Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Filmszenen, die ich nie vergessen werde

Gebt mir ein D! Gebt mir ein O! Gebt… okay, das dauert zu lange. Willkommen zu den Besten am Donnerstag, wo Gorana heute von uns 5 Szenen wissen möchte, die wir niemals wieder vergessen werden. Ich hätte hier problemlos 50 Szenen unterbringen können, habe mich aber bemüht die Besten auszuwählen. Legen wir los:

  1. ‚Abbitte‘ Dünkirchen Strandszene

Diese Szene sticht ein wenig hervor in Joe Wrights Film um Liebe, Krieg und zerstörerische Lügen. Hauptcharakter Robbie ist, als Mitglied des britischen Expeditionskorps im 2ten Weltkrieg, nach einigen Mühen am Strand von Dünkirchen angekommen und wartet hier mit mehr als 300.000 weiteren Soldaten entweder evakuiert oder von den Deutschen zusammengeschossen zu werden. Wright fängt die desolate Stimmung in einem 5minütigen One-Take ein.

Mal sehen, ob Nolan etwas Besseres hinkriegt.

  1. ‚Cabaret‘ Tomorrow Belongs To Me

Kann man den Schrecken über den Aufstieg der Nazis in einer einzigen Szene verdeutlichen? Und dann noch in einer musikalischen Szene? Songschreibern Kander und Ebb ist es für ihr Musical gelungen und Bob Fosse hat es adäquat in seiner Verfilmung um eine Gruppe hedonistischer Exilamerikaner in der Weimarer Republik umgesetzt. Eine der beunruhigendsten Szenen aller Zeiten.

  1. ‚Alien‘ Dinner Szene

Muss ich viel dazu sagen? Nachdem John Hurt in einem Raumschiffwrack ein Parasit ins Gesicht gesprungen ist, dauert es ein paar Tage bis er wieder abfällt. Zum Abendessen gibt es Spagetti und dann passiert das hier:

  1. ‚Goodfellas‘ Funny How?

In einer Zeit als jeder Regisseur eines Gangsterfilms versuchte im Dialog Quentin Tarantinos ‚Pulp Fiction‘ nachzuahmen, ging Martin Scorcese seinen eigenen Weg. So ziemlich alles an dieser Szene ist perfekt. Von Joe Pesci als protzigem Gangster mit Selbstwerts-Komplexen über den plötzlichen Stimmungswechsel bis hin zu Liottas etwas zu lautem Lachen am Ende.

  1. ‚Mulholland Drive‘ Winkies Diner

In seinem Film über die Traumfabrik Hollywood musste David Lynch natürlich auch eine Alptraumszene unterbringen. Diese Szene widerspricht so ziemlich jeder Regel des Horrorfilms. Sie spielt bei vollem Tageslicht, zwei Charaktere legen exakt dar, was gleich passieren wird und erklären dass es ein Traum ist. Und dann spielt sich die Szene ab und ich fühle mich, als wäre ich wieder 4 und E.T. ist im Haus. Sounddesign und Kameraarbeit schaffen die für mich wahrscheinlich verstörendste Szene aller Zeiten. Lynch hat es hier geschafft einen Alptraum im Film zu fixieren.

 

Oha, meine Liste war ganz schön finster. Das tut mir leid. zum Ausgleich hier ein Katzenvideo:

Gestern Gesehen: ‚Eye In The Sky‘ (2015)

Habt Ihr den Trailer geschaut? Der lässt nichts besonders Gutes erwarten, oder? Und auch der Name des Regisseurs, Gavin Hood, der verantwortlich zeichnet für Filme wie ‚X-Men Origins: Wolverine‘ oder ‚Enders Game‘ lässt nicht auf einen besonders geistreichen Film hoffen. Was sich jedoch zweifellos gut liest ist die Besetzungsliste. Bei mir war es letztlich eine Empfehlung von Bloggerkollege Ma-Go, die den Ausschlag gegeben hat. Und ich kann Euch versprechen, wenn ihr Euch entschließt den Film zu schauen werdet ihr positiv überrascht sein!

