Mal wieder Geburtstagswünsche an den Film

Morgen ist es schon wieder soweit. Ich habe eine weitere Umrundung der Erde um die Sonne mitgemacht, ohne runterzufallen. Ich müsste lügen, würde ich behaupten, die letzte Umrundung wäre eine der lustigsten gewesen, aber man kann sich seine Mitfahrer halt nicht immer aussuchen. Stimmt‘s Corona? Es war vor ziemlich genau einem Jahr, als Corona plötzlich zum allgegenwärtigen Thema wurde. Statt vereinzelter Rückkehrer aus Wuhan, war die Infektionskrankheit in Europa endgültig angekommen. Und bleibt wohl auch noch eine Weile hier, wie es aussieht. Juhu. Das sind doch die besten Gäste, die vorbeikommen, obwohl sie nicht eingeladen sind und sich dann weigern zu gehen. Und glaub bloß nicht, die helfen beim Abwasch!

Aber gut, kommen wir zu meinen jährlichen Wünschen an den Film. Schauen wir erstmal, was aus meinen Wünschen vom letzten Jahr geworden ist. Dass ‚Dune‘ gut wird hab ich mir gewünscht. Prima, kann ich mir direkt weiterwünschen, fänd ich immer noch fein. Dass Batman unernster sein darf, hab ich mir gewünscht. Nun steht Zack Snyders Snyder-Cut von Zack Snyders ‚Justice League‘ vor der Zack Snyder-Tür und ‚The Batman‘ in einiger Ferne. Lustig wirken die beide mal gar nicht. Schade. Disney hat seinen Marvelhelden ‚The Almighty Dollar‘ nicht verfilmt. Gut, das überrascht immerhin nicht. Und David Lynch hat keinen neuen Film gedreht, aber dafür macht er immerhin den Wetterbericht bei Youtube. Das ist auch schön.

Keine besonders gute Bilanz für meine Wünsche, also. Ich muss vermutlich wieder deutlich weniger konkret werden.

Mein Wunsch für die Kinos selbst kann man glaube ich ganz gut anhand dieser Szene aus ‚Crawl‘ zusammenfassen. Barry Peppers Charakter steht dabei für die Kinos, Kaya Scodelarios für die Kinogänger (und ich meine damit nicht, dass wir die Kinos „Daddy“ nennen sollten…). Mich selbst sehe ich eher als den Hund. Ich tue was ich kann, aber so richtig viel ausrichten kann ich halt nicht.

Aber zum Film selbst: da könnte mein erster Wunsch womöglich für einige hochgezogene Augenbrauen sorgen, aber was soll‘s. Dass der Blockbuster auf geradezu erschreckende Weise vereinheitlicht wurde ist ja oft genug erwähnt worden. Worüber weniger gesprochen wird ist, wie absolut sexlos er geworden ist. Ich meine, da stehen diese Superhelden, gespielt von Darstellern, deren Körper das Beste repräsentieren, was Ernährungswissenschaftler und private Fitnesstrainer aus der menschlichen Physis machen können und keiner von denen entwickelt Gefühle, die über einen vorsichtigen Kuss hinausgehen? Ich will jetzt gar nicht die pornografische Ästhetik überall sehen, mit der etwa ein Michael Bay schnelle Autos und junge Frauen filmt, ganz im Gegenteil. Ich meine das auch in keiner Weise heteronormativ. Meinetwegen soll der nächste Hobbs & Shaw gern mit einer derart wild-männlichen Sexszene zwischen den Hauptcharakteren anfangen, dass dabei ein Hotelzimmer, oder gleich das ganze Hotel zu Bruch geht. Ernsthaft: die Studios haben etwa mit ‚Logan‘ ja gemerkt, dass ein Film, der eine Blockbuster-Thematik hat nicht für alle Altersklassen geeignet sein muss*, um ein Erfolg zu werden. Und ein wenig erotisches Knistern hier und da würde vielleicht helfen aus den Charakteren weniger Cartoons und eher Menschen zu machen.

*Kurz nach diesem Wunsch habe ich gelesen, dass die MCU Version von Blade wohl PG13 in den USA werden soll. The Almighty Mouse stimmt mir also nicht zu. Kann ich wohl abschreiben.

