Newslichter Extra: Sumpfdinger und Rechenfehler – wie eine Serie endet bevor sie beginnt

UPDATE 09.06.2019: die unten stehenden Informationen sind veraltet. Ein Sprecher des Staates North Carolina hat erklärt, das es keinen Rechenfehler gab, ‚Swamp Thing‘ war für 12 Millionen Dollar Zuschüsse qualifiziert (den Höchstwert) und die hat es bekommen. Staat und Produktion hätten sich im Guten getrennt. Damit ist der Grund für die plötzliche Absetzung der Serie wieder völlig offen. Mehr dazu am Mittwoch im Newslichter.

 

https://modernhorrors.com/swamp-thing-canceled-likely-due-to-failed-tax-rebate/

In diesem Newslichter Extra geht es einmal nicht um einen Film, sondern um eine Serie. Eine Serie, die quasi zu Ende war bevor sie jemals angefangen hat. Und das ohne jegliches eigenes Verschulden. Wie konnte es dazu kommen? Dafür muss ich etwas weiter ausholen.

Warner bietet seit letztem September einen eigenen Streamingdienst in den USA mit dem Namen „DC Universe“ an. Das gibt bereits einen ganz guten Eindruck davon, was man auf dem Dienst finden kann. Filme und Serien aus dem sehr umfangreichen Archiv an Fernsehserien, animiert und real und vor allem natürlich die aktuellen Filme des DC Universums. Dazu kommen exklusiv produzierte Serien, wie ‚Titans‘ oder ‚Doom Patrol‘, die außerhalb der USA bei Netflix zu sehen sind. Sicherlich ein Nischenangebot, für Superheldenfans allerdings ein attraktives.

Vermutlich wollte man diese Nische ein wenig vergrößern, als man die Serie ‚Swamp Thing‘ in Auftrag gab. Hier bewegt man sich abseits der typischen Superheldengeschichte mehr Richtung Horror. Es geht um den Biologen Alec Holland, der an einer biorestaurativen Formel gearbeitet hat, ermordet wird und mitsamt seiner Erfindung in einen Sumpf in Louisiana geworfen wird. Hier verwandelt er sich in das ‚Swamp Thing‘, einen monströsen Avatar der Natur. ‚Swamp Thing‘ war bereits 1982 in einem Film von Wes Craven zu sehen, funktioniert folglich auch ohne jede Verbindung zu Superhelden. Dazu soll die Serie auf den Geschichten von Alan Moore zu dem Charakter aus den 80er Jahren basieren, die oftmals als einige der besten Comics überhaupt bezeichnet werden. Erfolgversprechendes Material also.

Das sah man bei DC Universe offenbar ähnlich und setzte unter anderem Erfolgsregisseur James Wan (‚Aqua Man‘, ‚Conjuring‘) als Produzent auf das Projekt. Für die Pilotfolge holte man sich Len Wiseman (‚Underworld‘-Reihe) als Regisseur an Bord. Virginia Madsen (‚Candyman‘) sollte eine größere Rolle übernehmen und das Swamp Thing selbst sollte größtenteils mittels praktischer Anzugseffekte umgesetzt werden. Ein ambitioniertes Projekt also. Was konnte schon schiefgehen?

Einiges natürlich, sonst würde ich hier nicht schreiben. Dass die Produktion nicht unproblematisch ist, konnte man schon recht früh erkennen, als die erste Staffel, während laufender Produktion, von 13 plötzlich auf 10 Folgen reduziert wurde. Es herrschten Unstimmigkeiten, zwischen den Machern der Serie und den Geldgebern von Warner, die plötzlich mit der Ausrichtung auf Horror gar nicht mehr so glücklich gewesen sein sollen. Wirklich merkwürdig wurde es aber erst vor ein paar Tagen. Am 31. Mai war die erste Folge der Serie bei DC Universe zu sehen. Sie erhielt wohlwollende bis begeisterte Kritiken und schien schnell ein Publikum zu finden. Doch nur einige Tage nach der Ausstrahlung verkündete Warner die Serie sei gecancelt. Alle 10 Folgen werden zwar wohl noch veröffentlicht, aber eine zweite Staffel wird es nicht geben. Eine merkwürdige Reaktion, die mit reinen kreativen Differenzen vermutlich nur schwer zu erklären ist.

