Newslichter Eilmeldung: Spider-Man ist raus aus dem Marvel Cinematic Universe!

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18526974.html

Es war schon länger bekannt, dass der Vertrag über die Nutzung von „live action“ Spider-Man zwischen Sony und den Marvel Studios dieses Jahr auslaufen würde. Allerdings ging man davon aus, dass er, aufgrund des finanziellen Erfolges der Marvel-Spider-Man Filme direkt erneuert würde. Danach sieht es jetzt aber nicht mehr aus. Sony und Disney haben offensichtlich deutlich andere Ansichten, was eine Zukunft des sympathischen Netzschwingers angeht. Die Gespräche um eine Fortsetzung des Vertrages sind also zum Erliegen gekommen. Damit wäre Spider-Man zukünftig nicht mehr im MCU zu sehen.

Man darf und muss wohl vermuten, dass Geld bei diesen Verhandlungen eine recht wesentliche Rolle gespielt hat. Disney/Marvel hatte zwar volle kreative Kontrolle über live action Spidey, doch landeten nur 5% der Einnahmen im Haus der Maus. Nun wollte Disney (zumindest laut dem Magazin Deadline) wohl eine 50/50 Aufspaltung der Einnahmen und auch Tom Hardys Venom ins MCU holen. Beides war wohl für Sony nicht akzeptabel. Und so endet der Vertrag.

Was ändert sich für zukünftige Spider-Man Filme? Tom Holland in der Hauptrolle und Jon Watts auf dem Regiestuhl bleiben erhalten. Weg fallen die Verbindungen zu den Avengers und dem Rest des Marvel Univsersums.

Ich mache mich jetzt womöglich unbeliebt, aber mich freut diese Entwicklung aus vielerlei Hinsicht. Ich möchte Spider-Man als eigenständigen Helden in seiner eigenständigen Welt sehen. Und sicherlich kann man sich über die schwankende Qualität der Sony Spider-Männer streiten, doch immer dann, wenn Sony den Kreativen freie Hand gelassen hat (die ersten beiden Raimi Filme und natürlich der brillante ‚Spider-Man: A New Universe‘) kam Hervorragendes dabei heraus. Mischte sich das Studio hingegen ein, etwa beim wahnsinnig gezwungenen Aufbau eines eigenen Cinematic Universe bei den ‚Amazing Spider-Man‘ Filmen, ging es schief. Ich hoffe man hat bei Sony gelernt Watts einfach machen zu lassen. Abgesehen davon, dass man mit ‚Venom‘ und dem kommendem ‚Morbius‘ Film ja eh schon auf dem Weg zu einem eigenen Cinematic Universe ist. Und ich habe zwar nur ‚Homecoming‘ gesehen, der war aber, in meinen Augen, nicht wegen der Metaverbindungen zum Rest des MCU gut, sondern trotz dieser Verbindungen.

Aber ganz ehrlich, abseits der Qualität der Filme ist mir alles recht, was den „Disney kauft die gesamte Popkultur“-Zug wenigstens kurz zum Stehen bringt. Nein, Sony ist keine sympathische, kleine Firma, die es dem großen, bösen Konzern mal zeigt, sie sind selbst ein solcher. Aber Sony ist wenigstens nicht auf bestem Wege zu einem Monopol. Daher ist mir alles recht, was Disneys Würgegriff um das Blockbusterbusiness ein wenig lockert. Ob Peter Parker danach noch mit einem sprechenden Waschbären herumalbern kann, ist für mich da erst einmal zweitrangig. Denn Peter Parker ist nicht echt, die Leute deren Arbeit auf eine halbwegs gesunde Filmindustrie, die nicht vollständig auf Milliardenblockbuster ausgelegt ist schon. Und wir Zuschauer, die doch hoffentlich ein wenig Abwechslung wollen, auch.

