen für zwei Benzinfässer, die Max im Niemandsland am Fahren halten. Hier wird der Wagen denn auch zerstört. Im dritten Film kommt das Fahrzeug nicht vor, in ‚Fury Road‘ hat es nur einen Kurzauftritt, wird es von den Warboys gestohlen und schließlich zwischen zwei größeren Fahrzeugen zerquetscht. Das Max offenbar wieder einen 8-Zylinder zur Verfügung hatte wirft (wie vieles andere) Fragen auf, ob es sich um ein Sequel oder doch ein Reboot handelt.

  1. Delorean DMC-12 aus ‚Zurück in die Zukunft‘

Die ‚Zurück in die Zukunft‘ Reihe ist der einzige Grund, warum sich noch irgendjemand an John DeLoreans merkwürdiges Auto aus den frühen 80ern erinnert. Na gut, das und die Flügeltüren. Niemand wollte das vom italienischen Designer Giorgetto Giugiaro entworfene Fahrzeug wirklich haben. Genau genommen hat Giugiaro an DeLorean einen Entwurf übergeben, der vorher von Porsche abgelehnt wurde. Und doch hat dieses merkwürdige Edelstahlauto etwas an sich, was erstaunlich laut 80er schreit. 1982 wurde die Produktion eingestellt. Wenn Doc also 1985 eine Zeitmaschine aus einem DeLorean baut, ist Martys überraschte Frage durchaus angemessen. Wie viel Anteil die Filme daran haben, dass von nur 9000 verkauften Exemplaren noch etwa 6000 erhalten sind, ist natürlich fraglich. Aber es würde mich nicht wundern, wenn in die meisten dieser 6000 Pseudo-Flux-Capacitors eingebaut wären. Wenn schon Zeitreisen, dann mit etwas Stil.

  1. Spinner aus ‚Blade Runner‘

Ein absolutes Meisterwerk des Produktionsdesigns von Syd Mead. Die fahr-, schweb- und flugfähigen Vehikel aus Ridley Scotts faszinierender Dystopie schienen in ihrer ganz eigenen Welt zu existieren. Ebenso imposant wie stilsicher fühlten sie sich als Fahrzeuge einer futuristischen Polizeibehörde einfach „richtig“ an. Natürlich existierten sie nicht lange in ihrer eigenen Welt. Denn Mead hat hier einen Meilenstein geschaffen und in jedem futuristischen Flugfahrzeug in späteren Filmen steckt sicherlich ein gutes Stück des Spinners. So gibt es direkte Hommagen etwa in ‚Das fünfte Element‘ oder den Star Wars Prequels. Mindestens 2 der 25 fahrfähigen Spinner, die für ‚Blade Runner‘ produziert  wurden, stehen übrigens in heftig modifizierter Form im Hintergrund von Hill Valley des Jahres 2015 in ‚Zurück in die Zukunft II‘.

 

Die 5 schlechtesten Autos in Science Fiction Filmen

  1. Alle Autos aus ‚A.I.‘

Die Designer dieses  eher umstrittenen Spielberg-Films haben sich ganz offensichtlich von Syd Mead inspirieren lassen. Allerdings nicht von seinem Spinner, sondern von seinen Entwürfen zu ‚Tron‘. Wenn man allerdings ‚Tron‘-Fahrzeuge nimmt und sie, samt leuchtenden Neonstreifen und abgerundeten Formen aus einer Computerwelt herausnimmt und sie durch eine reale Welt fahren lässt, tja, dann sehen sie leider auf einmal reichlich albern aus. Möglicherweise war genau das auch das Ziel, aber sei es wie es will, mich hat’s aus dem Film gerissen (in dem ich ohnehin nicht besonders tief drin war).

