Reisetagebuch: ‚Love & Mercy‘ (2015)

Filmreisechallenge #49: schaue einen Film, in dem es um einen Musiker oder eine Band geht

 

Lasst mich damit starten, dass ich sicherlich nicht der größte Experte bin, was die Beach Boys oder Brian Wilson im Allgemeinen angeht. Sicher kenne ich einige Beach Boy Songs, Pet Sounds ist allerdings ihr einziges Album, das ich zur Gänze gehört habe. Wilsons Solo-Arbeit hingegen war mir quasi völlig unbekannt, was sich nach Sichtung dieses Films aber durchaus ändern könnte. Sollte ich im Folgenden also allzu großen Blödsinn über die realen Personen schreiben, korrigiert mich gerne.

Ich habe mich ja im Zuge meiner Besprechung zu ‚Walk Hard‘ über die Formelhaftigkeit von Musiker-Biopics, die der Film persifliert, zur Genüge ausgelassen. Da reicht es zu sagen, dass ‚Love & Mercy‘ einen anderen Ansatz findet. Er konzentriert sich auf zwei kurze, aber entscheidende Phasen im Leben von Brian Wilson. Seinen künstlerischen Höhepunkt in den 60ern und die langwierige und schwere Rückkehr aus schweren psychischen Problemen in den 80ern. Der Film vermischt beide Zeitebenen, für meine Zusammenfassung behandle ich sie getrennt.

Nachdem Brian Wilson (Paul Dano) Mitte der 60er im Flugzeug eine Panikattacke erleidet, beschließen er und der Rest der Beach Boys, dass er nicht mehr mit ihnen auf Tour gehen wird und stattdessen an ihrem nächsten Album arbeiten soll. Inspiriert und herausgefordert von Rubber Soul der Beatles will Wilson mit Pet Sounds wahrlich Großes schaffen. Weg vom Surfer Sound der Beach Boys, hin zu ungewöhnlichen Kompositionen und einem der ersten Konzeptalben überhaupt. Seine zurückkehrenden Bandgenossen stellte er vor vollendete Tatsachen, sehr zum Unmut vor allem von Mike Love (Jake Abel). Obwohl die folgende Single Good Vibrations ein großer Erfolg wird, sorgen die Entfremdung von seinen Freunden und Experimente mit LSD dafür, dass sich Wilsons geistige Gesundheit rapide verschlechtert. Das Scheitern des Nachfolgealbums Smile lässt ihn dann vollends abstürzen.

Mitte der 80er trifft Autoverkäuferin Melinda Ledbetter (Elizabeth Banks) zufällig auf Brian Wilson (John Cusack), als der ein Auto kaufen will. Die beiden beginnen eine Beziehung, doch muss Melinda bald feststellen, dass Wilson vollständig unter der Kontrolle seines Vormunds und „Radikal-Therapeuten“ Eugene Landy (Paul Giamatti) steht, der ihn von Familie und Freunden isoliert hat. Während Landy sich bemüht auch ihre Beziehung zu torpedieren, versucht Ledbetter die Familie Wilsons über die Fehlbehandlung Landys, der auch als Wilsons Manager auftritt, zu informieren.

Beide Zeitebenen sind mit Filmmaterial, dass der Zeit angemessen ist gefilmt. Und insbesondere Dano ist dem Wilson der Zeit so ähnlich, dass man sich in manchen Momenten fragt, ob man gerade Archivmaterial oder Aufnahmen für den Film sieht (beachtet dafür insbesondere die Sloop John B Sequenz ab 1 Minute im untenstehenden Clip). Wichtiger noch, die 60er Jahre Sequenzen sind gänzlich dem kreativen Prozess verschrieben. Genau das, was ich von einem Film über Musik will. Als nicht sonderlich musikalischer Mensch ist der Prozess der Schöpfung von Musik für mich ein besonders faszinierender. Insbesondere hier, wo klar wird, dass nicht alles rein auf dem „Genie“ Wilsons basiert, sondern auch jemand wie er auf ein ständiges Feedback, einen Austausch mit den Musikern angewiesen ist. Insbesondere, weil Autodidakt Wilson, die Musik zwar in seinem Kopf hört (im wahrsten Sinne des Wortes, er leidet an akustischen Halluzinationen), die Notation aber anderen überlassen muss. Hier baut er „Fehler“ in die Komposition mit ein („If you repeat a mistake every four bars, it’s not a mistake!“) lässt zufällig aufgenommene Stimmen in den Aufnahmen oder nutzt Hundegebell. Die Studiomusiker (die Beach Boys waren an den Aufnahmen quasi nicht beteiligt, außer beim Singen) werden hier von echten Musikern verkörpert, was man deutlich merkt und was die Schaffensphase glaubwürdiger macht. Der erzürnte Mike Love soll als Reaktion auf den neuen Sound gesagt haben „Never fuck with the formula!“, ein Satz den jedes erfolgreiche Franchise sich bis heute zu Herzen nimmt, obwohl Love diese Aussage bestreitet. Im Film sagt er es denn auch nicht direkt, obwohl es mehr als angedeutet wird. Die Sequenzen in den 60ern sind ebenso grandios wie tragisch und sicherlich das Herzstück des Films.

