Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Serien zum Thema „Arbeit“

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach 5 besten Serien zum Thema „Arbeit“. Ich mache es mir jetzt nicht so leicht, zu sagen, „naja Detektiv/Polizist ist ja auch ne Arbeit“ und schlicht Krimiserien aufzuzählen (habe aber drüber nachgedacht…). Ich versuche welche zu finden, die wirklich etwas zu dem Thema zu sagen haben.

5. Die ganz frühen ‚Simpsons‘ Staffeln

Die ganz frühen Staffeln machten noch ein großes Gewese um die finanzielle Situation der gelben Familie aus Springfield. Homers Job, für den er völlig unqualifiziert war (und ist), hielt die Familie am Laufen, sein Verlust war existenzbedrohend. Es fanden Familientreffen statt, bei denen Budgets erstellt wurden und ähnliches. Dann passierte was fast allen erfolgreichen Serien passiert, die nominell in einer Arbeiterfamilie spielen. Die Autoren wurden reich und das spiegelt sich in den Stories wieder, wo Homer seinen Job alle zwei Wochen aufgibt, um irgendeinem idiotischen Traum zu folgen, oder die Simpsons mal eben einen Tennisplatz im Garten errichten. Ich mag die frühen „wilderen“ Staffeln (4-9), aber diese „Scheißegaligkeit“ der Erzählung war dann mMn. auch für den Niedergang der einstmals grandiosen Serie verantwortlich. 

4. ‚The Office‘/‚Stromberg‘

Sei es das britische Original, oder das US Remake (das ich bevorzuge), ‚The Office‘ fängt typisches Büroleben recht glaubwürdig ein und verpasst ihm eine humoristische Übertreibung, die oft genug ins Schwarze trifft. ‚Stromberg‘ als inoffizielle deutsche Version tut dies auch, ist dabei aber weit mehr auf den titelgebenden und weitaus unsympathischeren Hauptcharakter fixiert.   

3. ‚Red Dwarf‘

Eine SciFi Sitcom aus Sicht der unteren Decks, Jahrzehnte vor ‚Lower Decks‘. Dave Lister, der – vermutlich – letzte überlebende Mensch, das Hologramm seines Vorgesetzten Rimmer und natürlich Cat, ein, mehr oder weniger, intelligenter Katzenmensch, Angehöriger eines Volkes, dass sich aus Nachkommen Listers schwangerer Katze entwickelt hat, während der versehentlich 3 Millionen Jahre im Kälteschlaf verbrachte. Wobei Cat mit Arbeit natürlich nix am (äußerst stylishen) Hut hat.

2. ‚Der Tatortreiniger‘

Um mal eine etwas ungewöhnlichere Arbeit zu beleuchten. Heiko Schotte ist Gebäudereiniger mit Spezialisierung Tatortreiniger. Sprich, er putzt Blut und Hirn und Gekröse weg, nachdem Polizei und Spurensicherung mit ihrer Arbeit fertig sind. Und trifft dabei auf allerlei bizarre Charaktere.

1. ‚Scrubs‘

‚Scrubs‘ kam ungefähr zu der Zeit, als ich im Krankenhaus auf der Intensivstation meinen Zivildienst geleistet habe. Und auch wenn das US-Krankenhaussystem ein ganz anderes ist, konnte ich hier problemlos einige der seltsamen Marotten, Rivalitäten und scharfen Hierarchien wiedererkennen, die womöglich universell für Krankenhäuser sind.

Newslichter Ausgabe 227: Oscars, Unfälle und amazonische Verwirrung

Willkommen bei Ausgabe 227 des Newslichters. So, heute habe ich mal wieder gar keine Einleitung… Reichlich komisches Wetter zurzeit, was? Weiß man gar nicht, was man anziehen soll. Tja… und sonst so? Habt Ihr irgendeinen guten Film gesehen in letzter Zeit? Was soll‘s, legen wir einfach los!