Tatsächlich scheint der Grund für das Aus in einem üblen Rechenfehler zu liegen. Die Serie wurde in North Carolina gedreht. Der Staat tut einiges für die Förderung von Film. Unter anderem bietet er dort produzierenden Studios wohl äußerst großzügige Steuernachlässe an. Verschiedene Quellen im Internet behaupten Verschiedenes, aber für ‚Swamp Thing‘ sollen es zwischen 30 und 40 Millionen Dollar gewesen sein, was fast der Hälfte des Produktionbudgets der ersten Staffel von 85 Millionen Dollar entspricht. Das Problem war offenbar, dass man sich in North Carolina verrechnet hatte und als man Warner die korrigierte Zahl von nur ca. 13 Millionen Nachlass mitteilte hat man dort wohl 1. sofort die Staffel verkürzt und 2. die Reißleine für jegliche Fortsetzung gezogen. 85 Millionen sind eine ordentliche Investition für ein ziemliches Nischenprodukt. Eine Investition, die Warner nicht allein tragen wollte.

Schade um eine ambitioniert wirkende Serie, die zumindest für ihren Anfang hervorragende Kritiken erhielt und ohne jegliches Verschulden in den Sumpf geworfen wurde. Denn wer will eine verkürzte Staffel mit vermutlich offenem Ende sehen, wenn man weiß, dass es nie eine Fortsetzung geben wird? In Zukunft werden Studios Angebote aus North Carolina wohl mit einem scharfen „seid ihr wirklich sicher?“ beantworten.

‚The Punisher‘ (1989) – Marvels frühe Filmversuche

Kommt mit auf eine Zeitreise ins Jahr 1988! Superheldenfilme sind hier alles andere als Mainstream. Wirklich erfolgreich war eigentlich nur DCs ‚Superman‘ von 1978, der bei Warner erschien. Und die Serie hat sich in den letzten 10 Jahren totgelaufen. Der vierte Film erschien im letzten Jahr gar bei Menahem Golan und Yoram Globus‘ Billigfilmschmiede Cannon Films. Doch zumindest hat DC gerade ein neues, heißes Eisen im Feuer. Nächstes Jahr soll ‚Batman‘ ins Kino kommen, gedreht von einem aufregenden neuen Regisseur namens Tim Burton! Man darf gespannt sein! Wie bitte? Marvel? Was für Filme Marvel in petto hat? Öh, da muss ich nachgucken. Tja, im Fernsehen waren sie vor ein paar Jahren ganz erfolgreich, mit einem grün angemalten Lou Ferrigno als ‚Hulk‘. Aber im Kino?

Na gut, George ‚Star Wars‘ Lucas hat 1986 ‚Howard The Duck‘ gedreht. Der Film hat ca. 5 Leuten mit erstaunlicher Vorliebe für Entenbrüste gefallen, für alle anderen ist er zur Pointe geworden. Die Rechte an ‚Spider-Man‘ und ‚Captain America‘ sind ohne Umwege über ein größeres Studio direkt bei Cannon Films gelandet. Und ob die überhaupt rauskommen ist mehr als fraglich, denn Cannon hat sich letztes Jahr (1987) mit dem Spielzeugfilm ‚Masters of the Universe‘ und dem Sylvester Stallone Armdrück-Epos ‚Over the Top‘ zwei verdammt teure Flopps eingefahren und es ist fraglich, ob sie das überstehen. Oh halt, hier sehe ich etwas, das funktionieren könnte. Wenn etwas hier in den 80ern läuft, dann ist es laute Action voller Muskelmännern mit fetten Knarren. Und Marvels ‚The Punisher‘ könnte genau das liefern. Und die Rechte dafür liegen bei Roger Cormans ‚New World Pictures‘, also wird er definitiv laut. Sicher, billig aber vor allem laut. Mark Goldblatt dreht den derzeit mit Dolph Lundgren in der Hauptrolle in Sydney Australien (weil’s da billig (und vermutlich laut) ist). Reisen wir also zurück in unsere Zeit und schauen mal, was der kann.

