Die 5 Besten am Donnerstag: Die 5 lustigsten Filme

Nach den besten Comedy-Serien der letzten Woche, geht es diese Woche um die 5 lustigsten Filme. Obwohl mir die Wahl alles andere als leicht fiel, habe ich dieses Mal auf „ferner liefens“ verzichtet – es wären zu viele geworden. Ohne lange Vorrede:

 

  1. ‚Serial Mom‘ (1994)

Es mag merkwürdig klingen, aber es gab mal eine Zeit, da hat Hollywood John Waters Geld für große (naja, mittlere) Produktionen gegeben. Die 90er waren halt seltsam. In ‚Serial Mom‘ warf er einen tiefschwarzen Blick auf die Faszination der amerikanischen Öffentlichkeit mit Serienmördern, wenn eine gewöhnliche Hausfrau beginnt jeden, den sie als unhöflich empfindet um die Ecke zu bringen. Kathleen Turner hat erkennbaren Riesenspaß daran, eine für sie ungewöhnliche Rolle zu spielen. Ganz ehrlich, wenn Ihr ‚Serial Mom‘ nicht kennt, solltet Ihr das schnellstmöglich ändern!

  1. ‚Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb‘ (1964)

Ein Atomkrieg ist natürlich furchtbar. Aber er ist irgendwo auch vollkommen absurd. Und von dieser Absurdität ausgehend konstruiert Stanley Kubrick, wie üblich meisterlich, seine finstere Komödie. Peter Sellers ist in einer Dreifachrolle zu sehen, als amerikanischer Präsident (der die beste Textzeile des Films hat), als britischer Offizier (der sich vor der Coca Cola Company wird verantworten müssen) und als titelgebender Ex(mehr oder weniger)-Nazi-Wissenschaftler.

  1. ‚The Big Lebowski‘ (1998)

Ich musste mich für einen Film der Coen Brüder entscheiden, sonst hätte ich die ganze Liste mit ihren Filmen füllen können. Meine Wahl fiel auf den hier, nicht zuletzt wegen des kongenialen Zusammenspiels von Jeff Bridges und John Goodman. Und wenn Ihr Nihilisten das anders seht, kann ich Euch nur sagen: „Yeah, well, that’s just, like, your opinion, man!“

  1. ‚Hot Fuzz‘ (2004)

Das ich Edgar Wright für den besten aktiven Komödien Regisseur halte ist kein Geheimnis. Auch mit der Cornetto Trilogie hätte ich 3/5 der Liste füllen können, ‚Hot Fuzz‘ ist aber der Beste und somit hier als Stellvertreter. Der Film hat vermutlich das  stärkste Drehbuch aller Wright Filme, bei jedem Ansehen kann man immer wieder Neues Entdecken, dazu kommt die Chemie zwischen Simon Pegg und Nick Frost und Wrights atemlose, optisch imposante Inszenierung.

  1. ‚Ghostbusters‘ (1984)

Hier kann kein anderer Film stehen. Der ist quasi mit mir aufgewachsen. Zum ersten Mal habe ich ihn wohl mit 8 oder 9 Jahren bei einem Freund auf Video gesehen. Da war er nicht nur lustig, sondern auch wirklich gruselig. Es folgten meine eigene Videokassette, DVD und BluRay und 40 bis 50 weitere Sichtungen bis heute. Und der Film veränderte sich. Wurde weniger gruselig, dafür umso lustiger. Langsam merkte ich z.B., dass der Film auslotet ein wie großes Arschloch er Peter Venkman machen kann, damit Bill Murrays Charme es noch kompensieren kann und er findet exakt die Grenze. Mir wurde klar, warum Ray Stantz in dieser einen Szene die Augen verdreht. Mir fiel die politische Handschrift der Reagan Ära auf – die Umweltbehörde sind die „Bösen“, doch dem Film gelingt das Kunststück trotzdem sympathisch zu bleiben. Sprich, ich mag zwar alle Dialoge mitsprechen können, doch Neues entdecke ich nachwievor.

‚Prevenge‘ (2017) – ‚Baby knows what to do!‘

Sofern Ihr britische Serien oder Filme schaut, ist Euch mit Sicherheit schon einmal Alice Lowe über den Weg gelaufen. Üblicherweise in kleineren Nebenrollen, hatte sie ihre erste größere Rolle in der wunderbaren Miniserie ‚Garth Marenghis Dark Place‘. Bei Ben Wheatleys Film ‚Sightseers‘ spielte sie nicht nur die weibliche Hauptrolle, sie war auch mit für das Drehbuch um ein mörderisches Pärchen auf Campingtour verantwortlich. Mit ‚Prevenge‘ hat sie nun ihren ersten, komplett eigenen Film realisiert, bei dem sie für Buch, Regie und Hauptrolle verantwortlich zeichnet.

Ruth (Lowe) ist hoch schwanger. Vor kurzem hat sie ihren Lebensgefährten bei einem Kletterunfall verloren. Sie ringt mit ihrer Einsamkeit, Entfremdung und der Unfähigkeit nach vorne zu schauen. Da beginnt ihre ungeborene Tochter mit ihr zu sprechen und sie dazu zu bringen eine Reihe Menschen auf brutale Weise umzubringen.