  1. Johnny Cab aus ‚Total Recall‘

Man stelle sich das mal vor: ein autonom fahrendes Auto, dem man einfach sagt wo man hin möchte und dann fährt es los. Okay, wirklich Science Fiction ist das kaum noch. Höchstens deswegen noch, weil dieses Auto auf dem Mars fährt. Oh, und bislang haben wir darauf verzichtet den virtuellen Fahrer durch eine Plastikfigur darzustellen, die beim Fahren vor sich hin pfeift und mit den Augen rollt, wenn der Fahrgast „dumme“ Fragen stellt. Oder versucht ihn zu überfahren, wenn er das Fahrgeld nicht bezahlt. Kurz, die Fahrer KI möglichst unerträglich zu gestalten. Sollte jemals jemand auf diese Interessante Idee kommen, hoffe ich, dass Arnie die erste Fahrt in diesem neuen Auto bekommt. Fun Fact: Die Plastikfigur ist Robert Picardo nachempfunden, der Johnny im Original auch spricht. Picardo würde später einen virtuellen Doktor an Bord der Voyager in der gleichnamigen Star Trek Serie spielen. Vermutlich fuhr er also nur virtuell Taxi, um sich sein virtuelles Studium virtuell zu finanzieren.

  1. Alle 2004-Fahrzeuge aus ‚Time Cop‘

Nachdem 1994 das Zeitreisen entdeckt wurde, muss in den nächsten 10 Jahren beim Design von Automobilen einiges schiefgegangen sein. Weil man im weit entfernten Jahr 2004 auf solchen Blödsinn  wie Windschutzscheiben verzichtet (wer muss schon rausschauen beim Fahren), konnte man sich offensichtliches Gedöns wie Scheinwerfer ebenfalls sparen. Kurz, die Autos von 2004 sehen aus wie ein Barren Metall, der an beiden Seiten abflacht und an den dann Schutzpanele von X- und Y-Wings gelötet wurden. Natürlich besteht die Zeitmaschine dieses Films aus einem Raketenschlitten, der den Zeitreisenden in eine Betonwand ballert. Es ist also gut möglich, dass der Film in einem Paralleluniversum spielt, in dem letale (vor allem für alle anderen) Dosen von Kokain für Ingenieure zur Pflicht wurde. Entworfen wurden die Fahrzeuge übrigens von Syd Mead, der damit eindrucksvoll beweist, dass wirklich jeder mal einen schlechten Tag hat.

  1. RoboCops Wagen aus ‚RoboCop‘

RoboCops Dienstwagen ist ein mattschwarz lackierter 80er Jahre Ford Taurus. Das ist alles. Die einzigen Modifikationen sind Sirene, typischer Polizeilicht-Balken auf dem Dach und ein Gitter zwischen Vorder und Rücksitzen. War hier die Kreativität ausgegangen? Wollte Paul Verhoeven mit der völligen Normalität des Fahrzeugs etwas aussagen? Die Wahrheit ist, es war ein „Robo-Mobil“ geplant, mit allerlei Anbauten und Sonderausstattung. Doch musste Verhoeven an dem Tag, als das Fahrzeug zum ersten Mal ans Set fuhr, feststellen, dass ein Großteil der Crew in spontanes Gelächter ausbrach. Das Ding sah so albern aus, dass es nicht zu verwenden war. Es musste also schneller Ersatz her. Da soeben Fords neuer Taurus erschienen war, wurde dieses, nicht futuristische, aber wenigstens aktuelle Auto zum offiziellen Fahrzeug der Polizei des dystopischen Detroits im Film. Und damit auch zu RoboCops. Bei Ford war man übrigens gar nicht glücklich sein brandneues Modell in einer gewalttätigen, zynischen Dystopie zu sehen. Damit dürfte Verhoeven hier das Gegenteil von bezahltem Product Placement gelungen sein.