Kurzer Einwurf, weil’s vermutlich auch heute noch kein Allgemeinwissen ist: im Comic ist der Punisher der ehemalige Polizist Frank Castle. Der musste mit ansehen, wie seine Frau und seine Kinder bei einem Picknick im Park zwischen eine Bandenschießerei gerieten und ermordet wurden. Er schwor nicht einfach nur den Banden Rache, sondern wollte alle „Schuldigen“ überall bestrafen. Mit einem großen Totenschädelsymbol auf der Brust und einem noch größeren Waffenarsenal macht er nun Jagd auf Verbrecher aller Art. Aufgrund seiner mörderischen Methoden gerät er dabei immer wieder mit Superhelden in Konflikt. Kurz, der Punisher ist Batman, wenn Batman statt Millionen auf dem Konto, eine NRA-Mitgliedskarte unter dem (natürlich stahlharten und überaus männlichen) Kopfkissen hätte. Jetzt aber zum Film.

125 Morde hat der mysteriöse Punisher in den letzten 5 Jahren begangen. Die meisten davon an Mitgliedern der italienischen Mafia von Atlanta. Die Polizei hat keine Spur, doch Detective Jake Berkowitz (Louis Gosset jr.) ist überzeugt, dass sein ehemaliger Partner Frank Castle (Dolph Lundgren) dahintersteckt. Dessen Familie ist durch eine Autobombe der Mafia ums Leben gekommen und auch Castle selbst gilt offiziell als tot. Währenddessen versucht Boss Gianni Franco (Jeroen Krabbe) die durch den Punisher geschwächten Mafiafamilien zu einen. Doch auch die Yakuza bemerkt die Schwäche der Mafia. In einem brutalen Schachzug versucht sie, unter Leitung von Lady Tanaka (Kim Miyori), die übrigen Mafiabosse zu neutralisieren. Indem sie ihre Kinder entführen. Der Punisher sieht sich nun dem Dilemma ausgeliefert, dass sein Wunsch die Schuldigen zu bestrafen, Unschuldige in Gefahr gebracht hat. Aber dieses Dilemma wird er lösen. Mit Handfeuerwaffen, Maschinengewehren, etwas Sprengstoff, Dolchen und der einen- oder anderen Garotte.

Lasst uns eines direkt klar machen: der Film ist nicht mehr und nicht weniger als, in meinen Augen, grundsolider Trash. Mark Goldblatt ist kein großer Regisseur. Am Aufbau seiner Figuren hat er bestenfalls mäßiges Interesse. Seine Qualitäten kommen aber zum Vorschein, wenn es knallt. Und zum Glück knallt es in dem Film sehr häufig. Und wenn er kein großer Regisseur sein mag, so ist er auf jeden Fall ein brillanter Cutter (‚Phantom Kommando‘, ‚Terminator‘ (1+2), oder ‚The Rock‘ etwa gehen auf seine Kappe). Daher läuft auch ‚The Punisher‘ mit einer solchen Verve ab, dass der Film gar keine Chance hat langweilig zu werden. Castles Hintergrundgeschichte etwa, bekommen wir in zwei Flashbacks, zusammen weniger als eine Minute präsentiert. Dann mäht er schon wieder reihenweise Mafiosi und Yakuza in derart übertriebenen Szenen um, dass man es nicht ernst nehmen kann und als pure Exploitation, als völligen Over The Top (aber ohne Armdrücken) Film begreifen muss. Und als solcher ist er toll. Auch wenn man das (vergleichsweise) geringe Budget von 9 Millionen Dollar durchaus gelegentlich bemerkt (das „Edelrestaurant“ der Mafia sieht ein wenig wie Muttis ausgebauter Keller aus).

