Top 10 Filme von damals 1983 Platz 10 bis 6

Wieder einmal wird es Zeit für unseren Rückblick auf die westdeutschen Top 10 der Kinocharts. Grundlage bildet erneut die entsprechende Liste auf chartsurfer.de. Wie üblich schreibe ich zu jedem Film, was mir gerade einfällt, sei es eine persönliche Bedeutung oder auch eine popkulturelle. Oder ich weiß eben gar nichts über den Film. Ist ja auch schon oft genug vorgekommen und wird auch weiterhin passieren. Doch nun schauen wir erst einmal wieder kurz, was 1983 außerhalb des Kinos los war.

Im März, bei den vorgezogenen Neuwahlen zum 10. Bundestag, landet die SPD erstmals seit 1965 knapp unter 40%. Die CDU erreicht knapp 49%. Mit 5,6% ziehen die Grünen erstmals in den Bundestag ein. Im April verkündet das Magazin Stern stolz die persönlichen Tagebücher von Adolf Hitler gefunden zu haben. Einige Wochen später stellen sich diese als Fälschung des Aktionskünstlers und Kunstfälschers Konrad Kujau heraus. Im Laufe des Jahres tritt AIDS langsam in das allgemeine Bewusstsein in Deutschland. Nicht zuletzt aufgrund einer Titelgeschichte im Spiegel vom Juni. Im September wird in Berlin die deutsche AIDS-Hilfe e.V. gegründet. Am 26. September erklärt der sowjetische Oberstleutnant Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow einen von der Satellitenüberwachung gemeldeten, nuklearen Angriff eigenmächtig zum Fehlalarm. Auf diese Weise verhindert er vermutlich einen Atomkrieg. Am 22. Oktober demonstrieren über eine Million Menschen in Hamburg, Bonn und West-Berlin, sowie mit einer Menschenkette von Stuttgart nach Neu-Ulm gegen die Stationierung neuer atomarer Mittelstreckenraketen. Es war der Höhepunkt der deutschen Friedensbewegung. Einen Monat später billigt der Bundestag die Stationierung. Spontane, nicht gemeldete Demonstrationen innerhalb der Bonner Bannmeile zerschlägt die Polizei mit Tränengas und Wasserwerfern. In Schleswig Holstein startet im Oktober der GROWIAN. Die zu dieser Zeit größte Windkraftanlage der Welt und ein Testballon für die Nutzbarkeit von Windenergie.  Ende November erbeuteten mindestens sechs Täter mehr als 6.800 Goldbarren sowie Diamanten am Flughafen Heathrow. Bis heute der größte Raubüberfall der britischen Geschichte. Nur drei Täter wurden gefasst der Großteil der Beute blieb verschwunden. Ebenfalls im November kündigt das Unternehmen Microsoft eine grafische Benutzeroberfläche für IBM kompatible PCs namens Windows 1.0 an. Bis zu seiner dritten Iteration sollte das Programm aber weitgehend unbedeutend bleiben. Jetzt aber zügig ins Kino!

  1. ‚Carmen‘

Okay, ich sag es gleich, von diesem Film des Spaniers Carlos Saura hatte ich bislang nicht einmal gehört. Muss aber sagen, thematisch klingt es faszinierend. Ein Choreograph namens Antonio will Georges Bizets Oper ‚Carmen‘ auf die Bühne bringen. Als Hauptdarstellerin entdeckt er die temperamentvolle… Carmen. Wenn die Beschreibungen stimmen, folgt ein metatextuelles Spiel, welches die Adaption selbst zum Thema macht und die Grenzen zwischen „Realität“ des Films und der Bühnenhandlung verschwimmen lässt. Ich bin jetzt mindestens neugierig… Vielleicht weiß einer von Euch mehr.

  1. ‚Das Fliegende Auge‘

Die 80er waren ein wenig das Jahrzehnt der Trickfahrzeuge. Von K.I.T.T. über ‚Street Hawk‘ und ‚Automan‘ bis zu den ‚Transformers‘. ‚Das fliegende Auge‘ geht da mit dem Superhubschrauber ‚Blue Thunder‘ in eine ganz ähnliche Richtung. Und ja, hat direkt die Serie ‚Air Wolf‘ inspiriert. Doch, wahrscheinlich nicht zuletzt weil ‚Alien‘-Autor Dan O’Bannon für das Buch mitverantwortlich zeichnet, steckt hier ein wenig mehr dahinter. Ein Kommentar auf den Überwachungsstaat nämlich. Denn der Blue Thunder war nicht nur mit allerlei Waffen ausgestattet, sondern auch mit Richtmikrofonen und Wärmebildkameras, um die Bevölkerung ausspionieren zu können. Spätestens, wenn der Verantwortliche für das Projekt auch noch vom ewig zwielichtigen Malcolm McDowell gespielt wird, ahnt man hier ist irgendwas gar nicht sauber. Roy Scheider gibt einen soliden Hauptdarsteller ab (der McDowell selbstverständlich auch nicht über den Weg traut), einen Piloten, der alsbald misstrauisch wird, was die Mission des Superhubis angeht. Regisseur John Badham (‚WarGames‘, ‚Nummer 5 lebt‘) liefert wie üblich solides Handwerk ab. Nichts was man gesehen haben muss, aber gute Unterhaltung. Oh, und wo ich eingangs so viel über Serien geschrieben habe: in der Pilotfolge von ‚MacGyver‘ steigt Mr. Taschenmesser aus dem Blue Thunder.

  1. ‚Rambo‘

Der gute Rambo. Bevor John Rambo zum reaktionären Abziehbildchen wurde, das zeitgemäße Buhmänner der US-Außenpolitik effektvoll umlegt. Das ist die allgemeine Meinung, die man über den ersten Rambo-Film zu lesen bekommt. Und weitgehend teile ich sie. Obwohl man auch mit diesem Film seine Probleme haben kann. So wird hier der Friedensbewegung fast ähnlich viel Schuld für die Situation Rambos in die Schuhe geschoben wie der US Armee selbst. Und die Romanvorlage gerade zum Ende hin entschärft. Aber das vielleicht schon mit Hinsicht auf mögliche Sequels. Dennoch ist die Geschichte des Vietnam-Veteranen John Rambo, der von US-Kleinstadtsheriffs derart misshandelt wird, dass er Flashbacks zu seiner Kriegsgefangenschaft bekommt, in den Wald flieht und die ihn jagenden Deputys nach und nach umbringt, von Ted Kotcheff hier absolut packend inszeniert worden. Am Ende des Films wird sein ehemaliger Ausbilder und Vorgesetzter Col. Trautman gerufen, um ihn zur Aufgabe zu überreden. Eine Rolle, die eigentlich Kirk Douglas übernehmen sollte. Doch der stieg aus, als er erfuhr, dass Rambo-Darsteller Sylvester Stallone die Filmemacher überredet hatte den Film anders als die Buchvorlage, nicht damit enden zu lassen, dass Trautman Rambo erschießt. Das empfand er als Verwässerung der Thematik. Stallone hingegen, der nach den erfolgreichen ersten zwei ‚Rockys‘ schauspielerisch wenig vorzuweisen hatte, witterte hier wohl, ganz richtig, ein mögliches Franchise und sein Comeback. Meiner Meinung nach funktioniert das Ende wie es ist. Und auch wenn man mit den anderen Rambos nix anfangen kann, ist der erste absolut sehenswert. Der gute Rambo halt.

