Fandom und ‚Ghostbusters‘ (und ‚Star Wars‘)

So lange ich denken kann, hätte ich mich als Fan von irgendetwas oder irgendjemandem bezeichnet. Der Zyniker könnte vielleicht auch sagen, ich wurde seit frühester Kindheit zum braven Konsumenten erzogen. Brechen wir es auf Dinge herunter die irgendetwas mit Film zu tun haben, landen wir in meinem Vorschulalter bei den „Masters of the Universe“. Die Figuren fand ich toll, die Serie okay, es waren hier vor allem die Hörspiele, die mich abgeholt haben. Peter Pasetti gab einen bedrohlicheren Skeletor als man irgendwo sonst finden konnte. Und dann kamen die ‚Ghostbusters‘ und ‚Star Wars‘ und anders als die „Masters“ gingen die auch nie wieder weg.

Obwohl es keine neuen Filme gab, waren die 90er eine wilde Zeit um ‚Star Wars‘ Fan zu sein. Grandiose Video-/und Computerspiele! ‚Tie Fighter‘! ‚Jedi Knight‘! Mehr Comics und Romane als ein überschaubares Taschengeld jemals realistisch finanzieren könnte, aber da hilft eine gut sortierte Bücherei. Und nein, es war nicht alles toll im Expanded Universe, man könnte vermutlich argumentieren, eine Menge war echter Schwachsinn, der wurde aber ausgeglichen durch so etwas wie die Sequel-Trilogie von Timothy Zahn, der unter anderem Coruscant erfand. Und Klone mit zwei u, aber das ist ein anderes Thema. Es war toll die Filme dann sogar als Special Editions im Kino sehen zu können. Nein, die angeflanschte CGI war damals schon nicht toll, konnte die Filme aber kaum beschädigen. Und dann war es soweit. ‚Die dunkle Bedrohung‘ stand 1999 endlich an. Vorbereitet von tollen Trailern und der Erwartungshaltung von 16 filmfreien Jahren. Ich habe in meiner langen Zeit des Filmschauens tatsächlich noch nie und nie wieder eine derartige Fallhöhe zwischen Erwartung und Reaktion auf den Film erlebt. Ich war wie vor den Kopf gestoßen. Und von dem Moment an wurde das ‚Star Wars‘ Fandom eines gefühlt unendlicher Streiterei.

Wie gemütlich war dagegen das ‚Ghostbusters‘ Fandom. Hier war eigentlich jedem klar, dass das Franchise, wenn nicht tot, so doch in einem sehr tiefen Koma war. Es war ein Franchise der Rückschau, für das man sich schon in den späten 90ern ein wenig nostalgisch fühlen konnte. Sicher, 1997 gab es die ‚Extreme Ghostbusters‘ Serie, aber die hat kaum jemand gesehen und für eine echte Revitalisierung des Franchises sorgte sie nicht. Tatsächlich war ich aber derart ‚Ghostbusters‘ Fan, dass ich 2002 etwas verfasste, was im weitesten als „Fanfiction“ bezeichnet werden könnte. Das war vorher auch noch nicht vorgekommen. Ich hatte gehofft meine damaligen geistigen Ergüsse hier direkt einfügen zu können. Und irgendwo müssen die auch noch sein. Auf irgendeinem der dutzenden USB-Sticks, die in einem Blumentopf links von mir liegen. Ich… ich verrate hier zu viel über meine (-n Mangel an) Organisation, oder? Aber ich bin zu faul zum suchen. Also rekreiere ich das jetzt live hier für Euch.

Geschrieben habe ich es kurz nachdem ich Gore Verbinskis ‚Ring‘ Remake im Kino gesehen habe. Die Idee ist ein Teaser-Trailer für einen neuen ‚Ghostbusters‘-Film. Das Bild blendet auf und wir sehen einen ausgeschalteten Fernseher. Plötzlich geht er an und wir sehen durch das statische Rauschen (fragt Eure Eltern) verstörende Bilder. Und plötzlich die ikonische Szene, in der Samara/Sadako aus dem Bild kriecht. Doch was ist das? Wir hören viermal das typische Hochfahrgeräusch der Protonenpäckchen. Samara/Sadako blickt überrascht auf, das Haar rutscht ihr aus dem Gesicht und ihr Gesichtsausdruck erinnert an Gross‘ ‚Ghostbusters‘-Symbol. Da schießen auch schon von allen vier Rändern die Neutrinostrahlen ins Bild. Eine Falle rollt herein, Samara/Sadako wird hineingezogen. Wir hören Bill Murray als Peter Venkman: „Ray? Next time I choose the movie!“ Schwarzblende, ‚Ghostbusters‘-Symbol, Ray Parker jr. Song!  Ich hatte noch Alternativversionen mit Sprüchen der anderen Geisterjäger, aber an die erinnere ich mich nicht mehr. Ich glaube Egon war fasziniert, dass man Geister magnetisch speichern kann. Und ja, so weit ist es jetzt schon mit dem ‚Ghostbusters‘ Monat, ich schreibe über von mir ausgedachte Medien…

2009 folgt ‚Ghostbusters: The Video Game‘. In diesem Spiel übernahm der Spieler die Rolle eines „Rookies“ im etablierten Geisterjäger-Team. Für meinen Geschmack rollte das Spiel die Ivo Shandor-Geschichte zu sehr wieder auf und auch das Gameplay wurde eintönig, lange bevor das Spiel vorbei war. Das war aber alles nicht das Entscheidende. Es war den Machern bei Terminal Reality gelungen alle vier Darsteller als Sprecher für ihre Rollen zu gewinnen. Sogar Bill Murray, der ansonsten nichts mit ‚Ghostbusters‘ zu tun haben wollte. In nicht geringem Maße dürfte dieses Spiel dafür verantwortlich sein, dass Sony „Ghost Corps“ gegründet hat. Eine Produktionsfirma, die einzig mit der Wiederbelebung des Geisterjäger Franchises beauftragt ist. Nach einigem Hin- und Her und einer Tragödie (mehr dazu demnächst) war jedoch klar, dass es keinen Film mit der alten Besetzung geben würde. Stattdessen würde Paul Feig ein „genderswapped Reboot“ drehen. Das sorgte für Enttäuschung und erstes Gemurmel im Fandom. Zur Explosion kam es, als der erste Trailer zu dem Film auf Youtube erschien.

Es ging ein wahrer Hagel an negativer Kritik nieder. Aber, und hier ist das Problem, es kristallisierte sich alsbald heraus, dass das lauteste Geschrei nicht etwa Kritik an der Qualität des Trailers oder der potentiellen Qualität des Films war, sondern misogynes Gebrüll mit dem idiotischen Tenor, das „Frauen keine ‚Ghostbusters‘ sein könnten“. Von den Kommentaren des Trailers, der alsbald zum am meisten „gedislikten“ Filmtrailer aller Zeiten wurde, verlegte sich die Kritik auf die sozialen Medienkanäle der Darstellerinnen. Insbesondere Leslie Jones bekam hier Vergleiche zu lesen, die ich nicht wiederholen möchte. Währenddessen dürften sich die anonymen Marketing-Ghule, die für den Trailer verantwortlich zeichneten, die Schultern wundgeklopft haben, ob so viel „interaction“. Die Reaktion folgte stehenden Fußes und alsbald wurde alle Kritik an Trailer oder Film als frauenfeindlich ausgelegt. Selbst die Tatsache, dass man kein Interesse an dem Film habe, wurde als Sünde ausgelegt. Ideologische Gräben hatten sich im Fandom (zu dem plötzlich jeder meinte zu gehören) aufgetan. Und dazwischen nichts als Stacheldraht und der unerträgliche Gestank eines gigantischen Shitstorms.