  1. James Bonds unsichtbares Auto aus ‚Stirb an einem anderen Tag‘

Ein Auto so schlecht, dass es zu einem weichen Reboot der James Bond Serie geführt hat. Da kann der zugrunde liegende Aston Martin V12 Vanquish erst einmal nichts dafür. Das Problem ist eines der Gadgets die Q in das Fahrzeug einbaut: die Unsichtbarkeit. Natürlich wird das Auto nicht wirklich unsichtbar, das wäre ja albern. Nein eine Reihe von Kameras filmt die Umwelt und das Auto kann diese dann, mittels Bildschirmen,  als Tarnung adaptieren. Im Film sieht das dann aus wie ein schlechter Computereffekt der frühen 2000er. Und genauso sieht auch eine Verfolgungsjagd durch einen Eispalast aus, der von einem Satellitenlaser eingeschmolzen wird. Eine Szene, die visuell noch dümmer ist, als ihre Beschreibung klingt. Da kann auch ein Aston Martin nichts mehr herausholen.

So, jetzt dürft Ihr mir sagen, wie falsch ich liege und Eure eigenen Top 5en abgeben. Ich bin gespannt.

 

Newslichter Ausgabe 48: Jesus Quintana, gratis Streaming und ein pöbelnder Enterprise-Captain?

Willkommen zu Ausgabe 48 des Newslichters. Was für eine Woche, nicht wahr? Ein Film wurde beinahe zum Kriegsgrund. Zum Glück nicht die Art von Film, mit der wir uns hier beschäftigen. Wir kümmern uns hier um die wirklich wichtigen Dinge. Etwa, dass Emma Thompson, laut eigener Aussage, bei Disney angefragt hat, ob sie in Star Wars auftreten dürfe und ein „nein“ zur Antwort bekommen hat. Sach ma Disney, geht’s noch? Hat’s geklingelt? Wenn Emma Thompson fragt, ob sie in Deinem „wasauchimmer“-Film sein darf, dann antwortest Du mit ja! Ich meine, was glaubst Du passiert? Dass sie ihn schlechter macht? Wohl kaum. So, damit habe ich die übliche Disney-Kritik für diese Woche erledigt, Zeit zu den echten News zu kommen.

 

‚Black Christmas‘ Remake von Blumhouse

https://screenrant.com/blumhouse-black-christmas-remake-2019-release/

Und hier ist die quasi allwöchentliche Nachricht, welchen Horrorfilm das Studio Blumhouse remaken möchte. Diesmal hat es den kanadischen Film ‚Black Christmas‘ (ich verwende den Originaltitel, der ist handlicher als ‚Jessy – Treppe in den Tod‘) von 1974 erwischt. Der gilt als einer der Vorläufer des Slasherfilms. Es ist das zweite Remake des Films. Das Letzte ist von 2006 und zu Recht weitgehend vergessen. Vielleicht wird sich dieser ja besser schlagen, wobei das zentrale Element der unheimlichen Telefonanrufe in Zeiten von Smartphones, Caller-IDs und Nummernsperren etwas archaisch wirkt. Regie soll Sophia Takal übernehmen (Segment in ‚V/H/S‘) und Imogen Poots (‚Green Room‘) die Hauptrolle übernehmen. Der Film soll noch dieses Jahr, pünktlich zu Weihnachten in die Kinos kommen.

 

‚The Big Lebowski‘ Spinoff

https://screenrant.com/john-turturro-big-lebowski-spinoff-going-places-done-filming/

Seit Jahren hielten sich Gerüchte um ein ‚The Big Lebowski‘ Spinoff, das sich um seine Bowling-Nemesis Jesus Quintana drehen soll. Nun scheint es konkret zu werden. Die Coen Brüder haben mit der ganzen Sache offenbar nichts zu tun. Quintana Darsteller John Turturro wird nicht nur die Hauptrolle spielen sondern ist auch Autor und Regisseur. Dabei soll der Film ein loses Remake des französischen Films ‚Die Ausgebufften‘ (1974) von Bertrand Blier werden. Vermutlich vor allem insofern, als das ein paar Lebenskünstler durch ihren Alltag treiben. Turturro bezeichnet den Film als „gewagt“, aber auch eine „menschliche Komödie“ darüber wie dumm Männer sein können. Weitere bestätigte Darsteller sind Bobby Cannavale und Audrey Tautou. Ich muss zugeben, für mich klingt das vor allem so, als wolle Turturro ein Remake des Depardieu-Films drehen und nutzt die Verbindung zu Lebowski als praktische PR für das Projekt. Ob das nun was Gutes oder was Schlechtes heißt, wird sich erst noch zeigen müssen. But you know, well, that’s just like my opinion, man!