Wie ist er als Comicverfilmung? Ich kenne den Punisher zu wenig um das wirklich zu sagen. Aber viel ist von der Figur schon dadurch nicht übrig, dass der Film auf das Totenschädelsymbol verzichtet. Nur am Knauf von Castles Dolchen taucht es noch auf. Für mich funktioniert der Punisher allgemein eigentlich nur als überzogene Exploitation (daher ist Lexi Alexanders vollkommen irrwitzig brutaler ‚Punisher : Warzone‘ auch der beste Film der Figur), denn wenn man diese Figur zu ernst nimmt, wird sie schnell ein wenig… unangenehm. Es ist allerdings interessant zu sehen, wie Goldblatt versucht, seinen Film an das Medium Comic anzunähern. Er schafft eine gewisse „Panel-haftigkeit“, indem er etwa die im Film reichlich vorkommenden Wurfgeschosse, von Dolchen bis Shuriken, immer wieder in Großaufnahme zeigt, bevor sie ihr Ziel finden. Eine typische Comic-Erzählweise. Man darf nicht vergessen, dass er ohne jedes Vorbild für einen solchen Comichelden drehte.

Ich überrasche wohl niemanden, wenn ich eröffne, dass Dolph Lundgren kein guter Schauspieler ist. Allerdings funktioniert er gut als schweigsames Monster, das dreckverschmiert aus der Kanalisation auftaucht. Ein mörderischer, bleicher Riese mit blutunterlaufenen Augen und verfilzten Lederklamotten. In der Mitte des Films scheint dann aber plötzlich die Entscheidung gefallen zu sein, er bräuchte Arnold‘sche Oneliner. Und für die fehlt Lundgren einerseits das Charisma und zur Figur passt es andererseits auch nicht. Das merkt der Film auch und sie verschwinden schnell wieder. Echtes Charisma und ein wenig Humor bringt Louis Gosset jr. In den Film ein. Und Jeroen Krabbe ist vermutlich der begabteste Darsteller, als Gangster zwischen Sorge um seinen Sohn und Machtwillen.

‚The Punisher‘ ist also kein ganz großer Comicfilm, aber ein toller 80er Actionreißer. Also der erste große Erfolg an der Kinokasse für Marvel? Nein. Denn New World Pictures geriet 1989 in eine Krise. Sie verkauften die amerikanischen Rechte des Films daher an Live Entertainment (heute Lionsgate). New Line brachte den Film in anderen Territorien ins Kino, etwa in Deutschland, wo er sofort auf dem Index landete. In den USA kam er hingegen nie ins Kino, weil Lundgren mit ‚Masters oft he Universe‘ und ‚Red Scorpion‘ unter Beweis gestellt hatte, dass er als „Leading Man“ nicht funktioniert. Live Entertainment brachte ihn erst 1991 auf Video heraus, wo er in der negativen Reaktion auf den ‚Captain America‘ Film (nicht von Cannon) unterging. Und Cannon gingen Pleite, bevor sie ‚Spider-Man‘ fertigstellen konnten. Ein Glück? Das müsst Ihr selbst entscheiden! Jedenfalls sollte es noch gut 10 Jahre dauern, bis Marvel auch an der Kinokasse Erfolge einfahren durfte.

Was bleibt ist ein spaßiger, dreckiger, billiger 80er-Knaller, der keine Comicverbindung braucht.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten, männlichen Superhelden

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute möchte Gina von uns unsere 5 liebsten, männlichen Superheroen wissen. Dabei ist es wohl egal, ob sie aus Film, Comic oder woher auch immer stammen. Wobei meine Vertreter allesamt Filmauftritte hatten. Als einführender Hinweis sei angemerkt, dass eigentlich Asterix diese Liste anführen müsste. Doch da der kurz geratene Gallier nicht so ganz dem typischen Superheldentypus entspricht, habe ich offensichtlicheren Vertretern des Genres den Vortritt gegeben.