  1. ‚Gandhi‘

Ein Film, für den mich mein Vater als Kind länger aufbleiben ließ. Das sagt schon einiges über die Gravitas dieses Films aus, denn das war etwas, das nicht eben häufig vorgekommen ist. Ben Kingsley gibt in diesem Biopic den Mahatma Gandhi, einen der wichtigsten gewaltlosen Kämpfer gegen Kolonialismus, Unterdrückung und soziale Ungerechtigkeit. Den Mann, der Indien in die Freiheit geführt hat. Kaum jemand anderes genießt derartig weitreichenden und von politischen Vorstellungen weitgehend unabhängigen Respekt wie Gandhi. Und das völlig verdient. Das ist aber auch ein wenig das Problem dieses Films von Richard Attenborough. Der einzige Weg, wie die Macher es wagen sich ihrem überlebensgroßen Sujet zu nähern ist auf dem Weg der Hagiographie. Der Heiligsprechung. So scheint Gandhi hier schon als der Mahatma geboren und nie Mohandas gewesen zu sein. Schon zu seiner Zeit in Südafrika legt er im Film seinen Grundstein als Kämpfer gegen soziale Ungerechtigkeit. Während der reale Gandhi zu dieser Zeit fraglos rassistisch gegen Afrikaner eingestellt war. Das ist nichts, was das Ansehen Gandhis beschädigen soll, später hatte er keinesfalls mehr derartige Ansichten, aber dadurch, dass man es hier verschweigt, verwehrt man ihm im Film auch jedes Charakterwachstum. Und so ist der Film eben erzählt in der ruhigen Selbstsicherheit eines Gottesdienstes, wie es angebracht ist für eine Heiligsprechung. Der Film ist keineswegs schlecht, aber eine glaubwürdige Biografie Gandhis darf man eben nicht erwarten. Sondern eine reine Ehrung.

  1. ‚Die Supernasen‘

Uff, von ‚Rambo‘ über ‚Gandhi‘ zu den ‚Supernasen‘. Diese Top 10 verlangt mir schnelles Umschalten ab… Die zweite von insgesamt vier filmischen Kollaborationen zwischen Thomas Gottschalk und Mike Krüger. Tommy wird aus seinem Job als Maskenbildner gefeuert und Mike so um das 20ste Semester herum das BAföG gestrichen. Beide brauchen Geld und gründen eine Privatdetektei. Schnell taucht ein Industrieller mit dem üblichen Auftrag auf, seine Frau des Fremdgehens zu überführen. Viel weiß ich nicht mehr über den Film. Allerdings weiß ich noch, dass er zum guten Teil in Bad Spänzer spielt. Ein Kalauer, der einen guten Eindruck der Qualität der Gags in diesem Film gibt. Das Buch, man mag es kaum glauben, stammt ebenfalls von Gottschalk und Krüger. Wenn man die beiden mag, dann wird man dem Film vielleicht auch etwas abgewinnen können. Ich hab ehrlich gesagt mit 10 schon ein wenig mit den Augen gerollt. Wenn man übrigens wirklich tief in Gottschalks erstaunliche Filmografie eintauchen will, dann kann man sich online mal auf die Suche nach ‚Der Ring der Musketiere‘ machen. Eine vierteilige US-deutsche Koproduktion, in der Gottschalk, David Hasselhoff , Alison Doody und Cheech Marin moderne Nachfahren der Musketiere aus Alexandre Dumas Roman spielen. En Garde! Das aber nur am Rande.

Okay, nun dürft Ihr gespannt sein auf die Top 5, die nächste Woche folgen. Star Wars Fans ahnen zwar schon was kommt, werden aber vielleicht doch überrascht sein.

Wohlfühl-Filme

Seien wir ehrlich, dieser Tage ist es recht einfach sich schlecht zu fühlen. Einsam, verunsichert, mit Angst um die Zukunft, oder ganz handfesten materiellen Sorgen. Da braucht es neben den Nachrichten, die eine unangenehme Statistik nach der anderen auflisten, Filme die einen nicht unbedingt herausfordern. Die einen im Gegenteil willkommen heißen, wie ein heißes Bad, die liebste Wolldecke oder eine freundschaftliche Umarmung. Kurz Komfort-Filme, die uns zumindest für ihre Laufzeit und vielleicht darüber hinaus besser fühlen lassen. Im Folgenden steht kein Artikel der ihre Wirkweisen untersucht, sondern mehr oder weniger nur eine Auflistung von Ideen, was Ihr schauen könntet, wenn Ihr mal down sein solltet.

Fangen wir mit einem echten Klassiker an: ‚Singin‘ in the Rain‘ dürfte auch dem größten Tanzmuffel (also mir…) Schwung ins Bein bringen. Und seine Geschichte darum mit einer neuen Situation konfrontiert, dem Tonfilm, das Beste daraus zu machen, ein Musical, trägt ihren Teil dazu bei aufbauend zu wirken.

Oder wie wäre es mit ‚Galaxy Quest‘? Bei Grabthas Hammer, ich verspreche Euch, Ihr werdet Euch besser fühlen, wenn Ihr den abgehalfterten Cast der SciFi Show ‚Galaxy Quest‘ dabei beobachtet, wie sie eine wahrlich heroische Aufgabe übernehmen müssen. Weil sie von Aliens konfrontiert werden, die ihre Abenteuer für echt halten. Und falls Ihr danach das Bedürfnis verspürt eine rudimentäre Werkbank zu bauen, um womöglich auf etwaige Begegnungen mit Steinmonstern vorbereitet zu sein, dann habt Ihr sogar nach dem Film noch was zu tun. Der beste nicht-Star Trek Star Trek-Film.

‚Paddington‘ und ‚Paddington 2‘ wirken wie unter liebevollsten Laborbedingungen konstruiert, um die bestmöglichen Wohlfühlfilm-Erlebnisse zu schaffen. Auf narrativer wie auf visueller Ebene präsentieren sich Paul Kings Familienfilme als absolut charmanter Willkommensgruß für jeden, der sich vielleicht etwas verloren fühlt. Und im zweiten liefert Hugh Grant nicht weniger als die beste Vorstellung seiner Karriere ab.

Wie viele Filme können von sich behaupten das Gefühl wecken zu können, wenn Dein Opa Dir abends eine Geschichte erzählt hat? Vielleicht einige. Doch wie viele Filme können das Gefühl wecken, wenn Dein Opa Dir abends im Bett eine Geschichte vorliest und Dein Opa ist Columbo? Da wird’s dünn, nicht wahr? ‚Die Braut des Prinzen‘ lebt aber nicht nur von Peter Falk als Erzähler. Cary Elwes und Robin Wright überzeugen in ihren Rollen als Westley und Buttercup und ihre durch allerlei märchenhafte Probleme erschwerte Liebe. Dazu noch Wrestler Andre the Giant als gutmütiger Hüne Fezzik und natürlich Mandy Patinkins Inigo Montoya auf seiner ganz eigenen Mission den Mörder seines Vaters zu finden. Drehbuchautor William Goldman ist vor allem für seine Aussage bekannt niemand in Hollywood wisse eigentlich was er tue. Wenn das stimmt, dann ist hier durch reinen Zufall dennoch der perfekte Wohlfühlfilm gelungen.

Ist ein Hinweis auf jeden einzelnen Hayao Miyazaki Film eigentlich noch nötig oder ist das schon ein Selbstgänger? Wer doch noch Genaueres wissen will, sei auf meine Besprechungen im „Miyazakizember“ verwiesen.

‚Mad Max: Fury Road‘ ist ein Wohlfühlfilm. Nun scheint das bei der doch recht brutalen Postapokalypse im ersten Moment nicht wirklich offensichtlich, doch sind die Explosionen des Films kathartisch, der Farbenrausch glücksfördernd und die Aussage, dass man nicht ewig vor seinen Problemen davon laufen kann ohne irgendwann vor dem Nichts zu stehen, sondern dass man sich umdrehen und der Angst ins Gesicht blicken muss, ist eine die Kraft spendet. Wer sich mit George Miller wohlfühlen will, aber nicht glaubt, dass das mit ‚Fury Road‘ funktioniert, der kann natürlich auch gern auf ‚Ein Schweinchen namens Babe‘ ausweichen. Der funktioniert genauso gut.

