Trailer-Park: Caaaaaaaahahahats! (plus ‚Knives Out‘, ‚Ad Astra‘ und mehr)

Hallo Zusammen! Heute war eigentlich etwas anderes geplant als ein Trailer Park, aber dann… dann kamen die Katzen und die Katzen verlangen einen Trailer Park und ich habe Angst den Katzen zu widersprechen, denn ich bin sicher, die Katzen können in meine Träume eindringen und wenn ich eine Sache nicht möchte, dann ist es diese Katzen zu sehen, wenn ich die Augen schließe, falls ich mich traue jemals wieder die Augen zu schließen, worauf ich in diesem Moment nicht wetten wollen würde, wegen der Katzen und ja, mir ist aufgefallen, dass dieser Satz schon sehr lang ist, doch wenn ich ihn beendet habe, muss ich den Trailer nochmal schauen, um was dazu sagen zu können und das würde ich gern so lange wie möglich hinauszögern, aber jetzt führt wohl kein Weg mehr dran vorbei, zumindest für mich, aber um jemanden zu zitieren, der aus irgendeinem Grund auch bei den Katzen auftaucht, für Euch könnte noch gelten: „FLIEHT, IHR NARREN!“

 

‚Cats‘

Hokay, die gute Nachricht zuerst: beim wiederholten Ansehen verliert der Trailer ein wenig von seinem die Fundamente der Wirklichkeit erschütternden Terror. Am Ende hatte ich gar Tränen in den Augen. Vom Lachen. Aber fangen wir am Anfang an. In der Psychologie gibt es die Hypothese eines bislang nur spärlich empirisch belegten Effekts. Den „uncanny valley“ Effekt, oder die Akzeptanzlücke. Dieser besagt, dass ein Roboter, ein Avatar oder eine Kunstfigur, die menschlichem Aussehen sehr nahe kommt, es aber nicht ganz erreicht, weit weniger akzeptiert wird als eine deutlich als Roboter oder Kunstfigur erkennbare Gestalt. Diese Ablehnung der Akzeptanz geht so weit, dass sie Horror auslösen kann. Pixar etwa stützt sich auf diese Hypothese als Begründung, warum sie mit abstrahierten Cartoonfiguren arbeiten, wenn sie Menschen darstellen und sich nicht an Fotorealismus versuchen. In der Produktion von ‚Cats‘ sprach man stolz von der „Digital Fur“ Technologie, die den Darstellern digital ein Fell und felines Aussehen verpassen sollte. Das Ergebnis sind nun Wesen, die unser Hirn nicht ganz als Katzen verarbeiten kann, weil sie menschliche Schulten, Hintern, Brüste, Wampen und vor allem Gesichter haben, aber voll und ganz den Uncanny Valley Effekt auslösen, weil sie weit genug von erkennbar menschlich entfernt sind. John Candys „Möter“ Waldi aus ‚Space Balls‘ war sicherlich ein um Millionen billigerer Effekt als dieser und funktionierte besser. Ja, die Bühnenkostüme aus dem ‚Cats‘ Musical zu verwenden hätte wohl besser funktioniert. Das hier sieht für mich aus, wie Technologie, die eingesetzt wurde, weil man es konnte, ohne zu fragen ob das wirklich eine gute Idee ist. Ich wünschte, ich könnte mehr zu dem Trailer sagen, aber mein Hirn ist zu sehr mit der Verarbeitung der Katzen beschäftigt, also seht  einfach selbst:

PS: oh Moment, wenn wir zu negativ sind, dann bauen sie das am Ende noch um, wie bei dem ‚Sonic‘-Film letztens und ich würde diesen Film doch gern in seiner ganzen merkwürdigen Scheußlichkeit erleben… ähem. Wisst Ihr was, ich habe es mir gerade anders überlegt. Das ist schon interessant, anders und vor allem neu! Ich kann es nun kaum erwarten den Film mit meiner ganzen Familie (viele Konsumenten in der Hauptaltersgruppe zwischen 18 und 49 Jahren) zu sehen, danke Amblin und Universal!

PPS: Trägt Judy Dench-Katze einen PELZMANTEL!!!??? Ist sie Leatherface der Katzenwelt? Aaaaaaah (Terror wieder da!)

