Newslichter Ausgabe 100: Singvögel, Schildkröten und Murmeltiere… jetzt wird’s zoologisch

Willkommen bei Ausgabe 100 des Newslichters. Wow, 100 mal habe ich hier nun schon zumeist Unsinn, gelegentlich Wichtiges aus der Filmindustrie kommentiert. Und wie könnte man so ein Jubiläum besser feiern, als mit neuen Filmnews? Genau, gar nicht. Es sei denn, drei der vier News drehen sich, in gewisser Weise, um Tiere. Das wäre noch besser.

Der traurigen Nachricht zum Tode Ennio Morricones werde ich am Samstag einen eigenen Beitrag einräumen. Das würde hier jeden Rahmen, in Sachen Länge und Tonalität, sprengen. Heute soll es um Corona und den Umgang damit in Hollywood, die Frage ob wirklich jede IP wieder aufgekocht werden muss und Teenage-Schildkröten in der midlife crisis gehen. Legen wir also los!

 

‚Songbird‘ vor dem Aus?

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18531579.html

Der Thriller ‚Songbird‘ sollte die Corona-Krise zum Thema haben. Nicht nur deswegen, sondern auch weil er einer der ersten Filme gewesen wäre, die in Hollywood wieder in Produktion gehen, waren zahllose Augen auf ihn gerichtet. Nun hat es für Produzent Michael Bay aber eine der schlechtesten Neuigkeiten gegeben, die man sich vorstellen kann. Die einflussreiche Schauspielergewerkschaft SAG-AFTRA hat für den Film eine „Do Not Work“ Aufforderung für den Film erstellt, die ihren Mitgliedern, quasi allen Schauspielern in Hollywood, unter Androhung empfindlicher Strafen, effektiv verbietet an dem Film zu arbeiten. Der Grund ist der intransparente Umgang mit Coronavirus-Sicherheitskonzepten. Offenbar wurde nie über den Ansatz, dass selten mehr als ein Schauspieler in einem Raum sein soll hinaus konkretisiert, keine detaillierten Sicherheitsprotokolle mitgeteilt. Sollte die Aufforderung bestehen bleiben, könnte das ein Aus für den Film bedeuten. Auf Produzentenseite versucht man die Angelegenheit derzeit als bald gelösten „Papierkram“ abzutun, allerdings ist ein gewisser PR-Schaden für den Film, der sich neue, angepasste Konzepte auf die Fahnen geschrieben hatte schon jetzt unübersehbar. Es wird sich zeigen müssen, ob die vielzitierten „innovativen Techniken“ nur unter Verschluss gehalten wurden, oder leeres Gerede waren. Insbesondere in einem Los Angeles, das derzeit traurige Rekordzahlen an Neuerkrankungen vermelden muss, ist ein schulterzuckender Umgang mit dem Virus schlicht nicht gangbar.

 

‚Teenage Mutant Ninja Turtles‘ rebooten mal wieder

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18531530.html

Schildkröten, das ist bekannt, werden ziemlich alt. Da erstaunt es auch nicht, wenn ihre Teenager Jahre deutlich länger dauern als bei anderen Spezies. Bei den ‚Teenage Mutant Ninja Turtles‘ nun immerhin schon seit den späten 80ern. Die Pizza-süchtigen Kanalisationsbewohner scheinen nicht totzukriegen. Die letzten beiden Realfilme, ebenfalls von Michael Bay produziert, kamen bei der Kritik Allerdings gar nicht gut an und zumindest der Zweite blieb unter den finanziellen Erwartungen. Also dachte man sich, rebooten wir sie halt gleich wieder. Erneut als Realfilme produziert von Michael Bay. Doch das scheint sich nun geändert zu haben. Man will für die Filme, vielleicht nicht zuletzt unter dem Einfluss der Corona-Krise, nun voll auf Computeranimation setzen. Auch hat Bay seinen Produzentenposten verloren und ist durch Seth Rogen ersetzt worden. Das lässt eine deutlich humorigere Variante der Turtles erwarten. Davon unabhängig produziert derzeit auch Netflix einen Animationsfilm mit den mutierten Teenager Ninja Schildkröten. Apropos, das Unterhaltsamste was ich mit den Grünlingen in letzter Zeit gesehen habe, war ihr animiertes Crossover mit Batman. Okay, das war auch das Einzige mit ihnen, was ich gesehen habe, aber Spaß hat es gemacht. Aber ich bin sicher, sie werden auch in 15 Jahren noch Teenager und Ninjas sein.

 

‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ Serie?

https://screenrant.com/groundhog-day-movie-tv-show-stephen-tobolowsky/

Ich bin, das ist vermutlich deutlich geworden, nicht der allergrößte Freund von Reboots und Remakes. Ich lehne sie nicht rundheraus ab, allerdings wirken sie fast immer wie eine kreative Krücke. Ein Film bei dem ich bei einem Remake vermutlich auf die Barrikaden gehen würde, ist allerdings ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Obwohl eine Studioproduktion, bin ich doch der Meinung in dem Film steckt ganz viel Herz und Seele von Harold Ramis. Zu viel als das irgendjemand anderes den Film adäquat rebooten könnte. Was bei der Thematik des Films ohnehin reichlich albern wirkt. Auch war ein, zugegeben trauriges, kreatives Element die Spannung zwischen den alten Freunden Ramis und Bill Murray, die zu einem Bruch der Freundschaft führte, der erst kurz vor Ramis‘ tragisch frühem Tod mit 69 Jahren gekittet werden konnte. Und seit diesem tragischen Tod gibt es exakt keinen Grund mehr, warum Punxatawney Phil jemals wieder seinen Schatten auf der Leinwand entdecken sollte. Nun hat Stephen Tobolowsky, Darsteller des Ned Ryerson („Biiiing!“) allerdings in einem Podcast erzählt, dass ihn ein Produzent angesprochen habe, ob er die Rolle 30 Jahre später für eine Fernsehserie basierend auf dem Film noch einmal spielen wolle. Eine Fernsehserie brauche ich zwar auch nicht, allerdings kann ich sie besser ignorieren, als mir das bei einem Remake/Reboot möglich wäre. Ich wünschte nur manche Dinge könnten liegengelassen werden als das was sie sind und nicht als Ressource betrachtet werden, die man immer weiter ausbeuten muss. Aber hey, das Murmeltier grüßt schließlich täglich. Moment, war das nicht ein Sinnbild für die Hölle?