  1. The Rocketeer

Okay, der ist vor allem auf dieser Liste, weil ihn zu wenige kennen. Im Comic von Dave Stevens und dem Film von 1991 findet der etwas tölpelhafte Stuntpilot Cliff Secord in den 30er Jahren ein gestohlenes Jetpack. Zusammen mit seinem Kumpel, einem Mechaniker lernt er damit umzugehen, baut sich einen schicken Helm dazu und vermöbelt alsbald Mafiosi und Nazi-Kollaborateure. Leider wollte den Film 1991 niemand sehen. Ich frage mich ernsthaft, warum in dieser Superhelden-verrückten Zeit noch kein Remake in der Pipeline ist.

  1. Professor X

Der Anführer, das Rückgrat und moralisches Zentrum der Gutmenschen-Mutanten der ‚X-Men‘. James McAvoy ist sicherlich nicht schlecht in der Rolle, doch hat ihr Patrick Stewart die nötige Gravitas verliehen und gab dem Charakter, bitter und von Demenz gequält, eine tragische Wendung in ‚Logan‘.

  1. Hellboy

Auf die Erde gekommen um ihr Ende herbeizuführen, tut er nun das genaue Gegenteil. Er jagt Monster mit seiner riesigen Steinhand und seiner Fähigkeit allerlei einstecken zu können. Und wenn er das gerade nicht macht raucht er Zigarren und trinkt Bier. Hellboy ist die absolute Definition von „rauhe Schale und ein Herz aus Gold“. Derzeit in einem Film zu sehen, der übel floppt und zu dem ich nichts sagen kann. Die Comics von Mike Mignola und die beiden Filme von Guillermo Del Toro sind allerdings toll.

  1. Spider-Man

Was soll ich dazu noch groß sagen? Er ist Spider-Man, Spider-Man. Does whatever a spider can. Spins a web, any size, catches thieves, just like flies. Spider-Man (egal wer nun unter der Maske steckt) erinnert uns, dass jeder ein Superheld sein kann. Er hat dieselben Probleme wie wir, Geld, Job, Beziehungen, Familie, nur dass er sich gelegentlich noch mit kostümierten Superschurken herumschlagen muss, was sein „normales“ Leben nur noch mehr verkompliziert. Trotz seiner erstaunlichen Fähigkeiten ist Spider-Man einer der Superhelden, mit dem man sich am besten identifizieren kann.

  1. Batman

Ganz anders als Milliardär Bruce Wayne, obwohl der keine Superfähigkeiten hat. In gewisser Weise kann man an dem Charakter alles festmachen, was mit Superhelden nicht stimmt. Er ist ein Milliardär, der sich nachts in schwarzes Leder kleidet, um mit allerlei Gadgets Kleinkriminelle und Geistesgestörte zu verprügeln. Und dennoch „funktioniert“ der Charakter. In meinen Augen besser als jeder andere Superheld und in beinahe jeder Iteration. Sei es als alberner Moralapostel in der 60er Jahre Serie, als überhöhte Gothic Figur in den Tim Burton Filmen, oder unter Christopher Nolans realistischerem Ansatz. Aber ich habe hier ohnehin schon viel zu viel über Batman Filme geschrieben.

