Der traurige Lohn der Superhelden-Schöpfer

Dieser Tage sind Superhelden (und -schurken) mehr wert als je zuvor. Spielen an Kinokassen und in Streaming-Services unzählige Millionen von Filmfreunden ein und werden weltweit erkannt und vermarktet. Allerdings gibt es Leute, die von diesem großen Kuchen nur erschreckend wenig abbekommen. Diejenigen, die sie erfunden haben. Und der größte Knauser in Hinsicht auf die Kreativen scheint hierbei, ausgerechnet, Marktführer Disney.

Kürzlich hat sich Comicautor und -zeichner Jim Starlin auf Facebook zu Wort gemeldet. Dort sagte er, er habe mehr Geld für die Verwendung seines Charakters KGBeast in ‚Batman v Superman‘ von Warner erhalten als für alle Verwendungen seiner Erfindungen Gamora, Drax und vor allem Thanos in sämtlichen Marvel-Produktionen zusammen. Dabei lohnt es sich zu erwähnen, dass KGBeast als Handlanger Luthors nur in seiner Zivilpersona Anatoli Knyazev auftritt und nicht einmal ein Kostüm trägt. Und Thanos war der BIG BAD des MCU.

In eine ähnliche Kerbe schlägt die Aussage von Comicautor Ed Brubaker, gemeinsam mit Zeichner Steve Epting Schöpfer des „Winter Soldier“, der in Kevin Smiths Fatman Beyond Podcast erzählte, er bekomme mehr aus „residuals“ für einen kurzen Cameo-Auftritt in ‚The Return of the First Avenger‘, als für die Verwendung seiner Figur in den Filmen. Er beschreibt das Gefühl dabei als „Jack Kirby Magengeschwür“, das ihm sagt „So fühlt sich das an, Junge!“. Die Erwähnung von Jack Kirby macht dabei deutlich, dass dieses Übervorteilen von Kreativen im Superheldenbusiness nichts Neues ist. Genau genommen begann es direkt damit, die Schöpfer des ersten Superhelden über den Tisch zu ziehen.

1938 verkauften Autor Jerry Siegel und Zeichner Joe Shuster sämtliche Rechte an ihrer Schöpfung „Superman“ an Detective Comics, Inc.. Es war ein Art Verzweiflungstat nachdem sie über Jahre erfolglos versucht hatten, ihren Superhelden als Zeitungsstrip zu etablieren. Sie bekamen 130 Dollar. Etwa 2400 Dollar, inflationsbereinigt. Ein lächerlicher Betrag dafür, dass DC Comics seinen Erfolg auf Superman aufbaute. Einige Jahre später klagten sie auf Rückgabe der Rechte, man einigte sich jedoch außergerichtlich. Das ist ein spezifischer Fall, aber weitaus weitreichender sind Dinge, wie die Tatsache, dass Autoren und Künstler in Comics (und nicht nur bei den Superhelden) üblicherweise nicht einmal genannt wurden.