Oscars und Nominierungen und Genre

Sagt mal, riecht Ihr das auch? Dieses leichte Aroma in der Luft von tiefer Selbstverliebtheit und erstaunlich glaubhaft gespielter Demut? Das kann nur eines bedeuten, die Oscar-Nominierungen sind da! Und eine Kategorie sorgt dieses Jahr direkt für besonders viele Schlagzeilen. Die für die beste Hauptdarstellerin. Hier ist nämlich unter anderen Andrea Riseborough nominiert. Für den Film ‚To Leslie‘, den zwar nur wenige gesehen haben, der aber kritisch sehr gut besprochen wurde. Offenbar hat der Regisseur des Films, Michael Morris, eine Art Telefonlawine bei ihm bekannten Hollywoodstars gestartet, die, mit erstaunlich ähnlich klingenden Nachrichten, auf Sozialen Medien Reklame für den Film und Wind für Riseboroughs Nominierung machten. So weit, so problemlos, aber offenbar wurden dabei auch Mails an Mitglieder der Academy geschrieben und direkt versucht diese zu einer Nominierung von Riseborough zu überreden. Ob das wider die Regeln ist, wird derzeit noch geprüft. Riseborough selbst wusste von der ganzen Sache offenbar gar nichts (wobei ich das an ihrer Stelle wohl auch sagen würde…). In vielen Medien wurde so aus der Nominierung einer etablierten und fähigen Darstellerin eine „Schock Nominierung!!!“. Nach der letztjährigen Backpfeife braucht es wohl die große BILD-Geige für Oscar Überschriften.
Gleichzeitig wurde Mia Goth gefragt, ob sie sich durch ihre Nicht-Nominierung für ihre Rolle in ‚Pearl‘ übergangen fühle und ob die Academy ein Problem mit Horror habe. Beide Fragen beantwortete sie durch die Blume mit „ja“. Ich habe ‚Pearl‘, das Prequel zu ‚X‘ (noch) nicht gesehen und kann so nicht beurteilen, ob Goths Darstellung preiswürdig ist. Aber, dass die Academy Horror so gar nicht mag, ist wohl mehr als augenfällig. Ich könnte eine Reihe Beispiele nennen, beschränke mich aber auf das wohl schmerzhafteste du offensichtlichste, als die Oscars in ihrer „In Memoriam“ Schau auf verstorbene Vertreter der Industrie den 2017 verstorbenen Tobe Hooper „vergessen“ haben. Den Mann, der in den 70ern mit ‚Texas Chainsaw Massacre‘ das gesamte Horrorgenre revolutionierte.
Aber, wer weiß, vielleicht wird Andrea Riseboroughs Nominierung gekippt und Mia Goth nachnominiert. Und vielleicht regnet es morgen Kartoffelchips. Alles möglich!

Gerard Butlers blutige Spur

Gerard Butler scheint eine Person zu sein, die man nicht unbedingt als Kollegen haben möchte. Nicht etwa, weil unkollegial oder auch nur unfreundlich wäre, im Gegenteil, er wird meist sehr positiv beschrieben, sondern weil er zu bizarren Unfällen neigt. Nun hat er in einem Interview beschrieben, wie er im Film ‚PS: ich liebe Dich‘ in einer Szene in Boxershorts und Strapsen für Hilary Swank tanzt (bzw. sein Charakter für ihren). Dabei verhakte sich der Krokodilclip der Strapse so unglücklich an einem Monitor, dass er wie ein Geschoss durch den Raum zischte und Swank eine heftig blutende Wunde im Gesicht zufügte. Es fehlten ein paar Zentimeter und sie hätte blind sein können. Butler fühlte sich, nach eigener Aussage und wenig überraschend, natürlich furchtbar. Das ist allerdings gar nichts, verglichen mit dem Blutbad, das er im Film ‚Copshop‘ anrichtet. Also nicht im Film selbst, sondern bei den Dreharbeiten. Zwei Stuntleute trugen schwer blutende Kopfverletzungen davon, als sie Szenen mit Butler drehten. Und Ko-Star Ryan O’Nan bekam die Nadeln einer Taser Pistole von ihm in den Bauch geschossen, weil dessen Schutz verrutscht war. Das soll allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass Gerard Butler vor Gerard Butler sicher ist. Bei den Dreharbeiten zu ‚Plane‘ schmierte er sich selbst Phosphorsäure in Gesicht und Augen. Ich frage mich, ob Filme eine spezielle Butler-Versicherung abschließen müssen, wenn er am Set ist. Vielleicht aber auch nur alles geschickte, virale Werbung für ein Buster Keaton Biopic mit Butler. „Gerard hat fünf Schauspieler ausgeknockt, als er ein Brett auf der Schulter trug und mehrfach überraschend angesprochen wurde. Jetzt steckt er gerade mit dem Kopf im Cola-Automaten fest…“

Amazonische Grabräuberei

Okay, normalerweise laufen diese News ja auf eine ganz bestimmte Weise ab, ich erzähle von einer Nachricht und gebe meinen Senf dazu ab. Aber diese hier verstehe ich nicht so ganz, also vielleicht kann sie mir einer von Euch erklären. Im letzten Sommer, nachdem klar wurde, dass MGM keine weitere ‚Tomb Raider‘ Filmadaption mehr produzieren würde, verlor das Studio die Film-Rechte an der Videospielserie, nach neun Jahren. Die Rechte fielen an die Embracer Group, die gerade im wilden Kaufrausch unter vielem anderen Teile der Firma Square Enix, darunter die Rechte an der ‚Tomb Raider‘ Videospielserie, gekauft hatten. Um diese Filmrechte entspann sich alsbald ein Bieterstreit, der teilweise als „Blutrausch“ beschrieben wurde. Gewonnen hat den offenbar Amazon, die nun eine ‚Tomb Raider‘ Serie und vielleicht auch neue Filme produzieren. Und hier beginnt meine Verwirrung. Denn MGM gehört doch auch Amazon. Warum nicht das geplante Sequel mit Alicia Vikander drehen, die Rechte behalten und dann damit machen, was man will? Das wäre vermutlich auch nicht teurer gekommen, als die Rechte komplett neu zu erwerben. Oder gibt Amazon einfach gerne dreistellige Millionensummen an Embracer (siehe ‚Ringe der Macht‘)?