Grundsätzlich funktionier vermutlich jeder Wallace & Gromit Film. Vermutlich sogar jeder Aardman Film. Ich möchte hier aber, nicht nur wegen des kommenden Osterfestes, eine Lanze für ‚Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen‘ brechen. Hier verdingen sich Wallace & Gromit als Schädlingsbekämpfer im Vorlauf eines Gemüsewettbewerbs. Dabei überzeugt der Film nicht zuletzt durch viele liebevolle Anspielungen auf Horrorklassiker. Wobei die Opfer hier durchweg Gemüse sind, weshalb Regisseur Nick Park den Film auch als vegetarischen Horror bezeichnet. Aber selbst das klingt noch zu schrecklich für das was man präsentiert bekommt.

Die Empfehlung von ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘ geht natürlich mit einer gewissen Warnung einher. Wer jetzt schon geleichförmige Tage des Herumsitzens leid ist, für den ist der Film vielleicht nicht ganz so perfekt geeignet. Alle anderen finden hier womöglich meine liebste Bill Murray Komödie und ein buddhistisches Gleichnis in einem. Biiiiing!

Auch von Wes Anderson könnte man hier vermutlich jeden einzelnen Film empfehlen. Doch ist ‚Grand Budapest Hotel‘ vielleicht der Andersonscheste von allen. Mit einem absoluten Star-Cast, perfektionierter Puppenhaus-Optik und der Aussage, dass manche Dinge womöglich einfach dafür Wert sind erhalten zu bleiben, weil sie schön sind ist es schwer sich in diesem Hotel nicht wohlzufühlen. Dazu kommt, zumindest für mich, die Erkenntnis dass Ralph Fiennes lustig sein kann. Sogar sehr.

Okay, schließen wir mit einigen weniger allgemeingültigen und eher persönlichen Empfehlungen. ‚Ghostbusters‘ kann ich immer schauen, ‚Ghostbusters‘ kann ich mitsprechen. Ja, es mag Nostalgie sein, die den Film funktionieren lässt und Erinnerungen an die Zeiten als ich mit meinem Plastik Ecto-1 und den Actionfiguren mit den Plastikstrahlen an den Protonenpäckchen, die so leicht abbrachen, auf die neue Folge der Zeichentrickserie gewartet habe. Aber ich fühle mich sehr wohl, wenn ich ihn schaue.

John Carpenters ‚The Fog‘ ist nominell ein Horrorfilm. Ich würde argumentieren von all seinen guten Filmen ist es der am wenigsten als Horrorfilm effektive. Aber ich fühle mich in dem kalifornischen Küstenstädtchen Antonio Bay einfach wahnsinnig wohl. Ich möchte durch die pittoresken Straßen die Küste entlang raus zum Radiosender im Leuchtturm spazieren. Okay, vielleicht nicht gerade wenn es neblig ist und am besten ohne zu wissen, was die Stadt auf dem Kerbholz hat. Aber irgendwie fühl ich mich wohl da.

So, jetzt wende ich mich an Euch mit der Bitte mir Eure Wohlfühlfilme mitzuteilen. Nicht nur aus reiner Neugier, sondern falls ich Nachschub brauche. Dabei würd ich mich natürlich auch über den Grund für das Wohlfühlen freuen. Ich meine, bei ‚Amelie‘ wär der offensichtlich, aber für ‚Contagion‘ etwa bräucht‘ ich derzeit ne Erklärung…

Top 10 Filme von damals: 1981 Platz 5 bis 1

Weiter geht es mit der oberen Hälfte der westdeutschen Kinocharts von 1981 (Platz 10 bis 6 hier), auf Grundlage der Liste von chartsurfer.de.

  1. ‚Das Boot‘

Was kann ich zu ‚Das Boot‘ noch groß sagen? Wenn Ihr Lust auf einen U-Boot-Film verspürt und etwa vier Stunden Zeit habt, dann gibt es kaum eine bessere Empfehlung als Wolfgang Petersens Verfilmung von Lothar-Günther Buchheims  gleichnamigem Roman. Ohne großes Pathos und handwerklich hervorragend inszeniert. Buchheim selbst war mit dem Film zwar nie wirklich zufrieden, doch hat das dem Erfolg keinen Abbruch getan. Für Regisseur Petersen und „Herrn Kaleun“ Jürgen Prochnow war er das Tor nach Hollywood. Für eine ganze Reihe (damals) junger Schauspieler war es ein erheblicher Karriereschub, von Martin Semmelrogge über Jan Fedder und Ralf Richter bis zu Herbert Grönemeyer, obwohl für den ein Durchbruch anderer Art vor der Tür stand. Interessant ist, dass die ursprüngliche Kinoversion nur dort und ein Jahr später auf einer ersten VHS Veröffentlichung zu sehen war. 1984 fertigte Petersen eine Version als Fernsehminiserie an, die zuerst auf der BBC, ein Jahr später in Deutschland zu sehen war. Sie bestand aus 3 Teilen zu je etwa 100 Minuten. 1987 schnitt er eine weitere Serienversion, jetzt mit 6 Teilen, zu je gut 50 Minuten. Diese wurde vor allem um Kommentare aus dem Off von Grönemeyers Kriegsberichterstatter Werner erweitert. Zu sehen war nun quasi nur noch diese Version. Die originale Filmversion wurde im Fernsehen nicht gezeigt. 1997 kam ein Directors Cut in die Kinos, der den ursprünglichen Film um Szenen aus der Serie erweitert. Es sollte bis zur Jubiläums-BluRay 2011 dauern, bis es eine neue Veröffentlichung der ursprünglichen Kinoversion gab. Das sind ja beinahe ‚Star Wars‘ Verhältnisse! Apropos Lucas, es gibt eine Verbindung zu ‚Jäger des verlorenen Schatzes‘: Steven Spielberg lieh sich eine 1:1 Modell und ein 11 Meter langes tauchfähiges, fernsteuerbares Modell des ‚Boots‘ von der Bavaria Film für die U-Boot Szenen in seinem Film aus.

  1. ‚Christiane F. – Wir Kinder Vom Bahnhof Zoo‘

1978 veröffentlichten die Stern Redakteure Kai Hermann und Horst Rieck ihr Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Darin schildern sie die Situation jugendlicher Drogenabhängiger in Westberlin, am biografischen Beispiel der damals 15jährigen Christiane Felscherinow. Das Buch stieß auf erhebliches Interesse, war 95 Wochen, von 1979 bis 1981 auf Platz 1 der Spiegel Bestsellerliste. Produzent Bernd Eichinger sicherte sich die Filmrechte. Und sicherte sich zusätzlich die Mitarbeit von David Bowie, der Szenen eines Konzerts, das Christiane besuchte, für den Film nachstellte und für den Soundtrack seine „berliner Periode“ zur Verfügung stellte. Regisseur Uli Edel zeigt ziemlich ungeschönt das Leben einer jugendlichen Drogenabhängigen. Vom Fixen über das High und die Not das Geld für den nächsten Schuss zu beschaffen, sei es auf kriminelle Weise oder über Prostitution. Auch die grausigen Nebenwirkungen eines kalten Entzuges zeigt der Film recht deutlich. Da verwundern mich ehrlich gesagt einige zeitgenössische Kritiken, die hier eine Verherrlichung des Drogenkonsums gesehen haben wollen. Aber womöglich zeigt Edel das Westberliner Arbeitermilieu einfach als so trostlos, dass sich mancher fragt, wie man es ohne Drogen überstehen soll. Schocken wollte der Film wohl ohnehin vor allem die Elterngeneration. Die Teenager in Christianes Alter sind wohl eher wegen Bowie in den Film gegangen. Die Darstellerin der Christiane, die damals 13jährige Natja Brunckhorst, wurde direkt vom Schulhof gecastet. Sie und ihre Familie wurden durch die folgende extreme Medienaufmerksamkeit allerdings vollkommen überrascht und mussten Berlin verlassen. Heute ist Brunckhorst vor allem als Drehbuchautorin tätig.

