Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Schockmomente in Filmen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Schockmomenten in Filmen. Oh Junge, oh Junge, bald ist Oktober! Horror, Grusel, Gesiterhäuser! Darauf zielt die heutige Frage natürlich ab. Deshalb verzichte ich mal auf die Nennung der letzten Szene aus ‚Pink Flamingos‘, auch wenn die mir als erstes einfiel. Schon damit ich nicht zukünftig von den 5 am Donnerstag ausgeschlossen werde. Hier also meine Liste.

5. ‚Caché‘: Ein Selbstmord

Okay, ein bisschen falle ich doch aus der Gruselkategorie raus. Ich verrate hier absichtlich wenig über die Handlung des Films, weil diese Szene nur innerhalb von Michael Hanekes Film wirklich wirkt, doch begeht ein Charakter hier unvermittelt, auf letztlich „unspektakuläre“ (im filmischen Sinne) Weise Selbstmord, in einer Szene, die Haneke ohne jede Dramatik, mit kühler Distanz inszeniert und die mich mehr erschüttert hat, als vieles andere in Filmen.

4. ‚Alien‘: Das Wunder der Geburt

Kühl und distanziert ist an Ridley Scotts Inszenierung des berühmt-berüchtigten Moments, als der erste Xenomorph geboren wird nun gar nichts. Er wirkt heute aber noch genauso wie damals. Plötzlich, unfassbar blutig und auf schwer definierbare Weise grotesk.

3. ‚Misery‘: Annie Wilkes, mit dem Vorschlaghammer, im Schlafzimmer

Ich meine, wenn Ihr den Film kennt, brauche ich gar nicht mehr zu sagen. Ihr habt vermutlich schon Luft durch die Zähne eingesaugt, als Ihr nur den Titel gelesen habt. Selten gibt es eine Szene, die das Getriebe eines Films gemeiner vom zweiten in den fünften Gang prügelt. Es ist schwer zu glauben, dass das eine von Kathy Bates ersten größeren Filmrollen war. Ihre Präsenz hier ist allumfassend.

2. ‚Mulholland Drive‘: Das Grauen hinter Winkies

Wenn ich sage, dass David Lynch einer der wenigen Regisseure ist, der wirklich das Gefühl eines Alptraums einfangen kann, dann denke ich an diese Szene. Kurz zuvor hat ein Charakter seinen eigenen Traum und dessen furchtbares Finale beschrieben und  wiederholen sich die beschriebenen Ereignisse exakt. Es ist das genaue Gegenteil eines Jumpscares, es ist ein „Scare“ mit Ansage und das macht ihn nur umso effektiver.

1. ‚Titane‘: Auto-„Verkehr“ und das Ergebnis

Ganz ehrlich, die Tatsache, dass Agathe Rousselles Charakter Sex mit einem Auto hat, ist in der ersten Hälfte des Films vermutlich eines der am wenigsten schrecklichen Dinge, die sie tut. Aber vielleicht das Groteskeste. Aber es ist das Grand Final des Films, wenn die bis dahin bereits sehr sichtbare Konsequenz dieser Begegnung einsetzt. Ich beschreibe es hier nicht genauer, weil der Film noch recht neu ist. Aber man wartet die ganze Zeit darauf, dass es doch bitte so abgefahren werden möge, dass es albern und nicht mehr furchtbar ist, doch genau das passiert nicht. Weil es Julia Ducournau irgendwie gelungen ist, dass uns im Laufe des Films die furchtbaren Charaktere ans Herz gewachsen sind.

Newslichter Ausgabe diese Woche nicht

Willkommen bei keinem Newslichter diese Woche. Der fällt diese Woche nämlich aus. Das hat nix mit den öfters erwähnten Bauarbeiten zu tun, der laute Teil davon ist offenbar vorbei, das hat auch nix mit technischen Problemen zu tun. Es gab dieser Tage schlicht keine News, bei denen ich das Gefühl hatte, irgendwas Schlaues oder Lustiges dazu sagen zu können.

Darauf reagiere ich normalerweise damit, dass ich das Niveau noch einige Stufen weiter absenke und eine „Klatsch“-Folge bringe. Aber, meine Fresse, war da mal überhaupt nix Witziges dabei. Alles war traurig, oder auf eine Weise bizarr, die Humor schon eher unpassend wirken lässt. Ich habe das Gefühl, das schreibe ich in letzter Zeit immer, wenn ich eine solche Folge plane, hmm.