 

„Who You Gonna Call?“

https://deadline.com/2020/07/ghostbusters-sony-independence-day-box-office-relic-spider-man-far-from-home-1202978592/

Der Unabhängigkeitstag der USA, der vierte Juli, ist immer auch ein wichtiger Tag für das Kino. Wer an diesem Tag das „box office“ beherrscht, beherrscht womöglich auch den Rest des Jahres. Letztes Jahr war das etwa ‚Spider-Man: Far From Home‘. Dieses Jahr ist, natürlich, merkwürdiger. Ein Großteil der US-Kinos ist noch geschlossen, die anderen laufen nur im Teilbetrieb. Das ist eine Situation seltsam genug, dass man sich bewegt fühlen mag, paranormale Hilfe anzufordern. Und das ist geschehen, in Gestalt der ‚Ghostbusters‘ von 1984, die die Topliste dieses Jahr anführten. Eine halbe Million hat der Film am vierten Juli im Kino eingespielt. Klingt nicht nach wahnsinnig viel, aber für einen 36 Jahre alten Film unter den gegebenen Bedingungen ist das nicht übel. Ob man das als gutes Vorzeichen für den dritten Film, der nächstes Jahr ins Kino kommen soll, werten mag oder nicht ist jedem selbst überlassen.

Und das war es für diese Woche. Auf 100 weitere Ausgaben, angefangen mit der von nächster Woche!

Newslichter Ausgabe 99: Star-K.I., besorgter Detektiv und die Rückkehr der fliegenden Kühe

Willkommen bei Ausgabe 99 des Newslichters. Verschiebungen, Reboots, Klagen und seltsame Pläne. Auch dieser Newslichter hat wieder einiges an Themenvielfalt zu bieten. Covid ist immer noch von größter Bedeutung, aber so langsam scheint die Filmindustrie wieder anzulaufen. In Berlin etwa treffen derzeit die Darsteller für ‚Matrix 4‘ ein und auch in Hollywood gibt es bald einen ersten Testfall in Form von ‚Hypnotic‘, einem Thriller von Robert Rodriguez mit Ben Affleck in der Hauptrolle. Auf den Verlauf dieser Dreharbeiten werden fraglos viele Augen gerichtet sein. Aber kommen wir zu dieser Woche und legen los!

 

‚Tenet‘ verschoben

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18531481.html

Womöglich ist hier eine neue Dauerbrenner-Kategorie für den Newslichter geschaffen. Christopher Nolans ‚Tenet‘ ist erneut verschoben worden. Auf den 12. August, sowohl für die USA als auch für Deutschland. Denn in den wichtigen Gebieten New York und Kalifornien sieht es für die Lichtspielhäuser dank hoher Covid-19 Fallzahlen derzeit noch (oder wieder) schlecht aus. Dafür soll der Film, laut Warner, ungewöhnlich lange im Kino gehalten werden, damit auch Menschen, die sich im Moment (oder eher im August) noch Sorgen um einen Kinobesuch machen, die Chance bekommen den Film auf der Leinwand zu sehen. Der Re-Release von Nolans ‚Inception‘ mit Bonusmaterial und Vorschau ist dementsprechend nun auf den 30. Juli verschoben. Wobei einige große Kinoketten derzeit ohnehin eine ganze Reihe Nolans wiederaufführen.

 

Darf sich Sherlock Sorgen machen?

https://variety.com/2020/biz/news/sherlock-holmes-netflix-copyright-enola-holmes-lawsuit-1234648188/

Die Figur des Sherlock Holmes erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Scheinbar ständig scheinen Filme oder Serien in Produktion, die Arthur Conan Doyles kalten Logiker am Leben halten. Seine Erben (Doyles, nicht Holmes) wurmt das ein wenig. Die Figur selbst ist bereits public domain, in den USA sind nur noch die letzten 10 Geschichten urheberrechtlich geschützt. Jene 10 letzten Geschichten, in denen Doyle seinen Detektiv empathischer und warmherziger agieren ließ. Und genau das nutzen die Erben derzeit für eine Klage. Denn im Film ‚Enola Holmes‘, der Sherlocks jüngere Schwester in den Mittelpunkt stellt, macht er sich erkennbar Sorgen um einen entführten Doktor Watson. Eine Reaktion, so behaupten die Erben, die nur der noch geschützte, emotionale Holmes aus den späten Geschichten zeigen würde. Ich, als jemand der alle Holmes Geschichten gelesen hat, halte das für ziemlichen Schwachsinn. Holmes würde Watson nie direkt sagen, dass er Angst um ihn hatte, aber es wäre zwischen den Zeilen für jeden, selbst Watson, überdeutlich zu lesen. Es ist nicht die erste Klage dieser Art. Auch ‚Mr. Holmes‘, in dem Ian McKellen einen alternden, demenzkranken Holmes gibt, wurde schon (erfolglos) verklagt, weil der Holmes zu emotional agieren würde. Es darf also bezweifelt werden, dass diese Klage die Veröffentlichung von ‚Enola Holmes‘, Verfilmung einer Buchreihe von Nancy Springer, stoppen wird. Der Film kann mit Millie Bobby Brown als Enola und Henry Cavill als Sherlock aufwarten. Hm, Superman, Sherlock Holmes, wenn Cavill jetzt noch nen Piraten spielt, dann hat er alle meine kindlichen Faschingskostüme abgearbeitet…

 

Erica, die K.I. ist da

https://www.hollywoodreporter.com/news/ai-robot-cast-lead-role-70m-sci-fi-film-1300068

