Wenn Kleopatra im Himmelstor baden geht – vom Film-Flop

Was ist das eigentlich, ein Flop? Nur um das gleich klarzustellen, ich rede hier nicht von rein kritischen Flops. Jeder einzelne ‚Transformers‘ Film wurde von der Kritik zerrissen aber niemand denkt über die Filme als „Flop“. Kritikerschelte (und unzufriedenes Publikum) ist ein Teil des „Flop-tums“ aber nicht das Wesentliche. Ordentlich Verlust muss ein Film einfahren, um ein Flop zu sein. Ein kleiner Film kann eigentlich gar nicht floppen, auch wenn gelegentlich in Medien gerne mal Geschichten von Filmen auftauchen, die in einem Land nur 30 Währungseinheiten eingespielt haben. Der Grund dafür ist aber immer der dass die Macher für einen Tag ein kleines Kino gemietet haben, um rechtliche Bestimmungen zu erfüllen, der Film aber eigentlich fürs Heimkino gedacht ist. Nein, eine gewisse Gigantomanie ist für einen „richtigen“ Flop unverzichtbar. Um ein genaueres Bild zu bekommen, was unsere Idee eines Flops ausmacht ist es vielleicht hilfreich auf eine Reihe quasi-mythologischer Flops zu blicken. Einen von denen werdet ihr sicher schon vor Augen haben. Aber während wir das machen, habe ich eine Frage für euch: was ist der (bislang) größte Flop von 2017? Die Antwort gibt es später (nicht spicken!). Weiterlesen

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„Ist das Kunst oder kann das weg?“ – von der Langzeitaufbewahrung von Filmen

In manchen Dingen bin ich ziemlich altmodisch. Gerade was den Film angeht mag ich meine physischen Medien. Eine physische Sammlung von Filmen verlangt aber immer nach einem gewissen Maß des Kuratierens. Ich kann nicht alles behalten, eine endliche Menge an Platz gebietet es gelegentlich Filme auszusortieren, sie weiterzuverkaufen oder zu verschenken, wegwerfen tue ich sie bestimmt nicht. Fällt mir ein Film auf, den ich ewig nicht gesehen habe, stelle ich mir die Frage „würde ich den vermissen?“ Wenn ich die nicht mit einem deutlichen „Ja“ beantworten kann kommt er weg und schafft Platz für Neues. Anmerkung des Autors: das oben Beschriebene ist ein Idealzustand. Aus meinem Augenwinkel sehe ich derzeit zwei große Stapel nicht eingeordneter Medien, deren Statik langsam an den schiefen Turm von Pisa zu erinnern beginnt aber tun wir für diesen Artikel einmal so, als besäße ich die behauptete Disziplin. Um die Nutzbarkeit dieser Medien muss ich mir eigentlich keine Gedanken machen. DVDs sollten idealerweise 100, BluRay Disks ca. 80 Jahre halten. Die Medien werden also zumindest theoretisch eher länger in funktionstüchtigem Zustand auf dieser Welt verweilen als ich. Die Frage ist, ob es in 10 oder 20 Jahren noch kompatible Abspielgeräte geben wird, wenn meine einmal den Geist aufgeben. Weiterlesen

„Ich wusste, dass er das sagen würde“ – vom Klischee im Film

Stell Dir vor Du bist in einem Horrorfilm! Der maskierte Mordbube mit Machete ist soeben in Deinem Wohnzimmer aufgetaucht. Du rennst in Richtung Eingangstür des Hauses. Bist Du ein Nebencharakter entscheidest Du Dich die Treppe nach oben zu nehmen. Nun sitzt Du in der Falle und stirbst. Schade eigentlich. Aber nehmen wir an Du bist ein Protagonist und möchtest stattdessen durch die Haustür. Die ist natürlich verschlossen und der Schlüssel entgleitet Deinen zitternden Fingern, während der bummelige Berserker unaufhaltsam näher kommt. Doch Du schaffst es in der letzten Sekunde die Tür zu öffnen und rennst los. Nach einigen Schritten stolperst Du und fällst hin, um dem schlendernden Schlitzer eine weitere Chance zum Aufholen zu geben. Du erreichst das Auto, die Szene mit dem Schlüssel wiederholt sich noch einmal an der Wagentür. Du schaffst es hinein aber das Auto will nicht anspringen. Schon hat der mäandernde Massenmörder das Seitenfenster eingehauen und greift nach Dir! Beim letzten, verzweifelten Versuch spielt das Auto dann doch mit und Du braust davon. Doch den Klischees entkommst Du nicht. Weiterlesen