Dabei sind zwei Dinge wahr. Das erste und wichtigere: die misogynen und teilweise rassistischen Angriffe auf die Darstellerinnen, sowie Beleidigungen und Drohungen gegen Feig sind unerträglich und widerwärtig und sicherlich in keiner Weise mit „Fantum“ zu entschuldigen. Das zweite ist: der erste Trailer war wirklich, wirklich miserabel. Nur Stunden nach seinem Erscheinen konnte man einen umgeschnittenen Fantrailer finden, der weit besser als der offizielle funktionierte. Tatsächlich war der erste Trailer so schlecht, dass ich mich fast frage, ob das ganze Chaos nicht von den oben erwähnten Marketing-Ghulen genau so eingeplant war. Dafür spricht auch, dass es im Film mehrere Szenen gibt, die sich damit befassen, dass die ‚Ghostbusters‘ auf Youtube oder reddit fiese Kommentare bekommen. Ich weiß nicht, ob diese Szenen als Reaktion nachgedreht wurde, aber ohne die reale Welt ergäben sie wenig Sinn.

Jedenfalls war das wieder einer dieser Momente, in denen ich nicht mehr Teil eines Fandoms sein wollte. Wie damals als ‚Episode I‘ erschien. Da war erst die Enttäuschung des Films und, in diesem Fall in Ermangelung von sozialen Medien erst Jahre später, die Information, dass es auch schon damals zahllose Drohungen gegen den Jar Jar Binks Darsteller Ahmed Best und Jake Lloyd gegeben hat. Und ganz ehrlich, mit jemandem, der von irgendeinem Film derart wütend gemacht wird, dass er meint einem Kind (oder irgendjemandem sonst) drohen zu müssen, will ich eigentlich nichts zu tun haben.

Die Wogen glätteten sich allerdings alsbald auch wieder. Denn wenn das Internet eines nicht besitzt, dann ist es eine lange Aufmerksamkeitsspanne. Die Shitstormwolke und ihre Stormchaser zogen weiter zu ‚Star Wars‘ oder dem neuesten Marvel-Film oder wohin auch immer. Das Reboot wurde kein großer Erfolg, was allerdings am Ende weniger an mangelnden Kinogängern in Folge des Shitstorms, sondern einfach daran lag, dass der Film im wichtigen chinesischen Markt, von einigen Kinos in Hongkong abgesehen, nicht gezeigt wurde. Weil dort der kulturelle Umgang mit Geistern ein anderer ist und weil ohnehin kaum jemand die alten Filme kennt.

Heute scheinen auf Fanveranstaltungen Fans der alten ‚Ghostbusters‘ und Fans des Reboots, die es durchaus gibt, friedlich miteinander zu existieren. Und das versöhnt mich wieder mit dem ‚Ghostbusters‘-Fandom. Und bringt mich zu einer allgemeineren Aussage: können wir Fandom vielleicht als etwas sehen, was Quell der Freude anstatt Anlass zum Streit ist. Kinder die mit den ‚Star Wars‘ Prequels aufgewachsen sind, sind nun erwachsen und haben ihre Vorliebe für die Filme. Und das ist völlig in Ordnung. Es ist okay einen Film zu mögen. Ja, auch die Disney-‚Star Warse‘. Genauso ist es in Ordnung einen Film nicht zu mögen. Aber wenn man zusammenkommt und Fan von ‚Ghostbusters‘ oder ‚Star Wars‘ oder ‚Star Trek‘ oder Marvel oder DC oder James Bond oder Indiana Jones oder Miss Marple oder was auch immer ist, dann hat man doch grundsätzlich mehr was einen (in dieser Hinsicht) verbindet als trennt.

Ja, ich schreibe hier ernsthaft einen „können wir nicht alle miteinander auskommen“ Artikel, ich weiß auch nicht was mit mir los ist. Und bevor sich ein Sportfan einmischt und anmerkt, dass sich etwa Fußballfans schon die Köppe eingeschlagen haben bevor Film oder gar das Internet auch nur erfunden war: das stimmt natürlich, aber das waren die Fans unterschiedlicher Mannschaften. Was ich sagen will, Trekkies und ‚Star Wars‘ Fans sollten sich mal ordentlich kloppen. Nein, Moment, genau das meine ich nicht, argh!

‚Ghostbusters‘-Geschichte Teil 5: „Death is but a doorway, time is but a window, I’ll be back.“

Fortsetzung zu Teil 4

In den späten 80ern verging kaum ein Tag, an dem fleißige Radiohörer nicht gefragt wurden, wen sie anrufen sollten, wenn etwas merkwürdig wäre in ihrer Nachbarschaft. Das ‚Ghostbusters‘ Logo war, wenigstens in Kinderzimmern, quasi ubiquitär, nicht zuletzt dank einer extrem erfolgreichen Zeichentrickserie. Warum also dauerte es fünf lange Jahre bis zu einem zweiten Film? Die übliche Sequelrate für eine erfolgreiche Komödie war damals etwa ein Jahr. Siehe ‚Police Academy‘ oder ‚Beverly Hills Cop‘. Sicher, ein neuer ‚Ghostbusters‘ würde aufgrund der Effekte eher länger brauchen, aber fünf Jahre? Warum?

Als Antwort auf diese Frage ist mit vielen Fingern auf viele Leute gezeigt worden. Das typische Ziel der daktylen Schuldzuweisung war über lange Jahre Columbias neuer CEO, der britische Produzent David Puttnam. Der machte kein großes Geheimnis daraus, dass er an der Produktion großer Blockbuster weit weniger Interesse als an kleineren, gern auch internationalen Filmen hatte. Ein Film wie ‚Ghostbusters‘ passte eher nicht in seine Vision von Columbia. Ich stimme auch gern zu, dass Puttnam sicher nicht hilfreich war, was die Produktion angeht, allerdings war er kaum ein Jahr von 1986 bis 1987 auf seinem Posten. Nicht zuletzt, weil er öffentliche Kritik an Stars übte. Darunter auch an Bill Murray, den er mehr oder weniger direkt der Undankbarkeit bezichtigte. Der Beginn eines stetig tiefer werdenden Grabens zwischen Murray und Columbia.

Nein, das Problem lag tiefer als Puttnam. Columbia hatte einige Jahre ohne große Hits hinter sich. Columbias Mutterkonzern Coca-Cola war extrem unsicher, was das Filmgeschäft betraf. Eine Unsicherheit, die sich auf die Anleger zu übertragen begann. Auf Anleger, die eigentlich meinten, in einen grundsoliden Platzhirsch investiert zu haben, der den Brausemarkt seit zig Jahren mit zuckriger Faust beherrschte und die nun wirklich kein hilfloses Rumgewurschtel im Filmgeschäft wollten. Tatsächlich war ‚Ghostbusters‘ der letzte echte Hit für Columbia gewesen. Zunächst waren es wohl eher die Darsteller, die nicht direkt einen zweiten Geisterjägerfilm nachschieben wollten. Doch als Dawn Steel 1987 Nachfolgerin von Puttnam wurde, war klar, dass ein erfolgreiches Sequel hermusste, wollte Columbia nicht in ernste Schieflage geraten. Coca-Cola machten klar, das habe absolute Priorität. Doch regierte zunächst erneut die Unsicherheit.

Waren Bill Murray und Dan Aykroyd eigentlich noch in der Lage einen Film zu tragen? Das fragte man  sich bei Columbia. Murray war seit ‚Ghostbusters‘ nur in Cameo-Auftritten zu sehen (das änderte sich 1988 mit ‚Die Geister die ich rief‘) und Aykroyd in einer ganzen Serie von Flops, der größte davon ‚Schlappe Bullen beißen nicht‘. Reitman schildert die Situation als ein katastrophales Hin- und Her, dass er sogar versuchte zu umschiffen, indem er sich statt an Columbia direkt an Coca-Cola wandte. Ohne Erfolg. Angeblich erfuhr er Anfang 1988 letztlich aus der Zeitung, dass Columbia die Produktion des Sequels starten wollte. Obwohl Murray nicht wollte. Aus kreativen Gründen, er mochte keine Sequels, aber auch weil er Puttnams Anschuldigungen übel nahm. Letztlich lockte man ihn mit einer erheblichen Gewinnbeteiligung, die die anderen Hauptdarsteller auch bekamen. So gelang es das Budget für das Sequel wieder im Bereich von gut 30 Millionen Dollar, wie schon beim Vorgänger zu halten. Allerdings ließ sich Murray umfangreiche Veto-Rechte für zukünftige ‚Ghostbusters‘-Produktionen in den Vertrag schreiben. Auch hier taten es ihm die anderen, einschließlich Reitman, nach. Allerdings meinte Murray es ernst, als er witzelte, nun könne man den Film auch ‚The Last of the Ghostbusters‘ nennen.