Bondit Capital Media sind durchaus dafür bekannt ungewöhnliche Filme zu finanzieren. Etwa den ersten in Öl gemalten Animationsfilm ‚Loving Vincent‘. Nun steht mit dem wenig suchmaschinenfreundlichen Film ‚b‘ eine weitere Premiere an. Der erste Film, der einen K.I. gesteuerten Roboter als Hauptdarstellerin hat. Zusammen mit ein paar anderen Produzenten sind 70 Millionen Dollar für den Film zusammengekommen, in dem Erica, ein KI gesteuerter Roboter, der von den japanischen Wissenschaftlern Hiroshi Ishiguro und Kohei Ogawa entworfen wurde und von ihnen auch Schauspiel „beigebracht“ bekam, ihr Debüt hinlegen soll. Im Film soll sie eine ebenfalls künstlich erschaffene Frau spielen. Ich muss zugeben, ich habe keine Ahnung wie das aussehen soll. Ich bezweifle, dass es wirklich eine K.I. gibt, die in der Lage ist glaubhaft auf Situationen zu reagieren, was bedeuten würde, die Reaktionen müssten vor jeder Szene direkt einprogrammiert werden, was einfach nur albern klingt. Daher überrascht es vielleicht nicht, dass es sich nicht um den ersten Versuch handelt. Der letzte geplante Film mit Erica ist aber irgendwann im Nirvana verschwunden. Aber in diesen Covid Zeiten ist die Idee von Roboter-Darstellern vielleicht gar nicht so abwegig. Krank werden die immerhin nicht. Außer durch Computerviren.

 

Da fliegt die Kuh: ‚Twister‘ Reboot

https://variety.com/2020/film/news/twister-reboot-joseph-kosinski-universal-1234648589/

‚Twister‘ war damals ein Riesenerfolg. Von Jan de Bont inszeniert, von Spielberg produziert und von Michael Crichton geschrieben, löste er nicht nur in den USA eine „Stormchaser“ Manie aus, er nahm auch eine knappe halbe Milliarde an den Kinokassen ein und konnte damals bahnbrechende Spezialeffekte vorweisen. Nun würde Universal gerne beweisen, dass das damals kein Sturm im Wasserglas war und ein Reboot produzieren. Ein Regisseur ist auch schon gefunden: Joseph Kosinski. Der ist ja so etwas wie ein Experte für späte Fortsetzungen, sei es ‚Tron: Legacy‘ oder ‚Top Gun Maverick‘, später dieses Jahr. Es scheint dennoch eine merkwürdige Zeit für ein ‚Twister‘ Reboot. Blockbuster rund um Naturkatastrophen scheinen in Hollywood derzeit ziemlich out, es sei denn man heißt Roland Emmerich. Vielleicht möchte man auch einen neuen Trend lostreten. Wobei ich nicht sicher bin, wie empfänglich das Publikum derzeit für Katastrophenfilme ist. Mit allem so wie es gerade ist.
Das war es für diese Woche. Nächste Woche steht Ausgabe 100 an! Wir feiern dieses Jubiläum mit, naja, mit Filmnews, was sonst? Und ob die besonders toll werden kann ich aus offensichtlichen Gründen nicht kontrollieren. Ich meine natürlich: WUUUHUUU Ausgabe 100!!

 

Newslichter Ausgabe 98: Dune Reshoots, frische Monster und ein alter Batman?

Willkommen bei Ausgabe 98 des Newslichters. Diese Woche gab es mal eine schöne Bandbreite an Neuigkeiten. So darf das gern jede Woche sein. Alte Helden, neue Monster, Rechtegerangel und Reshoots. Und Corona mal bloß ganz am Rande. Daher halte ich mich nicht mit Einleitungen auf, sondern sage, wir legen direkt los!

 

‚Dune‘ Reshoots im August?

https://screenrant.com/dune-2020-movie-reshoots-good-not-bad-reason/

Reshoots haben in den letzten Jahren einen nicht ganz unverdienten, schlechten Ruf erworben. Ob ‚Suicide Squad‘, der auf Biegen und Brechen im letzten Moment mehr wie die erfolgreichen ‚Guardians oft he Galaxy‘ werden sollte, ob ‚Rogue One‘, wo die ursprüngliche Vision des Regisseurs von Disney als zu düster bezeichnet wurde, oder Supermans berüchtigte Schnauzer-Retusche aus ‚Justice League‘. Reshoots sind eine Verwässerung, eine Einmischung des Studios mit Filmideen von Leuten, die keine Filme, sondern bloß Geld mögen. Alles nicht ganz falsch, aber ist das jetzt ein Grund in panischen Schweiß auszubrechen, weil Denis Villeneuves ‚Dune‘ eine Handvoll Monate vor Veröffentlichung Nachdrehs braucht? Vermutlich nicht. Vermutlich handelt es sich nur um sogenannte Pickup Shoots. Jede Produktion mit genug Geld in der Hinterhand macht die. Wenn sich im Schnitt ein Szenenwechsel als zu abrupt erweist, oder sich doch einmal ein Kontinuitätsfehler einschleicht, dann werden Pickup Shoots gemacht. Die ändern nichts am eigentlichen Film. Und warum so kurz vor Fertigstellung? Naja, warum wohl? Covid-19, latürnich. Die Aufnahmen sollen in Ungarn stattfinden und man geht davon aus im August das Okay dafür zu bekommen. Unter erhöhten Hygienebedingungen. Aber wer weiß, vielleicht greift auch der ‚Dune‘ Fluch und die Verfilmung geht den Bach runter. David Lynch antwortete neulich auf die Frage, auf welchen seiner Filme er besonders stolz sei, er sei auf alle stolz. Außer auf ‚Dune‘. Die Version von Alejandro Jodorowsky hat es berühmter Weise nie gegeben. Weniger berühmt sind die Versionen vom Produzenten des originalen ‚Planet der Affen‘, Arthur P. Jacobs, oder die von ‚Alien‘ Regisseur Ridley Scott, die es ebenso nie gegeben hat. Ebenso eine 2008 Produktion von Paramount, die angekündigt wurde, aber niemals konkreter wurde. Irgendwas steckt da auf den Seiten von Frank Herberts Roman zwischen Sandwürmern, Spice und Sardaukar, was Verfilmungen schwierig zu machen scheint. Aber für den Moment sind es bloß Pickup Shoots…

 

