O Freunde, nicht diese Töne! Elf gnadenlos überstrapazierte Songs in Filmen und Serien

„Film ist ein visuelles Medium“ ist eine gern verwendete und nicht völlig falsche Floskel. Aber jeder, der schon einmal einen Film gesehen hat wird wissen, dass der visuelle Aspekt nur die eine Hälfte ist. Ein Film lebt ebenso sehr von seiner akustischen Untermalung. Und das gilt nicht erst, seit Filme angefangen haben selbst zu tönen. Davor war man auf das musikalische Talent und den nüchternen Zustand eines Pianisten angewiesen, doch inzwischen kann jeder Film, genügend monetäre Mittel vorausgesetzt, seinen Film mit jeder nur vorstellbaren Musik unterlegen. Doch, wenn die nicht speziell für den Film geschrieben ist, neigen manche Filme zu einem beinahe beängstigenden Ausmaß von Wiederholung. Hier zähle ich mal 11 Songs auf, die zumindest ich persönlich nicht mehr unbedingt in Filmen (oder Serien) hören muss. Das ist dabei nicht unbedingt eine Aussage über die Qualität des Songs selbst (obwohl der eine oder andere fiese Stinker dabei ist), sondern eher über die inzwischen schwer erträgliche Repetition. Weiterlesen

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Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Filmstars, die mir besonders ans Herz gewachsen sind

Guten Morgen! Heute bin ich mit einem leichten Pfeifen in der Brustgegend aufgewacht. Stellt sich heraus, dass mein Herz rausgerissen wurde und da ein Riesenloch klafft. Und dann fiel es mir siedend heiß ein: ich habe meine rituelle Opfergabe an die Valentinsgoblins vergessen! Tja, da kann ich niemandem einen Vorwurf machen, außer mir selbst. Valentinstag ist schon seltsam…

Wo waren wir? Ach ja, bei den 5 Besten am Donnerstag! Da fragt uns Gorana heute, ob und wenn ja für welche Stars (oder ihre Rollen) wir schon einmal eine Verliebtheit oder zumindest Schwärmerei empfunden haben.

  1. Katharine Isabelle

Oder eher Ginger Fitzgerald aus den ‚Ginger Snaps‘ Filmen? Vermutlich, denn viel mehr große Rollen hatte sie ja nicht. Es sind wahrscheinlich die roten Haare. Und das Werwolf-sein. Also nicht das Werwolf-sein an sich, zerfleischt zu werden klingt jetzt erst mal nur marginal spaßig, aber eben dieses unterschwellig Gefährliche. Nehme ich jetzt mal an. Ganz von jeder Schwärmerei abgesehen hätte sie übrigens eine bessere Karriere verdient. Dann könnte ich das jetzt auch an mehr festmachen.

  1. Winona Ryder

Mein allererster großer (Film-)Schwarm. Und es fällt mir auch in der Rückschau nicht schwer zu sehen warum. ‚Beetlejuice‘, Heathers‘, ‚Night on Earth'(!), ‚Dracula‘, es sollte offensichtlich sein. Dass sie dann für beinahe ein Jahrzehnt von der Bildfläche verschwand ist eine verdammte Schande, besonders, wenn man die Schwere ihres Verbrechens mit dem Scheiß vergleicht, den sich andere Hollywood-Stars leisten…

  1. Eva Green

Wahnsinnig attraktiv, wahnwitzig cool, intelligent, lustig und sammelt präparierte Schädel… tja, öh, irgendein Hobby braucht ja wohl jeder.

  1. Julie Delpy

Vor allem wohl wegen der ‚Before…‘ Trilogie. Schlicht weil sie einen vollkommen glaubwürdigen Menschen mit Ecken und Kanten, mit Ängsten und Sehnsüchten darstellt. Und dabei zufällig genau die Art Mensch trifft, mit der ich gerne inzwischen 18 Jahre, oder aber auch länger verbringen würde.

  1. Amy Adams

Weil es mir unmöglich scheint nicht wenigsten ein winziges, kleines bisschen in sie verliebt zu sein. Die Frau ist eine wandelnde Charme-Offensive, ob im Muppets-Film oder in ‚Arrival‘ oder auch nur in einer kleinen Nebenrolle wie in ‚Her‘. Sie schafft es irgendwie gleichzeitig glamouröser Filmstar und völlig normale, scheinbar vollständig unnarzisstische Person zu sein. Für mich zumindest eine hochcharmante Mischung.

