Stan Lee und die Schwierigkeit der Neubesetzung

Nach langer Zeit geht es heute mal wieder um digitale Darsteller. Ja, ich gebe gern zu, das ist ein Thema, das mich vermutlich mehr beschäftigt als es sollte. Aber Film, also Realfilm im Gegensatz zu Animation, ist für mich die Interaktion zwischen Licht und echten Menschen. Menschen, Darstellern, die Entscheidungen im Moment treffen, die eine Textzeile anders interpretieren als erwartet, die mit einer Drehung ihres Kopfes mehr transportieren, als es der Text der Szene jemals könnte. Und das ist bevor wir über die moralischen Fragen hinter der CGI-Rekreierung verstorbener Darstellerinnen sprechen.

Es ist fraglich, inwieweit Comicautor Stan Lee sich selbst als „Darsteller“ hätte beschreiben mögen, allerdings ist fraglos, dass seine Cameo-Auftritte Marvel Filmen, auch wenn sie bei unterschiedlichen Studios erschienen, etwas Verbindendes gegeben haben. Und so erklärte Disneys Marvel Studios nach seinem Tod im November 2018 kategorisch, dass es keine weiteren Stan Lee Cameos mehr geben würde. Nun aber hat Marvel Studios von „Stan Lee Universe“, einer Marke kreiert von Genius Brands International und POW! Entertainment, zwei Firmen in die Lee und seine Nachkommen eng involviert sind, für 20 Jahre die Rechte an Lees Aussehen, Stimme und Unterschrift erworben. Mit dem Recht sie in TV- und Filmproduktionen, Themenpark“erlebnissen“ und auf Merchandise verwenden zu dürfen.

Das müsse nun nicht unbedingt bedeuten, dass Disney Lee digital „widerbeleben“ und als Cameo Figur in künftigen Filmen verwenden will, beeilten sich Experten zu versichern. Nein, natürlich bedeutet es das nicht zwangsläufig. Aber nun ist Disney auch nicht gerade berühmt dafür, Geld für Dinge auszugeben, mit denen sie nichts anfangen wollen. Sicherlich wird an die gigantische Marvel-Maschinerie nun ein kleiner Regler gesetzt, der mit „Stan Lee CGI“ beschriftet ist, und an dem in den nächsten Jahren sehr vorsichtig gedreht wird, bis exakt das Maß gefunden ist, das beim Publikum funktioniert. Denn so funktioniert die Maschinerie.

Es ist die Art von Nachricht, die perfekt maßgeschneidert ist, um mich zu ärgern. Aber nun versuche ich einmal einen Moment „objektiv“ zu betrachten, ob das wirklich moralisch verwerflich ist, oder ob das Problem nicht eher bei mir liegt. Nach allem was ich über Lee weiß, und das ist zugegeben nur sein öffentliches Bild, dann könnte ich mir schon vorstellen, dass ihm selbst das gefallen würde. Der Mann war fraglos, wenn schon kein Darsteller, so sicherlich doch ein Selbstdarsteller. Jemand, dem Medienaufmerksamkeit gefallen hat. Manchmal sogar zum Schadens einer Kunst. So hat die Tatsache, dass er in Interviews nie der Behauptung widersprochen hat, der alleinige Erfinder allerlei ikonischer Charaktere zu sein, zum Bruch mit dem kongenialen Zeichner Jack Kirby geführt. Ich könnte mir also vorstellen, dass Lee die Idee gefällt, dass er Jahrzehnte nach seinem Tod an der Seite seiner Schöpfungen zu sehen sein wird. Aber ich weiß es natürlich nicht. Und fragen kann ihn weder ich, noch sonst irgendwer.

Für mich bekommt das Ganze aber einen furchtbar bitteren Beigeschmack, wenn man bedenkt, was in den letzten Monaten von Lees Leben, nach dem Tod seiner langjährigen Ehefrau Joan Boocock, geschehen ist. Da gab es mehrere Leute, die versucht haben versucht haben aus Lees Auftritten und seinem Bild Profit zu schlagen und ihn dafür auch physisch von seiner Familie abgesondert haben. „Elder abuse“ wie man das im Englischen nennt. „Skrupellose Geschäftsleute, Schmeichler und Opportunisten“ nannte Lee sie in einer Klage vom April 2018. Um es noch einmal ganz deutlich zu sagen: soweit ich weiß sind Lees Nachkommen in dieser Entscheidung voll involviert und sie ist in ihrem Sinne. Nur fällt es mir schwer die recht eklige Geldschneiderei auf dem Rücken eines sterbenden Witwers gänzlich auszublenden.