Und jetzt: viel zu viele Worte über Batman Filme

Manchmal kommen Leute zu mir und fragen: „Herr Lichter, was ist Ihr liebster Batman Film?“ und von nun an kann ich… ach, wem mache ich was vor? Niemand hat mich das je gefragt und niemand wird es je fragen, hier ist dennoch eine Auflistung aller Batman Filme vom Schlechtesten zum Besten. Aller Batman Filme? Nein, zwei Kriterien gibt es: 1. sie müssen im Kino gelaufen sein und 2. ich muss sie gesehen haben. Aufgrund Kriterium 1 fallen die meisten (aber nicht alle!) animierten Filme weg und dank Kriterium 2 fallen alle Filme mit Ben Affleck raus. Es tut mir leid, falls das jemandes Gefühle verletzt.

hello

Legen wir trotzdem los. Und zwar mit dem Schlechtesten (Anm.: die Wertung ist natürlich meine. Eure dürft Ihr gerne in den Kommentaren kundtun): Weiterlesen

‚Spider-Man: Homecoming‘ (2017)

Ich wurde es in meinen Beiträgen und Kommentaren in letzter Zeit ja nicht müde zu erwähnen, dass ich Superhelden im Großen und Ganzen ein wenig satt habe. Und auf einen dritten Spider-Man Reboot hatte ich erst recht keine große Lust. Und dann auch noch in den einengenden Grenzen des Marvel Cinematic Universe. Das einzige Pfund, mit dem der Film im Vorfeld bei mir wuchern konnte, war dass mir der Vorgängerfilm von Regisseur Jon Watts, ‚Cop Car‘, sehr gut gefallen hat. Es gelang ihm dort sehr gut eine kindliche Perspektive auf eine sehr gefährliche Situation darzustellen. Vielleicht würde es ihm gelingen aus Peter Parker gleichsam einen glaubwürdigen Teenager zu machen?

Jener Peter Parker (Tom Holland) ist nach den Ereignissen aus ‚Civil War‘ von Tony Stark (Robert Downey Jr.) erst einmal zum Dienst als „Friendly Neigborhood Spider-Man“ verdonnert, soll sich um kleine Fische kümmern. Gleichzeitig geht er auch noch zur Schule. Die neue Geheimidentität als Verbrecherjäger verkompliziert seine Beziehungen zu seinem besten Kumpel Ned (Jacob Batalon) und seiner Tante May (Marisa Tomei). Aber kann sie ihm möglicherweise helfen, seinem großen Schwarm Liz (Laura Harrier) näherzukommen? Und warum scheint Michelle (Zendaya) eine geradezu übernatürliche Gabe zu haben überall da aufzutauchen, wo Peter ist? Diese Fragen geraten ein wenig in den Hintergrund, als Spider-Man auf den geflügelten „Vulture“ Adrian Toomes (Michael Keaton) und dessen kriminelle Kumpanen stößt, die aus den Überresten von Superheldengefechten futuristische Waffen bauen und diese an den Meistbietenden verkaufen.

Watts inszeniert ‚Homecoming‘ nicht als reinen Superheldenfilm. Ein ganz großer, ganz entscheidender Teil ist High School Komödie. Und zwar meiner Meinung nach eine sehr gelungene. Der Film zitiert teilweise direkt Filme wie ‚Breakfast Club‘ oder ‚Ferris macht blau‘ und schafft es aus seiner Teenie-Besetzung runde glaubwürdige Charaktere zu machen, hin bis zu Randfiguren wie dem Bully Flash Thompson, der neben aller Parker-Pisackerei immer wieder auch seine Unsicherheiten durchscheinen lässt. Dieses Gleichgewicht zwischen „normalem“ Teenie-Alltag und kostümierter Verbrechensbekämpfung kommt für mich dann auch den Comics so nahe, wie keine filmische Version des Netzschwingers vorher. Peter muss ständig abwägen zwischen Prioritäten wie einem „akademischen Zehnkampf“ und der Möglichkeit Toomes geheime Basis aufzuspüren. Und jeder Ausflug als Superheld verkompliziert das Privatleben Parkers immer weiter. Eine meiner liebsten Szenen im Film, nicht nur weil sie typischen Comic-Momenten sehr nahe kommt, sondern weil sie hier auch noch hervorragend inszeniert ist, ist ein Moment wenn Peter sich im Spidey-Kostüm durchs Fenster in sein Zimmer schleicht, die Decke entlangkrabbelt und mit seinem Netz die Tür schließt. In der Szene passiert noch mehr, was sehr gut geblockt und inszeniert ist aber das hier zu verraten wäre ein Spoiler. Für mich war das jedenfalls der Moment, in dem ich wusste, dass ich in guten Händen bin. Und dass ein Superheldenfilm seinen dritten Akt mit einer Szene beginnt, die mich tatsächlich richtig überraschen kann, kommt auch nicht alle Tage vor.

