Newslichter Ausgabe 72: KatzenLEGO oder „was denkt der sich bloß bei den Überschriften?“

Frohohohohe Weihnachten und willkommen bei einer Miniausgabe 72 des Newslichters. Weihnachtlich wird es in der heutigen Ausgabe nicht, doch sollte dennoch für jeden etwas dabei sein, sprechen wir doch über Katzen und LEGO. Und wer mag nicht wenigstens eines davon?! Legen wir also direkt los!

 

‚Cats‘ wird verbessert

https://screenrant.com/cats-movie-cgi-problems-changed-bad-tom-hooper/

Wer Videospiele spielt, für den sind „Patches“ nichts Besonderes. Kleine oder auch große Updates, die kleine oder auch große Fehler ausbügeln. In heutigen Zeiten, wo praktisch jede Konsole und jeder PC immer online ist, ist auch der „Day One Patch“, eine Verbesserung noch am Tag der Veröffentlichung eines Spiels, nichts ungewöhnliches. Bei Filmen gab es das bislang in dieser Form nicht. Doch heutzutage, wo Filme oftmals nicht mehr als physisches Objekt in die Kinos gebracht werden, sondern als Datei ausgeliefert werden, war das wohl nur eine Frage der Zeit. Nun hat also Tom Hoopers Musical-Verfilmung ‚Cats‘ einen solchen Patch erhalten. Nicht verwunderlich, schraubte Hooper zusammen mit den VFX Künstlern bis zur letzten Minute an den, in den Trailern großteils verschrienen, CGI-Katzenkostümen der prominenten Darsteller. Tatsächlich sollen sich dort einige Fehler eingeschlichen haben, etwa dass die „echten“ Hände einer Darstellerin in einer Szene zu sehen waren.

Ob dieses Ausbessern der Effekte einen Film retten wird, bei dem sich die Kritik derzeit mit Häme überschlägt und der an der Kasse enttäuscht ist fraglich. Meine Vermutung ist allerdings, dass sich eben durch die bizarren CGI-Effekte neugierig gewordene Zuschauer (wie ich) und regelmäßig filmisch unterversorgte Musical-Fans den Film vor einem Totalflop retten werden*. Und wer weiß, womöglich steht ihm gar eine Karriere als Kult-Film mit ritualisierten Mitternachtsvorstellungen bevor. Ungewöhnlich genug dafür scheint er zu sein. Soll heißen: ‚Rocky Horror Picture Show‘ wurde vor 45 Jahren auch verrissen…

* habe gerade gesehen, dass der Film ein Budget von 100 Millionen Dollar (ohne Marketing) hat und am ersten Wochenende weniger als 6 Millionen eingespielt hat. Möglicherweise wird’s doch ein Totalflop…

 

Quo Vadis LEGO Movie-Rechte?

https://deadline.com/2019/12/lego-movie-rights-universal-talks-1202814095/

Der ‚LEGO Movie‘ war 2014 ein echter Überraschungserfolg. Statt der erwarteten zynischen, als Film verkleideten Produktwerbung bekamen wir einen durchaus selbstironischen Film, dem es perfekt gelang seine gelbe Plastikklaue auf eben jene Punkte zu legen, die LEGO faszinierend und zu einem unsterblichen Spielzeug für jung und alt machen. Aber dann wollte Warner mehr. Etwas zu viel mehr. Es folgte der ‚LEGO Batman Movie‘ und ein ‚Ninjago‘ Film in (zu) kurzer Abfolge. Und als die Luft fast vollends raus war, wurde ein zweiter LEGO Film nachgeschoben. Die Kritik war zwar immer noch wohlwollend, doch sehen wollte den kaum noch jemand.

