Newslichter Ausgabe 18: ‚Shaun das Schaf‘ gehört nun der Arbeiterschaft, Mad Max fährt nicht mehr und Meisterdetektiv Ryan Reynolds ermittelt

Hallo zusammen, Zeit für einen neuen Newslichter. Und was für ein Newslichter das wird. Der erste, der sich womöglich mit „Fake News“ wird beschäftigen müssen. Hat sich Playboy Deutschland ein Ennio Morricone Interview aus den Fingern gesaugt? Dazu gute Neuigkeiten für Super Mario und schlechte für Mad Max. Die größte und traurigste Neuigkeit der Woche, der Tod von Stan Lee im Alter von 95 Jahren, wird keinen Platz im Newslichter finden, weil der flapsige Tonfall der Meldung nicht gerecht würde. Lasst mich hier einfach sagen, ich erinnere mich, wie ich mein erstes ‚Spider-Man‘ Heft bekommen habe. Ich war 9 oder 10 Jahre alt. Damals hieß das hier noch ‚Die Spinne‘. Darin las ich den Satz „Mit großer Kraft muss auch große Verantwortung einhergehen“. Eine These, die in ihrer simplen Weisheit vermutlich die Beste im gesamten Superheldencomictum ist. Danke Stan. Und jetzt legen wir los.

 

Super Mario Bros Film von „Minions“ Studio Illumination

https://screenrant.com/super-mario-animated-movie-release-date/

Wah-Huh! It’s-a him! That plumber! In den nächsten vier Jahren steht uns ein Animationsfilm um die italo-amerikanischen Klempner-Brüder mit Hang zum Prinzessinnenretten ins Haus. Shigeru Miyamoto, der Erfinder des Schildkrötenstampfers soll dabei eng in die Produktion involviert werden. Das klingt so als könne dieser Film endlich das Mundwasser werden, das den ranzigen Geschmack der schimmlig-düsteren Verfilmung von 1993 mit Bob Hoskins vertreibt. Illumination CEO Chris Meleandri betont jedenfalls die Schwierigkeit in relativ flachem Material genug Tiefe zu finden, ohne dabei die Essenz so sehr zu verwässern, das Fans sie nicht mehr erkennen. Hoffen wir, dass es gelingt.

 

Ein neuer Mad Max Film ist im Moment äußerst unwahrscheinlich

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18521839.html

Nach dem großartigen ‚Mad Max: Fury Road‘ haben sich viele Fans auf mehr aus George Millers postapokalyptischer Welt voll Guzzoline und Wegen nach Walhalla gefreut. Tatsächlich hatte der Australier auch schon einen fünften Teil ‚Mad Max: Wasteland‘ in Planung. Doch nun hat er sich einem anderen Projekt, dem Fantasyfilm ‚Three Thousand Years of Longing‘ zugewandt. Der Grund dafür ist leider ein unschöner. Miller und seine Produktionsfirma verklagen Warner. Die schulden Miller, nach eigenen Angaben noch eine Prämienzahlung über 7 Millionen. Warner sagt, sie würden die einbehalten, weil Miller das Produktionsbudget überzogen habe, was der wiederum bestreitet. Nun kann George Miller keinen neuen Mad Max drehen, weil Warner die Rechte hält und, da der Film bei aller positiven Aufnahme, kein Supererfolg an der Kasse war, ist auch von Seiten Warners nicht mit einer Fortsetzung zu rechnen. Letzteres ist wahrscheinlich auch ganz gut so.

 

Hänsel und Gretel und der Horror im Wald

https://screenrant.com/hansel-gretel-movie-filming-start-synopsis/

5 Jahre ist ‚Hänsel und Gretel: Hexenjäger‘ jetzt her. Der Film adaptierte das klassische Märchen der Brüder Grimm mit Action- und Horrorelementen. Und der Trailer sah grausig genug (auf die schlechte Weise) aus, dass ich ihn nie gesehen habe. Nun soll es eine neue Horroradaption des Stoffes geben. Bei dem das Geschwisterpaar im dunklen Wald nicht nur auf eine kannibalistische Hexe trifft, sondern auf einen ganzen Zirkel. Auf einen “Nexus entsetzlichen Bösen“ gar. Ich weiß nicht, ob die guten Castingmeldungen allein bei mir Interesse am Film wecken würden, ‚ES‘ Darstellerin Sophia Lillis als Gretel und Alice Krige als eine der Hexen, aber gemeinsam mit dem Regisseur tun sie es. Osgood Perkins zeichnet verantwortlich. Und eine Märchenumsetzung scheint nach seinem letzten Film ‚Die Tochter des Teufels‘ ebenso merkwürdig wie offensichtlich, dass ich tatsächlich gespannt auf den Film bin.