Der britischen Colonel Katherine Powell (Helen Mirren) ist es nach sechs Jahren gelungen einige hochrangige Mitglieder der al-Shabaab Milizen bei einem Treffen in Nairobi, bei dem neue Rekruten initialisiert werden sollen, zu lokalisieren. Sie und ihr britischer Stab leiten dabei ein US-amerikanisches Drohnenteam, sowie kenianische Agenten vor Ort mit dem Ziel die hochrangigen Terroristen, darunter eine britische Konvertitin, zu verhaften. Als das Treffen jedoch in ein von der Miliz kontrolliertes Viertel der Stadt verlegt wird, wird ein direkter Zugriff für die kenianischen Truppen unmöglich. Die Mission wandelt sich zu einer gezielten Tötung durch die Raketen der Drohne. Da jedoch – nicht zuletzt durch im Haus befindliche Sprengstoffe – ein erhebliches Risiko für „Kollateralschäden“ besteht, beginnt bei den britischen Politikern, die in die Mission involviert sind, ein verzweifeltes Verschieben von Kompetenzen und Verantwortung. Als sich dann auch noch ein kleines Mädchen (Aisha Takow) vor der Mauer des Gebäudes niederlässt um Brot zu verkaufen, während die Rekruten drinnen ein Märtyrer-Video drehen und sich Sprengstoffwesten anlegen, besteht ein handfestes, moralisches Dilemma.

Eben dieses zentrale Dilemma, „sollen wir jetzt zuschlagen und ein kleines Kind töten oder nichts tun und dann verantwortlich sein für all die Toten der Anschläge durch die Sprengstoffwesten“ ist natürlich äußerst reduktiv und letztlich eine Variante des Weichensteller-Dilemmas. Allerdings macht das nicht viel, denn der Film erwartet von Zuschauer, dass er dieses Dilemma für sich selbst löst. Abgesehen von den Leuten die direkt am virtuellen Abzug sitzen, wirft im Film keiner der Akteure ethische oder moralische Bedenken auf. Die Politiker sind darauf bedacht die Verantwortung von sich zu schieben, um politisch das Gesicht zu wahren und denken an die Pressewirkung, während Powell sich „kreativer Statistik“ bemüht, um sowohl ihre Ziele eliminieren zu können als auch juristisch auf der sicheren Seite zu sein. Das lässt das Geschehen erschreckend realistisch wirken, während wir als Zuschauer uns bemühen die Dinge einzuordnen und für uns ethische Entscheidungen treffen. Die nimmt uns der Film, zumindest explizit, auch nicht ab. Bis zum Ende müssen wir für uns selbst verantworten, ob wir das Gesehene gutheißen oder verurteilen. Implizit teilt uns Hood allerdings durchaus auch seine Meinung mit.

Der Film wird oftmals, nicht zuletzt im Trailer, mit Kubricks ‚Dr. Strangelove‘ verglichen. Diesen Vergleich kann ich überhaupt nicht nachvollziehen, fehlt ‚Eye in the Sky‘ dafür doch ein gewisser satirischer Biss. Den will er allerdings auch gar nicht haben, er ist mehr am Realismus der Situation interessiert. Wenn ich einen Vergleich ziehen müsste, dann wäre dies zu einer der besseren Folgen von Charlie Brookers Serie ‚Black Mirror‘. Hier wie dort steht eine hypermoderne Technik im Mittelpunkt, die eigentlich das menschliche Leben erleichtern sollte, allerdings zu unerwarteten moralischen und persönlichen Problemen führt, die eine ohnehin komplizierte Situation noch verworrener machen.

Der Film ist spannend. Sehr spannend sogar, die meiste Zeit saß ich buchstäblich auf der Sesselkante. Das gelingt ihm trotz beinahe vollständigem Verzicht auf klassische Action. In seinen gut 100 Minuten Laufzeit ist eine einzige Szene, die man als typische Actionszene betrachten kann und die dauert nicht einmal 30 Sekunden. Auch mit der Darstellung von Gewalt hält sich der Film sehr zurück. Er arbeitet mit der Erwartung von Gewalt, durch die Sprengstoffwesten, den Raketenschlag, die ständige Anwesenheit der Milizionäre. Den Rest seiner Spannung bezieht der Film, neben dem oben beschriebenen philosophischen Überlegungen, aus dem ständigen Wechsel von Örtlichkeiten und Atmosphären. Da ist Powells bunkerhaftes Hauptquartier, dass an den 2ten Weltkrieg gemahnt, die Abgeschiedenheit der Piloten, in ihrem finsteren Kontrollcontainer, die Großraumbüro-Atmosphäre einer Bildverarbeitungsstation auf Hawaii, die belebten Straßen Nairobis, ein Außenminister mit Durchfall in einem asiatischen Luxushotel, verschiedene sterile Besprechungsräume, Skype-Konferenzen dazwischen und noch einiges mehr. Das Innere des Hauses der Terroristen sehen wir übrigens nie durch die „objektive“ Filmkamera, sondern nur durch im Film vorhandenes Bildmaterial von z.B. einem ferngesteuerten Käfer. Dazu kommen immer wieder Aufnahmen aus Sicht der Drohne, dem namensgebenden Auge im Himmel, die Nairobi in einer klaren, nachvollziehbaren Organisation zeigen, die in ihrer objektiven Technik in klarem Kontrast stehen zu dem menschlich-chaotischen Geschehen in allen anderen Aufnahmen. Kameramann Haris Zambarloukos und Cutterin Megan Gill gelingt es eindrucksvoll all diese Einzelteile zwar getrennt für sich wirken zu lassen, alles jedoch als verbundene Einheit glaubhaft zu machen.