Als sie den Film in nur zwei Wochen abdrehte war Lowe selbst im siebenten Monat schwanger. Sie war amüsiert und ein wenig verwundert über die „Industrie“ rund ums Kinderkriegen. Im Film wird das von Ruths Hebamme (Jo Hartley) dargestellt. Die redet über Ruths Baby grundsätzlich ohne Personalpronomen („Baby weiß am besten was es braucht!“ oder „Baby hat jetzt die Kontrolle“) und spielt Ruths präpartaler Psychose damit unwissend voll in die Hände. Das Bild der Schwangerschaft als Invasion oder gar Infektion ist sicherlich nicht neu im Film, ‚Rosemarys Baby‘ ist nur ein Klassiker mit der Thematik, aber Lowe findet hier einen ganz eigenen Zugang. Ruth ist sicherlich ein schrecklicher Mensch, allerdings befindet sie sich auch in einer schrecklichen Situation. Sie hasst die Tatsache, dass Baby sie zu immer extremeren Taten zwingt (oder ihre Psychose sie zumindest glauben macht, ihr Baby sei der Motivator), doch kann keiner der anderen Charaktere sie als etwas anderes sehen denn als Schwangere. „Ich habe Angst vor ihr“ sagt sie über das Baby, nur um informiert zu werden, dass so etwas für werdende Mütter ganz normal sei. Sie bezeichnet ihre Schwangerschaft als eine Art „feindlicher Übernahme“. Die Morde wirken anfangs wahllos, ein Reptilien-Laden-Besitzer hier, eine Geschäftsfrau dort, wer allerdings den Titel des Films aufmerksam studiert, wird womöglich einen Hinweis finden, dass es ein größeres, verbindendes Motiv gibt.

Lowe und Kameramann Ryan Eddlestone verwandeln die Örtlichkeiten, die man bei einem Low Budget Film erwarten würde, Pubs, Büros und Läden, vor allem aber die Straßen von Cardiff, in ein fremdartig, beinahe Science Fiction-artig anmutendes Lichtermeer, in dem wir uns als Zuschauer ähnlich isoliert und entfremdet fühlen, wie Ruth. Seinen optischen Höhepunkt erreicht der Film in der Halloween-Nacht, wenn Ruth mit ihrem Messer durch die Straßen streift und die Menschen endlich so aussehen, wie die Monster, für die sie sie schon die ganze Zeit gehalten hat. Spätestens hier weckt der Film für mich Erinnerungen an den großartigen ‚May‘. Eingebettet werden diese Bilder in einen Soundtrack des Duos „Toybox“, der sich zwischen treibenden Carpenter-Synthesizern und den verstörenden Elektro-Klangteppichen Mica Levis (‚Under the Skin‘, ‚Jackie‘) bewegt und das Gefühl der Fremdartigkeit noch unterstützt.

Die thematische Verwandtschaft zu ‚Sightseers‘, vermeintlich harmlose Leute als Serienmörder, dürfte offensichtlich sein und hier wie dort spielt Humor eine große Rolle. Allerdings verschiebt ‚Prevenge‘ den Humor noch einmal ein ganzes Stück in Richtung Finsternis und mag manchen Leuten hier wohl zu weit gehen. Wenn ein 70er Jahre Disco DJ (Tom Davis) in seine Perücke kotzt, gleich daraufhin Ruth küsst und schließlich von ihr entmannt wird, nur um von seiner Demenz-kranken Mutter gefunden zu werden, die aufgrund des blutigen Teppichs nur anmerkt, „da braucht es Bleichmittel“, dürfte das wohl nicht jedem gefallen. Seinen Weg direkt zu meinem Herzen hat sich der Film allerdings mit einer Sequenz in einer Unterführung verdient, wo sich eine von Krämpfen geschüttelte Ruth auf dem Boden wälzt und die sehr geschickt eine der verstörendsten Szenen der Filmgeschichte aus Andrzej Żuławskis ‚Possession‘ zitiert. Realismus sollte man sich von dem Film eher nicht erwarten. Einen Polizisten sucht man während der ganzen Zeit z.B. vergeblich. Das kann natürlich die Frage aufwerfen, ob nur die Stimme des Babys ausschließlich in Ruths Kopf existiert.

Lowe ist großartig in Ihrer Rolle als Ruth und weiß ihre eigene Schwangerschaft perfekt für die Rolle zu nutzen. in einer Szene lässt sie der Babybauch besonders verletzlich wirken, in der nächsten unterstützt die zusätzliche Leibesfülle ihre physische Bedrohlichkeit. Die meisten Nebencharaktere haben nur wenig Zeit einen Charakter aufzubauen, bevor sie endgültige Bekanntschaft mit Ruths Messer machen, die nutzen sie zumeist aber sehr gut. Der erwähnte Tom Davis als zutiefst widerlicher DJ und Jo Hartley als ahnungslose Hebamme sind meine Favoriten aber auch Mike Wozniak als sympathisches „Collateral Damage“, das Ruth zum ersten Mal an ihrem Handeln zweifeln lässt kann überzeugen.

Es sollte klar geworden sein, dass ich den Film sehr mochte, der Fairness halber möchte ich aber darauf hinweisen, dass er keineswegs perfekt ist. Teilweise merkt man ihm doch das Erstlingswerk an und manche Sequenzen wirken arg gestreckt, zu dick aufgetragen oder unterstreichen ein drittes Mal einen bereits gemachten Punkt. Das nimmt dem Film leider gerade im Mittelteil ein wenig den Wind aus den Segeln aber niemals genug um zumindest mich zu verlieren.