‚The Punisher‘ (1989) – Marvels frühe Filmversuche

Kommt mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1988! Superheldenfilme sind hier alles andere als Mainstream. Wirklich erfolgreich war eigentlich nur DCs ‚Superman‘ von 1978, der bei Warner erschien. Und die Serie hat sich in den letzten 10 Jahren totgelaufen. Der vierte Film erschien im letzten Jahr gar bei Menahem Golan und Yoram Globus‘ Billigfilmschmiede Cannon Films. Doch zumindest hat DC gerade ein neues, heißes Eisen im Feuer. Nächstes Jahr soll ‚Batman‘ ins Kino kommen, gedreht von einem aufregenden neuen Regisseur namens Tim Burton! Man darf gespannt sein! Wie bitte? Marvel? Was für Filme Marvel in petto hat? Öh, da muss ich nachgucken. Tja, im Fernsehen waren sie vor ein paar Jahren ganz erfolgreich, mit einem grün angemalten Lou Ferrigno als ‚Hulk‘. Aber im Kino?

Na gut, George ‚Star Wars‘ Lucas hat 1986 ‚Howard The Duck‘ gedreht. Der Film hat ca. 5 Leuten mit erstaunlicher Vorliebe für Entenbrüste gefallen, für alle anderen ist er zur Pointe geworden. Die Rechte an ‚Spider-Man‘ und ‚Captain America‘ sind ohne Umwege über ein größeres Studio direkt bei Cannon Films gelandet. Und ob die überhaupt rauskommen ist mehr als fraglich, denn Cannon hat sich letztes Jahr (1987) mit dem Spielzeugfilm ‚Masters of the Universe‘ und dem Sylvester Stallone Armdrück-Epos ‚Over the Top‘ zwei verdammt teure Flopps eingefahren und es ist fraglich, ob sie das überstehen. Oh halt, hier sehe ich etwas, das funktionieren könnte. Wenn etwas hier in den 80ern läuft, dann ist es laute Action voller Muskelmännern mit fetten Knarren. Und Marvels ‚The Punisher‘ könnte genau das liefern. Und die Rechte dafür liegen bei Roger Cormans ‚New World Pictures‘, also wird er definitiv laut. Sicher, billig aber vor allem laut. Mark Goldblatt dreht den derzeit mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle in Sydney Australien (weil’s da billig (und vermutlich laut) ist). Reisen wir also zurück in unsere Zeit und schauen mal, was der kann.

Kurzer Einwurf, weil’s vermutlich auch heute noch kein Allgemeinwissen ist: im Comic ist der Punisher der ehemalige Polizist Frank Castle. Der musste mit ansehen, wie seine Frau und seine Kinder bei einem Picknick im Park zwischen eine Bandenschießerei gerieten und ermordet wurden. Er schwor nicht einfach nur den Banden Rache, sondern wollte alle „Schuldigen“ überall bestrafen. Mit einem großen Totenschädelsymbol auf der Brust und einem noch größeren Waffenarsenal macht er nun Jagd auf Verbrecher aller Art. Aufgrund seiner mörderischen Methoden gerät er dabei immer wieder mit Superhelden in Konflikt. Kurz, der Punisher ist Batman, wenn Batman statt Millionen auf dem Konto, eine NRA-Mitgliedskarte unter dem (natürlich stahlharten und überaus männlichen) Kopfkissen hätte. Jetzt aber zum Film.

125 Morde hat der mysteriöse Punisher in den letzten 5 Jahren begangen. Die meisten davon an Mitgliedern der italienischen Mafia von Atlanta. Die Polizei hat keine Spur, doch Detective Jake Berkowitz (Louis Gosset jr.) ist überzeugt, dass sein ehemaliger Partner Frank Castle (Dolph Lundgren) dahintersteckt. Dessen Familie ist durch eine Autobombe der Mafia ums Leben gekommen und auch Castle selbst gilt offiziell als tot. Währenddessen versucht Boss Gianni Franco (Jeroen Krabbe) die durch den Punisher geschwächten Mafiafamilien zu einen. Doch auch die Yakuza bemerkt die Schwäche der Mafia. In einem brutalen Schachzug versucht sie, unter Leitung von Lady Tanaka (Kim Miyori), die übrigen Mafiabosse zu neutralisieren. Indem sie ihre Kinder entführen. Der Punisher sieht sich nun dem Dilemma ausgeliefert, dass sein Wunsch die Schuldigen zu bestrafen, Unschuldige in Gefahr gebracht hat. Aber dieses Dilemma wird er lösen. Mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren, etwas Sprengstoff, Dolchen und der einen- oder anderen Garotte.