Und so scheint es jetzt, dass Warner genug von der Lizenz hat. Die LEGO Filmrechte stehen zum Verkauf. Eine ganze Reihe Studios sind ernsthaft interessiert, allen voran derzeit wohl Universal. Ich muss zugeben, dass mich das überrascht. Würde ich Filme produzieren, dann wäre ich jetzt gerade vollkommen desinteressiert an der Lizenz. In 5 Jahren sähe das vielleicht anders aus, doch im Moment scheint sie ziemlich ausgebeutet. Übrigens ist es einzig die Lizenz, die weiterverkauft würde. Die Charaktere wie Emmet oder Wyldchylde bleiben bei Warner. Und Batman gehört ihnen eh. Und das „Film, der auf Spielzeug basiert“ nun wahrlich kein Erfolgsgarant ist, hat ja gerade der Playmobil Film eindrucksvoll belegt. Naja, Universal werden schon wissen was sie tun… andererseits haben die nicht gerade ‚Cats‘ für 100 Millionen Dollar produziert? Everything is awesome! (nur darf Universal das dann natürlich auch nicht singen…)

 

Das soll es für heute schon gewesen sein. Und damit auch mit dem Newslichter für dieses Jahr. Wir sehen uns nächste Woche trotzdem wieder, wenn Ihr mögt!

 

 

‚The LEGO Batman Movie‘ (2017) „Computer! Overcompensate!“

Was hatte ich nicht für Vorstellungen, bevor ich Phil Lords und Chris Millers ‚Lego Movie‘ gesehen habe. Einen seelenlosen 90 minütigen Werbespot für das beliebte, dänische Bauspielzeug habe ich erwartet. Was ich stattdessen bekommen habe, lässt sich wohl am besten mit den Worten „everything is awesome!“ zusammenfassen. Sicherlich, wie ernst man die antikorporatistische Aussage des Films nehmen kann, angesichts nicht nur seiner Entstehung, sondern auch mehrerer Spin-Offs und Fortsetzungen, bleibt jedem selbst überlassen. Dennoch hatte der Film Herz und führte jede Menge liebenswertet Charaktere ein. Und der weitaus coolste von denen, zumindest seiner eigenen Meinung nach, ist Will Arnetts selbstverliebter Batman. Kein Wunder also, dass der dann auch den ersten Spin-off Film bestreiten durfte.

Batman (Arnett) ist frustriert. Jim Gordon (Hector Elizondo) ist in den Ruhestand gegangen und seine Nachfolgerin Barbara Gordon (Rosario Dawson) erwartet, dass Batman mit der Polizei zusammenarbeitet. Dann überrascht ihn auch noch der Joker (Zach Galifianakis) mit einem Gespräch über ihre „komplizierte“ Beziehung als Erzfeinde. Niemand scheint verstehen zu wollen, dass Batman mit niemandem zusammenarbeitet und ganz bestimmt keine Beziehungen führt. Batman arbeitet und ist allein! Die Tatsache, dass Bruce Wayne in einem unachtsamen Moment den anhänglichen Waisenjungen Dick Grayson (Michael Cera) adoptiert hat, macht diese Position nicht eben einfacher. Aber als sich dann nicht nur der Joker, sondern gleich die gesamte gothamer Schurkenriege der Polizei ergibt und Batman somit überflüssig macht, ist ein Schritt zu weit. Batman lässt sich zu einer Tat hinreißen, die die ganze Stadt in Gefahr bringt.

Eines wird schnell überdeutlich: die Autoren dieses Fims haben ihre Hausaufgaben gemacht und kennen sich in Batmans jahrzehntelanger Geschichte bestens aus. Wenn Batman im Gespräch mit dem Joker von „dem Vorfall mit den zwei Booten“ (‚The Dark Knight‘ 2008) oder „dieser Parade mit Musik von Prince“ (‚Batman‘ 1989) spricht, dann werden noch die meisten wissen wovon die Rede ist. Aber so ziemlich jeder Batman(und Superman)-Film, „diese merkwürdige Phase in den 60ern“, selbst die 40er Jahre Serials und allem voran die Comics werden mit so vielen Anspielungen und Hintergrundgags bedacht, dass man den Film wohl 5 mal schauen müsste, um das alles richtig würdigen zu können. Und nebenbei einen Doktortitel in Batmanologie haben müsste. Das dürfte in naher Zukunft so einige Internet-Listen füllen. Als „90minütiges Easteregg für Batfans“, als das Lego Movie‘ Co-Regisseur Miller den Film einmal bezeichnet hat funktioniert er ohne Frage ganz großartig.
Wie sieht es als Film aus?