Was bleibt? Naja, nehmen wir doch einfach mal ein paar Newslichter Standardmeldungen und Textversatzstücke und falls Ihr diese Woche was Entsprechendes seht, könnt Ihr das einfach für Euch einfügen.

Weiterlesen

[80er/90er Jahre Franchise] erhält [Remake, Legacy-Sequel, Rebootquel, Spin Off oder wasauchimmer]

Oha, na also wirklich, ob [80er/90er Jahre Franchise] das gebraucht hätte? Ich meine, es kann funktionieren, ich sehe nur nicht, dass es wirklich nötig ist. Aber hey, wie sage ich immer so wahnwitzig clever? Kein Franchise wird jemals wieder sterben dürfen!

[Seltsames Videospiel] wird verfilmt

[Ich stelle jenes Videospiel ein wenig zu ausführlich vor] Und daher bin ich mir nicht sicher, ob ein Film über ein Spiel, indem man einen Joystick hin- und herwackelt um ein Männchen von rechts nach links laufen zu lassen wirklich allein eine Filmtrilogie tragen kann. Aber was weiß ich schon?

Disney!

Disney, wa? Boah, Disney! Nee ey, Disney! Monopol!

Warner?

Irgendwer weiß vermutlich warum Ihr tut, was Ihr tut…

Sony

Öh… Morbius?

VFX Künstler

Hey Hollywood, habt Ihr mal versucht, diese Leute wie Menschen zu behandeln?

Streaming, tot oder Zukunft?

Die Antwort liegt irgendwo dazwischen!

So, damit seid Ihr bestens ausgestattet, falls überraschend eines der Themen angesprochen wird und Ihr keinen Newslichter dazu lesen konntet. Nächste Woche gibt es aber wieder einen. Und wenn ich ihn mir aus den Fingern saugen muss!

‚Everything Everywhere All at Once‘ (2022) – Alle lieben Waymond

Die Daniels (Kwan und Scheinert), die vor einigen Jahren mit der grotesken Komödie ‚Swiss Army Man‘ überzeugten, sind wieder da. Und mit jeder Menge anarchischer Energie wollen sie uns dieses Mal gleich ‚Everything Everywhere All at Once‘ servieren. Erneut tun sie dies mit einer absurd komischen Geschichte hinter der sich nicht nur finstere Abgründe, sondern auch eine warmherzig-menschliche Botschaft versteckt.

Evelyn Wang (Michelle Yeoh) ist im Stress. Sie und ihr Mann Waymond (Ke Huy Quan), chinesische Immigranten in die USA, betreiben einen recht heruntergekommenen Waschsalon und leben in der Wohnung darüber. Doch nun ist Evelyns Vater (James Hong) pflegebedürftig und daher aus China übergesiedelt. Jener Vater, dessen Ansprüchen sie nie genügen konnte. Evelyn selbst tut sich derzeit schwer die lesbische Beziehung ihrer Tochter Joy (Stephanie Hsu) zu akzeptieren. Waymond trägt sich inzwischen mit Gedanken an Scheidung und über allem droht eine Steuerprüfung durch den Internal Revenue Service und die extrem humorlose Steuerprüferin Deirdre (Jamie Lee Curtis). Da überrascht es Evelyn durchaus, als Waymond sich, auf dem Weg zum Prüfungstermin, plötzlich als von einem anderen Selbst kontrolliert zu erkennen gibt und Evelyn mitteilt, dass all das bedeutungslos sein, da den zahllosen Welten des Multiversums, zwischen denen Reisen möglich sind, größte Gefahr droht. Und Evelyn ist die einzige, die es retten kann, da sie so viel Potential besitzt, nachdem sie aus ihren zahllosen Möglichkeiten nie etwas gemacht hat.

Die ersten paar Minuten des Films vermitteln eindrucksvoll den unaufhörlichen Stress von Evelyns Existenz. Kreative Kamerapositionen und frenetische Schnitte vermitteln schon fast in Musikvideostakkato, dass sie keine Sekunde zum Denken bekommt. Und das sorgt dafür, dass sie Fehler macht. Nicht nur bei ihrer Steuererklärung, sondern auch, wenn sie Joys Lebensgefährtin ihrem Vater als „gute Freundin“ vorstellt. Wenn sich plötzlich das Multiversum eröffnet, dann wirkt das fast wie ein Moment zum Atemholen, bevor der Stress größer denn je zurückkehrt.