 

‚Ad Astra‘

So, jetzt waschen wir den Geschmack digitaler Katzenminze aus dem Mund. Brad Pitt gibt einen Astronauten in einer dystopischen Zukunft, der sich auf der Suche nach seinem Vater auf in den Weltraum macht, um noch dazu die Welt zu retten (oder so). Und dazu mindestens eine Szene Mondbuggy Mad Max. Muss ich mehr sagen? Hoffentlich nicht:

 

‚Don’t Let Go‘

Und hier ist ein interessanter Blumhouse Trailer. Nachdem seine Nichte und ihre Familie brutal ermordet wurden, erhält ein Polizist einen Anruf von ihr, zwei Wochen aus der Vergangenheit. Nun müssen sie in zwei Zeitlinien versuchen, das Verbrechen zu verhindern. Ziemlich „high concept“, aber der Trailer lässt es auf alle Fälle spannend aussehen. Der einzige Film der etwas ähnliches versucht hat, der mir einfällt, ist ‚Frequency‘ von 2000. Den habe ich als gut, aber nicht gänzlich gelungen in Erinnerung. Mal sehen was der hier aus dem Konzept macht.

 

‚Loro‘

Ich vermute es ist unmöglich für ein Biopic über Silvio Berlusconi nicht auszusehen wie eine bitterböse Satire, ob nun gewollt oder ungewollt. Im Falle von Paolo Sorrentinos Film ist es ganz offensichtlich gewollt. Ich hoffe nur, der Film ergeht sich nicht nur in dekadenter Bunga Bunga-Ästhetik und gelegentlichen Witzchen. Oder womöglich ist genau das der Punkt.

 

‚Knives Out‘

Was ist das denn? Ein gutes, altes Whodunnit mit hochkarätigem Cast in einem alten Herrenhaus und den Detektiv gibt ein Brite, der sich große Mühe mit einem Südstaatenakzent gibt? Wusste gar nicht, dass sowas noch gemacht wird.* Ich bin jedenfalls dabei.

 

Und das war es für heute. Seht Ihr ‚Cats‘ anders als ich? Bin ich zu fies zu dem Film? Würde mich interessieren, weil ich tatsächlich nur Negatives zu dem Trailer finde!

*Offensichtlich habe ich die Branagh-Version von ‚Mord im Orientexpress‘ vergessen (okay, das Herrenhaus war ein Zug und der Akzent belgisch). Ob das mehr über den Film, oder meine Gedächtnisleistung aussagt, überlasse ich der Entscheidung der Leserinnen und Leser.

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Etruskischer Horror auf Fantastische Antike

Sowohl die antiken Hellenen als auch die Römer sind gern gesehene Gäste in vielerlei Filmen. Vom Geschichtsepos bis zur Fantasy. Wenn es jedoch um Horror geht, dann sind von allen antiken Mittelmeeranrainern sicherlich die alten Ägypter, nicht zuletzt dank ihrer Mumien, ganz vorne mit dabei.

Auf seinem Blog Fantastische Antike hat Michael Kleu jetzt einen faszinierenden Artikel der französischen Doktoranwärterin in Kunstgeschichte Julie Labregère übersetzt, der einen unerwarteten Herausforderer ins Feld führt: die alten Etrusker. Ja, jenes Italikervolk aus der heutigen Toskana und nördlichem Latium, das in typischen Schulgeschichtsbüchern exakt zwei Erwähnungen findet: 1. im 3. Jhdt v. Chr. von den Römern unterworfen und 2. nach den Bundesgenossenkriegen volles römisches Bürgerrecht erhalten. Doch waren die Etrusker natürlich mehr als eine Fussnote. Ihre faszinierenden Grabstätten bilden einen Vektor, der direkt in den Horrorfilm führt.

Eine ganze Reihe an Beispielen führt Labregère dafür auf, sowohl aus Hollywood als auch aus der Blüte des italienischen Horrors der 70er und 80er Jahre. Ich habe meiner Liste jedenfalls einige Filme hinzugefügt.

Wer also auch nur ein leises Interesse für Horror oder antike Geschichte mitbringt, der klicke spätestens jetzt genau hier, falls meine Verlinkungen bis jetzt zu subtil waren!

