Top 10 Filme von damals: 1980 Platz 10 bis 6

Nachdem wir beim letzten Mal die meistbesuchten Kinofilme des Jahres 1979 betrachtet haben, lassen wir unsere Blicke ein weiteres Mal 40 Jahre zurückschweifen, auf die Top 10 der westdeutschen Kinocharts von 1980. Ein persönlicher Blick von mir, in dem ich auch gerne meine Ahnungslosigkeit zu bestimmten Filmen gestehen und mehr oder weniger unauffällig das Thema ändern werde. Als Grundlage dienen auch diesmal die entsprechenden Jahrescharts von Chartsurfer.de. Doch bevor wir dazu kommen, schauen wir mal kurz, was abseits vom Kino so los war am Anfang der achten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts.

Schon am zweiten Januar beginnt die Sowjetunion mit einer Großoffensive ihre Einmischung im afghanischen Bürgerkrieg, der im Vorjahr begann. US-Präsident Carter sagt daraufhin die Teilnahme der USA an den olympischen Spielen in Moskau ab. Die meisten westlichen Staaten schließen sich diesem Boykott nicht an. Ausnahmen sind Norwegen, die Türkei, Kanada und die Bundesrepublik Deutschland. Später im Jahr entbrennt der erste Golfkrieg zwischen dem Irak unter Diktator Saddam Hussein und dem postrevolutionären, isolierten Iran. Im April (aber nicht am ersten) wird die Sommerzeit im gesamten Deutschland wieder eingeführt, deren Verwendung zuletzt 1949 endete. Im September gibt Bob Marley sein letztes Konzert. Ein Bombenanschlag auf das Münchner Oktoberfest tötet 12 Menschen und verletzt fast 270 weitere. Als Verantwortlicher gilt ein rechtsradikaler Student. Seine Einzeltäterschaft wird jedoch bis heute angezweifelt. Im Oktober bestätigt die Wahl zum neunten Bundestag die sozialliberale Koalition. Helmut Schmidt bleibt Bundeskanzler. Ein Jahr zuvor hatte Schmidt vom chinesischen Regierungschef zwei große Pandas geschenkt bekommen, die in diesem November im Berliner Zoo eintreffen. Sie sind bis heute die einzigen großen Pandas in einem deutschen Zoo. So, jetzt ist aber höchste Zeit fürs Kino!

  1. ‚Caligula‘

Ein Film über die extreme Dekadenz der julio-claudischen Kaiserfamilie Roms, personifiziert in der Figur des Widerlings Caligula. Das hatten sich wohl alle Beteiligten unter dem Film vorgestellt. Alle Beteiligten? Nein, denn ein Produzent namens Bob Guccione leistete Regisseur Tinto Brass erbitterten Widerstand. Allerdings nicht mit Zaubertrank, sondern indem er es für eine gute Idee hielt, in den fertigen Film pornografische Hardcore-Szenen einzufügen. Danach blieb Brass nichts übrig als sich von dem Film zu distanzieren. Was bis dahin auch schon der Drehbuchautor Gore Vidal und beinahe sämtliche Darsteller getan hatten. Kurz, der Film ‚Caligula‘ verprellte seine Gefolgsleute noch schneller als der Kaiser auf dem er basierte. Das ist aus meiner Sicht ein wenig schade. Denn, von den Porno-Szenen abgesehen, die aber in vielen Schnittfassungen eh nicht mehr drin sind, funktioniert der Film durchaus. Das italienische Kino der 70er (zu dem er trotz 80er Veröffentlichung zu rechnen ist) beherrschte die Darstellung von Exzess und Dekadenz wie sonst kaum eine Ära. Und der Film wirkt als aufrüttelnder Gegenpol gegen die sonst reichlich bieder-konservative Darstellung des antiken Roms im „Sandalenfilm“. Aber gut, der Film hat seinen Ruf weg als der Film mit dem keiner der Beteiligten  mehr etwas zu tun haben will (Ausnahmen Dame Helen Mirren und Sir John Gielgud). Und als der Film, in dem Peter O’Toole seine gesamte Rolle als Tiberius hindurch erkennbar besoffen ist. Womöglich würde sich ohne diesen Ruf aber auch einfach niemand mehr für den Film interessieren.

  1. ‚Die Blaue Lagune‘

Den Film habe ich vor annähernd zwei Jahrzehnten gesehen, kann hier also nicht mehr allzu viel dazu sagen. Außer, dass ich ihn als nicht sonderlich interessant in Erinnerung habe. Im Grunde ist er eine sehr romantisierte Darstellung eines Geschwisterpaares, das auf einer Südseeinsel schiffbrüchig wird. Zu beachten ist dabei, dass sämtliche Aufnahmen dabei „vor Ort“ also nicht im Studio stattfanden. Das war damals durchaus ungewöhnlich. Die zeitgenössische Kritik war sich jedoch weitgehend einig, dass der Film aber über einen „Naturbilderbogen“ nie hinauskommt. Erstaunlicher sind andere zeitgenössische Besprechungen, die enttäuscht scheinen, dass die Szenen um die Entdeckung der Sexualität zwischen den beiden Jugendlichen sehr zurückhaltend ausgefallen sind. Da wundere ich mich, was manche erwartet haben, schließlich war Hauptdarstellerin Brooke Shields zur Zeit der Dreharbeiten 14-15 Jahre alt. Aber wie gesagt, für persönliche Eindrücke ist der Film bei mir viel zu lange her und ich habe geringes Bedürfnis ihn wiederzusehen.

  1. ‚Kramer gegen Kramer‘

Auch dieses Drama um Scheidung und Sorgerecht habe ich seit einer Ewigkeit nicht gesehen. Tatsächlich gilt er aber als ein gelungener Film, aus einer Zeit als eine Ehescheidung noch weit mehr Tabuthema war als heute. Wenn man heute über den Film liest, dann meist über das Fehlverhalten, das Hauptdarsteller Dustin Hoffman gegenüber der damaligen relativen Newcomerin Meryl Streep an den Tag gelegt hat. Er soll nicht nur während des Drehs aggressive Handlungenvorgenommen haben, die nicht mit ihr abgesprochen waren, etwa ein Glas neben ihr an die Wand zu werfen, sondern sie auch in Drehpausen beleidigt und, nach mancher Darstellung, gar körperlich angegangen sein. Dies wird üblicherweise durch sein „method acting“ erklärt, das ihn auch in Drehpausen nicht aus seiner Rolle und damit seinem Zorn auf die Darstellerin der Exfrau entlässt. Man mag das glauben oder nicht, mich bringt das aber zu einer Frage. Wenn man über „method actors“ liest, dann eigentlich immer nur, weil sie sich wie gigantische Arschlöcher am Set benommen haben. Wenn ein „method actor“ eine sehr positive, freundliche Rolle spielt, benimmt er sich dann auch in Drehpausen großzügig und freundlich? Warum hört man davon nie? Passiert es nicht, oder redet bloß keiner drüber?