Darin liegt das Thema des Films. Niemand hat Kontrolle über das eigene Leben. Und damit meine ich nicht einmal, dass wir einen Waschbär unter dem Hut haben der uns sagt, was wir tun sollen. Wir alle sind getrieben von äußeren Umständen, seien es Verpflichtungen gegenüber unserer Familie, Reglementierungen wie der Steuer oder schlicht Konsequenzen unserer Erfahrungen. Und der Film stellt zwei Symbole einander gegenüber für Wege, wie man dem Druck des Alltäglichen begegnen kann. Da ist auf der einen Seite der Bagel, ein schwarzer Ring um weißes Zentrum, der nihilistische Verzweiflung und das Ende allen Lebens repräsentiert und auf der anderen das Kullerauge, ein weißer Ring um schwarze Pupille, das allem auf das es geklebt wird Leben verleiht, selbst in einem Universum, in dem es kein Leben geben kann.

Viel mehr möchte ich zu den großen Themen gar nicht sagen, um den recht neuen Film nicht zu spoilern. Sie verbergen sich auch gar nicht groß hinter dem kreativen, dynamisch-anarchischen Filmemachertum. Der Film erinnert mich etwas an die kreative Energie der Jahrtausendwende. Wie ‚Matrix‘ verbindet er eine bodenständige Normalität mit einer größeren SciFi Welt. Die absurden Parallelwelten und die Sprünge zwischen ihnen erinnern an die Realitätsbeugung von Filmen wie ‚Being John Malkovich‘ oder ‚Vergiss mein nicht!‘.

Die Daniels waren besorgt, da ihnen in der Entwicklung schon einige Mainstreamfilme zuvorgekommen waren, was die Multiversumstheorie als popkulturelles Werkzeug betrifft. Doch kann man dort meist das Gefühl des Zynismus‘ nicht abschütteln. Dass es nur ein Weg ist Fanfavoriten für die nostalgische Auswertung zurückzuholen oder „wäre es nicht krass, wenn“-Geschichten zu erzählen, ohne mit deren Konsequenzen für das lukrative Franchise umgehen zu müssen. Hier ist das Multiversum ein ganz zentrales, erzählerisches Element, dass den Charakteren, allen voran natürlich Evelyn, erlaubt ihr eigenes Leben zu untersuchen und, in ihrem Fall, in eine existenzielle Krise zu geraten. Was wenn Dir interdimensionale Reisen plötzlich eröffnen, dass dieser leise, nagende Zweifel, dass all die Entscheidungen, die Du getroffen hast, die falschen waren sich plötzlich voll und ganz bewahrheitet? Das klingt nun vielleicht wie ‚Ist das Leben nicht schön?‘ in schwarzhumorigen Horror verkehrt und auf eine gewisse Weise ist es das auch, aber vor allem ist es erst einmal ein Film mit zahlreichen gelungenen Kung fu Kämpfen und jeder Menge absurden Humors.

 Auch das erinnert etwas an die Jahrtausendwende, die Daniels sind sich alles andere als zu schade, mit ihrem Humor unter die Gürtellinie zu zielen. Wenn Du Dich fragst, warum ein Ehrenpreis eine doch recht… erstaunliche Form hat, dann beantwortet der Filme das eine Stunde später, wenn ein Charakter mit blankem Hintern auf genau diesen preis draufspringt. Für das Reisen zwischen den Parallelwelten und dem damit verbundenen Übernehmen der Fähigkeiten der parallelen Existenzen, ist eine „statistisch unwahrscheinliche“ und damit meist groteske Handlung notwendig. Sei es einen Lippenpflegestift zu essen, sich selbst Papercuts zuzufügen, oder eben sich einen Ehrenpreis rektal einzuführen. Dieser Humor wird nicht für jeden sein, für mich funktionierte er größtenteils. Außer das Wurstfingeruniversum. Ich hasse das Wurstfingeruniversum und möchte es vergessen!