Newslichter Ausgabe 52: Lady Barbie, stockender Stuber und Space Invaders

Willkommen zu Ausgabe 52 des Newslichters. In der verlassenen Geisterstadt namens „Summer Hole“ war es diese Woche erstaunlich bedeckt, kalt und nieselig für diese Jahreszeit. Hat das immerhin für ein Mehr an brandheißen Filmnews gesorgt? Naja, geht so. Das meiste diese Woche sind weniger heiße News als „nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird“-News. Aber da sie im Moment noch gekocht werden, sind sie jetzt gerade zumindest ordentlich heiß. Legen wir los!

 

Lashana Lynch wird 007

http://www.filmstarts.de/nachrichten/18526259.html

Nachdem Daniel Craig seinen Abschied als Bond verkündet hat, haben sich viele einen nicht-weißen Darsteller oder eine Frau als Nachfolger gewünscht. Die Produzenten zeigten sich davon nicht sonderlich bewegt und ließen durchblicken, dass Bond ein weißer Mann bleiben würde. Nun aber ist in Überschriften allerorten (auch hier) zu lesen, dass Lashana Lynch zur neuen 007 würde. Aber natürlich anders als gedacht. Bevor ich genauer auf die Nachricht eingehe, möchte ich vorausstellen, das alles was man darüber liest sich auf eine nicht eben wahnsinnig verlässliche Quelle bezieht: das britische Boulevardblatt Daily Mail, die ihrerseits einen anonymen Informanten zitieren. Am Ende von ‚Spectre‘ hat Bond seinen Dienst beim MI6 beendet. Für den nächsten Film wird er zurückberufen, aber seine Dienstnummer 007 ist inzwischen an eine neue Agentin weitergegangen. Für wie lange? Wer weiß. Das war es auch schon. Natürlich ist das entrüstete Geschrei derer, die Bond nur als weißen Mann sehen wollen und nur Überschriften lesen bereits sehr laut. Und das Schlimme ist, der Zyniker in mir glaubt nicht, dass das ein „Leak“ war, sondern eine gezielte Veröffentlichung von Universal selbst. Denn jetzt wird es erst einmal Geschrei geben, dann wird es Kolumnen und Think Pieces darüber geben, warum dieses Geschrei ganz furchtbar ist und dann Kolumnen und Think Pieces, dass das Geschrei natürlich furchtbar war, in der Sache aber vielleicht nicht ganz falsch und dann Kolumnen und Think Pieces darüber, dass das Ganze zynisches Marketing ist und so weiter und so fort. Gratis Promotion bis der Film erscheint. Leidtragende ist natürlich Frau Lynch, auf der sich ein Großteil des Furors ergehen wird. Falls ich Recht habe, wurde sie hoffentlich wenigstens gewarnt. Und all das für vermutlich eine 10 Minuten Sequenz im Film, oder eine Pointe, auf die die Filmserie um den narzisstischen Spion seit über 50 Jahren hinarbeitet: James Bond schläft mit 007.

Nachtrag: etwas untergegangen ist das Gerücht, dass Christoph Waltz als Bonds Halbbruder-Nemesis Ernst Stavro Blofeld zurückkehren wird, wobei Rami Malek der Hauptbösewicht bleibt.

 

Komödie im Kino mit schwerem Stand?