  1. ‚James Bond 007 – In Tödlicher Mission‘

Dieser Film fällt vor allem dadurch auf, dass er mit einem für Bond ungewohnten und etwas verwirrenden Kontinuitätsmoment beginnt. Bond (Roger Moore) besucht das Grab seiner Frau. Der Frau, die George Lazenby-Bond in ‚Im Geheimdienst ihrer Majestät‘ geheiratet hatte und die dort getötet wurde. In genau dem Film, in dem Lazenby-Bond bemerkt, als eine Frau schreiend vor ihm davonläuft, „das wäre dem anderen (Sean Connery) nie passiert“. Sind die Bonds nun also verschiedene Personen oder immer der gleiche nur von anderen Darstellern verkörpert? Hier widersprechen sich die zwei Filme meiner Meinung nach völlig. Egal, danach wirft Bond Blofeld mit einem Helikopter in einen Industrieschlot. Das ist immerhin was. Der Rest ist nach ‚Moonraker‘ die Rückkehr zum bondschen „Realismus“ oder was man halt so nennt. Ein Steuercomputer für Atomraketen wurde gestohlen, belgische Gangster und griechische Reeder sind darin verwickelt und die Russen sind böse. Sicher besser als ‚Moonraker‘ aber Wasser trat die Reihe dennoch, ohne damit noch große Wellen zu machen, um mal zwei Bilder arg durcheinander zu werfen.

  1. ‚Auf Dem Highway Ist Die Hölle Los‘

Wer enttäuscht war, dass Moores Bond in ‚In Tödlicher Mission‘ mehr Ente als Aston Martin fuhr, der wurde hier entschädigt. Denn Moores Teilnehmer am Rennen „Cannonball Run“ fuhr einen, nach Bond-Manier mit allerlei Tricks versehenen, Aston Martin. Überhaupt spielte der Film mit dem Ruf seiner Stars, wenn die Ratpack-Mitglieder Dean Martin und Sammy Davis jr. etwa als (meist besoffene) katholische Priester verkleidet teilnehmen. Oder Peter Fonda den Boss einer Motorradgang gibt. Auch ein früher Hollywoodausflug von Jackie Chan (und Sammy Hui) im Raketen-Subaru ist hier zu sehen. Hauptcharakter ist aber am ehesten Burt Reynolds. Der fährt mit seinem Gefährten Victor (Dom DeLuise) (der sich gelegentlich in den Superhelden Captain Chaos verwandelt) einen Krankenwagen, um bei dem illegalen rennen nicht von der Polizei gestoppt zu werden. Dafür haben sie sogar einen Arzt (Dr. van Helsing…) im Gepäck. Die Handlung beschränkt sich darauf von A nach B zukommen. Das reicht aber auch liefert der Film doch genügend Klamauk, Stars und komische Situationen um absolut unterhaltsame 90 Minuten zu bescheren.

  1. ‚Cap Und Capper – Zwei Freunde Auf Acht Pfoten‘

Diesmal ist Disney nicht mit einer Wiederaufführung vertreten, sondern tatsächlich mit einem neuen Film. Und wir sehen, Disney mag in der Krise stecken, am Erfolg in Deutschland mangelt es aber definitiv nicht. Der seit den 60ern für die deutsche Bearbeitung von Disneyfilmen zuständige Heinrich Riethmüller lieferte hier seine letzte Arbeit in dieser Richtung ab. So erfolgreich war er, dass er in den 70ern die älteren Disneyfilme einer neuen Bearbeitung unterziehen durfte. In gewissem Sinne dürfte er also unser aller Kindheit geprägt haben. Das gilt für mich im Besonderen für diesen Film um die Freundschaft zwischen einem Jagdhund (Capper) und einem Fuchs (Cap), deren Freundschaft durch ihre konträren Positionen in der Welt natürlich auf harte Proben gestellt wird. ‚Cap und Capper‘ war, in einer späteren Wiederaufführung, der erste Film, den ich mit meinem Vater im Kino gesehen habe. Wer weiß also wie viel Verantwortung dieser Film für meine heutige Liebe zu dem Medium trägt. Deswegen will ich auch gar nicht allzu viel zu dem Film sagen. Er gilt nicht eben als ein großer Wurf Disneys, oft wird ihm, wahrscheinlich nicht zu Unrecht, vorgeworfen ein ziemliches ‚Bambi‘-Derivat zu sein. Mir egal, es war mein erster Kinofilm und damit natürlich eine absolut verdiente Nummer 1. Danke Disney, danke Heinrich Riethmüller und vor allem natürlich danke Papa!

 

Und das waren die Top 10 des Jahres 1981. Vier europäische Produktionen (fünf, wenn man Bond dazu rechnet), zwei davon deutsche Filme. Dazu ein israelischer und vier oder fünf amerikanische, je nachdem wie man Bond betrachtet. Das entspricht in etwa der Statistik des letzten Jahres, nur dass diesmal zwei deutsche Produktionen hoch in den Charts waren. Die größte Überraschung für mich war die Platzierung von ‚Die Klapperschlange‘. Mir war nicht bewusst, dass der Film hier in Deutschland ein solcher Erfolg war. Freut mich aber, denn mit Carpenter macht man nix falsch (zumindest in den 80ern…). Disney bleibt sehr stark in den Charts vertreten, selbst ohne Wiederveröffentlichung eines Klassikers. Auch sehe ich in diesem Jahr keine Produktionen bei denen es mich allzu sehr wundert, dass sie es nicht in die Top 10 geschafft haben. ‚Flash Gordon‘ ist immerhin auf einem achtbaren Platz 11. ‚Superman II‘ auf Platz 14 zeigt das Deutschland der frühen 80er nicht eben Superheldenbegeistert war. Und ‚Excalibur‘ auf Platz 18 zeigt, dass selbst ein guter König Artus-Film hier eher für Achselzucken als Ritterbegeisterung sorgt. Robert Altmans berüchtigter Flop ‚Popeye – der Seemann mit dem harten Schlag‘ dümpelt auf einem fast tragischen 50sten Platz dahin. Das ist aber auch ein faszinierend unangenehmer Film, über den ich irgendwann mal mehr schreiben will. Doch lange vorher wird es nächsten Monat erst mal mit 1982 weitergehen.

Vielleicht wollt Ihr mir bis dahin in den Kommentaren erzählen, was Euer erster Kinobesuch war und ob Ihr ihn immer noch mögt.

Top 10 Filme von damals: 1981 Platz 10 bis 6

Zeit in meiner kleinen Kinocharts-Rückblick-Reihe auf das Jahr 1981 zu schauen. Grundlage sind wieder die westdeutschen Kinocharts auf Chartsurfer.de. Ich blicke erneut aus eher persönlicher Warte auf die Filme zurück, versuche aber auch zu erfassen, ob und wie sie die Popkultur beeinflusst haben oder eben gerade nicht. Und diesmal kenne ich quasi alle Filme, das war ja nicht unbedingt immer so. Doch bevor wir zu den Charts kommen schauen wir, wie üblich, was 1981 sonst so auf der Welt los war.

Im Januar wird der ehemalige Schauspieler Ronald Reagan zum 40ten Präsidenten der USA und leitet eine neue Phase der harten Linie im stetig schwelenden Ost-West Konflikt ein. Die Demonstration gegen das Atomkraftwerk bei Brokdorf gilt mit bis zu 100.000 Teilnehmern bis heute als einer der größten Anti-AKW-Proteste Deutschlands. Im April verhängt Jugoslawien, in Folge zunehmender Unruhen zwischen Albanern und Serben, den Ausnahmezustand über die Provinz Kosovo. Im Juni beginnt die ARD mit der Ausstrahlung der Serie ‚Dallas‘. Im Juli heiratet der britische Thronfolger Charles Lady Diana Spencer. Im September werden bei einem Sprengstoffanschlag der RAF auf die Ramstein Air Base zwei Deutsche und 18 Amerikaner zum Teil erheblich verletzt. Die Kolonie Britisch-Honduras wird als Belize unabhängig.  Im Oktober beginnt mit der Entdeckung eines havarierten sowjetischen U-Boots vor der schwedischen Küste eine ganze Reihe ähnlicher Vorfälle durch die 80er, die als „schwedische U-Boot Affäre“ zusammengefasst werden. Die britische Kolonie Antigua wurde als Antigua und Barbuda unabhängig. In den USA ging der Sender MTV auf Sendung. Mit anfangs nur 168 Musikvideos, davon allein 30 von Rod Stewart. Nun aber wirklich schnell ins Kino!