Ein derart wildes Konzept benötigt natürlich sehr starke Darsteller, um zu funktionieren. Nicht zuletzt deshalb, um die verschiedenen Versionen der Charaktere zu verkörpern. Michelle Yeoh ist dafür die ideale Hauptdarstellerin. Sie verbindet mühelos komisches Timing, Können im Kung Fu und den Kontrast etwa zwischen der brüchigen Autorität der „Haupt-Evelyn“ und der mühelosen Eleganz der „Filmstar-Evelyn“ (die, sicherlich nicht zufällig, einige Parallelen zu Yeoh aufweist). Es ist erstaunlich zu lesen, dass der Film einmal für Jackie Chan geplant war. Ohne meinen Respekt für den Mann auf irgendeine Weise schmälern zu wollen, er ist auf seinem Gebiet in Genie, aber ich glaube diese Story in einem Charakter verankern zu müssen, hätte ihn darstellerisch überfordert. Jamie Lee Curtis hat erkennbaren Spaß daran die herablassende Steuerprüferin im Fatsuit zu geben und später gar zu einer Michael Myers-esken Stalkerfigur (ohne Fatsuit) zu werden. James Hong ist immer gut, oder? Hier gibt er anfangs den liebenswürdigen Opa, der gern Pudding isst, entwickelt im Laufe der Handlung aber sinistere Züge, die fast an Lo-pan erinnern (wow, zwei Carpenter-Vergleiche…). Stefanie Hsu als Tochter Joy hat hier die vielleicht schwierigste Aufgabe. Sie ist, ohne zu viel zu verraten, die große Antagonistin, ist aber gleichzeitig ein Charakter, für den die Zuschauer Empathie empfinden müssen, damit die Handlung funktionieren kann. Ein Balanceakt, der ihr, meiner Meinung nach, sehr gut gelingt.

Die eigentliche Offenbarung des Films heißt aber Ke Huy Quan. War Shortround schon das Beste an ‚Der Tempel des Todes‘, hat Quan in den Jahrzehnten seiner Schauspielpause (als Stuntkoordinator und Produzent) so gar nichts an Charisma eingebüßt. Es überrascht kaum, dass er die Rolle bekam, zwei Wochen nachdem er sich wieder bei einer Schauspielagentur eingeschrieben hatte. Wenn Yeoh das erdende Zentrum der Geschichte ist, ist sein Waymond vermutlich das menschliche. Es scheint fast unmöglich diesen Charakter nicht zu mögen, der jederzeit aus jeder Situation das Beste zu machen versucht. Der ein ganzes Sicherheitsteam mit seiner Bauchtasche vermöbelt. Der großzügig bis zur Selbstaufgabe scheint. Und Quan gibt diesen Charakter auf eine Weise, die absolut glaubwürdig ist, die nichts Überzogenes hat. Ich bin sicher, wenn er möchte werden wir ihn in noch viel mehr in naher Zukunft sehen!

‚Everything Everywhere All at Once‘ gelingt das beinahe herkulische Kunststück eine absurde Komödie, SciFi, Kung Fu und ein Familiendrama in einen Film mit hyperagiler Musikvideoästhetik zu pressen und es nicht nur funktionieren zu lassen, sondern ein zutiefst berührendes Werk zu zaubern mit mindestens soliden, meist aber herausragenden darstellerischen Leistungen. Ich kann jetzt schon sagen, dass ich zu dem Film häufig zurückkehren werde. Und zwar mit großem Vergnügen! Außer ins Wurstfingeruniversum. Verfluchtes Wurstfingeruniversum.

‚Batman 89‘ – Keaton als Comic

Ich weiß nicht, ob Ihr’s schon wusstet, aber Nostalgie ist derzeit in der Popkultur ein ganz großes Ding. Das hat auch DC Comics gemerkt, die mit ihrer Comicreihe ‚Batman 66‘, die in der Kontinuität der alten, popartigen Batman Serie mit Adam West angesiedelt war, vor einigen Jahren kritischen und Publikumserfolg verbuchen konnten. Bereits damals, im Jahr 2015 versuchte Zeichner Joe Quinones, gemeinsam mit Autorin Kate Leth DC von einer ‚Batman 89‘ Reihe zu überzeugen, die in der Kontinuität der Tim Burton Filme spielen sollte. DC war gab sich nicht interessiert und äußerte 2019 nur, dass es mehrere Vorschläge für einen Burton-Batman Comic gäbe und ein solcher nicht ausgeschlossen sei. Es sollte aber noch bis 2021 dauern, bis Quinones sich wirklich an die Arbeit machen sollte. Allerdings nicht mit Leth als Autorin, stattdessen hat man bei DC Sam Hamm als Autor gewinnen können.

