Die 5 Besten am Donnerstag: 5 lesenswerte Blogs

Was war das? Hat es geklingelt? Nein, gedonnert! Denn es ist Donnerstag! Der viertbeste Tag der Woche! Und damit Zeit für die fünf Besten. Und damit dem besten Thema der Woche, denn heute möchte Gorana von uns coole neue Blogs wissen. Wie sich unschwer erkennen lässt schreibe ich auf diesem Blog zum Thema Film. In meiner Blogroll finden sich dementsprechend viele Filmblogs, die ihr zur Rechten unter der freundlichen Aufforderung „Lies das!“ finden könnt. Für meine heutigen Antworten habe ich hingegen zum größten Teil nicht Filmblogs ausgewählt. Denn Abwechslung ist gut und wenn ihr so viele Filme schaut, gibt’s viereckige Augen.

Außer der Reihe sei hier der neue Blog der „5 Besten“ Veranstalterin und vier weiteren Autorinnen genannt: Leuchttürme & Schattenplätze – Das Medienmädchenblog. Noch ist nicht allzu viel Inhalt da, aber was da ist liest sich sehr schön!

  1. http://duoscope.blogspot.de/

So ganz ohne Film kommt meine Liste dann doch nicht aus. Bei den Folgenden handelt es sich nicht unbedingt um Neuentdeckungen, bei diesem Blog hingegen schon. Duoscope liefert absolut lesenswerte, aktuelle Besprechungen, sowie gründlich recherchierte, fundierte Berichte zu einem wunderbar bunten Potpourri an Filmthemen. Solltet ihr den Blog noch nicht auf der Liste haben wird es höchste Zeit.

  1. http://landkartenindex.blogspot.de/

Ich mag Landkarten. Und es gibt ein Blog dafür. Ein umfangreiches sogar. Politische Karten, historische Karten, Schatzkarten, Karten zu Game of Thrones… Wenn es eine Karte ist und Land abbildet, dann ist es auf diesem Blog. Über Landkarten. Was soll ich mehr sagen. Landkarten, woohoo!!

  1. http://www.quarkundso.de/

Essen mag ich noch lieber als Landkarten! Ich esse quasi jeden Tag. Ich esse jetzt gerade, während ich das hier schreibe. Essen ist toll, ich könnt‘ nicht ohne. Vieles, was man über Essen liest hingegen ist nicht so toll. Quark und so (höhö) hingegen ist fast so toll wie Essen. Johanna Bayer kritisiert mediale Ernährungsirrtümer, lobt aber auch gute Berichterstattung und scheut nicht davor zurück sich mit dem SPIEGEL und/oder Wurstbürgern anzulegen. Essen, äh Lesen!

  1. https://microbepost.org/

Gebt es zu, ihr denkt nur über Mikroorganismen nach, wenn ihr krank seid. Großer Fehler, denn die kleinen Racker können und leisten so viel und bekommen selten genug die Anerkennung, die sie verdienen. Lest doch mal was, dass auch die zwei Kilo Bakterien unterhält, die jeder von euch derzeit mit sich herumträgt. Jetzt nicht gleich ins Bad rennen, denn das ist ganz gut so und Hände waschen hilft da eh nicht viel. Es sind übrigens mehr Bakterienzellen, als euer Körper selbst Zellen besitzt. So, und nun lest den Blog der Microbiology Society.

  1. http://www.realclimate.org/

Der Klimawandel ist die größte Herausforderung, der sich die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten stellen werden muss. Dieser Satz ist ebenso wahr, wie dafür geeignet erstaunlich wütende Reaktionen hervorzurufen. Realclimate ist der der Großvater aller Klimablogs, hat schon darüber geschrieben bevor es cool wurde. Oh, Moment es ist immer noch nicht cool. Und wird es auch nicht. Also „cool“ im Sinne von Temperatur, nicht cool im Sinne von „reden wir mal drüber“… Lest einfach den Blog, wenn ihr vernünftig formulierte, nachvollziehbare Gedanken wollt. Alles andere hingegen findet ihr genau hier bei mir!