‚Spider-Man: No Way Home‘ (2021)

Mir ist letztens aufgefallen, dass ich eine ganze Weile keinen neuen Marvel Film mehr geschaut habe. Das war gar kein direkter Entschluss, das ist einfach so passiert. Dennoch kann man da ja mal was aus der letzten „Phase“ nachholen, dachte ich. Meine Wahl fiel auf entweder ‚Spider-Man: No Way Home‘, wegen Spidey, oder ‚Doctor Strange in the Multiverse of Madness‘, wegen Sam Raimi. Wer die Überschrift gelesen hat weiß, dass Spidey gewonnen hat. Kurz zu meiner Historie mit dem Marvel-Spidey: ich mochte den ersten Film, auch wenn er viel zu viel Stark hatte. Den zweiten fand ich ziemlich furchtbar, in einem „nicht mein Spider-Man, sondern eher ein Mini-Iron-Man“-Sinne. Ich werde den zu besprechenden Film im Folgenden spoilern. Weniger was die „Handlung“ (die Anführungsstriche dürfen als Omen gewertet werden) angeht, sondern eher die Prämisse. Aber Ihr hattet jetzt mehr als ein Jahr Zeit ihn zu schauen, also beschwert Euch nicht zu laut.

Die Welt weiß, dass Peter Parker (Tom Holland) Spider-Man ist. Und sie glaubt, dass er Mysterio ermordet hat. Um seine Familie, Freunde und sich selbst vor der einsetzenden Verfolgung zu schützen, wendet sich Peter an Doctor Strange (Benedict Cumberbatch). Der soll einen Zauber sprechen, der alle Welt vergessen lässt, wer Peter Parker ist. Doch Peter hat immer wieder Einwürfe, wer es nicht vergessen dürfe. Seine Tante May (Marisa Tomei), seine Freundin MJ (Zendaya) und sein bester Freund Ned (Jacob Batalon). Dadurch gerät der Spruch außer Kontrolle und zieht nun stattdessen jeden aus sämtlichen Multiversen an, der weiß, dass Peter Spider-Man ist. Der erste ist ein Mann mit vier metallischen Armen, der Chaos auf einem Highway anrichtet und zornig fragt, wo seine Maschine sei. Und Doctor Octopus (Alfred Molina) wird bei weitem nicht der letzte sein.

Nein, wahrlich nicht. Denn, in einem erstaunlichen Bewusstsein für Markensynergien, zieht der Spruch lediglich bekannte Figuren aus vorherigen Spider-Man-Filmen heran. Und schließlich auch die Spiders-Men selbst. Ja, der große Clou des Films ist, dass Holland, Tobey Maguire und Andrew Garfield aufeinandertreffen und sich ihren bekannten Schurken, allen voran ein sichtlich vergnügter Willem Dafoe als Norman Osborne/Green Goblin, ein weiteres Mal stellen müssen. Und, ganz ehrlich, die Idee, dass die älteren, weiseren Spiders-Men aus anderen Universen zusammenkommen, um dem kleinsten Spider-Man zu zeigen, wie man richtig spider-mant ist eine schöne Idee. Die hat mir echt gut gefallen, als ich sie vor ein paar Jahren in ‚Spider-Man: A New Universe‘ gesehen habe. Ihr wisst schon, dem Oscar Gewinner. Den Marvel hier auf fast schon dreiste Weise emuliert. Ohne je auch nur in irgendeiner Weise annähernd seine Qualität zu erreichen.

Sagen wir mal, ich bin zwiegespalten was den Film angeht. Manche der interpersonellen Beziehungen funktionieren und werden von gelungenen Darstellungen getragen. Besonders hervor tun sich hier der oben erwähnte Dafoe und Andrew Garfield, der den Eindruck hinterlässt, dass er ein weit besserer Spider-Man hätte sein können als seine Filme erlauben. Aber das wird immer wieder überschattet vom, für mich, unübersehbaren Zynismus der ganzen Unternehmung. Hier sind die alten Kerle, teilweise von vor 20 Jahren, für die man als Zuschauer gefälligst Nostalgie zu empfinden hat, und wo ich ahen und ohen soll, wenn sie nur im Film auftauchen. Und ich habe ehrlich gesagt durchaus Nostalgie für die Maguire Filme. Ich war glücklich, die Darsteller wieder in den Rollen zu sehen. Und dann wurde das Ganze dem MCU Treatment unterzogen. Peter und Kollegen reagieren mit Gelächter und der Nachfrage, wie er denn nun wirklich heiße, auf den Namen Otto Octavius. Diese Namensgags waren im allerersten ‚X-Men‘ schon ein wenig müde und hier sind wir mehr als 20 Jahre später und dröhnen sie immer noch raus. Wie kann es sein, dass Raimi vor 20 Jahren den besseren Gag hatte („A guy called Otto Octavius ending up with eight limbs… what are the odds?“)?