  1. ‚Buddy haut den Lukas‘

Die direkte Fortsetzung des letztjährigen ‚Der Große Mit Seinem Außerirdischen Kleinen‘. Und das dortige Fazit lässt sich fast exakt für diesen wiederholen. Kein ganz großer Wurf, aber doch ein unterhaltsamer Bud Spencer Film. Buddys Sheriff Craft und sein außerirdischer Adoptivsohn Charlie leben in einer neuen Stadt, um sich vor der Armee zu verbergen. Die ist allerdings bald das kleinste Problem, wenn Aliens aus Charlies Nachbargalaxie die Welt mittels geistiger Kontrolle und einer Androidenarmee übernehmen wollen. Merkwürdigerweise habe ich diesen Film früher sehr oft gesehen. Vermutlich lief er einfach häufig, aber manche Dinge sind in meinem Gedächtnis eingebrannt. Etwa wenn sich Buddy und all die Gangs in distinkten Kostümen, die er zuvor verplättet hat, sich den Androiden auf einem Volksfest stellen. Und die Analyse eines der Androiden von Buddys Prügelfertigkeiten: „Faustschlag unmenschlich, gleicht Dampfhammer!“ Zum Glück hatte ich bislang wenig Gelegenheit dieses Zitat im Alltag anzubringen. Doch wenn ‚Der Große Mit Seinem Außerirdischen Kleinen‘ ‚E.T.‘ vorweggenommen hat, dann nimmt Buddy hier ‚Terminator‘ ganze vier Jahre voraus. Was mich zu einem großen „Was wäre wenn“ bringt: wäre es nicht großartig, wenn Arnold Schwarzenegger in einem Spencer/Hill Film den Bösewicht gegeben hätte, bevor der Hollywood-Durchbruch kam? Ich hätte ihn und Spencer zu gerne interagieren gesehen (wobei Thomas Dannenberg natürlich viel zu tun gehabt hätte, als Hill und Arnie).

  1. ‚Mad Max‘

So, hier haben wir den ersten Film dieser Liste, der wirklich Einzug in die Popkulturhistorie gehalten hat. Oder? Ist ‚Mad Max‘ nicht eher der Durchbruch mit dem zweiten Teil, dem ‚Road Warrior‘ gelungen und die meisten Leute waren überrascht, dass der erste Film gar nicht post-apokalyptisch angesiedelt war, sondern in der Zeit, als die Gesellschaft auseinanderbrach? Ich zumindest war etwas erstaunt den so hoch in den Charts zu sehen und dachte der wäre ziemlich untergegangen. Egal, verdient hat er den Platz allemal. Mit minimalem Budget inszeniert der australische Unfallarzt George Miller sein Regiedebüt und wer es gesehen hat, kann nur beeindruckt sein. Schon hier zeigt sich, wie viel es wert ist, dass Miller bereit ist für jede Szene exakte Storyboards anzufertigen, so dass er genau weiß, welche Einstellungen er benötigt. So stellt er etwa den Tod von Max‘ Frau und Kind ebenso zurückhaltend wie eindringlich dar (und eine Traumsequenz in ‚Fury Road‘ genau dieser Szene beweist übrigens, dass der Max derselbe wie hier ist). Mel Gibsons erste richtig große Rolle, der titelgebende Polizist Max Rockatansky, ist hier noch nicht der einsame Road Warrior, sondern eben ein Polizist, der versucht was von der Gesellschaft noch übrig ist gegen Bandenkriminalität zu schützen. Demgegenüber steht die brutale Gang von „Toecutter“ (Hugh Keays-Byrne, der in ‚Fury Road‘ nicht denselben Charakter spielt). Und sorgt dann dafür das Max „Mad“ wird, auf eine Art und Weise die wiederum den ersten ‚Saw‘ erstaunlich vorausnimmt, wenn Max ein an ein brennendes Auto gekettetes Gangmitglied informiert, dass man durch das Bein schneller sägt als durch die Kette. Alles in allem ein äußerst gelungener Auftakt für eine weitgehend gelungene und mindestens stets überraschende Filmreihe.

So, nächste Woche geht es mit den Top 5 weiter. Die meisten werden vermutlich schon ahnen, welche Fortsetzung auf dem ersten Platz steht. Aber es bleiben ja noch genug Fragen offen. Taucht Bud Spencer auch diesmal noch ein zweites Mal in den Charts auf? Kann Disney erneut mit einer Wiederveröffentlichung punkten? Und wo sind ‚Shining‘, ‚Blues Brothers‘ oder der ‚Muppet Film‘? Zumindest einige Fragen werden nächste Woche beantwortet.

„Alles auf Anfang!“ – Die besten Film-Einstiegsszenen

Wir stehen am Anfang eines neuen Jahres und einer neuen Dekade. Was könnte es für einen besseren Moment geben, um über den Anfang von Filmen zu sprechen. Wenn uns ein Film mit seiner Anfangsszene fesseln kann, dann hat er schon zur Hälfte gewonnen und muss sich beinahe bemühen um uns als Zuschauer wieder zu verlieren. Nicht selten ist es die faszinierende Anfangsszene mit ihren aufgestellten Fragen, die in der Erinnerung bleibt und nicht das Finale, das die Antworten auf diese Fragen liefert. Schauen wir uns mal einige der interessanteren Vertreter an.

Orson Welles revolutionierte 1941 mit ‚Citizen Kane‘ den Hollywoodfilm nicht nur technisch und erzählerisch, sondern auch was das Marketing anging. Nachdem sich Medienmogul William Randolph Hearst wenig begeistert davon zeigte, dass sein Leben als Vorbild für Kane diente und Kinos mehr oder weniger zwang den Film nicht zu zeigen, deklarierte Welles sein Werk kurzerhand als „THE MOVIE, THEY DON’T WANT YOU TO SEE!“. Und wenn man ihn dann allen Widerständen zum Trotz sah (anfangs in den USA vermutlich in Zelten, die RKO in Ermangelung von Kinos dafür aufstellen ließ), fesselte Welles mit einer Eingangsszene, die das Ende von Charles Foster Kane vorwegnahm. In dynamischen Einzelaufnahmen und extremen Nahaufnahmen sah man den schwerreichen Zeitungsmenschen einsam in seiner Villa sterben. Und mit seinem letzten Wort eröffnete er das Geheimnis des Films: was meint er mit „Rosebud“?

In ‚Im Zeichen des Bösen‘ liefert Welles 14 Jahre später übrigens noch eine beeindruckende Eröffnungssequenz ab. Eine beeindruckende, lange Einzelaufnahme, die einem Auto durch die Straßen einer Stadt bis an die mexikanische Grenze folgt, wo es explodiert.

Aber auch meinen persönlichen Favoriten unter den Einstiegsszenen muss ich erwähnen: in Billy Wilders großartigem ‚Boulevard der Dämmerung‘ von 1950 rasen Polizeiwagen und Pressereporter zu einer großen Villa. Ein alternder Filmstar, so informiert uns ein distanziert-ironischer Erzähler, ist an einem Mord beteiligt. Die Presse wird die Berichterstattung überziehen, aber er wird die Wahrheit erzählen. Das Opfer ist ein unbekannter Drehbuchautor mit 2 Kugeln im Rücken und einer im Bauch, der mit dem Gesicht nach unten im Pool treibt. Er ist aber auch der distanzierte Erzähler, wie wir durch eine plötzliche Benutzung von „ich“ in Bezug auf die Leiche feststellen. Es ist beinahe unmöglich dem Film nach diesem Kniff nicht mit Neugier zu begegnen. Das ist übrigens einer der (wenigen) Momente, wo Testvorführungen einen Film besser gemacht haben. Wilders ursprüngliche Szene zeigte den Toten im Leichenschauhaus unter einem Tuch. Das hat die Zuschauer allerdings verwirrt, so dass er stattdessen die grandiose Poolszene gedreht hat.