Lasst uns eines direkt klar machen: der Film ist nicht mehr und nicht weniger als, in meinen Augen, grundsolider Trash. Mark Goldblatt ist kein großer Regisseur. Am Aufbau seiner Figuren hat er bestenfalls mäßiges Interesse. Seine Qualitäten kommen aber zum Vorschein, wenn es knallt. Und zum Glück knallt es in dem Film sehr häufig. Und wenn er kein großer Regisseur sein mag, so ist er auf jeden Fall ein brillanter Cutter (‚Phantom Kommando‘, ‚Terminator‘ (1+2), oder ‚The Rock‘ etwa gehen auf seine Kappe). Daher läuft auch ‚The Punisher‘ mit einer solchen Verve ab, dass der Film gar keine Chance hat langweilig zu werden. Castles Hintergrundgeschichte etwa, bekommen wir in zwei Flashbacks, zusammen weniger als eine Minute präsentiert. Dann mäht er schon wieder reihenweise Mafiosi und Yakuza in derart übertriebenen Szenen um, dass man es nicht ernst nehmen kann und als pure Exploitation, als völligen Over The Top (aber ohne Armdrücken) Film begreifen muss. Und als solcher ist er toll. Auch wenn man das (vergleichsweise) geringe Budget von 9 Millionen Dollar durchaus gelegentlich bemerkt (das „Edelrestaurant“ der Mafia sieht ein wenig wie Muttis ausgebauter Keller aus).

Wie ist er als Comicverfilmung? Ich kenne den Punisher zu wenig um das wirklich zu sagen. Aber viel ist von der Figur schon dadurch nicht übrig, dass der Film auf das Totenschädelsymbol verzichtet. Nur am Knauf von Castles Dolchen taucht es noch auf. Für mich funktioniert der Punisher allgemein eigentlich nur als überzogene Exploitation (daher ist Lexi Alexanders vollkommen irrwitzig brutaler ‚Punisher : Warzone‘ auch der beste Film der Figur), denn wenn man diese Figur zu ernst nimmt, wird sie schnell ein wenig… unangenehm. Es ist allerdings interessant zu sehen, wie Goldblatt versucht, seinen Film an das Medium Comic anzunähern. Er schafft eine gewisse „Panel-haftigkeit“, indem er etwa die im Film reichlich vorkommenden Wurfgeschosse, von Dolchen bis Shuriken, immer wieder in Großaufnahme zeigt, bevor sie ihr Ziel finden. Eine typische Comic-Erzählweise. Man darf nicht vergessen, dass er ohne jedes Vorbild für einen solchen Comichelden drehte.

Ich überrasche wohl niemanden, wenn ich eröffne, dass Dolph Lundgren kein guter Schauspieler ist. Allerdings funktioniert er gut als schweigsames Monster, das dreckverschmiert aus der Kanalisation auftaucht. Ein mörderischer, bleicher Riese mit blutunterlaufenen Augen und verfilzten Lederklamotten. In der Mitte des Films scheint dann aber plötzlich die Entscheidung gefallen zu sein, er bräuchte Arnold‘sche Oneliner. Und für die fehlt Lundgren einerseits das Charisma und zur Figur passt es andererseits auch nicht. Das merkt der Film auch und sie verschwinden schnell wieder. Echtes Charisma und ein wenig Humor bringt Louis Gosset jr. In den Film ein. Und Jeroen Krabbe ist vermutlich der begabteste Darsteller, als Gangster zwischen Sorge um seinen Sohn und Machtwillen.

‚The Punisher‘ ist also kein ganz großer Comicfilm, aber ein toller 80er Actionreißer. Also der erste große Erfolg an der Kinokasse für Marvel? Nein. Denn New World Pictures geriet 1989 in eine Krise. Sie verkauften die amerikanischen Rechte des Films daher an Live Entertainment (heute Lionsgate). New Line brachte den Film in anderen Territorien ins Kino, etwa in Deutschland, wo er sofort auf dem Index landete. In den USA kam er hingegen nie ins Kino, weil Lundgren mit ‚Masters oft he Universe‘ und ‚Red Scorpion‘ unter Beweis gestellt hatte, dass er als „Leading Man“ nicht funktioniert. Live Entertainment brachte ihn erst 1991 auf Video heraus, wo er in der negativen Reaktion auf den ‚Captain America‘ Film (nicht von Cannon) unterging. Und Cannon gingen Pleite, bevor sie ‚Spider-Man‘ fertigstellen konnten. Ein Glück? Das müsst Ihr selbst entscheiden! Jedenfalls sollte es noch gut 10 Jahre dauern, bis Marvel auch an der Kinokasse Erfolge einfahren durfte.