Clive Barker raising Hell?

https://screenrant.com/hellraiser-movie-clive-barker-legal-rights-explained/

In den späten 70ern gab es eine dreckig fiese Revolution in der Horrorliteratur. Eine jüngere Generation von Autoren, die mit blutigen Schockeffekten nicht geizte übernahm das Ruder. Parallel zum Cyberpunk, wurde diese Bewegung „Splatterpunk“ genannt. Einer ihrer wichtigsten Vertreter war Clive Barker. Natürlich sollten diese neuen, erfolgreichen Stories alsbald verfilmt werden. Barker war erschüttert darüber, was die Verfilmung aus seiner Geschichte ‚Rawhead Rex‘ machte. Und war fest davon überzeugt, dass er das selbst besser könne. Also würde er seine Novelle „The Hellbound Heart“ einfach selbst verfilmen. Und mit dieser Verfilmung unter dem Titel ‚Hellraiser‘ bewies er, dass er es in der Tat besser konnte. Nachdem das Studio seinen nächsten Film ‚Cabal‘ aber im Endschnitt zerstückelte, verlor er schnell wieder das Interesse. Drehte mit ‚Lord of Illusions‘ noch einen Film, gab sich ansonsten mit beratenden Rollen bei Verfilmungen, etwa bei ‚Candyman‘ zufrieden. Nun klagt Barker gegen Park Avenue Entertainment, derzeitige Inhaber der lange ausgebeuteten ‚Hellraiser‘-Lizenz (mit der Barker nach dem dritten Film nichts mehr zu tun hatte) auf Rückgabe der Rechte. Er nutzt dafür dasselbe amerikanische Gesetz, das auch der Autor von ‚Freitag der 13te‘ derzeit für eine Klage nutzt, das Autoren nach 35 Jahren auf der Rücknahme ihres geistigen Eigentums bestehen können. Ärgerlich für Avenue, die derzeit an einem Film und einer Serie von ‚Hellraiser‘ arbeiten. Vor allem da fraglich sein dürfte, ob es Barker hier um Geld geht. Ich vermute, er möchte tatsächlich die Rechte zurückhaben. Er kann kaum mit der Qualität der Reihe glücklich sein, die immer noch mit seinem Namen verbunden wird. Vor allem, weil diese Reihe einmal mit dem Anspruch startete zu beweisen, dass er es besser kann.

 

‚Bride of Frankenstein‘ in der Jetzt-Zeit

https://screenrant.com/bride-frankenstein-dark-universe-present-day-setting/

Okay, ich spare mir die übliche „das Dark Universe ist tot, oder doch nicht… Dun Dun Duuuuhn!“-Einleitung. Inzwischen dürfte jeder halbwegs Interessierte (oder augenrollende Mitleser des Newslichters)  mitbekommen haben, dass die Universal-Monster auf kleiner Flamme neu aufgekocht werden. So auch dem Frankenstein ihm seine Braut. Ja Moment mal, der Titel ist doch falsch! Frankenstein ist der Doktor!! Na egal. Der Originalfilm ist vermutlich mein Favorit unter den originalen Universal Monster-Filmen. Seine einzige Schwäche ist, dass die titelgebende Braut letztlich kaum mehr als einen Cameo Auftritt hinlegen darf. Das will die neue Version natürlich ändern. Auch soll der Film in die aktuelle Zeit verlegt werden. Autor David Koepp gibt erste Hinweise auf die Themen. So soll es darum gehen, dass sie nicht wiederbelebt, sondern geschaffen wird, was bei ihren Schöpfern Besitzansprüche weckt. Daneben auch um die Verlängerung des Lebens und den Tod auszutricksen. Genau das ist es, was eine Neuverfilmung leisten muss. Zeigen, dass die Monster immer noch als Parabeln auf aktuelle Themen funktionieren. Genau das hätte ich mir von einem Dark Universe erwartet. Keine Versuche Superhelden abzukupfern. Ich bleibe gespannt!

 

Keaton wieder Batman?

https://deadline.com/2020/06/michael-keaton-returning-to-play-batman-the-flash-early-talks-1202966393/

Angeblich sollen derzeit Gespräche zwischen Warner und Michael Keaton stattfinden, ob er seine Rolle als Batman aus den beiden Burton-Filmen für den kommenden ‚The Flash‘ noch einmal aufnehmen würde. Vermutlich müsste er sich dafür nicht einmal ein das Kostüm werfen, für das Keaton selten freundliche Worte gefunden hat, sondern würde eine Mentorenrolle übernehmen. Dafür funktioniert Batman/Bruce Wayne sehr gut, wie man in der unterschätzten Animationsserie ‚Batman of the Future‘ sehen konnte. Und auch Keaton kann ich mir in einer derartigen Rolle gut vorstellen. Auch wäre es ein interessanter Kontinuitätsschluss, der die alten Burton-Film plötzlich wieder nahe an das aktuelle (zum Glück nicht mehr krampfig in sich geschlossene) DC-Universum holen würde. Dennoch, glauben werde ich es erst, wenn ich es sehe.

Das war es für diese Woche. Nächste Woche geht es weiter.

Newslichter Ausgabe 97: Termingefrickel, neuer Fincher und Stephen Kings Freitag der 13te?

Willkommen bei Ausgabe 97 des Newslichters. Auch wenn sich die Situation in Deutschland gerade recht entspannt anfühlt, die Corona-Krise ist noch lange nicht zu Ende. Im Gegenteil, weltweit steigen die Fallzahlen rapide. Darum sind auch diesmal wieder fast alle News auf irgendeine Weise mit Covid verbunden. Aber eben nicht alle und so erfahren wir etwa auch, was Stephen King gern schreiben würde, aber vermutlich nicht darf. Oder vielleicht doch, weil er Stephen King ist und das dürfte dabei helfen. Legen wir los!