Ich hätte kein Problem mit der Verwendung von einem Bild von Lee im Hintergrund. Oder auch von filmischem Archivmaterial. Aber eine CGI-Version von ihm widerstrebt mir, so sehr mir damals CGI-Tarkin in ‚Rogue One‘ widerstrebt hat. Ich finde es geschmacklos und fast schon makaber. Und das mag nicht unbedingt „objektiv“ sein, aber ich tue mich sehr schwer damit, mich hier von etwas anderem überzeugen zu lassen.

Womit wir bei Star Wars wären. Kathleen Kennedy, Präsidentin von Lucasfilm, hat nämlich etwas aus dem (relativen) Misserfolg von ‚SOLO – A Star Wars Story‘ gelernt. Nicht etwa, dass ein später Wechsel der Regisseure schwierig ist. Nicht, dass ein Skript, das als Komödie gedacht war, kaum mehr funktioniert, wenn man einfach die Pointen rausschneidet und es als dramatisch verkauft. Nein, ihre Lehre aus dem Film ist, dass es unmöglich sei, die Figuren aus den ikonischen, ursprünglichen Star Wars Filmen neu zu besetzen. Und ja, damit hat Lucasfilm Alden Ehrenreich, den neuen Solo-Darsteller, zum zweiten Mal den Wölfen zum Fraß vorgeworfen. Das erste Mal war, als groß verkündet wurde, er bräuchte Schauspielunterricht. Das muss wohl so eine Art Rekord sein. Das wird besonders augenfällig, wenn man bedenkt, dass die Kenobi Serie bereits in den Startlöchern steckt. Soweit ich weiß, immer noch mit Ewan McGregor. Ist  der der einzige fähige moderne Darsteller, oder tritt man die doch noch einmal komplett in die Tonne und ersetzt ihn durch CGI Alec Guinness?

Aber was können wir aus Kennedys Aussage für die Zukunft folgern? Das man nun endlich mit der Nostalgie für die alten Filme durch ist und etwas komplett Neues versuchen will, da es ja einfach keine Darsteller (mit Ausnahme McGregors) gibt, die den alten das Wasser reichen können? Das wäre die positive Interpretation. Und die sehe ich hier nicht gegeben. Nein, ich fürchte eher, man wird eben ‚Rogue One‘ zum Vorbild nehmen. CGI-Leia und CGI-Tarkin sind die Zukunft. Die ikonischen Darsteller werden auf ewig die ikonischen Darsteller bleiben. Ikonen im wahrsten Sinne des Wortes. Unveränderlich für die Ewigkeit. Da passt Stan Lee doch in die Reihe.

Oh brave new world, that has such computeranimations in’t!

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Filmfortsetzungen

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten Filmfortsetzungen.

We’re doing a sequel
That’s what we do in Hollywood
And everybody knows the sequel’s never quite as good

Mit diesem Liedtext beginnt ‚Muppets Most Wanted‘ und er hat natürlich völlig recht. Auch in Bezug auf ‚Muppets Most Wanted‘. Doch trotz aller berechtigter Vorurteile gibt es natürlich gut und sogar herausragende Sequels. Und um genau die geht es heute. Legen wir los.

5. ‚Paddington 2‘

Wir müssen uns nicht länger mit der Origina-Story aufhalten, wir haben das Wes Andersonsche Design verinnerlicht, wir wissen wer die Charaktere sind und können so von Minute 1 an Spaß haben! Und, ich bleibe dabei, Hugh Grant liefert als ekliger Widerling eine darstellerische Karrierebestleistung ab!