Das änderte sich spätestens 1961, als das „Marvel Age Of Comics“ anbrach. Nach dem zweiten Weltkrieg und über den Verlauf der 50er waren Superhelden immer weniger erfolgreich. Doch bei DC hatte man einen Trick gefunden: wenn ein Superheld nicht zieht, pack sie einfach zusammen. Die „Justice League of America“ verkaufte sich gut. So beauftragte Stan Lees Verleger bei Timely (Vorgängerverlag von Marvel) ihn ebenfalls ein Team-Comic abzuliefern. Lee glaubte nicht dran, oder an Comics im Allgemeinen. Er schrieb simple Abenteuer- und Monstergeschichten für Timely und war tief unglücklich mit seinem Job. Aber er schrieb die ‚Fantastic Four‘ verzichtete dabei jedoch auf typische Superhelden-Accoutrements wie Masken oder Geheimidentitäten, gab ihnen aber komplexere Persönlichkeiten als üblich. Sollte er dafür gefeuert werden, wäre es ihm gar nicht so unrecht. Er schrieb, wie üblich, eine halbe Seite mit einer Zusammenfassung der Geschichte. Jack Kirby zeichnete sie (und änderte das Skript dabei durchaus erheblich nach seinen Vorstellungen), bevor Lee die Dialoge einfügte. Wir wissen um den Erfolg und bald hielten „typischere“ Superhelden wie Spider-Man oder Ironman Einzug. Lee nannte zwar überall die Künstler (er machte sogar auf redaktionellen Seiten eine Art Soap Opera aus dem Zeichnerpool), allerdings war es oft genug allein er, der in der öffentlichen Wahrnehmung das „Genie“, der „coole Walt Disney“, war. Und er tat nicht unbedingt viel dafür, um von diesem Eindruck abzuweichen. Spider-Man Zeichner Steve Ditko verließ den Verlag frustriert Mitte der 60er und Superstar „King“ Kirby Ende der 60er (ausgerechnet zum Hauptkonkurrenten DC), nachdem Lee einen Millionenvertrag bekommen hatte, er einen, den er als Beleidigung empfand.

Nur um eines klarzustellen, ich bin kein Vertreter der Idee, dass Lee Kirby grausam ausgenutzt hat, wie man das manchmal liest. Das hätte Kirby zum einen nicht mit sich machen lassen, zum anderen hat er ca. 35.000 (heute über 200.000) Dollar im Jahr verdient, nagte folglich nicht am Hungertuch. Dennoch wurde Kirby, nicht nur weil er einer der besten Superhelden-Zeichner aller Zeiten sein dürfte, sondern weil er ob seiner Behandlung auch nie ein Blatt vor den Mund nahm, zu einem Sinnbild der Probleme der Superheldencomics.

Aber es ist nicht nur mangelnde Anerkennung oder mangelnde finanzielle Beteiligung an den eigenen Erfindungen, es ist auch die Kontrolle über sie, die ein Problem ist. In den 80ern hatte der damalige Superstar-Comicautor (und Magier) Alan Moore es satt für DC Charaktere zu schreiben, die ihm nicht gehörten. So ließ er sich für seine Miniserie ‚Watchmen‘ 1986 vertraglich zusichern, dass das geistige Eigentum der Charaktere an ihn und Zeichner Dave Gibbons fallen würde, sobald die Comics aus dem Verkauf wären (was damals üblicherweise schnell ging). DC hält die Serie seit 1986 in ständigem Verkauf. Das tun sie natürlich nicht nur, um Moore und Gibbons zu übervorteilen, sondern auch, weil die Serie immer noch die Empfehlung für großkopferte Superhelden ist. Und weil man ja Film, Fernsehserie und Comicfortsetzungen machen will, ohne beim (nicht zuletzt ob seiner Erlebnisse bei den großen Comicverlagen) mürrischen Bartträger aus Northampton nachfragen zu müssen.

Da ist es für Disney, denen Marvel gehört oder Warner, denen DC gehört natürlich wunderbar, dass sie Charaktere haben, über die sie vollkommene Kontrolle besitzen. Deren Erfindern man im Abspann dankt und ihnen einen kleinen Scheck zukommen lässt, über den sie lieber mal froh sein sollten! Ein Buchautor (oder dessen Nachkommen) will sicher satt am Erfolg der Verfilmung seines Werkes beteiligt werden, ein Luxus den Comicschaffende meist nicht haben.