Was bleibt ist ein spaßiger, dreckiger, billiger 80er-Knaller, der keine Comicverbindung braucht.

‚Black Panther‘ (2018)

‚Black Panther‘ stand ziemlich weit oben auf der Liste der Marvel-Filme, die ich noch nachholen wollte. Ich bin ein großer Fan von ‚Creed‘, mit dem Ryan Coogler sein Talent bewiesen hat auch aus einer völlig saftlosen Hülle, wie dem ‚Rocky‘ Franchise, noch einen wahren Strom an Kreativität pressen kann. Wer also wäre besser dafür geeignet einen spannenden Marvel-Film zu drehen. Und was für eine Erwartungshaltung auf diesem Film ruhte. Der erste amerikanische Mainstream-Blockbuster mit einem (beinahe) durchgängig schwarzen Cast würde er werden. Ein utopisches Afrika unberührt von Kolonisierung und Sklaverei sollte er präsentieren. Eine würdevolle Repräsentation für die afrikanische Diaspora weltweit sein. Eine cinematische Antwort auf die „Shithole Countries“ Rhetorik gewisser Politiker liefern. Oh, und nebenbei noch eine Superhelden-Story erzählen. Kann das gelingen? Schauen wir mal.

T’Challa (Chadwick Boseman) soll nach dem Tod seines Vaters T’Chaka der neue Black Panther und König des verborgenen, hochtechnisierten Reiches Wakanda werden. Dort lebt man, aufgrund des Wundermetalls „Vibranium“ in einer weit fortschrittlichen Welt, während sich Wakanda nach außen hin als armes Drittweltland präsentiert. Als T’Challa eine Chance sieht Ulysses Klaue (Andy Sekis), den Mörder seines Vaters, in Südkorea zu stellen, macht er sich gemeinsam mit der Spionin Nakia (Lupita Nyong’o) und der Kriegerin Okoye (Danai Gurira) auf den Weg. Doch kaum haben sie Klaue gestellt, befreit ihn ein Unbekannter (Michael B. Jordan), der einen königlichen Siegelring Wakandas besitzt. Das ist Erik „Killmonger“ Stevens. Der Sohn von T’Chakas Bruder, den der als Verräter an Wakanda getötet hatte und den jungen Erik in Armut in Amerika zurückließ. Dort diente er zunächst als Soldat, dann unterwanderte er für das CIA andere Länder. Nun taucht er in Wakanda auf, um das militärische Potential des fortschrittlichen Landes zu benutzen, um weltweite Revolutionen auszulösen und das politische Gefüge umzukehren.