Gestern Gesehen: ‚Kubo – der tapfere Samurai‘; OT: ‚Kubo and the two strings‘ (2016)

Von einem neuen Film der Laika Studios erwarte ich nicht wenig. Mag ich doch ‚Coraline‘ sehr gerne und liebe geradezu ihre Hommage an den klassischen Horrorfilm, ‚ParaNorman‘. Mit Kubo begeben sie sich nun, sowohl thematisch, wie auch vom Setting her, in den Bereich des Samurai Films und des Anime. Man darf also erwarten, dass bei ‚Kubo‘ alles etwas epischer wird.

Anfangs lebt der einäugige Junge Kubo mit seiner tagsüber katatonischen Mutter in einer Höhle über einem kleinen Dorf. Hier verdingt er sich als Unterhalter, indem er mit seiner Shamisen, auf magische Weise, bunte Papiere zu Origami-Figuren formt und mit ihnen Geschichten erzählt. Vor allem die vom sagenhaften Samurai Hanzo. Nur mit deren Ende tut er sich schwer. Hanzo war nämlich sein Vater, der vom Mondkönig, dem Vater Kubos‘ Mutter, aus Eifersucht ermordet wurde. Der Mondkönig hat auch Kubos Auge gestohlen und will noch sein zweites. Deswegen muss Kubo jeden Abend vor Einbruch der Dunkelheit zurück in der Höhle sein. Als ihm dies einmal nicht gelingt wird er prompt von den Häschern des Mondkönigs gefunden, mit katastrophalen Folgen für seine Mutter. Ihm bleibt nichts anderes übrig als die Queste seines Vaters zu erfüllen. Gemeinsam mit einem Schneeaffen und einem Käfer-Samurai macht er sich auf die Suche nach einer legendären Rüstung, mit der er die himmlische Macht des Mondkönigs herausfordern kann.

Als Erstes komme ich nicht drumherum zu bemerken, was für ein wunderschöner Film ‚Kubo‘ ist. Damit meine ich nicht nur die brillant Stop-Motion Animation, auch das Figurendesign, die satte, brillante Farbgebung und das liebevolle, beinahe taktile Design der Schauplätze machen sowohl Szenen vor tiefroten Sonnenuntergängen, als auch in finsteren Gemäuern zu ästhetischen Prachtstücken. Laika haben die Stop-Motion auf ein Level gebracht, dass einerseits die physische „Greifbarkeit“ der Figuren bewahrt, andererseits qualitativ schwer von Computeranimation zu unterscheiden ist.

Die Queste auf die Kubo sich begeben muss erfindet sicherlich das Rad nicht neu und folgt sattsam bekannten Vorbildern, doch sind alle Charaktere  denen er begegnet so liebevoll umgesetzt, dass man sich sicherlich nie gelangweilt wird. Sei es die beschützerische aber leicht herrische Affendame, der Käfer-Samurai mit Amnesie oder auch die maskierten, unheimlichen Schwestern seiner Mutter. Selbst bei Charakteren, die keinerlei Dialog haben, wie einem gigantischen Skelett, schaffen es die Animationsmeister noch genug eigenes Profil zu verleihen, dass sie problemlos in Erinnerung bleiben.

Wie bei ihren anderen Filmen ist wieder einmal bemerkenswert, dass Laika, obwohl sie wissen, dass ihre Hauptzielgruppe Kinder sind, in keiner Weise Kompromisse bei ihrer Geschichte eingehen. Das zentrale Thema dieses Films ist Verlust und das wird, bei allem natürlich vorhandenen Humor, durchaus mit der notwendigen Ernsthaftigkeit behandelt. Der Film hat daher eine traurige Grundstimmung und schreckt nicht davor zurück auch einmal gruselig zu werden. Auch das Ende ist überraschend pointiert (und lässt mich ein wenig verwundert darüber zurück, wer sich den deutschen Titel ausgedacht hat).