Wie kann es sein, dass ein Ed Brubaker für einen Winzauftritt im Film mehr Geld bekommt, als dafür eine zentrale Figur mehrerer Filme (und nun einer Serie) geschaffen zu haben? Meine Antwort darauf, die vielen Amerikanern vermutlich nicht gefällt ist, dass Schauspieler mit der Screen Actors Guild eine extrem mächtige Gewerkschaft haben. Comicschaffende haben überhaupt keine. Spätestens jetzt, wo sie die wesentliche Grundlage eines Milliardengeschäfts liefern, wäre aber doch wohl die Zeit dafür gekommen, oder?

https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/thanos-creator-was-paid-more-batman-v-superman-all-marvel-movies-combined-968148

https://www.cbr.com/winter-solder-ed-brubaker-paid-more-cameo-creating-winter-soldier/

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Geschwister aus Filmen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach unseren 5 liebsten Geschwistern aus Filmen. Das ist wieder so ein Thema, wo mir die besten Kandidaten erst einfallen, wenn ich die Listen der anderen Teilnehmer lese, aber genau das macht ja den Spaß der Besten am Donnerstag aus. Legen wir also los!

5. Brigitte & Ginger Fitzgerald aus ‚Ginger Snaps‘

Wenn die ältere Schwester eines sehr engen und sehr eigenen Geschwisterpaares plötzlich Interesse am anderen Geschlecht findet und immer weniger Zeit für die jüngere Schwester han, dann fühlt es sich fast so an, als würde sie zum Monster! Nein, subtil ist die Pubertät-Werwolf-Symbolik hier nicht, aber Brigitte und Ginger sind liebenswerte Geschwister.

4. Pearl & John Harper aus ‚Die Nacht des Jägers‘

Sicher, man schaut den Film vermutlich eher wegen Robert Mitchums durchaus gruseligem Serienmörder. Aber man kann ja kaum anders als Sympathien für die beiden Kinder zu entwickeln, die sich ihm gegenübersehen.

3. Leia & Luke aus ‚Star Wars‘

Wir reden hier nicht über Dinge, die passiert sind bevor beide wussten, dass sie Geschwister sind, okay! Viel unterschiedlicher als die beiden Skywalker Nachkommen kann man vermutlich kaum sein und schon allein deshalb gehören sie auf die Liste.

2. Die Thrombey Geschwister aus ‚Knives Out‘

Ich meine, man weiß halt gar nicht, wer nun am widerlichsten ist! Aber es macht durchaus Spaß sie allesamt auf charmante Weise nicht zu mögen!

1. Jake & Elwood Blues aus ‚Blues Brothers‘

Sie sind halt im Auftrag des Herrn unterwegs, was quasi eine Abkürzung auf Platz eins bedeutet.

Newslichter Ausgabe 137-3: Kram

Willkommen bei Ausgabe 137-3 des Newslichters. Woche drei ohne echten Newslichter und Woche zwei ohne Rückmeldung vom Support (zum Zeitpunkt als ich das hier schreibe, schreibe ich mal in wahnwitzig guter Hoffnung…). Yay.

Tja, aber da Ihr jetzt halt trotzdem hier seid und vermutlich nicht bloß mein Gejammer hören wollt, schauen wir halt mal in die News.

Max Hodak, Elon Musks Partner in der Firma Neuralink, sagt Neuralink könne in 15 Jahren ihren eigenen, echten Jurassic Park eröffnen. Eine tolle und total sichere Idee, wie wir aus der Filmreihe ‚Jurassic Park‘ wissen! Nicht, dass ich ihm das auch nur annähernd glauben würde. Aber, hey, ein gerupfter Vogel Strauß sieht vermutlich wie ein Gallimimus aus. Das soll übrigens keine Anregung sein, Neuralink!!!

