‚Suspiria‘ (2018) – Nochmal mit Gefühl

Ich habe es ja schon in der letzten Woche, bei der Besprechung des originalen ‚Suspiria‘ angedeutet: ich war mindestens überrascht, dass jemand diesen doch sehr typischen Argento-Film neu drehen würde. Bedingen sich Form und Inhalt doch ziemlich extrem gegenseitig. Und obwohl Luca Guadagnino sein Remake als „Coverversion“ bezeichnet blieb ich zumindest skeptisch. Die Tatsache, dass der Film mit seinen 2 1/2 Stunden fast doppelt so lang ist wie das Original hat meine Erwartung nicht eben gesteigert. Nun habe ich das Remake gesehen und war erneut überrascht.

1977 kommt die junge, streng mennonitisch erzogene Amerikanerin Susie Bannon (Dakota Johnson) nach Berlin, um sich an der renommierten Tanzakademie Helena Markos unter der Leitung von Mme. Blanc (Tilda Swinton) einzuschreiben. Hier taucht alsbald der alternde Psychologe Dr. Klemperer (Lutz Ebersdorf) auf, der Erkundigungen nach der verschwundenen Schülerin Patricia (Chloë Grace Moretz), die in ihren letzten Sitzungen bei ihm wilde Anschuldigungen gegen die Lehrerschaft der Schule ausgestoßen hat. Unter anderem sie seien Hexen. Ähnliches äußert die Schülerin Olga (Elena Fokina). Hat sie kurz darauf wirklich die Akademie verlassen, oder ist etwas Finstereres geschehen? Für Susie hat all dies erst einmal Vorteile. Als Naturtalent wird sie schnell zum Protégé von Blanc und aufgrund des Verschwindens der anderen Schülerinnen erhält sie die Hauptrolle in der neuen Choreografie „Volk“. Allerdings bestehen in der Akademie tatsächlich ganz andere Pläne für sie.

Man könnte vermutlich argumentieren, jedes Remake befände sich in einem Dialog mit seinem Original. Was lässt es weg, was behält es, was ändert es, was fügt es hinzu? Wenn das so ist, dann ist Guadagninos ‚Suspiria‘ der Teenager, der schreit: „Nein Mutter (Suspiriorum), ich mache alles anders als DU!“ die Zimmertür zuknallt und Radiohead voll aufdreht. Das ist nicht nur die Motivation von Susie Bannon, Rückblenden stellen das einsame Leben auf der elterlichen Farm in Kontrast zur berliner Großstadt, es ist definitiv auch die von Guadagnino. Alle diese Unterschiede hier aufzuführen erlaubt der Platz nicht, deswegen nehme ich mir erst mal das wichtigste Merkmal vor. In der Besprechung zum Original habe ich festgestellt, dass die Handlung an keinem real zu greifenden Ort spielt. Einem Märchenkönigreich mit eigenen Regeln. ‚Suspiria‘ (2018) ist so fest im Berlin des Jahres 1977 verankert wie es nur geht. Der Film spielt vor dem Hintergrund des deutschen Herbstes. Die Entführung von Schleyer und der Lufthansamaschine Landshut, Proteste für die Freilassung der in Stammheim inhaftierten RAF Terroristen und schließlich deren Selbstmord.

Guadagnino nutzt dieses Setting um seine Themen zu erforschen. Eines davon ist Spaltung: die Schule ist geteilt, die Lehrer in ein Lager Markos und eines Blanc, die Schülerinnen zwischen solchen, die den Lehrern vertrauen und denen die es nicht tun. Deutschland ist geteilt, einerseits ganz sichtbar durch die innerdeutsche Grenze, die Mauer verläuft exakt vor der Schule, andererseits ist die westdeutsche Gesellschaft noch einmal gespalten in diejenigen, die fürchten, aus der Antwort auf den Terror könnte ein Polizeistaat entstehen, andererseits denen die darin bereits Sympathie für den Terror wittern. Diese Spaltungen auf allen Ebenen, so stellt Guadagnino es dar, entstehen aus Schuld und aus Machtmissbrauch. Der RAF Terror ist ein Ausdruck der deutschen Vergangenheitsbewältigung, der Auseinandersetzung mit der Schuld der NS Zeit. Auch Klemperer wird von Schuld getrieben, der Schuld die Verfolgung durch die Nazis überlebt zu haben, während seine Frau Anke das nicht geschafft hat. Ebenso fühlt er Schuld dafür, dass er Patricias Ängste nicht ernst genug genommen hat und nun ist sie verschwunden. So versucht er das eine zu lösen, als Sühne für das andere. Die Lehrerschaft der Schule missbraucht hingegen ihre Macht. Anstatt die Schülerinnen anzuleiten und zu schützen, betrachten sie sie mehr wie Schlachtvieh.