Hamm war der Autor des ersten Burton ‚Batman‘ Films von 1989. Für ‚Batmans Rückkehr‘ hat Burton, gemeinsam mit Autor Daniel Waters, Hamms ursprüngliches Skript soweit geändert, dass nur noch das Grundgerüst blieb. Und da man sich bei Warner, nicht zuletzt aufgrund von Protesten von Spielzeugherstellern, nach Burtons allzu wildem zweiten Film für eine neue Richtung unter Joel Schumacher entschieden hat, blieben einige angedachte Storyfäden Hamms in der Luft hängen. Da ist ein solcher Comic eine gute Gelegenheit die zu einem Ende zu führen. Und tatsächlich sind für diesen Comic nur ‚Batman‘ und ‚Batmans Rückkehr‘ Kanon, die Schumacher Filme werden ignoriert.

Der offensichtlichste Storyfaden, der nach Fortsetzung schreit, ist natürlich Billy Dee Williams‘ Harvey Dent aus dem ersten Film. Der nie die Gelegenheit bekommen hat zu Two Face zu werden. Der zweite ist Marlon Wayans als Robin. Der war bereits gecastet und bezahlt, es gab ein Kostüm, doch weil ‚Rückkehr‘ eh schon reichlich überfrachtet war, hat er es letztlich nicht in den Film geschafft. Beide stehen im Mittelpunkt des vorliegenden Comics.

Der beginnt einige Jahre nach ‚Batmans Rückkehr‘. Batman ist nachwievor in Gotham aktiv, doch die Kriminalität hat das nie wirklich gesenkt. Professionelle Gangster und gelangweilte Straßenschläger nutzen Joker-Makeup als Provokation oder Tarnung. Ihnen gegenüber stehen Vigilanten in Batman-Kostümen, die ihrerseits wenig besser sind. An Halloween kommt es zur Katastrophe. Eine Jokergang entführt mit Hilfe eines Lastenhelikopters zwei Geldtransporter. Der stürzt durch Eingreifen Batmans (des echten) ab, wodurch ein Wohnblock erheblich beschädigt wird und Menschen zu Schaden kommen. Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent hat genug: Batman muss weg! Zum Besten der Stadt. Und dazu muss zuerst einmal sein wichtigster Verbündeter, Polizeichef Jim Gordon, aus dem Weg. Mit seinen Beziehungen in Politik und Polizei, darunter seine Verlobte und Gordons Tochter Barbara Gordon, Sergeant der Polizei, gelingt es Dent, dass sich Gordon einem Misstrauensvotum stellen muss. Gleichzeitig stellt er Batman, zusammen mit der einberufenen Nationalgarde eine Falle, bei der weitere Menschen zu Schaden kommen. Bewohner des armen, afroamerikanischen Viertels Burnside. Geburtsort von Dent. Ein Viertel, das der junge Automechaniker Drake Winston als kostümierter Held beschützt. Denn Batman ist es offensichtlich egal.

Das obige Setup beschreibt vielleicht ein Fünftel der eigentlichen Story. Und damit sind wir vermutlich auch gleich bei einem der Probleme der Serie. Hamm will hier sehr viel und weiß offenbar nicht, ob er mehr als die hier im Sammelband veröffentlichten 6 Ausgaben Raum dafür bekommt. Wenn ‚Rückkehr‘ überladen war, platzt das hier quasi aus allen Nähten. Am meisten Raum bekommt Harvey Dent. Der ist von Anfang an ein zwiegespaltener Charakter, der einerseits seinen Einfluss nutzen möchte, um seiner Herkunft, Burnside, zu helfen, sich andererseits aber als zukünftigen Gouverneur sieht und bereit ist, einiges dafür zu tun. Das setzt sich natürlich perfekt fort im, von Quinones wunderbar Burton-esk designten, Twoface. Der nutzt seine Münze hier als eine Art Navigator durch ein Multiversum. Jede Entscheidung macht ein neues Universum auf. Zu Dents persönlichem Konflikt passt natürlich der soziale Konflikt zwischen dem armen Burnside und der stets korrupten Elite Gothams. Ein Konflikt, der in den 90ern aktuell gewirkt hätte und es heute immer noch tut. Batmans Schurkenverprügeln wird als das hilflose Heftpflaster entlarvt, das es ist. Und „Robin“, der nie direkt so genannt wird, hat erst Respekt für ihn übrig, als die Polizei ihn erneut jagt.

