Etruskischer Horror auf Fantastische Antike

Sowohl die antiken Hellenen als auch die Römer sind gern gesehene Gäste in vielerlei Filmen. Vom Geschichtsepos bis zur Fantasy. Wenn es jedoch um Horror geht, dann sind von allen antiken Mittelmeeranrainern sicherlich die alten Ägypter, nicht zuletzt dank ihrer Mumien, ganz vorne mit dabei.

Auf seinem Blog Fantastische Antike hat Michael Kleu jetzt einen faszinierenden Artikel der französischen Doktoranwärterin in Kunstgeschichte Julie Labregère übersetzt, der einen unerwarteten Herausforderer ins Feld führt: die alten Etrusker. Ja, jenes Italikervolk aus der heutigen Toskana und nördlichem Latium, das in typischen Schulgeschichtsbüchern exakt zwei Erwähnungen findet: 1. im 3. Jhdt v. Chr. von den Römern unterworfen und 2. nach den Bundesgenossenkriegen volles römisches Bürgerrecht erhalten. Doch waren die Etrusker natürlich mehr als eine Fussnote. Ihre faszinierenden Grabstätten bilden einen Vektor, der direkt in den Horrorfilm führt.

Eine ganze Reihe an Beispielen führt Labregère dafür auf, sowohl aus Hollywood als auch aus der Blüte des italienischen Horrors der 70er und 80er Jahre. Ich habe meiner Liste jedenfalls einige Filme hinzugefügt.

Wer also auch nur ein leises Interesse für Horror oder antike Geschichte mitbringt, der klicke spätestens jetzt genau hier, falls meine Verlinkungen bis jetzt zu subtil waren!

Synchronisation – Bereicherung oder Barbarei? Teil 1: Vor der Synchronisation

Die einen lieben sie, die anderen akzeptieren sie, für wieder andere ist sie grausame Verunstaltung: die Filmsynchronisation. Kaum irgendwo anders findet sie so allumfassend statt, wie im deutschsprachigen Raum. Wir verbinden oftmals fest eine deutsche Stimme mit einem internationalen Schauspieler. Das geht so weit, dass Hörspiele oder -bücher nicht mit dem Namen des Sprechers, sondern beispielsweise mit „der Stimme von Johnny Depp“ werben. Vor dem Aufkommen der DVD war das Schauen eines Films im Originalton etwas außergewöhnliches. Ich möchte in der nächsten Zeit (ein bewusst vage gehaltener Begriff!) in ein paar Artikeln einen Blick auf die Kunst (das Handwerk?, die Sünde?) der Synchronisation werfen. Heute fangen wir allerdings an bevor es die Synchronisation überhaupt gab. Als sie zuerst nicht nötig und dann nicht möglich war. Weiterlesen

Warum essen wir eigentlich ausgerechnet Popcorn im Kino?

Es ist doch merkwürdig, oder? Warum isst man im Kino gerade Popcorn? Und falls man es doch mal zu Hause isst, eigentlich nur, wenn man einen Film schaut? Warum sind der Snack und das Filmerlebnis derart untrennbar miteinander verbunden, dass „Popcorn-Kino“ gar eine Gattung von Film beschreibt, die möglichst wenig geistige Kapazitäten vom Verzehr des geplatzten Mais‘ abzieht? Warum ein knuspriger und damit lauter Snack, anstatt Marshmallows, Bonbons oder ähnlichem, die in absoluter Ruhe genossen werden könnten? Und man niemals Gefahr laufen würde, auf diese harten ungepoppten Körner zu beißen. Dafür ist ein erstaunlich weiter Blick zurück in die Geschichte des Doppelkontinents, auf dem auch der Mais selbst kultiviert wurde, vonnöten! Kommt Ihr mit? Weiterlesen

Der Filmlichter und das Geheimnis des ptolemäischen Scharniers

ptolemäisches scharnier

Wenn man den Begriff „ptolemäisches Scharnier“ in die Google-Suche eintippt ist mein Blog der erste Vorschlag, den die Suchmaschine ausspeit. Das ist leider nicht sehr hilfreich findet man hier doch nur meinen bemüht lustigen Verriss des Films ‚Katakomben‘. Leider findet man aber auch sonst nicht viel zu diesem Begriff (beinahe nur Rezensionen von ‚Katakomben‘). Ich möchte aber natürlich nicht, dass Besucher, die mich auf diesem Wege finden völlig enttäuscht sind, ist das doch einer der häufigsten Suchbegriffe über den dieses Blog (beinahe täglich) gefunden wird. Mit endgültigen Antworten kann ich leider nicht aufwarten aber schauen wir doch mal, was wir herausfinden können.