Ein weiterer Aspekt, den Guadagnino völlig anders löst als Argento ist der der Tanzschule an sich. Bei Argento war es nie klar, warum Markos die Schule überhaupt betrieb, schienen ihr aus neugierigen Schülerinnen doch nur Probleme zu erwachsen. Hier ist der Tanz Ausdruck und Demonstration der Macht der Hexen. Das, was ich über Tanz weiß, könnte man sicherlich in großzügigen Buchstaben im Unterschriftsfeld einer Kreditkarte darlegen, doch der Tanz hier ist ungewöhnlich, weil er, anders als etwa Ballett, die schwere des Körpers der Tänzerinnen zu unterstreichen scheint, anstatt sie aufheben zu wollen. Dadurch bekommt der Tanz etwas aggressives, fast brutales. Was bei einem Stück namens „Volk“, das „in den 40er Jahren entstanden ist“ auch nicht völlig überrascht. In einer Szene ist diese Brutalität des Tanzes wörtlich zu nehmen. Ohne zu viel verraten zu wollen, ist es wohl eine der fürchterlichsten Todesszenen, die ich je gesehen habe und das obwohl (oder gerade weil) sie völlig unblutig ist.

Auch in der Bildsprache widerspricht Guadagnino Argento vollkommen. Verschwunden sind die leuchtenden Primärfarben, ersetzt durch kalt-düster-grauen verregneten Beton. Die Bildsprache erinnert sehr an das deutsche Kino der 70er, allen voran Rainer Werner Fassbinder. Am besten zeigt das die Fassade der Tanzschule selbst. Verschwunden ist das schreiend rote, romantische „Haus zum Walfisch“ Argentos, ersetzt durch eine brutalistische Front aus nacktem Beton und Glas. Was Guadagnino hingegen beibehalten und sogar noch verstärkt hat, ist die Beweglichkeit der Kamera. In oftmals überraschenden Bewegungen zieht sie tänzerisch ihre Bahnen durch den Raum und betont so noch das desorientierende, labyrinthische Wesen der Akademie.

Der Soundtrack von Radiohead Sänger Thom Yorke fühlt sich weniger wie eine direkte Antwort auf Goblin an und mehr nach einer völlig vom Original unabhängig entstandenen Arbeit. Neben erstaunlich vielen Stücken mit gesungenen Texten, anders als bei Goblin keine Fantasiesprache, sondern englisch, aber, laut Yorke mit Texten, die nicht viel mit der Handlung zu tun haben, liefert er hier eine reiche Bandbreite ab. Von Keyboard getragenen atmosphärischen Stücken, die etwas an Vangelis erinnern, zu Stücken mit einer erkennbareren Basslinie bis zur merkwürdig rauschenden Kakophonie, die „Volk“ unterlegt.

Hauptdarstellerin Dakota Johnson habe ich vorher noch nie in einer größeren Rolle gesehen (die fuffzig Shades habe ich mir gespart), hier ist sie allerdings großartig. Einerseits spielt sie dieselbe großäuigig erstaunte, naive Schülerin in der ungewohnten neuen Stadt (wo auf der Straße ordentlich demonstriert wird) wie Jessica Harper im Original, andererseits wird diese scheinbare Naivität immer wieder durch kleine Reaktionen gebrochen, die nicht recht dazu passen wollen und die dafür sorgen, dass wir als Zuschauer uns etwas entfremdet von ihr fühlen. Tilda Swinton hingegen spielt ihre Mme. Blanc mit echter Sympathie, oder vielleicht sogar mehr für Susie. Sie ist hin und hergerissen zwischen ihren Gefühlen und der Pflicht gegenüber Mutter Markos, deren Autorität sie, ohne Erfolg, früh im Film in Zweifel zu stellen versucht. Zum wahren emotionalen Zentrum des Films wird allerdings Dr. Josef Klemperer. Tief gebeugt, mit dünner Fistelstimme scheint er weniger unter der Last der Jahre als unter der Last einer nicht immer rational zu begründenden Schuld zu leiden. Lutz Ebersdorf spielt diese Rolle stets am Rande eines Zusammenbruchs aber doch mit einer tief verborgenen Stärke. Wem mache ich was vor, außer mir wusste das eh jeder, oder? „Lutz Ebersdorf“ ist ebenfalls Tilda Swinton. Man merkt es am gelegentlich etwas holprigen Deutsch und letztlich der Stimme. Dennoch ist die Leistung Swintons und der Maskenbildner ziemlich beeindruckend. Jessica Harper hat übrigens einen Cameoauftritt im Zusammenhang mit Klemperer. Eine wunderschöne Szene, die in einem, vielleicht nicht überraschendem aber dennoch schmerzhaften Schlag ins Gesicht endet.