Zu Beginn des Films fordert uns Kubo auf, nun ein letztes Mal zu blinzeln, damit wir im Folgenden nichts von der Handlung verpassen mögen. Dies tut er auch vor jeder seiner Vorstellungen im Dorf. Wenn Kubo also die Origami Figuren auf magische Weise ihre Geschichten austragen lässt, dann können wir davon ausgehen, dass Laika damit in gewisser Weise auch ihr Selbstverständnis präsentieren. Und tatsächlich gibt es wenige Studios, die auf ähnlich magische Weise eine animierte Welt lebendig werden lassen können, wie sie. Wenige aber eben nicht keine. Denn, ich habe es, an anderen Stellen, schon einige Male gesagt aber die Wiederholung lohnt sich, wir leben in einer absoluten Schlaraffenlandzeit für Animationsfreunde. Mit Aardman gibt es noch ein weiteres Studio, dass im Stop-Motion Bereich hervorragende (und gänzlich andere) Arbeiten abliefert, zusätzlich Filme wie ‚Mary Und Max‘ oder ‚Anomalisa‘, die Stop-Motion vornehmlich für Erwachsene liefern. Klassische Animation aus Japan und Europa, Computeranimiertes von überallher, die Auswahl ist riesig und die Qualität beinahe durchgängig hoch. Laika haben sich aber einen wiedererkennbaren, einzigartigen Stil geschaffen, an dem sie stetig weiter feilen und ihn verbessern. Ich erwarte mit Spannung, was sie als nächstes abliefern.

‚Kubo‘ ist absolut sehenswert. Nicht nur weil eine über 100 Jahre alte Technik auch heute noch optisch zu beeindrucken vermag, auch weil hier aus einer sattsam bekannten Handlung durch liebevolle Charakterzeichnung und thematische Stringenz das Beste herausgeholt wird. Sicherlich einer der besten Animationsfilme des letzten Jahres . Um zu sagen, ob es der Beste ist, müsste ich erst noch ‚Zootopia‘, öh, ich meine natürlich ‚Zoomania‘ und ‚Moana‘  Entschuldigung ‚Vaiana‘ schauen (alles in Ordnung bei Euch Disney? sind das geheime Botschaften? sollen wir Hilfe schicken?). Aber ich glaube erst mal hole ich ‚Die Boxtrolls‘ nach.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Regisseure, die keinen Oscar zu Hause haben

Schon wieder ist es Donnerstag und für den Moment finden wir uns noch in den letzten Ausläufern des langen Schattens der Oscars wieder. Denn diese Woche möchte Gorana von uns, die 5 besten Regisseure, die keinen Oscar gewonnen haben, wissen.

In den letzten Wochen fanden sich auf meinen Listen ausschließlich noch lebende Menschen, die noch eine Aussicht auf den Preis hatten. Mit dieser „Regel“ breche ich diese Woche, schlicht weil die Namen der Regisseursliste ohne Oscar meinen Unterkiefer bis zum Boden haben fallen lassen. Weiterhin werde ich nur Hollywoodregisseure aufführen, da nur die, von wenigen Ausnahmen abgesehen, eine Chance auf den Preis als bester Regisseur haben. Also kein Kurosawa, kein Leone, kein Bergman, kein Fassbinder. Oh und es „zählt“ natürlich nur der Oscar als bester Regisseur!

  1. Robert Altman

Altman war während seiner langen Karriere oft genug nominiert. Für ‚M*A*S*H*‘, ‚Nashville‘, ‚The Player‘, ‚Short Cuts‘ und ‚Gosford Park‘. Gewonnen hat er aber nie. 2004 sagte er in einem Interview, dass er inzwischen das Gefühl habe, sollte er jemals den Oscar gewinnen, brächte ihm das Unglück. 2006 erhielt er einen Ehrenoscar für sein Lebenswerk. Neun Monate später starb er. Hätte gewinnen sollen für: jeder der genannten Titel hätte es verdient.

  1. Orson Welles

Okay, Experiment! Sucht den größten Filmsnob in eurem Bekanntenkreis! Fragt nach den 5 Lieblingsfilmen! Die Wahrscheinlichkeit liegt bei etwa 83,45%, dass ‚Citizen Kane‘ genannt wurde. Es sei denn es ist einer von den Snobs, die mit dem „ganzen Hollywoodkram“ nichts zu tun haben wollen. In dem Fall wurden mindestens zwei Filme von Jean-Luc Godard genannt und allein eure Frage hat augenrollendes Ennui ausgelöst (ich mache Witze, ich hab‘ euch lieb Filmsnobs!). Wie auch immer, Orson Welles hat sowohl Theater wie Film revolutioniert, bevor er  26 Jahre alt war. Dafür hat er, vor allem in Europa, jede Menge Anerkennung bekommen. Da er nebenbei auch ein gigantischer Egomane war es aber nie genug für ihn. Zweimal war er für den Oscar nominiert, beide Male wurde er übergangen. Es dürfte ihn geschmerzt haben. Hätte gewinnen sollen für: ‚Citizen Kane‘ oder ‚Touch of Evil‘ in der von Welles gewollten Version.