Und mit solchen Szenen mäandert sich der Film in seiner ersten Hälfte auf eine kaugummiartig gedehnte Laufzeit. Dieser Charakter trifft auf jenen Charakter, hey, das ist eine bisschen wie dieses eine Meme, das Du kennst, wenn Du allzu online bist. Erwartet dann aber in der zweiten Hälfte, dass wir ihm ernsthafte Dramatik abkaufen, wenn ein Charakter stirbt! Immerhin hat die zweite Hälfte die Szenen mit den 3 Peters, die vermutlich das Beste am Film sind, auch wenn man Maguire anmerkt, dass er vor allem des Schecks wegen vor Ort ist. Warum sich die ganze Chose auf 2,5 Stunden aufblähen muss wissen wohl nur die Marvel Götter und Kevin Feige. Aber da später noch eine 15 Minuten längere Version(!) veröffentlicht wurde, funktioniert das wohl für Leute. Für mich eher nicht.

Was auch auffällt ist wie seltsam hässlich und leer der Film teilweise wirkt. Abgesehen von der Eröffnungsszene bleiben die Hauptfiguren eigentlich die meiste Zeit komplett unter sich. Nebenfiguren oder Statisten gibt es kaum. Sicherlich, der Grund dafür dürfte Corona heißen, aber es fällt eben doch auf. Und Szenen wie die lange, lange Sequenz auf einem Gerüst um die Freiheitsstatue erwecken eben nicht das Gefühl großer Weite, sondern in jedem Moment die Enge eines Studios, wozu die seltsame Beleuchtung beigetragen haben dürfte. Warum man sich bei Marvel bemüßigt fühlte gerade diesen Film für einen Effekte Oscar einzureichen, kapier ich auch nicht. Immerhin, wenn zum Ende hin die Realität auseinanderbricht (nicht wirklich ein Spoiler, ist immerhin ein Marvelfilm), dann sind in den Rissen immerhin Kirby-Dots zu sehen. Das hat mich, als alten Sack,  glücklich gemacht.

Wie mich überhaupt etwas mehr glücklich gemacht hat, als der recht negative Text vermuten lassen würde. Ich habe mich durchaus gut unterhalten gefühlt, nur eben gelegentlich auf die Uhr geschaut. Und, immerhin, das Ende verspricht mir den Spider-Man den ich möchte, nämlich ohne Stark- Connections, ohne Avengers, aber leider auch ohne Freunde. Doch ich bin sicher, da lässt sich im nächsten Film was dran drehen. Ich sehe nicht, dass das Franchise MJ und Ned aufgibt.

Der ganz große MCU Fan werde ich wohl trotzdem nicht mehr, denn die fast einhellige Begeisterung für den Film erschließt sich mir so gar nicht. Aber, immerhin, ich verstehe es als eine Art Fast Food. Nach ner Weile ohne hat man mal wieder echt Bock drauf, während des Essens schmeckt es auch richtig gut, aber ne Stunde später haste wieder Hunger und ein schlechtes Gewissen, ob der Kalorien, die Du Dir grad reingepfiffen hast. Bin ich mit dem Vergleich jetzt in gefährliches Scorsese Fahrwasser geschippert? Keine Ahnung. Nur um eines ganz deutlich zu machen: wenn Dir der Film gefallen hat, dann freut mich das und das Obige ist kein Angriff auf Dich oder Deinen Geschmack.

Frage an die Mighty Marvelites: kann ich dem Doctor Strange sein mades Multiverse jetzt einfach so gucken, oder ist der Wanda ihre Vision vorher Pflichtprogramm?

Ich wünschte, ich würde Himbeeren lieber mögen

Hollywood ist eine unfassbar selbstverliebte Blase. Oft genug besoffen an der eigenen Bedeutung und angepriesenem künstlerischen Wert. Und nirgendwo zeigt sich dieser glitzernde Narzissmus deutlicher, als bei der Oscar-Verleihung. Wo ein Haufen Millionäre den eigenen Status abfeiern und gelegentlich Backpfeifen austeilen. Das einfache Volk, die Crew, hat natürlich auf dieser edlen Gala nix verloren, die bekommen ihre Preise anderswo und gewiss nicht im Fernsehen, will ja auch keiner sehen.

Es fällt schwer, die Oscars zu schauen und sich nicht zu wünschen, irgendwer würde sich groß und laut und fies darüber lustig machen. Den Korken aus der Blase ziehen und wenigstens mal ein bisschen der Luft volle Fürze, die nicht stinken dürfen, ablassen. Nun, seit 1980 gibt es das, wenigstens nominell. Film-Marketing Macher und Trailer-Cutter John J.B. Wilson bemerkte, wie viele Filme, für die er Trailer machte, er eigentlich ganz furchtbar fand. Und so fand auf einer privaten Party, während der Oscar Verleihung, die erste Verleihung der „Golden Raspberry“ statt. Heute gibt es eine „Golden Raspberry Award Organization“, der man für eine Gebühr beitritt und dann über Nominierte und letztlich Gewinner abstimmen darf. Sie zählt über 1000 Mitglieder aus 19 Ländern. Die Himbeeren sind nach dem englischen Ausdruck „to blow a raspberry“, also ein Furzgeräusch mit der Zunge zu machen, benannt.