Die Sequenzen in den 80ern sind stiller und unterkühlter. Cusack sieht nicht im Geringsten aus wie Wilson, was mich vermuten lässt, dass das hier beabsichtigt war. Die Geschichte zwischen Ledbetter und Wilson ist durchaus rührend und Cusack vermittelt den Schmerz und die Hilflosigkeit Wilsons in dieser Phase seines Lebens glaubwürdig. Elizabeth Banks spielt Melinda Ledbetter als jemanden, die nicht sonderlich beeindruckt vom früheren Ruhm Wilsons scheint, sondern mehr an ihm als Person interessiert ist und hin- und hergerissen scheint zwischen Liebe, Furcht vor einer derart problembehafteten und, dank Landy, durchaus bedrohlichen Situation und dem Wunsch Wilson zu helfen. Damit sind wir bei einem der kleineren Probleme des Films. Eugene Landy, verkörpert von Paul Giamatti bewegt sich durchgehend am Rande der Karikatur, überquert den fraglos auch das eine oder andere Mal. Autor Oren Moverman und Regisseur Bill Pohlad haben gesagt die Darstellung Landys beruhe auf Gesprächen mit Melinda Ledbetter und verbürgten Aussagen von Landy selbst. Die cartoonhafteren Momente stammen allesamt nicht von Ledbetter. Giamatti hat sich zur Vorbereitung auf die Rolle Vorträge Landys angehört, die er als „lange Paragrafen, die beeindruckend klingen, bei genauerer Untersuchung aber keinerlei Sinn ergeben“ beschreibt. Hier müssen wir wohl akzeptieren, dass wir es mit einer Person zu tun haben, die ein Autor so nicht schreiben würde, weil es zu übertrieben wirkt. Wilson selbst jedenfalls beschrieb Giamattis Darstellung „beängstigend“ (weil realistisch). Der Film scheint eine direkte Linie ziehen zu wollen, von Wilsons Vater, der ihn als Kind geschlagen hat und als Erwachsener versucht ihn zu unterminieren (God only knows klänge nicht wie ein Liebeslied, sondern wie eine Selbstmordnachricht), zu Landy. Nicht zuletzt weil der Darsteller des Vaters, Bill Camp, erhebliche physische Ähnlichkeit zu Giamatti hat.

Für den Soundtrack zeichnet, neben Beach Boys/Wilson Songs natürlich, Atticus Ross verantwortlich, der Bruchstücke von vorhandenen Beach Boys Songs zu neuen Kompositionen verarbeitet und dadurch einen hochoriginellen aber passenden Ton trifft.

Paul Danos Darstellung des jungen Wilson ist einfühlsam, beeindruckend und tragisch, getrieben und verzweifelt. Es ist erstaunlich, dass er für diese Leistung nicht einmal eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Cusacks Darstellung fällt dagegen ein wenig ab. Er scheint im typischen „Musiker in der Spätphase der Drogen und Probleme“-Modus zu sein, wobei auch bei ihm immer mal wieder wahrhaftige Momente auftauchen. Die 80er Sequenzen werden aber ohnehin vor allem von Elizabeth Banks getragen, die gut darin ist Ledbetter als eine Frau zu verkörpern, die einerseits von Wilsons Situation zutiefst verstört ist, andererseits aber mehr als genug Empathie beweist, dass es nicht überrascht zu hören, dass sie und Wilson, Mitte der 90er weit nach der Handlung des Films, heiraten würden.

Kurz Bill Pohlad hat hier mit seiner zweiten Regiearbeit (die letzte war 1990, Pohlad arbeitete ansonsten als Produzent) eine der für mich besten Musiker-Biopics überhaupt geschaffen. Einem Film, dem es gelungen ist bei mir Interesse für einen Musiker zu schaffen, wo vorher nicht sonderlich viel war. Sicherlich, beide Teile funktionieren hier zwar nicht gleich gut, aber allein der Versuch zwei völlig verschiedene Tonarten miteinander zu mischen, wie Wilson das in seiner Musik tut, verlangt nach Respekt. Ebenso das Leben eines Musikers, der vor allem für seine psychische Krankheit bekannt scheint, darzustellen ohne dabei sensationalistisch zu wirken. Empfehlung!