Reisetagebuch: ‚Die Versunkene Stadt Z‘ (2017)

Bildungsreise #55

Die Filmreise Challenge führt mich heute zur versunkenen Stadt Z. Und um den obligatorischen Witz gleich aus dem Weg zu räumen: nein, um Zombies geht es dabei nicht, ehehehe. Stattdessen geht es in James Grays gewollt altmodischem Film um den Oberst der Armee des Britischen Empires, Naturforscher und Abenteurer Percy Fawcett (1867 bis 1925 (oder später)) und um seine besessene Suche nach einer verschollenen Stadt im Dschungel Brasiliens.

Im Jahr 1905 stagniert die militärische Karriere von Oberst Percy Fawcett (Charlie Hunnam), weil er „unachtsam bei der Wahl seiner Vorfahren“ war. Da kommt ein Angebot der Geografischen Gesellschaft im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Bolivien Messungen vorzunehmen, um Grenzstreitigkeiten beizulegen gerade recht. Im Verlaufe dieser Arbeit verfolgt Fawcett, ausbrechenden Gefechten zwischen den beiden Nationen und den Gefahren des Dschungels zum Trotz, den Verlauf des Rio Verde bis zu seiner unerforschten Quelle. Hier entdeckt er Artefakte, die er für die Überreste einer Hochzivilisation hält. Er kehrt als Held nach England zurück, wird für seine Ideen, im Dschungel der „Wilden“ könnte es eine hochentwickelte Zivilisation gegeben haben, aber gnadenlos verspottet. Fawcett nennt seine verschollene Stadt „Z“, weil er sie als das letzte Teil im Puzzle der menschlichen Geschichte ansieht. Bald gelingt es ihm, mit Hilfe des arroganten Naturforschers James Murray (Angus McFadyen) eine neue Expedition auszurüsten. Sehr zum Unmut seiner Frau Nina (Sienna Miller) und seiner Kinder. Doch sollen sie noch lange Zeit von ihm getrennt sein, nicht nur wegen weiterer Expeditionen, sondern auch wegen des Ersten Weltkriegs.

James Gray hat sich in seiner Regie sehr an älteren Filmen orientiert. Insbesondere David Leans ‚Lawrence von Arabien‘ scheint es ihm angetan zu haben, nicht zuletzt, weil er dessen berühmten Schnitt vom ausgeblasenen Streichholz zur aufgehenden Wüstensonne, mit einem etwas gewollten Schnitt von einem Whisky-Rinnsal zu einem fahrenden Zug zitiert. Der Großteil der Bildsprache ist aber Grays eigener und funktioniert oftmals ziemlich gut. Die Flussfahrten auf brüchigen Flößen, Piranhaangriffe und speerschwingende Kannibalen (die der Film nicht so plump behandelt, wie das jetzt klingt!) inszeniert Gray in seinen besten Momenten ähnlich gelungen wie ‚The Revenant‘ die Gefahren der Eiseskälte. Fawcetts Suche wird immer wieder durch helle Lichtpunkte in Grays oftmals dunstig-düsteren Bildern symbolisiert. Seine Besessenheit zeigt der Film ganz deutlich in den Szenen, die in Großbritannien und Europa spielen. Hier tauchen Dschungelpflanzen an Orten auf, an denen sie nichts zu suchen haben und zeigen, dass Fawcett eigentlich gar nicht da ist.

Gray zeichnet ein durchaus faszinierendes Bild von dem (zumindest mir) weitgehend unbekannten Forscher. Er führt ihn ein als Actionhelden mit donnernder Kasernenhofstimme. Für einen Großteil des Films erhebt er diese aber kaum einmal über ein Flüstern und geht Konflikten mit den Eingeborenen aus dem Weg und setzt auf Kommunikation. Überhaupt ist seine Sichtweise auf die Indios für seine Zeit derart progressiv, dass sie auf seine Zeitgenossen beinahe anstößig wirkt. Dies scheint mit dem historischen Fawcett übereinzustimmen. Gleichzeitig baut er seine Ehe zu Nina, die er durchaus ihm intellektuell ebenbürtig akzeptiert, fest auf sexistische Ideen seiner Zeit. Der Film ist also durchaus bemüht ein komplexes Bild seines Hauptcharakters zu zeichnen und betreibt keine Heldenverehrung.