Und von Anfang an waren sie umstritten. Ob das nun daran liegt, dass sie von Anfang an schlecht waren, oder doch daran, dass getroffene Hunde bellen, darüber darf man trefflich streiten. So gab es Artikel, die den „Razzies“ vorwarfen, sich nur auf bekannte Filme einzuschießen und auf die richtig schlechten gar nicht einzugehen. Ich glaube, das heißt den satirischen Anspruch des Preises komplett zu missverstehen. Es geht doch nicht darum, sich über eine 2000 Dollar billigst-Produktion, die kein Mensch gesehen hat, lustig zu machen, weil deren Ausleuchtung furchtbar ist. Natürlich ist sie das! Interessiert aber niemanden. Es geht darum, der absoluten Selbstverliebtheit einen Spiegel vorzuhalten. Auf die Absurditäten des Filmbusiness hinzuweisen. Und Spaß auf die Kosten von Stars zu haben. Alles völlig hehre Ansprüche.

Eine andere Kritik trifft da dann schon eher ins Mark. Nämlich die, dass sich die Razzies allzu oft die ohnehin schon leichten Ziele herauspicken. Die Filme, über die sich ohnehin schon alle lustig gemacht haben. So sind dieses Jahr selbstverständlich ‚Morbius‘ und Disneys ‚Pinocchio‘-Remake in mehreren Kategorien nominiert. Aber ich vermute, das lässt sich einfach nicht vermeiden. Genauso wie es „Oscar-bait“ Filme gibt, also solche, die maßgeschneidert wurden, um Oscarnominierungen zu erhalten, gibt es auch „Razzie-bait“ Filme. Also solche, die so absurd, oder albern sind, dass die Razzie Organization (deren Mitglieder die Filme genauso wenig gesehen haben müssen, wie die der Academy) sie quasi nominieren muss. Aber das sind natürlich genau die Filme, die schon während ihrer Laufzeit auf Sozialen Medien durchgewalkt werden, bis nichts mehr von ihnen übrig ist, außer eine Handvoll rapide alternder Memes. Was die Razzies dann gerne müde und altmodisch und der Zeit hinterher wirken lässt.

Und daher, so scheint es wenigstens, hat man bei den Razzies nun einen Plan gefasst wieder mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. Richtig schlechte Presse. Was für die Oscars die Smith Ohrfeige war, sind für die Razzies fragwürdige Nominierungen. Im letzten Jahr etwa, haben die Razzies eine eigene Kategorie für die schlechteste Bruce Willis Performance eingerichtet. Willis erschien zuletzt in zahlreichen, kleinen Rollen in Billigproduktionen. Die Razzies haben diese Nominierung schnell zurückgezogen, nachdem Willis Familie bekanntgegeben hat, dass der Darsteller an Aphasie leide und noch möglichst viele Rollen vor seinem Karriere-Ende absolvieren wollte. Ich würde behaupten, es reicht einen 2 Minuten Ausschnitt aus irgendeinem der Filme zu sehen, um zu ahnen, dass mit Willis irgendwas so gar nicht stimmt. Aber wie dem auch sei, die Razzies haben es offenbar nicht bemerkt, wollten aber, als sie es erfuhren, niemandem mit einer kognitiven Erkrankung einen Hohnpreis verleihen und zogen die Kategorie und Nominierungen zurück. Richtig so.

Dann müssen sie sich aber fragen lassen, warum sie in diesem Jahr einen Kopfsprung in eine noch weit größere Fettwanne probieren. Mit Willis hat man immerhin einen Schauspieler mit langjähriger Erfahrung aufs Korn genommen. Einen Star, der es, unter üblichen Umständen, absolut vertragen könnte, hier ein wenig verarscht zu werden und in der Lage wäre darauf zu reagieren. Aber dieses Jahr meinte man nun, die 12jährige Ryan Kiera Armstrong für ihre Rolle im ‚Firestarter‘ Remake (während der Dreharbeiten war sie 11) nominieren zu müssen. Darüber ist viel geschrieben worden und ich mag gar nicht viel dazu sagen. Erwachsene, die meinen sich über Kinder lustig machen zu müssen, kann ich eigentlich bloß als erbärmlich beschreiben. Zuletzt war es übrigens der damals ebenfalls 11jährige Jake Lloyd, der 1999 für ‚Star Wars Episode I‘ nominiert war. Das war erbärmlich und diese Nominierung ist es auch. Teil des Spaßes ist doch die Reaktion der Nominierten/Gewinner. Sei es ein Paul Verhoeven oder Halle Berry, die lachend ihre Preise entgegennehmen, oder ein Sylvester Stallone, der mit fußstampfendem Zorn reagiert. Wie viel Humor kann man aus der Reaktion eines traurigen Kindes ziehen, wenn man nicht gerade ein sadistischer Schulhof-Bully ist? 