Leider scheint es so, als sei der Film derzeit in Deutschland noch nicht verfügbar. Die BluRay ist allerdings über das britische Amazon (zumindest derzeit) für günstige 6 Pfund erhältlich. Früher oder später wird er aber sicher auch hier im Stream oder auf Medien erscheinen und lohnen tut er sich so oder so.

‚Sein oder Nichtsein‘ (1942) – „It would get a laugh“

„Was darf Satire?“ ist eine hierzulande gern gestellte Frage, wenn ein Kunstprojekt, welcher Art auch immer, mit einem heiklen Thema mehr oder weniger geschmackvoll umgeht. Schauen wir zum Beispiel in die Geschichte der Rechtsstreitigkeiten des „Titanic Magazins“ stellen wir fest, dass die Antwort in Deutschland lautet „bei weitem nicht alles“. Wie sieht es aber über den großen Teich aus? In den USA, die sehr stolz auf  ihr Recht auf frei Meinungsäußerung sind? Die Antwort mag großzügiger ausfallen, allerdings war die Empörung, als Ernst Lubitsch 1942 eine Komödie über den Überfall der Nazis auf Polen veröffentlichte riesig.

Die andere große Hollywood „Nazi-Komödie“, Chaplins ‚Der große Diktator‘ war 1940 in den USA noch auf weitgehendes Desinteresse gestoßen. Die größte Kritik war ausgerechnet, dass Chaplin ein Kriegstreiber sei, der die USA in einen Krieg gegen Deutschland verwickeln wollte. In dieser Atmosphäre hat Ernst Lubitsch mit der Arbeit an der Verfilmung des Theaterstücks „Noch ist Polen nicht verloren“ von Melchior Lengyel begonnen. Dann erfolgte aber, während der Dreharbeiten der Überfall des imperialen Japans auf Pearl Harbor. Die Stimmung und die Berichterstattung der Medien änderten sich grundlegend. Die amerikanische Öffentlichkeit war jetzt über die Gräueltaten der Nazis zumindest teilweise informiert. So erschien ‚Sein oder Nichtsein‘ zwar zeitgleich mit jeder Menge Propagandafilmen, brach allerdings zahllose Tabus dieser Gattung. Er erwähnte Dinge wie Konzentrationslager und Kollaboration, die demokratischen Werte der USA fanden nicht einmal Erwähnung und das „Schlimmste“: er war eine Komödie. Nicht wenige witterten hier eine Verhöhnung der Opfer, etwas dem Lubitsch und die Darsteller stets vehement widersprochen haben. Wie sieht der Film aus heutigen Augen aus?

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs proben die Darsteller eines Warschauer Theaters rund um das egozentrische Schauspielerehepaar Joseph (Jack Benny) und Maria Tura (Carole Lombard) für ein antifaschistisches Stück namens „Gestapo“. Allerdings verbietet das polnische Außenministerium die Aufführung, aus Sorge Hitler zu düpieren. So führt die Theatergruppe weiter den „Hamlet“ auf. Jedes Mal, wenn Joseph Tura seinen großen Monolog mit „Sein oder Nichtsein“ beginnt, verlässt allerdings ein polnischer Bomberpilot seinen Platz. Das verletzt den Egomanen Tura zutiefst, obwohl er nicht einmal ahnt, dass Pilot Sobinski (Robert Stack) die Zeit nutzt Maria in deren Umkleide zu treffen. Kurz darauf marschieren die Nazis ein. Das Theater wird geschlossen und Sobinski schließt sich der polnischen Schwadron der britischen Luftstreitkräfte an. So wird er kurz darauf zurück nach Warschau geschickt, um Kontakt zum Widerstand aufzunehmen und ein Treffen zwischen Doppelagent Professor Siletzky (Stanley Ridges) und dem Anführer der Gestapo in Warschau Gruppenführer Ehrhardt (Sig Ruman) zu verhindern, welches das Ende für den polnischen Untergrund bedeuten könnte. Schnell werden die Turas und der Rest der Theatertruppe in die Sache mit hineingezogen. Sie schlüpfen wieder in die Rollen des „Gestapo“-Stücks, diesmal um Siletzky die echte Gestapo vorzuspielen. Nachdem der getötet wird muss Jospeh Tura seine Rolle übernehmen und sich durch ein Farce aus angeklebten Bärten, gigantischen Egos und eines plötzlichen Hitler-Besuchs in Warschau kämpfen.