Wenn es nicht klar geworden sein sollte: ich fand den Film absolut großartig. Guadagnino nimmt die Figuren und die Handlung des Originals und verleiht ihnen eine Tiefe, die sie dort nicht hatten (aber auch nicht brauchten!). Allerdings tue ich mich erstaunlich schwer damit den Film zu empfehlen. Superfans des Originals werden vermutlich enttäuscht sein, denn es befinden sich zwar absolut gelungene Horrorszenen im Film, allerdings sind diese in eine oftmals sehr politische Handlung eingebunden, ein Charakterdrama, das den Großteil des Films ausmacht. Und ja, gelegentlich ist der Film extrem nahe dran an seiner eigenen Bedeutsamkeit zu ersticken. Auch bin ich mir nicht sicher wie gut eine  bestimmte Eröffnung gegen Ende funktioniert. Die ist beeindruckend genug inszeniert, dass sie mich beim ersten Mal voll mitgenommen hat, doch hier bin ich gespannt, ob sich das bei zukünftigem Ansehen ändert. Also ein toller Film, der sicherlich nicht für jeden funktioniert. Vielleicht wären ein anderer Titel und ein „inspiriert von ‚Suspiria‘“ angebrachter gewesen.

 

PS: obwohl ein Kommissar Glockner im Film vorkommt, tauchen TKKG nicht auf. Aber die gibt es ja auch erst seit 1979. Damit wäre das hier wohl ein Prequel. „Most ambitious Crossover“ und so…

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‚Suspiria‘ (1977)

Da ich hier bestimmt demnächst das Remake von ‚Suspiria‘ besprechen werde, sollte ich auch das Original mal eines durchaus verdienten Blickes würdigen. Ich sage es lieber gleich: ich bin nicht der größte Fan von Dario Argento. Während er ein durchaus bildgewaltiger Regisseur ist, hapert es bei mir oft, was seine Erzählweise angeht. ‚Suspiria‘ ist vermutlich der Film, bei dem sich sein Stil und mein Geschmack am nächsten gekommen sind. Aber fangen wir am Anfang an. Vorher noch eine Warnung, ich werde einiges über die Handlung verraten. Aber die Handlung ist auch nicht unbedingt der Grund warum man den Film schaut, von daher verdirbt es wenig. Wer aber vorher nichts darüber wissen will, sollte hier mit dem lesen aufhören und den Film schauen. Und dann weiterlesen, natürlich…

Die US Amerikanerin Suzy Banyon (Jessica Harper) kommt nach Freiburg im Breisgau, um an der dortigen renommierten Balletschule unter der Leitung von Mme. Blanc (Joan Bennet) zu studieren. Angekommen bereiten ihr nicht nur furchtbares Wetter und ein grummeliger Taxifahrer, sondern auch die unfreundliche Dozentin Miss Tanner (Alida Valli) einen recht unangenehmen Empfang. Auch häufen sich bald merkwürdige Vorkommnisse. Mitschülerinnen verschwinden, es regnet Maden von der Decke und der Klavierspieler der Schule wird von seinem treuen Blindenhund zerrissen. Ist Suzys Essen mit Schlafmitteln versetzt? Gehen die Lehrerinnen abends wirklich nach Hause, oder woanders hin? Suzy und ihre Zimmernachbarin Sara (Stefania Cassini) haben einiges zu untersuchen, falls sie es denn überleben.