 

Ennio Morricone nennt Quentin Tarantino (k)einen Kretin?

https://www.musikexpress.de/angebliches-fake-interview-ennio-morricone-will-den-deutschen-playboy-verklagen-1152207/

Wenn man Playboy Deutschland glauben möchte, dann hat sich Filmmusiklegende Ennio Morricone in einem Interview mit dem Magazin ordentlich über Quentin Tarantino ausgelassen. Nicht nur waren die Arbeitsbedingungen bei ‚Hateful Eight‘ furchtbar, er hatte viel zu wenig Zeit, auch seien Tarantinos Filme Müll und der Filmemacher selbst ein Kretin, der sich sein Material aus älteren, besseren Filmen zusammenklaut. Hollywood sei ohnehin aufgeblasener Unsinn und die Oscars peinlicher Firlefanz.

Wenn man Ennio Morricone glauben möchte, dann hat er nicht nur nichts davon je gesagt, er hat sogar Playboy Deutschland nie ein Interview gegeben. Er ist stolz auf seinen Oscar und ist froh, dass Tarantino ihm diese Möglichkeit gegeben habe. Da er die Sache seinen Anwälten übergeben hat, werden wir hoffentlich bald genaueres wissen.

Meine persönliche Einschätzung ist, dass mich die Äußerungen von Morricone sehr wundern würden. 1. war er bei der Arbeit an ‚Hateful Eight‘ 87 Jahre alt und hätte sie sicher nicht mehr nötig gehabt. 2. war es die zweite Zusammenarbeit mit Tarantino, nachdem er bereits zu ‚Django Unchained‘ ein Lied beigetragen hat. Warum sollte er das tun, wenn er Tarantino so verachtet? 3. Morricone hat schon immer nur nach seinen eigenen Bedingungen gearbeitet, Regisseuren gesagt, was er schreibt und was nicht, ich bezweifle stark, dass sich das mit Mitte 80 geändert hat.

Aber wer weiß, vielleicht ist Tarantino als „Chef“ unerträglich genug, dass er sich solche Äußerungen hat entlocken lassen.

[Update] Nun hat sich Playboy Deutschland noch vor Erscheinen des Newslichters geäußert. Das Interview habe definitiv stattgefunden, das könnten Mitarbeiter des Konzertveranstalters Semmel Concerts bestätigen, die ebenfalls anwesend waren. Morricone hat sein Statement insoweit angepasst, als dass er die Existenz des Interviews nicht mehr anzweifelt. Die Aussagen seien aber nachwievor unwahr.

https://www.musikexpress.de/umstrittenes-interview-der-deutsche-playboy-wehrt-sich-gegen-ennio-morricone-1152837/

 

Die Arbeiter übernehmen die Mittel der Knetproduktion

https://news.avclub.com/cracking-toast-comrade-aardman-animations-belong-to-t-1830359455

Das britische Stop-Motion Animationsstudio Aardman gehört nun zu drei Vierteln seinen Mitarbeitern. Dies geschah auf Betreiben der Gründer und bisherigen Alleineigentümern Peter Lord und David Sproxton, die das Studio in den 70ern, noch während sie auf der Uni waren, gründeten. 75% der Studioanteile würden nun von einer Stiftung im Namen der Mitarbeiter verwaltet, während das letzte Viertel im gemeinsamen Besitz der Gründer bleibt. Die Stiftung ist ein Weg, um Aardmans Unabhängigkeit für den Zeitpunkt zu bewahren, wenn sich Lord und Sproxton aus der aktiven Arbeit zurückziehen. Aardman soll kein “Asset“ werden, das gehandelt wird, sondern eines der größten, unabhängigen Animationsstudios der Welt bleiben. Im Vorstand der Stiftung soll unter anderem ‚Wallace & Gromit‘ und ‚Shaun das Schaf‘ Erfinder Nick Park Platz nehmen.