4. ‚Before Sunrise‘

Warum zur Hölle sollte man denn einen Film fortsetzen, der einige Faszination aus dem Offenlassen seiner letzten Frage zieht? Fragte jedenfalls ich mich, bevor ich den Film das erste Mal gesehen habe. Die Antwort ist eine reifere, ruhigere, intelligentere Fortsetzung des ersten Films, die ich dutzendfach gesehen habe und die einfach immer wieder funktioniert.

3. ‚Aliens‘

Mama Ripley vs Mama Alien! Dieses Mal bricht Krieg aus. Wenn james DCameron eines kann, dann sind es mal Fortsetzungen. ‚Terminator 2‘ und ‚Aliens‘ wirken rein auf dem Papier erst einmal wie absolut überflüssige Geldschneiderei. Und dann geht er hin und lässt sie einfach funktionieren als wär es nix. Und ist sogar noch hochelegant dabei!

2. ‚Evil Dead II‘

Funktioniert als Fortsetzung eigentlich nur, wenn man Ash als den vermutlich dümmsten Menschen der Welt akzeptiert. Ansonsten wäre er ein Remake. Aber ein Remake, das den Stoff des ersten Film in fünf Minuten abhandelt und dann komplett jegliche Gleise verlässt. Über eine lange zeit sehen wir Bruce Campbell bei einer hochphysischen One-Man-Show zu, wie es sie so kein zweites Mal gibt.

1. ‚Mad Max: Fury Road‘

Okay, bei Teil vier ist eigentlich jedes Franchise schon ein bisschen müde geworden. Nicht unbedingt schlecht, aber wir wissen halt was wir bekommen. Und dann kommt George Miller daher und bläst uns zwei Stunden lang einen fetten Strahl kochend heißen Sandes mitten ins Gesicht, während er brüllt HABT IHR DAS ERWARTET!? Nee, George, aber das macht es bloß cooler.

Und natürlich macht ein solches Thema ein paar Ferner Liefens notwendig

‚Das Imperium schlägt zurück‘, ‚Der Zorn des Khan‘, ‚Gremlins 2‘, ‚Der Letzte Kreuzzug‘, ‚Terminator 2‘, ‚Der Pate 2‘, ‚Batman Returns‘ und die späteren Missions Impossibles sind natürlich ebenfalls allesamt grandiose Fortsetzungen!

Newslichter Ausgabe 190: alte Rocker, böse Bots und ein Kaiser

Willkommen bei Ausgabe 190 des Newslichters. Ein ganzes Multiversum neuer News habe ich heute für Euch vorbereitet. Nicht mehr länger einzig die Domäne böswilliger Spitzbartträger, scheint das Multiversum zum neuen Tool des Blockbusters zu werden. Eine tolle Gelegenheit, dass der neue X-,Y-,Z-Man auf Deinen liebsten Darsteller dieser Figur trifft und wir Deine Nostalgie noch ein kleines wenig mehr melken können , liebe alte Person! Moment mal, das habe ich nicht geschrieben! Das war ein Doppelgänger aus einem Paralleluniversum! Erschieß ihn! Nein, erschieß ihn! Der Spitzbart! Siehst Du nicht den Spitzbart! Legen wir (in jedem möglichen Universum) los!

„Shit Sandwich!“

Mit ‚This Is Spinal Tap‘ begründete Rob Reiner 1984 seine über lange Jahre beeindruckende Karriere als Regisseur. Die Mockumentary (Verzeihung, Rockumentary) über eine krisengeplagte Metalband, deren Schlagzeuger dazu neigen an Erbrochenem zu ersticken (man weiß nur nicht an wessen) kam weitgehend ohne Drehbuch daher und wurde von den Darstellern innerhalb von Reiner vorgegebenen Parametern improvisiert. Der Film parodiert die Selbstwahrnehmung, das überzogene Verhalten und die Mythenbildung um Rockstars derart gekonnt, dass sich nicht wenige Rockbands in Spinal Tap wiedererkannt haben. Bei Erscheinen zunächst wenig erfolgreich, viele erkannten nicht, dass es eine Mockumentary war und vermuteten eine Doku über eine Band, die sie nicht kennen, avancierte der Film, völlig zu recht, zum Kultfilm. Und nun soll er eine Fortsetzung bekommen. Natürlich wieder mit Reiner als Regisseur und als Darsteller des fiktiven Doku-Regisseurs Marty DiBergi. Mit  Christopher Guest, Michael McKean und Harry Shearer sind auch Gitarrist, Sänger und Bassist von Spinal Tap erneut an Bord. Die Story wird wohl sein, dass die Witwe ihres alten Managers in einem Vertrag eine Klausel entdeckt, nachdem die Band noch ein Konzert schuldig ist und so gezwungen noch einmal gemeinsam auftreten muss. Kann das funktionieren? Theoretisch sicherlich. Wir haben vermutlich alle Dokus über alternde Rockstars gesehen und wissen, die bieten mehr als genug bizarres Material für eine Mockumentary. Ich hoffe nur Reiner und die anderen Beteiligten können die damalige Schärfe noch einmal erreichen. Brauche ich den Film? Nö. Bin ich halbwegs gespannt was rauskommt? Durchaus! There is a fine line between stupid, and uh…