Um eines gleich klarzumachen, die obige Zusammenfassung wird mehreren Aspekten des Films nicht gerecht. Zum einen bringt er ein wahnsinnig umfangreiches Personal auf den Schirm, ihm gelingt aber das Kunststück, dass ich mich, anders als bei anderen Superheldenfilmen nie fragen musste, wer denn jetzt nochmal wer war. Die Charaktere sind distinkt und eindeutig gezeichnet, manchmal nur in wenigen Szenen. Figuren wie Letitia Whites Technikgenie Shuri oder Winston Dukes gewaltiger M’Baku, der Anführer des nicht eben königstreuen Jabari-Stammes, bleiben gut im Gedächtnis. Auch zeichnet Coogler ein umfassendes Bild von Wakanda, in dem sich Science Fiction Elemente und magischer Realismus mit afrikanischer Kultur und Mythologie verbinden. Er schafft so eine sehr bunte, sehr lebendige Welt, die sich, nicht nur im Marvel Film, ziemlich einzigartig anfühlt. Ein sich freiwillig isolierendes Land, mit selbstfahrenden Magnetbahnen auf der einen Seite, mit Nachfolgeduellen für das Königtum auf Leben und Tod an urig wirkenden Wasserfällen auf der anderen. Kurz ein Land zwischen absoluter Moderne und uralter Tradition. Ein Land, das das Wort Feminismus nie gehört hat, allein deswegen weil Frauen ohnehin gleichberechtigt sind und gar ausschließlich die Dora Milaje, die Ehrengarde des Königs stellen, basierend auf der historischen Vorlage des Königreichs Dahomey. Überhaupt bedient sich Coogler für sein Wakanda in ganz Afrika. Die Kostüme enthalten Elemente beinahe aller afrikanischen Kulturen von den Tuareg bis zu den Massai. Manche Charaktere scheinen gar auf dem Kleiderschrank realer Vorbilder zu beruhen, so die Königinmutter (Angela Bassett) auf Winnie Mandelas. Die Skyline wird bestimmt von Variationen auf alte, afrikanische  Bauwerke, etwa die berühmten drei Moscheen von Timbuktu, aber auch hochmoderne, etwa das Pearl of Africa in Kampala. Das schafft zusammen ein faszinierendes Bild eines „Afrofuturismus“, bedient aber auch, das muss gesagt werden, dieses Bild, das viele von Afrika haben. Dieses diffus homogene Bild, das nicht recht zwischen den verschiedenen Kulturen unterscheiden kann oder will. Ich verstehe aber, warum es hier so gemacht wurde, spricht der Film doch eher die (vor allem US-amerikanische) afrikanische Diaspora an und will gar keinen realen, afrikanischen Ort, sondern einen idealisierten darstellen.

Wie oben bereits gesagt, Chadwick Bosemans T’Challa und seine Mitstreiter sind gut und getroffen, treffend umrissen und werden sympathisch dargestellt. Aber gerade auf der Schurkenseite, oft genug die Schwachstelle von Marvelfilmen, zeichnet sich ‚Black Panther‘ aus. Da ist Ulysses Klaue, ein völlig überzogener britischer Gauner mit Mega Man Armkanone. Hat man erst einmal verarbeitet, dass man hier Andy Serkis mal nicht als CGI Charakter sieht gibt er eine durchaus unterhaltsame Vorstellung. Viel wichtiger aber ist Erik Killmonger. Der ist das Produkt von Wakandas Isolationspolitik, ebenso wie von amerikanischer Innen- wie Außenpolitik, die Menschen in Armut leben lässt, ihnen dann einen Ausweg durch Dienst in einem der zahlreichen Kriege bietet. Und in Killmongers Fall, ohn dann zum Werkzeug andere Nationen zu unterwandern macht. Beinahe könnte man meinen die wirklichen Bösen säßen beim CIA (beinahe, siehe unten). Sein Ziel einer weltweiten Revolution ist nachvollziehbar, aber auch tödlich, womöglich für alle beteiligten Seiten. Er ist somit immer der Antagonist, aber einer mit verständlichen zielen, der sich vor allem nicht selbst als „Schurke“ begreift. Der Film behandelt ihn denn auch mit einiger Empathie, insbesondere seine letzten Worte hallen lange nach. Durch eine sehr (sehr!) grobe Brille betrachtet erinnert es durchaus an die Dichotomie Martin Luther King – Malcolm X in der Bürgerrechtsbewegung.

Im marveltypischen, großen Endkampf, hier so etwas wie ein wakandischer Bürgerkrieg, wird die politische Lesart, die bisher nicht einmal Unterton, sondern sehr deutlich war, für mich allerdings zum Problem. Das liegt vor allem an der Beteiligung von Martin Freemans CIA-Agent Ross. Der war bis hierhin eher so etwas wie der stets verwirrte Quotenweiße, doch wenn er dann im Bürgerkrieg zu einer Art aktiver und zentraler (heldenhafter!) CIA Beteiligung wird, so finde ich das, im Hinblick auf die afrikanische Geschichte seit dem Ende der Kolonien, ehrlich gesagt beinahe ekelhaft (hätte er nicht wenigstens SHIELD oder irgendein Fantasie-Agent sein können?). Aber hier liegt das „Problem“ des Films, in einem anderen Marvelfilm würde ich es vermutlich einfach hinnehmen (seien wir ehrlich, bei genauer Analyse ist etwa ‚Iron Man’… unangenehm), hier bin ich aber bereits politisch eingestellt.Vermutlich wollte man nur sicherstellen, dass sich weiße Jungs, wie ich, nicht allzu verängstigt fühlen…