  1. ‚Eis am Stiel, 3. Teil – Liebeleien‘

Und hier haben wir ihn, den ersten Vertreter in diesem Projekt, eines Genres, das in den 80er sehr wichtig war: der Erotikkomödie. In der Einleitung habe ich noch geschrieben, dass ich diesmal alle Filme kennen würde. Nun bin ich mir nicht mehr ganz so sicher. Ich habe sicherlich einige ‚Eis am Stiel‘ gesehen, aber gerade den hier? Ein wenig laufen sie ineinander, wie es sich für Eis gehört. In den meisten sind die drei (mehr oder weniger) jugendlichen Protagonisten am Strand und von dort aus ergeben sich allerlei (mehr oder weniger) erotische und/oder lustige Situationen. War der erste Film noch von den Jugenderinnerungen von Autor/Regisseur Boaz Davidson geprägt, wurden die nächsten (insgesamt 8 und ein Spin-Off) immer beliebiger. In Deutschland waren sie allerdings so erfolgreich, dass die israelischen Produktionen schon ab dem zweiten Teil von deutschen Investoren kofinanziert wurden. Apropos Finanzen: Produzenten der Reihe waren Yoram Globus und Menahem Golan. Die haben unter anderem die erheblichen Gewinne des ersten Teils dafür verwandt das US-Studio Cannon zu kaufen und einige der billigsten Actionheuler der 80er und frühen 90er zu produzieren. Und da sie für ihren „kreativen“ Umgang mit Geldern bekannt waren, würde es mich nicht wundern wenn manches ‚Eis am Stiel‘ Produktionsbudget letztlich Chuck Norris Filmen zugeflossen wäre. Was ich sagen will ist wohl, schaut ‚Electric Boogaloo‘, eine wunderbare Doku über die wilden Cannon Jahre. Jetzt bin ich vom Thema abgekommen, hatte aber auch nicht wirklich viel dazu zu sagen.

  1. ‚Eine Faust Geht Nach Westen‘

‚Eine Faust geht nach Westen‘ ist definitiv der interessanteste (wenn auch vielleicht nicht beste) Bud Spencer Solofilm. Ein Italo-Western, Jahre nachdem das Genre bereits tot war. Mit Morricone Soundtrack! Spencer gibt den typischen bärbeißigen Kleinganoven, der gemeinsam mit dem Indianer „Donnernder Adler“ allerlei Betrügereien abzieht. Als er mit einem gemopsten Koffer in eine Kleinstadt kommt, erweist sich diese Tasche als Arztausrüstung. Folglich gibt sich Buddy als Doktor aus. Das ist nicht nur für einen Italowestern ungewöhnlich, auch für einen Bud Spencer Film und führt zu einigen sehr komischen Szenen. Aber Spencer weiß natürlich auch was er seinen Fans schuldig ist und so gibt es eine der widerlichsten Fressszenen überhaupt und gegen Ende hin, wenn sich, Italowestern-typisch, der Sheriff (der natürlich Bronson heißt) als korrupt erweist allerlei handfeste Auseinandersetzungen. Genreseitenhiebe, typische Buddy-Sprüche und -Szenen und ein letztes Hurra des Italowesterns machen den Film für mich absolut sehenswert.

  1. ‚Zwei Asse Trumpfen Auf‘

Und hier haben wir Spencer und Hill wieder beisammen. Hills Charakter hat jede Menge Wettschulden und eine Schatzkarte, aber kein Geld. Spencers Käptn hat ein Schiff aber keine Lust Hill umsonst zu fahren. Der schifft sich als blinder Passagier ein und nach allerlei Kompassmanipulation landen beide auf einer einsamen Pazifikinsel mit freundlichen Eingeborenen, weniger freundlichen Piraten und einem japanischen Soldaten, der nicht weiß, dass der Zweite Weltkrieg zu Ende ist. Wie im letztjährigen Hill-Solo ‚Supercop‘ ist Sergio Corbucci für die Regie verantwortlich. Und schlägt sich diesmal deutlich besser, wenn auch kaum weniger merkwürdig. Selbst für Spencer/Hill Verhältnisse ist die Handlung absurd, die Charaktere so weit jenseits von hanebüchen, dass sie es nicht mehr sehen können und ein Papagei steht unter stetem Verdacht eine Pfanne voll Bohnen verdrückt zu haben. Es ist aber gerade diese vollständige Überzeichnung und die stets wiedererkennbaren Rollenbilder von Hill und Spencer, die diesen reichlich dämlichen Klamauk funktionieren lassen. Corbucci nimmt sich selbst nicht ernst. Nach üblichen Filmmaßstäben gemessen käme man wohl zu keinem allzu positiven Urteil, aber es sind halt Spencer und Hill und da gelten andere Maßstäbe, da muss man auch mal die Denkmurmel zu machen können.

  1. ‚Jäger Des Verlorenen Schatzes‘

Gebt es zu, Ihr habt den Titel gelesen und Ihr hattet die ersten Noten von John Williams Raiders March im Ohr… George Lucas wollte, nachdem er mit ‚Star Wars‘ bereits den SciFi Serials seiner Jugend ein neues Gewand verpasst hatte, dasselbe für die Abenteuer-Serials tun. Er hatte aber keine Zeit das selbst umzusetzen. Steven Spielberg wollte schon immer einen James Bond Film drehen, musste aber einsehen, dass es dazu wahrscheinlich nie kommen würde. Also taten sie sich zusammen und Spielberg verfilmte die Abenteuer des Archäologen „Indiana“ Jones während der Nazi-Zeit. Am Anfang des zweiten Teils durfte der dann übrigens Sean Connerys Bond-Tuxedo tragen, bevor Connery selbst im dritten Teil (passend als sein Vater) auftauchte. Doch hier lernen wir ihn in einer der besten Eröffnungsszenen überhaupt erst einmal als Hut tragenden, Peitsche schwingenden, verschwitzten Anti-Bond kennen. Statt Harrison Ford sollte eigentlich Tom Selleck nach Spielbergs Willen die Rolle übernehmen, doch das ließ dessen Serienvertrag mit ‚Magnum‘ nicht zu. Dr. Jones hätte also beinahe einen Schnauz gehabt. In der Rückschau schwer vorstellbar, irgendjemanden außer Ford in der Rolle zu sehen. Ich zumindest habe die immer noch stärker mit ihm assoziiert als Han Solo. Die Rolle des Major Toht wurde übrigens zuerst Klaus Kinski angeboten. Er soll sie… wortgewaltig abgelehnt haben. Einige Szenen aus dem Film sind direkt in das Vokabular der Popkultur übergegangen. Das Austauschen des Idols gegen einen Sandsack, die rollende Steinfalle, die Öffnung der Bundeslade mit ihren Folgen. Das sind allgemeinverständliche Zitate, auf die Serien, Filme und Videospiele gern zurückgreifen. Eigentlich muss man nur Hut und Peitsche erwähnen und ein Großteil weiß ohnehin wovon man spricht.