‚Vertigo‘ von Alfred Hitchcock beginnt 1958, thematisch passend, mit einer Verfolgung über Häuserdächer. Hier visualisiert Hitchcock den Schwindel/die Höhenangst perfekt mit einem Dollyzoom. Die Kamera fährt zurück und zoomt dabei heran, wodurch der Bildausschnitt etwa gleich bleibt, doch der Hintergrund auf den Betrachter zuzukommen scheint, was tatsächlich ein leichtes Schwindeln auslösen kann. Obwohl der Effekt auch Vertigo-Zoom genannt wird, hat Hitchcock in zuerst in ‚Ich kämpfe um Dich‘ von 1945 eingesetzt. Als tatsächlicher Erfinder gilt Kameramann Irmin Roberts.

Stanley Kubrick nimmt uns in der Eröffnungsszene von ‚2001: Odyssee im Weltraum‘ erst einmal zurück in der Zeit, zur „Werdung“ des Menschen. Hier gleichgesetzt mit dem ersten Einsatz von Waffengewalt. Erweckt wurde diese Fähigkeit zur Nutzung von Tötungswerkzeug offenbar durch einen merkwürdigen schwarzen Monolithen. Am Ende schleudert der frischgebackene Homo faber seine Knochenkeule gen Himmel. Die Kamera folgt ihrer Flugbahn und in einem der berühmtesten Schnitte der Filmgeschichte, blendet der Film über zu einem Satelliten und der Zeit, da der Mensch seinen Heimatplaneten verlassen hat.

Apropos Science Fiction: die Eröffnungsszene des ersten Star Wars Films ist immer noch eine der besten! Fast lässt sie den anfänglichen Einführungstext überflüssig erscheinen, zeigt doch die Aufnahme des kleinen, fliehenden Raumschiffs und des sich von oben ins Bild schiebenden, keilförmigen, gigantischen Verfolgers mit John Williams schmetterndem Soundtrack alles was wir thematisch wissen müssen. Eine ikonische Eröffnung, die sämtliche späteren Star Wars Filme ein wenig hilflos zu replizieren versuchen.

Noch ikonischer ist wohl die erste Szene des ersten ‚Indiana Jones‘ Film. Hört man den Namen denkt man nach Hut und Peitsche beinahe unweigerlich an die Falle mit dem großen rollenden Stein. Auch hier hat man nach der kurzen Eröffnung den Charakter vollumfänglich „begriffen“ und kann sich vollkommen auf die Geschichte einlassen.

Gehen wir noch einmal ein Stück zurück in der Zeit, zur ‚Nacht der Lebenden Toten‘ von 1968. George Romero erweckte hier den Horrorfilm zu neuem Unleben, indem er den modernen Zombie schuf (ohne ihn hier so zu nennen). Die Eröffnungsszene auf dem Friedhof )„They’re coming to get you, Barbra!“) zeigt dabei einen Zombie-Darsteller, der „Frankensteins Monster“ Darsteller Boris Karloff nicht ganz unähnlich sieht. Wohl kein reiner Zufall, dies war eine durchaus gewollte Übergabe des Staffelstabes von klassischem Horror an etwas Neues.

Im selben Jahr bekamen wir die Eröffnungsszene des Italowesterns. In Sergio Leones großartigem ‚Spiel mir das Lied vom Tod‘ warten drei Mörder an einem Bahnhof auf ihr Opfer (eine direkte Reminiszenz an ‚Zwölf Uhr Mittags‘). Ihr potentielles Opfer überrumpelt sie jedoch, indem er auf der anderen Seite des Zuges aussteigt, spielt eine Melodie auf einer Mundharmonika, bevor er sie nach kurzem Dialog über den Haufen schießt. Leone baut hier die Spannung der Szene absolut genial auf. Die Gleichförmigkeit des Wartens, ein quietschendes Windrad, eine summende Fliege, seine Kameraperspektiven, die ich nur als „opernhaft“ beschreiben kann, seine Dialoge, die jeden Äkschn-Oneliner alt aussehen lassen können. Und das alles noch bevor er Henry Fonda in seiner einzigen Schurkenrolle einführt. Und was für eine Rolle (und Einführung) das ist!

Wo wir gerade über Schurkeneinführung und Eröffnungsszenen sprechen, drehen wir die Uhr doch einmal auf 2008. In ‚The Dark Knight‘ überlässt Christopher Nolan die Eröffnung des Films gänzlich seinem Schurken, Heath Ledger als Joker. Das der wirklich anwesend ist merken wir allerdings erst am Ende der Szene. Doch bekommen wir schon hier einen Eindruck seiner anarchisch-zerstörerischen Einstellung. Zuvor sehen wir einen großartig inszenierten Bankraub, eine Anspielung auf die Batman-Serie von 1966 und einen Cameo-Auftritt von William Fichtner mit einer Shotgun! Was will man mehr?

Manchmal beginnen Filme mit einer sehr starken Szene und der Rest des Films hat scheinbare Mühe ihr gerecht zu werden ‚Scream‘ (1996) oder ‚Inglorious Basterds‘ (2009) wären Beispiele wo das (mMn, natürlich) gelingt. Doch ein Film wie ‚Lord of War‘ (2005) schafft es zu keinem Zeitpunkt auch nur in die Nähe der Qualität seiner Anfangssequenz zu kommen. Der Film dreht sich um Waffenhändler, die Eröffnung zeigt den „Lebenslauf“ einer Kugel und würde auch als eigenständiger Kurzfilm sehr gut funktionieren.

Und während Pixars ‚Oben‘ von 2009 sicherlich kein schwacher Film ist, schafft er es doch ebenfalls zu keiner Zeit die Qualität seiner ersten Minuten wieder einzuholen, in denen er in ausdrucksstarken Vignetten Glück und Tragik der Beziehung seines Hauptcharakters Carl zu seiner großen Liebe Ellie zeigt.

Das war natürlich nur ein ganz kurzer Überblick ohne irgendeinen Anspruch auf Vollständigkeit und endet daher mit einer Frage: was sind für Euch die stärksten Einstiegssequenzen in Filme, unabhängig davon, ob der Rest des Films diese Qualität beibehält?

 

Flop 2 der 2010er oder „ich schaue nicht genug Mist“

Wir befinden uns „Zwischen den Jahren“ jenem zeitlichen Limbo, in dem nie viel passiert. Es ist der letzte dieser Dekade und ich dachte, vielleicht wäre das ein guter Anlass eine Liste der schlechtesten Filme der letzten 10 Jahre, die ich gesehen habe, zu schreiben. Leider taten sich da ein paar Probleme auf. Erstens bin ich beim Filmeschauen inzwischen so wählerisch, dass ich nur noch selten richtig schlechte zu sehen bekomme. Enttäuschungen, natürlich. Aber selten Filme so schlecht, dass ich mich drei Wochen später noch darüber aufregen könnte, geschweige denn 10 Jahre später. ‚Das gibt Ärger‘ etwa habe ich in einer Überraschungspremiere, zu der ich mich habe überreden lassen gesehen. Der war schlecht. Schade, wenn Reese Witherspoon, Tom Hardy und Chris Pine agieren, aber vielleicht wenig überraschend, wenn hinter der Kamera der unerklärliche McG steht. Ich kann mich aber an quasi nix erinnern. Nur das beide Typen Geheimagenten waren und Til Schweiger auch noch irgendwo herumgeisterte. Das reicht doch nicht für einen Artikel. Und nochmal sehen wollte ich ihn sicher nicht.