Bis hier hin dürfte sich also alles sehr gut anhören. Daher mag es überraschen, wenn ich sage, dass der Film für mich nicht wirklich funktioniert hat. Dafür werde ich im Folgenden zwei Gründe anführen und einen dritten, für den der Film aber nichts kann.

Das größte Problem des Films ist Charlie Hunnam. Körperlich ist er perfekt für die Rolle, allerdings gelingt es ihm nicht sie mit dem nötigen Charisma zu füllen. So wirkt sein Fawcett oftmals wie ein egozentrischer Langweiler. Mir zumindest war völlig unklar, was an Fawcett ihm die unverbrüchliche Treue seiner Begleiter einbrachte, was seine Frau Nina dazu brachte durch alle Schwierigkeiten zu ihm zu stehen. Ein Film hat ein Problem, wenn ich mir denke, dass ich lieber die Geschichten anderer Charaktere sehen würde. Und ich würde gerne Ninas Geschichte sehen, denn Sienna Miller holt aus der wahnsinnig undankbaren Standardrolle „Frau, die zuhause bleiben muss“ beinahe mehr raus als da sein dürfte. Angus McFadyen ist faszinierend als arroganter Feigling Murray, den der Film kurzzeitig als Fawcetts Nemesis einführt und dann ebenso schnell wieder vergisst. Auf jeden Fall zu erwähnen ist auch Fawcetts treuester Begleiter Costin. Der wird gespielt von Robert Pattinson, der seine Dialoge kryptisch hinter einem dichten Vollbart hervormurmelt, sich andererseits beinahe kindlich freut, wenn die Expedition die Quelle des Rio Verde erreicht. Oder auch Percys ältester Sohn Jack (Tom Holland als Erwachsener), der Fawcett mehrfach vorwirft seine Familie zu vernachlässigen, bevor er ihn auf seiner letzten Reise schließlich begleitet.

Das bringt mich zum anderen Problem des Films: seine Episodenhaftigkeit. Fawcett fährt auf Expedition und kommt zurück. Fährt wieder und kommt zurück. Dann ist eine Viertelstunde Weltkrieg und dann geht es wieder auf Expedition. Zwischen zwei Szenen können Jahre liegen und Charaktermotivationen machen zwischen diesen nicht immer unbedingt Sinn. Das Schlimmste ist aber die Episode im Ersten Weltkrieg. Hier wird mehr als die Hälfte ernsthaft darauf verschwendet, dass Fawcett eine Weissagung von einer russischen Wahrsagerin bekommt, während seine Männer gebannt dabei zuschauen (ein Moment auf den man wohl so stolz war, dass er sogar im Trailer vorkommt). Das war der Moment, in dem mich der Film verloren hat. Der Film hat das Problem, das viele Filmbiografien haben: sie wollen zu viel vom Leben ihres Sujets erzählen. Zwar hat der Film die 8 Expeditionen der historischen Figur schon auf drei eingedampft und eine Laufzeit von beinahe 2einhalb Stunden und hat trotzdem noch das Problem der „und dann, und dann…“ Erzählweise so vieler Biopics. Ich denke es wäre klüger gewesen, sich auf eine Expedition Fawcetts (vermutlich seine letzte) zu konzentrieren und hier gezielt unter seine Haut zu kommen, um uns mehr über den Mann an sich zu erzählen, so wie es ‚Jackie‘ mit Jaqueline Kennedy gemacht hat.