Wer auf der Suche nach einer „realistischen“ Erzählung ist, der ist bei Argento nie gut aufgehoben und hier so falsch, wie man nur sein kann. Argento entlässt seine Figur am Anfang in eine märchenhafte Alptraumwelt und macht das auch ganz deutlich. Während Suzy den Flughafen verlässt, weht jedes Mal, wenn sich die Automatiktüren öffnen, nicht nur Regen und Finsternis hinein, sondern auch die Musik der Progrocker von „Goblin“. Und damit wird schon deutlich, dass da vor der Tür nicht das baden-württembergische Freiburg liegt, auch nicht München, wo die meisten Außenaufnahmen entstanden sind, sondern ein weit, weit entferntes Königreich, in dem ganz eigene Regeln gelten. In dem ein Hexenkonvent in einer Tanzschule uneingeschränkte Macht zu besitzen scheint. Und damit entledigt sich Argento gleich einer Menge lästiger Fragen. Wem gehört der messerbewerte Männerarm, der am Anfang einer jungen Frau (im wahrsten Sinne des Wortes) ins Herz sticht? Egal! Hexen waren‘s! Warum hat die Schule einen Raum, in dem mehr Stacheldraht aufbewahrt wird als im typischen Niemandsland zwischen den Gräben im Ersten Weltkrieg? Hexen!

Und das Erstaunlichste: es funktioniert! Argento nutzt hier das Vokabular des Alptraums mit solcher Sicherheit, dass man gewisse erzählerische Entscheidungen gar nicht hinterfragt. Warum verlassen wir unsere Hauptperson mehrfach, um in kurzen Sequenzen das Ableben anderer Charaktere zu erleben? Egal, wenn es so atmosphärisch dicht inszeniert ist, wie der tödliche Heimweg des blinden Klavierspielers (dem alle, Passanten, Polizisten, die Insassen eines Autos an der Ampel, hinterher starren), oder Saras nächtliche Suche in der Schule mit einem ungesehenen Verfolger. Manches fällt dennoch auf. Etwa wenn mit Olga (Barbra Magnolfi) ein weiterer Schülerinnencharakter eingeführt wird, für sie sogar Konflikte aufgebaut werden, sie nach zwei Szenen aber einfach kommentarlos aus dem Film verschwindet.

Das stört die Atmosphäre aber kaum, weil Argentos wunderbar bewegliche Kamera und die wohlpalzierten Schockmomente einem kaum die Zeit zum Atmen, weniger noch für große Überlegungen lassen. Dazu kommt die Bildsprache des Films. Jeder, der den Film gesehen hat, wird vermutlich als allererstes die Farben erwähnen. Unfassbar satte Primärfarben, allen voran natürlich rot, danach blau und nur gelegentliches, aber umso effektiveres gelb, setzt Argento hier als ganz bewusstes Stilmittel ein. Dafür griff er auf ein damals bereits veraltetes Technicolor System zurück, für das er die letzten Filmreserven aufkaufte und einen der letzten Drucker verwendete. Hier konnte er frei die Intensität der einzelnen Primärfarben nach Belieben anpassen. Als Vorbild gab er die Disneyverfilmung von Schneewittchen an, die ebenfalls ähnlich intensive Farben verwendete. In ‚Suspiria‘ schafft er so die andersweltliche Atmosphäre, von der zeitlos plüschig-gotischen Innenausstattung der Tanzschule bis zu den leeren Plätzen der umgebenden Stadt. Eine Atmosphäre die nur im anfänglichen Flughafen und bei einer späteren Sequenz bei einem Psychologenkongress durch typisches Stadtgrau gewollt gebrochen wird. Alles in allem ist dieser Stil mit „visuellem Exzess“ sehr gut umschrieben.

Das Zweite, was jeder, der ‚Suspiria‘ gesehen hat erwähnen wird, ist die Musik von „Goblin“. Die haucht, schnauft, stampft und wütet nicht eben subtil aber ungeheuer effektiv durch den Film. Bruchstückhaft, verschlungen, mit einer Vielzahl von Instrumenten vom Glockenspiel bis zu indischen Tabla Kesseltrommeln und natürlich einer Menge Synthesizer-Klang, unterlegt mit gesprochenen Elementen, von Goblin Frontmann Claudio Simonetti selbst eingesprochen und Großteils Kauderwelsch.  Allerdings verrät er uns bereits nach gut 4 Minuten das Geheimnis des Films: „Witch!“ zischt es da aus dem Soundtrack durch den finsteren Wald, eine gute Stunde, bevor Suzy drauf kommt. Insgesamt ein hochorigineller Terrorklang, von dem ich mir wünschen würde, mehr aktuelle Horrorfilme würden sich daran orientieren, anstatt zum achtunddrölfzigsten Mal John Carpenters (für sich natürlich großartige!) pure Synthies nachzuahmen.