 

Das Geschiebe geht weiter

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18531316.html

Nun wurde ‚Tenet‘ also doch verschoben. In den USA. Um zwei Wochen. Auf den 31. Juli. Was vermutlich einen deutschen Erscheinungstermin am 30. Juli bedeutet. Nicht so schlimm also. ‚Wonder Woman 1984‘ hingegen ist nun doch in den Herbst, auf Anfang Oktober abgewandert. Auch im nächsten Jahr ist die Schieberei zwangsläufig angekommen. ‚Matrix 4‘ räumt im nächsten Mai das Feld und wandert in den April 2022. ‚Bill & Ted Face The Music‘ hingegen macht sein eigenes Ding und wandert gar eine Woche nach vorne in der Veröffentlichung. Das panische Ringen um Termine ist in vollem Gange und keiner will derjenige sein, der einen Blockbuster verbrennt. Wie sicher ist Disneys ‚Mulan‘ am 23. Juli? Ein Film für den sich Disney vor allem in China viel erhofft. In China, wo ein erneuter Covid Ausbruch Kinoöffnungspläne erst einmal ins Wanken gebracht hat. Also wohl eher gar nicht sicher. Es ist wahrlich eine unsichere Landschaft, in der sich nicht nur Filme derzeit bewegen.

 

David Finchers ‚Mank‘ ab Oktober auf Netflix?

https://screenrant.com/david-fincher-mank-netflix-movie-release-date/

Seit 2014s ‚Gone Girl‘ hat Regisseur David Fincher keine Filmarbeit mehr abgeliefert. Er konzentrierte sich stattdessen für Netflix auf Serienarbeiten wie ‚Mindhunter‘ oder ‚Love, Death & Robots‘. Sein neues Filmprojekt scheint nun ebenfalls in Zusammenarbeit mit Netflix zu erscheinen. ‚Mank‘ begleitet die nicht immer einfache Zusammenarbeit zwischen Autor Herman J. Mankiewicz und Regisseur, Hauptdarsteller und allgemeiner Lichtgestalt Orson Welles während der Produktion von ‚Citizen Kane‘. Gary Oldman wird dabei Mankiewicz spielen und Tom Burke Welles. Für mich muss er dabei gegen die brillante Welles-Darstellung von Christian McKay in ‚Ich & Orson Welles‘ antreten. Aber hey, es ist ein Fincher Film, also darf technische Perfektion quasi vorausgesetzt werden. Ob Netflix den Film ins Kino bringt, um ihn für die Oscars zu qualifizieren, ist noch nicht bekannt, darf aber angenommen werden. Oder sie „versuchen“ es, „schaffen“ es aber nicht. Das reicht dieses Jahr ja ausnahmsweise auch für die Oscars.

 

‚Kinder des Zorns‘ Reboot schließt Dreharbeiten ab!

https://deadline.com/2020/06/kurt-wimmer-children-of-the-corn-reboot-australia-cast-crew-isolate-lockdown-shoot-1202957512/

Es sagt wohl einiges über die derzeitige Situation der Filmindustrie aus, dass es eine Meldung wert ist, dass Kurt ‚Ultraviolet‘ Wimmer die Dreharbeiten zu einem Film beendet hat. Der Film wurde im Norden Australiens, in einem recht abgelegenen Gebiet gedreht, als die Crew von der Covid-Krise überrascht wurde. Da man ohnehin bereits recht isoliert war, entschloss man sich in Absprache mit der örtlichen Verwaltung die Dreharbeiten fortzuführen, während Cast und Crew gemeinsam isoliert blieben. Dazu wurden nicht näher benannte Hygiene-Regeln eingeführt. Krank geworden sei während der Dreharbeiten niemand, wobei wohl keine gezielten Tests durchgeführt wurden. Ich frage mich, ob das nun offiziell Covid-freie Neuseeland zu einem wichtigen Drehort für Filme werden wird. Sicher, alle Zugereisten müssen in Quarantäne, allerdings würde man danach wohl auf weitere Hygiene-maßnahmen verzichten können. Vor allem, da im Los Angeles County derzeit Rekordzahlen an neuen Infektionen gemeldet werden, was Dreharbeiten in Hollywood erheblich erschweren dürfte. Man wird sehen. Das ‚Kinder des Zorns‘ Reboot interessiert mich übrigens kein Stück. Ich möchte allerdings der Person, die die Idee hatte ‚Children of the Corn‘ mit ‚Kinder des Zorns‘ zu übersetzen gerne die Hand schütteln und ein paar Fragen stellen. Okay, genaugenommen eine Frage. „Was haben Sie gegen Mais?“

 

Stephen King würde gern Jason Voorhees Roman schreiben

https://screenrant.com/stephen-king-friday-13th-book-idea-jason-details/

Das Romane des ebenso immens produktiven wie erfolgreichen Horrorautors Stephen King verfilmt werden ist schon beinahe normal. Nun hat er aber eröffnet, dass eine der besten Ideen die er je hatte, eine genaue Umkehr dieses Vorgangs wäre. Zu gern würde „I, Jason“ schreiben. Einen Roman aus der Sicht des ewig wiederkehrenden Serienmörders Jason Voorhees. Um den höllischen Fluch wieder und wieder zu töten und wieder und wieder getötet zu werden. Allerdings macht er sich keine Illusionen, dass der legale Dschungel, der für so etwas zu durchqueren wäre, in irgendeiner Weise passierbar ist. Aber seien wir ehrlich, wenn ein Autor eine Chance hat eine solche Idee umzusetzen, dann sicherlich King. Dann wird’s ein Riesenerfolg und es folgen „I, Michael“, „I, Freddy“, „I, Leatherface“, „I, Norman“ und spätestens mit „I, Chucky“ wird die Serie dann eine Parodie ihrer selbst. Dann beginnt der wahre Horror: das Ringen um die Verfilmungsrechte. Nachdem das ergebnislos bleibt, kommen die Filme mit generischen Titeln wie ‚I, The Hockey Guy‘ oder ‚I, The Dream Guy‘ ins Kino in den Stream als VOD irgendwo ganz hinten bei Vimeo.

 

Und das war es für diese Woche. Wird es nächste Woche einen neuen Newslichter geben? Och, ich weiß nicht. Vermutlich. Aber es 2020. Das hat bestimmt noch ein paar Überraschungen in der Hinterhand, also wer weiß das schon so genau.