Bots für Snyder?!

Bei den Oscars 2022 durften erstmals die Fans mitbestimmen. Natürlich haben das inzwischen alle vergessen. Genauso wie alle vergessen haben, oder nie wussten, wer dieses Jahr überhaupt Oscars gewonnen hat. Schließlich gab es ne Ohrfeige auf der Bühne! Die Klatsche, die um die Welt gehört wurde. Jedenfalls konnte man auf Twitter für die Kategorien „Best Cheer Moment“ und „Fan Favorite Movie“ für 2021 abstimmen. Es galt als quasi gegeben, dass beide Kategorien an Disneys megaerfolgreichen ‚Spider-Man: No Way Home‘ gehen würden. Taten sie aber nicht. Best Cheer Moment ging an ‚Zack Synders Justice League‘ und Fan Favorite Movie an Zack Snyders ‚Army of the Dead‘. Die einen freuten sich drüber, andere lachten drüber, wieder andere waren ungläubig und ein paar, die die ganze Sache vielleicht allzu ernst nehmen waren ernstlich sauer. Jetzt stellt sich heraus, dass die Wahl womöglich von Bots manipuliert sein könnte! Manipulation?! Bei einer Online Abstimmung?! Wer hätte denn von sowas je gehört!!!??? Und Bots? Auf Twitter?! Wenn es da so viele gäbe, dann würde sich Elon Musk gewiss nochmal überlegen die Plattform zu kaufen… oh, richtig… Ja, in einer der vermutlich am wenigsten schockierenden Meldungen bezüglich dieser Oscar Verleihung wurde der Online Poll möglicherweise manipuliert.* Dabei war die Academy doch perfekt vorbereitet! Kein Account jünger als 24 Stunden durfte abstimmen und höchstens zwanzig Mal am Tag. Vom 14. Februar bis 3. März… Ich hoffe der Quatsch ist nächstes Jahr wieder verschwunden. Oder es gibt halt wieder ordentlich Kloppe und alle ignorieren es einfach.**

*wobei ich es für keinesfalls völlig unmöglich halte, dass Snyders Filme absolut legitim gewonnen haben. Er hat schließlich eine sehr dedizierte und sehr online-affine Fangemeinde!

**Idee für die Oscars: die anderen Nominierten dürfen den Gewinner zum Zweikampf herausfordern. Wer am Ende noch steht kriegt den Goldjungen!

‚Dune Part 2‘ Casting News

Im ersten Teil von Denis Villeneuves Umsetzung von Frank Herberts SciFi Klassiker ‚Dune‘ glänzten einige wichtige Charaktere ja noch durch Abwesenheit. Nun haben wir einige bestätigte Casting Meldungen. Wladimir Harkonnens Lieblingsneffe Feyd-Rautha wird von Austin Butler gespielt, der zuletzt etwa als Manson Family Mitglied Tex in ‚Once Upon A Time In Hollywood‘ mit Brad Pitt aneinandergeraten ist. Vom Haus Corrino wissen wir nun, dass Irulan von Florence Pugh (‚Lady Macbeth‘, ‚Fighting With my Family‘, ‚Midsommar‘) gespielt wird. Und der Imperator des bekannten Universums Padisha Emperor Shaddam IV. wird gespielt von keinem geringeren als Christopher Walken. Keine Casting Entscheidung auf die ich jemals gekommen wäre, aber eine die ich ziemlich gut finde. Villeneuve weiß was er tut!