 

Tarantinos *piiieeep* Star Trek Film

https://screenrant.com/quentin-tarantino-star-trek-r-rated/

Quentin Tarantino hat einige Diskussion im Internet losgetreten, mit seiner Aussage in einem Interview mit Empire, dass in seinem geplanten Star Trek Film geflucht werden würde. Nach dem mäßigen Erfolg des in meinen Augen gelungenen ‚Star Trek Beyond‘ wurde ein vierter Star Trek Film der neuen Crew gecancelt. Tarantinos Projekt scheint hingegen außerhalb jeder Trek Kontinuität zu existieren. Ehrlich gesagt habe ich Schwierigkeiten allzu große Gefühle in die eine oder andere Richtung in Hinblick auf Gefluche in Star Trek zu entwickeln. Ich bin sicher, wenn er sich in seinen Ruheraum zurückgezogen hatte, wird Picard gelegentlich das eine oder andere über den ollen Riker gesagt haben, das wir halt nur nicht mitbekommen haben. ABER: es ist natürlich klar, dass sich jede Science Fiction ihre eigenen albernen Fluchworte ausdenken muss. Oder wenigstens chinesische benutzen. Ansonsten ist das ein frakking 狒狒屁股, wenn nicht gar Bantha poodoo für übelste Smegheads und Nerfherder! Drokk, nochmal! Verschlumpfte Schlumpfe… nee, Moment.

 

IMDB TV bald auch in Europa

https://www.golem.de/news/amazons-imdb-tv-kostenloser-video-streaming-dienst-kommt-nach-europa-1906-141967.html

Amazon will seinen werbefinanzierten Streaming-Dienst „IMDB TV“ bald auch in Europa und damit natürlich auch in Deutschland anbieten. Bislang läuft der Dienst nur in den USA und dort unter dem Namen IMDB Freedive. Mit der Expansion nach Europa sollen sich ebenfalls die Inhalte verdreifachen (derzeit gut 500 Filme und 275 Serien). Trotz des Namens wird der Dienst wenig mit der bekannten Filmdatenbank IMDB (die ebenfalls Amazon gehört) zu tun haben. Eine Gebühr fällt für den Dienst nicht an. Dafür gibt es pro Film (ob je nach Dauer, oder abhängig von gezahlten Lizenzen, weiß ich nicht) 5 bis 12(!) Unterbrechungen für Werbeblöcke. Ob dieser Dienst sich für ein Publikum als attraktiv erweist, das bisher vor allem aufgrund von Kosten auf Streaming verzichtet hat, wird sich zeigen müssen. Das Angebot mit Klassikern wie ‚Blade Runner‘ bis zu aktuellen Filmen wie ‚La La Land‘ klingt zumindest interessant, fraglich ist, ob sich die Qualität der Filme über 12(!) Werbeblöcke aufrecht halten lässt.

 

Das war es auch schon wieder für diese Woche. Aber wir sehen uns nächste Woche genau hier wieder. Versprochen.

 

 

Reisetagebuch: ‚Shoplifters‘ (2018)

Filmreisechallenge #05: schaue einen Film aus einem asiatischen Land

Auf der ganzen Welt hatte Regisseur Hirokazu Koreedas ‚Shoplifters‘ großen Erfolg mit seinem intensiven, gefühlvollen Blick darauf, was eine Familie eigentlich ausmacht. In seiner Heimat Japan sah er sich allerdings auch scharfer Kritik ausgesetzt. Dass er Gelder der japanischen Filmförderung verwende um „die Schande Japans zu zeigen“ und gar „kriminelle Handlungen zu glorifizieren“. Dem würde ich entgegenhalten, dass eine Filmförderung, die nur erlaubt das eigene Land im besten Licht zu zeigen, keine gute wäre. Und glorifiziert er wirklich Kriminalität? Schauen wir mal.