Daneben sollen aber auch noch die Charaktere von Bruce Wayne und James Gordon ein wenig ausgefüllt werden, Catwoman kommt zurück (Alfred hofft, dass sie ihre Katze wiederhaben möchte) und Barbara Gordon will eingeführt, als Charakter ausgefüllt und als möglicherweise zukünftiges Batgirl (aber nicht hier) positioniert werden. Dazwischen noch einige Actionszenen und wir haben einen Comic, der zeitweise arg hektisch von Geschehen zu Geschehen springt. Doch getragen wird das Ganze letztlich von der zentralen Figur Dents. Man könnte jetzt kritisieren, dass Batman von seinem Schurken hier völlig überschattet wird, aber das ist für die Burton-Ära letztlich nur folgerichtig.

Insgesamt fängt der Comic den Ton der Filme recht gut ein, einzig Burtons Schrägheit geht ihm weitgehend ab. Aber das ist vielleicht nicht überraschend, ist er doch in keiner Weise beteiligt. Ob Burton in den 90ern einen Film über Rassen/Klassen-Konflikt in Gotham gemacht hätte, darf man sich vermutlich zu Recht fragen, ist aber eher müßig, weil Warner da im Leben nicht mitgegangen wäre. Gelegentlich finden sich Anspielungen auf die größere Batman-Comic-Welt, einer der Joker Punks scheint etwa direkt ‚The Dark Knight Returns‘ entsprungen und beim gothamer Fernsehen arbeitet eine Psychotherapeutin, namens „Dr. Q“, die offenbar das Glück hatte, dem Joker hier nie begegnet zu sein.

Optisch habe ich am Comic wenig auszusetzen. Joe Quinones Gotham wirkt wie eine Mischung aus dem Burton-Gotham und dem der animierten Serie der 90er. Diese Mischung aus expressionistischen Gebäuden mit 80er Graffiti Patina. Aber gefiltert durch die grafische Reduktion der Serie. Er hat keine Angst davor sehr düster zu werden, scheut aber auch vor wilder Farbe nicht zurück. Es lassen sich immer wieder Anspielungen auf die alten Filme, aber auch auf Burton an sich ausmachen. So kann man an Halloween in den Kostümen der Passanten eine Menge seiner Charaktere entdecken. Wo Quinones aber wirklich glänzt, ist bei den Personen. Von Keatons Batman, Williams Dent, Pfeiffers Catwoman bis hin zu Pat Hingles Gordon (der hier allerdings jünger wirkt) oder Michel Goughs Alfred sind sie perfekt eingefangen, ohne wie allzu gewollte Karikaturen zu wirken. Drake ist natürlich einem jungen Marlon Wayans nachempfunden und Barbara Gordon hat erstaunliche Ähnlichkeit mit einer jungen Winona Ryder. Das Robin Kostüm gefällt mir sehr gut und Twofaces nicht allzu realistisches, sondern Burtonsches Design habe ich oben ja schon gelobt. Der einzige Fehlgriff für mich, ist die Veränderung von Catwomans Kostüm. Die ist dafür dann aber auch gleich mal ein richtiger Griff ins Klo.

Empfehle ich den Comic denn nun? Wenn Ihr ähnlich nostalgisch für die Burton Filme seid wie ich, dann vermutlich schon. Die Story ist reichlich überladen und will so viel, dass zwangsläufig das eine oder andere auf der Strecke bleibt. Das heißt aber auch, dass es ein ambitionierter Comic ist und kein ganz faules Nostalgie-Cash-In, das hier durchaus auch hätte herauskommen können. Ich hatte meinen Spaß, wurde nicht enttäuscht, bin aber auch von der Qualität nicht überwältigt. Wenn Ihr keine Fans der Burton Filme seid, wird Euch der Comic auch nicht bekehren. Und wenn ihr einfach bloß nostalgischen Batman wollt, greift zur ‚Batman 66‘ Reihe. Die fühlt sich insgesamt „entspannter“ an. Oder tanzt halt gleich den Batusi!

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Filme mit dem Thema Psychiatrie

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Filmen mit dem Thema Psychiatrie. Das ist gar nicht mal so einfach. Zumindest in meinem Kopf nicht. Weil ich nicht nur auf die Qualität des Films schauen will, sondern auch wie er die Institution der Psychiatrie und die Wirkung dieser Institution auf ihre Insassen beschreibt. Also kein ‚Schweigen der Lämmer‘, auch wenn der Film an sich sehr gut ist.