Der nächste Wunsch ist wahnwitzig unoriginell: mehr originelle Stoffe im Mainstream. Ja, das Kino hat abseits vom Mainstream heute vermutlich ebenso viel, und rein Mengenmäßig weit mehr, zu bieten als zu anderen Zeiten. Aber der Mainstream… Wenn es da nicht eine Vorlage in Form einer erfolgreichen (Jugend-)Buchreihe, einer seit 60 Jahren laufenden Comicserie, oder bereits sehr erfolgreicher Filme gibt, dann traut sich da gefühlt keiner ran. Und ich bin mir absolut bewusst, dass ich nicht der erste bin, der das merkt. Herrje, vermutlich ist es schon mal in den Geburtstagswünschen aufgetaucht, aber ich bin zu faul zum suchen. Natürlich ist ein neuer Stoff immer ein Risiko. Und natürlich ist die Minimierung dieser Risiken, das Abschleifen aller Ecken und Kanten, das Reduzieren auf den kleinsten, gemeinsamen Nenner genau das was Mainstream ist. Aber gelegentlich muss man eben doch mal ein neues Gewürz in den Brei werfen, sonst fällt den Essern auf, dass es ja auch noch Suppe (Serien) oder Eintopf (keine Ahnung, Videospiele? Wieso erklär ich hier eigentlich meine dämliche Metapher?) gibt. Das Publikum braucht auch mal sowas wie ‚John Wick‘, der wie selbstverständlich aus dem Nichts kommt und sich in unser aller Herzen mordet. ‚Knives Out‘ zeigt den Publikumsdurst nach einem cleveren Whodunnit, aber auch einem Charakter wie Benoit Blanc. Gerade letzterer ist, vermute ich wenigstens, als gelegentliche Erdung zwischen den Superhelden und quasi-Superhelden eines Tom Cruise oder Dwayne Johnson einfach nötig. Es muss nicht immer um das Schicksal der Menschheit, der Welt oder gleich des Universums (oder wenigstens des halben) gehen. Was mich direkt zu meinem eng verwandten nächsten Wunsch bringt.

Nicht jeder Film muss eine Milliarde Dollar einspielen. Nicht jeder Film kann eine Milliarde Dollar einspielen. Nicht jeder Film sollte eine Milliarde Dollar einspielen. Hört auf mit dem Versuch direkt Franchises zu schaffen. Dreht Filme. Wenn einer dann eine Milliarde Dollar einspielt, könnt ihr immer noch ein Franchise draus formen, wenn es denn unbedingt sein muss. ‚Star Wars‘ wurde auch nicht an einem Tag gebaut. Das Cinematic Universe scheint, außer bei Marvel, immerhin auf dem Weg nach draußen zu sein. Wohl nicht zuletzt weil nicht allzuviele die planerischen Fähigkeiten eines Kevin Feige mitbringen. Und, mal ehrlich, man mag vom MCU halten was man will, aber allein die Logistik dieses Irrsinnsunternehmens ist unfassbar beeindruckend. Sicher, es gibt Filmemacher, die drehen Dir drei Filme dafür, was das Catering bei einer Marvel-Produktion kostet und die bleiben womöglich eher in Erinnerung, aber meinen nicht vorhandenen Hut muss ich vor dem Organisatorischen auf jeden Fall ziehen. Das muss man übrigens auch erst einmal schaffen, einen Absatz mit der Aufforderung zur Abkehr von Franchise und Milliardenfilmen beginnen und ihn mit Lob für Kevin Feige zu beenden. Was soll’s, ein Wunschzettel folgt ja keiner Logik, sondern Wünschen.

Ansonsten wünsche ich mir natürlich wie üblich vom Film überrascht, mitgerissen und beeindruckt zu werden. Und 2020 war dafür, trotz allem, ein tolles Jahr. Mit ‚Parasite‘ wahrscheinlich einer der besten Oscarfilme seit langem. ‚Once Upon A Time In Hollywood‘ hat mir die Freude an Tarantino wiedergegeben. Mit ‚Der Unsichtbare‘ hat Universal genau das getan, was ich mir weiter oben wünsche. Und mit ‚Aniara‘, ‚Der Leuchtturm‘, ‚Portrait einer jungen Frau in Flammen‘, ‚Systemsprenger‘, ‚Midsommar‘ oder ‚Ready Or Not‘ hab ich einfach eine Menge sehr guter und unterhaltsamer Filme gesehen. Wenn das so weitergeht habe ich eigentlich nicht viele Film-Wünsche offen.

Also Sonne, bereit Dich darauf vor ein weiteres Mal umrundet zu werden. Und nächstes Jahr gibt’s neue Wünsche. Es sei denn, es kommt was dazwischen.