Newslichter Ausgabe 96: Sony und die Masters, Disney und der Zauberkessel, Ari Aster und die Komödie

Willkommen bei Ausgabe 96 des Newslichters. Eine Woche später sind aus Protesten in den USA internationale Proteste geworden. Proteste gegen eine systemimmanente Polizeigewalt. Proteste, die das System auf exakt eine Weise zu beantworten weiß: mit mehr Polizeigewalt. Auch diese Woche will ich mich an meinen Entschluss der letzten Woche halten, auch weiterhin den Newslichter zu bringen. Auch diese Woche bringt wieder eine erstaunliche Bandbreite an Themen mit. Vom filmischen Schicksal einer alten Spielzeugreihe bis zum drohenden Konkurs eines Kinogiganten. Das nennt man wohl Fallhöhe. Oder auch nicht. Wir kümmern uns hier um den wirklich unwichtigen Kram! Legen wir los!

 

Sony und ihr ‚Masters of the Universe‘

https://screenrant.com/masters-universe-movie-david-goyer-development-hell-happening/

So von Mitte der 80er bis zu ihrem Ende waren die „Masters“ Könige der Spielzeugläden. Mattels grotesk muskelbepackte Helden und Schurken fanden ihren Weg nicht nur in die Spielkiste des noch sehr jungen Filmlichters. Daneben erwiesen sich auch die minimal animierte Zeichentrickserie und She-Ra, die passende Reihe für Mädchen, als Erfolge. Einen ersten Dämpfer erfuhr die Masters-Manie 1987 durch die gar nicht mal so gute Verfilmung der Cannon Group mit Dolph Lundgren in der Rolle des blonden Übermuskelmanns He-Man. Von einer Neuauflage Anfang der 2000er abgesehen sind die Masters seitdem weitgehend aus den Kinderzimmern verschwunden, doch in den Sammlungen enthusiastischer Nostalgiker finden sich nachwievor. Aber die Idee eines neuen Films blieb als leises Hintergrundgeräusch allgegenwärtig. Sony hält die Rechte und 2007 gab es mehr oder weniger handfeste Gerüchte John Woo würde sich des Themas annehmen. Hat er offensichtlich nicht. Seitdem gab es wohl ein gutes Dutzend Drehbücher und wenigstens ein halbes Dutzend potentieller Regisseure. 2018 wurde es dann wieder konkreter. Adam und Aaron Nee sollten auf dem Regiestuhl Platz nehmen und der erstaunlich unbodybuildige Noah Centino die Rolle des He-Man übernehmen. Der Dreh sollte Anfang 2019 beginnen. Hat er offensichtlich nicht. Der stärkste Mann des Universums erweist sich für Sony anscheinend eher als Klotz am Bein, denn als Stütze. So überrascht es auch nicht, dass man offenbar in Gespräche mit Netflix eingetreten ist. Dort hat gerade He-Mans Schwester She-Ra eine fünfjährige Zeichentrickserie hinter sich gebracht und eine He-man Animations-Serie ist in Planung. Da würde schon allein des Franchise-Buildings wegen ein realer He-Man auch gut ins Programm passen. Und hey Netflix: Steve Buscemi als Skeletor! Vielen Dank!

 

AMC gesteht öffentlich Konkursgefahr ein

https://screenrant.com/amc-movie-theaters-future-coronavirus-shutdown-impact/

Der angekündigte Boykott von Universal Filmen, sollten diese zeitgleich in Kino und Stream erscheinen, erschien bereits wie die hilflose Kraftmeierei einer Firma, die den Abgrund kommen sieht. Dann überlegte auch noch Amazon-Boss und realweltlicher, wenn auch für den Moment noch Hosen tragender Dagobert Duck Jeff Bezos, ob er die Kette mit ein paar Milliärdchen, die er vermutlich unter dem Sofakissen gefunden hat, kaufen solle. Weil er’s kann. Analysten analysierten die Fähigkeit AMCs die Krise zu überstehen und kamen zu keinen guten Ergebnissen. Nun haben auch AMC selbst „substantielle Zweifel“ über die Fähigkeit der Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes geäußert. Grundlage dafür war eine Analyse der Zahlen des ersten Quartals des Jahres. Sprich die Monate April und Mai, eben genau jene in denen gar keine Umsätze stattgefunden haben dürften sind da noch gar nicht berücksichtigt.
Und nun kann man natürlich spekulieren. Wenn es der größten Kinokette der Welt derart dreckig geht, wie steht es dann um die anderen? Oder sind kleine Kinos womöglich sogar besser dran, weil sie weniger laufende Kosten haben und durch Spenden halbwegs gestützt werden? Oder haben die Monate der Pandemie die Sehgehwohnheiten ohnehin so verändert, dass das Kino überflüssig geworden ist? Das glaube ich nicht und ich glaube auch nicht, dass es auf absehbare Zeit verschwinden wird. Aber ernüchternd ist die Nachricht allemal.

 

Disney erinnert sich an ‚Taran und der Zauberkessel‘

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18531221.html

Disney ist sich vollkommen bewusst, dass Nostalgie ein ganz wesentliches Element ihres gigantischen Erfolges ist. Nicht umsonst legen sie ihre Zeichentrickklassiker derzeit als (mehr oder weniger) Realfilme wieder auf. Dabei haben sie sich nun, glaubt man Branchen-Kenner Daniel Richtman, auch an einen Film erinnert, den sie ansonsten, bei aller Nostalgie, gern ignorieren. ‚Taran und der Zauberkessel‘ soll ein Realfilm-Remake bekommen. Eben jener Film, der das Studio näher denn je an den Rand des Ruins gebracht hat. Und wenn ich ganz ehrlich bin, das wäre das erste Remake, auf das ich mich sogar freuen würde. Die Geschichte hat Potential, die der Zeichentrickfilm nicht voll ausschöpfen konnte. Hier könnte sich ein Remake tatsächlich einmal als Verbesserung erweisen. Wobei noch nicht einmal klar ist, ob der Film ins Kino kommen, oder direkt bei Disney+ erscheinen soll. Hey Disney, wäre es nicht cool gewesen, ihr hättet Euch an den anderen Film, den ihr allzu gern vergesst, ‚Basil – der große Mäusedetektiv‘ erinnert, als ihr noch Heimmedien herausbrachtet? Wäre es nicht cool gewesen, den auf BluRay zu haben? DOCH DISNEY, DAS WÄRE SCHON SEHR COOL GEWESEN!!! ABER WER KANN DAS SCHON WOLLEN, HM DISNEY?! WER! KANN! DAS! SCHON! WOLLEN!!!