Kann ich den Artikel also vergessen. Blöd, denn kreativ genug mir was Neues auszudenken bin ich auch nicht. Doch dann tauchten zum Glück aus dem londonesken Nebel meiner Erinnerung zwei Filme auf, die auch Jahre später noch einen gewissen Zorn hervorrufen können. Über den einen habe ich schon mal geschrieben, aber wisst ihr was? Der ist widerlich genug, dass er es noch einmal verdient!

Aber fangen wir erst mal mit dem anderen an. ‚Movie 43‘ von 2013. Eine Filmkomödie aus einer Reihe von Sketchen ist in Zeiten von Youtube ebenso schwierig wie letztlich sinnlos. Das scheinen die Macher auch selbst gewusst zu haben, betten sie das Ganze doch in eine Rahmenhandlung um Jugendliche ein, die nach diesem furchtbar verbotenen ‚Movie 43‘ im Internet suchen und dabei die verschiedenen Segmente des Films finden. Diese Segmente versuchen ihren Humor daraus zu beziehen, dass sie Hollywoodstars mit Gross-Out Humor und schockierenden Momenten konfrontieren. Beispiele: Kate Winslet und Hugh Jackman spielen ein Paar auf einem Date. Er nimmt den Schal ab und entblößt ein Skrotum samt Eiern an seinem Kinn. Keiner sagt was dazu, bis er sie auf die Stirn küssen will und die Eier vor ihrem Mund baumeln und sie die Flucht ergreift. Anna Faris möchte, dass Chris Pratt auf sie draufscheißt. Leider trinkt er eine ganze Flasche Abführmittel, wird vom Auto überfahren und scheißt die gesamte Straße voll. Richard Geres Firma veröffentlicht einen MP3 Spieler in Form einer nackten Frau. Im Schritt befindet sich ein Kühlventilator und eine Reihe junger Männer wurden bereits entmannt. Ein Cartoonkater pinkelt auf Elizabeth Banks und sorgt dafür, dass sie totgeschlagen wird. Und so weiter.

Wollte man ungewöhnlich großzügig sein und dem Film so etwas wie eine übergreifende Idee unterstellen, dann wäre es wohl, dass wir durch das Internet dazu neigen das Privateste öffentlich zu machen und es damit der Lächerlichkeit preisgeben. Wenn wir  ehrlicher sind, dann hat hier einfach nur Hollywood Produzent Charles Wessler (‚Green Book‘) seine Beziehungen spielen lassen um eine ganze Reihe Darsteller und Regisseure für ein Projekt einzuspannen, das keiner von ihnen wirklich mochte. Das wäre an und für sich ganz interessant, wenn denn der Film wenigstens in irgendeiner Art komisch wäre, anstatt nur bemüht. Weiter als Stars + Ekel = superkomisch scheint Wessler seine Idee nie gedacht zu haben und so geht sie nie ganz auf. „Jackass“ Johnny Knoxville verweigerte jede Pressearbeit, Richard Gere versuchte sich aus dem Film rauszuklagen, James Gunn sagt Elizabeth Banks sei „Schuld“ an seiner Teilnahme und er habe den Mist nie gesehen. Genau dieses „XY ist auch dabei“ scheint übrigens Wesslers Trick gewesen zu sein. Ein Film darüber wie Wessler Stars für sein merkwürdiges Projekt rekrutiert (einer der wenigen die direkt nein gesagt haben, war übrigens George Clooney) wäre vermutlich interessanter als der Film an sich. So bleibt das Komischste halt sich vorzustellen wie Hugh Jackman Stunden in der Maske sitzt, während jemand ein Paar Eier an sein Kinn modelliert. „Ich bin Wolverine, wissen Sie?“ sagt er, während der Maskenbildner geflissentlich jeden Augenkontakt vermeidet.

Nun zum vermutlich größten cinematischen Verbrechen der 2010er. ‚United Passions‘ von 2014. Propagandafilme sind ja grundsätzlich schon einmal suspekt. Wenn diese Propaganda dann auch noch im Namen einer der wohl offen korruptesten Organisationen der Welt, der FIFA, geschaffen wird und ihr korruptestes Mitglied, Joseph „Sepp“ Blatter, als eine Art segensreichen Heiligen darstellt, dann kommt mir das Frühstück von vor zwei Wochen noch einmal hoch. Blöd war für den Film vor allem, dass er zeitgleich mit der Aufdeckung des FIFA Korruptionsskandals erschien. Nicht, dass er sich ansonsten besser geschlagen hätte, mit seiner sabschigen Weichzeichneroptik und den schlafwandlerischen Darstellungen von Leuten wie Tim Roth, Sam Neill oder Gerard Depardieu, wäre er auch mit anderem Thema zu anderer Zeit durchgefallen. Nur eben weniger hart. Tim Roth sah sich genötigt sich für seine Teilnahme an dem Film zu entschuldigen. Auch Regisseur Frédéric Auburtin distanzierte sich von dem Werk, gab allerdings noch Preis, das man bei der FIFA gerne den Titel ‚Men of Legend‘ gesehen hätte, er diesen aber als absurd abgetan hatte. Ganz ehrlich, absurder als alles andere ist der auch nicht.

918 Dollar spielte das Ding in den, zugegeben ohnehin nicht eben fußballbegeisterten USA ein. Und ich habe das Gefühl, hierzulande haben den Film außer mir vielleicht noch zehn Leute gesehen. Hey, wir könnten eine Fußballmannschaft bilden! Aber bitte keine offizielle, ansonsten könnte nach ihrem neuen „Ethik“reglement das oben geschriebene wohl als „Verleumdung der FIFA“ angesehen werden und dann wär ich als Spieler dran.

Und das waren meine floppigen Flop 2 der 2010er. Welche Filme der letzten 10 Jahre fandet Ihr so richtig furchtbar? Furchtbar genug, dass Ihr Euch noch heute drüber ärgert!

Einige verschollene Filme, die ich gern sehen würde

Nimmt man einen ungefähren Mittelwert der Schätzungen von Organisationen, die sich damit beschäftigen, dann muss man davon ausgehen, dass ungefähr 80% aller Stummfilme verloren sind. Das lag vor allem daran, dass Studios Filme weitgehend als „Wegwerfartikel“ sahen. Wozu ein Archiv bewahren, wenn man jedes Jahr neue Filme dreht, die gesehen werden wollen? Und Fernsehen gab es noch nicht. Dazu kommt noch, dass Stummfilme auf, im wahrsten Sinne des Wortes, brandgefährlichem Nitratfilm gedreht und gelagert wurden. MGM war eines der wenigen Positivbeispiele für ihren Erhalt ihres Stummfilmkatalogs. Aber dann brach in ihrem Lager 1965 ein verheerendes Feuer aus. Daneben ist der Film für Langzeitlagerung nicht geeignet, da er sich irgendwann selbst zersetzt.