Irgendwo in der Millionenmetropole Tokio lebt die Patchwork-Familie Shibata. „Vater“ Osamu (Lily Franky) ist Tagelöhner auf einer Baustelle. „Mutter“ Nobuyo (Sakura Ando) arbeitet in einer industriellen Reinigung. Die 18jährige Aki (Mayu Matsuoka) ist Animierdame in Schulmädchenuniform. „Großmutter“ Hatsue (Kirin Kiki), in deren winzigem Haus voller Trödel die Gruppe lebt, bestreitet einen Großteil des Unterhalts mit ihrer Witwenrente. Auch der 10jährige Shota (Kairi Jo) trägt seinen Teil bei, wenn er mit Osamu auf Ladendiebstahltour geht. Als sie in einer kalten Winternacht von einer solchen zurückkommen, entdecken sie die 5jährige Yuri (Miyu Sasaki) ausgesperrt auf einem Balkon. Sie nehmen sie mit, geben ihr zu essen und als sie sie zurückbringen wollen, halten sie ein lautstarker Streit von Yuris Eltern und Spuren von Misshandlungen an dem Kind davon ab. Bald werden Yuri die Haare geschnitten und als „Lin“ ist sie nun Teil der Shibatas.

Mir fällt erst jetzt, beim Schreiben auf, wie schwer es mir eigentlich fällt, den Film sauber in ein Genre einzuordnen. Eingangs habe ich ihn „Koreedas Blick darauf, was eine Familie ausmacht“ genannt und das trifft es auch sehr gut. Das lässt den Film nun aber nach einem reinen Essay-Film klingen, in dem die Figuren reine Chiffren sind, die die unterschiedlichen Ansätze vortragen. Nichts könnte aber weiter von der Wahrheit entfernt sein. Die Figuren sind absolut glaubwürdig und aufrichtig geschrieben und gespielt. Koreeda erzählt ruhig und einfühlsam eine Geschichte, die sicher auch als Thriller funktioniert hätte. Schließlich geht es zentral ja um Kindesentführung und, wie man im Film aus dem Fernsehen erfährt, werden Yuris Eltern auch noch verdächtigt sie umgebracht zu haben. Diese Aspekte unterschlägt Koreeda zwar keineswegs, doch er begegnet ihnen, wie allem anderen, als wohlwollend-unaufgeregter Erzähler.

Seine Antwort auf die Frage, was denn nun eine Familie ausmache ist denn auch eine durchaus komplexe. Blut, sprich Biologie allein reicht ihm als Antwort ganz offensichtlich nicht aus. Viele der Shibatas würden wohl antworten: Geld. Hatsue etwa bezeichnet ihre Witwenrente als „Schmerzensgeld“, was einen Hinweis auf das Leben mit ihrem Mann geben dürfte. Doch setzt der Film die liebevollen Beziehungen der Shibatas untereinander doch in strikten Gegensatz zur rein finanziellen, von digitalem Piepsen begrenzten Intimität etwa von Akis Job. Familie, das ist einerseits etwas, das man sich jeden Tag erarbeitet, in diesem Zusammenhang ist Osamus späte Erklärung, warum er den Kindern das Stehlen beibringt ebenso logisch wie tragisch, andererseits ist sie etwas, das man unerwartet geschenkt bekommt. Und, auch das verschweigt der Film nicht: Familie bedeutet auch Lügen oder zumindest unausgesprochene Wahrheiten.

