Sind Prequels eigentlich immer Mist?

Oha, was für eine provokative Überschrift! Die Antwort lautet natürlich „nein“ aber sie sind die Art von Erweiterung eines „Franchises“, die ich am wenigsten mag und ich glaube, dass das ganz bestimmte Gründe hat. Die Mühlen der Unterhaltungsindustrie mahlen nach bestimmten Mustern. Macht ein Film, eine Serie, ein Buch, ein Comic oder was auch immer genug Geld, dann muss mehr davon her. Das Offensichtlichste ist zumeist eine Fortsetzung. Was aber, wenn eine Fortsetzung, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich oder wünschenswert ist? Dann muss ein Prequel her. Das Publikum mag schließlich die Charaktere in dem Werk, also will es doch bestimmt auch wissen, wie sie an den Ausgangspunkt des Originals gekommen sind.

Und genau hier liegt der Hund begraben. „Das Publikum mag die Charaktere“ bedeutet, es hat uns gefallen dabei zuzusehen, wie die Charaktere sich von A nach B bewegt haben, wie sie gelitten haben, wie sie triumphiert haben und wie sie gewachsen sind. Jetzt dabei zuzusehen, wie sie von Z nach A kommen erscheint wie ein Rückschritt, wie ein völlig sinnloser Kunstgriff im besten Falle, wie zynische Geldschneiderei im Schlimmsten. Was wir aus ihrer Vergangenheit über die Charaktere wissen müssen hat uns das Original ohnehin in ausreichendem Maße mitgeteilt, alles Andere erscheint doch redundant oder sogar schädlich bei Charakteren, die sich besser ein gewisses Unbekanntes bewahrt hätten.

Wollte wirklich irgendjemand wissen, was Darth Vader so als Kind getrieben hat? Hätte man 1997 Star Wars Fans befragt, was sie gerne sehen möchten, wären dabei die Teenager-Abenteuer von Anakin Skywalker rausgekommen? Und jetzt, wo wir sie haben, haben sie seinen Charakterbogen in der alten Trilogie in irgendeiner Form bereichert? Wollte wirklich jemand wissen, wie Hannibal Lecter zum Kannibalen geworden ist (‚Hannibal Rising‘)? Gewinnt der Charakter irgendetwas dadurch, dass es natürlich fiese Nazis waren, die dahinterstecken? Wollte wirklich jemand wissen, wie der Wizard nach Oz gekommen ist (‚Die fantastische Welt von Oz‘)? War das ernsthaft eine Frage die im Raum stand? Erinnert sich jemand an ‚Pan‘, Joe Wrights Megaspektakel, dass uns erklären wollte, wie Captain Hook und Peter Pan zu Feinden geworden sind, letztlich aber nur dadurch halbwegs im Gedächtnis blieb, dass Hugh Jackman als Blackbeard mit einem Haufen Kindersklaven Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ singt (ja, wirklich)?! Und niemand, wirklich niemand braucht mehr Hintergrundinformationen über die Aliens aus ‚Alien‘. Die gewinnen ihre Faszination doch gerade daraus, dass sie völlig fremdartig sind (das steht sogar schon im Namen!), eine Biowaffe oder was-auch-immer hingegen kann ich durchaus verstehen!

Selbst wenn zum größten Teil neue Charaktere eingeführt werden kann der Erfolg des Originals für das Prequel schädlich sein. Ich hätte sehr gerne eine vernünftige Verfilmung des ‚Hobbit‘ gesehen, ist es doch meiner Meinung nach das beste Buch von Herrn Tolkien. Da die Verfilmung, die wir bekommen haben aber mit dem Spektakel des Herrn der Ringe konkurrieren musste wurde sie in einer Art aufgebläht, die allen Charme des Buches zunichtemachte und durch eine mechanistische Achterbahnfahrt aus Trickaufnahmen ersetzte. Okay, ich habe mich genug in Rage geschrieben, schließen wir mit etwas Positivem.