Und so spricht der Titel zwar von „verschollenen“ und nicht „verlorenen“ Filmen, da eine geringe Chance besteht, dass sie irgendwo noch in einem restaurationsfähigen Zustand gefunden werden, doch mache ich mir keine großen Hoffnungen irgendeinen der folgenden Filme je wirklich zu sehen.

Nun ist das was man nicht haben kann ja grundsätzlich spannender als das einfach verfügbare und so bekommen verschollene Filme oftmals diese Aura eines tragischen Meisterwerks. Die mag nicht immer verdient sein (wir werden‘s aber nicht erfahren), doch denke ich, dass die folgenden Filme zumindest eine gewisse Neugier rechtfertigen.

Beginnen wir mit einem Beispiel dafür, wie neue Medien direkten Einfluss auf den Lauf der Geschichte haben können. Pancho Villa war einer der wichtigsten Akteure der mexikanischen Revolution. Von Zeitgenossen und Historikern wurden ihm viele Titel zugedacht: Freiheitskämpfer, Warlord, Volksheld, Terrorist, General, Verbrecher und einer über den sich alle einig sind, Revolutionär. „Hollywood-Star“ hingegen ist ein Titel der selten Erwähnung findet. In Villas Leben war fast alles tumultartig. Nicht zuletzt seine Beziehung zu den USA. 1914 war die jedoch gut und Villa brauchte dringend Geld. Also unterschrieb er einen Filmvertrag bei der Mutual Film Corporation. Christy Cabanne würde einen Film über sein Leben drehen, mit Raoul Walsh als jugendlichem Pancho und Villa selbst würde sich als zeitgenössischer Erwachsener spielen. Die Filmcrew drehte reale Schlachten mit, die Villa austrug. Ob er dabei seine Taktik danach richtete, was Christy als cinematisch betrachtete, darf zumindest bezweifelt werden. Sicher ist, dass er während gedreht wurde eine Fantasie-Generalsuniform tragen musste. Nach Drehschluss musste er sie zurückgeben, schließlich gehörte sie dem Studio. Zurück in Hollywood erschien vieles, vor allem die Schlachtszenen als zu unglaubwürdig(!) und ganze Szenen wurden an Sets nachgedreht.

Zwei Jahre später attackierte Villa eine Stadt im amerikanischen New Mexico und führte die US-Armee auf der anschließenden, erfolglosen Strafexpedition vor. Das Verhältnis USA-Villa als „abgekühlt“ zu bezeichnen wäre eine fantastische Untertreibung. Daher war wohl niemand wirklich traurig, dass der Film in Vergessenheit geriet und verschwand. Doch aus heutiger Sicht ist es natürlich ein faszinierendes Artefakt.

‚Um Mitternacht‘ von 1927 gilt als so etwas wie der Heilige Gral unter Filmsammlern. Hier sammelte Tod Browning, vier Jahre bevor er ‚Dracula‘ für Universal drehen sollte, erste Erfahrungen mit dem Thema „Vampire“. Dabei arbeitete er als Hauptdarsteller mit Lon Chaney zusammen, dem „Mann der 1000 Gesichter“, bekannt für seine Arbeit mit Masken und seiner Fähigkeit grotesken Figuren eine erstaunliche Tiefe zu verleihen. In ‚Um Mitternacht‘ gibt Chaney den Detektiv Burke, der den Mord an Sir Roger Balfour aufklären soll. Aufgrund eines Abschiedsbriefes nimmt Burke scheinbar Suizid an. Doch fünf Jahre später zieht ein mysteriöser Fremder in das Herrenhaus Balfours. Schnell verbreiten sich Gerüchte, dass es sich um Balfour selbst handelt, der als Vampir wieder auferstanden ist. Tatsächlich inszeniert Burke jedoch den Vampirspuk, um den vermeintlichen Mörder endlich aus der Reserve zu locken.

Dies ist einer der Filme, die bei dem Feuer im MGM Archiv 1965 zerstört wurden. Daraus erklärt sich vielleicht, warum er bei Sammlern immer noch begehrt ist, anstatt abgeschrieben. Von allen Filmen in diesem Artikel, halte ich es bei diesem für am wahrscheinlichsten, dass es noch eine Kopie geben könnte. Einfach weil der Film fast 40 Jahre „existiert“ hat und in 11 Ländern aufgeführt wurde. Da muss es doch Kopien in irgendwelchen staubigen Archiven geben!

Thematisch finde ich ihn ohnehin interessant, habe ich doch erst letztens in einem Artikel darüber gesprochen, dass ich die Idee inszenierten Spuks im aktuellen Horror vermisse.

Das auch große Namen vor dem Verschwinden ihrer Filme nicht unbedingt sicher sind zeigt der Fall von Alfred Hitchcocks zweitem Film, ‚Der Bergadler‘ von 1926. Allerdings war Hitchcock über dessen Verschwinden nicht allzu traurig. Im Film stellt Pettigrew, ein Ladenbesitzer, der Dorfschullehrerin Beatrice (Nita Naldi) nach. Als die seine Liebe aber so gar nicht erwidert, behauptet Pettigrew sie habe seinen behinderten Sohn Edward belästigt. Beatrice flüchtet zu einem Eremiten in die Berge, in den sie sich verliebt und den sie heiratet. Der rachlüstige Pettigrew versteckt daraufhin seinen Sohn (oder er ist ohnehin verschwunden, Beschreibungen sind hier widersprüchlich) und beschuldigt den Eremiten Fuller ihn ermordet zu haben.

Trotz des Settings in Kentucky wurde der Film im tirolischen Obergurgl gedreht, mit den öztaler Alpen als Hintergrund. Das Wetter war furchtbar, was zu langen Drehpausen führte und die Beziehungen zu den Anwohnern wurden immer schlechter, weil die Filmcrew Häuser beschädigte und ein übellauniger Hitchcock seine durch Höhenkrankheit bedingte Übelkeit auf die „gutturalen Töne“ des örtlichen Tiroler Dialektes schob.

Auch später mochte Hitch den Film nicht. Er bezeichnet ihn als verzweifelten Versuch seiner britischen und deutschen Produzenten auf dem amerikanischen Markt zu landen und Naldi in einer völlig unpassenden Rolle zur neuen Theda Bara zu machen. Im Interviewbuch „Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht?“ sagt er eindeutig „Ein schlechter Film.“ Eine weitere Nachfrage Truffauts beantwortet er einsilbig.

Tatsächlich wird sein dritter Film ‚Der Mieter‘ von 1927 oft als erster „richtiger“ Hitchcockfilm geführt. Dennoch macht dieses Frühwerk schon neugierig. Der negative Ruf, Hitchcocks Unzufriedenheit, die Schwierigkeiten beim Dreh und Obergurgl-als-Kentucky machen mich alle eher noch neugieriger auf den Film, als dass sie mich abschreckten.