Dan Aykroyd schrieb zunächst wieder eine grobe Version des Skripts. Er plante, dass die Story New York verlassen sollte, um sich vom ersten Film und der Zeichentrickserie abzusetzen. Die Geisterjäger sollten es in Schottland mit unterirdisch lebenden Feenwesen zu tun bekommen. Ich weiß nicht, an welchem Punkt die Story nach New York zurückverlegt wurde. Aber wenigstens das Unterirdische wurde behalten. Ramis und Reitman überarbeiteten erneut die Geschichte. Ramis erfand dabei den Schleimfluss als Versinnbildlichung der Geisteridee als Manifestation negativer Emotion. Daraus entstand auch die Idee, dass die Lösung für alle Probleme wäre, dass die aufbrausenden New Yorker nett zueinander sein müssten. Wo man beim letzten Mal in zwei Wochen (mMn.) Perfektion geschaffen hat, dauerte es diesmal Monate einen Abklatsch zu schreiben. Im Großen und Ganzen folgte der Plot erneut exakt dem Schema des ersten Films. Statt des fiesen Umweltbehördenmannes ist es nun ein Gehilfe des Bürgermeisters, statt im Gefängnis landen die Geisterjäger in der Nervenheilanstalt und statt eines Gottes bekommen sie es mit einem untoten Magier(-gemälde) zu tun. Selbst die Beziehung zwischen Dana und Peter wird wieder auf null gedreht. Und um ein Baby angereichert.

Die Rolle des Magiers Vigo bekam der ehemalige deutsche Boxer Wilhelm von Homburg (Künstlername von Norbert Grupe). Eine schillernde und schwierige Persönlichkeit. 1969 sorgte er im Aktuellen Sportstudio für einen kinskiesken Skandal, als er sich im Interview weigerte die Fragen des Moderators zu beantworten. Hier erfuhr Homburg erst während der Prämiere, dass er von Max von Sydow synchronisiert wurde und verließ unter lautstarken Protesten den Saal. Vigos Gehilfen Janosz Poha spielte Peter MacNicol, der sich erheblichen Hintergrund für seine Figur ausdachte und ihr einen schweren Akzent verpasste, der im Skript nicht zu finden war. Eine kleine Rolle als behandelnder Nervenarzt bekam Murrays Bruder Brian Doyle-Murray.

Als Effektstudio arbeitete man diesmal nicht mit dem extra auf Betreiben Reitmans gegründeten Boss Films Studio, sondern mit Industriegigant Industrial Light & Magic. Der Grund dafür ist mir nicht bekannt. Vielleicht war Bossfilm einfach ausgebucht. Die Scoleri-Brüder waren eine sehr lose Anspielung an die Blues Brothers. Somit hat John Belushi genau genommen zwei Geister der Reihe inspiriert. Neben eher cartoonhaften Geistern wie den Scoleris traten hier aber auch viele „menschliche“ Geister auf. Seien es die Passgiere der Titanic, ein Jogger im Park, oder auf Lanzen gespießte Köpfe im U-Bahn-Tunnel. Slimer erinnerte in seinem Aussehen deutlich mehr an die Version aus der Zeichentrickserie, wenn er auch nicht viel zu tun bekam und eigentlich nur auftauchte, weil das Studio Fans der Serie „abholen“ wollte. Für die Entführung von Danas Baby war eigentlich ein komplexer Effekt mit lebendig werdenden Figuren aus Plakaten, darunter auch der Weihnachtsmann, geplant. Letztlich dreht man ihn aber einfach mit einem geisterhaften Peter MacNicol in einem Nanny-Kostüm und schuf eine der besseren Sequenzen des Films.

Die Dreharbeiten vor Ort in New York, wieder in November und Dezember, dauerten diesmal nur etwa 2 Wochen. Sie fanden mit weitaus großzügigerer Unterstützung der örtlichen Behörden statt, so dass man auf Filmen im Guerilla-Stil diesmal verzichten konnte. Schwierig gestaltete sich die Szene, als Ray, Egon und Winston mit Schleim bedeckt aus dem Gulli kriechen und beginnen sich zu streiten. Der Schleim war zwar diesmal völlig ungiftig, sogar essbar, doch verbunden mit Temperaturen um den Gefrierpunkt machte er die Szene doch äußerst unangenehm. Und dann stellte sich heraus, dass die Kamera falsch eingestellt war und alles noch einmal gedreht werden musste. Man darf annehmen Rays und Winstons Zorn in der Szene ist nicht nur gespielt. Im späten Dezember wurde in L.A. gedreht, wo diesmal auch zahlreiche Außenaufnahmen entstanden.

Die Testvorführungen liefen diesmal nicht gut. Insbesondere die letzte halbe Stunde, der Showdown mit Vigo kam nur äußerst mäßig an. Reitman befürchtete, man habe den Widersacher zu wenig mächtig gemacht. Eine frühe Szene, in der sein Gemälde Ray hypnotisiert und dafür sorgt, dass er versucht mit dem Ecto-1 einen tödlichen Unfall zu bauen, wurde gestrichen. Ebenso war angedacht, dass Vigo die Freiheitsstatue übernehmen sollte. Doch da man sich nun ausgerechnet damit zu nahe am ersten Film wähnte, wurde die Kontrolle über die Statue den Geisterjägern gegeben. Nun wurden einige Szenen nachgedreht, etwa die in der Winston vom Geisterzug überfahren wird, die die Gefährlichkeit der Situation verdeutlichen sollten. Ebenso musste die Tatsache, dass man den Schleim mit positiver und negativer Emotion „aufladen“ konnte verdeutlicht werden. Diese Nachdrehs liefen bis in den April 1989. Im Juni sollte der Film erscheinen. Am 23. Juni, genau genommen. Bis sich herausstellte, dass Warner an diesem Tag auch ‚Batman‘ in die Kinos brachte. Eilig wurde der Termin für ‚Ghostbusters II‘ auf den 16. vorverlegt. In Deutschland würde es bis 11. Januar 1990 dauern. Tatsächlich wurde der Film, obwohl er nur eine Woche die US-Charts anführte und dann nicht nur von ‚Batman‘, sondern auch von Rick Moranis‘ ‚Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft‘ verdrängt wurde, zum finanziellen Erfolg. Gut 215 Millionen spielte der Film ein, etwa die Hälfte davon in den USA.

Die Kritiken waren erneut nicht sonderlich gut, wie schon beim Original. Jedoch waren diesmal auch die Publikumsreaktionen sehr verhalten. Ob man nun der Qualität des Films oder der unglücklichen Konkurrenz durch ‚Batman‘, der Teenager anlockte und ‚Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft‘, dem typischeren Familienfilm die Schuld geben wollte, die ohnehin verunsicherten Leute bei Coca-Cola wurden auch durch den relativen Erfolg des Films nicht beruhigt. Auch Reitman gibt sich in Interviews mal selbstkritisch, sagt dann aber wieder, der Publikumsgeschmack habe sich gewandelt. Die Leute wollten nicht mehr die positive Botschaft seines Films, sondern die Düsternis eines ‚Batman‘. Direkt nach dem Film verkündete er, für einen potentiellen, dritten Film nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Murray sah sich in seiner Ablehnung von Sequels vollkommen bestätigt (was mich zu der Frage bringt wie groß der Geldspeicher gewesen sein muss, der ihm für ‚Garfield 2‘ bezahlt wurde…). Der einzige Beteiligte dessen Enthusiasmus für das Geisterjäger-Projekt unzerstörbar schien, war Dan Aykroyd.

Nachdem im September 1989 ‚Ishtar‘ zu einem gigantischen Flop wurde, verlor nicht nur Dawn Steel nach zwei Jahren ihren Posten, auch Coca-Cola hatte endgültig genug und verkaufte Columbia an Sony. Sicherlich, eine ungewöhnliche Situation, aber finanziell war ‚Ghostbusters II‘ ein Erfolg gewesen, die Zeichentrickserie lief noch bis 1991 im Fernsehen, das Franchise hatte noch eine Menge Leben in sich. Natürlich würde es bald in irgendeiner Form weitergehen… oder?