5. ‚The Sixth Sense‘

Okay, der Film erfüllt direkt den Anspruch der Frage, eine Psychiatrie darzustellen nicht. Aber dennoch ist M. Night Shyamalans erster (und immer noch bester) Film auf dieser Liste mMn. gut vertreten. Behandelt er doch die Beziehung zwischen einem besonderen Jungen und seinem (auf seine Weise, ebenfalls besonderen…) psychologischen Betreuers.

4. ‚Die Mächte des Wahnsinns‘

Und hier erfülle ich bestenfalls gerade eben meinen eigenen Anspruch der Darstellung der Institution Psychiatrie. Schließlich spielt dort nur die Rahmenhandlung und der Großteil des Films ist eine Rückblende von Sam Neills Insassen. Aber es war, mMn., Carpenters letzter wirklich guter Film und ich setze ihn hier auf die Liste. Ist schließlich meine Liste!

3. ‚Der Totmacher‘

Professor Ernst Schultzes Befragungen, als psychiatrischer Gutachter des Serienmörders Fritz Haarmann, werden hier anhand des Protokolls auszugsweise wiedergegeben. Damit sind wir weit am Anfang der Psychiatrie, wie wir sie heute kennen, und direkt in umstrittenem Gebiet. Spätere Kommentatoren werfen Schultze nämlich vor, von Anfang an gegen Haarmann befangen gewesen zu sein und ihn nicht unvoreingenommen schuldfähig gesprochen zu haben.

2. ‚I’m a Cyborg, But That’s OK‘

Bis Mitte der 2000er war Regisseur Park Chan-wook vor allem für seine Rachefilme, allen voran ‚Oldboy‘ berühmt. Seine seltsame, langsame, romantische Komödie um eine Psychiatrie-Insassin, die sich für eine Cyborg hält und einen anti-sozialen Kleptomanen ging daher ein wenig unter. Zu Unrecht, wie ich finde. Wie Regisseur Park sehr elegant über den Film sagt: „Liebe ist, den Anderen so zu akzeptieren, wie er ist.“

1. ‚Einer Flog Über Das Kuckucksnest‘

Das ist natürlich der Klassiker zum Thema. Und ja, einiges in Milos Formans Klassiker ist nicht so gut gealtert, das kann man ruhig dazu sagen. Und dennoch bleibt die gegen Institution und Establishment gerichtete zentrale Parabel vollkommen zeitlos.

Newslichter Ausgabe 208: Constantine zurück, Tom Cruise besiegt und Autorenn-wish-fullfillment

Willkommen bei Ausgabe 208 des Newslichters. „Good news, everyone!“, so verkündet Professor Farnsworth aus ‚Futurama‘ zumeist ziemlich schlechte Nachrichten. Ich habe aber tatsächlich gute. Bei mir ist kein Baulärm! Das liegt aber nicht etwa daran, dass die Arbeiten fertig wären, es ist schlicht kein Arbeiter aufgetaucht. Aber immerhin ist es leise. Also legen wir schnell los, bevor doch noch wer zu Schleifen beginnt!

‚Constantine‘-ische Wende

Discovery Warner bleiben ihrem Pfad der erstaunlichen Entscheidungen offenbar treu. Doch dieses Mal kommt dabei eine, zumindest für mich, erfreuliche, erstaunliche Entscheidung heraus. ‚Constantine‘ bekommt nach 17 Jahren ein Sequel! Der Film, in dem Keanu Reeves den okkultistischen John Constantine gab, der die Welt vor dem Zugriff von Dämonen schützt, nicht zuletzt um seine eigene, fraglos verdammte Seele zu retten, fiel bei der Kritik komplett durch und stieß auch beim Publikum auf nicht eben überwältigende Liebe. Aber wir ‚Constantine‘-Fans existieren (es gibt Dutzende von uns! Dutzende!!)! Ich bin jemand, der gerne zugibt, dass der Film aus einer Reihe von Stereotypen bestand, die sich in schlechten Dialogen unterhalten haben. Aber Darsteller wie Rachel Weisz, Tilda Swinton oder Peter Stormare hatten erkennbaren Spaß an der Sache, der sich auch auf mich als Zuschauer überträt. Und Keanus John Constantine mag wenig mit seiner Comicvorlage gemein haben, charismatisch war er trotzdem. Überhaupt entwickelte der Film eine sehr eigene Stimmung, die ich so nirgendwo anders wiedergefunden habe. Keanu Reeves war auch einer der wenigen, der seit Jahren schon ein Sequel wollte, geradezu darum gebettelt hat. Warum es gerade jetzt dazu kommt, wer weiß. Vielleicht weil späte Sequels gerade im Trend sind, vielleicht dank der von ‚John Wick‘ losgetretenen „Reevessaince“. Oder eben weil Discovery Warner halt machen was sie wollen und es besser ist, gar nicht zu versuchen, die Entscheidungen nachzuvollziehen. Neben Reeves kehrt auch Regisseur Francis Lawrence zurück, der mit ‚Constantine‘ sein Debüt hatte, inzwischen aber mit Filmen der ‚Tribute von Panem‘-Reihe einigen Erfolg verbuchen konnte. Das Drehbuch übernimmt, anders als beim Vorgänger, Akiva Goldsman (‚Batman & Robin‘, ‚Rings‘, ‚Der Dunkle Turm‘). Das verspricht wieder ein eher mäßiges Buch. Hoffentlich wird es aber erneut so unterhaltsam präsentiert wie beim ersten Mal. Ich freu mich jedenfalls einfach mal drauf!  