Reisetagebuch: ‚Walk Hard – Die Dewey Cox Story‘

Filmreise Challenge #48: schaue einen Film, in dem es um einen Musiker geht

Der Musiker, um den es in diesem Film geht ist fiktiv. Die Regeln der Challenge sagen nichts darüber aus, ob es den Musiker um den es geht wirklich geben (gegeben haben) muss. Normalerweise würde ich mich wohl für einen echten entscheiden, aber erstens habe ich hiernach noch zwei Musiker-Filme in der Challenge „frei“ und zweitens sagt ‚Walk Hard‘ einige ebenso wichtige, wie komische Dinge über Musiker-Biopics als Filme aus und verdient deswegen seinen Platz als Teil der Challenge.

Bei manchen Genres weiß man, dass sie eine extreme Formelhaftigkeit mitbringen. Romantische Komödien etwa, oder Superhelden-Origins, oder Slasherfilme. Da macht es beinahe schon einen Teil des Vergnügens aus, direkt zu sehen, dass man jetzt beim „Meet Cute“ angelangt  ist, der zukünftige Held gerade, wie üblich, seine Vaterfigur verliert, oder schon im ersten Moment zu wissen, wer das „Final Girl“ ist.

Dann gibt es diese Genres bei denen man (oder zumindest ich) lange Zeit die Formelhaftigkeit nicht bemerkt. Sicherlich, Musiker-Biopics sind ein sicheres Pferd für Filmstudios. Üblicherweise spielen sie weit mehr als ihr Budget wieder ein (wobei ein Blockbuster wie ‚Bohemian Rhapsody‘ eher ungewöhnlich ist) und eine Nominierung für allerlei Preise ist zumindest dem Hauptdarsteller beinahe sicher. Ein finanziell sicheres Prestigeprojekt, was kann es besseres geben? Doch dass sich diese Sicherheit auch in extremer Vorsicht vor Experimenten äußert, das habe ich tatsächlich erst durch Dewey Cox wirklich verinnerlicht.

Denn ‚Walk Hard‘ fährt alle Musiker-Biopic Klischees gnadenlos ab. Es beginnt damit, dass ein alternder Dewey Cox (John C. Reilly) im Halbdunkel hinter der Bühne an der Wand lehnt, während ein aufgeregter Mitarbeiter des Konzertortes ihn auf die Bühne bringen will. Doch einer von Deweys Musikern geht dazwischen: „Dewey Cox muss erst über sein ganzes Leben nachdenken, bevor er auftreten kann!“ Es folgt der gesamte Film in Rückblende. Beginnend in den 40ern damit, dass Dewey als Kind seinen Bruder bei einem freundschaftlichen Machetenkampf in der Mitte durchteilt. Danach kann er seinem Vater (Raymond J. Barry) natürlich nichts mehr Recht machen und leidet an dessen Entzug elterlichen Wohlwollens. Es folgt der erste Auftritt vor größerem Publikum in der Schule, wo seine Musik wilde Schlägereien und ebenso wilden Engtanz auslöst. Zusammen mit seiner Freundin und späteren Frau Edith (Kristen Wiig) wird er danach aus dem heimatlichen Kaff vertrieben. Er schlägt sich als Reinigungskraft in einem Nachtclub durch, sein erhoffter Erfolg als Musiker wird von seiner Frau bezweifelt. Er bekommt eine Chance als der Hausmusiker krank wird, muss sich einem zynischen Produzenten beweisen, schafft den Durchbruch. Seine Frau bezweifelt den Erfolg natürlich immer noch, obwohl er einen Nummer 1 Hit landet, aber das tut die erste Ehefrau nun mal in diesen Filmen . Es folgen Tourneen, Drogenexzesse und dann tritt seine wahre Muse in den Film, in Form von Sängerin Darlene (Jenna Fisher). Der Film und in diesem Fall auch Dewey vergessen schnell seine erste Frau.

Und vermutlich wisst ihr ohnehin wie es weiter geht. Begleitet wird das Ganze immer wieder von dieser unfassbaren Banalisierung des kreativen Prozesses. Ihr wisst schon, wo der Musiker eine Phrase hört (etwa „Walk Hard“) kurz „mhhh“ denkt, ein Schnitt folgt und der komplett geschriebene und produzierte Song wird gespielt. Aber anders ist es auch gar nicht zu machen, weil der Film versucht (bzw. Filme parodiert die versuchen) Jahrzehnte einer Biografie in 90 Minuten zu erfassen. Da läuft ein Drogenentzug schon mal in 30 Sekunden ab. Der Film hat dabei direkte Bezüge auf ‚Ray‘ und natürlich vor allem ‚Walk The Line‘, die beiden Filme, die diesen modernen Aufbau des Musiker-Biopics zementiert haben.