Der Film fühlt sich, was die Action angeht, oftmals mehr wie ein moderner James Bond als wie ein typischer Superheldenfilm an, was mir sehr zupass kam. Sicherlich werden hier auch mal Autos desintegriert, aber eben nicht gleich ganze Wolkenkratzer. Die Actionszenen sind gut inszeniert, die CGI weitgehend gelungen. Nur wenn sich zwei CGI Darsteller gegenseitig auf die Nuss geben fühlt sich das wieder einmal völlig gewichts- und folgenlos an und ich sehne mich zurück nach ‚Creed‘, wo jeder Schlag mit einem unausweichlichen Preis einherging. Die treibenden Rhythmen aus Ludwig Göranssons, von westafrikanischen „Talking Drums“ inspiriertem, Soundtrack, ergänzen sich wunderbar mit den von Kendrick Lamar kuratierten Rap-Songs.

Filmisch ist es einer der besseren Marvel-Filme, vom Setting her ist er interessant genug, dass ich mir – wohl zum ersten Mal bei einem Superheldenfilm – gewünscht habe er wäre länger. Letztlich fallen selbst meine Probleme nicht so sehr ins Gewicht, dass sie das Vergnügen des Films besonders gestört hätten. Es ist wirklich gemein von Marvel, dass sie gerade als ich beschlossen hatte quasi keine Superheldenfilme mehr zu sehen, so viele interessante Regisseure angeheuert haben, siehe auch Taika Waititi oder Jon Watts (na ja und andere wieder gefeuert haben…). Und es wird spannend zu sehen, ob Coogler, anders als bei ‚Creed‘, für die unausweichlichen Fortsetzungen wieder die Regie übernimmt.

Digitales Konserven-Schauspiel

Jeder, der über längere Zeit amerikanische Superheldencomics liest weiß, dass Zeit dort ein sehr relatives Konzept ist. Bruce Wayne wird (von Spezialausgaben ausgenommen) immer ein athletischer Mann in seinen Dreißigern sein, der sich nachts in schwarzes Leder kleidet und Verbrecher verprügelt. Das war er 1939 und das ist er heute immer noch. Anderswo vergeht Zeit, aber beinahe unmerklich langsam. Peter „Spider-Man“ Parker hat die Schule beendet, ein Studium abgeschlossen und eine Stelle als Dozent angetreten (nach meinem nicht mehr ganz frischen Wissensstand). Das heißt, für ihn sind seit 1962 gut 10 Jahre vergangen und damit dürfte er schon am extremen Ende liegen. Wie kann Marvels Filmuniversum damit umgehen? Wird man hier akzeptieren, dass Captain America alt wird und ihm der Schild irgendwann zu schwer? Wird Iron Man einen Erben benennen? Sicher, es gibt viel Spekulation um die Tatsache, dass nicht alle Helden den ‚Infinity War‘ überstehen werden, doch wissen Leser von Superheldencomics ebenso, dass „Tod“ dort ein sehr relativer Zustand ist. Die Frage nach dem Umgang mit dem Altern der Protagonisten gilt natürlich nicht nur für Marvel, sondern auch für alle anderen lukrativen Filmuniversen. Kann der Auftritt von CGI „Peter Cushing“ als Grand Moff Tarkin in ‚Rogue One‘ womöglich als ein erster Testballon betrachtet werden? Nähern wir uns womöglich einer Zeit an, in der die digitalen Klone von Schauspielern ihre Rollen bis in alle Ewigkeit spielen können, wie in Ari Folmanns Film ‚The Congress‘?