So, ich gehe jetzt. Völlig unrhythmisch versteht sich. Wir sehen uns nächste Woche!

‚Synchronic‘ (2020)

Diesmal komme ich um Spoiler nicht wirklich herum und muss in der Besprechung ein zentrales Handlungselement verraten. Wer den Film also völlig unvoreingenommen sehen will, sei hiermit gewarnt.

Ich konnte nicht herausfinden, wie hoch das Budget für diesen Film tatsächlich war, doch es dauert nur Minuten und es wird deutlich, dass hier ein gewaltiger, finanzieller Sprung für Justin Benson und Aaron Moorhead stattgefunden hat. Es ist sicherlich immer noch ein „Low Budget“ Film, aber einer, der es sich leisten kann in New Orleans zu filmen und, nicht zuletzt, Anthony Mackie als Hauptdarsteller. Die Genre Zuordnung wird hier vermutlich noch einmal schwieriger als bei ihren anderen Filmen. Ein Neo Noir mit SciFi Elementen, wenn man es sich einfach machen will. Trotz einiger recht grausiger Tode ist das ihr erster Film, bei dem ich keinen Bezug zum Horror-Genre sehe (von einigen verstörenden Bildern mal abgesehen). In vielerlei anderer Hinsicht bleiben sie sich allerdings treu.

Steve (Mackie) und Dennis (Jamie Dornan) arbeiten als Paramedics in New Orleans. Dennis ist ein verheirateter Familienmensch mit einer 18jährigen Tochter, Brianna (Ally Ioannides) und einem frisch geborenen Baby. Steve ist ein Draufgänger mit ständig wechselnden Freundinnen. In letzter Zeit häufen sich Fälle verwirrter, seltsam verletzter Patienten und grotesk zugerichteter Leichen im Zusammenhang mit der synthetischen Droge Synchronic. Als Brianna nach Konsum der Droge verschwindet, beginnt Steve, der selbst eine medizinische Krise durchlebt, ebenfalls mit ihr zu experimentieren. Dabei macht er eine außergewöhnliche Entdeckung: unter den richtigen physiologischen Umständen transportiert Synchronic den Konsumenten durch die Zeit. Da er an einem Gehirntumor zu sterben droht, beschließt er seine letzten Tage zu nutzen, um die Tochter seines besten Freundes zu finden.

Sagen wir es, wie es ist: eine Zeitreise-Pille ist ein reichlich albernes Handlungselement. Eine Zeitreise-Pille, die nur im Zusammenhang mit einer nicht-verkalkten Zirbeldrüse (‚From Beyond‘ schickt schleimige Grüße!) funktioniert, also bei Teenagern und bei Mackies Charakter, aufgrund seines Tumors, und Dich in eine andere Zeit schickt, je nachdem an welchem Ort Du Dich gerade befindest, ist dann sogar noch ein erhebliches Stück alberner. Das große Kunststück von Moorhead und Benson ist hier, dass sie sich dessen durchaus bewusst waren, es aber dennoch funktionieren lassen, im Zusammenspiel mit dem deutlich ernsthafteren Thema rund um die Paramedics und ihre ständige Konfrontation mit den furchtbarsten Schicksalen, die ein Mensch erleiden kann und ihren unterschiedlichen Strategien damit umzugehen.

Dies verweben sie gekonnt mit der Örtlichkeit von New Orleans mit dessen Geschichte und Entwicklung sie gekonnt spielen, aber auch mit den Konstanten des Ortes, etwa dem Rassismus, dem sich Steve in unterschiedlichsten Epochen ausgesetzt sieht. Dabei verfallen die Filmemacher nicht auf die typischen Örtlichkeiten, die man mit New Orleans an sich, und dem gefilmten New Orleans im Besonderen verbindet, etwa das French Quarter. Stattdessen suchen sie immer wieder den sehnsüchtigen Blick von den Vororten hinüber zur leuchtenden Skyline, nur um dann wieder den Blick der Paramedics vom Fuße jener Skyline zu zeigen, wo unter dem Leuchten, gebrochene Menschen zu finden sind.