Das ist einer dieser Filme, für den ich weit mehr Respekt bekommen habe, einfach dadurch, dass ich darüber schreibe. Lubitsch lässt die Geschichte so einfach, so direkt, so logisch wirken, dass zumindest ich erst beim Schreiben gemerkt habe, wie verwinkelt und verworren sie eigentlich ist. Und genau hier liegt auch die große Kunst des Ernst Lubitsch verborgen. Selbst Jude hat er Deutschland bereits lange bevor Hitler an die Macht kam verlassen. 1922 ging er auf direkte Einladung durch Schauspielerin/Produzentin Mary Pickford nach Hollywood. In den 30er Jahren etablierte er sich hier als der Meister der Salon-Komödien. Also leichte Komödien in einem bürgerlichen Milieu, quasi die Vorläufer der „Screwball-Comedy“. Was ihn auszeichnete war seine exakte technische Planung, was er wann dem Zuschauer wie zeigen würde. Was sonst simple Kammerstücke oder gar abgefilmtes Theater hätte sein können erhielt so eine deutliche Cinematische Sprache. Seine Lösungen für bestimmte Szenen gelten als so kreativ und außergewöhnlich, dass sich der Begriff des „Lubitsch-Touch“ etabliert hat. Etwas, dass Billy Wilder in diesem Video besser erklärt, als ich das je könnte:

Was sich Lubitsch in ‚Sein oder Nichtsein‘ zum ersten Mal zu Nutze gemacht hat, ist wie ähnlich sich die Stilmittel zum Aufbau von Spannung und Komik sind. Beide bauen eine Fallhöhe für den Charakter auf, die sich in einem Fall in Lachen entlädt im anderen nicht. Und Lubitsch weigert sich hier strikt in irgendeiner Weise anzudeuten, ob die kommende Szene nun lustig oder eher schrecklich wird. Tatsächlich scheint sein ganzes Ziel das Verwischen dieser Grenzen zu sein. Er nimmt dem Hollywood-Klischee des „Comic Relief“ den „Relief“-Teil, die Erleichterung. Manchmal lacht man und schämt sich schon im nächsten Moment dafür. Er wiederholt bestimmte Sätze und ganze Szenen wieder und wieder in immer neuen Kontexten. Mal sind sie spannend, dann tragisch bis sie durch reine Wiederholung albern und komisch werden.

Das stößt an ein anderes zentrales Thema des Films, das Verwischen der Grenzen zwischen Theater und Wirklichkeit. Nicht nur nehmen die Darsteller im Film die Rollen aus dem „Gestapo“ Stück in der Wirklichkeit wieder auf, auch die Nazis selber werden als widerwärtige, theatralische Schmierendarsteller entlarvt, hinter deren riefenstahlscher Inszenierung und Hugo Boss Uniformen nichts außer kleingeistiger Böswilligkeit steckt. Egomane Tura, verkleidet als Siletzky, kann sich natürlich nicht beherrschen Gruppenführer Ehrhardt zu fragen, ob der „den großen Schauspieler Joseph Tura“ kenne. Ehrhardts Antwort fängt sowohl den Zynismus der Nazis ein und unterstreicht das Thema um Theater und Wirklichkeit: „Den kenne ich. Was der mit Shakespeare gemacht hat, machen wir jetzt mit Polen.“

Ein weiteres zentrales Thema ist der Egozentriker, der sich in den Dienst einer höheren Sache stellen muss. „Jetzt spielen Sie um unser aller Leben“ geben die Theaterkollegen Tura mit auf den Weg. Und Jack Benny ist perfekt für diese Rolle. Lubitsch hat sie ihm auch mehr oder weniger auf den Leib geschneidert. Bei aller Großspurigkeit wird er zu keinem Moment unsympathisch, wie die Leute die ihn umgeben, akzeptieren wir ihn als Zuschauer schnell als das was er ist. Carole Lombards Maria steht ihm in Sachen Egozentrik kaum nach, spielt die hier allerdings sehr zurückgenommen, überlässt Benny das Feld, erlaubt ihm Lacher zu bekommen. Sig Ruman gibt seinen Gruppenführer mit recht überzogenem Spiel und aus dem Kopf quellenden Glubschaugen. Allerdings gelingt ihm genau damit das Kunststück, das seine Rolle vollbringen muss, nämlich sowohl furchterregend als auch lächerlich zu sein. Von den Nebendarstellern möchte ich Felix Bressart als jüdischen Kleindarsteller Greenberg hervorheben, dessen großer Traum es ist einmal den Shylock im „Kaufmann von Venedig“ zu spielen. Er bekommt seine Chance, wenn auch vor dem schlimmstmöglichen denkbaren Publikum.

Eine Verhöhnung der Opfer ist übrigens zu keinem Moment zu erkennen. Wenn Maria Tura während der Proben zum „Gestapo“-Stück im eleganten Abendkleid auftaucht und sagt, das wolle sie während der Szenen im KZ tragen, dann ist das schlicht dazu da etwas über die weltfremde Selbstverliebtheit dieses Charakters auszusagen. Ihre Kollegen reagieren entsprechend auch schockiert bis empört. So gilt Lubitschs böser Spott rein den Nazis. Selbstverliebte Schauspieler bekommen zwar auch etwas Häme ab aber diesen gesteht er immerhin ein gewisses Wachstum zu und führt sie am Ende als Vertreter der Kultur zu einem zumindest symbolischen Sieg gegen die als Über-Kultur verkleidete Unkultur. In den USA wurden ihm dennoch das unpassend empfundene Thema, sowie die gewollte Vermischung von ernsten und komischen Themen zum Verhängnis. Selbst Bennys Vater soll erzürnt das Kino verlassen haben, als er seinen Sohn in Naziuniform gesehen hat.