  1. ‚Die Klapperschlange‘

Fangen wir gleich mit dem Offensichtlichen an. Der deutsche Titel ist Mumpitz! Die Tätowierung von Hauptcharakter Snake Plissken (Kurt Russell) zeigt eine Kobra, keine Klapperschlange, ihr zoologischen Nixblicker von Titelgebern!! Aber ernsthaft, ‚Escape From New York‘ beschreibt nicht nur die Handlung von John Carpenters Film sehr gut. Hier wird Plissken als unwilliger Söldner gezwungen den amerikanischen Präsidenten zu retten, nachdem dessen Notkapsel aus der Air Force One im Freilichtgroßgefängnis, zu dem Manhattan inzwischen gemacht wurde, abgestürzt ist. Doch die Idee des Escapes, des Entkommens ist auch das grundlegende Thema des Films, der eine bitter-zynische Zukunftsvision zeigt. Plissken ist kein Held. Er ist kaum weniger schrecklich als die übelsten Insassen des Gefängnisses. Dessen Wärter wiederrum noch viel schlimmer sind. Carpenter kann im dystopischen Manhattan seine größte Stärke als Regisseur, dem Zuschauer ein Gefühl für einen cinematischen Ort zu vermitteln und ihn in sich glaubwürdig wirken zu lassen, natürlich voll ausleben. Zusammen mit den sehr zurückgenommenen Dialogen und Carpenters eigenem unterkühltem Synthie Soundtrack schafft er hier eine sehr eigne, sehr düstere Zukunftsvision. Oft kopiert, aber eigentlich nie erreicht (nicht einmal von Carpenter selbst *hust* ‚Flucht aus LA‘ *hust*). Aus heutiger Sicht sicherlich einer der unterschätzteren Filme von Carpenter. Einige der Matte Paintings stammten übrigens von einem Special Effects-Mann namens James Cameron. Irgendwas sagt mir, dem werden wir auf diesen Listen früher oder später wieder begegnen.

So, das war es für die untere Hälfte der Top 10 von 1981. Können wir informierte Spekulationen für die obere Hälfte anstellen? Nun, dass mindestens ein deutscher Film noch auftauchen müsste ist denke ich eine vernünftige Annahme. Aus den beiden früheren Runden können wir vielleicht auch eine Disney Wiederveröffentlichung erwarten. Und vielleicht ‚Flash Gordon‘? Okay, da ist eher meine Hoffnung als realistische Einschätzung… Die Antworten gibt‘s nächste Woche.

Lasst uns über Filme klönen: Funktionieren Filme in der heutigen Zeit eigentlich noch?

Das ist natürlich eine absichtlich provokativ formulierte Überschriftenfrage, auf die man, gerade als Leser von Filmblogs, genervt „ja, natürlich“ antworten kann und sich die weitere Lektüre sparen. Dennoch glaube ich, dass die Frage fair ist, insbesondere wenn man Film mit „langlebigeren“, alternativen medialen Freizeitangeboten vergleicht, die jedem von uns zur Verfügung stehen. Und letztlich möchte ich ja, dass Ihr mir widersprecht. Wir wollen ja schließlich über Filme klönen.

Vorausschicken möchte ich, dass alles Folgende eigentlich nur für den Blockbusterfilm gilt. Den Film der von möglichst jedem gesehen werden möchte, um möglichst alles an Gewinn mitzunehmen. Der gebeutelte Mid-Budget Film, an dem Studios, zu Gunsten des Blockbusters, immer weniger Interesse zeigen und der kleine und Independent Film funktionieren durchaus anders und zumindest der Letztere hat heute sogar eine größere Nische als je zuvor. Und das ist sehr gut so.

Serien sind besser an das Überleben in Zeiten des Internets angepasst als der Film. Diese Aussage scheint fast trivial, bietet sich ihre regelmäßige Erscheinungsweise doch geradezu an, um immer wieder, mit jeder neuen Folge Diskussionen auszulösen. Und jede dieser Diskussionen, insbesondere wenn sie begeistert ausfallen, hat das Potential neue Zuschauer ins Boot zu holen. Das bringt zwar auch eigene Probleme mit sich, etwa dass die Macher der Serien von diesen Diskussionen genug eingeschüchtert werden, dass sie Plots ändern. Doch ist es erst einmal ein gigantischer Vorteil gegenüber dem Film, der einmal erscheint, besprochen wird und dann vermutlich schnell vergessen, weil das nächste filmische Großereignis ansteht. Ein Abfall von über 60% an Zuschauern von der ersten zur zweiten Woche eines Blockbusterfilms ist nichts Besonderes.

Filmstudios tun einiges um dem entgegenzuwirken. Das Auffälligste dabei ist natürlich das „Cinematic Universe“, was quasi das Prinzip der Serie auf das Kino überträgt. Jeder neue Film ist Teil eines Ganzen und wird als Teil dieses Ganzen wahrgenommen und besprochen. Das beflügelt „Hype“, Spekulation und Diskussion im Internet ganz erheblich. Weniger auffällig aber ähnlich wichtig, ist der Umgang mit Trailern. Für viele Filme gibt es schon gut zwei Jahre bevor sie erscheinen, einen oder mehrere kurze Teaser. Über die Jahre verteilt dann etwa drei richtige Trailer und kurz vor Erscheinen einen „Final Trailer“. Ist es ein Marvel oder DC Film darf natürlich auch ein spezieller ComicCon Trailer nicht fehlen. Da kann es schon mal sein, dass eine gute Viertelstunde inklusive vieler Schlüsselszenen des Films im Voraus verbraten werden. Doch auch hier wird der Effekt beflügelt, dass man immer neue Diskussionen anstoßen möchte.

Der Film imitiert hier also genau das, was die Serie erfolgreich macht, steht sich damit aber womöglich auch selbst im Weg. Kann ich den neuen Marvelfilm schauen, wenn ich die vorigen 12 nicht gesehen habe? Das ist eine durchaus berechtigte Frage, bei einer Serie würde ich ja eben auch nicht in Folge 4 von Staffel 2 einsteigen. Und genervtes Augenrollen aufgrund zu verräterischer Trailer ist inzwischen mindestens so verbreitet wie die Diskussionen über diese Trailer.

Die andere große Konkurrenz für den Film sind natürlich Videospiele. Und auch die haben in den letzten Jahren das Ziel langlebiger, wie eine Serie, zu werden. Insbesondere Spiele mit hohem Budget von großen Entwicklern mit umfangreichem Marketing (sogenannte „Triple A“ Spiele). Ihr Ziel ist weniger ein Spiel zu sein, als ein Service, bei dem man sich mit Freunden zum Spielen trifft und auf verschiedene Art und Weise immer wieder für neue (oder besser noch alte) Inhalte bezahlt.

Versucht sich der Film auch hier etwas abzuschauen? Ich habe in der letzten Zeit fast das Gefühl. Nicht zuletzt weil Universal zuletzt, in einem verzweifelten Versuch den Megaflop ‚Cats‘ zu retten, zum ersten Mal einen Film offiziell „gepatcht“, also nachträglich verbessert hat. Etwas das für Videospiele geradezu trivial üblich ist. War das der Versuch interessierte aber enttäuschte Zuschauer ein zweites Mal ins Kino zu locken, mit dem Versprechen, diesmal würden sie eine (zumindest optisch) bessere Version sehen? Etwas ganz ähnliches haben wir bei ‚Avengers: Endgame‘ gesehen. Hier wurde zwei Monate nach Veröffentlichung eine sieben Minuten längere Version in die Kinos gebracht, die nicht einmal ausschließlich neue Szenen umfasste, sondern auch einen Tribut an den verstorbenen Stan Lee und die Eröffnungsszene von ‚Spider-Man: Far From Home‘. Disney hat hier gezeigt, wie man noch vor Heimveröffentlichungen aus demselben Film erneut Geld machen kann. Das wird von der Industrie sicherlich nicht übersehen werden, nicht zuletzt, weil der Film durch diesen „Stunt“ zum finanziell erfolgreichsten Film aller Zeiten (nicht inflationsbereinigt, siehe unten) wurde. Aber auch weil es bei den Fans der Filme eine direkte Nachfrage nach solchen neuen Versions-Veröffentlichungen gibt. Bei ‚Justice League‘ etwa fordert eine sehr laute Minderheit seit Jahren die Veröffentlichung einer Version von Regisseur Zack Snyder, die sich deutlich von der von Joss Whedon vollendeten Kino-Version unterscheiden soll. Inzwischen hat sich Snyder selbst diesem Wunsch nach dem „Snyder-Cut“ angeschlossen und es scheint durchaus möglich, dass Warner den Film in dieser anderen Version erneut veröffentlicht.