Die Ensemble Besetzung ist durch die Bank hervorragend. Hervorheben möchte ich Helen Mirren, die auch mit 70 Jahren kein Problem damit hat eine taffe Armeefrau zu geben. Ihrer Darstellung ist es zu verdanken, dass Powell nie überzogen schurkenhaft wirkt. Auch Barkhad Abdi, als kenianischer Agent vor Ort ist ziemlich großartig. Kann man ihm doch zu jeder Zeit am Gesicht ablesen, dass er weiß, dass er weitaus tiefer in der Höhle des Löwen ist als wir ahnen. Und dann ist da natürlich noch Alan Rickman in seiner leider letzten Rolle. Als politischer Liaison-General tut er das, was er stets am besten konnte. Die Arroganz der britischen Upper-Class in geradezu waffenfähige Verachtung zu fokussieren und dabei dennoch sympathisch zu wirken. Ich werde ihn vermissen.

‚Eye In The Sky‘ ist vermutlich der beste Film, den wir zu den Themen Drohnenkrieg, politische Ermordung, extralegale Hinrichtung und kriegerisches Vorgehen in befreundeten Ländern zu sehen bekommen werden. Er ist zwar nicht perfekt, die Simplifizierung auf ein direktes moralisches Dilemma ist nicht wirklich hilfreich, aber letztlich ist er doch clever genug, um als ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema zu funktionieren. Ich vermute, dass er als britische Produktion hier bedachter sein kann, als ein Hollywood-Film es sein könnte.

Die 5 Besten am Donnerstag: die 5 (besten?) Fakten über mich

Hallo Donnerstagler! Heute wird es bei den 5 Besten persönlich, denn Gorana möchte 5 Fakten über uns wissen. Die müssen nicht unbedingt viel mit Medialem zu tun haben . Haben sie bei mir aber zu einem guten Teil doch. Heute mal ganz ohne Nummerierung, denn diese Fakten sind alle so gut*, dass sie es verdient hätten die Nummer eins zu sein. Und sie sind allesamt garantiert keine „alternativen Fakten“.

Ich bin Mikrobiologe und finde es sehr schade, dass Bakterien im Film stets grundlegend als negativ dargestellt werden. Wenn sie denn überhaupt erwähnt werden, denn meistens haben ja Viren (laaangweilig!) die tollen Hauptrollen und dürfen Leute in Zombies verwandeln oder was auch immer. Und wenn es mal klein und nützlich sein soll, dann sind es Nanomaschinen. Blöd.

Ich hatte als Kind panische Angst vor E.T., dem Außerirdischen. Meine instinktgesteuerte,  wilde Flucht beim ersten Anblick des schrumpeligen Telefonschnorrers war derart blind, dass ich mir eine ordentliche Beule am Kopf eingefangen habe und mich heulend unter den Küchentisch verzogen habe. Und so wurde eine lebenslange Passion für Horrorfilme geweckt. Dazu demnächst mehr an dieser Stelle!

Das erste Mal das Kino besucht habe ich mit meinem Vater, da meine Mutter seit ich sie kenne dazu neigt bei Filmen einzuschlafen. Der erste Film, den wir gesehen haben war entweder ‚Aristocats‘ oder ‚Cap und Capper‘ jeweils in Wiederaufführung. Der andere war dann der Zweite. Die habe ich beide seit Kindertagen nicht mehr gesehen, da sie ja als eher mittelmäßige Disney-Streifen gelten und ich mir die Erinnerung nicht verderben möchte.