  1. Stanley Kubrick

Kubricks Filme bringen ein lange, lange Liste an Nominierungen mit, konnten jedoch stets nur in technischen Kategorien gewinnen. Für ‚2001‘ tat er dann etwas Ungewöhnliches: er nahm selbst den Oscar für die besten visuellen Effekte an und nahm ihn mit nach Hause. Das brachte ihm – erstaunlich leise – Kritik von Effektmann Douglas Trumbull ein. Selbst diese Kritik verband Trumbull, zumindest später, mit dem Hinweis, dass Kubrick selbst einen Oscar mehr als verdient hätte (Trumbull erhielt 2012 einen Ehrenoscar). Hätte gewinnen sollen für: ‚Dr. Strangelove‘, ‚2001: A Space Odyssey‘, ‚A Clockwork Orange‘, ‚Barry Lyndon‘ und ‚Shining‘.

  1. Alfred Hitchock

Alfred Hitchcock hatte sich selbst zu einem Franchise gemacht, mit eigenem Logo und eigener Erkennungsmelodie. Beinahe alles was er anfasste wurde ein finanzieller Erfolg. In den 60ern bekam er endlich auch die künstlerische Anerkennung, die er verdiente. Er war ein „Mover & Shaker“ im klassischen Hollywood-Sinn. Einen Oscar hat er nie erhalten. Nominiert war er oft genug, doch am Ende bekam er „nur“ 1968 den “ Irving G. Thalberg Memorial Award“, eine Art Ehrenoscar, der nicht mal wie ein Oscar aussieht. War er glücklich? Urteilt selbst (Ungeduldige springen direkt zu seinem Auftritt bei 1:47):

Hätte gewinnen sollen für: ‚Vertigo‘, ‚Das Fenster zum Hof‘ und ‚Psycho‘

  1. Charlie Chaplin

Chaplin ist so eine Art Symbol für das goldene Zeitalter Hollywoods. Aber er war immer auch ein gesellschaftskritischer Filmemacher. Vielleicht war sein Problem beim Oscargewinn genau das, was ihn beim Publikum so erfolgreich machte: dass er stets alles durch eine humoristische Linse betrachtete. Man muss seinen Mut anerkennen, als er 1940 ‚Der große Diktator‘ drehte, zu einer Zeit wo Kritik am Dritten Reich in den USA noch nicht wirklich gewünscht war. Später schämte er sich ein wenig für den Film und sagte, er hätte ihn nie gemacht, wenn er das wirkliche Ausmaß des Naziterrors gekannt hätte. Chaplin hatte immerhin zwei Ehrenoscars zu Hause. Hätte gewinnen sollen für: ‚Der große Diktator‘, ‚Moderne Zeiten‘

Gestern Gesehen: ‚Der Schamane und die Schlange‘ (OT: ‚El abrazo de la serpiente‘) (2015)

Der Kautschuk-Boom im Amazonasgebiet des frühen 20ten Jahrhunderts war für viele dort ansässige Indio-Stämme der grausige Schlussakkord einer Symphonie des Schereckens, die 500 Jahre zuvor mit der spanischen Eroberung begann. Durch perfide Schuldsklaverei wurden die Ureinwohner zu Tausenden in menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gezwungen, die oftmals tödlich endeten. So verschwanden ganze Völker über deren genaue Lebensgewohnheiten wir nur sehr wenig wissen. Was wir wissen stammt aus den Aufzeichnungen von Forschungsreisenden, wie Theodor Koch-Grünberg oder Richard Evans Schultes, die auch den kolumbianischen Regisseur Ciro Guerra als Quelle der Inspiration für diesen Film gedient haben. Auch spielen fiktive Versionen beider Männer wichtige Rollen im Film, allerdings erleben wir ihn durch die Augen von Karamakate, einem Schamanen.