Regisseur Jake Kasdan und Kamerafrau Uta Briesewitz gelingt es dabei vor allem ganz hervorragend die leicht golden leuchtenden Bilder dieser Art von Film einzufangen. Diese Bilder, die sagen, hier geht es um eine wichtige Person, allein deswegen ist auch dieser Film schon wichtig! Diese exakte Parodie der Bildsprache und des Selbstanspruchs ist auch der Grund warum der ansonsten oftmals sehr alberne Humor hier gut funktioniert. Manchmal verliert er sich dennoch darin sich erklären zu wollen. Etwa wenn Reilly und Wiig beim Auftritt in der Schule immer wieder betonen, dass sie 14 und 12 Jahre alt sein sollen, als würden wir die Absurdität nicht begreifen, wenn wir den Mitt-Vierziger und die Mitt-Dreißigerin in Schuluniform sehen. Viel besser funktioniert der Humor, wenn er sich nicht erklärt. Etwa die Tatsache, dass alle Auftritte von anderen Musikern nicht im geringsten wie ihre realen Vorbilder aussehen, aber so als hätten sich Masken- und Kostümbildner wahnsinnige, aber letztlich fruchtlose Mühe gegeben das zu ändern. Als Beispiele seien Jack Black als Paul McCartney und Musiker Jack White als Elvis Presley genannt. Und wenn Dewey zum x-ten Mal in zorniger Verzweiflung ein (oder mehrere) Waschbecken aus der Verankerung reißt, dann weiß ich nicht, ob ich diese große emotionale Geste jemals wieder ernst nehmen kann.

Die Schauspieler verstehen exakt das Material mit dem sie hier arbeiten. Allen voran John C. Reilly. Den habe ich immer als jemanden erlebt, der einen Totalausfall (und von denen hat er einige in seiner Filmografie) nicht retten kann, aber gutes Material zu vergolden weiß. Und genau das tut er hier, wenn er seinen Dewey Cox, der kein wirklich liebenswerter Charakter ist, mit solcher großäugiger Naivität und zielgenauem, komischen Timing spielt, dass man ihn irgendwie nicht nicht mögen kann. Und ein mehr als passabler Sänger ist er auch, dessen Cox sich von Johnny Cash-artigem Country bis zu näselndem, hier textlich völlig sinnbefreiten Bob Dylan-Protest durch allerlei Genres arbeitet. Zu durchaus gelungener Musik sollte man erwähnen. Es ist gut, dass sich die Macher hier nicht auf einem „es soll ja gar nicht gut sein“ ausgeruht haben.

‚Walk Hard‘ ist eine dieser seltenen Parodien, die nach ihrem Erscheinen noch bedeutender geworden sind. Natürlich sind nicht alle Musiker-Biopics nach dem typischen Gerüst aufgebaut, es seien etwa ‚Love & Mercy‘ oder ‚I’m not there‘ als Gegenbeispiele angeführt, doch ist das Musiker-Biopic beinahe schon fester Bestandteil des jährlichen „Oscar-Baits“ der Studios. Und eines über Elton John steht auch für dieses Jahr schon in den Startlöchern. Wollen wir hoffen, dass es lange noch so bleibt, damit mehr Leute den bei Veröffentlichung arg gefloppten ‚Walk Hard‘ entdecken können, auch wenn damit vermutlich alle Musiker-Biopics für die Zukunft schwer ernst zu nehmen sein werden.

 

Die 5 Besten am Donnerstag: Meine 5 aktuellen Lieblingslieder

Es ist Donnerstag und das reguläre „Die Besten“-Programm wird wieder aufgenommen. Die nächsten Wochen, so kündigt Gorana es an, stehen ganz im Zeichen der Musik. Heute möchte sie von uns unsere 5 aktuellen Lieblingslieder wissen. Ich hoffe das „aktuell“ bezieht sich darauf, was uns gerade gefällt und setzt nicht voraus, dass die Songs aktuell sind, denn dann könnte ich etwa die Hälfte gleich wieder streichen. Das sind wohlgemerkt nicht meine Evergreens sondern Songs, die ich derzeit viel höre und die mir im Moment sehr gut gefallen. Die All-Time Favorites kommen bestimmt später noch an dieser Stelle.

  1. DANCE WITH THE DEAD – Robeast

Synthwave ist ein relativ neues Genre, allerdings eines, das sich auf Altes bezieht. Auf alte Synth-Soundtracks, vor allem die von John Carpenter, nämlich. Das Meiste aus der Richtung ist reichlich düster, derzeit gefallen mir die etwas zugänglicheren Töne von Dance With the Dead aber am besten. Robeast taucht hier als allgemeiner Stellvertreter auf.

  1. Chromatics – Shadow

Ich habe die neue Twin Peaks Staffel noch nicht gesehen aber dieser Song ist großartig. In gleichen Teilen Hommage an Angelo Badalamentis und Julee Cruises „Floating“ aus der alten Serie, als auch eigenes Stück. Richtig gut!