Ich bin das Gegenteil eines pingeligen Essers und bin ein großer Freund von Käsen aller Art. Der Geruch der Kino-Nacho-Käsesauce bereitet mir allerdings ein tiefes, körperliches Unbehagen. Keine wirkliche Übelkeit aber eine erhebliche Abscheu. Wenn hier ein Lebensmittelchemiker (oder sonst jemand, der eine Idee hat) mitliest, der weiß woran das liegen könnte, wäre ich sehr interessiert.

Ich habe den originalen ‚Ghostbusters‘ in meinem Leben bereits deutlich über 30 Mal gesehen. Ich kann sämtliche Dialoge mitsprechen und tue dies gelegentlich. Auch „beglücke“ ich meine Umwelt gerne mit überraschenden Zitaten aus dem Film (und muss dann erklären, dass es sich um Zitate handelt). Ich würde gerne behaupten, das mit das leid tut. Das wäre allerdings glatt gelogen.

*genannte Fakten sind nicht unbedingt gut oder gar interessant!

Gestern Gesehen: ‚Under The Shadow‘ (2016)

Das ist mal ein Debut: der Erstlingsfilm des Exil-Iraners Babak Anvari war als britischer Kandidat für den Fremdsprachen-Oscar angedacht. Denn trotz komplexer Zusammensetzung des minimalen Budgets von Geldgebern aus Jordanien, Katar und eben Großbritannien gilt der Film als britische Produktion. Zur Nominierung ist es zwar nicht gekommen aber für einen ersten Film (und dann noch einen Low Budget Horrorfilm) eine sehr erstaunliche Leistung. Stellt sich die Frage, ob der Film wirklich so gut ist.

Mitte der 80er erreicht der Iran-Irak-Krieg eine neue Phase. Die irakische Seite nimmt gezielt iranische Städte, darunter auch die Hauptstadt Teheran, unter Raketenbeschuss. Vor diesem Hintergrund erfährt Shideh (Narges Rashidi), dass sie ihr lange unterbrochenes Medizinstudium nicht wieder aufnehmen kann, da sie zur Zeit der Revolution in „linke Umtriebe“ verwickelt war. Dann wird auch noch Shidehs Mann als Arzt zum Militärdienst eingezogen. Der möchte Shideh und die gemeinsame, kleine Tochter Dorsa (Avin Manshadi) eigentlich zu seinen Eltern aufs Land schicken. Doch in einem Versuch einen wenig Selbstbestimmung zu behalten besteht Shideh darauf in ihrem teheranischen  Apartmenthaus zu bleiben. Wenige Tage später schlägt eine irakische Blindgänger-Rakete durchs Dach. Für die abergläubischen Nachbarn steht schnell fest, dass die Waffe einen bösartigen Dschinn (im Sinne einer dämonischen Wesenheit, nix mit drei Wünschen) ins Haus gebracht hat. Shideh hält das für Unsinn, doch als Dorsa mit fremden Personen in der Wohnung zu sprechen beginnt, kommen Zweifel in ihr auf.

‚Under The Shadow‘ ist ein übernatürlicher Horrorfilm. Das ist glaube ich ganz wichtig in dieser Deutlichkeit zu sagen, denn Anvari gelingt es meisterhaft  den Bogen vom Drama hin zum Dschinnenspuk so elegant, so unauffällig zu gestalten, dass man eine ganze Weile braucht, bis man sich klarmacht, was eigentlich passiert. Denn der Film spart von Anfang an nicht mit Schrecken. Die sind allerdings noch alles andere als übernatürlich. Shideh wird, als Frau, als Mensch zweiter Klasse gesehen, dass sie auch noch, auf Seiten der Intelektuellen, in die Revolution verwickelt war, macht ihre Situation nicht besser. Nicht einmal ihr Mann kann dafür Verständnis aufbringen. Das Leben in einem Kriegsgebiet, die ständige Sorge um Ehemann, Tochter und das eigene Leben. Es sind persönliche, gesellschaftliche und politische Ängste die Shideh umtreiben. So steht sie von Anfang an im Schatten. Im Schatten der Ayatollahs, im Schatten ihre Mannes, im Schatten ihrer Mutter und nicht zuletzt im Schatten ihrer eigenen Depression. Mit dem Dschinn kommt dann noch ein weiteres kulturelles Bruchstück hinzu, ein mythologisches Wesen, dass ihr den letzten Rückzugsort streitig macht: ihre eigene Wohnung.