Das dritte Problem, dass ich dem Film nicht direkt vorwerfen kann, ist der Vergleich mit anderen Filmen. Insbesondere natürlich den Werner Herzog/Klaus Kinski Kollaborationen. Allerdings erinnert der Film selbst beinahe direkt an ‚Fitzcarraldo‘, wenn Fawcett auf die Hacienda eines Gummi-Barons stößt, der mitten im Dschungel eine Oper inszenieren lässt. Von da an denke ich bei jeder Floß-Szene an die letzten Momente von ‚Aquirre‘, wenn der irr gewordene Konquistador, seine tote Tochter im Arm, einer Horde verängstigter Affen seine Gottwerdung verkündet. Einen solch apokalyptischen Moment erreicht Gray, aller inszenatorischen Eleganz zum Trotz, nie. Und auch der großartige ‚Der Schamane und die Schlange‘, der eine ähnliche Geschichte aus weitaus interessanterer Sicht, nämlich der des Indio-Führers des weißen Mannes, erzählt kam mir wieder und wieder in den Sinn und ließ ‚Die Versunkene Stadt Z‘ nicht gut aussehen.

All das soll nicht heißen, dass es ein schlechter Film ist. Es ist für mich ein Film großartiger (und alles andere als großartiger) Momente, der aber nie zu etwas Ganzem zusammenkommt. Dennoch hat der Film bei mir jetzt ein Interesse für Fawcett, letztlich nicht viel mehr als eine Fußnote der Naturforschung, geweckt und ich werde wohl einen Blick auf das Sachbuch gleichen Namens von David Grann werfen, auf das der Film sich zum größten Teil stützt. Wenn Ihr aber nur einen neueren Amazonas-Dschungel-Film sehen wollt, dann nehmt ‚Der Schamane und die Schlange‘!

-schleifen… Zeitschleifen… Zeit-

Am 02. Februar war Murmeltiertag! Ich weiß nicht, ob Ihr den gebührend mit einer Sichtung von ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ begangen habt aber dieses Jahr wäre dafür besonders geeignet gewesen, wird der Film doch allen Ernstes bereits 25 Jahre alt! Sagt man das Wort Zeitschleife im Zusammenhang mit Film, dürfte wohl jeder ein Murmeltier, wenn nicht direkt Bill Murray vor Augen haben. Aber war der populäre Klassiker wirklich die Stunde 0 der Zeitschleife? Oder gibt es frühere Beispiele im Film? Und wie sieht es mit literarischen Vorlagen aus? Schauen wir doch mal, ob die Idee wirklich nur ein Vierteljahrhundert alt ist! Weiterlesen

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten (nicht mehr lebenden) Schauspieler und Schauspielerinnen

In den letzten Wochen haben wir bei den 5 besten am Donnerstag auf die besten lebenden Schauspieler und Schauspielerinnen geschaut. Heute richtet sich unser Blick rückwärts, fragt Gorana doch nach den besten nicht mehr lebenden DarstellerInnen. Das macht die Frage nicht eben leichter, eröffnet sie doch ein weit größeres Feld. Ich bin mir heute noch sicherer als sonst auf den anderen Listen Namen zu entdecken, an die ich hätte denken müssen.

  1. James Cagney

Cagney kam nach Hollywood zu einer Zeit, als das Schauspiel dort noch ein wenig steif war. Es gab viele Regeln, wie bestimmte Dinge zu spielen waren. Cagney war das alles egal. Er redete wie ihm die Schnauze gewachsen war und spielte seine Charaktere wie er es für richtig hielt. In seinen vielen frühen Gangsterfilmen konnte er beweisen, dass niemand siedende Wut so beängstigend überzeugend spielen konnte wie er. Damit wurde er zu einer Art Blaupause für viele spätere Gangster-Darsteller von Robert De Niro bis Joe Pesci. Später durfte er allerdings auch oft erfolgreich seine sympathischere Seite zeigen.

  1. James Stewart

Heute wird er gerne mal als der Darsteller des typischen Jedermanns gesehen. Und um ehrlich zu sein ein Großteil seiner Rollen bestand genau darin, die Identifikationsfigur für den Zuschauer zu sein. In ‚Das Fenster zum Hof‘ z.B. wird er sogar direkt zum zur Hilflosigkeit verdammten Stellvertreter des Zuschauers. Interessant wurde er vor allem immer dann, wenn seine Rollen diesen Ruf des typischen Normalos ausnutzten, um ihn zu untergraben. Hier ist natürlich vor allem seine Rolle als besessener Detektiv in ‚Vertigo‘ zu nennen.