Normalerweise würde ich vermutlich an dieser Stelle über die Anbindung des Films an Marvel-Universum klagen, allerdings finde ich die hier ziemlich gut gelungen. Tony Stark wird zu einer fehlerhaften Vaterfigur für Peter und die Neudefinition der Beziehung zwischen beiden ist ein ganz wesentlicher Teil der Entwicklung seines Charakters. Auch gefällt es mir, wie der Film klarmacht, dass wir weit weg von der Welt der Milliardäre, Außerirdischen und Ultrons sind, mit Dingen wie Captain America Schulvideos oder eben den Future Tech Diebstählen der Kriminellen daran erinnert, dass die stets im Hintergrund sind und letztlich die Welt neu definiert haben. Teilweise traut der Film seinen Zuschauern dabei ein bisschen wenig zu, wenn Toomes etwa direkt ausspricht, dass er ein „blue collar“ Krimineller ist und Spider-Man entsprechend ein „blue collar“ Held. Dennoch finde ich die Nutzung des Settings hier ausgesprochen gelungen.

Optisch und akustisch sticht der Film nicht unbedingt aus der Masse der Marvel-Universum Filme heraus. Allerdings bietet er zumindest eine Filmmusik von Michael Giacchino (Die Unglaublichen) mit einem Titelthema, das mehr ins Ohr geht als 90% der übrigen Marvel-Musik. Letztlich definiert der Film sich aber mehr über seine Charaktere und seine schmissigen Dialoge, als dass er das Aussehen des Superheldenfilms neu definieren würde.

Wie gesagt gelingt es Watts eine Teenager-Perspektive in den Film zu bringen, das Lob dafür gebührt aber nicht ihm allein, auch Tom Holland muss lobend erwähnt werden, der seinen Peter hier mit so viel Wärme und Liebenswürdigkeit darstellt, dass man gar nicht anders kann, als ihm jeden Erfolg zu gönnen. Sehr gut gefallen hat mir auch Marisa Tomei als jüngere, resolutere Tante May, die nicht mehr ständig 30 Sekunden vom Herzinfarkt entfernt scheint. Aber das vielleicht Wichtigste ist, dass es Watts und Michael Keaton gelingt den Marvel-Fluch des schwachen Schurken zu brechen. Keaton ist absolut großartig in der Darstellung des Vulture aber mit Vogelmännern kennt er sich ja auch aus. Anfangs ist es Tony Starks Arroganz, die ihn und seine Kumpanen in die Kriminalität treibt, bald aber ist es durchaus ehrliche Sorge um seine Familie, die Toomes jede seiner immer weiter eskalierenden Brutalitäten rechtfertigen lässt. Endlich steht Spidey mal nicht einem „verrückten Wissenschaftler“ gegenüber, sondern einem ganz bodenständigen (außer wenn er fliegt) Dieb und Waffenhehler. Das passt definitiv besser zur Figur des Spider-Man, wie sie hier präsentiert wird. Und obwohl er sich selbst als „blue collar“ Schurke präsentiert, sollte man keineswegs den Fehler machen ihn für dumm zu halten. Meine zweite Lieblingsszene, die insgesamt ein sehr großer Spoiler wäre, zeigt dass er alles andere ist.

Ich hoffe es ist deutlich geworden, dass ich Superheldenfilme keineswegs satt hätte, wenn sie alle die Qualität eines ‚Homecoming‘ erreichen würden. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viel Spaß mit einem Superheldenfilm hatte (‚Logan‘ ist sicherlich ein besserer Film, allerdings würde ich den nicht als „Spaß“ bezeichnen).