Ein Artikel in der New York Times spekuliert darüber, dass die Komödie im heutigen Kinoprogramm der Blockbuster einen schweren Stand hat. Als Beispiel wird die Dave Bautista/Kumail Nanjiani Komödie ‚Stuber‘ herangezogen. Von FOX produziert wurde sie von Dsiney direkt in zahlreichen Kinos veröffentlicht und von einer 30 Millionen Dollar Werbekampagne begleitet. Und dafür läuft sie äußerst enttäuschend. Aber womöglich liegt das Problem nicht so sehr darin, dass Komödien von Blockbustern ins Streaming verbannt werden, wie der Artikel mutmaßt, sondern mehr darin, dass Disney meint diesen Film wie einen Blockbuster handhaben zu müssen. Ich glaube, bei Komödien ist, fast mehr als bei jedem anderen Genre, Mundpropaganda wichtig. Niemand geht in ‚Stuber‘, weil er den Namen erkennt, wie bei ‚Star Wars‘. Aber wenn mir jemand erzählt, er habe mit ‚Stuber‘ gerade eine wahnsinnig witzige Komödie gesehen, werde ich hellhörig. Also eine Veröffentlichung in wenigen Kinos, die dann, je nach Nachfrage immer mehr erweitert werden kann. Wie das im besten Fall läuft zeigte vor kurzem ‚One Cut of the Dead‘. Die japanische Low Budget Komödie erschien in einem Kino in Japan. Dann kam die Mundpropaganda ins Spiel. Bald war er in zahllosen Kinos in seiner Heimat zu sehen, spielte das 1000fache seines Budgets ein, noch bevor er zu einem weltweiten Erfolg wurde. Aber womöglich sind die großen Hollywoodstudios wirklich nicht mehr an solchen Veröffentlichungen interessiert. Das würde bedeuten, die nächsten Komödienerfolge kommen entweder nicht aus den USA, oder falls doch, aus dem Independent Bereich. Das wäre auch nix ganz Neues. Vielleicht ist ‚Stuber‘ aber auch einfach kein guter Film. Wäre natürlich möglich.

 

Lady Barbie?

https://screenrant.com/barbie-live-action-movie-writers-director-greta-gerwig/

Wenn um einen Film die Gerüchteküche nie erkaltet, dann ist es wohl die Live Action Verfilmung der unkaputtbaren Plastikpuppe Barbie. Sowohl Diablo Cody als auch Bert Royal sollen Drehbücher eingereicht haben, Patty Jenkins soll für die Regie im Gespräch gewesen sein (zumindest sie streitet das ab) und für die Hauptrolle geistern Namen von Anne Hathaway bis Amy Schumer durch die Gegend. Nun sollen Greta Gerwig und Noah Baumbach an einem gemeinsamen Buch sitzen. Baumbach und Gerwig haben gemeinsam etwa ‚Frances Ha‘ geschrieben, bei dem Baumbach dann Regie geführt und Gerwig die Hauptrolle gespielt hat. Beim ‚Barbie‘ Film will das Gerücht allerdings, das Gerwig im Regiestuhl Platz nehmen wird, die mit ‚Lady Bird‘ ein erfolgreiches Regiedebüt abgeliefert hat. Das Baumbach dann folgerichtig die Hauptrolle übernimmt ist eher unwahrscheinlich, dafür ist Margot Robbie im Gespräch. Nicht wenige Spielzeughersteller scheinen derzeit Filme zu produzieren, nach dem Motto, für LEGO hat’s ja auch funktioniert. Baumbach und Gerwig könnten immerhin ein Weg sein ‚Barbie‘ etwas Interessantes abzugewinnen.

 

Space Invaders aus dem Automaten direkt auf die Leinwand

https://deadline.com/2019/07/space-invaders-movie-new-line-taito-arcade-game-new-line-greg-russo-mortal-kombat-1202645635/

Und hier ist das unausweichliche Sequel zu meinem Artikel ‚6 bizarre Videospielverfilmungen, die derzeit in Produktion sind‘. Die ‚Space Invaders‘ kommen ins Kino. Brandheiß aus Taitos megaerfolgreichen Münzengrab eines Arcadeautomaten von… 1978 nur 41 Jahre später auf dem Weg auf die Leinwand. Im Automaten fährt man im unteren Bereich des Bildschirms eine Kanone hin und her und ballert auf die von oben in Reih- und Gleid anrückenden ‚Space Invaders‘. Viel Material für einen Film liefert das womöglich nicht und der Titel ist jetzt doch irgendwo recht generisch. Doch vielleicht wird das Drehbuch von Greg Russo alles retten. Der schreibt immerhin auch das Reboot zu ‚Mortal Kombat‘ und wer einen Videospielfilm schreibt, der kann auch nen anderen schreiben (und einen dritten, am ‚Resident Evil‘ Reboot werkelt er auch). Die einzige Frage die bleibt ist wohl, ob Dwayne „The Rock“ Johnson den Boss der Space Invaders oder doch eher die Kanone spielen wird. Und ob es ein Crossover mit der Tetris Trilogie geben wird…

PS: In Deutschland gab es bereits einen Film namens ‚Space Invaders‘. Der hatte im Original allerdings den galaktisch überlegeneren Titel ‚Killer Klowns from Outer Space‘!