Japan, so scheint es zumindest mir als weit entferntem Kommentator, scheint eine Gesellschaft, die sehr auf das Funktionieren des Individuums im großen Ganzen ausgelegt ist. Die Familie als Einheit scheint darunter besonders zu leiden und so ist das Thema der dysfunktionalen Familie und daraus erwachsend einer neu gewählten familiären Einheit kein ganz seltenes in der Kunst. Satoshi Kons großartiger Weihnachts-Anime ‚Tokyo Godfathers‘ sei in dem Zusammenhang erwähnt, oder auch Takeshi Kitanos Sommermärchen ‚Kikujiros Sommer‘. Koreedas Ansatz ist sicher analytischer und bodenständiger aber von ähnlich wohlwollender Fröhlichkeit geprägt, ohne die zu Grunde liegende Finsternis auszublenden.

Bevor wir zum Herz des Films, den Darstellern, kommen, sei noch Kondo Ryutas virtuose Kameraarbeit erwähnt. Sie macht Oma Hatsues Haus von einem anfänglich winzigen, geradezu klaustrophobisch vollgestellten Raum, der mehr Menschen zu enthalten scheint als eigentlich möglich sein sollte, zu einem heimeligen Ort. Zu einem brüchigen Rückzugsort, der zwischen gleichförmigen Apartmenthäusern zu verschwinden droht. Auch schafft er es ohne jeglichen Sensationalismus Momente zu schaffen, die in Erinnerung bleiben werden. Sei es die ganze Familie, die während eines Feuerwerks auf den schmalen Streifen Himmel, der vom Haus aus zu sehen ist schaut, obwohl Osamu schon ganz zu Anfang feststellt man könne nichts sehen, nur hören. Oder wenn er ein schweres Unglück in ein paar davon rollenden Orangen einfängt.

Bei den Darstellern ist es nicht einfach jemanden herauszustellen. Lily Franky als ewiger Verlierer und dennoch liebevoller Vater Osamu ist sicherlich so etwas wie der Hauptcharakter und seine Beziehung zu den Kindern, insbesondere Shota ist faszinierend. Sie scheint wunderbar zu funktionieren, nur jedes Mal, wenn Shota Osamu „Papa“ nennen soll wird es schwierig… Die Kinderdarsteller für ihren Teil sind sehr gut, insbesondere Miyu Sasakis quasi wortlose Lin. Das führt mich dann doch zu einer Darstellung die ich herausheben möchte. Sakura Ando als Nobuyo ist großartig in einer recht komplexen Rolle. Ihre Erklärung an Yuri/Lin, dass jemand der sie liebt sie nicht schlägt und jemand der sie schlägt das nicht aus Liebe tut, hat mich mehr umgehauen, als beinahe jede andere Szene, die ich in letzter Zeit gesehen habe.

Oh, nun habe ich vor lauter Begeisterung über den Film glatt vergessen die eingängliche Frage, ob der Film nun kriminelles Verhalten verherrliche, zu beantworten. Möglicherweise konntet Ihr die Antwort zwischen den Zeilen entdecken, ansonsten müsst Ihr den Film eben selbst schauen und Eure eigene Antwort finden. Vermutlich wäre das ohnehin eine gute Idee, denn, zumindest das ist hoffentlich deutlich geworden, mich hat der Film zutiefst begeistert.

Alan Smithees falsche Freunde: Hollywood und Pseudonyme

Vor einem guten Jahr haben wir uns das berühmteste Pseudonym Hollywoods, Alan Smithee, genauer angeschaut. Der gar nicht mal so gute Alan ist aber bei Weitem nicht das einzige Pseudonym, das in der Traumfabrik Verwendung findet. Im Folgenden werfen wir einen Blick auf unterhaltsame und weniger unterhaltsame Verwendungen von Pseudonymen. Ziel ist dabei nicht die vollständige Abdeckung verwendeter Pseudonyme, sondern einen Überblick zu schaffen, über die verschiedenen Gründe, warum sie verwendet werden. Weiterlesen