MÄH-ssion: Impossible?

Der erste Teil des Zweiteilers ‚Mission: Impossible – Dead Reckoning‘ war berüchtigterweise der Hollywoodfilm, der vermutlich am kältesten von der Covid-Pandemie erwischt wurde. Die Dreharbeiten in Venedig mussten im Februar 2020 abgebrochen werden und auch danach kam es immer wieder zu Unterbrechungen, die nicht nur das Budget auf fast 300 Millionen Dollar hochtrieben, sondern auch für Ausraster von Star Tom Cruise am Set sorgten. Da kann man nur hoffen, dass die Produzenten des zweiten Teils, der sich derzeit in Arbeit befindet, Schaf kalkuliert haben. Denn im Lake District, im Nordwesten Englands, bewies eine Herde von über 100 Schafen die alte Weisheit, dass das Gras auf der anderen Seite immer grüner ist. Sie brachen durch ein Tor, das ihre Futterwiese vom Set des Blockbusterfilms trennte und verteilten sich, unter Missachtung deutlicher Aufforderung und zum Amüsement der Darsteller um Cruise, zwischen Crew und Gerät. Freiwillig würden die Wiederkäuer, so viel war deutlich, keinen Mähter dieser aufregenden, neuen Wiese wieder aufgeben. Die Lektion für Superspion Ethan Hunt ist jedenfalls offensichtlich: du kannst es vielleicht mit globalen Terrororganisationen aufnehmen, aber krieg dich mit Shaun in die Wolle und du kannst dir das Schäfchenzählen sparen! Berichte, dass die bockigen Ruminanten letztlich von einem heroischen, Hollywood-affinen Schweinchen zurück auf ihre Wiese getrieben wurden, konnten bislang nicht bestätigt werden und wurden vermutlich soeben von mir erfunden.

‚Gran Turismo‘-Verfilmung

Ich wundere mich hier ja in letzter Zeit häufiger, über die Titel, die Studios als Kandidaten für Videospielverfilmungen auswählen. So war das vor einiger Zeit auch bei Sonys ‚Gran Turismo‘ der Fall. Die Rennspiel-Reihe ist für das relativ realistische Abbilden von Fahrzeugverhalten und Steuerung bekannt und bringt eigentlich nichts mit, was als Story in einem Film dienen könnte. Tatsächlich bedient man sich für die Story auch bei der Realität. Es soll nämlich eine fiktive Variante eines realen Geschehens erzählt werden. 2011 ermöglichten Sony und Nissan einem besonders talentierten, aus 90.000 Bewerbern ausgewählten Spieler von ‚Gran Turismo‘ den Einstieg in die Welt des echten Rennsports. Genau das soll auch im Film geschehen. Die erstaunliche Wahl als Regisseur für diesen Film, ohne jegliche SciFi Elemente, ist Neill Blomkamp. Den glücklichen Teenager und Rennneuling gibt Archie Madekwe (‚Midsommar‘), während David Harbour einen alten Rennveteranen mimt und Orlando Bloom den Marketing Menschen, der für das Ganze verantwortlich ist gibt. Das Ganze ist immerhin ein neuer Ansatz für eine Videospielverfilmung. Eine bei der das Spiel im Mittelpunkt steht, anstatt, dass der Film in der Welt des Spiels spielt.  

Wir sehen uns für die nächste Runde in einer Woche wieder!