Auch eine Oscar-Nominierung schützt nicht vor dem Verschwinden. Das zeigt Ernst Lubitschs ‚Der Patriot‘ von 1928. Autor Hanns Kräly zog für diesen semi-biografischen Film über das späte Leben des russischen Zaren Paul I. Motive mehrerer Bühnenstücke zusammen. Der paranoide Zar Paul (Emil Jannings) traut nur noch seinem engsten Berater Graf von der Prahlen. Doch eben der wird, aufgrund des immer grausamer werdenden Verhaltens des Monarchen, in eine Verschwörung gedrängt. Kronprinz Alexander bekommt Wind davon und warnt seinen Vater, der ihm jedoch aufgrund seiner Paranoia nicht glaubt, da ihm von der Prahlen seine Treue versichert. Der Film endet Shakespeare-esk mit einem Gutteil der Dramatis personae tot auf dem Fußboden.

Der Film klingt ungewöhnlich für Lubitsch. Nicht so sehr wegen des Settings, er war bekannt für seine „Salonkomödien“, die an allerlei Fürstenhäusern spielten, sondern vor allem deswegen, weil es so klingt als käme der Film gänzlich ohne Humor aus. Dass er auch finstere Töne durchaus beherrschte, bewies Lubitsch später ja mit seiner rabenschwarzen Anti-Nazi-Komödie ‚Sein oder nicht Sein‘. Doch das hier klingt nach einer unausweichlichen Tragödie. Insbesondere Jannings in der Rolle des wahnsinnigen Monarchen wirkt faszinierend. Nur ca. 6 Minuten des Films existieren noch.

‚Der Patriot‘ war 1928 der einzige Stummfilm (mit einigen nachträglichen Soundeffekten), der 1928 noch für einen Oscar nominiert wurde. Und er würde der Letzte bleiben bis 2012 ‚The Artist‘ nicht nur nominiert wurde, sondern sogar gewann.

 

Werden wir diese Filme jemals zu Gesicht bekommen? Vermutlich nicht. Noch weit tragischer ist die Frage, wie viele verschwundene Filme wir gar nicht kennen, weil eben nicht Hitchcock, Lubitsch oder Pancho Villa draufsteht? Filme die in ihrer Zeit vielleicht verkannt wurden, heute aber als ihrer Zeit voraus oder Meisterwerke erkannt werden könnten? Dank Streaming scheint uns die gesamte Welt des Films offenzustehen, wenn auch derzeit künstliche Grenzen eingefügt werden. Doch sollte uns das Beispiel des Stummfilms immer daran erinnern, dass die Erhaltung von Kunst sicherlich nicht von alleine geschieht. Und ob die Studios einen Bruchteil ihrer Milliardengewinne dahinein investieren wollen, hängt leider immer noch davon ab, ob sich mit dem alten Material noch Geld verdienen lässt.

Weihnachten als Hintergrund im Film

Heute mal ein etwas kürzerer Artikel, der auch noch in einer Frage endet. Mal sehen, ob Ihr meine Neugier befriedigen könnt!

Weihnachtsfilme. Der eine hasst sie, der andere liebt sie. Jeder mag vermutlich zumindest eine Handvoll von ihnen. Wenigstens irgendeine Filmversion von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte. Entweder die mit den Muppets, oder irgendeine falsche. Dass es unterschiedliche Level von Süßlichkeit für den typischen „am Ende haben sich alle lieb“ Weihnachtsfilm geben sollte, ist keine ganz neue Erfindung. ‚Ist das Leben nicht schön?‘ stellte immerhin schon 1946 Selbstmord als ein zentrales Element in seine Geschichte. Bei der Erstaufführung floppte er zwar, doch gilt er inzwischen zu Recht als Klassiker. Neuer ist die Idee eines Films, der den Gedanken der oft erzwungenen Weihnachtsharmonie direkt unterläuft. Sei es über Weihnachtshorror, ‚Black Christmas‘ (1974) bis ‚Krampus‘ (2015), oder über die Präsentation eines kinderhassenden, versoffenen, kriminellen Weihnachtsmanndarstellers in ‚Bad Santa‘ (2003).

Aber um wie auch immer geartete Weihnachtsfilme soll es heute gar nicht gehen. Sondern um Filme die um die Weihnachtszeit herum spielen und das Fest als Hintergrund verwenden. Als ironischen Kontrapunkt, oder um gewisse Themen zu untermauern. Das bekannteste Beispiel für diese Art von Film ist natürlich ‚Stirb Langsam‘ (1988). In diesem Actionklassiker muss Bruce Willis‘ John McLane die Mitarbeiter des Nakatomi Plaza Hochhauses aus der Hand von Terroristen befreien. Weihnachten ist hier der oftmals ironische Gegenton für die brutale Gewalt, der sich in Musik und Hintergrund äußert („Now I have a machine gun! HOHOHO!“). Er ist allerdings nicht der erste Film, der Weihnachten derart handhabt. Autor und Regisseur Shane Black scheint geradezu besessen von Weihnachten. Ein guter Teil seiner Filme von ‚Lethal Weapon‘ (1987) über ‚Tödliche Weihnachten‘ (1996), ‚Kiss Kiss Bang Bang‘ (2005), bis ‚The Nice Guys‘ (2016) spielt rund um das Fest und setzt die aufgesetzte Harmonie in Kontrast zu den handfesten Auseinandersetzungen.

Das tut auch ‚Kevin allein zu Haus‘ (1990) für seine Home Invasion-Komödie, allerdings macht hier die Tatsache, dass der Junge Kevin McAllister ausgerechnet an Weihnachten von seiner Familie vergessen wird, die ganze Sache noch einmal dramatischer. ‚Gremlins‘ (1984) könnte man vielleicht direkt als Weihnachtshorrorkomödie einordnen, aber dafür spielt das Fest dann doch eine zu kleine Rolle. Aus der Tatsache, dass sich der niedliche Gizmo alsbald in einen zerstörerischen Schrecken verwandelt, weil die Kinder sich nicht an die Pflegeregeln halten, ziehen Eltern jedoch hoffentlich Grund zum Nachdenken, bevor sie lebende Tiere zum Fest verschenken! Auch in ‚Ghostbusters 2‘ (1989) ist Weihnachten im Hintergrund, man muss allerdings schon genau hinschauen. Vermutlich ist hier der Gag, dass der Emotionsschleim, der Manhattan unterwandert, gerade zur Weihnachtszeit mit so viel Ärger und Hass aufgeladen wird, dass er die Geißel von Moldawien auferstehen lässt.

In ‚Batmans Rückkehr‘ (1992) nutzt Tim Burton das Weihnachtsfest um die Themen rund um zerrüttete Familien, Aussenseitertum und Einsamkeit zu unterstreichen. In ‚Edward mit den Scherenhänden‘ (1990) stellte es bei ihm noch die banale Normalität des Vorortes dar, in den Edward hineinstolpert. Stanley Kubrick nutze in seinem letzten Film, dem „elevated erotic thriller“ ‚Eyes Wide Shut‘ (1999) Weihnachten als hintergründiges Element des Verlangens. Als etwas, das immer mehr verspricht, als es am Ende halten kann. Martin McDonaghs nachwievor bester Film ‚Brügge sehen… und sterben?‘ nimmt die fröhliche Weihnachtszeit und verdreht sie mittels eines Gangsterfilms zur existentialistischen Frage: was wenn wir in der „season to be jolly“ eben nicht die notwendige Freude empfinden? Wenn die längsten Nächte des Jahres vielleicht doch etwas zu finster werden. Und schließt damit den Kreis zu ‚Ist das Leben nicht schön?‘. Nicht nur weil beide deutsche Titel ein Fragezeichen mitbringen.