Filmisch unterstreicht Anvari diese Entwicklung äußerst geschickt. Die Außenwelt von Teheran wirkt von Anfang an bedrohlich und ist in unübersichtlichen Perspektiven gefilmt, wenn die Kamera sich nicht ohnehin auf Shideh fixiert und alles andere wie Fremdkörper wirken lässt. Die Wohnung hingegen ist ein, auch für den Zuschauer schnell nachzuvollziehender, Rückzugsort. Der Film stellt sicher, dass wir wissen, wo z.B. die Küche in Bezug aufs Kinderzimmer ist. Wie das Wohnzimmer aufgeteilt ist, in dem Shideh zu ihren illegalen Aerobic Videos turnt. In der zweiten Hälfte heben neue, verwirrende Kameraperspektiven diese sicher geglaubte Ordnung perfide wieder auf, der Rückzugsort wird bedrohlich, undurchschaubar.

Und Rationalistin Shideh hat größte Probleme mit der offenkundig übernatürlichen Bedrohung umzugehen. Als sie bei einer Freundin nach einem Buch über Dschinne fragt gibt die ihr zwar eines, sagt ihr jedoch direkt, dass es ein anthropologisches Werk sei und sie die gewünschten Antworten dort nicht finden wird (das ist sicherlich ebenfalls wieder symbolisch zu sehen, für die Hilflosigkeit mit der die intellektuelle Elite dem religiösen Furor der islamischen Revolution gegenüberstand). So kommt es in der zweiten Hälfte des Filmes beinahe zu einer Rollenumkehrung zwischen Mutter und Tochter, die ihren Höhepunkt in einer Szene erreicht, in der Shideh in einer hilflosen Geste Dorsas Kinderzimmer verwüstet, während die fassungslos im Türrahmen steht.

Narges Rashidi als Shideh liefert in diesem Film eine beachtliche Vorstellung ab. Sie gibt die komplexe Mixtur ihres Charakters aus viel zu lange heruntergeschlucktem Zorn, Versagensängsten, ganz „alltäglichen“ Todesängsten eines Kriegsgebietes und der ständigen, stillen Drohung des Aufgebens, des Triumphes der Depression aber auch einer stillen Würde und eines eisernen Willens mit großem Geschick wieder. Ihr wichtigster Widerpart hierbei ist Avin Manshadi als Tochter Dorsa, die ebenfalls eine, gerade für eine Kinderdarstellerin, sehr gute Leistung abliefert.

‚Under The Shadow‘ ist ein großartiger Film, der sich nahtlos in die Reihe hervorragender Horrorfilme der letzten Jahre einreiht. Am ehesten vergleichbar ist er sicherlich mit Jennifer Kents ‚Der Babadook‘, auch wenn hier die Metapher des Monsters deutlich komplexer ist, als das bei dem australischen Film der Fall war. Auch Elemente aus der rigiden Glaubensgemeinschaft von ‚The Witch‘ lassen sich hier wiederentdecken, wenn auch in einen anderen kulturellen Kontext gebracht.

Jeder Freund gepflegten Horrors sollte sich diesen Film auf gar keinen Fall entgehen lassen, ich würde ihn sogar Leuten empfehlen, die normalerweise wenig mit Horror am Hute haben. Anvaris Inszenierung ist derart geschickt und elegant, dass man glatt vergessen könnte, dass man gerade einen Horrorfilm sieht. Bis er einen daran erinnert, dass in den Händen eines Könners, ein Fetzen Baufolie gruseliger sein kann als jedes CGI-Monster.

Der Film scheint bisher nur auf einer – vollständig Extras-freien – UK-DVD erschienen zu sein. Die ist dafür immerhin preiswert (bei Amazon während ich dies schreibe unter 5€). Ob ihr Euch die bestellt oder auf eine vernünftige Veröffentlichung wartet, bitte lasst Euch ‚Under The Shadow‘ nicht entgehen!

Wir werden weiter über Filme klönen – zwei kleine Umfragen

Nachdem mich Eure Beteiligung an meinem kleinen Experiment schier umgehauen hat – sowohl quantitativ, wie qualitativ (vielen Dank nochmal Euch allen!) – soll es natürlich damit weitergehen. Und am besten noch mehr Leute erreichen und wenn ihr mir dafür zwei kurze Fragen beantwortet würde das dabei sicher helfen!