Wer vom Dino Parken nicht genug bekommen kann und nicht so viel Geld wie Musk aber immer noch zu viel über hat, kann übrigens 180$ für erstaunlich häßliche Reebok JP Sneaker ausgeben.

https://www.cbr.com/jurassic-park-reebok-instapump-fury/

Apropos zu viel Geld. Letzte Woche wunderte ich mich darüber, dass Netfilx 400 Millionen Dollar für zwei ‚Knives Out‘ Sequels bereitstellt. 200 Millionen erschienen mir als unverschämt aufgeblähtes Budget für ein whodunnit. Jetzt scheint es, dass Star Daniel Craig, Regisseur Rian Johnson und Produzent Ram Bergman jeder bis zu 100 Millionen mit nach Hause nehmen dürfen. Oh und es waren keine 400 Millionen von Netflix, sondern wohl noch 69 (nice) mehr. 469 Millionen für zwei Filme, wo der Erstling gut 300 eingespielt hat. Okay, wenn ihr meint, Netflix. Ist ja euer Geld. Sorry, Venture Capital. Ich sitz hier einfach und freu mich über die Filme.

Das soll es gewesen sein. Nächste Woche hoffentlich endlich eine echte 138!

‚The Hole In The Ground‘ (2019) – „A rare hole, a rattlin‘ hole!“

Horror ist fraglos ein Genre, das seine Zitate liebt. So ist es sicherlich kein Zufall, dass die Fahrt von Mutter und Sohn zu ihrer neuen Heimat hier in Erstlingsregisseur Lee Cronins ‚The Hole In The Ground‘ frappierend an Kubricks ‚The Shining‘ erinnert (die Tatsache, dass er sich dabei eines ähnlichen Kameratricks wie ‚Midsommar‘ bei der Anfahrt bedient, dürfte, da beide Filme gleichzeitig in Produktion waren, wohl ein, immerhin bemerkenswerter, Zufall sein). Aber damit hören die Zitate nicht auf, auch aktuelleres Material, wie ‚Blair Witch Project‘, ‚Babadook‘ oder sogar ‚Ich seh, ich seh‘ sind in der DNA des Films klar erkennbar. Kann Cronin zwischen derart viel Zitat einen originellen, oder wenigstens gelungenen Film finden? Schauen wir mal!

Sarah O’Neill (Seána Kerslake) und ihr Sohn Chris (James Quinn Markey) ziehen, nach der Trennung von Chris‘ Vater, in die irische Provinz. Nach einem Streit läuft Chris in den nahen Wald. Nach einiger Suche findet Sarah ihn neben einem riesigen Senkloch. In den nächsten Tagen glaubt Sarah merkwürdige Veränderungen in Chris‘ Verhalten zu sehen. Als sie von Arbeitskollegen erfährt, dass in ihrer Nachbarschaft eine alte Frau (Kati Outinen) lebt, die vor Jahrzehnten ihren Sohn ermordet haben soll, weil sie überzeugt war, dass er nicht ihr Sohn sei, ist endgültig ihre Paranoia entfacht. Umso mehr weil Chris, trotz striktem Verbot, offenbar wiederholt das Senkloch aufsucht.

In dem was der Film erzählt hält er sich an Altbewertes. Allerdings kann Cronin durchaus einige eigene Stärken unter Beweis stellen. Es gelingt ihm für lange Zeit sehr gut offenzulassen, ob hier der alte irische Mythos des „Wechselbalgs“ vorliegt, oder ob Sarah sich möglicherwiese alles einbildet. Hier überzeugt der Film durch das, was er nicht erzählt. Es wird nie direkt ausgesprochen, aber es wird deutlich, dass die Beziehung zu Chris‘ Vater für Sarah psychisch wie physisch traumatisch war, oder wenigstens so endete. Chris hingegen versteht nicht, dass er seinen Vater nicht mehr sehen darf und es ist ein Streit darüber, der zum Auslöser für die Geschehnisse wird. Das Senkloch könnte so sehr gut Sinnbild für das Unterbewusste sein, das Sarah in Chris den ganzen Schrecken der vergangenen, traumatischen Beziehung sehen lässt.