Und dabei deuten die Razzies ja durchaus an, dass sie es besser können. In der Kategorie „Worst Screen Combo“ sind dieses Jahr einige lustige Kombo-Nominierungen zu finden. ‚Blonde‘ Regisseur Andrew Dominik und „seine Probleme mit Frauen“ etwa. Oder Tom Hanks und „sein Latex verklebtes Gesicht (und fragwürdiger Akzent)“ aus ‚Elvis‘. Siehste, ich fand Hanks‘ Darstellung in ‚Elvis‘ gut, finde aber diese Nominierung ebenso gut, denn bei Lichte betrachtet ist seine Darstellung selbstverständlich absurd. So absurd wie das ganze Business. Und das Schöne ist, sollte Hanks gewinnen kann man sogar von einer humorvollen Reaktion ausgehen.

Ich wünschte, genau hier würden sich die Razzies mehr trauen. Wilder sein, absurder. Denkt Euch halt jedes Jahr neue Kategorien aus, um Stars und Filme zu nominieren. Hollywood braucht eine Art anti-Oscars, aber es wäre halt schön, wenn diese anti-Oscars besser wären als die reichlich lahmen Razzies, die mit provokativen Nominierungen um genervte Aufmerksamkeit haschen müssen. Prrrrrrrrrrrrtttt!!!

Update: die Nominierung von Armstrong wurde zurückgezogen und ein Mindestalter von 18 Jahren für die Nominierung eingeführt. Man darf gespannt sein, welchen Fettnapf das nächste Jahr für die Razzies bereithält.

PPS: aber mal ernsthaft, Himbeeren sind schon unter den nicht so tollen Beeren, oder? Erd-, Heidel-, Brom- sind allesamt bessere Beeren. Himbeeren sind in etwa auf Stachelbeerenniveau! Einer muss es ja mal sagen!

Newslichter Ausgabe 226: ‚Rust‘-Anklagen und Soundmix

Willkommen bei Ausgabe 226 des Newslichters. Heute steht mit dem Unfall am Set des Westerns ‚Rust‘ wieder einmal ein ernsteres Thema im Mittelpunkt, weswegen im Folgenden deutlich weniger Albernheit als üblich zu finden sein wird. Als zusätzliches Thema habe ich endlich eine Sicherheit, dass mein Soundsystem nicht kaputt ist und es auch nicht an meinen Ohren liegt. Dialoge in Filmen werden tatsächlich schlechter verständlich. Legen wir los!