Zum Ersten bin ich mir etwas unsicher, was die Länge meiner Artikel angeht. Einerseits sollen sie Eure Zeit nicht über Gebühr beanspruchen und nicht jedes Gespräch von vornherein erschlagen, andererseits möchte ich da schon umfassend meine Ideen zu dem jeweiligen Thema wiedergeben, sowie ein paar Aufhänger für Diskussion schaffen. Bei dem Gewalt-Thema habe ich tatsächlich meinen ursprünglichen Text etwas gekürzt, um unter 2000 Worten zu bleiben. Wie seht ihr das? Gerne mehr, lieber weniger oder genau richtig?

 

Mir schweben außerdem bereits einige Themen für zukünftige Beiträge vor, die ich hier in der Reihenfolge meiner eigenen Begeisterung aufliste. Über welche würdet ihr gern reden? Habt ihr eigene Ideen?

Warum Horror? Was begeistert uns an Horror? Und warum bringt Horror überhaupt – im Gegensatz zu fast allen anderen Genres – einen Bedarf nach Erklärung mit sich?

Klischees und Stereotype im Film. Wie entstehen sie, warum bleiben sie bestehen, kann man sie loswerden, will man sie immer loswerden?

Film Noir. Schwarz-weiß, hell dunkel und trotzdem moralisch komplex. Der Film Noir fasziniert bis heute und existiert weiter im Genre des Neo-Noir. Außerdem hat er unser aller Bild vom Privatdetektiv geprägt.

Wenn ihr einen eigenen Themenvorschlag habt, schreibt ihn bitte in die Kommentare.

 

Ich bedanke mich schon mal im Vorraus bei allen Teilnehmern!

 

Die 5 Besten am Donnerstag: 5 Serien, die ich immer wieder empfohlen bekomme, aber noch nicht geschaut habe

Was ist besser als „Spaß am Dienstag“? Die 5 besten am Donnerstag natürlich. Und wenn ihr zu jung seid, um euch an „Spaß am Dienstag“ zu erinnern, dann behaltet das für euch! Dankeschön!

Heute möchte Gorana, 5 Serien von uns wissen, die wir häufig empfohlen bekommen aber nicht gesehen haben. Bei mir gibt es die eine oder andere Überschneidung zu früheren „Will ich noch sehen“ Serien-Themen aber auch neues. Legen wir direkt los:

 

  1. Breaking Bad (2008-2013)

Oh, hallo Breaking Bad. Wir müssen wirklich damit aufhören uns auf diesen Donnerstags-Listen zu treffen. Und der einzige Weg dahin ist wohl, dass ich Dich schaue. Tue ich auch. Bald. Bestimmt.

  1. Mad Men (2007-2015)

Ich bin mir sicher, dass die Serie toll ist. Aber die Prämisse 60er Jahre Werbe-Agentur lässt mich so kalt, wie ein eiskalter Eiscremewagen am Nordpol. Also kalt, will ich damit sagen. Der Wagen in meinem Gleichnis hat keine Heizung. Damit wäre er, zugegeben, am Nordpol nicht zu nutzen aber wem wollte man da ohnehin Eis verkaufen? Müsste man vielleicht mal in ’ner 60er Jahre Werbeagentur nachfragen.

  1. Game of Thrones (2011-?)

Bis zum dritten Buch habe ich es geschafft. Die Bücher waren immer sehr gut darin, mich dazu zu bekommen die nächste Seite zu lesen. Hinterher fühlten sie sich immer etwas leer an. Die Serie hat es nicht mal geschafft diese Dringlichkeit für mich zu schaffen. So war nach 5 Folgen Schluss. Ich glaub‘ auch nicht, dass ich nochmal weiter mache.

  1. Night Manager (2016)

„Wie Fawlty Towers, nur nicht lustig.“ So hat mir mal jemand die Serie umschrieben. Das allein hätte mich wohl nicht überzeugt aber sie basiert auf einem John LeCarre Roman, was ja immer schon mal eine gewisse Grundqualität bedeutet und die Besetzung ist auch toll.

  1. Stranger Things (2016-?)

Oh, hey Stranger Things. Wir haben uns auch schon mal bei den 5 besten gesehen. Möchte ich gerne sehen, kann dafür aber keinen Netflix Account rechtfertigen. Klingt komisch, ist aber so.