(Wir blenden die weitere Schimpftirade und nur bedingt jugendfreien Zornesäußerungen unseres Autoren zur für ein allgemeines Publikum mäßig interessanten Themenabschweifung „Basil auf BluRay“ an dieser Stelle aus und bitten zügig zur nächsten Meldung überzugehen. Vielen Dank.)

 

Ari Aster scherzt (vermutlich nicht)

https://screenrant.com/midsommar-hereditary-director-ari-aster-next-movie-details/

Ari Aster hat mit ‚Hereditary‘ ein fantastisches Debut hingelegt und (zumindest meiner Meinung nach) mit ‚Midsommar‘ noch eine Schippe obendrauf gepackt. Auch wenn die Filme durchaus unterschiedlich sind, lassen sich gewisse Themen herauslesen. Ungesunde familiäre Beziehungen durch eine alptraumhafte Linse betrachtet, etwa. Da überrascht seine Aussage, sein nächster Film werde eine „Alptraum Komödie“ erst einmal nicht. Das die aber vier Stunden lang werden soll, das kommt mindestens überraschend. Doch soll man erfolgreichen Jung-Regisseuren durchaus glauben was sie sagen. Das hat schon Paul Thomas Anderson bewiesen. Nach ‚Magnolia‘ nach seinem nächsten Film gefragt, antwortete er „eine Adam Sandler-Komödie“ und erntete damit Gelächter. Dann machte er ‚Punch-Drunk Love‘, eine Adam-Sandler Komödie und (zumindest meiner Meinung nach) einen seiner besten Filme. Insofern stellen ich und mein Hintern uns schon mal auf vier Stunden Alptraum-Komödie ein.

 

Das war es für diese Woche. Gibt es noch irgendwas zu sagen? Ach ja, BASIL – DER GOTTVERDAMMTE GROSSE MÄUSEDETEKTIV AUF BLURAY, DISNEY!!!! IHR KAC…

(Auch an dieser Stelle ersparen wir unseren Lesern mit großem Vergnügen weitere sinnlose Ausführungen zu einem Film, den kaum einer kennt, auf obsoleten Medien.)

OBSOLET? ICH GEB EUCH GLEICH OBSOLET, WER SEID IHR ÜBERHAUPT, IHR V…

(wir sehen uns nächste Woche an dieser Stelle wieder)

Newslichter Ausgabe 94: Corona Filme, Snyder Liga und China Streit

Willkommen bei Ausgabe 94 des Newslichters und Herzliche Grüße aus respektvoller Social Distance, immer noch mit Maske, aber jetzt in größeren Läden und teilweise Kinos und Gastronomie! Diese Woche durchzieht das hörbare aber noch unsichere Rumpeln einer langsam (und hoffentlich vorsichtig) wieder anlaufenden Filmindustrie den Newslichter. Wie wird die nach der ersten Corona-Welle aber wohl lange vor einem Impfstoff aussehen? Darüber wird vermutlich noch viel zu reden sein. Legen wir also schnell los!

 

Filme machen und Corona

https://deadline.com/2020/05/venice-film-festival-2020-confirmed-september-governor-coronavirus-1202942524/

https://deadline.com/video/christopher-nolans-tenet-first-trailer-out-confirms-release-coming-to-theaters/

https://deadline.com/2020/05/industry-wide-task-forces-white-paper-on-restarting-film-tv-production-expected-to-be-ready-soon-1202942146/

Auf der Seite der Präsentation von Filmen hat sich zwar sicher noch keine Rückkehr zu Normalität angekündigt, aber immerhin Kinos öffnen teilweise wieder, mit ‚Tenet‘ steht ein Blockbuster ins Haus (auch wenn Gerüchte nach einem Datumslosen Trailer besagen, Warner wolle, dass mindestens 80% der Kinos in bedeutenden Regionen wieder geöffnet sind und nehme dafür auch Verschiebungen im Wochenbereich in Kauf) und das Filmfestival von Venedig in einer der am schwersten betroffenen Regionen Italiens ist fest entschlossen im September seine Pforten zu öffnen und zwar nicht nur virtuell. Doch wie sieht es auf der Seite des Filmemachens aus? Sicherlich, dank Verschiebungen sind für die absehbare Zeit Filme „auf Halde“, doch wird es neue Filme brauchen. Nicht nur, weil wir Kunst brauchen, die sich mit dieser Krise auseinandersetzt, sondern auch weil unzählige Menschen aus dieser Branche arbeiten wollen und müssen. Doch die Frage ist, wie dreht man einen Film und hält Hygiene-Regeln ein? Und die Antwort scheint zu sein, das geht kaum. Hinter der Kamera schwerlich und vor der Kamera eigentlich gar nicht. Was also tun? Eine Idee scheint zu sein, dass Filmcrews gemeinsam in Quarantäne gehen. Also zusammen leben für die Dauer des Drehs und wohl noch 2 Wochendarüber hinaus. Das wäre wohl möglich, wenn auch schwierig und kostspielig, würde die Arbeit aber für Leute unmöglich machen, die eine solche Situation, etwa aufgrund familiärer Bedingungen, nicht eingehen können oder wollen. Womöglich sollten Produktionen für die kommende Zeit zumindest erst einmal lokal und klein gehalten werden. Das würde der Gigantomanie der Studio-Blockbuster entgegenlaufen, was gar nicht so verkehrt wäre. Denn das ein Publikumsinteresse an Filmen abseits der Blockbuster besteht zeigt sich immer wieder an „Überraschungen“ wie ‚Knives Out‘ oder ‚Hustlers‘. Selbst ein Michael Bay plant einen Film mit Corona-Thematik namens ‚Songbird‘, der deutlich kleiner zu werden verspricht als seine üblichen Filme. Dank der Thematik kann hier viel mit Webcams gearbeitet werden und Darsteller müssen und sollen fast nie gemeinsam in einem Raum sein. Echte Vorhersagen kann ich hier im Moment aber nicht wirklich treffen. Die Branche selbst scheint im Augenblick zutiefst verunsichert. Vielleicht gibt es eine Flut animierter Filme. Die kann man schließlich angenehm getrennt herstellen. Vielleicht zucken die Studios auch einfach mit den Achseln und nehmen die Arbeit an den Blockbustern einfach wieder auf, unter der Devise „es muss einfach klappen!“ und „etwas Schwund ist immer“. Für einige der größeren Filmindustrien, die USA und Indien etwa, sollen zumindest dieser Tage Industrie-weite Sicherheitsvorlage veröffentlicht werden. Dann wissen wir mehr. Für die absehbare Zeit werden in Film-Credits wohl „Hygiene-Beauftragte“ oder so etwas auftauchen. Bleibt nur zu hoffen, dass die einen ähnlich coolen Titel wie die Hollywood-Beleuchter („best boy/girl“) bekommen.