Wenn der Franchise-Wahn seltsame Blüten treibt

Ein gut laufendes Franchise ist – so hat es zumindest den Anschein – für ein Hollywoodstudio so eine Art Gelddruckmaschine. Und da es grundsätzlich nicht weh tut davon eine oder zwei im Keller zu haben, ist man in Hollywood immer auf der Suche nach „neuen“ Franchises. Okay, neu müssen sie nicht unbedingt sein, solange der Name noch bekannt ist darf es auch durchaus alt sein. Filmserien wie ‚Star Wars‘, ‚Alien‘ oder ‚Terminator‘ werden mehr oder weniger erfolgreich am Leben gehalten, während in Frieden geendete Franchises früher oder später ein Remake, ein Reboot oder schlicht eine direkte Fortsetzung bekommen.

Für den Nachschub an tatsächlich neuen (Film-)Franchises sorgt, neben den allgegenwärtigen Superheldencomics, vor allem das Genre der Jugendliteratur, oder Young Adult (kurz YA) im Englischen. ‚Harry Potter‘ zum Beispiel. Oder auch ‚Die Tribute von Panem‘ oder ‚Twilight‘. Wobei die beiden letzten ihrerseits, laut Studio Lionsgate, wiederum Fortsetzungen erhalten sollen, es wäre ja schade die Maschinen still stehen zu lassen, wenn noch Geld darin ist. Verzeihung, ich meine natürlich wenn „noch Geschichten zu erzählen sind“, wie Studio Boss Jon Feltheimer der Branchenseite Variety erzählt[1]. Daher dürfte inzwischen die Verfilmbarkeit auch für die Autoren von YA Büchern ein Faktor sein, den es zu bedenken gilt. Um verfilmt zu werden, sollte das Buch aber besser erst einmal ein Bestseller werden. Und was ein solcher ist, das bestimmt in den USA vor allem die Bestseller-Liste der New York Times. Wie ein gerade geschehener Fall zeigt, kann das manchmal nicht ganz saubere Begehrlichkeiten wecken.

Lani Sarem ist Schauspielerin. Sie ist in ein paar Kleinstrollen in Filmen zu sehen (z.B. ‚Der Kaufhauscop 2‘), die es meist nicht einmal in die Credits schaffen. Nebenbei ist sie auch Managerin für einige Bands. Und nun hat sie ein YA Buch mit dem Titel ‚Handbook for Mortals‘ geschrieben, das einige autobiografische Züge aufweisen soll. Ende Juli veröffentlicht die Seite Hollywood Reporter einen Artikel, der erklärt, dass es das erste Buch des Verlags „GeekNation“ sei, der aus einer Website gleichen Namens hervorgegangen ist. Auch weist der Artikel darauf hin, dass eine Verfilmung so gut wie beschlossene Sache ist. Der aus der ‚American Pie‘ Reihe bekannte Thomas Ian Nicholas würde produzieren und die männliche Hauptrolle übernehmen, Lani Sarem selbst die weibliche. Beide kennen sich, weil sie einmal seine Band gemanagt hat. Und somit besteht natürlich direkt Aussicht auf ein Franchise.[2] Soweit so unspektakulär.

Merkwürdig wird es eine Woche nachdem das Buch als Hardcover erschienen ist. Da taucht es nämlich völlig überraschend an Platz 1 der New York Times YA Bestseller Liste auf. Aber nicht mit den branchenüblichen 5000 verkauften Büchern, sondern mit mehr als 18000. Und das obwohl die einzigen Beiträge die man in Sozialen Medien dazu finden kann verwirrte Variationen von „kennst Du das Buch?“ sind. Das brachte einige Leute dazu Untersuchungen anzustellen. Wer die recht lange Internet-Detektivgeschichte, die sich nun entspann nachlesen möchte kann (und sollte) das auf der Seite pajiba.com tun. Ich werde hier nur die Ergebnisse wiedergeben.