 

‚Pokémon Meisterdetektiv Pikachu‘ als Realfilm

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18521983.html

Ich weiß quasi nichts über Pokermans. Aber, wer einen Realfilm sehen möchte, in dem Ryan Reynolds eine kleine gelbe Fellkugel mit Sherlock Holmes Kappe spielt, die sprechen kann, aber nur von einer Person verstanden wird (alle anderen hören nur „Pika Pika“) und die, vermutlich, Verbrechen löst, hat jetzt die Möglichkeit dazu. Viel Spaß, glaub ich.

Das war‘s für heute. Bis nächste Woche.

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‚No Turning Back‘ (2014)

Vor gut 20 Jahren gab es mehr oder weniger eindeutige Regeln, was ein Stoff für das Kino und was ein Stoff fürs Fernsehen ist. Ein Mann fährt Auto und telefoniert dabei, wäre vermutlich im Bereich Fernsehen gelandet. Autor und Regisseur Steven Knight (übrigens Miterfinder von „Wer wird Millionär“, kennt sich also definitiv mit Fernsehen aus) beweist mit ‚No Turning Back‘ (OT: ‚Locke‘), dass man diesem Material aber durchaus cinematische Aspekte abgewinnen kann.

Ivan Locke (Tom Hardy) ist Vorarbeiter auf einer Großbaustelle in Birmingham. Er gilt als verlässlich, vielleicht sogar überkorrekt. Am nächsten Morgen soll ein gigantisches Fundament gegossen werden. Am Abend wollte er eigentlich mit seiner Familie ein Fußballspiel schauen. Doch dann ruft ihn die Frau an, mit der er vor einigen Monaten auf einer Dienstreise fremdgegangen ist. Ihr gemeinsames Kind wird diese Nacht zur Welt kommen – 2 Monate zu früh und sie hat Angst. Ivan tut das in seinen Augen einzig Richtige. Er fährt zu ihr nach London.

Der Film zeigt quasi in Echtzeit die 1 ½ Stunden Fahrt von Birmingham nach London und wie Lockes geordnetes Leben währenddessen am Telefon implodiert. Seine Frau will ihn nie wieder sehen, er wird entlassen, sein Ersatz ist ein planloser Trinker, der die morgige Aktion kaum bewerkstelligen kann. Locke ist in seinem immer klaustrophobischer werdenden Wagen gefangen, kann den Hiobsbotschaften aus der Freisprechanlage nicht entgehen so schnell er auch fährt. Gelegentlich scheinen die Bilder ein wenig offensichtlich, wenn der korrekte Locke von stabilen Fundamenten spricht, während seine Entscheidungen dafür gesorgt haben, dass er nun durch eine finstere Leere einzig unterbrochen von fragmentierten Lichtern rast. Das hat für mich allerdings sehr gut funktioniert. Die einzigen Momente, in denen der Film mich zu verlieren drohte, waren die in denen Locke mit seinem toten Vater im Rückspiegel einseitige Zwiesprache hielt. Das schien mir wie ein ebenso verzweifelter, wie überflüssiger Versuch Lockes Charakter noch eindeutiger zu machen, zu unterstreichen, wie sehr in sein eigener Fehltritt Monate zuvor erschüttert hat, ohne aber seinen moralischen Kompass zu beeinträchtigen. Das sind jedoch nur zwei oder drei kurze Szenen im Film, die absolut nichts daran ändern, dass mich der Film sehr berührt hat.

Was man Knight vermutlich wirklich hoch anrechnen muss, ist dass er es vollständig dem Zuschauer überlässt Lockes Verhalten zu bewerten. Man könnte sicherlich argumentieren, dass dadurch, dass Locke der einzige Charakter ist, den wir im Film zu sehen bekommen, alle anderen nur Stimmen am Telefon sind, seine Argumentation automatisch die Stärkere sei, allerdings ist er letztlich eine Charakter, der vor allem mit sich selbst Zwiestreit ist.