Weiterlesen

Wer früher geht verpasst was nach dem Abspann kommt – auch an Ostern

Ah Freunde, das Osterfest steht vor der Tür! Wir feiern, dass dieser Hase von der Südpazifikinsel mit den Steinköpfen drauf, den Hühnern der Welt gezeigt hat wie man bunte Schokoeier legt! Oder die Auferstehung Jesus Christus, je nachdem. Worüber könnte ich zu diesem Anlass schreiben? Über den besten Film um Jesus (der deutlich mehr bekommen hat, als der Hase) vielleicht? Wie diese Einleitung zeigen mag, bin ich dafür vermutlich nicht ganz der Richtige, falls es aber doch jemanden interessieren sollte, mein Liebster ist Martin Scorceses ‚Die Letzte Versuchung Christi‘ von 1988. Nein, ich werde heute über etwas anderes schreiben (mit immerhin besserer Osterverbindung, als die furchtbare Überschrift vermuten lässt). Wir alle kennen „Easter Eggs“ im Film, kleine versteckte Gags für Aufmerksame und Mehrfachgucker. Und eine Form dieser Easter Eggs waren einmal Nach-Credit-Szenen. Inzwischen werden die bei Blockbustern ja schon erwartet. Aber wer hat damit angefangen und wie haben sie sich im Laufe der Zeit gewandelt? Schauen wir mal! Weiterlesen

‚Spider-Man: Homecoming‘ (2017)

Ich wurde es in meinen Beiträgen und Kommentaren in letzter Zeit ja nicht müde zu erwähnen, dass ich Superhelden im Großen und Ganzen ein wenig satt habe. Und auf einen dritten Spider-Man Reboot hatte ich erst recht keine große Lust. Und dann auch noch in den einengenden Grenzen des Marvel Cinematic Universe. Das einzige Pfund, mit dem der Film im Vorfeld bei mir wuchern konnte, war dass mir der Vorgängerfilm von Regisseur Jon Watts, ‚Cop Car‘, sehr gut gefallen hat. Es gelang ihm dort sehr gut eine kindliche Perspektive auf eine sehr gefährliche Situation darzustellen. Vielleicht würde es ihm gelingen aus Peter Parker gleichsam einen glaubwürdigen Teenager zu machen?

Jener Peter Parker (Tom Holland) ist nach den Ereignissen aus ‚Civil War‘ von Tony Stark (Robert Downey Jr.) erst einmal zum Dienst als „Friendly Neigborhood Spider-Man“ verdonnert, soll sich um kleine Fische kümmern. Gleichzeitig geht er auch noch zur Schule. Die neue Geheimidentität als Verbrecherjäger verkompliziert seine Beziehungen zu seinem besten Kumpel Ned (Jacob Batalon) und seiner Tante May (Marisa Tomei). Aber kann sie ihm möglicherweise helfen, seinem großen Schwarm Liz (Laura Harrier) näherzukommen? Und warum scheint Michelle (Zendaya) eine geradezu übernatürliche Gabe zu haben überall da aufzutauchen, wo Peter ist? Diese Fragen geraten ein wenig in den Hintergrund, als Spider-Man auf den geflügelten „Vulture“ Adrian Toomes (Michael Keaton) und dessen kriminelle Kumpanen stößt, die aus den Überresten von Superheldengefechten futuristische Waffen bauen und diese an den Meistbietenden verkaufen.

Watts inszeniert ‚Homecoming‘ nicht als reinen Superheldenfilm. Ein ganz großer, ganz entscheidender Teil ist High School Komödie. Und zwar meiner Meinung nach eine sehr gelungene. Der Film zitiert teilweise direkt Filme wie ‚Breakfast Club‘ oder ‚Ferris macht blau‘ und schafft es aus seiner Teenie-Besetzung runde glaubwürdige Charaktere zu machen, hin bis zu Randfiguren wie dem Bully Flash Thompson, der neben aller Parker-Pisackerei immer wieder auch seine Unsicherheiten durchscheinen lässt. Dieses Gleichgewicht zwischen „normalem“ Teenie-Alltag und kostümierter Verbrechensbekämpfung kommt für mich dann auch den Comics so nahe, wie keine filmische Version des Netzschwingers vorher. Peter muss ständig abwägen zwischen Prioritäten wie einem „akademischen Zehnkampf“ und der Möglichkeit Toomes geheime Basis aufzuspüren. Und jeder Ausflug als Superheld verkompliziert das Privatleben Parkers immer weiter. Eine meiner liebsten Szenen im Film, nicht nur weil sie typischen Comic-Momenten sehr nahe kommt, sondern weil sie hier auch noch hervorragend inszeniert ist, ist ein Moment wenn Peter sich im Spidey-Kostüm durchs Fenster in sein Zimmer schleicht, die Decke entlangkrabbelt und mit seinem Netz die Tür schließt. In der Szene passiert noch mehr, was sehr gut geblockt und inszeniert ist aber das hier zu verraten wäre ein Spoiler. Für mich war das jedenfalls der Moment, in dem ich wusste, dass ich in guten Händen bin. Und dass ein Superheldenfilm seinen dritten Akt mit einer Szene beginnt, die mich tatsächlich richtig überraschen kann, kommt auch nicht alle Tage vor.