 

Und das war es für diese Woche. Jetzt heißt es noch sieben Mal schlafen bis zum nächsten Newslichter!

‚A Ghost Story‘ (2017)

Nostalgie. Heute vor allem ein Marketingbuzzword, das etwa jene verklärte Version der 80er Jahre beschreibt, die uns Filme und Serien nur zu gern verkaufen wollen. Das Wort setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen für Heimkehr und Schmerz. In dieser Form wurde es zum ersten Mal in Zusammenhang mit schweizerischen Söldnern des späten 17ten Jahrhunderts erwähnt, denen man verbot die Hirtenlieder ihrer Heimat zu singen, weil sie dadurch ein extremes Heimweh entwickelten. Fast jeder wird es selbst schon einmal gespürt haben. Beim Betrachten von Fotos vielleicht, beim Blättern in alten Schulheften oder beim Betreten des Hauses der Kindheit. Auch unser Film beginnt mit einem Moment extremer Nostalgie und nimmt diesen als Absprungpunkt für eine Betrachtung über das Menschsein und was von uns bleibt.

Eine Frau (Rooney Mara) und ein Mann (Casey Affleck) leben in ihrem ersten Haus, nachdem sie geheiratet haben. Es ist schon älter und etwas heruntergekommen. Sie würde gern in die Stadt in eine moderne Wohnung ziehen, er würde gern in dem Haus bleiben. Eines Tages stirbt er in einem Autounfall vor dem Haus. Im Keller des Krankenhauses erhebt er sich samt dem Leichentuch und wandelt als unsichtbarer Geist durch die Gänge. Als sich in der Wand vor ihm ein großes Tor auftut, vermutlich zum Nachleben, nutzt er das nicht, sondern wandert schnurstracks zurück zu seinem Haus. Hier beobachtet er seine Frau bei der Trauerbewältigung, bei der Rückkehr zur Normalität und wie sie schließlich ohne ihn weiterlebt.

Zeit ist ein wesentliches Element des Films. Nicht nur weil Nostalgie ein Gefühl ist, das ohne eine gewisse Zeit nicht existieren kann. Der Film fängt auch das unterschiedliche Erleben von Zeit großartig ein. So zeigt uns Autor/Regisseur David Lowery in zwei minutenlangen, statischen Aufnahmen, wie Rooney Maras Charakter, kurz nach dem Tod ihres Mannes, quasi einen kompletten Kuchen direkt aus der Form isst, bevor sie zum Klo läuft und sich übergibt. Demgegenüber stehen stakkato-artige Szenen täglicher Routine, wie sie die Schuhe anzieht, die Schlüssel greift und zur Tür hinausläuft, die ganze Wochen in Sekunden beschreiben. Eindrucksvoll auch eine Szene die zwei Momente einander gegenüberstellt. Einen in dem er, ein Musiker, seiner Frau seinen neuen Song zum ersten Mal zu hören gibt und den Moment, wenn sie ihn nach seinem Tod zum ersten Mal hört.

Zeit ist auch insofern entscheidend, dass bereits nach der Hälfte der Laufzeit der Moment erfolgt, der ein logischer (und, zugegeben, der von mir erwartete) Endpunkt für die Geschichte gewesen wäre. Sie verlässt das Haus und sein Geist bleibt in einem manischen Versuch zurück an eine Botschaft von ihr zu kommen, die sie in die Ritze eines Türstocks geschoben hat. Ab hier wird der Film von einer persönlichen Trauergeschichte zu etwas Größerem. Er und damit wir als Zuschauer müssen feststellen, dass mit unserem Tod die Zeit auch nicht für eine Millisekunde aus dem Tritt kommt und wenden uns stattdessen der bangen Frage zu, was wohl von uns bleiben mag. Der spiritus loci, auf ewig an sein kleines Haus in Texas gebunden, wird zu einer Art Weltgeist, der extreme metaphysische Fragen zu stemmen hat. Dabei findet der Film einen eleganten Weg zwischen poetischer Hoffnung und existentiellem Nihilismus, zusammengefasst in einer der wortreichsten Szenen von einem angetrunkenen Hobbyphilosophen auf einer Party.