In Deutschland wurde der Film 1959 im Rahmen der zweiten Auslobung des Ernst Lubitsch-Preises (den Preis nach Lubitsch zu benennen geht übrigens auf eine Idee von Billy Wilder zurück) gezeigt und kam hier auf Anhieb sehr gut an. Heute genießt er weltweit einen Ruf als Klassiker und vermutlich Lubitschs Meisterwerk. Er funktioniert auch aus heutiger Sicht noch ganz hervorragend, insbesondere wenn man sich klar macht, in welcher Zeit er entstanden ist und was für eine Grenzüberschreitung er dort darstellte.

Streiflichter Nummer 3: Polizeiwagen und Irische Wälder

Folge 3 der Streiflichter, diesmal nur mit zwei Filmen, ‚Cop Car‘ und ‚The Hallow‘. Weil ich es nicht geschafft habe mich kurz zu fassen. Dafür gibt es eine unerwartete thematische Klammer in Form von „was hat der Regisseur als nächstes gemacht“.

 

‚Cop Car‘ (2015)

Die Jungen Travis (James Freedson-Jackson) und Harrison (Hays Wellford) sind von Zuhause abgehauen. Auf einem einsamen Feld, nahe einem Wäldchen stoßen sie auf ein scheinbar verlassenes Polizeiauto. Nachdem sie sich gegenseitig zu mehreren Mutproben aufgefordert haben, starten sie schließlich das Auto und fahren davon. Das würde sie schon unter normalen Umständen in große Schwierigkeiten bringen, doch das Auto gehört dem korrupten Sheriff Kretzer (Kevin Bacon), der gerade damit beschäftigt war eine Leiche in dem Wäldchen zu entsorgen. Dumm: eine weitere befindet sich noch im Kofferraum seines Dienstwagens. Kretzer unternimmt nun alles, um einerseits zu verhindern, dass seine Kollegen den Diebstahl bemerken und andererseits alles um sein Auto zurückzubekommen. Und mögliche Zeugen zu beseitigen…

Kevin Bacon ist großartig in diesem Film. Er schafft es in seiner Rolle eine komisch anmutende Hilflosigkeit ob des Diebstahls mit gleichzeitiger, grausamer Cleverness und völliger Rücksichtslosigkeit zu verbinden. Als Zuschauer zweifeln wir zu keinem Moment daran, dass dieser Charakter die beiden Kinder ohne eine Sekunde zu zögern ermorden würde. Falls das überhaupt nötig ist. Denn die beiden Jungen sind eine ständige Gefahr für sich selbst. Ob sie nun in Schlangenlinien über einsame Landstraßen fahren oder, noch weit schlimmer, das umfangreiche Waffenarsenal des Wagens finden. Und die beiden Jungschauspieler geben sich dabei so mitreißend, das man gelegentlich scharf Luft zwischen den Zähnen einzieht, wenn sie wieder irgendeinen arg gefährlichen Unsinn anstellen, ohne vom Baconschen Damoklesschwert zu ahnen, dass über ihren Köpfen hängt.

Regisseur Jon Watts gelingt aber das Kunststück das alles so schön schwarzhumorig und dabei so ungemein charmant zu inszenieren, dass man absolut bereit ist sich auf diese zunächst recht düstere Geschichte einzulassen. Er erstellt einen gelungenen visuellen Kontrast zwischen der großen, weiten Einsamkeit  der Mitte der Vereinigten Staaten und der immer drängender werdenden Klaustrophobie durch den, im Laufe des Films allgegenwärtig scheinenden Sheriff Kretzer, der sogar einen Monolog halten darf, der einen Superschurken erröten lassen würde, ohne dass seine Figur dabei Schaden nähme. Da war ich dann sogar bereit dem Film gegen Ende hin eine paar erzählerische Holperigkeiten zu verzeihen.

Wenn es Watts gelingt diese Mischung aus jugendlicher Naivität und bösartiger, tiefschwarzer Komödie auch nur halbwegs auf ‚Spider-Man: Homecoming‘ zu übertragen, könnte das ein ungewöhnlicher Superhelden-Film und einer der besten Spider-Man Filme werden.

 

‚The Hallow‘ (2016)

Ein abgelegener Wald in Irland, der bislang in staatlicher Hand war, soll privatisiert werden. Der Londoner Forstwissenschaftler Adam Hitchens (Joseph Mawle) soll, im Auftrag des neuen Besitzers, den Zustand des Waldes evaluieren. Er zieht dafür mit seiner Frau Claire (Bojana Novakovic) und ihrem gemeinsamen Baby Finn in ein altes Haus nahe des Waldes. Den abergläubischen Anwohnern, allen voran Farmer Donnelly (Michael McElhatten) sind sowohl der Verkauf an sich, wie auch die Anwesenheit der Hitchens ein Dorn im Auge. Als Adam im Wald ein totes Reh findet, befleckt mit einer seltsamen, schwarzen Substanz und am selben Abend jemand in sein Haus einbricht und das Zimmer von Finn verwüstet scheint es aber so, als sei am Aberglauben der Bevölkerung doch etwas dran.

Auf den britischen Inseln gibt es das schöne Genre des Folklore-Horrors. Vertreter vom ‚Wicker Man‘ bis zu ‚Kill List‘ haben hier ihre Finger auf tief sitzende Ängste der britischen Gesellschaft gelegt. ‚The Hallow‘ versprach dieses Genre mit einem gelungenen Monsterfilm und einer ökologischen Botschaft zu verbinden. Herausgekommen ist die frustrierendste Art von Film. Ein Film der beinahe gut ist.