Teil 6 entlarvt rhetorische Fragen

Newslichter Ausgabe 110: eine Geschichte zweier Blockbuster und Konsolenkrieg!

Willkommen bei Ausgabe 110 des Newslichters. Der Sommer ist wieder da! Und der Newslichter auch, aber das sollte weniger überraschend kommen. Diese Woche werfen wir einen Blick auf zwei vollkommen verschiedene Blockbuster, die mit unserer neuen Covid-Welt auf völlig unterschiedliche Weisen umgehen. Und auf den Konsolenkrieg der 90er schauen wir auch. Legen wir los!

Die vielen Probleme des ‚Mulan‘-Remakes

Das Realfilm ‚Mulan‘-Remake könnte sich für Disney zu einem Problemfall entwickeln. Das begann bereits im letzten Jahr als Hauptdarstellerin Liu Yifei öffentlich Unterstützung für die Hongkonger Polizei und deren rabiates Vorgehen in Bezug auf die dortigen Proteste aussprach. Bereits damals wurden erste Boykott-Rufe laut und Disney selbst äußerte keine Kritik gegenüber der Darstellerin. Dann folgte im Zuge der Corona-Pandemie die Ankündigung, der Film käme nicht, wie lange angekündigt, in die darbenden Kinos, sondern werde überall wo verfügbar nur auf Disney+ gegen einen saftigen Aufpreis zu sehen sein. Medienwirksame Videos von erbosten Kinobesitzern, die ‚Mulan‘-Aufsteller zerstörten folgten. Und nun wo der Film verfügbar ist, ein neuer Skandal. Man hatte, unter anderem, in der chinesischen Provinz Xinjiang gedreht und dankt im Abspann der dortigen Behörde für öffentliche Sicherheit. Eben jener Behörde, die für den Betrieb der „Umerziehungslager“ verantwortlich ist, in denen Mitglieder der  islamisch-uigurische Minderheit zur Zwangsarbeit interniert werden. Erneute Boykott-Aufrufe waren die Folge. Disneys Chief Financial Officer Christine McCarthy versuchte sich in Schadensbegrenzung. Erklärte der Großteil des Films sei in Neuseeland gedreht. Man habe in Xinjiang nur einige Landschaftsaufnahmen gemacht, es sei aber üblich den nationalen und lokalen Behörden, die einen Dreh genehmigen im Abspann zu danken. Das und nichts anderes sei hier passiert. Chinesische Staatsmedien sprechen von westlicher Hysterie im Umgang mit China und stellen, wie üblich, die Behandlung der Uiguren als bösartiges Gerücht dar. Ärgerlich für Disney: der Kinostart im Disney+-losen China droht nach einem schwachen Startwochenende nun ebenfalls zum Flop zu werden. Stellt sich heraus, wenn man der Führung exakt nach dem Mund redet, erreicht man nicht unbedingt die Herzen der Bevölkerung. Wer hätte es gedacht. Andererseits steht demgegenüber ein fast 70 prozentiger Anstieg an Disney+ Installationen, seit der Film erschienen ist. Ein eventueller finanzieller Schaden wird für Disney eher nicht zu schmerzhaft ausfallen. Und ob Disney überhaupt noch Image-Schaden erleiden kann, da bin ich ehrlich gesagt nicht so sicher. Sie scheinen fast schon zu groß dafür.

‚Tenet‘ läuft

https://www.kino.de/film/wonder-woman-1984-2020/news/wonder-woman-1984-faellt-tenet-opfer-dc-film-wird-wieder-verschoben/

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18532488.html

Nichts weniger als das Kino retten, ist der Anspruch, den ‚Tenet‘ nicht an sich selbst stellt, der aber von allerlei Seiten Nolans Palindrom-Werk auferlegt wird. Ob er das schafft oder nicht, das wird sich noch zeigen müssen. Internationale hat er inzwischen gut 200 Millionen Dollar eingespielt. Man geht davon aus, dass er um Profit einzufahren gut das Doppelte machen müsste. Um ihn möglichst lange im Kino zu halten, hat Warner nun sogar ‚Wonder Woman 1984‘ erneut verschoben. In Deutschland wurde er nun zwar von der Romanverfilmung ‚After Truth‘ ausgestochen, läuft aber immer noch ansehnlich. Schwierig stellt sich die Situation des Films in den USA dar. Nachdem der Film am Startwochenende statt der anvisierten 20 Millionen nur etwa die Hälfte eingespielt hat, waren es am Wochenende darauf nur noch 6,7 Millionen. Dazu kommen Berichte enttäuschter Kinobetreiber, für die sich die Wiedereröffnung für ‚Tenet‘ zum Negativgeschäft entwickelt hat. Selbstverständlich ist die Situation der Pandemie in den USA auch noch deutlich prekärer, als sie sich derzeit etwa in China oder Teilen Europas zeigt. Dennoch würde ich erwarten, dass Warners Strategie, den Film langzeitlich im Kino zu halten, letztlich aufgehen wird. Und aufgrund der Zugkraft des Films hoffentlich auch anderen, kleineren Produktionen zuspielen wird. Es ist faszinierend, dass wir nun 2 potentielle Blockbuster vor uns haben, die quasi exakt gegenteilige Strategien fahren. Sicher, ein direkter Vergleich wird schwierig, da Disney sich entschlossen hat, von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen zu hopsen, um letztlich eine Bauchlandung in der Fettwanne hinzulegen, doch werden die anderen Studios sehr genau auf die Erfolge achten.

Konsolenkrieg-Doku

https://screenrant.com/console-wars-documentary-trailer-teases-the-story-of-nintendo-segas-90s-rivalry/

Endlich bekommt einer der wichtigsten Konflikte der 90er Jahre die Aufmerksamkeit die er verdient. Die alles bewegende Frage ob ein schnauzbärtiger Klempner auf Psilocybin, oder ein Turnschuh-tragender, blauer Igel auf Speed besser ist: Sega oder Nintendo. Mit seinem Mega Drive schaffte es Sega während der 16 Bit Zeit tatsächlich dem Giganten Nintendo entscheidende Anteile des Konsolenmarktes abzunehmen, bevor man es durch schlechte Kommunikation und einige Schnellschüsse wieder verspielte. In der Rückschau wirkt der Konsolenkrieg sicher etwas albern und völlig überholt, bietet aber durchaus Stoff für einen interessanten Dokumentarfilm. Zunächst soll der Film auf CBS All Access erscheinen, ich hoffe er wird aber auch irgendwie seinen Weg in unsere Gefilde finden. Und die Antwort ist Mario. Mario ist besser. Dafür hatte Sega ‚Streets of Rage 2‘…

 Nächst Woche geht es weiter.

‚Ghostbusters‘-Geschichte Teil 4: „Anybody seen a ghost?“

Fortsetzung zu Teil 3

„Actionfigur“. Ein Begriff, den die Spielzeugfirma Hasbro Mitte 60er erfand, als der Absatz ihrer „G.I. Joe“ Figuren eher schleppend lief. Diese erinnerten von der Größe und den austauschbaren Klamotten her frappierend an „Barbie“-artige Puppen. Und da Jungen natürlich niemals nicht mit Puppen spielen würden (bzw. ihre Eltern Probleme damit hätten), musste ein neuer Marketingbegriff her. Tatsächlich bleiben Actionfiguren für die nächsten 10 Jahre auch genau in diesem Schema. Groß, mit austauschbaren Kleidern. Meist waren die Reihen eigene Erfindungen der Hersteller, gelegentlich gab es Lizenzen. ‚Star Trek‘ etwa, oder den einen oder anderen Marvel Helden. Das änderte sich grundlegend, als 1977 ein junger Regisseur mit der Spielfigurenlizenz für seinen neuen SciFi Film hausieren ging. Bei den Industriegrößen Hasbro und Barbie-Hersteller Mattel wies man ihm freundlich aber bestimmt die Tür. Letztendlich stieg ihr deutlich kleinerer Konkurrent Kenner ins Geschäft ein und erwarb quasi eine Lizenz zum Gelddrucken. Denn der Regisseur war, natürlich, George Lucas und der Film ‚Star Wars‘. Kenner schrumpfte die Figuren deutlich ein und modellierte die Kleidung direkt aus Plastik. Damit schufen sie die neue typische Form der Actionfigur. Auch war hiermit die perfekte neue Absatzform für Actionfiguren gefunden: als Merchandise zum neuesten Blockbuster.