Schauspielerisch ist natürlich vor allem Hauptdarstellerin Jessica Harper hervorzuheben, der es gelingt ihre Suzy mit einer Mischung aus großäuigiger Scheu, die sie gelegentlich wie ein kleines Mädchen wirken lässt und einer tiefen Entschlossenheit zu spielen, ohne dass das widersprüchlich wirken würde. Tatsächlich bemerkt die unangenehme Miss Tanner diese Willensstärke noch lange vor dem Zuschauer und stellt sie in einer Art fest, als ahne sie bereits, dass da Schwierigkeiten auf die verborgenen, finsteren Geheimnisse der Schule zukommen. Miss Tanner wird von Alida Valli verkörpert, die die Schüler mit einer Kälte behandelt, die nur knapp unter einer Schicht falscher Freundlichkeit verborgen liegt, während sie für die Angestellten nur Verachtung oder gar Sadismus übrig hat. Die anderen machen ihre Sache ordentlich, aber nicht besonders bemerkenswert. Am Rande erwähnt seien noch Horrorgenre Dauergast Udo Kier und Edgar Wallace Veteran Rudolf Schündler, die hier Nebenrollen als zwei Psychologen haben und als solche einen Gutteil der Exposition von sich geben. Nicht die dankbarste Aufgabe, aber sie erledigen sie elegant. Schündler darf dabei sogar so etwas wie das Motto des Films aussprechen: Magie ist überall. Kiers Charakter hingegen ist skeptischer und setzt sie mit Geisteskrankheit gleich. Am Ende scheint es so als hätten beide ein wenig Recht.

Auch bei dieser Sichtung war ich wieder sehr angetan von Argentos Film. Und ich frage mich, wie man gerade auf die Idee kommt hiervon ein Remake zu drehen, schließlich ist das ein so von der Handschrift seines Machers gezeichneter Film, dass man ihn sich kaum im Werk eines anderen vorstellen kann. Aber womöglich genau deshalb bezeichnet Regisseur Luca Guadigno sein Werk ja auch als „Coverversion“. Das Original ist jedenfalls großartig.

Newslichter Ausgabe 8: neuer Film von Orson Welles, alter, junger McClane und keine Flagge

Na, habt Ihr sie gespürt? Die extreme Hitze aus Eurem Feed? Das sind natürlich die brandheißen Neuigkeiten, die diese Woche darauf lauern Eure Netzhäute zu versengen! Sei es ein Film der nach 40 Jahren das Licht des Kinos erblickt, ein Fäkalgewitter um eine nichtvorhandene Flagge oder ein Drehbuchautor, der dringend Aufmerksamkeit benötigt. All das und noch viel mehr findet Ihr her in der neuen Ausgabe des Newslichters.

 

David Kajganich redet viel

https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/suspiria-why-horror-is-thriving-once-more-1137706?utm_source=twitter

Ich wollte ja eigentlich nichts dazu sagen, weil alle Aussagen des Drehbuchautors zum ‚Suspiria‘ Remake nach verzweifelter Provokation riechen. Aber so langsam wird es ehrlich gesagt sogar mir zu blöd. Aber ich konzentriere mich mal auf eine Aussage. Was hat Herr Kajganich über den Zustand des Horrorfilms 2018 zu sagen? (ÜS von mir)

„Vielleicht reiten wir auf einer Welle faulen, zynischen Horrors im vergangenen Jahrzehnt […] deswegen fällt alles mit ein paar mehr IQ Punkten mehr auf als es sollte. Mäßig ausgeleuchtete Action, Blocking und Jumpscares alle 6 Minuten gehen 2018 als Horror durch.“

Wahrlich, in einer Zeit in der wir in jüngerer Vergangenheit auf den ‚Babadook‘, auf ‚Get Out‘, auf ‚Raw‘, auf ‚The Witch‘ zurückblicken können, wo ein Film wie die ‚Love Witch‘ möglich, wo sogar Studiohorror mit so etwas wie ‚IT‘ wieder sehenswert wird, wo ein Monsterfilm den „Bester Film“ Oscar gewinnt, da sind wir sicherlch in der „faulen, zynischen“ Talsohle eines Genres angekommen, in der wir auf Rettung hoffen müssen. Und von wem könnte diese Rettung eher kommen, als von einem Mann, der ein Remake von ‚Die Körperfresser kommen‘ geschrieben hat, dessen verfilmtes Drehbuch zum ‚Suspiria‘-Remake bald in die Kinos kommt und der bereits ein Buch zum Remake von ‚Friedhof der Kuscheltiere‘ in Produktion hat. Denn wenn es etwas im Horror, nein im Filmgeschäft gibt, das das Gegenteil von „zynisch und faul“ ist, dann sind das wohl Remakes.