Es ist nicht gänzlich unüblich, das Bücher von ihrem eigenen Autor/Verlag zu allen möglichen Zwecken aufgekauft werden. Gerade bei Büchern politischer Kommentatoren z.B. passiert das in den USA häufig. Daher geben Buchhandlungen Einkäufe größerer Mengen als geschäftliche Käufe weiter, was von der NY Times in ihren Bestseller Listen mit einer entsprechenden editorischen Notiz versehen wird. Die Mengen dafür liegen bei großen Händlern wie Amazon bei 30 Stück pro Bestellung, bei kleineren, unabhängigen Händlern aber bei 80. Nun sieht es so aus als wären vom ‚Handbook for Mortals‘ gezielt bei unabhängigen Händlern, die an die NY Times melden große Mengen an Büchern (aber jeweils unter den benötigten 80) bestellt worden, mit dem Hinweis es sei egal, wann sie geliefert würden. Das addierte sich auf zu den über 18000 Büchern. Da der Verlag aber anscheinend gar nicht vor hat große Mengen von dem Buch zu drucken (es ist derzeit nirgendwo erhältlich) können die Händler keine Ware liefern, der Verkauf gilt aber als getätigt. Die Idee ist wohl das Buch auf diese Weise in die Bestsellerliste zu katapultieren und zu einem späteren Zeitpunkt den Kauf rückgängig zu machen (problemlos, es ist ja keine Ware übergeben worden). Jedenfalls hat die NY Times, als sie auf diese Unstimmigkeiten aufmerksam gemacht worden ist, das Buch aus ihrer Liste gestrichen.

Welchem Zweck diese Aktion nun dienen sollte, darüber kann man im Moment nur spekulieren. Will Frau Sarem ihre Schauspielkarriere pushen? Ist der Filmdeal an Platz 1 der Bestsellerliste gebunden? Will GeekNation auf ihr erstes verlegtes Buch aufmerksam machen? Vielleicht wird die Zukunft hier Antworten bringen. Sicher ist nur, dass YA Literatur und damit verbundene Filmdeals inzwischen ein Millionengeschäft sind. Ein Millionengeschäft, das an offenbar sehr leicht manipulierbare Zahlen gebunden ist. Hätten die Täter sich hier nur etwas geschickter angestellt und es mit den Zahlen nicht ganz so übertrieben, wer weiß, es hätte funktionieren können.

 

[1] http://variety.com/2017/film/news/lionsgate-ceo-more-hunger-games-twilight-1202520074/

[2] http://www.hollywoodreporter.com/news/geeknation-launches-book-publishing-arm-partners-lani-sarem-ya-series-handbook-mortals-1024909

Das Wort im Bild verdreht: Autoren, die mit der Verfilmung Ihrer Bücher unglücklich sind

Buch und Film sind zwei Medien, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Ein Buch arbeitet rein über das Wort, über die Beschreibung, über seine Prosa. Film ist ein optisches Medium, ein Film zeigt, er muss zeigen, dass macht ihn aus. Literarische Stilmittel sind unmöglich 1 zu 1 auf den Film übertragbar, die Verfilmung eines Buches kann also stets nur versuchen die Essenz der Vorlage einzufangen. Ein weiterer wichtiger Unterschied, der uns hier beschäftigen wird ist, dass ein Buch üblicherweise der Ausdruck der künstlerischen Vision einer einzelnen Person ist, ein singuläres Werk. Selbst der größte Vertreter der Auteur-Theorie wird aber wohl zugeben, dass ein Film fast immer ein kollaboratives Werk ist. Manche Regisseure oder Produzenten können einem Film sicherlich gut sichtbar ihren Stempel aufdrücken, doch am Ende kommen auch sie nie ohne Darsteller, Kameraleute, Beleuchter oder Komponisten aus. Dass Autoren gelegentlich ihre eigene, singuläre Vision in einem Film nicht mehr wiederfinden überrascht also nicht. Heute will ich mir mal einige herausragende Fälle ansehen. Und um Missverständnissen vorzubeugen: Die im Folgenden wiedergegebenen Ansichten der Autoren sind nicht die meinen. Weiterlesen

Lasst uns über Filme klönen: Film & Interaktivität – Teil 1 Grundlagen und Geschichte

Heute beginnen wir das Klönen schon direkt im Artikel, denn ich habe mir jemanden eingeladen, der tatsächlich mal ganz offiziell Ahnung vom Thema hat. Den „Spieleforscher“ nämlich, aka Dr. Christian Roth, Forscher und Dozent am Lektorat für Interaktives Narratives Design der University of the Arts Utrecht. Mit ihm möchte ich hier und in einem folgenden Artikel über den scheinbaren Antagonismus und die symbiotischen Möglichkeiten von Film und Interaktivität sprechen, ein Gespräch, von dem wir hoffen, es mit Euch in den Kommentaren fortsetzen zu können.

Im Folgenden werde ich die Abkürzungen SF für den Spieleforscher und FL für mich (sprich, filmlichter) verwenden. Weiterlesen