Geburtstag und so

Diesen Donnerstag war es mal wieder so weit: ich habe eine weitere Runde der Erde um die Sonne überlebt! Grund genug zum Feiern. Was bedeutet das für diesen Blog? Eigentlich nicht viel, außer dass Ihr diesen Samstag keinen informativen oder unterhaltsamen Artikel zu lesen bekommt, sondern das hier. Oh und am Montag werde ich einen Film rezensieren, der eine direkte Fortsetzung zu einem ist, der noch ein Paar Jahre älter ist als ich. Das ist aber mehr Zufall als Planung (was eigentlich das Motto dieses Blogs sein könnte…).

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Könnte dieses Bild noch mehr Twin peaks sein?

Nein, der einzige direkte Einfluss auf das Blog wird vermutlich sein, dass ich demnächst über Twin Peaks Staffel 3 schreibe. Und über die Bücher von Mark Frost, die passend zu dem Thema erschienen sind, sollten die irgendjemanden interessieren. Ich bin sehr gespannt drauf, hatte ich doch das Gefühl, die Reaktion auf die dritte Staffel war etwas verhalten. Was ich kaum nachvollziehen kann, immerhin ist es Lynchs erste Regiearbeit seit ‚Inland Empire‘ von 2006, nachdem er sich mit seiner Malerei und Musik beschäftigt hat. Und hier haben wir auf einmal wieder 18 Stunden neues Material von ihm!

So, letztes Jahr habe ich meine Geburtstagswünsche an den Film aufgestellt. Wollen wir mal sehen, ob die erfüllt wurden? Einer war „mehr Slapstick bitte“. Seitdem habe ich beide ‚Paddington‘ Filme gesehen, die diesen Wunsch quasi im Alleingang erfüllen konnten, folglich Wunsch erfüllt! Ein weiterer war, dass ein (halbwegs) Happy End nicht unbedingt eine Katastrophe für einen Horrorfilm sein muss. Und tatsächlich habe ich seitdem eine ganze Reihe gesehen, die auf allzu nihilistische Enden verzichten (aus offensichtlichen Gründen verrate ich natürlich nicht welche). Also auch erfüllt. „Es muss kein Franchise sein“ ist zwar kein Wunsch, sondern eine Anmerkung, aber erfüllt wurde er trotzdem. DC etwa hat verkündet, dass ihre Filme nicht mehr unbedingt einem engen Universum unterworfen sein müssen und Universal will nun, anstatt ein „Dark Universe“ aufzuziehen mit ‚The Invisible Man‘ erst mal einen kleinen, guten Film abliefern. Eine gute Idee und ein erfüllter Wunsch, wow! Der Wunsch nach besseren Postern? Naja, der ist nicht wirklich erfüllt worden, der Durchschnitt scheint mir da ziemlich gleich geblieben. Von Disney wollte ich weniger Star Wars. Und dank ‚SOLO‘ habe ich genau das bekommen! Danke Micky!

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Nicht wirklich. Aber mehr Lynch geht immer!

Das bedeutet vier von fünf Wünschen wurden erfüllt, das ist doch mal so gar keine schlechte Quote. Und damit die so gut bleibt, will ich gar nicht erst riskieren dieses Jahr neue Wünsche zu erstellen. Wozu auch, ich habe ja jetzt erst mal 18 Stunden (+ 2 Bücher) ‚Twin Peaks‘ vor mir. Also her mit dem Kirschkuchen und dem verdammt guten Kaffee und auf in ein weiteres Jahr!

Meine Geburtstagswünsche an den Film

Ich hatte diesen Mittwoch Geburtstag und wer Geburtstag hat, der darf sich bekanntlich was wünschen. Und da dies ein Filmblog ist, dachte ich mir, warum sich nicht mal was vom Film wünschen. Denn auch wenn ich mit der Filmwelt im Großen und Ganzen zufrieden bin, ein paar Wünsche bleiben ja immer offen. Keine Sorge, ich werde allzu Offensichtliches, wie „gute Filme, bitte!“ vermeiden. Auch soll es nicht um die Filmindustrie gehen (obwohl ich durchaus hoffe der Wunsch „setzt die Harvey Weinsteins der Welt an der Autobahnraststätte der Geschichte aus!“ erfüllt sich) oder das Kino („Nachos (eigentlich den Käsedip) verbieten!“) sondern um die Filme an sich. Und das war mal wieder viel mehr Vorrede als gewollt, ich wünsch‘ mir jetzt einfach mal was! Weiterlesen