  1. Tom Waits – Hell Broke Luce

Bis vor kurzem hat der Winter noch mal eine ordentliche Rückkehr gefeiert. und zum Winter gehört für mich irgendwie immer Tom Waits. Mit „Hell Broke Luce“ geht es mir wie mit all meinen liebsten Waits Songs: beim ersten Hören konnte ich ihn nicht ausstehen. Kein Wunder, dass der hier gewöhnungsbedürftig war, so zornig wie hier erlebt man Waits dann doch eher selten.

  1. Robert Plant, Alison Krauss – Please Read The Letter

Led Zeppelins Robert Plant und Country Chanteuse Allison Krauss nehmen zusammen ein Album mit Coverversionen auf. klingt doof, klingt nach Gimmick, klingt vergessenswert. Aber irgendwie wandert das Album seit bald zehn Jahren immer mal wieder in meine Playlist (so eben auch derzeit) und ich muss feststellen, es funktioniert verdammt gut. Beide haben hörbar jede Menge Spaß, beide bringen sich perfekt ein und die Songs sind ebenso eklektisch, wie gut ausgewählt.

  1. Portishead- S.O.S.

Apropos merkwürdige Kombinationen die funktionieren: die ollen Trip-Hop-Pioniere von Portishead covern einen Song der noch olleren Disco-Schweden von ABBA. Und machen aus der Up-Tempo Nummer einen minimalistischen, intimen, eindringlichen Song. Hinweis auf ein neues Album? Wer weiß!

 

Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Filme mit der besten Musik

Hier ist der Donnerstag leider gerade ein bisschen trübe. Da ist es doch umso schöner ihn sich ein wenig mit den 5 Besten aufzuhellen! Und dann auch noch mit Musik! Denn Gorana möchte von uns heute unsere 5 Filme mit der besten Musik wissen. Ich verweise mal auf meine kürzlich veröffentlichte Top Ten der besten Titelmelodien, doch hier soll es ja um etwas anderes gehen, den besten Soundtrack als Ganzes.

 

  1. ‚Drive‘ (2011)

Nicolas Windig Refn unterlegt seinen NeoNoir Thriller mit einem unterkühlten, 80erJahre-inspirierten Synthwave Soundtrack von Cliff Martinez. Cool, gelungen und zumindest Teil-Grundstein für ein Nostalgiegetriebenes Musikgenre. Anspieltip: Real Hero von College feat. Electric Youth

 

  1. ‚Trainspotting‘ (1996)

Der Soundtrack zu Danny Boyles heroingetriebenem Epos steht hier stellvertretend für das Genre der „Wundertüten-Soundtracks“ und hat nur knapp den einen oder anderen Tarantino-Soundtrack ausgestochen. Das Budget reichte eigentlich für die Recte an den meisten Stücken gar nicht aus, doch waren, so Boyle, viele Künstler bereit ihre Songs günstiger zu überlassen, was der entschiedenen Fürsprache durch David Bowie zu verdanken war. Als ob die Welt noch mehr Gründe bräuchte, warum Bowie der Beste war. Anpieltip ist natürlich Lust for Life von  Iggy Pop

 

  1. ‚Blue Velvet‘ (1986)

Wenn ein Filmemacher als Experte im Sounddesign gelten darf, dann ist das David Lynch. Und auch Musik bindet er vortrefflich in seine Klanggemälde mit ein. Der Soundtrack zu Blue Velvet entstand, wie meist, in Zusammenarbeit mit Angelo Badalamenti, bediente sich allerdings auch vieler, oft älterer Popsongs. Ein Song, den man nach dem Film niemals wieder so hören wird wie vorher ist Roy Orbisons In Dreams.

 

  1. ‚The Blues Brothers‘ (1980)

Muss ich dazu viel sagen? Jake und Elwood sind nicht nur im Auftrage des Herrn unterwegs, sie ehren auch einige der größten Hits aller Zeiten. Und dann kommen noch Auftritte von Künstlern, wie Aretha Franklin oder James Brown dazu. Viel besser geht’s nicht. Anspieltip: Everybody Needs Somebody to Love.

 

  1. ‚Star Wars‘ (1977)

John Williams hat nun nicht eben wenige herausragende Soundtracks abgeliefert aber ich musste mich ja für einen entscheiden. Mein persönliches Star Wars Lieblingsstück, der „Imperial March“ kommt zwar erst in ‚Das Imperium schlägt zurück‘ vor, doch nehme ich als Ganzes hier den Soundtrack zum ersten Film, wo Williams alle Grundlagen legt. Anspieltip: Die Cantina Band

Top Ten Titelmelodien – Film

Ich habe an dieser Stelle schon einmal darüber geschrieben (bzw. klügere Menschen verlinkt) aber es lohnt sich zu wiederholen: die eingängige Titelmelodie scheint dem heutigen Blockbuster-Soundtrack etwas abhanden gekommen zu sein. Es gibt Melodien, die hat man im Ohr sobald man einen Filmtitel nur hört, auch wenn man den eigentlichen Film seit Jahren nicht gesehen hat. Und um genau solche soll es hier gehen.