‚Rust‘

Kommen wir mal wieder zurück, zum tödlichen Unfall am Set des Indie Westerns ‚Rust‘, bei dem Darsteller Alec Baldwin im Herbst 2021, beim Umgang mit einer angeblich sicheren Requisiten-Schusswaffe, bei Drehproben Kamerafrau Halyna Hutchins erschoss und Regisseur Joel Souza schwer verletzte. Die Staatsanwaltschaft von New Mexico hat nun Anklage wegen fahrlässiger Tötung, sowohl gegen Baldwin als auch gegen die Waffenmeisterin der Produktion erhoben. Damit drohen beiden Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Die Anklage der Waffenmeisterin scheint offensichtlich. Sie hatte sich zuvor beklagt, dass die Produktion ihr zu viele andere Aufgaben auferlegt hätte, als dass sie sicher ihren Job hätte ausführen können, aber das ist etwas, das das Gericht klären muss. Als Waffenmeisterin würde sie wohl immer in der Verantwortung stehen. Für etwas mehr Aufregung sorgte die Anklage gegen Baldwin. Als Schauspieler könne es doch nicht seine Aufgebe sein, die Sicherheit einer Schusswaffe zu überprüfen, insbesondere, wenn ihm versichert wird, sie wäre nicht scharf geladen, heißt es. Zudem habe er mit der Waffe nicht herumgealbert sondern ist in einer Probe den direkten Anweisungen eines der Geschädigten gefolgt. Dem würde ich zumindest absolut folgen. An einem Filmset gibt es so viele Dinge, die gefährlich sein können, die man aber der Kontrolle von Experten überlassen muss, nicht der von Darstellern. Niemand käme etwa auf die Idee zu behaupten, Ellen Burstyn hätte am Set von ‚Der Exorzist‘ den Sitz ihres Stuntharnisches selbst überprüfen müssen, ihre permanente Wirbelverletzung, infolge der Szene, in der sie von der besessenen Reagan durch den Raum geschleudert wird, sei also ihre eigene Schuld. Warum sollte das ausgerechnet bei einer Schusswaffe anders aussehen? Und wenn es diese Verantwortung gäbe, müsste sie glasklar formuliert und durch eine entsprechende Ausbildung ermöglicht werden.
Es folgt ein wichtiges Aber: Baldwin war eben nicht nur Darsteller, er war auch Produzent des Films und als solcher mit für die Sicherheit am Set verantwortlich. Am Set einer Produktion, wo es wiederholt Beschwerden über Sicherheit und Behandlung der Crew gab. Wo das Kamerateam am Vortag der Tragödie das Set im Protest verlassen hat. In dieser Rolle verstehe ich die Anklage absolut, muss mich dann aber fragen, warum die anderen vier Produzenten nicht auch angeklagt werden. Wer frühere Artikel im Newslichter über den Fall gelesen hat, wird die Abwesenheit einer zentralen Person bemerkt haben. Der Regieassistent, der die Waffe, angeblich ohne Wissen der Waffenmeisterin, an sich genommen hat und sie, laut eigener Aussage, ohne die Patronen zu prüfen, Baldwin als „sicher“ übergeben hat. Dieser hat einen „Deal“ mit der Staatsanwaltschaft geschlossen. Er sagt gegen die anderen Angeklagten aus, im Gegenzug für eine Bewährungsstrafe von 6 Monaten. Davon darf man wohl halten was man will.
Ärgerlicher finde ich aber eher noch, dass es den Behörden nicht gelungen ist, herauszufinden, wie überhaupt scharfe Munition an das Filmset gelangen konnte. Eine der vielleicht zentralsten Fragen des ganzen Falls. Mit einer zynischeren Weltsicht, hätte ich wohl den Eindruck, das Ziel der Staatsanwaltschaft ist es, hier den bekanntesten beteiligten Namen vor Gericht zu stellen. Warum sonst sollte man dem Regieassistenten, der ja quasi mehr oder weniger eine Hauptschuld eingestanden hat, einen Deal anbieten? Warum sonst sollte man die anderen, unbekannteren Produzenten ignorieren? Die Medienaufmerksamkeit ließ nicht auf sich warten.
Ich halte eine Verurteilung von Baldwin zwar für sehr unwahrscheinlich, aber sollte sie erfolgen, hätte das erhebliche Folgen für die amerikanische Filmindustrie. Mindestens was Produktionen in New Mexico angeht, vermutlich aber, was die Verwendung echter Schusswaffen am Set allgemein betrifft. Ich würde mich als Darsteller jedenfalls strikt weigern, eine in die Hand zu nehmen.

Warum brauchen wir auf einmal Untertitel?

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich fummele in den letzten Jahren häufiger verzweifelt an meinem Soundsystem herum, in der festen Überzeugung, ich muss irgendwas ganz übel verstellt haben. Aber immer wieder stellt sich heraus, nein, der Dialog ist tatsächlich so schwer verständlich, dass ich Untertitel brauche. Dass es nicht an meiner Anlage liegt, merke ich spätestens, wenn ich einen älteren Film schaue und sämtliche Dialoge glasklar verstehe. Das Magazin Vox hat eine Twitter Umfrage gestartet, bei der sich herausstellte, dass von den über 100.000 Teilnehmern 57% Filme/Fernsehserien grundsätzlich mit Untertiteln schauen. In einem kurzen und informativen Video haben sie nun die Gründe dafür zusammengefasst, von veränderter Art der Darstellung bis zum Soundmix.

Die deutsche Synchro scheint mir üblicherweise verständlicher, nicht bloß weil ich Muttersprachler bin, sondern weil die im Soundmix meist prominenter platziert scheint. Die „dynamic range“ des originalen Mixes scheint immer wieder das Problem. Ja klar, Explosionen sind lauter als gesprochener Dialog, aber eine solche Idee von „Realismus“ im Soundmix ist doch idiotisch. Da müsste das Publikum, dass gerade einen Schusswechel gesehen hat ja „realistisch“ erst mal taub sein. Ich glaube kaum jemand wird sich über verständliche Dialoge beschweren, selbst wenn die auf Kosten von „Realismus“ gehen. Zumindest in Filmen, in denen das gesprochene Wort wichtiger als der Rumms ist.

‚Moonage Daydream‘ (2022)

Ich muss es wohl gleich am Anfang sagen: ‚Moonage Daydream‘ ist ein Film, der es, zumindest mir, nicht leicht macht über ihn zu schreiben. Allzu audiovisuell sind die Eindrücke, die Brett Morgans (um mal einen alten 90er Begriff zu verwenden) multimediale Collage hier vermittelt, um sie mit bloßen Worten wiederzugeben. „Weder Dokumentarfilm noch Biografie“ verkündet die BluRay Hülle nicht ohne Stolz. Und das ist korrekt. Mit dem Segen von Bowies Nachkommen hatte Morgen Zugriff auf ein gigantisches audiovisuelles Archiv von teilweise unveröffentlichtem Material, aus dem er hier eine annähernd psychedelische Collage an Stummfilmausschnitten, Konzertfilmen, Bootlegmitschnitten, Interviews, zufällig gefilmtem Material, inszeniertem Material, Pepsiwerbung, Fotos, Tanz, Portraits, Bowies Öl- und Acrylkunst, unterlegt mit Audioaufnahmen von Bowie, die eine Art erzählenden Rahmen liefert, sowie natürlich jeder Menge Musik, teilweise von Bowie Arrangeur Tony Visconti neu abgemischt, oder nach Cut-up Methode neu zusammengesetzt.