  1. Katharine Hepburn

Kann ich einfach ‚African Queen‘ sagen und aufhören? Ich kann? Weil es meine Liste ist? Okay aber faul wär es schon. Der Film war für sie jedenfalls ein großes Comeback, nachdem sie sich nach anfänglichen Erfolgen einen Ruf als „Kassengift“ erworben hatte und ist ein Stück emblematisch für ihre Karriere. Sie spielte zumeist starke, intelligente und unabhängige Charaktere wie hier, wo sie ein mehr als würdiges Pendant zu Humphrey Bogart siffigem Käpt’n gibt.

  1. Toshiro Mifune

Er gab häufig den schweigsamen, undurchschaubaren Helden. Eine Rolle, die bald international adaptiert würde vom Italowestern bis nach Hollywood. Doch erfüllte er in diesen Rollen selten das typische Bild vom edlen, stoischen Samurai. Seine Charaktere hatten eine nervöse Energie und eine gewisse Unberechenbarkeit, die sie erst interessant machte. Er war dann auch einer der ersten japanischen Darsteller, der es zu internationalen Rollen gebracht hat. Ob mit oder ohne Kurosawa, Mifune war einer der Besten!

  1. Philip Seymour Hoffman

Und hier ist der tragische Eintrag auf dieser Liste. 46 Jahre alt ist Hoffman nur geworden aber meine Güte hat er in diesen 46 Jahren bewiesen, was für ein unfassbares Talent er besessen hat. Allein seine Zusammenarbeiten mit Paul Thomas Anderson würden ihn problemlos für diese Liste qualifizieren, doch in beinahe allen seinen Rollen spielte er einen auf die eine oder andere Art kaputte oder zumindest zerbrechliche Charaktere und schaffte es immer irgendwo in ihnen etwas menschliches und, zumindest manchmal, fast edles zu finden. Oder vielleicht verlieh er es ihnen auch erst. Er wird fehlen.

Reisetagebuch: ‚Sabata‘ (1969) – „Wenn ich aufhöre zu lachen, bist Du tot!“

Zeitreise #19

So, heute wird das Reisen kompliziert. Denn die Filmreise Challenge führt mich nicht nur per Zeitmaschine ins Italien des Jahres 1969, Gianfranco Parolinis Italowestern transportiert mich noch einmal 100 Jahre zurück und in die Vereinigten Staaten. Das ist verwirrend genug um Doc Brown Kopfschmerzen zu bereiten, also schauen wir lieber direkt auf den Film.

Als eine Gruppe Banditen einen Safe mit Armeegeldern aus der Bank des Kaffs Dougherty stehlen, haben sie nicht mit einer Begegnung mit dem ehemaligen Offizier und Scharfschützen Sabata (Lee Van Cleef), wenn das denn sein Name ist, gerechnet. Der reitet kurz darauf mit Safe und sieben Leichen in Dougherty ein, kassiert die Belohnung und steigt im örtlichen Hotel ab, in dem auch ein merkwürdiger Herumtreiber/Musiker namens Banjo (William Berger) wohnt, der Sabata von früher zu kennen scheint. Schnell findet Sabata heraus, dass an dem Diebstahl auch eine Gruppe einflussreicher Bürger um den reichen Soziopathen Stengel (Franco Ressel) beteiligt war und zusammen mit dem großmäuligen, übergewichtigen Alkoholiker Carrincha (Pedro Sanchez) und einem stummen Akrobaten (Aldo Canti) tut er was jeder gute Italowestern-Held in dieser Situation tun würde: er erpresst sie um immer höhere Summen Geld. Das macht die Leute um Stengel natürlich alles andere als glücklich und sie schicken Sabata Mörder um Mörder erfolglos auf den Hals, bis sie sich für einen ganz besonderen Killer entscheiden. Den will ich hier natürlich nicht verraten, nur soviel, sein Name ist ein Anagramm von Joan B..

Ich war mir recht unsicher, welchen Film ich mir für die „Italowestern-Challenge“ ansehen sollte. Die großen Namen, die Leones, die Corbuccis etc. kenne ich alle schon und wollte einen neuen sehen. Nun ist die Auswahl an Italowestern nicht eben gering, die Bandbreite der Qualität aber mindestens ebenso groß. Ich bin froh sagen zu können mit ‚Sabata‘ einen echten Glücksgriff gelandet zu haben.