Und, vielleicht noch wichtiger, Cronin und Kameramann Tom Comerfeld sind sehr gut darin atmosphärische Gruselszenen zu inszenieren. Von der Optik bis zur Soundkulisse kommt hier oft genug alles zusammen, um selbst aus weidlich genutzten Themen wie dem Krachen im Gebälk und schlagenden Türen und natürlich dem stets gern genommenen gruseligen Kind das Beste herauszuholen. Sogar ein thematisch passendes, irisches Kinderlied wird hier durchaus gruselig.

Dann folgt ein dritter Akt, den ich hier nicht allzu sehr spoilern möchte, den ich aber wenigstens erwähnen muss. Der wirft sämtliche Andeutungen der ersten Stunde nämlich direkt rein ins tiefe Senkloch, ergeht sich in teilweise etwas alberner Action und verschiebt das Zitate-Repertoire Richtung ‚The Descent‘. Hier wird versucht genug Handlung für einen eigenen Film in etwa 20 Minuten zu quetschen, was eher leidlich gelingt. Dazu kommt eine Andeutung aus der jedoch nie wirklich etwas wird und dann ein Ende, das vermutlich genau so auch ohne diesen Einschub funktioniert hätte. Nein, dieser Teil des Films funktioniert nicht wirklich, dennoch ist er vermutlich der Grund, warum ich hier überhaupt über den Film schreibe. Denn ansonsten wäre das ein solider, handwerklich sehr gut gelungener, psychologischer Horrorfilm mit arg vielen Zitaten gewesen. Aber mehr eben auch nicht. Doch dieser Ausbruch purer kreativer Energie, dieser Moment in dem der Filmemacher sagt, jetzt tue ich etwas womit Du nicht rechnest, obwohl (oder vielleicht gerade weil) er halt nicht ganz rund läuft, ist entscheidend dafür, dass der Film eine ganze Weile im Gedächtnis bleibt.

Mindestens ebenso entscheidend für das Gelingen des Films sind aber vor allem die darstellerischen Leistungen. Allen voran ist hier Seána Kerslake zu nennen. Den ganzen Film über muss sie durchaus komplexe Emotionen darstellen, vor allem natürlich die Mischung aus Liebe und Misstrauen für ihren Sohn (oder eben etwas, das vorgibt ihr Sohn zu sein). James Quinn Markey zeigt, dass nur wenig verstörender ist als ein extrem höfliches Kind, das exakt das tut was man ihm sagt. Ansonsten sei noch der wunderbare James Cosmo erwähnt, der hier einen freundlichen, letztlich aber wenig hilfreichen Nachbarn gibt und ihm, fast beiläufig, einen gewissen finsteren Zug verpasst.

Lee Cronin liefert einen Film ab, der sich fast zu stilsicher für einen Erstlingsfilm anfühlt, der gleichzeitig aber seine Faszination, wenigstens für mich, aus genau dem Abschnitt zieht der sich am ehesten nach Anfänger anfühlt. Er wird sicherlich nicht jedem gefallen, der eine oder andere wird aufgrund der teilweise exzessiven Zitate (Sarah tapeziert ihr neues Haus in einem Muster, dass an eine blaue Version des Teppichs aus dem Overlook erinnert…) sicher mit den Augen rollen – und gelegentlich habe ich das durchaus auch getan. Aber was der Film letztlich abliefert ist mindestens grundsolide und lässt auf eine interessante Zukunft für Cronin schließen. Wobei in dessen naher Zukunft erst einmal eine Fortsetzung zu Fede Alvarez ‚Evil Dead‘ Remake zu finden ist. Damit kann man mich eher nicht aus dem (Senk-)Loch hervorlocken… aber es hat ja durchaus seine Fans.