„Cinematisches Universum“ Update: die Paralleluniversen-Krise

Im Superheldencomic ist die Verschmelzung zweier Paralleluniversen stets ein dramatisches Stück Handlung. Etablierte Regeln sind aufgehoben und die beliebtesten Helden beider Universen geben sich zunächst gegenseitig kräftig auf die Birne, bis sie merken, dass sie zusammenarbeiten müssen. Die Zusammenarbeit besteht dann darin beide Universen wieder voneinander zu trennen, damit die normale Existenz bei dem jeweiligen Verlag weitergeführt werden kann. In der Realität hingegen dürfte eine solche Verschmelzung eher endgültig sein.

Als ich vor ein paar Wochen an dieser Stelle über „Cinematische Universen“ schrieb, spielten Superhelden eine ganz zentrale Rolle. Allerdings habe ich die Einbindung der Fox Helden in das Marvel Cinematic Universe als „vom Tisch“ betrachtet. Heute zeigt sich wie viel (bzw. wenig) Ahnung ich von so etwas habe, denn die Fox-Marvel Verschmelzung scheint kurz bevor zu stehen und wird, von weit klügeren Leuten als mir, trotz konkurrierender Interessen als quasi gemacht betrachtet.[1]

Das hieße also die X-Men und alles drumherum kämen heim ins MCU. Ein Grund zur Freude? Für mich ehrlich gesagt nicht. Und zwar deshalb, weil Fox vor nicht allzu langer Zeit nämlich mit ‚Deadpool‘ und ‚Logan‘ der einzige der großen Player war, der sich traute zumindest an unterschiedliche Grenzen des Mainstream zu gehen und das mit beachtlichem Erfolg. Das gerade in diesem Moment, wo man eine eigene, interessante Stimme gefunden hat alles unter die erstickende Kontrolle Kevin Feiges fallen soll, unter dessen Ägide ich mir kaum ‚Deadpool‘ und keinesfalls ‚Logan‘ vorstellen kann, ist für mich beinahe tragisch.

Ich habe den neuen ‚Justice League‘ Film nicht gesehen und zugegeben kein großes Interesse das zu ändern, doch wenn ich mich nach Rezensionen richte, so scheint der Tenor, dass man sich bei DC Marvel angenähert hat – im Guten wie im Schlechten. Das hängt sicher mit der Arbeit von ‚Avengers‘ Regisseur Joss Whedon zusammen, lässt mich nun aber – zusammen mit der Fox-Verschmelzung – eine weitere Homogenisierung des Mainstreams befürchten. Und die ist nun wirklich das Allerletzte, was irgendjemand braucht, vor allem weil „Mainstream“ in den letzten Jahren ohnehin schon nur Superhelden und Superheldenähnliche bedeutet.

Mal ganz davon abgesehen, dass die Monopolstellung Disneys langsam aber sicher bedenklich wird. Man möge mir verzeihen, wenn ich der US-amerikanischen Kartellaufsicht, insbesondere unter der derzeitigen Regierung, relativ wenig Vertrauen in Bezug auf das mächtige Maus-Imperium entgegen bringe.

Mein Interesse an kämpfenden Kostümfritzen ist ohnehin an einem historischen Tiefpunkt und diese Neuigkeiten tragen keinesfalls dazu bei, dass sich daran etwas ändert. Die Tatsache, dass Disneys Aktien nach Verkündung der möglichen Verschmelzung um 3% gefallen sind, lässt mich hoffen, dass ich damit nicht allein dastehe aber letztlich bin ich nicht wirklich so naiv zu glauben Aktienentwicklung hätte irgendetwas mit kreativen Bedenken zu tun.

 

[1] http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/disney-und-fox-milliardendeal-offenbar-kurz-vor-dem-abschluss/20673736.html