Am Ende der ersten Dekade des 20ten Jahrhunderts ist Karamakate (Nilbio Torres) ein zorniger, junger Mann. Er wähnt sich als den letzten seines Volkes und lebt in einer abgelegenen Hütte tief im Urwald. Eines Tages kommt Theodor von Martius (Jan Bijvoet) zu ihm, ein todkranker Naturforscher der Universität Tübingen. Er bittet um Hilfe bei der Suche nach der (fiktiven) Yakruna-Pflanze, von der er sich Rettung erhofft. Karamakate sieht zunächst keinen Grund ihm zu helfen, jedoch gelingt es Theo ihn zu überreden, indem er behauptet zu wissen, wo weitere Überlebende von Karamakates Stamm zu finden seien. Parallel erzählt der Film, wie in den frühen 40er Jahren Karamakates (Antonio Bolívar) Erinnerung erheblich nachlässt, er anscheinend seit Jahren an einer Zeichnung auf einem Stein arbeitet, an deren Ursprung er sich nicht mehr erinnern kann. Da kommt der US-Amerikaner Evan (Brionne Davis) zu ihm, der behauptet noch niemals geträumt zu haben. Er erhofft sich Abhilfe von der Yakruna Pflanze. Karamakate ist bereit ihn bei der Suche zu begleiten, auch wenn er den Weg nicht mehr weiß. In beiden Zeitlinien machen sich die Männer den Fluss hinauf auf den Weg.

Dualität spielt eine große Rolle in diesem Film. Jugend und Alter, Jaguar und Schlange, Vergänglichkeit des Menschen und Ewigkeit des Flusses, die Enthaltsamkeit Karamakates einerseits und die Gier der Kautschukbarone, die vernarbte Bäume und verstümmelte Menschen zurücklässt andererseits. In beiden Zeitlinien kommt die Gruppe in eine spanische Mission. In den 1910ern wird die von einem brutalen Mönch geleitet, der indianischen Kindern mit der Peitsche die „Wildheit“ austreiben will. In den 40ern ist daraus, nicht zuletzt durch das Eingreifen der ersten Gruppe, ein grausiger Totenkult rund um einen selbsternannten neuen Heiland und „Erlöser der Indianer“ geworden. Karamakate unterscheidet zwischen Menschen und „Chullachaqui“, die aussehen wie Menschen aber keine Erinnerung haben und keinen Weg die Welt zu verstehen.

Lieder und Geschichten können verschwinden, wenn jeder der sie kennt gestorben ist, Träume sind aber vielleicht ewig. Traum ist ein ganz wichtiges Wort, wenn man diesen Film begreifen möchte. Und so klischeehaft es klingt, er entwickelt eine traumhafte Atmosphäre. Vom ersten Moment an ist man als Zuschauer vom teilweise ohrenbetäubenden Geräusch des Dschungels umgeben, das durch die sparsame Musikuntermalung noch unterstützt wird. Auch die zunächst irrsinnig wirkende Idee den Urwald in schwarz-weißen Bildern einzufangen, ihn so seiner einmaligen, kräftigen Farben zu berauben unterstützt nur die Traumhaftigkeit. Alles bleibt immer ein wenig unklar. So sehen wir zwar, dass Karamakate seinen Körper bemalt hat, können jedoch nicht sicher sagen in welchen Farben. Bilder und Ton bilden gemeinsam eine Art allgegenwärtige Grundtextur vor der sich die Figuren bewegen, handeln, teilweise verschwimmen und einen umso tieferen Eindruck hinterlassen.

Auch wenn meine Beschreibung so klingen mag, ist der Film doch weit entfern von den Psychedelika eines Alejandro Jodorowsky. Er würde auch als ganz bodenständiger Abenteuerfilm funktionieren. Oder eher als Road-Movie bzw. dessen gemächlichere Variante, dem „River-Movie“ (den ich vielleicht gerade erfunden habe). Und genau hier ist es am ehesten möglich Verwandtschaften zu finden. Der Film erinnert sicherlich mehr als ein wenig an ‚Apocalypse Now‘ (eher noch die Buchvorlage ‚Heart of Darkness‘) und teilt die schwarz-weiße Ästhetik und einige Handlungselemente mit Jarmuschs ‚Dead Man‘. Allerdings ist es doch ein völlig anderer Film, da wir ihn aus der indigenen Perspektive Erleben, was vielleicht am ehesten mit Terrence Malicks ‚The New World‘ vergleichbar ist.