In den Zeitreise Szenen wird dann aber auch wieder ein wenig das begrenzte Budget des Films deutlich. Von einem ‚Tenet‘ ist der Film, in seinen finanziellen Möglichkeiten, offensichtlich weit entfernt. Und genau das wird ihm hier ein wenig zum Problem. Haben Benson und Moorhead bis hierhin gezeigt, dass sie absolut faszinierende Filme mit kaum dem Budget eines B-Movies schaffen können, fühlt sich ‚Synchronic‘ in seinen schwächeren Momenten eher an, wie ein B-Movie mit etwas mehr Budget.

Der größte Fehler des Films ist, was ich letzte Woche noch so hoch gelobt habe. Die Beziehung der beiden Hauptcharaktere. Beide sind durchaus interessante Charaktere, allerdings ist Anthony Mackie der Hauptcharakter des Films. Und das bedeutet, dass Dornans Dennis für einen guten Teil des Films, vor allem natürlich die Zeitreisen, gar nicht da ist. Und wenn er dann doch seine Szenen hat, dann ist er allzu häufig Spiegel und Stichwortgeber für Steve. Mackie füllt die Rolle des Hauptcharakters absolut kompetent aus. Ihm gelingt der Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und Humor, gar einer ‚Zurück in die Zukunft‘ Anspielung. Aber es waren bislang halt immer die komplexen Beziehungen der Hauptfiguren, die an den Filmen des Regie-Duos fasziniert haben. Und Dennis bleibt hier ziemlich flach. Das ist nicht unbedingt Jamie Dornans Schuld, er tut was er kann mit dem was ihm gegeben wird. Und was ihm gegeben wird ist immer noch eine Menge mehr, als was Katie Aselton als seine Frau in ihren 2,5 Szenen bekommt. Auch Ally Ioannides‘ Brianna wird nie mehr als „Person, die gerettet werden muss“. Wenn dann dazu noch eine ebenso bizarre wie überflüssige Szene mit dem Erfinder der Droge kommt, die wohl vor allem dazu dient den Film an das „cinematische Universum“ der Filmemacher anzuschließen, dann habe ich spätestens das Gefühl, das Drehbuch hätte noch eine weitere Überarbeitung vertragen.

Das liest sich jetzt vermutlich alles deutlich negativer als es gemeint ist. ‚Synchronic‘ ist ein guter Film, der mich in seinen schlanken 100 Minuten gut unterhalten hat. Moorheads Kameraarbeit ist nachwievor faszinierend, die Situation spannend genug. Wäre dies der erste Film der beiden, würde sich das Ganze hier vermutlich sogar begeistert lesen. Aber Erwartungshaltung ist nun einmal eine Sache und ich habe in diesem Moment ein bisschen mehr erwartet als „nur“ einen „guten“ Film. Was er aber vermutlich ist, ist ein gelungener Einstieg in die Filmografie der beiden Filmemacher. Ich jedenfalls bin sehr gespannt, was in Zukunft von ihnen zu erwarten sein wird.

Reden wir, mal wieder, über ‚Avatar‘

Ich betone ja immer mal wieder gern, dass ich eigentlich keine Ahnung habe, worüber ich hier eigentlich schreibe. Vor etwa 10 Monaten meinte ich meine Gedanken zu ‚Avatar‘ kundtun zu müssen. Ich wunderte mich, wie wenig Fingerabdruck der (derzeit wieder) finanziell erfolgreichste Film aller Zeiten auf dem Gefüge der Popkultur hinterlassen hat. Fragte mich, wo die ganzen Avatar Fans seien, die es sinnvoll machen würden, gleich vier weitere Blue Man Group Filme anzukündigen. Und beleidigte Sam Worthington mehr als vielleicht notwendig gewesen wäre. In den Kommentaren erhielt ich immerhin weitgehend zustimmende Bemerkungen. Also zu den handfesten Dingen, nicht zu meiner irrationalen Abneigung gegen Sam Worthington. Auch Fans des ersten Films wunderten sich über den Optimismus hinter gleich vier Filmen. Insbesondere im Angesicht der damaligen Veröffentlichung eines Avatar Videospiels unter allgemeiner Apathie.