Der Charakter Scarlett setzt diesen Begriff im Film ‚Katakomben‘ in Zusammenhang mit ägyptischen Pyramiden. Das halte ich für äußerst unwahrscheinlich. Als sich General Ptolemaios, im Zuge des Zerbrechens des Reiches Alexanders des Großen, 323 v. Chr. Ägypten unter den Nagel riss hat dort schon seit vermutlich über 1000 Jahren niemand mehr Pyramiden gebaut. Da sein hellenistisch-ägyptisches Reich das erste war, das als „ptolemäisch“ bezeichnet wurde, wäre die Verwendung im Film also blödsinnig. Doch, da der Film in Bezug auf seine esoterischen Hintergründe seine Hausaufgaben gemacht zu haben scheint, schauen wir nochmal genauer hin.

Die ptolemäische Dynastie endete im Jahr 30 v. Chr., als Königin Kleopatra VII. Philopator (die mit der schönen Nase!), nach der Niederlage ihres Verbündeten Marcus Antonius im römischen Bürgerkrieg, Selbstmord beging und Ägypten als Provinz unter die direkte Kontrolle Roms fiel. Kann es in dieser Zeit der hellenischen Herrschaft über Ägypten eine bestimmte Bauweise von Häusern, Tempeln, Schiffen oder sonst was gegeben haben, die eine bestimmte Art von Scharnier beinhaltete? Möglich. Falls ein Archäologe mit Ahnung dies liest, erzähl uns bitte mehr.

Einen anderen, wahrscheinlicheren Ansatz sehe ich aber in Claudius Ptolemäus, einem Gelehrten aus Alexandria, der ungefähr zwischen 100 und 160 n. Chr. gelebt hat. Der hat ein 13bändiges Werk über so ziemlich alles geschrieben. Von Musiktheorie bis Geographie. Und er hat das geozentrische Weltbild festgelegt, nach dem die Erde im Mittelpunkt von allem liegt. Das hatte dann bis zu Kopernikus und Galilei  bestand und spielte in der Kosmologie der Gnostiker, die dann wiederrum die Alchemisten übernahmen, eine große Rolle. Damit wäre ein thematischer Anknüpfpunkt zu ‚Katakomben‘ gefunden. Und über Mathematik hat Ptolemäus auch viel geschrieben. Zum Beispiel den Satz des Ptolemäus. Hat er also möglicherweise auch etwas über Mechanik oder Mathematik von Scharnieren geschrieben? Gut möglich. Sind Mathematiker anwesend? Von den Pyramiden wären wir damit aber zeitlich natürlich noch weiter weg.

So, wirklich weiter wird Euch Suchende das alles nicht gebracht haben aber vielleicht ist es mir gelungen Euch auf einen erfolgversprechenden Weg zu lenken. Was bleibt also? Nun, das Einfachste wäre wohl „Ptolemäus seins“ mit wasserfestem Marker auf ein altes Scharnier zu schreiben und stattdessen einfach mal was über Filme zu lesen. Und, wisst ihr was? Dafür könntet ihr auch gleich genau hier bleiben! Das fänd ich zumindest pyramidal! Oder auch ptotal ptoll! Hahahahahaha!!! Hallo? Noch irgendwer da? Och…

Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens (1922) Teil 2: Die Rache der Florence Stoker

Gehen wir kurz noch einmal durch, was wir in Teil 1 erfahren haben: Februar 1922. Albin Grau hat seinen Traum verwirklicht. Die „Prana-Film“ hat seinen Vampirfilm produziert. Henrik Galeen hat seinen Traum in Worte gefasst und Friedrich Wilhelm Murnau hat ihn auf Film gebannt. Nun blieb nur noch ihn der Welt zu zeigen. Grau und Enrico Dieckmann griffen tief in die Werbekiste, um das verwöhnte Kinopublikum der frühen Weimarer Republik auf ihre Schöpfung aufmerksam zu machen. Natürlich war der Traum nicht gänzlich dem Geiste Graus entstiegen, ein Großteil der Handlung des Films war Bram Stokers Roman ‚Dracula‘ entnommen, ohne dass Grau die Rechte dafür besessen hätte. Doch er war überzeugt durch die Veränderung der Namen der Charaktere und das Verlegen der Handlung nach Deutschland auf der sicheren Seite zu sein. Und so stand einer beeindruckenden Prämierenfeier nichts mehr im Wege. Weiterlesen