Hardy legt seinen Locke weit zurückgenommener als viele seiner anderen Rollen an. Gelegentlich scheint er fast robotisch seinen moralischen Imperativen zu folgen, wird aber immer wieder von seiner eigenen menschlichen Fehlbarkeit unterwandert. Ihm gelingt jedenfalls, was ihm gelingen muss, den Zuschauer für knapp 90 Minuten gefangen zu nehmen mit einer annähernd hypnotischen One-Man-Show.

Der einzige, mit ‚No Turning Back‘ vergleichbare Film, den ich hier besprochen habe, wäre wohl Jafar Panahis ‚Taxi Teheran‘. In der direkten Gegenüberstellung zeigen sich aber mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten. Während die Beschränkung des Handlungsortes bei Panahi aus ganz reellen Gründen der Sicherheit geschah, ist es bei Knight eine gewollte dramatische Reduktion, ein Experiment (oder, wenn man böse sein will, ein Gimmick). Während bei Panahi jederzeit das Leben ins Taxi wehen konnte, scheint es bei Knight  über die Zeit immer mehr zu entweichen. Oder kurz: bei Panahi scheint die Sonne, bei Knight ist es Nacht.

‚No Turning Back‘ ist sicherlich kein Film für jeden. Die einen werden sich entsetzlich langweilen, einem Mann 90 Minuten lang beim Telefonieren zuzusehen, die anderen (und zu denen zähle ich mich) sehen eine tiefe Charakterstudie, eine Meditation, was Maskulinität in der heutigen Welt bedeutet oder bedeuten kann. Ein sehr guter Film, mit einem sehr guten Hardy*. Ein gelungenes Experiment.

 

* Frage: ist Tom Hardy der Schauspieler, der am häufigsten mit sich selbst spricht? Hier in den Szenen mit seinem Vater, in ‚Legend‘ sowieso und derzeit wohl auch in ‚Venom‘…

Und sie dreht sich noch: DVD, ein Format ist kaum zu bremsen

22 Jahre alt ist sie dieses Jahr geworden, die DVD1. In Deutschland bringt sie es zwar erst auf 20 Jahre, darf damit aber auch schon Alkohol kaufen, Auto fahren und alle Filme gucken, die sie möchte. Ich nehme dieses Datum einfach einmal zum Anlass, um einen Blick auf den Erfolg eines Mediums zu werfen, das 13 Jahre nach der Einführung seines Nachfolgers und dem häufig verkündeten Ende der physischen Medien, immer noch der Platzhirsch auf dem Videomarkt ist. Beginnen wir mit einem kleinen Rückblick auf die Geschichte dieses Heimvideomarktes. Weiterlesen

Die 5 Besten am Donnerstag: Die 5 besten Musikfilme

Willkommen zu den 5 Besten. Heute wird es wieder einmal musikalisch. Nach den 5 besten Musikfilmen fragt uns Gorana heute. Und stellt damit mal wieder eine alles andere als leichte Aufgabe. Weil man die Filme relativ schwer vergleichen kann, ist die Aufzählung mal wieder nicht wirklich als wertend zu betrachten.

  1. ‚School of Rock‘ (2003)

Ein bestens aufgelegter Jack Black, Kinder, die tatsächlich wirken wie Kinder und gute Musik. Sicherlich nicht Richard Linklaters größter Wurf aber ein höchst unterhaltsamer Film, den ich immer wieder schauen kann.

  1. ‚Amadeus‘ (1979)

Ein Film um Genie, Neid und Wahnsinn. Lustig, charmant und rührend zugleich. Und F. Murray Abrahams Antonio Salieri darf, wenn schon nicht in der Riege der größten Komponisten, doch immerhin in der Riege der besten Film-Antagonisten Platz nehmen.

  1. ‚Singin‘ in the Rain‘ (1952)

Für mich das quintessentielle Hollywood-Musical. Die Handlung um Stummfilmdarsteller, die mit dem neuen Medium des Tonfilms zurechtkommen müssen, war damals vermutlich noch nostalgisch, heute wirkt sie weit entfernt und doch ist der Umgang mit neuer Technik ein ständiges Thema. Letztlich ist es aber auch ein augenzwinkernder Blick auf den Hollywoodbetrieb selbst. Die Musik geht ins Ohr und zumindest im Falle des Titelsongs auch nie wieder raus.