Und Disney sind schon eine ganze Weile wahrlich optimistisch was Avatar angeht. Das zeigen nicht nur die geplanten vier Filme, sondern auch „Pandora – The World of Avatar“, ein Avatar Themenbereich des Walt Disney World Ressorts in Florida. Der wurde 2017 unter durchaus einigem Hohn eröffnet. Der Themenbereich nimmt sich absolut ernst, spielt lange Zeit nach dem Film auf Pandora und sämtliche Angestellte müssen in ihrer Rolle bleiben. In der Rolle eines Anbieters für Ökotourismus auf Pandora. Denn hier hat sich eine Firma mit den Na’vi geeinigt ein Tal für Menschen-Tourismus freizugeben, wohl um die Mensch-Na’Vi Beziehungen zu verbessern. Herumlaufende Na’vi Charaktere findet man keine, denn die müssten ja gut drei Meter groß sein und das ist „realistisch“ nicht zu machen. Immerhin, ein paar animatronische Na’Vi gibt es. Vor allem aber erlaubt der Bereich, dank einiger beeindruckender Technik, taktile Interaktion mit Pandoras biolumineszenter Flora. Ich weiß nicht, wie erfolgreich dieser Bereich nun wirklich ist, es gibt zwei Fahrtattraktionen, von denen eine nicht sonderlich gut sein soll, die andere aber 5 Stunden Wartezeiten generiert. Ich werde mich jedenfalls hüten, hier erneut blinde Schätzungen abzugeben. Erst recht bei einem Thema, von dem ich null Ahnung habe, wie Themenparks.

Disneys erheblicher Optimismus zeigte sich erneut, als sie vor Kurzem sämtliche vier Sequels im Zweijahresrhythmus, beginnend diesen Winter ankündigten und kurz darauf einen Teaser für den zweiten Avatar ‚Avatar: The Way Of The Water‘ veröffentlichten. Und der hat in 24 Stunden online knapp 150 Millionen Views gesammelt (in Kinos waren es noch Millionen mehr, nur eben „unfreiwillig“) und damit sämtliche Disney Star Wars-Trailer nass gemacht und ausgestochen. Das ist natürlich nur ein sehr loser Indikator, beantwortet aber meine Frage, wo die Leute herkommen sollen, die die ganzen Avatars schauen. Es gibt sie offensichtlich. Wobei wir die Glocke nicht allzu hoch hängen wollen. Der Trailer zu ‚Fast & Furious 9‘ hat es in 24 Stunden auf knapp 202 Millionen Klicks gebracht. Und ist damit einsamer Spitzenreiter (vor dem neuen Avatar Teaser auf abgeschlagenem Platz 2). Aber F&F ist ein heißgeliebtes, wohlgepflegtes Franchise. ‚Avatar‘ ist ein Film von vor 13 Jahren mit coolem 3D. Und sticht mal eben all die Sternenkriege, Marvel-Capes und die „erinnert Ihr Euch noch an den schönen Zeichentrickfilm“-Disney Remakes aus.

Bei Disney dürfte man sich jedenfalls ordentlich High Fives geben, den heißen Wettbewerb mit sich selbst gewinnt man derzeit mal wieder elegant (und Vin Diesel, der im neuen Avatar auftauchen soll, versucht derzeit vermutlich eine Star Wars Rolle zu kriegen, um an sämtlichen erfolgreichsten Franchises beteiligt zu sein).