Der Film betont nicht nur in seiner Form, sondern auch in seiner, bei aller Collagen-haftigkeit durchaus nachvollziehbaren Erzählung, Bowies Wandelbarkeit. Die erste Stunde des 2 1/4 Stundenwerks ist dabei allein den 70ern gewidmet. Beschreibt die gigantische Entwicklung von Ziggy Stardust  hin zur Berliner Zeit und den Einfluss, die diese auch auf Bowies bildende Kunst hatte. Seine Chamäleonhaftigkeit, seine stete Unruhe, seine Weigerung weder privat noch künstlerisch in irgendeiner Weise sesshaft werden zu wollen. Auch die 80er bekommen ihren Raum, als David Bowie das wurde, was er 10 Jahre zuvor vermutlich als tödlich altmodisch abgetan hätte: ein Superstar. Und das ist einer der faszinierenden Vorgänge, die der Aufbau des Films mit sich bringt. Hier haben wir nicht nur den reiferen Bowie, der seine frühe Karriere im Nachgang beurteilt, wir haben auch den jungen Bowie der, teilweise musikalisch, den älteren Bowie kommentiert. Die Ehe mit Iman und auch der Jahrtausendwechsel finden Erwähnung, danach wird die Erzählung aber noch bruchstückhafter, Bowies Tod mit 69 bleibt nur angedeutet. Morgen ist an seinem grandiosen Leben interessiert, nicht an seinem zu frühen Tod.

„Vergänglichkeit“ ist dennoch ein Wort, das im Film häufig fällt. Die Endlichkeit des Lebens, der sich der junge Bowie mit immer neuen Charakteren zu entziehen versuchte, der gereifte aber ohne große Furcht entgegenblickte, wissend, dass das Leben ohne den Tod bedeutungslos wäre. Auch „Chaos“ ist ein Begriff, der immer wieder fällt. Bowie war fasziniert vom Chaos, das einen derart großen Einfluss auf unser aller Leben hat, wir aber alle stets versuchen zu ignorieren, in unserem Säugetier-Erbe, für das es wichtig ist, Futter und Wasser am stets gleichen Ort zu finden, das nach Ordnung strebt. Kein Wunder, dass Bowie sich gelegentlich wie ein Alien fühlte. In den 70ern wollte er das neue Jahrtausend herbeiführen, erzählt er. Und teilweise hört er sich erstaunlich prophetisch an. Wenn er von wirbelnder Information spricht aus deren Chaos (da ist es wieder), wir die Fragmente herausgreifen müssen, die uns als Menschen ausmachen, ist es schwierig nicht zumindest ein wenig das Internet vor sich zu sehen.

Der Film ist faszinierend, ich hoffe, das kann ich transportieren. Es gibt sicherlich auch Dinge zu kritisieren. Wenn man die faszinierende Form des Films komplett außer Acht lässt (was man nicht tun sollte!), was bleibt übrig? Ein Menge wunderbar präsentierter Bowie-Songs natürlich, aber an reiner, neuer Information nicht wahnsinnig viel, wenn man auch nur das kleinste Interesse für Bowie mitbringt. Womöglich ist die enge Verknüpfung mit Bowies Nachkommen hier Fluch und Segen zugleich. Mit dem Zugriff auf gewaltige Mengen Materials geht womöglich einher, dass man hier in keiner Weise am Mysterium Bowie kratzt. Keine hässlichen Fragen stellt, nicht dem fraglosen, musikalischen Genie die teils gewaltigen Fehler innerhalb und außerhalb seiner Kunst gegenüberstellt. Morgen vermittelt uns hier nicht einmal unbedingt, was Bowie für ihn selbst bedeutet. Das ist ein sorgfältig kuratierter Film, der zwischen aller Information und aller Offenheit immer genug Raum lässt, um David Bowie genau das Enigma sein zu lassen, dass er immer sein wollte.

Und ich bin mir nicht einmal sicher, ob das eine wirkliche Kritik ist, nicht jedes Mysterium wird besser dadurch, dass man es „löst“, aber es fällt halt bei aller Bezauberung auf, dass das hier ein pures Fan-Werk ist, ein letzter Ritt mit Ziggy, ein grandioses Ausrufezeichen am Ende einer außergewöhnlichen Karriere.

Als solches ist ‚Moonage Daydream‘ aber nichts weniger als ein donnernder Erfolg, der es verdient auf die größtmöglichste und lautmöglichste Art gesehen zu werden. Selten vergehen zwei Stunden schneller.