Daher fiel schon auf, dass es zu einem so Actionfigur-tauglichen Film wie ‚Ghostbusters‘ (gebt es zu, Ihr hattet kurz Sorge, ich hätte den falschen Text hier reinkopiert) eben keine Actionfiguren gab. Es gab typisches Merchandise, T-Shirts, Schulhefte mit dem Logo drauf usw.. Videospiele, die größtenteils Winston mal wieder außen vorließen. Aber wo waren die coolen Figuren? Nun, man wollte es bei Columbia eben ganz richtig machen. Und im Actionfigurenmarkt hatte es Anfang der 80er gleich noch eine Revolution gegeben. Mattel wollte die Blamage ‚Star Wars‘ abgelehnt zu haben nicht auf sich sitzen lassen und man sagte sich, warum nicht versuchen ein eigenes Franchise zu etablieren? Mit ihren „Masters of the Universe“ traten sich auch vom Namen her in direkte Konkurrenz zum Sternenkrieg. Jeder muskelbepackten Figur lag hier ein Comic bei, in dessen Geschichte das Kind weitere Figuren entdecken konnte, um die es Mutti und Vati dringend anhauen musste. Dazu gab es auch eine Fernsehzeichentrickserie, die ebenfalls quasi als halbstündige Werbesendung für die Figuren verstanden werden konnte. Und der Erfolg war immens.

Columbia wollte nun das Beste beider Welten. Sie hatten einen Hitfilm, dessen Titel einem auch noch quasi täglich aus den Musikcharts im Radio zugerufen wurde, doch sie wollten auch eine Zeichentrickserie, die ein anhaltendes Interesse an Figuren und dem Franchise an sich bedeuten würde. Da wurde man natürlich bei Filmation hellhörig. Ihr erinnert Euch an Filmation? Die hatten den Namen ‚Ghostbusters‘ an Columbia lizensiert und sollten noch 1% Gewinnbeteiligung dafür bekommen. Und sie waren diejenigen, die den ‚Masters of the Universe‘ Cartoon produzierten. Naja und wo man doch schon eine Geschäftsbeziehung zu Columbia hatte, war doch klar dass sie auch deren Zeichentrick produzieren würden. Nun, hier erlebten Filmation schmerzhaft wie es ist, ein kleiner Fisch in Hollywood zu sein. Sie erfuhren nicht nur, dass man für die Serie mit ihren argen Konkurrenten, der Animationsfirma DiC, arbeiten würde, nein, Columbias Buchhalter hatten auch mal ordentlich nachgerechnet und – leider – feststellen müssen, dass die erfolgreichste Komödie der 80er keinen Cent Gewinn gemacht hat. Daher konnte Filmation die 1% Gewinnbeteiligung natürlich auch vergessen. Keine Fragen bitte, vielen Dank, da ist die Tür!

In der Unterhaltungsbranche kann man immer wieder einmal sehen, dass Rache einer der besten Motivatoren ist. So entstand etwa die Playstation, weil Nintendo Sony in einer geplanten Zusammenarbeit übergangen und öffentlich erniedrigt hatte. Und auch bei Filmation wandelte man den fraglos vorhandenen Zorn in zügige Arbeit um. Schnell wurde die alte Real-Serie ‚The Ghost Busters‘ aus den 70ern, um zwei Menschen und einen Gorilla, die Geister jagen, zur Zeichentrickserie gemacht. Die erhielt nun den Titel ‚Ghostbusters‘, ohne „The“ und das frühere Leerzeichen… ohne besonderen Grund, natürlich. Und tatsächlich, man schaffte es am 6. September 1986 ins Programm von CBS. Columbia und DiC stellten ihre Serie erst eine Woche später, am 13. September ins Programm von ABC. Sie waren gezwungen ihrer Serie den spürbar genervten Titel ‚The Real Ghostbusters‘ zu geben. Der wenden wir jetzt auch wieder unsere Aufmerksamkeit zu, aber ich liebe einfach diesen animierten Mittelfinger zur absoluten Schweinerei, die sich Columbia hier geleistet hat (also, die Idee dahinter. Die Serie selbst fand ich nicht sonderlich gut).

Wenn man den Film gesehen hat und dann die Serie schaut, fällt als erstes auf, dass die Serien-Charaktere ihren Filmpendants überhaupt nicht ähnlich sehen. Das hat zwei Gründe. Zum einen müsste man die Darsteller bezahlen, wenn man die Figuren ihnen nachempfindet. Das wollte Columbia natürlich vermeiden. Zum anderen sind drei Viertel der Geisterjäger weiße Männer, Mitte 30, mit braunen Haaren. Als Darsteller leicht auseinanderzuhalten, für Animation aber nicht ideal. So bekam Egon seine große blonde Haartolle und Ray rote Haare und ein Bäuchlein. Dazu bekamen sie Overalls in unterschiedlichen Farben. Auf die Besetzung der Sprecher will ich nicht groß eingehen, es sei nur eine Anekdote wiedergegeben, die Lorenzo Music, der originale Sprecher von Peter Venkman, erzählt. Beim Casting saß er mit Arsenio Hall, der für Winston vorsprechen wollte, im Warteraum. Da sahen sie Ernie Hudson aus dem Vorsprech-Zimmer kommen. Hall war überrascht und ein wenig sauer, warum man ihn überhaupt eingeladen habe, wenn der Mann selbst hier sei. Nun, kurz gesagt, Hudson bekam die Rolle nicht, sondern Hall. Warum? Das ist keinem so recht klar. Irgendwer bei Columbia mochte Hudson anscheinend wirklich nicht.

Als „story editor“ wurde Joe Michael Straczynski angeheuert. Straczynski startete seine Fernsehkarriere, ausgerechnet, bei Filmation. Er hatte ungefragt ein Skript für die Masters eingesandt, das Filmation sofort kaufte und ihn um weitere bat. Später wurde er als „story editor“ bei der Schwesterserie ‚She-Ra‘ angestellt. Bei den ‚Real Ghostbusters erwies sich Straczynski als Glücksgriff. Er war ein großer Fan des Films und betrachtete die Serie nicht als zynische Werbesendung, sondern wollte sie nutzen um die Charaktere und ihr Umfeld auszubauen. So erweiterten er und die anderen Autoren das Universum der ‚Ghostbusters‘, führten Familienmitglieder ein, im Film nicht erwähnte Ängste und Wünsche. Erklärten Kleinigkeiten, etwa warum die Geisterjäger neue Uniformen brauchten (Gozer-Marshmallow-Rückstände sind gefährlich!). Oder sie erzählten metatextuell, wie ein Film über die Arbeit der Ghostbusters gedreht wurde („Murray, Aykroyd, and Ramis? Is that a law firm?“). Slimer wurde zum Mitbewohner der Geisterjäger, denn jede Zeichentrickserie in den 80ern brauchte ihren nervigen Comic Relief Charakter. Straczynski mochte ihn nicht und erzählt gern scherzhaft, dass er alles getan hat, um ihn in seinen Geschichten zu quälen. Janine bekam auch mehr zu tun, durfte die Jungs mehr als einmal aus der Patsche hauen und gelegentlich selbst als Ghostbuster auftreten. Selbst gegen Cthulhu (siehe ‚Ghostbusters‘ als kosmischer Horror) traten die Geisterjäger an. Allerdings, erzählt Straczynski, hat ein übereifriger Titelkartenschreiber „Cthulhu“ als Nonsenswort identifiziert und korrigiert. So heißt die Folge ‚The Collect Call of Cathulhu‘. Miau-fhtagn.