Ein Blockbuster, mit dem sich mehrfach Geld verdienen lässt, ist sicherlich ein Traum für die großen Studios. Man läuft hier aber auch Gefahr nur eine sehr kleine Hardcore-Fangemeinde anzusprechen und insbesondere jene (potentiellen) Zuschauer, die sich schon jetzt beschweren, dass die Kinos mit Franchise Inhalten völlig verstopft sind, weiter zu vergrätzen. Mal ganz davon abgesehen, dass Zuschauer meist auch nicht ganz doof sind und bald verstanden haben werden, dass man zwei Monaten später eine längere Version sehen kann. Wozu dann erst die „unvollständige“ schauen?

Und wo wir gerade schon über Kinos reden, lasst mich erwähnen, dass die Lichtspielhäuser in keiner beneidenswerten Position sind. Nach zwei Jahrzehnten schmerzhaft teuren Aufrüstens mit Digital- und 3D-Technologie, die jedoch nicht eben zu einem extremen Zuwachs an Zuschauern geführt haben, sind vielerorts ohnehin nur noch die Multiplexe übrig. Und die befinden sich jetzt in einer Zwickmühle, in der zwei Seiten, die ihnen nicht allzu wohlgesonnen sind, immer mehr Bedeutung gewinnen. Einerseits der krakenhafte Disney-Konzern, der zumindest schon einmal in Nordamerika deutlich macht, dass er der Darth Vader-Schule der Marktwirtschaft („I have altered the deal! Pray that I do not alter it further!“) folgt, indem er immer höhere Anteile an Kartenerlösen fordert und scheinbar willkürlich den Verleih von Katalogtiteln aus dem eigenen Fundus aber nun auch dem umfangreichen FOX-Archiv untersagt. Andererseits der den Kinos oft genug in mehr oder weniger offener Feindseligkeit gegenüberstehende Streaming-Riese Netflix, der sogar die Datenerhebung zu Erfolg oder Misserfolg ihrer Filme im Kino untersagt. Da überrascht es kaum noch, wenn Kinos den Eindruck überteuerter Süßwarentheken mit angeschlossenem Lichtspielhaus erwecken.

Nun kann man aber auf eine Liste der erfolgreichsten Filme schauen und sehen, dass acht der zehn erfolgreichsten Filme aus den 2010ern stammen. Damit hat sich diese ganze Diskussion doch erübrigt, oder? Ich denke, nicht wirklich. Und zwar aus zwei Gründen. Nach einer Inflationsbereinigung bleiben davon nämlich nur noch zwei Filme übrig. ‚Avengers: Endgame‘ auf Platz 5 und ‚Das Erwachen der Macht‘ auf Platz 10. Und vor allem muss man sich vor Augen führen, dass die Milliardenerfolge der letzten Jahre keinesfalls damit erreicht wurden, dass in etablierten Märkten mehr Leute ins Kino gelockt wurden, sondern indem mit Russland und vor allem China neue Märkte erschlossen wurden. Das sind nicht eben die stabilsten Märkte für Filme. Gerade die chinesische Führung lässt es sich nicht nehmen, einen Film noch eine Woche vor dem geplanten Kinostart überraschend zu verbieten. Der Fairness halber sei aber erwähnt, dass der chinesische Markt auch schon im Alleingang westliche Filme finanziell gerettet hat. Bekanntestes Beispiel ist hier sicherlich der vielgescholtene ‚Warcraft‘.

Es ist nur eben ein stets schwer zu kalkulierendes Risiko, das die kreative Arbeit an Blockbustern noch einmal weiter einschränkt, als die üblichen marktwirtschaftlichen Erwägungen das ohnehin schon tun. Und auch diese übermäßige Vorsicht kann in der Zukunft zu einem ernsten Problem bei der Publikumsfindung werden, oder ist es möglicherweise schon.

Lasst mich noch einmal deutlich machen: ich meine nicht, dass Serien oder Videospiele „besser“ sind als Filme. Für meinen Geschmack ist genau das Gegenteil der Fall. Ich liebe Film und ich verstehe den Wert und auch die Notwendigkeit großer Studios für Blockbuster, selbst wenn ich sie nicht alle mag. Und doch werde ich eben das Gefühl nicht los, dass in den letzten Jahren der Blockbuster nicht mehr den Markt formt, sondern verzweifelt versucht sich ihm anzupassen. Das wird sicherlich auch noch verstärkt durch das verstörende Treiben Disneys in Richtung Monopolstellung, das Konkurrenten umso vorsichtiger macht und bei Disney ein pures „immer weiter so und bloß nichts Neues“-Gefühl ausgelöst zu haben scheint.

Seht Ihr das auch so? Oder habe ich völlig Unrecht? Ist insbesondere der Blockbusterfilm in einer kreativen Hochphase, die ich einfach nicht sehen kann?

Top 10 Filme von damals: 1980 Platz 5 bis 1

Nachdem wir letzte Woche die Plätze 10 bis 6 der westdeutschen Kinocharts von 1980 behandelt haben, wenden wir uns heute der oberen Hälfte der Top 10 zu.

 

  1. ‚Der letzte Countdown‘

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob ich diesen Film je gesehen habe. In Don Taylors letzter Regiearbeit wird der (damals) moderne US-Flugzeugträger Nimitz durch ein mysteriöses Unwetter durch die Zeit zurückversetzt an den Tag vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbor. Ich hätte hier nun ein moralisches Dilemma erwartet, ob man die Flotte warnen, oder gar selbst in den Konflikt eingreifen sollte mit der Aussicht die Geschichte auf unvorhersehbare Weise, aber sicherlich entscheidend, zu verändern. Anscheinend ist das aber wohl keine Frage die sich stellt, für die Kommandanten ist das Eingreifen fraglos und wird letztlich nur durch das Drehbuch verhindert. Kontemporäre Kritik lässt den Film nach einer puren Technik-Demonstration klingen. Nach einem Film von der Navy gesponsert. Einem Film wo moderne Tomcats 35 Jahre alte Zeros mal so richtig fertigmachen. Wie gesagt, ich kenne ihn nicht, klingt aber auch nach nichts, was ich unbedingt sehen müsste. Falls ich falsch liege, klärt mich gern in den Kommentaren auf.

  1. ‚Theo gegen den Rest der Welt‘

Und schon wieder muss ich Unkenntnis eingestehen. Den Vorgänger, ‚Aufforderung zum Tanz‘, in dem Marius Müller Westernhagens Theo und sein Kumpel Enno den Traum von einer eigenen Spedition träumen, habe ich vor langer, langer Zeit gesehen und der gilt als eines der frühesten Beispiele der Ruhrpott-Komödie. Es klingt so als wäre ‚Theo gegen den Rest der Welt‘ eher ein Roadmovie, in dem Westernhagens Charakter dem endlich eigenen Laster, der natürlich sofort geklaut wird, durch halb Europa hinterherjagt. Die Filme klingen durchaus interessant und scheinen einen gewissen Zeitgeist einzufangen, daher bin ich durchaus interessiert sie zu sehen. Wo mein Auge allerdings bei der Lektüre über den Film tatsächlich hängen blieb war, dass die Fernsehausstrahlung des Films erst sieben Jahre später erfolgte! Wann genau eine VHS-Auswertung erfolgte konnte ich nicht ermitteln, aber bei weitem nicht jeder hatte in den 80ern einen Videorekorder. Und wenn man keinen hatte, dann musste man nach dem Kinobesuch womöglich eben sieben lange Jahre warten, um einen Film wiederzusehen. Kein Wunder, dass Wiederaufführungen damals ein solcher Erfolg waren, wie wir später noch sehen werden.