Ich habe einige Stimmen gelesen, die Lowery mit Terrence Malick vergleichen. Und tatsächlich ist der gedankliche Sprung zu ‚Tree of Life‘, in dem Malick die Geschichte einer texanischen Vorortfamilie mit der Geschichte der Menschheit, ja der Welt an sich verknüpft ein recht offensichtlicher. Lowerys Film ist allerdings geradliniger, er verzichtet auf gehauchte Voice Over (und auf megareiche Langweiler, die sich im Kreis drehen, was Vergleiche mit aktuelleren Malicks ohnehin hinfällig macht), ja für die meiste Zeit verzichtet er weitgehend auf Dialoge. Der Geist spricht ohnehin nicht und in der kurzen Zeit, in der er auf typisches Poltergeistern verfällt sind sämtliche Dialoge auf Spanisch, ohne Untertitel zu hören. Ein wenig fühlte ich mich auch an Wim Wenders ‚Der Himmel über Berlin erinnert‘ dort gibt Bruno Ganz‘ Damiel die Rolle des ewigen Beobachters auf, um sterblich zu werden, hier wird Afflecks Charakter zum ewigen Beobachter gemacht.

‚A Ghost Story‘ erzählt in Bildern. In einem 4:3 Format mit abgerundeten Ecken, wie ein Familienfilm in einer alten Kramkiste gefunden, oder ein Familienfoto, das an einer nicht oft beachteten Stelle im Gang hängt, dessen Fehlen aber dennoch schmerzhaft auffallen würde. Das Geisterkostüm, ist einerseits absichtlich so gestaltet, dass es aussieht wie das billigst mögliche Halloweenkostüm, das alte Bettlaken mit zwei Löchern drin, andererseits scheinen die Tücher eine Schwere zu haben, eine Last für den Geist zu sein, die nur langsame und damit würdevolle Bewegungen zuzulassen. Diese Langsamkeit, gemeinsam mit der Kamera drückt denn auch die Gemütsverfassung des Gespenstes eindrucksvoll aus.

Ich habe keine Ahnung, ob nun wirklich Casey Affleck unter den Laken steckte (bei Michael Fassbender in ‚Frank‘ konnte man immerhin noch seine Stimme hören), aber zumindest in der Zeit in der er und Rooney Mara zu sehen sind, sind sie toll. Sie haben eine derart gute Chemie miteinander, dass wir ihre Liebe trotz der wenigen Dialoge, die dann meist auch noch Dispute darüber, ob sie nun umziehen sollen oder nicht sind, geradezu spüren. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Idee zu dem Film genau einer solchen Diskussion entsprang, die Lowery über einen möglichen Umzug mit seiner Frau geführt hatte (in wie weit der Film diese Diskussion beeinflusst hat entzieht sich aber meiner Kenntnis…).

Die Musik von Daniel Hart nutzt den Song, den im Film Afflecks Charakter geschrieben hat, als ein zentrales Element. Wie Hart in einem Making of beschreibt nutzt er extrem verlangsamte Passagen aus dem Song als atmosphärische Untermalung für viele Szenen und unterstützt so das zentrale Thema um das Erleben von Zeit. Dazu kommen ein gespenstisch-melancholischer Streicher-Soundtrack, sowie der punktgenaue Einsatz von Beethovens Ode an die Freude.

Wow, die letzten Wochen habe ich echt ein gutes Händchen bei der Filmauswahl. Hier zeigt uns Lowery problemlos, dass bei allem verdienten Gemäkel über Hollywood, aus den USA immer noch beeindrucken-überraschende Filme kommen können, produziert für einen Betrag (100.000 Dollar), der bei Marvel noch nicht einmal das Catering finanzieren würde. Ich habe jetzt jedenfalls das Bedürfnis alles von Lowery zu sehen. ‚The Saints‘, ‚Ein Gauner und Gentleman‘ und sogar ‚Elliott, der Drache‘. Ja, ich möchte ein Disney Remake sehen. Entweder sagt das was über die Magie dieses Films, der mir jetzt seit Tagen durch den Hirnkasten spukt aus, oder irgendwer sollte mir dringend Hilfe schicken!