Nach der zweiten Staffel tauchten leider ABCs Marketingexperten in Straczynskis Büro auf. Sie hätten Umfragen angestellt, die sie Straczynski allerdings nie zeigten. Aber die Ergebnisse seien klar. Viel mehr Slimer! Die ‚Ghostbusters‘ sind den Kindern wurscht! Janine ist zu zynisch und vorlaut, sie sollte mütterlicher sein! Und Winston sollte das Ecto-1 fahren und ansonsten am besten nicht auffallen… Joe Michael Straczynski verließ auf der Stelle seinen Posten. Er lieferte noch einige Skripte als freier Mitarbeiter, die sich um die Vorgaben nicht scherten. Er arbeitete danach für ‚Mord ist ihr Hobby‘ und begann mit den Plänen für sein opus magnum, ‚Babylon 5‘.

‚The Real Ghostbusters‘ wurde mit der vierten Staffel in ‚Slimer! and The Real Ghostbusters‘ umbenannt. Der grüne Geist erhielt zusätzlich zu seinen Auftritten in der Story noch eigene Comedy-Segmente. Die Qualität ließ stetig nach und 1991 war es vorbei mit der Serie.

Aber während ihrer Zeit brachte die Serie ein geradezu unüberschaubares Portfolio an Merchandise-Produkten hervor. Von Brettspielen und Comics über Frühstücksbrettchen bis zu Bettwäsche. Vor allem aber natürlich die Actionfiguren. Produziert, wieder einmal, von Kenner. Zentral waren natürlich die Geisterjäger, die schön modelliert waren, allerdings das Problem hatten, dass die Strahlen direkt an den Neutrinowerfern befestigt waren, sich nicht abnehmen ließen und recht fragil waren. Im üblichen Kinderzimmer hielten sie vermutlich etwa 3 ½ Minuten. Doch es war bei den Geistern, wo sich die Spielzeugmacher wirklich austobten. Der viel zu kleine Marshmallow Man war etwas enttäuschend, doch die meisten selbstentwickelten Geister waren mit wunderbar grotesken Funktionen ausgestattet. Mein Favorit war ein einäugiger Geist, der auf Druck sein großes Auge verschießen konnte. Und nie gehabt, aber stets gewollt, habe ich die Geistertoilette. Ich meine schaut Euch das Ding an!

Sagt mir, das sei nicht großartig und ich nenne Euch Lügner! Dazu gab es das Ecto-1 und ein Feuerwehrhaus-Spielset. Über die Jahre wurde die Serie die Serie um klassische Monster erweitert, sowie um transformierbare Geister. Genannt sei hier die wunderbare Granny Gross.

Während der zweiten Hälfte der 80er bis in die frühen 90er waren die ‚Ghostbusters‘ Franchise-technisch auf dem Höhepunkt. Warum also hat es 5 Jahre, bis 1989 gedauert bis ein zweiter Film in die Kinos kam? Versuchen wir beim nächsten Mal eine Antwort darauf zu finden.

In Teil 5 lautet die Antwort Coca-Cola!

‚Ghostbusters II‘ (1989) – „The Titanic just arrived!“

„We’re doing a sequel
That’s what we do in Hollywood
And everybody knows that
The sequel’s never quite as good“

– ‚Muppets Most Wanted‘

‚Ghostbusters II‘ gehört in die Riege der wenig geliebten Fortsetzungen, die die Muppets im obigen Song offensichtlich aufs Korn genommen haben. Wenig wirklich Neues hat der Film zu sagen, seine einzige Existenzberechtigung scheint der Erfolg des ersten Films zu sein. Und warum kam er überhaupt so spät (die Antwort darauf gibt’s demnächst)? Die überbordende Motivation aller Beteiligten ist spürbar nicht mehr vorhanden. Aber ist es deshalb ein schlechter Film? Ich versuche die Fanboy-Brille mal von der Nase zu nehmen.

Fünf Jahre nach dem Kampf gegen Gozer. Den ‚Ghostbusters‘ wurde die Schuld für die Zerstörung in New York gegeben und ihnen gerichtlich verboten, weiterhin Geister zu jagen. Ray (Dan Aykroyd) und Winston (Ernie Hudson) betreiben einen Partyservice, wo sie kleine Kinder als Geisterjäger bespaßen. Egon (Harold Ramis) ist in die Wissenschaft zurückgekehrt. Peter (Bill Murray) ist Gastgeber einer Talkshow, in der er sich über die paranormalen Erlebnisse seiner Gäste lustig macht. Doch als eine unsichtbare Kraft versucht Dana Barrets (Sigourney Weaver) Baby Oscar (in der dt. Fassung Donald) zu entführen, kommt das alte Team wieder zusammen. Bei Nachforschungen entdecken sie einen gigantischen Schleimfluss unter New York. Lösen aber auch einen Stromausfall aus und landen vor Gericht. Zum Glück tauchen genau im richtigen Moment die Geister zweier hingerichteter Gangster im Gerichtsaal auf und die ‚Ghostbusters‘ sind back in business. Gerade noch rechtzeitig, denn im Museum, in dem Dana arbeitet, versucht der mittelalterliche Magier Vigo (Wilhelm von Homburg/ Stimme im Original von Max von Sydow) in die Welt zurückzukehren. Dafür benötigt er Oscar/Donald und er hat bereits Danas Chef Janosz Poha (Peter MacNicol) zu seinem willenlosen Handlanger gemacht. Und die einzige Rettung scheint fast unmöglich: New Yorks Bewohner müssten wenigstens für ein paar Minuten freundlich zueinander sein.

Es ist schon auffällig, wie sehr der Film versucht exakt den Fußstapfen des ersten Films zu folgen. Peter, Egon und Ray sind am Anfang keine Geisterjäger und, von einem Kurzauftritt abgesehen, kommt Winston erst später in der Handlung dazu, weil das im ersten Film auch so war. Dana ist jetzt Restauratorin statt Musikerin, Louis ist Anwalt statt Steuerberater. Auch steht er nicht mehr auf Dana. Und Janine steht nicht mehr auf Egon. Stattdessen stehen beide aufeinander. Dana und Peters Beziehung ist gescheitert, sie stehen wieder genau da, wo sie am Anfang des ersten Films waren. Als Gegenspieler gibt es statt des Unsympathen Walther Peck, irgendeinen blassen Berater des Bürgermeisters, der nicht mal einen Namen bekommt. Und statt eines interdimensionalen Gottwesens ist der große Widersacher ein toter moldawischer Kriegsfürst und Schwarzmagier. Und diesmal trampeln die Geisterjäger im Finale in riesiger Gestalt durch New York.

Dabei folgt der Film auf den ersten Blick konventionellen Erzählmechaniken deutlich besser als sein Vorgänger. Vigo wird früh im Film etabliert, bekommt mit Janosz einen Handlanger, der immer wieder ins Geschehen eingreift. Peter Venkman macht eine echte Charakterentwicklung durch, wenn er später im Film Verantwortung für Oscar übernimmt und seine typisch zynische Haltung ablegt. Und dennoch fehlt der ganzen Erzählung die Verve des ersten Teils, die Begeisterung hier etwas echt Neues, echt Aufregendes mitzubringen.

Sicherlich nicht hilfreich ist die Tatsache, dass man Bill Murray fast zu jeder Sekunde anmerkt, dass er nicht da sein möchte. Wenn Dana sich an Egon um Hilfe wendet, dann ist das eine wirklich lustige Szene und Ramis holt alles raus, was es rauszuholen gibt. Wenn er etwa Dana sagt, dass Peter nie an sie gedacht habe und er unauffällig ihre Reaktion mit seinem „Launemessgerät“ aufzeichnet. Dann wechselt die Szene zu Peters TV-Show und alle Luft entweicht aus dem Film wie aus einem löchrigen Ballon. Herrje, in der Szene, in der sein Bruder Brian Doyle-Murray einen Nervenarzt nach der Einweisung der Geisterjäger spielt, hebt er nicht einmal seinen Kopf vom Tisch. Dazu kommen die vom Studio aufoktroyierten Szenen mit Slimer, weil die Zeichentrickserie so erfolgreich war. Genaugenommen ist es zweimal dieselbe Szene. Louis Tully geht irgendwohin und plötzlich ist da Slimer. Schwarzblende. Das führt nirgendwohin und bremst den Film vollkommen sinnlos aus.