Bei allen Ähnlichkeiten bleibt ‚Der Schamane und die Schlange‘ aber etwas ganz eigenes, das die meisten Zuschauer so noch nicht gesehen haben dürften (ich hatte es jedenfalls nicht). Er ist zugleich surreal, unangenehm real in seiner Darstellung des Kautschuk-Booms und seiner Folgen und letztendlich unvergesslich. Ich kann kaum erwarten ihn noch einmal zu schauen. Die Oscar-Nominierung kann ich so zwar nachvollziehen aber ich denke, das ist nicht die Art von Film die ihn gewinnt. Ciro Guerra sagt der Film ist entstanden als er sich eine Karte seines Landes angesehen hat, die große Fläche, die das Amazonasgebiet darstellt und sich gefragt hat wie viele Völker mit ihrer Kultur, ihren Geschichten, ihren Ritualen hier verschwunden sind und ein großes Verlustgefühl gespürt hat. Dieses transportiert auch der Film, doch endet er mit einer mehr als hoffnungsvollen Note. Vielleicht finden wir nicht unbedingt immer das was wir wollen aber vielleicht ist es manchmal exakt was wir brauchen. Oder was ein anderer braucht.

Trailer? Trailer! Horror Trailer! Action Trailer! Außerdem: Bong Joon Ho und Tilda Swinton!

Im Folgenden handelt es sich um Trailer für Horror oder Actionfilme, sie können also Blut oder andere, verstörende Bilder enthalten! Außer dem letzten, der enthält Tilda Swinton und sollte von jedem angesehen werden!

Als ersten Trailer präsentiere ich euch ‚The Void‘:

Wird das ein guter Film? Ehrlich gesagt keine Ahnung aber der Trailer tut genau das, was ein guter Trailer tun soll: macht neugierig, ohne zu viel über die Handlung zu verraten. Ich hab‘ ihn jedenfalls vorgemerkt.

Okay, nächster Trailer: oh Junge, ein Film um Teenager Vampire? Gähn! Wirklich Gähn? ‚The Transfiguration‘ sieht ehrlich gesagt verdammt gut aus:

Mögt ihr Charlize Theron? Es gibt ja keine dummen Fragen aber die dumme Antwort auf diese Frage wäre offensichtlich „nein“. Aber das hat ja hoffentlich niemand gesagt, oder? Hier also der Trailer zu ‚Atomic Blonde‘:

‚John Wick‘ sche Ästhetik plus Charlize Theron plus Toby Jones plus Eddie Marzan plus John Goodman? Ja bitte, ich nehme zwei! Da geht auch Queen in Ordnung. Und ich glaube ich habe „Academy Award Winner“ noch nie effektvoller eingesetzt gesehen!

Und zum Abschluss nicht wirklich Horror oder Action, sondern ‚Okja‘, der neue Film von Bong Joon Ho. Zeigt nicht wirklich viel, enthält aber Szenen in denen Tilda Swinton tildaswintont und ist somit absolutes Pfilchtprogramm:

Original vs. Remake (2): Affentheater

Hey, wollt ihr eine Original – Remake Auseinandersetzung zum originalen King Kong und dem Peter Jackson Remake lesen? Dann los! Aber ich muss Euch warnen, ich schaffe es irgendwie Andy Serkis mit keinem Wort zu erwähnen… Ma-Go macht das zum Glück besser!

Ma-Go Filmtipps

KK

Einleitung:

Es ist Zeit für den zweiten Kampf Original vs. Remake! Und wobeim letzten Mal gruselige, kleine Mädchen angetreten sind, kloppen sich diesmal nicht minder gruselige, gigantische Affen!

In der schwarz-weißen Ecke, Jahrgang 1933, mit den Trainern Cooper und Schoedsack, aus Hollywood, Kalifornien:

King Kong und die weiße Frau

(Im Ring steht natürlich nur Kong)

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In der bunten Ecke, Jahrgang 2005, mit Trainer Peter Jackson, aus Wellington, Neuseeland:

King Kong

King Kong

Als Ringrichter fungieren auch heute wieder Ma-Go und der Filmlichter.

Genau genommen stammen beide Affen natürlich von einer Südseeinsel, auf der einige Tiere zu extremer Größe heranwachsen und außerdem normal große Dinosaurier überlebt haben. Biologisch ist das mit einer besonderen Expression des seltenen „Spektakel“-Genclusters zu erklären, der… einen Moment, die Affen sind aus ihren Ecken verschwunden! Wo sind sie? Ah Teenie-Kong vollführt an der Deckenkonstruktion unserer absurd hohen Halle einarmige Klimmzüge, um eine Dame im Publikum zu…

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