Lässt der Anfang also an Folk-Horror und an Feen, Leprechauns und Banshees denken scheint sich der Film für zu intelligent für so etwas zu halten. Eine „wissenschaftliche“ Erklärung muss her. Die wird zwar nie direkt ausgesprochen aber Adam hält nach etwa 10 Minuten Laufzeit ein unprovoziertes Referat über die insektenparasitären Pilzgattung Cordyceps (wobei er genaugenommen Ophiocordyceps unilateralis beschreibt, der nach einer grundlegenden Änderung der Systematik der Mutterkornpilzverwandten zu den Ophiocordycipitaceae gehört /Biologen Talk Ende) außerdem sehen wir im Laufe des Films immer mal wieder Aufnahmen von Zellen, die andere Zellen mit schwarzen, stachelartigen Auswüchsen pieksen, allgemein akzeptierter, visueller Ausdruck von Parasitismus.

So wird dann nach einer halben Stunde aus dem atmosphärischen Film eine Art Zombiefilm, der jedem Klischee dieser Gattung folgt. Aber auch dieser Spuk ist schnell wieder vorbei und sodann wildert der Film im Forstgebiet von ‚The Shining‘. Solche Genrewechsel können durchaus funktionieren, nur hat es Regisseur und Autor Corin Hardy hier verpasst ein Interesse am Ort der Handlung oder der handelnden Charakter zu wecken. Adam und Claire sind leider nicht vielmehr als Abziehbilder und Plot-Transporteure. Das liegt keinesfalls an den Darstellern und rein am Drehbuch. Wenn ich die Geduld hätte würde ich feststellen wie viel von ihrem Dialog in der zweiten Hälfte des Films aus dem Rufen des Namens des anderen besteht.

So weit so schlecht aber was macht den Film dann „beinahe gut“? Da sind zum einen einige Sequenzen, die in einem besseren Film wirklich effektiv gewesen wären. Vor allem aber das Design der Kreaturen. Es ist anders genug, als typische Horror-Monster, um aufzufallen und funktioniert am besten, solange der Film es sparsam einsetzt. Auch das Hyphengewebe, das nach und nach überall auftaucht und die widerliche, schwarze Substanz schreien förmlich nach einem besseren Film. Das einzig ähnliche, dass mir einfiele wäre ‚Pan’s Labyrinth‘, allerdings ist der Film so viel besser als das hier, das der Vergleich schon beinahe unfair erscheint. Aber meinen letzten guten Willen verspielte der Film dann mit einem absurden Finale, dass nicht nur reichlich dämlich war sondern auch noch sämtlichem Streben der Monster im übrigen Film komplett widersprach.

Hier würde ich jetzt normalerweise schreiben, dass das ja ein Erstlingsfilm war und genug Gutes da war, dass ich gespannt auf Hardys nächsten Film bin. Allerdings weiß ich bereits, dass sein nächster Film der ‚Conjuring‘ Ableger ‚The Nun‘ wird. Insofern kann ich nicht mal das guten Gewissens behaupten.

Gestern Gesehen: The Voices (2014)

Marjane Satrapi ist bekannt geworden, durch die semi-autobiografische Graphic Novel ‚Persepolis‘, sowie deren spätere Verfilmung in Eigenregie. ‚Persepolis‘ erzählt wie Marji das Leben im Iran unter dem Schah, die Revolution und anschließend die veränderte Gesellschaft unter dem Ajatollah erlebt, sowie ihre Erlebnisse im späteren Exil. 2011 verfilmte sie eine weitere ihrer Graphic Novels ‚ Huhn mit Pflaumen‘, die ebenfalls die islamische Revolution im Iran als Hintergrund hatte. Offensichtlich möchte sie sich nicht auf das Genre „Intelektuelle erleben religiöse Revolution und die Einschränkungen, die damit einhergehen“ festlegen lassen und ging daher mit ‚The Voices‘ in eine ganz andere Richtung.

Jerry Hickfang (Ryan Reynolds) lebt mit seinem Hund und seiner Katze in einer kleinen Industriestadt über einer stillgelegten Bowlingbahn. Er arbeitet in einer Firma für Badezimmeraustattung und ist ein optimistischer aber etwas distanzierter Mensch. Zuhause versucht sein Kater Mr. Whiskers stets ihn zu allerlei Verbrechen (vor allem Mord)  zu überreden. Sein Hund Bosco argumentiert dagegen. Als er den Auftrag bekommt eine Firmenfeier zu organisieren lernt er Verwaltungsmitarbeiterin Fiona (Gemma Arterton) kennen und verliebt sich sofort in sie. Sie erwidert die Gefühle jedoch nicht und als beide in einen Unfall verwickelt werden ermordet Jerry sie mit einem Messer, zerlegt die Leiche und bewahrt die Einzelteile in seiner Wohnung auf, den Kopf im Kühlschrank. Bald spricht auch der Kopf zu ihm und verlangt nach einer Freundin.