Wann also ist ein Prequel nicht schlecht? Da sind zum einen diejenigen, bei denen man sehr genau hinsehen muss, um zu merken, dass es überhaupt Prequels sind. Beispiele wären ‚Indiana Jones und der Tempel des Todes‘ oder ‚Zwei glorreiche Halunken‘. Prequels zu Filmen deren Handlungstränge ohnehin nicht sonderlich eng verknüpft sind, die einfach zeitlich früher spielen. ‚Star Wars – Roque One‘ andererseits ging den eleganten Weg uns nichts neues über bestehende Charaktere erzählen zu wollen, sondern eine Frage des Originals (oder eigentlich zwei) zu beantworten, die nicht unbedingt einer Antwort bedurfte, dadurch aber auch keinen Schaden nimmt. Die X-Men Prequels gehen es auch recht klug an, insofern, dass bekannte Charaktere erst nach und nach eingeführt wurden und sie einen der interessantesten Aspekte der originalen X-Filme zum zentralen Element machen, die Beziehung zwischen Charles Xavier und Erik Lensherr.

Stimmt Ihr mir zu? Seht Ihr das völlig anders? Habt Ihr positive oder negative Beispiele für Prequels, auch über Film hinaus?

Und ja, das hier sollte mal ein „Lasst uns über Filme klönen“ werden, brachte aber nicht genug Material…

Die 5 Besten am Donnerstag: meine 5 besten Blogbeiträge

Die 5 Besten am Donnerstag feiern Jubiläum! Wuhu! Tröööt! 50 mal gab es sie jetzt schon. So lange bin ich zwar noch nicht dabei, doch wünsche ich Goranas schönem Projekt natürlich alles Gute und freue mich auf mindestens 50 weitere Donnerstage! Zur Feier des Tages schauen wir heute auf unsere eigenen Blogs und zeigen, welche wir für unsere 5 Besten Beiträge halten. Klingt nach Eigenlob aber wenn alle mitmachen passt das ja wieder…

Außer der Reihe möchte ich hierbei kurz Ma-Gos Filmrätsel erwähnen, das gerade bei mir in der 18ten Runde läuft und wo Ihr Euer Wissen zum Thema Science Fiction unter Beweis stellen könnt. Nun aber los, in aufsteigender Reihenfolge:

  1. „Hotel (2004)“

Ich wusste noch nicht genau, wo ich hinwollte, vieles war eher bemüht komisch und ich erwähne grundlos Jörg Buttgereit aber es war mein erster Artikel und mehr oder weniger das erste Mal, dass ich versucht habe meine Liebe zu einem Film ausführlich in Worte zu fassen. Wobei, meine „LLLLLLllllladies“-Bildunterschrift find ich nach wie vor komisch. Und österreichisches GenreKino ist immer noch top.

  1. „„I’m a friend of Sarah Connor“ – Terminator (1984)“

Ich glaube hier ist es mir ganz gut gelungen die Faszination des ersten „Dörminäider“ in Worte zu fassen. Diese fiese, dreckige, kleine Mischung aus Film Noir, Sci-Fi und Horror, an die niemand außer Cameron selbst so recht glauben wollte.

  1. „Ist der wirklich sooo schlecht? ‚Super Mario Bros‘ (1993)“

Die Super Mario Verfilmung hat ihren Ruf als eine der schlechtesten Videospielverfilmungen sicherlich nicht zu Unrecht. Aber was sich hinter den Kulissen abgespielt hat und wie absolut irrsinnig (gerade in Bezug aufs Ausgangsmaterial) der Film letztlich wurde fängt dieser Artikel hoffentlich ganz gut ein.

  1. „Das ist auf Youtube: Kanadische Experimente von Norman McLaren“

Der Schotte Norman McLaren hatte in Kanada die Chance wirklich interessante Experimentalfilme zu drehen.  Er erschaffte erstaunliche Bilder und Töne, indem er direkt das Filmmaterial manipulierte. Nicht eben mein meistgelesener Artikel aber ich mag ihn durchaus.

  1. „Lasst uns über Filme klönen: Knarren und Gewalt im Film“

Nicht nur hat mir der Artikel wahnsinnig viel Spaß beim Schreiben gemacht, es war auch wunderschön die qualitativ und quantitativ hochwertigen Kommentare zu lesen und zu beantworten. Ich mag die ganze Reihe, doch die Nummer eins ist immer noch mein Favorit.