Natürlich eignet sich die konsumorientierte Weihnachtszeit auch sehr gut dafür sozioökonomische Klassenunterschiede noch klarer herauszuarbeiten, als das zu anderen Zeiten der Fall ist. In Todd Haynes‘ wunderbarem ‚Carol‘ (2015) etwa, treffen sich Cate Blanchets titelgebende wohlhabende Frau und Rooney Maras Verkäuferin im Weihnachtsverkauf, wobei aber nicht nur Waren, sondern auch jede Menge Funken über die Ladentheke gehen. ‚Die Glücksritter‘ (1983) ist eine (inzwischen nicht mehr ganz) moderne Neuerzählung des „Prinz und Bettelmann“-Stoffes, in dem Dan Aykroyds  Commodity Broker und Eddie Murphys Kleinganove die Rollen tauschen.

Nun aber zu meiner Frage: bei meinen Überlegungen in welchen Filmen Weihnachten eine wichtige Hintergrundrolle spielt, war der älteste Film, der mir einfiel ‚Die drei Tage des Condor‘ von 1975. Hier symbolisiert Weihnachten die verlorene Normalität, als sich Robert Redfords CIA-Datenanalyst plötzlich von den eigenen Leuten gejagt sieht. Ich bin mir absolut sicher, dass es da frühere Beispiele geben muss. Wenn Ihr welche wisst, dann bitte her damit! Man könnte sicherlich argumentieren, dass der von mir bereits erwähnte ‚Ist das Leben nicht schön?‘ die Kriterien erfüllt. Der ist mir allerdings schon zu sehr Weihnachtsfilm. Wobei die Übergänge dabei natürlich fließend sind.

Und selbst wenn Ihr meine Frage nicht beantworten könnte wäre ich interessiert, Eure liebsten Weihnachtsfilme, alternativen Weihnachtsfilme, oder Filme mit Weihnachten als Hintergrund für diese Jahreszeit zu wissen. Selbst wenn es eine Version von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte ohne die Muppets (oder Michael Caine) sein sollte… warum auch immer.

Die 2010er und der Film: Cinematic Universe

Ich habe an dieser Stelle bereits mehrfach über das Verlangen der Hollywood-Studios nach einem funktionierenden cinematischen Universum geschrieben. Daher wird für Langzeitleser das eine oder andere redundant sein. Allerdings wird diese Idee des „Cinematic Universe“ vermutlich einer der Hauptpunkte sein, an die man sich beim Blockbusterkino der 2010er erinnern wird. Von daher verdient es hier behandelt zu werden.

In den 2000er war die neu entdeckte Cashcow der Studios noch klassisch und alt bekannt: Verfilmungen von Büchern. Von Buchserien am besten, denn so hat man gleich ein Publikum für mehrere Filme gesichert. Und wenn man ein Buch in mehrere Filme splitten kann, dann ist das auch in Ordnung. Der Grund dafür ist klar. Anfang der 2000er explodierten ‚Der Herr der Ringe‘ und die ‚Harry Potter‘ Reihe geradezu in den Kinos. Potter hatte wenigstens genug Anstand gleich genug Bücher mitzubringen, um damit eine ganze Dekade zu füllen, doch beim Herrn der Ringe war nach drei Filmen schon wieder Schluss. Es schloss sich für die Studios eine Zeit des Suchens nach dem nächsten Hit an. Neben vielen Fehlschlägen gab es einige Treffer. Mit der Vampirromanze ‚Twilight‘ etwa, oder der Young Adult Dystopie ‚Hunger Games‘. Vor allem Letztere rief eine ganze Reihe Epigonen auf den Plan, die alle kein großer Erfolg wurden. Vorbei ist dieser Trend auch in den 2010ern nicht gewesen, wie wir mit ‚Fifty Shades of Grey‘, dessen Buchvorlage ihren Ursprung als ‚Twilight‘ Fanfiction hatte, sehen konnten.

Daneben war natürlich der große Trend der 2000er die Superheldencomicverfilmung. Dabei fällt auf, wie wenige von denen es zu Serien schafften. ‚Spider-Man‘ und ‚X-Men‘ hatten es geschafft, lagen nach enttäuschenden dritten Teilen, jedoch beide auf Eis. Und Nolans Batman war eigentlich noch nicht einmal als Trilogie geplant. Bei den meisten anderen schien schon nach der Origin Story bereits wieder die Luft raus. In dieser Phase der späten 2000er fiel Marvel auf, dass sie zwar die meisten großen Namen an andere Studios lizensiert hatten, selbst aber immer noch die Charaktere der Avengers hielten. Captain America, Iron Man, Thor oder Hulk (wobei sie zu letzterem keine Einzelfilme produzieren dürfen, die Rechte liegen bei Paramount…) sind zwar keine Wolverines oder Spider-Mans, doch wollte Marvel Entertainment und insbesondere Produzent Kevin Feige etwas Neues ausprobieren. Er wollte Stan Lees Comic-Ansatz aus den 60ern ins Kino bringen. Die Idee, dass all diese Comiccharaktere in derselben Welt existieren. Das sie einander begegnen können und ihre Abenteuer Auswirkungen auf die Reihen der anderen haben.

Was tatsächlich beachtenswert ist, ist vor allem die Geduld mit der Feige diesen Ansatz umsetzte. Er wusste, er müsste erst einmal einen Status Quo schaffen, bevor er an ihm rütteln konnte. Und so war eine lange erste Zeit des Marveluniversums das Setzen dieses Status Quo. Die Filme waren formelhaft und selten visuell besonders interessant. Sie bezogen ihre Faszination vornehmlich aus ihrer Verbundenheit (mal ehrlich erinnert sich irgendwer an ‚Iron Man 2‘ oder ‚Thor 2‘?). Die Tatsache, dass Edgar Wright aus seiner Regisseursrolle von ‚Ant-Man‘ gefeuert wurde, schien zu bestätigen, dass Disney mit Marvel das Studiozeitalter Hollywoods wieder aufleben lassen wollte. Regisseure waren dazu da die korporatistische Vision eines Produzenten umzusetzen. Und ganz falsch ist diese Kritik nicht.

Doch nachdem der Status Quo einmal gesetzt war, konnten die Marvelfilme experimentierfreudiger werden. Unbekanntere Charaktere, wie die ‚Guardians of the Galaxy‘ wurden adaptiert, sogar ohne dass sie anfangs direkten Bezug zum übrigen Universum hätten. Regisseure wie Ryan Coogler und Taika Waititi konnten ihre eigenen Visionen umsetzen – wenn auch immer noch im vom Studio vorgegeben Rahmen, der sicherstellte, dass die Filme bloß niemandem in den Hauptabsatzmärkten auf die Füße treten. Letztlich gipfelte alles im „most ambitious crossover event in history“. Alle Helden und nicht wenige Schurken begegneten sich im Doppelfilm ‚Infinity War‘ und ‚Endgame‘, um Thanos aufzuhalten, der das halbe Universum auslöschen wollte. Ob Marvel nun so erfolgreich weiterläuft wird sich noch beweisen müssen. Im Moment ist es gerade in einer Ruhephase. Nächstes Jahr erscheinen „nur“ zwei Filme, bevor 2021 die Maschinerie wieder auf Hochtouren läuft.