  1. ‚Good Vibrations‘ (2013)

Ein hochsympathischer Film um den Belfaster DJ Terri Hooley und seinen Musikladen/sein Musiklabel „Good Vibrations“ mit dem er lokale Bands groß rausbringen wollte. Dem Film gelingt es Hooley zu einer liebenswerten Figur zu machen ohne ihn zu verklären. Und ein Feelgood Film zu sein, ohne die Situation in Belfast in den 70ern zu beschönigen. „When It comes to punk: New York has the haircuts, London Has the trousers, but Belfast has the Reason!“

  1. ‚Blues Brothers‘ (1979)

Irgendwie gelingt es dem Film die Reise von Jake und Elwood Blues nicht wie eine Karaoketour wirken zu lassen, sondern wie wirkliche Verehrung für schwarze, amerikanische Musik. Dabei helfen sicherlich Gastauftritte von Größen wie James Brown, Ray Charles oder Aretha Franklin. Und auch abseits der Musik ist die Geschichte der Brüder Blues, die von Illinois Nazis, einer mysteriösen Frau und einer Country-Western-Band aufs Korn genommen werden äußerst unterhaltsam.

 

 

Newslichter Ausgabe 17: Klassiker werden neu aufgelegt, Will Smith hat 30 Jahre alte Alpträume und Freddy Krueger macht Halloween herbstlich

Willkommen zum neuesten Newslichter. Heute erwartet Euch eine Reihe Meldungen, die allesamt keine besonders große Tragweite haben, aber für sich genommen durchaus unterhaltsam sind… kommt es mir nur so vor, oder werden meine Einleitungen immer schlechter? In einem Monat steht hier wahrscheinlich nur noch “och, es gibt eigentlich keinen Grund weiterzulesen“. Solltet Ihr das dennoch tun wünsche ich viel Vergnügen.

 

Guy Ritchie dreht Gangsterfilm

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Zur Jahrtausendwende gab Regisseur Guy Ritchie dem britischen Kino mit Filmen wie ‚Bube, Dame, König, Gras‘ oder ‚Snatch‘ neue Impulse. Je nachdem, was man von ihm hält, kann man argumentieren er habe den Gangsterfilm neu erfunden, oder aber Tarantino mit britischen Dialekten nachgeäfft. Nun kehrt er jedenfalls, nach langer Abwesenheit beim Blockbuster, zu dem Genre zurück, das ihn groß gemacht hat. In ‚Toff Guys‘ („Toff“ ist Slang für Aristokraten) trifft alter europäischer Geldadel auf den „modernen Marihuana-industriellen Komplex“. Neben Matthew McConnaghey und Kate Beckinsale soll auch Hugh Grant eine Rolle übernehmen. Ich vermute es verstößt gegen das Gesetz einen Film mit einem Namen wie „Toff Guys“ zu machen und Grant keine Rolle zu geben, so sehr scheint das auf ihn zugeschnitten. Versucht man es klopft vermutlich ein derart traditioneller Bobby an die Tür, dass er sogar Bobby heißt.

 

‚Gladiator 2‘ kommt

https://screenrant.com/gladiator-2-ridley-scott-writer/

Leider zerschmettert Ridley Scott direkt meine Hoffnungen, er könnte das wunderbar wahnsinnige Drehbuch von Nick Cave umsetzen, in dem Maximus von den römischen Göttern wiederbelebt und zu so etwas wie dem Avatar des Krieges durch die Zeitalter wird. Stattdessen wird es wohl eine deutlich bodenständigere Geschichte um Lucius, den Neffen von Commodus, der durch dessen Tod seiner Ermordung entging. Im Drehbuch von Scott und Autor Peter Craig (‚Die Tribute von Panem – Mockingjay 1+2‘) soll dieser, inzwischen erwachsen, die Hauptrolle übernehmen. Ich vermute man darf erwarten, dass er an irgendeinem Punkt seines Lebens mehr oder weniger freiwillig zum Gladiator wird…

 