Kurz und schmerzlos 24: ‚The Ordinary‘ (2016) – ganz normaler Drachentöter

9 Minuten dauert der dialogfreie Kurzfilm der Brüder Julien und Simon Dara. Ein wenig fühlt er sich wie ein Epilog an. Ein ganz normaler Garten, in einer ganz normalen Vorortsiedlung an einem ganz normalen Tag. Ein ganz normaler Typ hat offenbar soeben einen Drachen besiegt. Die Bestie wütet in Todesqualen, er ist blutüberströmt und erschöpft. Was in der zweiten Hälfte des Films geschieht ist überraschend genug um es nicht zu verraten.

Erklärungen für den Drachen liefert uns der Film auch keine. Und da wir als Zuschauer „zu spät gekommen sind“, um zu sehen was er wirklich ist, eröffnet er sich natürlich für allerlei Interpretation. Der Drache als monströses Wesen, das in tiefen Höhlen haust und dann in den Himmel fliegt, die offensichtliche Verbindung zwischen dem Unteren und dem Oberen, des Unterbewusstseins und des Bewusstseins. Vielleicht hat der Mann einen schweren Moment in seinem Leben überstanden, sich von einem schädlichen Einfluss befreit. Wir wissen es nicht, wir sehen nur, wie er damit umgeht.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 besten Serienmomente

Willkommen bei den 5 Besten am Donnerstag. Heute möchte Gina von uns unsere 5 liebsten Serienmomente wissen. Da sind die meisten bei mir zwar schon eine Weile her, weil ich nicht mehr so viele Serien schaue, dennoch möchte ich Euch natürlich warnen, dass die Texte Spoiler zu den jeweiligen Serien enthalten können.

 

  1. ‚True Detective‘ Staffel 1 – Single Take Rettung

Ich war kein ganz so großer Fan dieser Serie wie viele andere, aber der Moment am Ende von Folge 4 wenn Matthew McConaughey als Undercover-Cop seinen unwilligen Informanten aus einer Drogenrazzia, die zur Schießerei geworden ist retten muss und das alles in einer Aufnahme, ohne Schnitt, dann ist das, auch für das heutige Fernsehen, ein extrem cinematischer Moment. Und passt sich dennoch in die größere Puzzlebox-Struktur der Serie wunderbar ein.

  1. ‚Deadwood‘ Staffel 2 – Bullock vs. Swearengen

Eine Staffel lang war es unausweichlich und in der ersten Folge der zweiten Staffel war es so weit: Seth Bullock legt seinen Stern ab und fragt Saloonbesitzer/Gengster Al Swearengen, ob er ein Messer habe, Sekunden bevor die beiden aufeinander losgehen. Sie sind nicht die ersten und nicht die letzten, die von Swearengens Balkon segeln, aber, wie Cy Tolliver feststellt: „Awful possibility in these matters is both men sustaining mortal injury…“. Natürlich ist er enttäuscht (anders als der Zuschauer), wenn‘s beide überleben.

  1. ‚The Sopranos‘ Staffel 5 – Adriana und Silvio

Ausgewählt aus einer möglichen Vielzahl von Momenten. Die Sopranos sind nicht arm an Morden und viele davon sind schwer zu ertragen. Doch wenn Adriana den Anruf bekommt, Chris habe versucht sich umzubringen und Sil hole sie ab, nur um dann festzustellen, dass er nicht zum Krankenhaus, sondern in den Wald fährt, ist sicherlich einer schwersten.

  1. ‚The Wire‘ Staffel 3 – Omar, Brother Mouzone und Stringer Bell

Was passiert, wenn man zwei Killer gegeneinander aufhetzt und die bringen sich nicht um, sondern reden miteinander? Dann hilft auch kein Versuch mehr wie ein gesetzestreuer Geschäftsmann auszusehen, dann hat man sich selbst den Fluchtweg verbaut, wie Stringer Bell feststellen muss.

  1. ‚Twin Peaks‘ Staffel 3 Folge 8

Die gesamte Folge 8. Weil es sowas im Fernsehen nicht gab und wohl so auch nicht wieder geben wird.

„This is the water and this is the well. Drink full and descend. The horse is the white of the eyes and dark within.“