Wie kommt es, dass ich und viele andere, deutlich schlauere Leute uns so verschätzt haben, bei unserem Interesse für einen neuen Avatar? Herrscht schon Nostalgie für den ersten Film? Sind die Leute einfach glücklich etwas anderes zu sehen, als die üblichen Franchises? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

Ich weiß nur, dass ich einer der Millionen Klicks für den Teaser war. Und dass der kaum ein Schulterzucken bei mir ausgelöst hat. Er lässt einen Film erwarten wie den ersten Avatar. Einen, den man im technisch am besten ausgestatteten Kino schauen sollte, sich umhauen lässt und danach nicht unbedingt noch einmal braucht. Aber vielleicht irre ich mich. Denn, seien wir ehrlich, James Cameron kann eine Geschichte erzählen. Das hat er oft genug bewiesen. Und wenn er so viele Filme braucht, dann muss er doch irgendwas vorhaben. Vielleicht war der erste Film reines Worldbuilding und nun geht es richtig los. Vielleicht macht er hier ‚Dune‘ (der Buchserie) Konkurrenz und umfasst Millennien einer seltsamen und faszinierenden Geschichte. Ich hoffe es, denn auch wenn man einen anderen Eindruck gewinnen könnte, ich schaue lieber gute Filme, statt über schlechte zu motzen.

Ich wage mal wieder eine Voraussage: für die nähere Zukunft wird ‚Avatar‘ ‚Star Wars‘ als Disneys SciFi Kinofranchise ersetzen. ‚Star Wars‘ wird erst einmal nur als Serien auf Disney+ fortleben. So gut wie meine Voraussagen üblicherweise sind, werden zeitgleich mit diesem Artikel vermutlich fünf neue Film-Trilogien angekündigt. Unter tosendem Erfolg.

Diesmal wird es jedenfalls einen sichtbaren, blauen Fingerabdruck auf der Popkultur geben. Dafür wird Disney schon sorgen. Ein ‚John Carter‘ passiert ihnen heute nicht mehr. Und schon gar nicht vier.*

*Das schreibe ich hier so überzeugt, dann erinnere ich mich, dass ich über die Firma rede, die keinen durchgehenden Plan für ihre ‚Star Wars‘ Sequels hatte…

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten weiblichen Teenager in Serien

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag! Heute fragt uns Gina nach den 5 besten weiblichen Teenagern in Serien. War ich nach letzter Woche natürlich drauf vorbereitet. Ganz leicht war es dennoch nicht, weil Serien. Aber 5 habe ich hingekriegt. Die Liste ist erneut nicht wertend zu verstehen.

5. Cristina do Rego aus ‚Pastewka‘

Kimberley-Jolante „Kim“ Pastewka ist Bastian Patewkas Nichte. Zum Anfang der Serie treffen wir sie als dauermaulende 13Jährige. Während sich ihre Laune über den Verlauf der Serie zunehmend bessert, bleibt eines doch immer gleich: ihre tiefe Antipathie gegen ihren Onkel. Cristina do Rego gibt die Rolle mit erkennbarem Vergnügen und reiht sich in den erinnerungswürdigen Cast der Serie ein.

4. Sheryl Lee aus ‚Twin Peaks‘

Moment mal, Laura Palmer ist doch bereits zum Anfang der Serie tot („wrapped in plastic!“)! Ja, aber zum einen sehen wir Lee in Filmaufnahmen und Rückblenden, die dem Charakter und ihrem Schicksal die nötige Gravitas verleihen, zum anderen war Lynch von Lees darstellerischer Leistung derart angetan, dass er sie als Maddy Ferguson auftauchen ließ und mit ihr quasi die übergreifende Doppelgängerthematik der Serie begründete.

3. Amybeth McNulty aus ‚Anne With An E‘

Ohne McNultys ebenso forsche wie feinfühlige (und furchtlose, um drei f draus zu machen) Darstellung der Anne würde die gesamte Serie mMn. nicht funktionieren.

2. Alia Shawkat aus ‚Arrested Development‘

Mae „Maeby“ Fünke ist ein vom Großteil der Bluth-Familie zumeist übersehenes Mädchen. Das macht sie unabhängig, sarkastisch und durchaus clever. Teilweise, wie bei den meisten Familienmitgliedern, auf reichlich furchtbare Weise. Shawkat verleiht dem Charakter einen sehr eigenen Tonfall, den man so nicht unbedingt erwarten würde.

1. Tina Majorino aus ‚Veronica Mars‘

Weil Majorinos Mac der Bob Andrews zu Veronicas Justus Jonas ist. Wallace wäre der Peter Shaw in diesem… Moment mal, hat noch jemand gerade ein ganz merkwürdiges Gefühl von deja vu?