‚ES‘ Regisseur verfilmt ‚Die Zeitmaschine‘ neu

https://screenrant.com/andy-muschietti-time-machine/

Es gibt Filme, die werden zur definitiven Umsetzung ihrer Vorlage. Ein solcher Fall ist für mich George Pals ‚Die Zeitmaschine‘ von 1960, auch wenn der die Vorlage von H.G. Wells eher frei umsetzt. Doch wenn ich den Begriff „Zeitmaschine“ höre, denke ich an das elegante, viktorianische Design des Geräts des Wissenschaftlers aus dem Film. Oder an einen DeLorean. Nach Stephen Kings ‚ES‘ also eine weitere Literaturumsetzung für Andy Muschietti, der damit sein übliches Genre des Horrors verlässt. Andererseits hat aber auch ‚Die Zeitmaschine‘ genug unheimliche Elemente an denen er sich austoben könnte, wenn er will. Ich bin gespannt.

 

Bonnie & Clyde rauben wieder

https://screenrant.com/bonnie-clyde-love-gun-movie-grace-moretz/

Es gibt Filme, die werden zur definitiven Umsetzung ihrer Vorlage. Ein solcher Fall ist für mich Arthur Penns ‚Bonnie & Clyde‘ von 1967, auch wenn der die wahren Begebenheiten um das Bankräuberpärchen Bonnie Parker und Clyde Barrow eher frei umsetzt. Doch wenn ich „Bonnie & Clyde“ höre, denke ich sofort an Warren Beatty und Faye Dunaway. Es spricht vielleicht für den Status des Films, dass seit seinem Erscheinen sich kein weiterer Kinofilm des Themas angenommen hat. Das soll sich nun ändern. In ‚Love is a Gun‘ übernehmen Chloe Grace Moretz und Jack O’Connell die Rollen des Gangsterpaars. Die Regie übernimmt der Spanier Kike Maíllo (‚Eva‘). Der Film wird bei mir definitiv Überzeugungsarbeit leisten müssen, zu sehr sind die Namen für mich mit dem Penn Film verbunden.

 

„GORDON’S ALIVE?!“

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18521801.html

Es gibt Filme, die werden zur definitiven Umsetzung ihrer Vorlage. Ein solcher Fall ist für mich Mike Hodges ‚Flash Gordon‘ von 1980, auch wenn… okay, okay, ich hör ja schon auf damit. Es soll eine neue Umsetzung des Comic- und Serialstoffes aus den 30er Jahren geben. Vermutlich wird Flash (Aaaah Aaaah!) auch diesmal wieder jeden einzelnen von uns vor den finsteren Machenschaften Mings des Gnadenlosen retten. Auf dem Regiesessel nimmt dabei Julius Avery Platz, dessen Zombienazifilm ‚Operation Overlord‘ derzeit in den Kinos zu sehen ist. Mit Pulp kennt sich der Mann also definitiv aus. Ich glaube zwar nicht, dass der Film die 80er Variante für mich wird schlagen können (allein der „Queen“ Soundtrack ist ein kaum einzuholender Vorteil), aber ich bin dennoch gespannt, wie eine moderne Umsetzung des Materials aussehen könnte.

 

Will Smith ‚Nightmare On Elmstreet‘ Musikvideo nach 30 Jahren aufgetaucht

Okay, jetzt wird es merkwürdig. Das Hip-hop Duo „DJ Jazzy Jeff & the Fresh Prince“ haben 1988 den Song „A Nightmare On My Street“ aufgenommen. Hinter dem Fresh Prince verbirgt sich natürlich Will Smith. Der Song war für den Film ‚Nightmare On Elmstreet 4‘ gedacht, wurde aber letztlich nicht verwendet. Eine Single des Songs erschien zwar – mit ausdrücklichem Hinweis, dass der Songs nichts mit dem Freddy Krueger Horror-Franchise zu tun habe, doch ein fertiges Musikvideo wurde, soweit bislang bekannt, zerstört. Doch nun ist es auf dem Youtube Kanal „Nancy Thompson“ aufgetaucht. Zwar in miserabler VHS Qualität, aber dennoch ein spannendes Artefakt. Das Video ist im Stile einer Traumsequenz gedreht. Robert Englund als Freddy Krueger taucht jedoch nicht auf, dafür eine merkwürdige Cyberkreatur im Lederdress. Aber seht selbst:

 

Freddy bringt den Herbst

https://screenrant.com/halloween-movie-1978-robert-englund/

Und wo wir gerade von Robert Englund sprechen, der hat letztens in einem Interview seine Beteiligung an einem weiteren berühmten Horrorfranchise beschrieben: ‚Halloween‘. Für den originalen Film von 1978 hat ihn sein damaliger WG-Genosse zu einem Tagesjob mitgeschleppt. Sie haben gelb-rotes Laub aus großen Säcken am Set verteilt, um die Szenerie herbstlicher wirken zu lassen. Ob Englund bei der Arbeit einen grün-rot gestreiften Pulli und einen Hut trug ist hingegen nicht bekannt.

So, das war‘s für heute. Mehr News gibt’s wie immer nächste Woche.

‚La La Land‘ (2016) – „Not a Spark in Sight“

Ich mag Musicals, ich mag Damien Chazelles ‚Whiplash‘, ich mag Filme die (wenn in diesem Fall auch nur am Rande) sich mit Filmemachen beschäftigen. Es ist also bestenfalls seltsam, dass es so lange gedauert hat, bis ich endlich zu ‚La La Land‘ gekommen bin. Jeder schien den Film zu mögen, dann gewann er bei den Oscars und plötzlich wurden Stimmen laut, dass er so toll doch nicht sei. Das kommt mir bekannt vor. Bei ‚Chicago‘ (2002) war es ganz ähnlich und den finde ich zumindest unterhaltsam. Also, mal sehen wie ‚La La Land‘ bei mir abschneidet (ich könnte die Songzeile in der Überschrift schließlich auch nur ganz zufällig gewählt haben…).

Mia (Emma Stone) und Sebastian (Ryan Gosling) begegnen sich das erste Mal am Ende eines Verkehrsstaus in Los Angeles. Diese erste Begegnung besteht aus aggressivem Hupen und erhobenen Mittelfingern. Einige weitere zufällige Begegnungen sind nötig, damit Funken fliegen können. Mia ist angehende Schauspielerin die sich durch die zermürbenden Mühlen erfolgloser Vorsprechen quält. Sebastian ist Musiker und Jazzfanatiker, der allerlei Musik-Gelegenheitsjobs annehmen muss. Sein eigentlicher Traum ist aber ein eigener Jazzclub. Mia hingegen beginnt an einem eigenen Ein-Frau-Theaterstück zu arbeiten. Werden die beiden, nicht eben zu Kompromissen bereiten, Charaktere, ihre professionellen Träume und ihre Beziehung vereinbaren können?

Der Film beginnt mit einer großartigen Szene: ein Stau auf einem gigantischen Freeway-Overpass irgendwo in L.A.. Plötzlich beginnen Menschen, alt und jung, aus den Autos zu steigen, zu singen und zu tanzen. Eine Explosion von Bewegung und Farbe gegen das stehende Grau der Blechlawine mit einer Kamera, die hierhin und dorthin saust. Eine Reminiszenz und Brücke zu den Musicals der 50er, als hätten die niemals aufgehört. Es sollte die beste Szene des Films bleiben.

Das liegt keineswegs daran, dass Chazelles Inszenierung nachließe. Was er in Sachen Farbgebung und Bildkomposition abliefert ist durchaus beeindruckend. Auch die die Gesangs- und Tanznummern bleiben gut inszeniert, den Höhepunkt bietet vielleicht eine Sequenz im Griffith Observatorium, die im wahrsten Sinne des Wortes die Schwerkraft außer Kraft setzt. Nein das Problem liegt weder an Technik noch Inszenierung, sondern an anderer Stelle. Etwa an der Tatsache, dass der Film gelegentlich beinahe betrunken an seiner eigenen Nostalgie wirkt. Nicht nur auf Musicals wird Bezug genommen, nein das ganze „goldene Hollywood“ bekommt den Bauch gepinselt, von ‚Casablanca‘ bis ‚… denn sie wissen nicht, was sie tun‘. Das kann gelegentlich etwas anstrengen. Weit größer ist aber das Problem beim „Gefühl“, bei den Charakteren.