Einige Einschränkungen: Erstens, werde ich mich nicht rein auf Titelmelodien beschränken, die Überschrift ist mehr der abartig attraktiven Alliteration geschuldet. Sollte eine andere Melodie eingängiger sein nehme ich die. Zweitens sind dies rein persönliche Vorlieben, die in keiner Weise in irgendwelcher Musiktheorie fundiert sind. Im Musikunterricht habe ich gelernt halbwegs das Xylophon zu spielen, so zu tun als könne ich eine Partitur mitlesen und gebeten zu werden nicht ganz so laut mitzusingen. All das hilft mir hier nicht wirklich weiter. Aber hey, ich weiß was mir gefällt! Drittens beschränke ich mich auf ein Stück pro Film(-Reihe). Von einem Komponisten darf es aber mehr sein.

  1. ‚Fire Walk With Me‘ (1992) – Theme From Twin Peaks – Angelo Badalamenti

Ein Fernseher wird in Stücke geschlagen und es ertönt diese verzerrte Version von Badalamentis berühmter TV-Serien-Melodie. Komponist wie Regisseur tun alles, um so schnell wie möglich deutlich zu machen, dass dies nicht das Twin Peaks ist, das wir kennen. Genutzt hat’s nix, der Film floppte und ist bis heute einer von Lynchs am meisten unterschätzten. Schade.

 

  1. ‚James Bond – 007 jagt Dr. No‘ – James Bond Theme – Monty Norman

Ja sicher, jeder Bond-Film hat seine ganz eigene Titelmelodie und seinen eigenen aufwändig produzierten Vorspann. Aber seien wir doch ehrlich, Monty Normans Titelmelodie zu „Dr. No“, die seitdem in jedem Bond-Film Verwendung fand, ist das erste woran wir denken, wenn wir die Worte „James“ und „Bond“ hören. Noch vor coolen Autos, schönen Frauen und Wodka Martinis geschüttelt, nicht gerührt!

 

  1. ‚Ghostbusters‘ (1984) – Ghostbusters – Ray Parker jr.

„Who you gonna call?“ Parker ließ sich von einem billigen Werbespot eines lokalen Unternehmens im Fernseh-Nachtprogramm inspirieren und schrieb den Titelsong als Pseudo-Werbejingle. Und der Charts-taugliche Titelsong wird dem Mega-Erfolg des ersten Ghostbusters Film sicherlich nicht abträglich gewesen sein. Daran konnte auch eine Plagiats-Klage von Huey Lewis, der meinte extreme Ähnlichkeiten zu seinem Song „I Want A New Drug“ zu erkennen, nichts mehr ändern.

 

  1. ‚The Mission‘ (1986) – Gabriels Oboe – Ennio Morricone

Hört man den Namen Morricone denkt man an Italo-Western Melodien. Eine reine Beschränkung auf diese würde aber der unglaublich umfangreichen Karriere dieses Workaholic Komponisten nicht gerecht werden. Dieses wunderbare, ruhige Stück aus dem Film ‚The Mission‘ zelebriert die Universalität von Musik aber brachte Morricone, zusammen mit dem Rest des Soundtracks, trotz Nominierung, nicht den reichlich verdienten Oscar ein. Eine der größten Fehlentscheidungen der Jury. Immerhin, ein Traum für Oboisten(?) überall, die bestimmt nicht viele Chancen für Soli bekommen.

 

  1. ‚Terminator‘ (1984) – Terminator Theme – Brad Fiedel

Fiedels treibendes, elektronisches Titelthema zu James Camerons Low Budget SciFi Hit versetzt den Zuschauer sofort in die passende Stimmung. Kalt, mechanisch und doch aufregend und aufreibend. Als „Herzschlag eines mechanischen Mannes“ hat Fiedel seine Melodie einmal treffend umschrieben. Sie ist heute mindestens so ikonisch wie Arnies „I’ll be back!“

 

  1. ‚Halloween‘ (1978) – Main Theme – John Carpenter

Man kann beinahe den erkaltenden Kaffee und den allgegenwärtigen Zigarettenrauch riechen, der vorgeherrscht haben dürfte, als Carpenter hinter seinem Keyboard saß und dieses Stück eingespielt hat. Wer hätte gedacht, dass er hier Magie schafft? Die Synthie-Melodie lässt nicht nur einen Film, sondern ein ganzes Genre, eine ganze Zeit vor dem inneren Auge erscheinen. Kein Wunder, dass viele heutige Horror-Regisseure, die mit diesem Thema aufgewachsen sind in ihren Soundtracks Hommagen leisten – oder schlicht abkupfern.