Bei aller verdienten Kritik, die es gerade in den letzten Monaten erhält, muss man doch festhalten, dass das MCU prägend für die Filmindustrie, insbesondere Hollywood, in den 2010ern war. Bei Disney geht man davon aus, dass sich das Universum als Ganzes nie totlaufen wird, höchstens einzelne Aspekte. Sicher eine mutige Annahme, doch gehe auch ich davon aus, dass es uns noch lange begleiten wird. Wenn man es hier so beschreibt oder liest, dann klingt es eigentlich ganz simpel ein Cinematisches Universum zu etablieren. Bleibt die Frage, warum kein anderes Studio, selbst Disney an anderer Stelle, es nicht gelingt ihr eigenes mit Erfolg zu schaffen. Schauen wir mal woran es liegen könnte.

Da wäre zum einen der ewige Konkurrent zu Marvel, DC Comics, die schon lange von Warner aufgekauft wurden und mit ‚Superman‘ und ‚Batman‘ schon filmische Erfolge zu verbuchen hatten, als Marvel noch die ‚Punisher‘ Lizenz für Dolph Lundgren hergab. Als Marvel mit ‚Iron Man‘ anfingen ihr Universum aufzubauen, feierte man bei DC mit ‚The Dark Knight‘ gerade großen kritischen und Publikumserfolg. Man ignorierte also erst einmal ein „Extended Universe“, es ging ja ganz offensichtlich auch ohne. Und als man 2013, 5 Jahre später auf die Idee kam doch eines zu wollen, versuchte man sich an Abkürzungen. Abgesehen von Superman wurde kein Held wirklich etabliert, bevor direkt am Status Quo gerüttelt wurde und sich Superman und Batman bis zur Martha prügeln mussten. Die Helden der ‚Justice League‘ kamen fast alle aus dem Nichts, nur ‚Wonder Woman‘ durfte seine Protagonistin noch schnell etablieren. Am zugegeben langweiligen und langwierigen Prozess des Setzens des Status Quo schien kein Interesse vorhanden, oder man hatte Angst als im Hintertreffen zur Marvel-Konkurrenz wahrgenommen zu werden.

Ironie des Ganzen ist, dass DC, kaum dass sie die rigide Idee eines zusammenhängenden Universums aufgegeben hatten, Erfolge einfuhren. Einmal mit dem überdrehten ‚Aquaman‘, vor allem aber mit dem düsteren ‚Joker‘. Vielleicht zeigt das für die Zukunft auf, dass ein Cinematisches Universum zum Erfolg führen kann, aber sicher kein Garant dafür ist und manchmal das Streben danach sogar hinderlich.

Aber was meinte ich damit Disney schafft es selbst nicht immer ein Cinematisches Universum zu schaffen? Ich dachte dabei an ‚Star Wars‘. Und nein, ich habe kein Interesse hier noch einmal über die Qualität oder deren Mangel der Sequels zu sprechen. Die sind einfach nur Fortsetzungen und als solche nicht außergewöhnlich. Ich meine die ‚Star Wars Stories‘. ‚Star Wars‘ ist neben ‚Star Trek‘ sicherlich einer der Urväter eines Extended Universe. Allerdings breitete sich das meist in Romane, Comics, Videospiele, Trickserien oder Weihnachtsspecials aus. Nicht unbedingt in Realfilme abseits der Skywalker Saga. Von den Abenteuern der Ewoks mit Wilford Brimley einmal abgesehen… Und obwohl Disney all das für nicht länger „kanonisch“ erklärt hat, machten sie doch mit Romanen, Comics und Serien genau da weiter, wo vorher aufgehört wurde. Und es ist ja nur logisch. Star Wars lebt zu einem guten Teil davon, dass die Galaxie so viel größer scheint als das, was wir in den Filmen sehen.

Doch bei den ‚Star Wars Stories‘ zeigte Disney eine erstaunliche Angst sich von den etablierten Filmen zu lösen. Man hätte alles erzählen können was man wollte, stattdessen setzt sich ‚Rogue One‘ vorsichtig direkt vor Episode IV und schließt ein „Plothole“, das nie wirklich gestört hat. Und ‚Solo‘ erzählt die absolut überflüssige Vorgeschichte eines beliebten Charakters. Man schien zu fürchten, dass wenn man einen Schritt zu weit von den Skywalkers nimmt, dann würde der Name ‚Star Wars‘ plötzlich nicht mehr ziehen. Da stimmt es mich auch nicht sonderlich traurig, dass nach dem geringen Erfolg von ‚Solo‘ die Stories erst mal auf Eis gelegt wurden. Letztlich ein Scheitern am eigenen Mangel an erzählerischem Mut. Was aber auch zeigt, dass man Kevin Feige zwar zu Recht kritisieren kann, seine Leistung, sowohl planerisch als auch erzählerisch, durchaus anerkennen muss. Aber hey, immerhin scheint man jetzt mit ‚The Mandalorian‘ eine zumindest interessantere Erzählrichtung bei Star Wars gefunden zu haben und ist endlich dem Nichtschwimmerbecken der ewigen Vorgeschichte der originalen Trilogie entronnen.

Und dann war da noch das Dark Universe. Oder eben nicht. Zweimal hat Universal versucht seine klassischen Monster aus den 30er und 40er Jahren als coole, moderne Filme mit Action- und Gruselanteilen zu etablieren und zweimal fiel es flach. ‚Dracula Untold‘ (blöde Frage, aber den Film gibt es doch wäre es damit nicht automatisch ‚Dracula Told‘?) löste einzig weitgehendes Schulterzucken aus und Tom Cruise in Tom Cruises ‚Die Mumie‘ (mit Tom Cruise!) wurde ziemlich brutal verrissen. Beide Male warfen Universal die Hände in die Luft und gaben direkt sämtliche weiteren Pläne auf. Man hat den Eindruck so richtig steckte ihr Herz da nie drin. Der Grund warum sie ein Stück vom Cinematic Universe Kuchen wollten ist womöglich, weil sie das ursprüngliche Rezept geschrieben haben. Sämtliche Universal-Monster begegneten sich damals in den Filmen. Allerdings muss gesagt werden, erst als die Monster schon auf dem absteigenden Ast waren. Als Dracula allein nicht mehr genug Leute ins Publikum lockte und sich deshalb mit dem Wolfman kloppen musste. Vielleicht war daher die Idee eine frühere Not nun zur Tugend zu machen von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Was bleibt als Fazit? Das „Cinematic Universe“ in aller Munde war, obwohl nur eines in den 2010er wirklich wie gewollt funktioniert hat. Womöglich ändert sich das in der nächsten Dekade. Vielleicht lernen die anderen Studios von Disney und etablieren ihr eigenes Universum. Oder vielleicht kauft Disney sie einfach auf und tut es für sie. Und wir sind für den Rest unseres Lebens von unsterblichen Franchises umgeben, die rebootet werden, sobald sich die Fortsetzungen einmal totgelaufen haben. Ist das nicht vielleicht das wahre Dark Universe?