Eine schwarze Komödie aus der verzerrten Sicht eines geisteskranken Mörders klingt nach einer interessanten noch nicht allzu häufig umgesetzten Idee (‚American Psycho‘ ist das einzige Beispiel, das mir spontan einfällt). Leider versucht ‚The Voices‘ alles zu sein. Schwarze Komödie, Psychogramm, Kleinstadt-Satire, Slasherfilm-aber-klug, so dass gewisse (teilweise bestimmt gewollte) erzählerische Schleudertraumata nicht ausbleiben. Satrapi versucht hier sehr viel mit einem Drehbuch das quasi nichts hergibt. Für mich hat keine einzige Pointe auch nur annähernd gezündet (ich meine, erwartet der Film ernsthaft, dass ich über einen chinesischen Elvis-Imitator der „clazy“ statt „crazy“ singt lache? Was als nächstes? Blondinenwitze? Ostfriesen? Hey, schon gehört? Schotten sind geizig! lol!!), auf die simplistischen gut/böse und Einsamkeitsdiskussionen hätte ich dankend verzichtet und den ganzen Kleinstadt-Satire-Kram vergisst der Film eh nach etwa 20 Minuten selbst. Das größte Problem an dem Film war für mich aber Ryan Reynolds. Daran ob man seinen Charakter anfangs (zu einem gewissen Maße) sympathisch findet hängt der gesamte Rest des Films. Ich fand ihn anfangs irritierend und habe nach seinem ersten Mord nur noch darauf gewartet, dass er von einem 16 Tonnen Gewicht erschlagen würde. 1. weil dann der Film vorbei wäre, 2. damit irgendetwas lustiges passieren würde. Reynold legt seine Rolle irgendwo im Spannungsfeld von Adam Sandlers Sozialphobiker aus ‚Punch-Drunk Love‘ und Elijah Woods Serienkiller aus dem ‚Maniac‘ Remake von 2012 an. Beide anderen Rollen funktionieren allerdings deutlich besser als das was Reynolds abliefert. Er spricht auch Katze und Hund (oder eher Jerrys schizophrene Interpretationen der Tiere), wobei er der Katze aus irgendeinem Grund einen grauenhaft schlechten irischen Akzent verpasst (Worte können kaum beschreiben, wie sehr mich dieser Akzent irritiert hat). Die Tiere nehmen hier letztlich aber nur die altbekannte Rolle von Engelchen und Teufelchen ein, die vermutlich in den 30er Jahren zum ersten Mal auf den Schultern von Donald Duck erschienen sind, als der überlegte seinen Neffen einen Lutscher zu klauen. ‚The Voices‘ ist vor allem eine Ryan Reynolds Show und so bleiben für die anderen Darsteller maximal 2 Dimensionen übrig. Insbesondere Jerrys Opfer werden so zu hauchdünnen Klischees a la „die Überhebliche“ und „die Niedliche“, sowohl Gemma Arterton als auch Anna Kendrick hätten Besseres verdient. Jacki Weavers gute Leistung, als vermutlich schlechteste Psychotherapeutin, die je auf Film gebannt wurde („Okay Jerry, ich sage niemandem, dass Du Deine Tabletten nicht nimmst aber versprich mir, dass Du das ab jetzt tust!“) ist immerhin erwähnenswert.

Nur um eines klarzustellen ich argumentiere hier nicht aus einer Position, aus der ich sagen würde ein mehrfacher Mörder mit psychischen Problemen sei etwas worüber man keine Komödie drehen kann oder darf. Man kann grundsätzlich aus fast allem eine Komödie machen, man braucht dafür aber ein hervorragendes Drehbuch. ‚Four Lions‘ zum Beispiel hat gezeigt, wie eine Komödie über Terrorismus funktionieren kann und ‚American Psycho‘ habe ich weiter oben ja schon erwähnt. Aber das Drehbuch zu ‚The Voices‘ von Fernseh-Autor Michael R. Perry, der, im Bereich Film, zuvor nur für das Drehbuch zu ‚Paranormal Activity 2′ verantwortlich zeichnete ist ein typischer Fall von wahnsinnig viel gewollt aber nix wirklich gekonnt. Marjane Satrapi macht das Beste aus dem was sie hat, punktuiert die graue Industriestadt häufig mit bunten Farbklecksen, doch untergräbt auch sie sich immer wieder selbst. Wenn wir Jerrys Wohnung zum ersten Mal aus der Sicht eines anderen Charakters sehen geht jeglicher Effekt verloren, da wir bereits vorher einen kurzen Blick auf den Horror hatten, als Jerry sich einmalig  entschließt seine Tabletten zu nehmen. Keine der Mordszenen, noch das idiotisch konstruierte Ende können in irgendeiner Form Spannung aufbauen.

Dreimal wollte ich während des Schauens den Film beenden. Etwas, das mir so gut wie nie passiert. Hätte ich es mal getan, ich hätte wenig versäumt. Was auch immer Marjane Satrapi an diesem Thema gereizt hat, ich hoffe mit diesem Film ist es für sie erledigt.

FAZIT: Schade, das war leider gar nichts für mich. Der Unterhaltungswert eines Furzkissens, gedehnt auf 100 Minuten läuft sich leider sehr, sehr schnell tot. Und ich habe noch nicht mal alles erwähnt, was mich genervt hat (Musik, ein gewollt lustiger Dialog zum Thema „Sushi? Das ist doch roher Fisch!“ u.v.a.m.) aber ich habe jetzt schon mehr als genug genörgelt.