 

  1. ‚Jurassic Park‘ (1993) – Welcome to Jurassic Park – John Williams

Beinahe hätte ich die Titelmelodie genommen. Aber ich denke dieses Stück ist besser darin deutlich zu machen, was den ersten ‚Jurassic Park‘ auszeichnet. Das Staunen, der „sense of wonder“, der hier in jeder Note John Williams‘ mitschwingt ist etwas, das allen Nachfolgerfilmen auf ganz frappierende Weise fehlt. Hier beginnt es leise und steigert sich zum Bombast. Alle anderen beginnen bei Bombast und bleiben da.

 

  1. ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘ (1981) – Raiders March – John Williams

Ich könnte irgendwen von Euch auffordern die Indiana Jones Titelmelodie zu summen, pfeifen, auf dem Kamm zu blasen oder nachzurülpsen. Und es besteht die allerhöchste Wahrscheinlichkeit, dass Ihr das wiedererkennbar hinbekommen würdet. Selbst wenn ihr Indiana Jones nie gesehen habt. Nicht nur eines der am meisten gespielten Soundtrackstücke, hier schafft es Williams schon in der Musik den Bogen zu schlagen vom 30er Jahre Serial über James Bond bis zum Bombast der frühen 80er.

 

  1. ‚Zwei glorreiche Halunken‘ (1966) – Titelmelodie – Ennio Morricone

Das ist das Stück, an das man denkt, wenn man das Wort Italo-Western hört. Morricone zeichnet für jede Menge Italo-Western-Soundtracks verantwortlich und sicherlich für einige der besten, sei es für Filme von Leone oder Corbucci. Aber dieses Stück hier ist was den Italo-Western definiert. Jede Hommage, jede Parodie wird sich zwangsläufig immer an dieser Melodie orientieren müssen. Pistolen, Kojoten, Kanonen und Schlangen sind zu hören. Die Titelmelodie fasst den Film bereits zusammen.

 

  1. ‚Star Wars: Das Imperium schlägt zurück‘ (1980) – Imperial March – John Williams

Okay, ein Star Wars Stück auszuwählen war nicht ganz einfach. Dass es die Nummer 1 sein würde war eigentlich von Anfang an klar, aber was nehmen? Die ikonische Titelmelodie wäre die offensichtlichste Wahl. Das Stück der Cantina Band wäre die Außenseiteroption, ohne falsch zu sein. Duel of the Fates das mit Abstand beste an Episode I. Aber letztlich kann ich gar nicht anders als den Imperial March zu wählen. Als eines der besten Beispiele für ein Leitmotiv, ist das Stück untrennbar mit Darth Vader verbunden und kann durchaus effektvoll eingesetzt werden, wenn zum Beispiel nach seiner Läuterung eine leicht veränderte Harfenversion ertönt oder nur einige Noten des Themas gespielt werden, wenn Kylo Ren den Helm seines Großvaters betrachtet.

 

Gestern Gesehen: ‚The Beatles: Eight Days A Week -The Touring Years‘ (2016)

Mann, die Beatles waren eine verdammt gute Live-Band! Tjaha, verehrte Leser, das ist die Art brillanter, tiefgründiger  Einsichten, die Ihr wohl nur hier auf der Filmlichtung erwarten könnt. Aber ernsthaft: sie waren wirklich VERDAMMT gut. Ich mag die Beatles (mag sie eigentlich irgendwer nicht?) und bin geradezu mit ihnen aufgewachsen, denn mein Vater hat Fantum und die Alben aus seiner Jugend behalten. Ich bin allerdings sicherlich nicht der Superfan, der mit biografischen Details zu George Harrison aufwarten kann und anhand dieser songschreiberische Feinheiten nachvollziehen könnte. Und dieser Film war exakt auf meiner Wellenlänge.