Das Finale fliegt in meinen Augen völlig auf die Nase. Ab dem Moment, wenn die Geisterjäger die Freiheitsstatue mit einem NES Controller durch New York lenken, verschwindet jedes Interesse, das ich bis dahin hatte. Vigo stellt sich denn auch als keine große Herausforderung heraus und mir ist bis zum Schluss nicht klar, ob er nun für den Schleim verantwortlich war, oder der Schleim zufällig auftrat und ihm eine Chance zur Widergeburt gab. Ist wohl auch egal.

Und die Musik? Bernstein ist durch Randy Edelman ersetzt, der alles etwas heroischer klingen lässt, was wenigstens für mich nicht funktioniert. Die Variante des ‚Ghostbusters‘ Themes von Run-DMC ist sicher nicht besser als das Original, der Bobby Brown Song „On Our Own“ geht in ein Ohr rein und aus dem anderen direkt wieder raus. Das Einzige was hängen bleibt ist natürlich Jackie Wilsons wunderbares „Lifting Me Higher“ und der Wunsch nach einem tanzenden Toaster.

ABER (<- großes aber), auch wenn das jetzt nicht so klingt, ich mag den Film doch ganz gern. Es ist eben mehr Ghostbusters und das ist per se schon mal nicht verkehrt. Und es gibt halt die Szenen, die ganz großartig funktionieren. Etwa alles im Gerichtssaal, von Louis Tullys sinnloser Verteidigung („One time, I turned into a dog, and these guys helped me!“), über den Zornesausbruch des Richters, „do-re-Egooon“ und einfach beim Einfangen der Scoleris („I gave em the chaaair!“) zuzusehen. Murrays Bummelstreik hat den schönen Nebeneffekt, dass die anderen Geisterjäger mehr Raum bekommen und wir ein bisschen mehr Interaktion zwischen ihnen sehen. Und alle tragen ihre Charaktere nach-wie-vor als wären sie speziell für sie gefertigte Handschuhe. Selbst Ernie Hudson bekommt endlich mal Raum zu glänzen. Seine Reaktion auf Egons Frage, ob er die Registrierungsnummer der Lok gesehen habe, nachdem ihn ein Geisterzug überfahren hat („I… must have missed it…“) lässt mich schon beim dran denken grinsen. Janine und Louis Tully bekommen ebenfalls unterhaltsame gemeinsame Szenen. Peter MacNicol hängt sich voll in seine Rolle rein und wenn Janosz als bösartige Bizarro-Mary Poppins Oscar/Donald entführt, dann ist das eine der ikonischeren Szenen des Films. Auch dass einige Szenen ein bisschen mehr auf Horror gedreht sind, gefällt mir heute eigentlich ganz gut. Ich kann mich allerdings erinnern, dass es mich als Steppke etwas mitgenommen hat, als die Geisterjäger auf die aufgespießten Köpfe im U-Bahn-Tunnel treffen.

Ja, es stimmt, ‚Ghostbusters II‘ könnte als Sinnbild des einfallslosen Sequels aufgeführt werden. Aber dennoch ist da, zumindest für mich, mehr als genug drin um einen unterhaltsamen Abend zu gewährleisten. Ja man ruht sich auf Konzepten aus, ja man muss den Erfolg des Franchises irgendwie in den Film biegen, ja das finanziell klamme Columbia war auf Sicherheit angewiesen. Und ja, ‚Batman‘ hat dennoch mit dem Film den Boden aufgewischt. Und ich mag ihn halt trotzdem. Bis auf die letzten 20 Minuten. Habe ich nun erfolgreich die Fanboy-Brille angenommen? Ich bin mir ehrlich gesagt selbst nicht sicher…

‚Ghostbusters‘ als kosmischer Horror – „I am terrified beyond the capacity for rational thought“

„Kosmischer Horror“ ist ein Begriff, der von dem literarischen Werk Howard Phillips Lovecrafts (1890-1937) geprägt wurde. Der Schrecken in Lovecrafts Geschichten speist sich vor allem daraus, wie unbedeutend und winzig der Mensch, ja die Menschheit, im Angesicht der Unendlichkeit des Kosmos und möglicher Wesenheiten, die er enthalten mag, ist. Die Kreaturen Lovecrafts waren denn auch keine Götter oder Dämonen, gut oder böse, sie waren außerirdische oder außerdimensionale Wesenheiten, für die Ideen menschlicher Moral vollkommen fremd und vor allem vollkommen bedeutungslos wären. Zumeist nehmen sie die Protagonisten der Geschichte, oder die Menschheit  an sich, nicht einmal wahr. Sollten die „Großen Alten“, die die Erde Äonen bevor es den Menschen gab bevölkerten, zurückkehren, wie das manche fehlgeleitete Kulte in Lovecrafts Literatur durchaus herbeizuführen versuchen, dann wäre dies das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen. „Then the liberated Old Ones would teach them new ways to shout and kill and revel and enjoy themselves, and all the earth would flame with a holocaust of ecstasy and freedom.“ So schreibt er in seiner Geschichte „The Call of Cthulhu“. Pessimismus und Nihilismus sind Begriffe, die mit dem kosmischen Horror in Verbindung gebracht hat, auch wenn Lovecraft beide kategorisch abgelehnt hat. Zugrunde liegt ihm auf jeden Fall ein absoluter Materialismus. Eine Ablehnung nicht nur von Religion, sondern auch von Magie und „Übernatürlichem“. Unerklärliches folgt durchaus Gesetzmäßigkeiten unseres Universums, allerdings Gesetzmäßigkeiten, die wir nicht verstehen, ja womöglich mit unserem begrenzten Verstand nicht einmal verstehen können.

Zu seinen kurzen Lebzeiten war Lovecraft kein großer Erfolg beschert. Seine Geschichten erschienen in Pulp Magazinen, neben denen von Heroen wie Conan der Barbar. Und wo die auch noch dem finstersten Schwarzmagier den Kopf von den Schultern hackten, schwanden Lovecrafts Protagonisten beim Anblick des Unerklärlichen die Sinne, wenn nicht gleich der Verstand. Das kam nicht unbedingt an. Bei einigen Autorenkollegen aber doch und die sortierten seine Geschichten und sorgten dafür, dass sie nach seinem Tod verfügbar blieben. Das ist ein großer Verdienst. Allerdings fügten sie Lovecrafts Mythologie auch eigene Geschichten bei und vor allem dampften sie seine kosmischen Wesenheiten in eine Art Pantheon ein, das dann doch wieder in gut und böse aufgeteilt werden kann, was ihrer Wirksamkeit als Horror, zumindest meiner Meinung nach, zuwider läuft. Nicht zuletzt daher können wir Cthulhu heute als Plüschfigur kaufen. Dennoch hat Lovecrafts Werk erheblichen Einfluss hinterlassen, wenn auch seine Adaption in den Film selten gelingt. Eben weil ein Film, zum Glück, keine Bilder zeigen kann, die uns wahnsinnig werden lassen.

‚Ghostbusters‘ ist vom Plot her sicherlich keine typische Lovecraft/kosmische Horrorgeschichte, auch wenn er die wissenschaftsbegeisterten Protagonisten sicher gutheißen würde. Nein ‚Ghostbusters‘ ist eine Art später Epilog zu einer Lovecraft-typischen Geschichte. Und das mache ich vor allem an drei Szenen des Films fest: das Verhör von Vinz Clortho durch Egon, die Erklärungen zum Ivo Shandor-Gebäude im Gefängnis und, natürlich, dem Finale.