 

PS: aber ehrlich, hab‘ ich deutlich gemacht, wie wenig ich  Ryan Reynolds in diesem Film mochte? Ich bin mir nicht sicher. Sehr wenig. Noch viel weniger als ihr jetzt denkt. Eine homöopathische Dosis Sympathie, quasi. Ugh. Okay, ich gehe jetzt. . . dieser pseudoirische Akzent? Grau-en-haft! Okay, Ende.

Gestern Gesehen: World’s Greatest Dad (2009)

WARNUNG: Im Folgenden schreibe ich einiges zur Handlung von ‚World’s Greatest Dad‘. Ich werde zwar nicht das Ende verraten aber es ist einer dieser Filme, die (denke ich) am besten sind wenn man praktisch gar nichts weiß. Wer sich also an „Spoilern“ stört und den Film gern sehen würde ist gewarnt.

Robin Williams spielt Lance Clayton, einen High School Englisch Lehrer, der viel lieber (erfolgreicher) Autor wäre. Gleichzeitig ist er alleinerziehender Vater eines (ich finde kein anderes Wort) grauenhaften Teenagers. Kyle (Daryl Sabara) ist an nichts interessiert außer Internetpornografie. Je grafischer, desto besser. Sein Umgang mit Mitschülern und Lehrern ist geprägt von Kraftausdrücken und absoluter Verachtung. Wäre Lance nicht Lehrer an der Schule hätte sein Rektor Kyle schon auf eine Sonderschule überwiesen. Dann stirbt Kyle während einer . . . ausgefallenen autoerotischen Praxis, während er Bilder von Lances neuer Freundin betrachtet. Lance findet ihn und, da er ihn als Vater trotz allem geliebt hat, täuscht er einen Selbstmord vor und schreibt sogar einen Abschiedsbrief in Kyles Namen. Dieser Abschiedsbrief macht in der Schule die Runde. Er zeugt von emotionaler Tiefe und einer Weisheit, die niemand bei Kyle vermutet hätte. Schüler und Lehrer erwähnen plötzlich, wie sehr sie Kyle eigentlich doch gemocht haben und für Lance ergibt sich die Chance seinen Autorentraum zu leben als er „Kyles“ Tagebuch zu schreiben beginnt.

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Plötzlicher Respekt für Vater und Sohn; Adam kontempliert sein Handeln

Der Film ging an einige sehr finstere Orte. Und ich habe gelacht, wie verrückt. ‚WGD‘ erreicht exakt, was eine gute schwarze Komödie sollte: er ist sehr lustig und er macht doch nachdenklich. Von den Filmen des Regisseurs Bobcat Goldthwait (ja, wirklich) ist dies ohne Frage der Beste. Goldthwait und Williams waren beste Freunde seit den 80er Jahren, als sie sich im Standup-Comedy Bereich getroffen haben. Adam Clayton ist eine für Williams maßgeschneiderte Rolle. Er vermeidet hier die oft „williamstypische“ Lautstärke und spielt in einer sehr stillen Rolle einen Mann, der zunächst aus Liebe, später aus eigennützigen Gründen, mehr und mehr unmoralisch handelt und der Zuschauer sieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie die Fallhöhe immer erschreckender wird, für den Moment, wenn sein Kartenhaus unweigerlich einstürzt. Das Ende hält eine gewisse Erlösung für ihn bereit, die manche Kritiker als unpassend und seicht empfunden haben, die für mich aber genau richtig war.

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Trauer an ungewöhnlicher Stelle

„De mortuis nil nisi bene“ (von den Toten, nichts als Gutes) dieser Spruch geht angeblich auf Chilon von Sparta und damit etwa 600 Jahre vor Christus zurück. Wir neigen dazu über Verstorbene besser zu denken als wir es zu ihren Lebzeiten getan haben. Das gilt im persönlichen Bereich aber auch im öffentlichen Leben. Es ist ja quasi schon ein Klischee, dass die Preise für die Werke eines Künstlers in die Höhe schnellen, wenn er stirbt. Wenn dann noch ein Selbstmord vorliegt, wird schnell nach großen und tiefen Gründen gesucht. Und damit sind wir dann an jenem unangenehmen und tragischen Punkt, wo die Fiktion von der Realität eingeholt wird. Es wird für die nächsten 50 Jahre wohl unmöglich sein über ‚WGD‘ zu sprechen, ohne den Selbstmord von Hauptdarsteller Robin Williams im letzten Sommer zu erwähnen. Ich bin allerdings weder in der Lage, noch Willens hier in irgendeiner Weise eine Meinung über den Selbstmord oder über Trauerbekundungen zu bekunden. Oder wie sie meine Rezeption dieses Films beeinflusst haben. Nach dem Film wahrscheinlich noch weniger als vorher. (siehe auch Kommentar 1 unter dem Beitrag)

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Goldthwait in einer Minrolle mit Williams

Die allgemeine Meinung scheint jedoch, dass ‚WGD‘ ein würdiger Schwanengesang für Robin Williams ist. Und dem stimme ich unumwunden zu. Es ist kein Meisterwerk aber sticht aus Williams‘ eher schwachem Spätwerk doch meilenweit hervor.

FAZIT: Höchst gelungene und tiefschwarze Komödie

8/10