 

Keine US-Förderung für „chinafreundliche“ Filme?

https://deadline.com/2020/05/ted-cruz-china-hollywood-1202941024/

Der von US-Präsident Donald Trump forcierte Streit zwischen den USA und China um Verfehlungen in der Corona-Krise könnte nun auch im Filmgeschäft ankommen. Ted Cruz, republikanischer Senator aus Texas, plant einen Gesetzesentwurf, der Filmstudios, die Unterstützung durch die Bundesregierung erhalten, oftmals etwa in Form von Zugriff auf militärisches Gerät, verbietet Änderungen an ihren Filmen vorzunehmen, um die chinesische Zensur zu umgehen. Als Beispiel nannte er den kommenden ‚Top Gun 2‘, in dem die japanische und taiwanesische Flagge nicht mehr auf Pilot Mavericks  Flugjacke zu finden seien. Cruz: „Was für eine Botschaft ist das, dass Maverick, eine amerikanische Ikone, Angst vor den chinesischen Kommunisten hat? Das ist lächerlich.“ Tatsächlich ist neben Paramount auch die chinesische Firma Tencent in die Produktion von ‚Top Gun 2‘ involviert. Aber, und hier liegt vermutlich das Problem eines möglichen Gesetzesentwurfes, wie findet man heraus oder legt man fest, was auf Betreiben Chinas geändert wurde und was tatsächlich genuine Vision der Macher ist? Muss ein Film bestimmt US-patriotische Vorgaben erfüllen? Das ist eigentlich ohnehin schon der Fall, wenn die US-Streitkräfte Material bereitstellen. Die viel erkennbareren Zensuren, wenn etwa für den chinesischen und russischen Markt homosexuelle Elemente aus Filmen geschnitten werden, erwähnt Cruz hingegen gar nicht. Aber das sollte wohl auch nicht überraschen. Cruz scheint sich ohnehin zu so etwas wie dem „Filmexperten“ der Republikaner zu mausern. ‚Aufbruch zum Mond‘ hatte er vorgeworfen, die US-Flagge auf dem Mond „auszulöschen“, obwohl sie im Film (und Trailer) deutlich zu sehen war. Es steht zu vermuten, dass sich diese Ankündigung (oder sein „Weckruf an Hollywood“, so Cruz) als ähnlich laues Lüftchen im Wasserglas entpuppt.

 

‚Justice League‘ Snyder-Cut

https://screenrant.com/justice-league-snyder-cut-campaigns-hbo-release-impact/

Letztens habe ich hier über die Veröffentlichung von veränderten Filmversionen gesprochen und dabei auch den „Snyder-Cut“ von ‚Justice League‘ erwähnt. Wir erinnern uns, Zack Snyder musste die Produktion von ‚Justice League‘ in Folge einer privaten Tragödie verlassen und Warner heuerte (mit Snyders Segen) Joss Whedon an, um den Film zu fertigzustellen. Was zu Nachdrehs und der berüchtigten Schnäuzerretusche aus „Superman“ Henry Cavills Gesicht führte. Alsbald kamen Gerüchte auf, Zack Snyder habe vor seinem Weggang noch selbst eine fertige Version abgeliefert. Den sogenannten „Snyder-Cut“. Eine äußerst vokale Gruppe forderte in sozialen Medien und auf Plakaten Warner zu Veröffentlichung dieser Version auf. Nachdem sich zuletzt Snyder selbst und auch einige Darsteller diesen Forderungen angeschlossen haben, war bereits zu ahnen, dass hier etwa kommen würde. Auf dem Streaming Service HBO Max soll der Cut exklusiv zu sehen sein. Die Tatsache, dass Snyder 30 Millionen Dollar für weitere Arbeiten bekommt, lässt jedoch erahnen, dass der „Snyder-Cut“ alles andere als fertig war. Allerdings möchte HBO Max das Projekt auch als wöchentliche sechsteilige Miniserie veröffentlichen. Das ergibt Sinn. Denn wenn man 30 Millionen in die Hand nimmt, dann möchte man potentielle Kunden auch wenigsten direkt für wenigstens zwei Monate, anstatt nur einem binden. Es wird interessant sein zu sehen, wie groß das Interesse an dieser Version tatsächlich ist. Auf sozialen Medien erschallt nun jedenfalls der Ruf nach einem „Ayer-Cut“ von ‚Suicide Squad‘…

 

Und das war er, der Filmlichter-Cut vom Newslichter diese Woche. Ihr stellt Euch jetzt vermutlich die Frage, ob es wohl nächste Woche auch einen Newslichter geben wird, denn ich habe das ja so direkt noch nicht bestätigt. Und ja, ich kann Euch versichern, es wird auch nächste Woche einen Newslichter geben. Kommt das eigentlich nur mir so vor oder wird dieser Schlussabsatz von Woche zu Woche blöder? Es gibt nur einen Weg das rauszufinden: schaut auch nächste Woche wieder rein!