In der Gefängnisszene erfahren wir, dass 550 Central Park West, das Gebäude in dem sich Dana Barrets und Louis Tullys Wohnungen befinden, auf eine Art gebaut wurde, wie kein anderes. Der Architekt war Ivo Shandor. Shandor war nach dem ersten Weltkrieg überzeugt, die menschliche Gesellschaft sei zu krank, um weiter zu existieren. Er arbeitete zunächst als Chirurg und nahm zahlreiche „sinnlose Operationen“ vor, so Spengler. Anfang der 20er gründete er einen Kult, der die hethitisch-sumerische Zerstörer-Gottheit Gozer verehrte und fand zahlreiche Anhänger. In dieser Zeit baute er auch das Gebäude. Die Stahlträger hatten Kerne aus Selenium, das Dach bestand aus einer Magnesium-Tungsten-Legierung. Dazu kamen gozerianische Details in der Architektur und Verzierung, allen voran die Statuen und der Schrein auf dem Dach. 550 Central Park West war zu gleichen Teilen Tempel und hochmoderne Antenne mit dem Ziel alle spirituelle Energie der umgebenden Stadt anzuziehen und zu konzentrieren, bis Gozer ein Tor in unsere Welt geöffnet werden konnte. Das versuchte der Kult wohl auch durch merkwürdige Rituale auf dem Dach des Gebäudes zu beschleunigen. Aus einem früheren Entwurf des Drehbuches erfahren wir mehr über das Schicksal Shandors. 1928 wurde er bei dem Versuch verhaftet, eine junge Frau zu entführen. Bei der anschließenden Durchsuchung seiner Penthouse-Wohnung in seinem eigenen Gebäude, stellte sich heraus, dass die über und über mit menschlichen Knochen verziert war. Shandor wurde 1929 mit dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Aus dem Film erfahren wir, dass er zum Zeitpunkt seines Todes noch über 1000 Anhänger hatte.

55 Jahre später müssen wir aber wohl nicht mehr davon ausgehen, dass noch Gozerianer in New York umgehen. Jedenfalls gibt der Film keinerlei Hinweis darauf. Aus Sicht aller Beteiligten endete die Geschichte mit der Hinrichtung des charismatischen Kultführers. Doch was sind 55 Jahre vor der Unendlichkeit des Kosmos? Ohne die Rituale dauerte es ein wenig länger Gozer das Tor zur Erde zu öffnen, doch die Antenne stand ja noch. Und in dem Moment, als Walther Peck den Geistercontainer der Ghostbusters abschaltet, sammelt sie endgültig genug psychokinetische Energie, um Gozer auf die Erde zu bringen.

Gozer, so erfahren wir, wurde im antiken Mesopotamien von Hethitern und später Sumerern verehrt. Auch Zuul wird als Halbgott genannt. Es darf bezweifelt werden, dass die antiken Gesellschaften Gozer auf die Erde brachten, zu groß wäre seine Zerstörung gewesen, um nirgendwo erwähnt zu werden, oder archäologisch nachweisbar zu sein. Womöglich gab es einfach zu wenige Menschen um genug negative psychische Energie zu sammeln, die einen Zugang zu unserer Welt möglich machte. Aus dem Verhör Vinz Clorthos erfahren wir aber, dass Gozer durchaus andere Welten besucht hat. Als „großer, langsamer Torb“ kam er über die Vuldronaii. Die „Meketrex Supplicants“ besuchte er anscheinend mindestens 5-mal. Beim fünften Besuch wurden viele „shubs“ und „zulls“ im riesigen „Sloar“, Gozers gewählter Form, geröstet. Gozer ist also ein intergalaktisches, möglicherweise interdimensionales Wesen.

Um Gozer in die Welt zu bringen ist aber nicht nur Energie vonnöten, es bedarf auch der Dienerwesen Zuul, dem Torwächter und Vinz Clortho, dem Schlüsselmeister. Auf der Erde treten sie in Form von Shandor entworfenen Gargylen, als „Terrordogs“ in Erscheinung, übernehmen aber alsbald Dana Barrett und Louis Tully. Beide sind keine zufällige Wahl. Dana hatte bereits zuvor eine Vision von Gozers Welt und Zuul. Von Tully wissen wir das nicht, allerdings verfolgt ihn Vinz Clortho durch die Straßen New Yorks anstatt einfach einen anderen Nachbarn zu übernehmen. Wobei Vinz Cortho insgesamt deutlich weniger zielstrebig scheint als Zuul. Ich meine, dass der „Schlüsselmeister“ einen Mann übernimmt, der sich mehrfach aus seiner eigenen Wohnung ausschließt ist vielsagend. Nun, nach der „Vereinigung“ von Schlüsselmeister und Torwächter taucht Gozer in androgyner, aber von den Geisterjägern als weiblich erkannter, Person auf. Egon macht klar, dass eine Klassifizierung wie männlich oder weiblich bedeutungslos für ihn ist. Deshalb nenne ich ihn weiterhin „er“.

Gozer scheint sich selbst als göttliches Wesen wahrzunehmen, fragt er doch Ray, ob er ein Gott sei. Und reagiert auf die negative Antwort mit zerstörerischer Verachtung. Nach kurzem und wirkungslosem Angriff der Geisterjäger auf diese Form, fordert Gozer sie auf die endgültige Form des Zerstörers zu wählen. Ray denkt instinktiv an den Mr. Stay Puft, das Maskottchen eines Marshmallow-Herstellers. Ein Glück, denn normalerweise dürfte das verängstigte Wesen, dem diese Frage gestellt wird an etwas Furchtbares denken, während der Marshmallow Man, von seiner Größe abgesehen, offensiv nicht sonderlich gut ausgestattet ist. Am Ende besiegen die Geisterjäger trotzdem keineswegs den Zerstörer, sondern zerstören den Tempel, die Spitze der Antenne. Gozer ist nicht tot oder besiegt, nur sein Anker in unserer Welt ist zerstört. Für den Moment.

Ursprünglich war geplant, dass Gozer bei seiner Ankunft die Form von Ivo Shandor hätte. Dargestellt von Paul Reubens, einem betont harmlos wirkenden Mann, der zu der Zeit großen Erfolg in den USA mit einer Kindersendung um seinen Charakter Peewee Hermann hatte. Es ist nicht ganz klar, ob Reubens absprang, weil er Angst um sein Image hatte (es stand ein Film um Peewee an), oder ob die Autoren erkannten, es würde Gozer kleiner wirken lassen, wenn er den Mann, der ihn auf die Erde gebracht hat, in irgendeiner Weise anerkannte. Gozer als androgynes Wesen erscheinen zu lassen ist eine interessante Idee. Ob der Bodysuit mit Tischtennisbällen drauf und die Flattop-Frisur nun den Erwartungen an ein Wesen von jenseits Raum und Zeit gerecht werden lassen wir mal offen. Vielleicht wollte Gozer sich auch nur den 80ern anpassen. Slavitza Jovans Auftritt fühlt sich jedenfalls auf eine merkwürdige Weise „falsch“ (im guten Sinne) an, dass er trotz des kurz darauf auftauchenden Marshmallow-Monsters im Gedächtnis bleibt.

Die Tatsache, dass es den Autoren gelungen ist wenigstens Elemente des kosmischen Horrors in eine Komödie einzuweben, ist durchaus beeindruckend. Lovecraft ist vieles, aber komisch sind seine Geschichten eher selten (der ein- oder andere Kritiker ruft jetzt: „höchstens unfreiwillig“). Dafür bietet sich der kosmische Horror auch kaum an, ist die zugrunde liegende Idee der menschlichen Unbedeutendheit doch nicht unbedingt ein Zwerchfellkitzler.

Ein Hinweis noch: mir ist bewusst, dass das ‚Ghostbusters‘ Videospiel von 2009 die Geschichte um den Gozerianer-Kult deutlich erweitert. Ich habe mich für diesen Artikel auf das beschränkt, was der erste Film hergibt. Erstens, weil ich keine Zeit hatte, das Spiel noch einmal zu spielen, zweitens, weil es genau den Fehler vieler Lovecraft-Umsetzungen macht und zu konkret im Umgang mit dem Unbegreiflichen wird.

Dieser Artikel ist deutlich tiefer in die Funktion gozerianischer Mechanik eingestiegen als ich das geplant hatte. Ich hoffe Ihr habt trotzdem, oder auch deswegen, Spaß daran.

Falls Ihr übrigens selbst in verschiedenen Fassungen des Drehbuches schmökern wollt, oder teilweise Auszügen und Zusammenfassungen, dann habt Ihr hier die Chance dazu. Falls ich Euch halt nicht genug ‚Ghostbusters‘ liefere…