  1. ‚Der Supercop‘

Diesmal schaffen es Bud Spencer und Terence Hill nicht gemeinsam in die Charts. Aber dafür hat auch Hill seinen eigenen Solo-Auftritt. Und wo Spencer in eine SciFi Richtung ging, wollte wohl auch Hill nicht hinterherstehen und versucht sich hiermit gar an der damals noch völlig unüblichen Superheldenthematik, vielleicht inspiriert vom Erfolg ‚Supermans‘. Hills Streifenpolizist soll tief in den Everglades einen Strafzettel zustellen, als zum einen eine mysteriöse Plutonium-beladene Rakete startet und er zum anderen von einem Krokodil angegangen wird. Um das Tier zu verscheuchen schießt er in die Luft und trifft natürlich die Rakete, die sofort explodiert. Und ihn mit allerlei Superkräften (Röntgenblick, Schnelligkeit, Unverwundbarkeit, Kraft…) ausstattet, die jedoch allesamt verpuffen, wenn er die Farbe Rot sieht. ‚Django‘-Regisseur Sergio Corbucci hinter der Kamera, Hill davor, Dreh an Originalschauplätzen und eine innovative Thematik, was soll da schief gehen? Einiges wie sich rausstellt. Spencer und Hill beziehen ihren Charme vor allem daraus, wie überraschend feste ihre Durchschnittstypen um sich hauen können. Liefert man dafür eine (absurde) Erklärung, dann geht eine ganze Menge von diesem Charme flöten. In Spencers Abenteuern mit dem Außerirdischen Charlie hat man darauf geachtet, dass er noch der Durchschnittstyp (mit einem Faustschlag wie ein Dampfhammer) in einer außergewöhnlichen Situation ist. Hier ist Hill das außergewöhnliche Element und zumindest für mich funktioniert das nicht. Da kann auch Hollywood-Urgestein Ernest Borgnine, spielfreudig wie immer, als Hills Vorgesetzter nichts mehr retten.

  1. ‚Aristocats‘

Und hier ist sie die diesjährige Disney-Klassiker Wiederveröffentlichung. Anders als im letzten Jahr mit ‚Das Dschungelbuch‘ reicht es diesmal nicht ganz für die Spitze der Charts, doch ein zweiter Platz ist für einen zehn Jahre alten Film immer noch sehr respektabel. Es war der erste abendfüllende Disney-Zeichentrickfilm, der nach dem Tode Walts erstellt wurde. Regie führte, wie auch schon beim Dschungelbuch und später bei ‚Robin Hood‘ der deutschstämmige Wolfgang Reitherman. Und während sich die Geschichte um eine Katzenfamilie, die von ihrer reichen Besitzerin im Paris der Wende vom 19ten zum 20sten Jahrhundert als Erben eingesetzt werden und dann vom eifersüchtigen Butler beseitigt werden sollen, gut in die Reihe der bisherigen Disneyfilme einfügt, hat der Film doch ein wenig das Problem des „business as usual“. Zu sehr blickte man zurück darauf, was Walt getan hat, was für ihn funktioniert hat, was dessen stetem Drang zur Innovation aber exakt zuwiderlief. Ein Problem, das Disney erst in den späten 80ern wirklich in den Griff bekam, um dann in den 90ern eine gewaltige Renaissance zu erleben. Dennoch ist ‚Aristocats‘ ein gelungener Film, der vor allem von seiner guten Beobachtung katzischer Verhaltensweisen lebt.

  1. ‚Das Imperium Schlägt Zurück‘

Mag der Erfolg des ersten ‚Krieg der Sterne‘ noch eine echte Überraschung gewesen sein, ist es der Erfolg der Fortsetzung keineswegs. George Lucas und Lucasfilm hatten die Weltraumsaga mit dem festen Plan begonnen nicht nur Filme zu veröffentlichen, sondern ein ganzes Universum darum herum. Und so waren es nicht nur Fanzines, die die Begeisterung über die nächsten Jahre am Laufen hielten, es waren auch die Macher selbst. Mit Comics, einem ersten Roman und jeder Menge Merchandise. Dabei hatte beim ersten Film niemand mit dem Erfolg gerechnet. Als Lucas dem Spielzeugriesen Mattel 1977 die Rechte für eine Figurenserie seines Films anbot, lehnte man dankend ab (später zeigte Mattel dann mit den ‚Masters of the Universe‘, dass es gar nicht mehr nötig war für Actionfiguren auf ein erfolgreiches Medienfranchise zu warten, man kann es einfach selbst erschaffen, eine Lektion die viele andere Hersteller aufmerksam verfolgten. Aber das ist eine andere Geschichte). Es war der relativ unbekannte Hersteller Kenner, der die Lizenz erwarb, dann selbst vom Erfolg überrascht wurde und kaum die Nachfrage befriedigen konnte. Spielberg mag mit ‚Der Weiße Hai‘ den Blockbuster begründet haben, Lucas hat gezeigt, wie man auch ohne einen Film die Hype-Maschine am Laufen hielt. Da wird es ihn vermutlich nicht allzu sehr grämen, dass er bei Irvin Kershners Film, der allgemein als der beste der originalen Trilogie gilt, das geringste kreative Input hatte. Der Film blieb dem Original in vielen Dingen treu, etwa den Mono-Biom-Planeten, erweiterte das Universum aber um beliebte Charaktere wie den weisen Muppet-Jedi-Meister Yoda, den eleganten Capeträger Lando und Fanfavorit und Kopfgeldjäger Boba Fett, der sich durch wahrlich beeindruckendes Herumstehen auszeichnet. Auch verkomplizierte er die allzu simple gut/böse Stellung durch gewisse Enthüllungen, die heute kaum noch Spoiler sind, die ich hier trotzdem nicht nenne. Vor allem aber lieferte er unglaubliche Schauwerte. Von der gigantischen Schlacht auf dem eisigen Planeten Hoth über riesige Weltraumtiere und Hans Pilotentricks bis zu einer Minenstadt, die über einem Gasriesen schwebt. Und so würde der Nachschub an neuen Geschichten und neuen Spielzeugen auch bis zum dritten Film und weit, weit darüber hinaus nicht abreißen, die Hype-Maschine quasi ein Perpetuum Mobile werden.

Und das waren sie, die Top Ten von 1980. Vier der Filme sind europäische Produktionen, wobei sowohl der Spencer als auch der Hill Film in den USA gedreht wurden und sich beide sehr um eine amerikanische Wirkung bemühen. Einer der vier ist eine deutsche Produktion. Dazu kommt mit ‚Mad Max‘ ein australischer Film. Die anderen fünf sind US-Produktionen. Das sind zwei europäische Produktionen weniger als im letzten Jahr. Lässt sich hier bereits ein Trend zur Amerikanisierung der Charts erkennen? Ich meine, dafür haben wir noch deutlich zu wenige Datenpunkte. Spannend ist, dass viele Filme, über die man heute weit mehr redet als viele von denen, die es in die Charts geschafft haben, weiter unten stehen. ‚Blues Brothers‘ etwa steht auf Platz 13. ‚Shining‘ auf Platz 14. ‚Das Leben des Brian‘ auf Platz 21. Der erste ‚Star Trek‘ Film gar nur auf Platz 26. Und ‚Freitag der 13te‘ auf Platz 39. Aber gut, da war auch noch Jasons Mutti der Mörder und Horror hatte es in Deutschland noch nie leicht und die Reihe würde, sofern nicht indiziert, ihr Publikum eh erst auf VHS finden. Positiv überrascht hat mich, wie erwähnt, die Platzierung von ‚Mad Max‘. Ansonsten war ich überrascht, wie viele Filme ich gar nicht kenne, oder ewig nicht gesehen habe. Ich kann jetzt schon versprechen, dass das im nächsten Jahr besser wird.

Mein Plan für diese Reihe ist momentan jeden Monat ein Jahr zu behandeln. Sollte das nicht klappen (was wahrscheinlich ist) würde ich dennoch gern zumindest die 80er in diesem Jahr behandeln. Wir werden sehen was passiert, aber das ist der augenblickliche Plan.