Die Qualität des ‚Lego Movie‘ erreicht er nicht ganz, wobei das auch ein sehr hochgestecktes Ziel ist. Die Gagdichte erscheint mir hier noch ein wenig höher, der Film nimmt nur selten einmal ein wenig Tempo heraus, um seinen Charakteren eine Chance für Entwicklung zu geben. Dennoch geht der dritte Akte davon aus, dass sie uns zutiefst ans Herz gewachsen sind, was nicht ganz funktioniert. Zusammen mit der Gagdichte und der Geschwindigkeit ergab sich für mich ein Gefühl der Hyperaktivität, dass mich gegen Ende etwas überfordert hat. Aber ich bin sicher, das jüngere Zielpublikum kommt damit weit besser klar als ich.

Optisch erreicht der Film problemlos das Niveau des ‚Lego Movie‘. Fast wirken die plastikglänzenden Umgebungen hier noch etwas liebevoller, noch etwas schöner als im Original. Die Figuren noch etwas beeindruckender animiert, gelingt es noch mehr Ausdruck aus den steifen Minifiguren herauszuholen.  Das mag daran liegen, dass mit Chris McKay hier der Animationsverantwortliche des ‚Lego Movie‘ die Regisseursarbeit übernommen hat und auf ebensolche Details vermutlich noch ein weitaus schärferes Auge hatte. Akustisch reichen sich klassische und moderne Popmusik hier die Hände und Lorne Blafe liefert einen Score ab, der wunderbar zwischen Superheldenbombast und Albernheit zu oszillieren weiß.

Die Besetzung der Hauptfiguren ist durch die Bank gelungen und auch im Hintergrund finden sich immer mal wieder gelungene Gags. Wenn Doug Benson Bane mit deutlich artikuliertem britischen Akzent spricht ist dies in sich schon eine weitere Anspielung auf ‚The Dark Knight Rises‘. Manches hat mich aber doch verwundert. Da besetzt man Billy Dee Williams endlich als Two-Face (er spielte im ’89er Film Harvey Dent aber Burton hat Two-Face nie verwendet), lässt ihn dann aber nur einen Halbsatz sagen, der quasi im Lärm der Szene untergeht. Schade. Wenn man Ralph Fiennes ohnehin schon als Alfred im Studio hat, hätte er doch auch gleich noch eine gewisse bekannte Schurkenfigur sprechen können, mit der er einige Erfahrung hat. Wobei Eddie Izzard hier ein mehr als adäquater Ersatz ist.

Was auffällt ist wohl, dass ich von dem Film hier immer nur als Batman Film spreche. Die Tatsache, dass sie in einem Universum aus Legosteinen spielt hat auf die Geschichte tatsächlich so gut wie keinen Einfluss. Die wenigen Momente, wo es dann doch einmal eine Rolle spielt wirken dann auch teilweise etwas aufgesetzt. Lego ist hier eher Medium als wichtiger Teil der Handlung.

Wer einen Batman Film abseits des bitteren Ernstes der derzeitigen DC Filme sucht, der Batman dennoch vollumfänglich als Figur versteht (womöglich sogar besser) der hat derzeit ja nicht eben die größte Auswahl (‚Return of the Caped Crusaders‘ gäbe es noch) und wird hier auf jeden Fall bestens bedient und 100 Minuten lang hervorragend unterhalten. Und dann schaut man den Film nochmal, um mehr Anspielungen mitzukriegen. Und dann…