Gestern Gesehen: ‚Krampus‘ (2015)

Das Weihnachtsfest weckt, in nicht wenigen Menschen, den Wunsch nach einer Gegenbewegung. Im Kino merkt man das am ehesten, wenn man im späten November nach einer Viertelstunde Trailer-Schau plötzlich heftige Zahnschmerzen bemerkt, ausgelöst von der schier unerträglichen, klebrigen Süße des Gezeigten. ‚Krampus‘ ist ein Film, der genau dem entgegen wirken möchte. Es entbehrt wohl nicht einer gewissen Ironie, dass er dafür den fiesen Handlanger des heiligen Nikolaus‘ (zumindest in gebirgigeren Gefilden, hier in Norddeutschland hat diese Rolle Knecht Ruprecht) verwendet, der eben dafür da ist die weihnachtlichen Verhaltensregeln von Güte und „bravem“ Verhalten (nicht nur) von Kindern zu sichern. Aber Regisseur Michael Dougherty hat ja in ‚Trick r Treat‘ mit dem Geist Sam schon ein Wesen geschaffen, dass die Regeln eines Festtages überwacht. Da macht es nur Sinn, dass er seine Interpretation einer solchen, bereits bestehenden Wesenheit für ein anderes Fest präsentiert.

Bei der amerikanischen Familie Engel (mit österreichischen Wurzeln) steht zu Weihnachten nicht alles zum Besten. Der ungezügelte Konsumismus des Fests, Mutter Sarahs (Toni Collette) Wunsch nach (äußerer) Perfektion, Vater Toms (Adam Scott) Arbeitswut und Tochter Beths (Stefania Owen) Desinteresse schlagen auf das Gemüt des eigentlich weihnachtsbegeisterten Jüngsten Max (Emjay Anthony). Als dann noch die unerträgliche Verwandtschaft zu Besuch kommt, die in der spießigen Nachbarschaft jedes Redneck-Klischee erfüllen, können auch Omis (Krista Stadler) aufmunternde Worte ihn nicht mehr trösten. Max hat seinen Glauben an das Weihnachtsfest verloren. Mit furchtbaren Konsequenzen. Ein heftiger Schneesturm zieht auf und auf dem Dach sind schwere Schritte zu vernehmen.

Die ersten zwanzig Minuten des Films, mit der dysfunktionalen Familie beim gezwungen harmonischen Weihnachtsessen erinnern unweigerlich (und sicher nicht ungewollt) an Chevy Chases ‚Schöne Bescherung‘ (die verlotterte Verwandtschaft bringt gar einen verrotzten Hund mit). Doch während dort die größten externen Gefahren für eine gelungene Weihnacht Yuppie-Nachbarn Tohodd und Margoho und eine gestrichene Gratifikation sind, nehmen diese in ‚Krampus‘ schnell die zentrale Position ein. Oberfiesling Krampus bringt, wie „Santa“, jede Menge kleine Helfer mit. Von kinderfressenden Kastenteufeln, über pervertierte Engelsfiguren, bis hin zu bösartigen Lebkuchenmännlein. Und genau diese liebevolle Kreaturenvielfalt stellt für mich den Höhepunkt dieses Films dar. Realisiert werden sie, wo immer das möglich ist, mit praktischen Effekten. CGI wird da eingesetzt, wo es nötig ist. Bei den Lebkuckenmännern zum Beispiel. Aber auch bei der Erschaffung der tief verschneiten Umgebung, aus der es schnell kein Entkommen mehr zu geben scheint und die von Tremors-artigen Grabern heimgesucht wird. Besonders schön fand ich eine Rückblende zu Kindheitserlebenissen von Omi Engel, die aussah wie ein Mischung aus ‚Coraline‘ und den Scherenschnitt-Filmen von Lotte Reiniger.

Weihnachts-Horror (oder in diesem Fall Weihnachts-Horror-Komödie) ist kein besonders ausgeprägtes Genre. Und wenn es doch mal einen gibt, handelt es sich meist um einen billigen Slasherfilm, in dem Santa Claus zum mörderischen Berserker mutiert. Der beste Vergleich für ‚Krampus‘, und sicher ein Film dem dieser einiges zu verdanken hat, ist ‚Gremlins‘. Tonal sind sicher problemlos Ähnlichkeiten zu finden. Sei es die pervertierte „Niedlichkeit“ der Monster oder die Tatsache, dass das einzige Blut das fließt, das von Kreaturen ist (im Fall von ‚Krampus‘ eines scharfzahnigen Teddybärs). Sie sind somit „Einsteiger-Horror“ und die deutsche Freigabe ab 16 erscheint mir ehrlich gesagt etwas hoch gegriffen. Eine ähnliche Thematik, wie in diesem Film war auch im finnischen ‚Rare Exports‘ von 2010 zu finden, in welchem Weihnachtsmänner eine bösartige, predatorische Spezies darstellen. Gerade zum Ende hin sind gewisse Ähnlichkeiten nicht zu leugnen.

Doch insgesamt beackert ‚Krampus‘ als Weihnachts-Horror weitgehend unbestellten, fruchtbaren Boden. Und das macht er sehr schön. Er will zu keinem Zeitpunkt mehr sein als ein B-Movie. Was genau mit dem Geist der Weihnacht gemeint ist lässt er weitgehend offen. Christliche oder heidnische Ursprünge meint er sicher nicht. Mehr die Idee von „Geben ist seliger als Nehmen“. Über die Schauspieler habe ich nicht viel geschrieben und das ist kein Zufall. Sie machen durch die Bank ihre Sache gut aber keiner liefert herausragende Leistungen ab. Dies ist wohl auch nicht wirklich die Art von Film dafür.

Doughertys ‚Trick r Treat‘ hatte den Vorteil, dass er mehrere miteinander verwobene Geschichten erzählte, ‚Krampus‘ hingegen erzählt nur eine, die gelegentlich ein wenig an Schwung verliert ohne dabei jedoch langweilig zu werden. Doch wie bei seinem Halloween Film meint man hinter jeder Aufnahme das Vergnügen und die Liebe spüren zu können.  ‚Gremlins‘ wird ‚Krampus‘ in meinem Vorweihnachtsprogramm wohl kaum dauerhaft verdrängen können aber mehr Auswahl ist niemals was Schlechtes.