Neuer ‚Ghostbusters Legacy‘ Clip… – Fanboy-Sorgen

„It’s not easy, being green!“ – das wusste schon Kermit. Ob Slimer dem zustimmen würde weiß ich nicht, der schien dadurch nie sonderlich belastet. War aber halt auch schon tot. Okay, damit bin ich im Eröffnungssatz so weit wie möglich vom Thema abgekommen, das muss man auch erst einmal schaffen. Doch halt, hier kommt die brillante Überleitung: was auch nicht immer ganz leicht ist, ist ein ‚Ghostbusters‘ Fan zu sein. ‚Ghostbusters: Legacy‘ (‚Afterlife‘ im Original) lässt inzwischen bald länger auf sich warten als Godot. Und dann bekommt man endlich mal eine Minute neues Filmmaterial zu sehen und… naja, seht selbst:

Ich meine, das ist ziemlich furchtbar, oder? Das liegt nicht nur an mir? Daran, dass ich ein bitterer, alter Mann geworden bin? Sicherlich, einiges liegt an mir. Etwa die Tatsache, dass die paar Noten von Elmer Bernsteins originaler Musik in meinen Ohren schlicht falsch klingen, wenn sie in einem hell erleuchteten, modernen Supermarkt ertönen. Die Tatsache, dass das Ganze arg merkwürdig geschnitten ist (beachtet etwa, wie die Reaktion des Charakters auf die zuckende Tüte, das wirkt geradezu zerschnitten) ist aber schwer abzustreiten. Mein eigentliches Problem sind aber, natürlich, die „Mini-Pufts“. Irgendwer bei Columbia vermisst ganz offensichtlich die Jahre als die (Cartoon-) Ghostbusters auf allem was ein Kind braucht, von Schulheften bis Turnbeuteln, zu finden waren. Und wer ist da jetzt drauf? Genau, die Minions. Hat sich also ein Marketingmensch hingesetzt und sich die „Mini-Pufts“ ausgedacht. Und natürlich sind die (wenigstens in den USA) auch als sammelbare Minifiguren von Hasbro erhältlich. Im „Blindbag“, damit Mutti und Vati möglichst viele kaufen müssen, bis die Sammlung vollständig ist. Also für sich selbst natürlich, denn ob sich Kinder überhaupt noch für ‚Ghostbusters‘ interessieren ist… mindestens fraglich. Columbia glaubt aber fest dran, denn Frühstücksflocken mit Mini-Pufts drin wird es (wenigstens in den USA) auch geben.

Ganz ehrlich, nachdem letztes Jahr der „Slimer-aber-blau“ Geist zu sehen war und jetzt dieser Quatsch verliere ich langsam aber sicher meine guten Hoffnungen (siehe hier) für den Film. Jason Reitman (von dem ich einige Filme sehr mag, schaut ‚Young Adult‘!) schien nicht aus purem Nepotismus den Job als Regisseur bekommen zu haben, sondern tatsächlich eine eigene Idee mitzubringen. Ich bin mir bewusst, dass ein Film wie ‚Ghostbusters: Legacy‘ letztlich wohl nie mehr sein wird als „Revenue Object 7-1“ auf dem vierteljährlichen Shareholder Meeting bei Columbia, aber die Marktschreierei derart nackt zu sehen ist schon irgendwie unangenehm.

So, jetzt setze ich meine Fanboy-Matrosenmütze erst wirklich auf, und analysiere das im Clip zu sehende „in universe“. Wenn ihr das, aus verständlichem Grund, nicht lesen wollt, dann könnt Ihr den Peter Lustig machen und „abschalten“. Für alle anderen geht’s weiter.

Das Erste was mir amüsiert aufgefallen ist: welcher Lebensmittelkonzern auch immer die Stay Puft Marshmallows vertreibt, verwendet nachwievor den Marshmallowman als Maskottchen. Man sollte annehmen, wenn eine hunderte Meter große Version des eigenen Markenlogos in Manhattan randaliert, sicherlich mit dutzenden Toten und hunderten Verletzten, vom Sachschaden, nicht nur durch das Gestampfe, sondern vor allem durch die Tatsache, dass bestimmt noch wochenlang verbrannte, klebrige Marshmallowreste aus jeder Ritze in Manhattan gekratzt werden mussten, abgesehen, wird wenigstens das Logo überarbeitet, wenn nicht gar die Marshmallow-Sorte vom Markt genommen. Hier aber nicht.