Chazelle ist interessiert an Charakteren mit einer absolut zielstrebigen kreativen Ambition (man könnte wohl auch Besessenheit sagen) und was das mit ihrem Leben macht. In ‚Whiplash‘ war das Miles Tellers Charakter, der sich die Finger blutig trommelt, hier sind es sowohl Stone, die sich wieder und wieder in die seelenvernichtenden Vorsprechen stürzt und Gosling, der Musik spielen muss, die er nicht als reinen Jazz betrachtet. Das Problem für mich ist hier, dass die Charaktere nicht genug Charaktere sind. Sie sind Chiffren, Symbole, die nur im Moment der Szene zu existieren scheinen. Insbesondere über Mia erfahren wir absolut nichts, was über ihre Ambition hinausgehen würde. Sie schreibt, produziert, inszeniert ein Ein-Frau-Theaterstück. Wir sehen, wie sie ein paar Worte schreibt und ein paar Szenen später die Nachwirkungen des Stücks. Wir sehen sie zu Hause bei ihrer Familie und erfahren nichts über das Familienleben. Alles was nicht direkt mit ihrer Ambition oder ihrer Beziehung mit Sebastian zu tun hat wird rigoros ignoriert.

Sebastian selbst kommt etwas besser weg. In einer Szene taucht seine Schwester auf, die uns ein wenig Exposition gibt und dann aus dem Film verschwindet. Aber Sebastian redet viel, sehr viel. Fast immer über Jazz. Dabei gleitet der Film gelegentlich ins Komische ab, anscheinend ohne es zu merken: Mia sagt, bei ihr zu Hause würde Jazz nur als Hintergrundberieselung für Gespräche auf Parties verwendet. Seb ist empört und schleppt sie in einen Jazzclub. Hier erklärt er lang und breit den Jazz. Und eine Band spielt dazu – als Hintergrundberieselung. Als Gag wird das dabei nicht inszeniert. Dadurch, dass die Charaktere eben nur wie Symbole wirken, wurde zumindest mir der Film vor allem sehr, sehr langweilig.

Es spricht sicherlich für Emma Stones Talent, dass es ihr beinahe gelingt aus diesem absoluten Nichts etwas zu machen. In einigen Szenen wirkt sie lebendiger und wahrhaftiger als alles um sie herum. Und ihre Vorsprechen sind kleine Meisterwerke der Schauspielerei. Überrascht hat mich hingegen Ryan Gosling. Dem habe ich hier ja schon häufiger 50er Jahre Hollywoodstar-Qualitäten unterstellt, so müsste er gerade in diesem Film eigentlich wie in seinem Element sein. Doch bleibt sein Sebastian absolut flach. Er legt einige Manierismen an den Tag, die einfach nur merkwürdig aufgesetzt wirken, bei diesem Charakter, den man problemlos auch durch ein Jazzlexikon ersetzen könnte. Beide sind sicherlich nicht Fred Astaire und Ginger Rogers was Tanz angeht, aber das ist völlig in Ordnung, sie sollen ja auch nur ganz „normale“ Menschen darstellen. Ihr Gesang ist ebenfalls durchgehend mindestens passabel.

Ach ja, das erinnert mich an etwas, das ist ja ein Musicalfilm. Wie sind also die Songs? Wenn ich ganz ehrlich bin, ich weiß es nicht. Während ich das schreibe ist es vier Tage her, dass ich den Film gesehen habe. Würde mir jemand eine Pistole an den Kopf halten und mich zwingen einen der Songs aus dem Film zu summen, müsste ich mich wohl meinem Schicksal ergeben. Während ich sie gehört habe waren sie völlig in Ordnung, aber hängengeblieben ist absolut nichts. Das kann an meiner Unmusikalität liegen, doch normalerweise bleiben wenigstens ein oder zwei Songs eines guten Musicalfilms bei mir hängen.

Was bleibt ist ein sehr hübscher, sehr langweiliger Film mit einer Hauptdarstellerin, die das Beste aus dem Gegebenen macht und einem talentierten Hauptdarsteller, der völlig im Material untergeht. Mit Songs, die zumindest ich mir nicht merken kann. Nein, ich kann die Begeisterung leider nicht nachvollziehen und das ist wirklich schade.