Der Film begleitet die großen Tourjahre der Beatles. Von dem Moment in 1963 als sie weltweit schlicht explodierten bis 1966 als sie das Ende ihrer großen Stadientourneen verkündeten. Die Frühzeit der Beatles, also vom Treffen  Lennon/McCartney 1957 bis zu den wilden Hamburger Jahren 60-62 wird in einigen Minuten abgehandelt.  Dann sehen (und hören!) wir die Gruppe nicht nur in hervorragend remasterten Aufnahmen von anfänglich kleineren Clubs bis hin zum damals völlig unerhörten Auftritt im Shea Stadium in New York vor mehr als 50.000 Fans. Wir sehen die Entwicklung der Gruppe, ihren anfänglichen Humor, ihre Schlagfertigkeit mit der sie Reporter regelmäßig gnadenlos ausmanövrieren. Je größer die Auftritte aber werden, im australischen Adelaide war die 15 Kilometerlange Strecke vom Flughafen bis zum Hotel von Fans belagert, je mehr junge Mädchen umkippen, enttäuschte Fans abgewiesen werden müssen, umso mehr schwindet der Spaß der Fab Four am Liveauftritt. Wenn das Geschrei im Stadion so laut wird, dass die Musik nicht mehr zu hören ist fühlen sich die Beatles als Zirkus-Attraktion. In Japan sehen wir einen Ringo Starr, der sich hinter seinem Schlagzeug kaum noch aufrecht halten kann. Gleichzeitig haben die Beatles angefangen sich im Studio selbst zu entdecken und mehr experimentelle Musik zu machen. Mit Effekten, die nur her möglich sind. Und so endet die große Tourzeit und der Film 1966 lange Zeit bevor es „am Ende kompliziert wurde“, wie Paul McCartney es ausdrückt.

Neben bild- und tontechnisch aufbereiteten Archivaufnahmen der Auftritte, sind neue Interviews mit Paul und Ringo zu sehen, leider nicht auf einem Sofa sondern getrennt. Dazu kommen Archiv-Interviews mit George und John Lennon. Sowie Talking Head Interviews mit Musikern, Komikern, Regisseuren und Schauspielern, die klar machen, dass nicht nur die Popmusik in eine Zeit vor und nach den Beatles aufgeteilt werden muss sondern die gesamte Popkultur. Insbesondere beeindruckend fand ich hier Elvis Costello, der klar macht, dass, bei damaliger Technik,  jeder der  vier bei ihren Stadionauftritten bestenfalls sich selbst, keinesfalls die drei anderen hören konnte und wie viel beeindruckender das ihre hervorragenden Liveauftritte macht (Ringo bestätigt das und sagt er habe sich am Hintern und den Füßen von John und Paul orientiert, um den Takt zu halten). Interessant sind auch Whoopi Goldberg und eine Historikerin, die auf die, für die Vereinigten Staaten damals ungewöhnliche, rassenübergreifende Anziehungskraft der Briten hinweisen („ich hatte das Gefühl wir könnten Freunde sein- obwohl ich schwarz bin“ -Goldberg). Und ihren Beitrag zur Bürgerrechtsbewegung in den USA, durch ihre Weigerung in Arenen aufzutreten in denen nach Rassen getrennt wurde (zum Unmut ihres Managers). Dies hat tatsächlich dazu geführt, dass mehrere Stadien diese unsägliche Politik aufgegeben haben.

Andere historische Ereignisse, wie die Ermordung John F. Kennedys werden angerissen, ebenso wie die beiden Beatles Live Action Filme, die in der Zeit entstanden sind. Ansonsten bleibt der Film aber konzentriert bei der Entwicklung der Beatlemania, einem Phänomen, dass für die damalige Zeit einzigartig war und dem weder Polizei, Stadionbetreiber noch die Musiker selbst wirklich gewachsen waren. Und nach Johns berühmt/berüchtigten „größer als Jesus“ Interview in den USA mit öffentlichen Verbrennungen der Alben und Bombendrohungen zum Ende hin eine durchaus finstere Wendung nimmt.

Habe ich auch was zu meckern? Durchaus. Keiner aber wirklich keiner der Songs wird zur Gänze ausgespielt. Die Doku ist hundert Minuten lang und fühlt sich kürzer an. Macht sie doch zwei Stunden lang und spielt ein paar Stücke aus. Weiterhin hat Regisseur Ron Howard klar gemacht, dass sich seine Beatles Kenntnisse vor dem Film etwa auf meinem Niveau befunden haben. Interessiert aber kein tiefer Kenner. Wirkliche Kenner der Beatles werden in diesem Film also vermutlich keinerlei neue Erkenntnisse entnehmen können. Aber die schauen ihn sicher trotzdem, schon wegen der Archivaufnahmen. Und obwohl ich wusste welchen Zeitraum der Film beschreibt kam das Ende für mich doch etwas plötzlich. Der ganze Verlauf der Geschichte macht klar: es ist hier nicht zu ende. War es ja auch nicht. Aber „ich wünschte er wäre länger“ ist sicher nicht der schlimmste Vorwurf, den man einem Film machen kann.

Im Fazit bleibt eine interessante, liebevolle Verbeugung vor einer der größten Popbands aller Zeiten, ohne viele neue Erkenntnisse aber in qualitativ großartigen Bildern und mit absolut brillantem Ton. Und ich bin mir nicht sicher, ob das schon mal jemand gesagt hat aber die Beatles waren eine verdammt gute Live-Band. Klingt unglaublich, ich weiß…