Das zweite ist, dass Gozer offensichtlich wieder einen Weg in unsere Realität findet. Hier ist er an die Form des Marshmallowmans gebunden („CHOOSE THE FORM OF THE DESTRUCTOR!“). Insofern macht es sogar ein wenig Sinn, dass er sich anfangs in kleiner Form manifestiert. Aber dann sollte „THE DESTRUCTOR!“ auch zerstören, anstatt sich selbst zu rösten, oder? Im Originalfilm sah er albern aus, war aber gefährlich, das war der Gag („I am terrified beyond the capacity for rational thought!“), hier sind sie alberner und ungefährlicher als die Mini-Ashes aus ‚Army of Darkness‘.

Nerd-Trivia: der Marshmallowman in der Zeichentrickserie war unabhängig von Gozer. Zunächst trat er als Traumversion, erschaffen vom Sandman, auf, später wurde der Tatsächliche Marshmallowman aus der Containment Unit befreit. Doch da Gozers Zugriff auf unsere Dimension durch die Zerstörung von Shandors Tempel verhindert war, handelte er als eigene Entität. Noch später schuf Egon eine „gute“ Version des Marshmallowmans, indem er eine Probe seines Ektoplasmas positiv auflud.

So, jetzt sind fraglos alle Leser weg, daher kann ich genauso gut auch aufhören.

Die 5 Besten am Donnerstag: meine 5 schönsten Filmpaare, die keine sein dürfen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach unseren 5 liebsten Filmpaaren, die, warum auch immer, keine sein dürfen. Da bedarf es keiner langen Vorworte, jetzt wird’s tragisch! Legen wir also los!

5. Samantha und Theodore aus ‚Her‘

Einsamer und depressiver Mann, der hochpersönliche Briefe für andere Leute schreibt, verliebt sich in sein „Betriebssystem“ ist eine Prämisse, die auf eine etwas peinliche Komödie schließen lässt. Aber Spike Jones inszeniert das mit allerlei Ernst, Mitgefühl und Tragik. Wundert mich bis heute, dass der Film nicht beliebter ist.

4. Celine und Jesse aus ‚Before Sunrise‘

Ja, ich weiß, die Fortsetzungen sagen was anderes und sogar dieser Film lässt offen, ob sie ein Paar werden. Aber genau dieses Offenlassen ist wesentlich für die Geschichte, unterstreicht es doch das Profunde der ebenso zufälligen wie flüchtigen Begegnung. Ja, hier lege ich „dürfen“ sehr frei aus. Aber ich mag den Film nunmal.

3. Cecilia und Robbie aus ‚Abbitte‘

Eine arg tragische Geschichte um Standesdünkel, Lüge und Reue. Und James McAvoy und Keira Knightley in Hochform.

2. Marianne und Héloïse aus ‚Porträt einer jungen Frau in Flammen‘

Noch ein bisschen zu neu um zu Spoilern, aber, meine Fresse, das Ende, wenn Vivaldis Presto aus dem Sommer seiner „Vier Jahreszeiten“ mit der Wucht eines fallenden Cembalos direkt auf die Seele kracht…

1. Ilsa und Rick aus ‚Casablanca‘

Rick: „Inside of us, we both know you belong with Victor. You’re part of his work, the thing that keeps him going. If that plane leaves the ground and you’re not with him, you’ll regret it. Maybe not today. Maybe not tomorrow, but soon and for the rest of your life.“

Ilsa: „But what about us?“

Rick: „We’ll always have Paris. We didn’t have, we… we lost it until you came to Casablanca. We got it back last night.“

Ilsa: „…when I said I’ll never leave you.“

Hach…