 

Hättet Ihr mal Michael Bay engagiert…

https://screenrant.com/first-man-flag-controversy-armstrong-response/

Ich bin mir sicher, der Transformers-Macher hätte einen Weg gefunden das hochholde Sternenbanner der Amerikaner auch auf dem Mond patriotisch im Winde knattern zu lassen. Aber Damian Chazelle hat in seinem Film ‚First Man‘ über die erste Mondlandung, bewusst den Moment ausgelassen, als Neil Armstrong die Flagge in den Mondboden rammte, sehr zum Unmut vor allem konservativer Kommentatoren. Die Flagge ist zwar in anderen Szenen im Hintergrund zu sehen, doch dieser Moment fehlt. Chazelle begründet dies damit, dass er die Mondlandung als einen Moment des Triumphes für die Menschheit darstellen wollte und nicht einen für die USA. Die Aussage von Armstrong-Darsteller Ryan Gosling, Armstrong habe sich nicht als amerikanischen Helden verstanden, zog dann weiteren Zorn aus konservativen Kreisen nach sich (man erinnere sich an Armstrongs berühmte Aussage: „ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein großer Schritt für Menschen, deren Eltern in einer bestimmten geografischen Region miteinander geschlafen haben“, wir haben sie alle im Ohr). Der „Shitstorm“ war perfekt. Nun haben Armstrongs Söhne Rick und Mark einen offenen Brief verfasst, in dem sie den Film verteidigen, der sich auf die Seiten ihres Vaters konzentriere, die man nicht kenne.

 

Ich weiß, es heißt ‚Stirb Langsam‘, aber…

https://screenrant.com/die-hard-6-official-title-mcclane/

Der sechste ‚Stirb Langsam‘ Film ist nicht nur einer, den keiner braucht, er heißt jetzt auch ‚McClane‘. Und wie ‚Der Pate 2‘ soll er Prequel und Sequel in einem sein. Das heißt, wir folgen in einem Handlungsstrang dem 63 Jahre alten Bruce Willis-McClane und in einem anderen einem etwa 20jährigen Rookie-McClane. Ich jedenfalls bin so motiviert den Film zu sehen, wie Bruce Willis motiviert scheint in irgendeinem Projekt der letzten 5 Jahre mitzuarbeiten.

 

‚Der Schwarm‘ schwärmt fürs ZDF

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18520790.html

Gerüchte um eine Verfilmung von Frank Schätzings umfangreichen SciFi Thriller gibt es seit das Buch erschienen ist. Nun steht aber fest, dass es zu einer achtteiligen Serie mit je 45 Minuten adaptiert werden soll. Es soll eine internationale Koproduktion werde, die unter anderem von ‚Game of Thrones‘-Produzent Frank Doelger betreut werden soll. Wobei Schätzing selbst auch ein Mitspracherecht besitzt. Schauen wir mal, um das Buch adäquat umsetzen zu können wäre jedenfalls ein großes Budget und ein ebenso großer Cast vonnöten. Es könnte aber ein interessantes Projekt werden.

 

Neuer Film von Orson Welles!

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18520769.html

Wer hätte gedacht, dass ich diese Überschrift im Jahr 2018 schreiben könnte? 1000 Filmrollen füllte Welles zwischen 1970 und 1976 für seinen Film ‚The Other Side Of The Wind‘. Darin ging es um das Comeback eines alternden Regisseurs, gespielt von Legende John Huston. Eine satirische Aufarbeitung Hollywoods sollte es werden, von dem sich Welles zeitlebens ungerecht behandelt fühlte. Leider gelang es ihm bis zu seinem Tod 1985 nur etwa 40 Minuten des Films zusammenzuschneiden. 2017 erwarb Netflix die Rechte an dem Film und der Rest wurde, unter Aufsicht von Regisseur und Welles-Freund Peter Bogdanovich fertiggestellt. Am 31.08. hatte der Film bei den Festspielen in Venedig Premiere und wurde dort offenbar gefeiert. Ich rechne Netflix dieses Engagement hoch an, hoffe aber sie sind klug genug den Film ins Kino zu bringen und nicht nur auf ihrem Streamingservice zu zeigen…