Normalerweise würde ich vermutlich an dieser Stelle über die Anbindung des Films an Marvel-Universum klagen, allerdings finde ich die hier ziemlich gut gelungen. Tony Stark wird zu einer fehlerhaften Vaterfigur für Peter und die Neudefinition der Beziehung zwischen beiden ist ein ganz wesentlicher Teil der Entwicklung seines Charakters. Auch gefällt es mir, wie der Film klarmacht, dass wir weit weg von der Welt der Milliardäre, Außerirdischen und Ultrons sind, mit Dingen wie Captain America Schulvideos oder eben den Future Tech Diebstählen der Kriminellen daran erinnert, dass die stets im Hintergrund sind und letztlich die Welt neu definiert haben. Teilweise traut der Film seinen Zuschauern dabei ein bisschen wenig zu, wenn Toomes etwa direkt ausspricht, dass er ein „blue collar“ Krimineller ist und Spider-Man entsprechend ein „blue collar“ Held. Dennoch finde ich die Nutzung des Settings hier ausgesprochen gelungen.

Optisch und akustisch sticht der Film nicht unbedingt aus der Masse der Marvel-Universum Filme heraus. Allerdings bietet er zumindest eine Filmmusik von Michael Giacchino (Die Unglaublichen) mit einem Titelthema, das mehr ins Ohr geht als 90% der übrigen Marvel-Musik. Letztlich definiert der Film sich aber mehr über seine Charaktere und seine schmissigen Dialoge, als dass er das Aussehen des Superheldenfilms neu definieren würde.

Wie gesagt gelingt es Watts eine Teenager-Perspektive in den Film zu bringen, das Lob dafür gebührt aber nicht ihm allein, auch Tom Holland muss lobend erwähnt werden, der seinen Peter hier mit so viel Wärme und Liebenswürdigkeit darstellt, dass man gar nicht anders kann, als ihm jeden Erfolg zu gönnen. Sehr gut gefallen hat mir auch Marisa Tomei als jüngere, resolutere Tante May, die nicht mehr ständig 30 Sekunden vom Herzinfarkt entfernt scheint. Aber das vielleicht Wichtigste ist, dass es Watts und Michael Keaton gelingt den Marvel-Fluch des schwachen Schurken zu brechen. Keaton ist absolut großartig in der Darstellung des Vulture aber mit Vogelmännern kennt er sich ja auch aus. Anfangs ist es Tony Starks Arroganz, die ihn und seine Kumpanen in die Kriminalität treibt, bald aber ist es durchaus ehrliche Sorge um seine Familie, die Toomes jede seiner immer weiter eskalierenden Brutalitäten rechtfertigen lässt. Endlich steht Spidey mal nicht einem „verrückten Wissenschaftler“ gegenüber, sondern einem ganz bodenständigen (außer wenn er fliegt) Dieb und Waffenhehler. Das passt definitiv besser zur Figur des Spider-Man, wie sie hier präsentiert wird. Und obwohl er sich selbst als „blue collar“ Schurke präsentiert, sollte man keineswegs den Fehler machen ihn für dumm zu halten. Meine zweite Lieblingsszene, die insgesamt ein sehr großer Spoiler wäre, zeigt dass er alles andere ist.

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass ich Superheldenfilme keineswegs satt hätte, wenn sie alle die Qualität eines ‚Homecoming‘ erreichen würden. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Spaß mit einem Superheldenfilm hatte (‚Logan‘ ist sicherlich ein besserer Film, allerdings würde ich den nicht als „Spaß“ bezeichnen).