Lee Van Cleef ist natürlich exakt die Art bärbeißiger, amerikanischer Charakterkopf, der wie gemacht ist für die Hauptrolle in einem Italowestern. Umso überraschter war ich, dass er mit seinem sauberen, eleganten Auftreten (für Italowestern-Verhältnisse) und der nicht eben seltenen Nutzung von allerlei „Gadgets“ (so hat er zum Beispiel einen Derringer mit einem weiteren Lauf im Griff) beinahe so eine Art Italowestern James Bond gibt. Er mimt hier keinen finsteren Helden, er gibt einen ebenso gierigen wie cleveren Halunken, der allen um ihn herum immer zumindest einen Schritt voraus ist und das macht er sehr unterhaltsam. Mindestens ebenso gut ist William Berger als langhaariger Hippie-Schurke mit Bindungsängsten, süffisanten Dauergrinsen und ewig dängelndem Banjo. Man kann sich beinahe vorstellen, dass er seinen eigenen, parallelen Western durchlebt. Und er steht Sabata in Sachen Gadgets in nichts nach. Denn Banjos Banjo ist nicht nur ein Banjo, müsst ihr wissen.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. Sei es der normalerweise auf schmierige Handlangerrollen festgelegte Pedro Sanchez, der hier sehr unterhaltsam Sabatas Freund gibt, der jede Geldsumme im Kopf direkt in Whiskymengen umrechnen kann. Oder auch Franco Ressel als mörderischer Drahtzieher mit Überlegenheitskomplex und – man ahnt es inzwischen – seinen eigenen Gadgets. Nur das häufige Desinteresse des Italowesterns an weibliche Figuren fällt hier extrem auf. Linda Veras Rolle als Jane ist klein und unwichtig genug, dass ich sie in meiner Zusammenfassung nicht einmal erwähnt habe und dient letztlich nur dazu Banjos Charakter etwas mehr Profil zu geben. Schade.

Der Film ist gut fotografiert mit einer sehr mobilen Kamera und für Italowestern-Verhältnisse beinahe schon verschwenderisch ausgestattet. Sei es die heimelige Atmosphäre von Dougherty mit seinen blakenden Gaslaternen und den plüschigen Innenräumen des Hotels oder Stengels von aussen normale Ranch, von innen aber durchaus merkwürdig, angefüllt mit allerlei europäischen Artefakten, von Gemälden bis zu Ritterrüstungen und, nicht zuletzt, einem bizarren Duellzimmer. Das bringt ihn wohl nahe genug an einen Bondschurken, dass die Analogie zum Bondwestern auch hier greift.

Zur Musik sei gesagt es gibt nun einmal nur einen Ennio Morricone und der kann nicht für jeden Western komponieren. Marcello Giombini ist kein Morricone, allerdings liefert er sowohl für Sabata als auch für Banjo eingängige, wiedererkennbare Themen ab, die der Film durchaus clever einsetzt, insofern z.B. Banjo sein Thema häufig auf demselben spielt. Schlecht ist die Musik also auf gar keinen Fall. Aber eben kein Morricone…

Tonal ist der Film weit weg von den apokalyptischen Visionen der frühen Italowestern (wenn auch Sergio Corbucci diese gerade im Jahr zuvor mit ‚Leichen pflastern seinen Weg‘ auf die Spitze getrieben hat) aber auch noch weit entfernt vom Klamauk der späten Western a la ‚Mein Name ist Nobody‘. Er macht wenig radikal neu oder auch nur großartig anders, dennoch ist er, vielleicht gerade wegen dieser mittleren Positionierung bemerkens- und sehenswert.

Alles in allem ein unterhaltsamer, rasant erzählter Italowestern, der keinerlei Langeweile aufkommen lässt aber sicher dennoch nicht in meine absolute Favoritenliste aufgenommen werden wird. Weiß irgendjemand ob die beiden Fortsetzungen was taugen? Und weiß jemand wo ich die Zeitmachine geparkt habe?