Patty Jenkins und die „Fake Movies“

Regisseurin Patty Jenkins hat sich mit einer Aussage in einer Panel Diskussion bei der CinemaCon dieses Jahr recht unbeliebt gemacht. Es geht, wieder einmal, um die Rivalität zwischen Streaming und Kino. Jenkins war zutiefst unglücklich, dass ihr ‚Wonder Woman 1984‘ letztes Jahr gleichzeitig in Kino und Streaming veröffentlicht wurde. Hierin sieht sie den Grund, warum der Film nicht einmal sein Budget wieder eingespielt habe. Das ist sicherlich mehr als diskutabel. Eher mäßige Kritiken und, ach ja, eine globale Pandemie könnten dabei durchaus auch ihren Anteil gehabt haben.

Jedenfalls ist Frau Jenkins noch nicht fertig mit ihrem Unmut über Streaming. Bei der CinemaCon sagte sie: „Sehen Sie das denn nicht? All diese Filme, die Streaming Dienste veröffentlichen, tut mir leid, die sehen für mich nicht wie echte Filme aus („look like fake movies to me“). Ich höre nichts über die, ich lese nichts über die. Das funktioniert doch nicht als Modell, um legendäre Großartigkeit zu schaffen.“*

Natürlich erntet sie für diese Aussage in Folge von ‚WW84‘ vor allem Häme. Ich habe ‚WW84‘ nicht gesehen und damit keine Grundlage für Häme, also warum schauen wir uns ihre Aussage nicht einmal genauer an. Hat sie womöglich doch ein bisschen Recht?

Mein Bauchgefühl sagt erst einmal, nein. Wenn Du Deinen Film auf Netflix oder Amazon Prime kriegst, dann hast Du doch quasi schon ein eingebautes Publikum. Ein Publikum, das Du nicht mehr überzeugen musst überhaupt eine Karte zu kaufen. Ein Publikum, das nicht einmal vom Sofa aufstehen muss! Ein Publikum, das nur noch auf Deinen Film klicken muss, um Deine „legendäre Großartigkeit“ zu entdecken. Oder wenigstens Dein gesundes Selbstbewusstsein.

Aber genau das ist wohl gar nicht so leicht, oder? Jemanden dazu zu bekommen auf Deinen Film zu klicken. Dafür muss diejenige ihn ja erst einmal finden können. Oder wissen, dass er existiert. Und ich bin mir als langjähriger Prime Abonnent sicher, dass mir in der Zeit dutzende Filme entgangen sind, die mich interessiert hätten, von denen ich aber schlicht nichts wusste. Streaming Dienste, so scheint es mir wenigstens, machen nicht häufig Werbung für ihre Filme. Und wenn dann nicht sonderlich effektive. Die einzigen Filme, die „echte“ Promo-Kampagnen bekommen, scheinen die von im Kino etablierten Regisseuren zu sein. Finchers ‚Mank‘, Scorseses ‚The Irishman‘ oder Snyders ‚Army of the Dead‘ etwa. Sollte man etwa annehmen, dass die Streaming Anbieter einen Gutteil ihrer Filme selbst für „fake movies“ halten? Oder ist es in der Content-Schwemme schlicht nicht möglich oder sinnvoll jeden Film großartig zu bewerben? Was natürlich die Frage nach sich zieht, ob das im Kino immer grundsätzlich anders ist. Auch hier hört man ohne eigenes Zutun nicht zwangsläufig von jedem Film. Oft genug vielleicht gerade von den besonders interessanten nicht.

Eine andere Sache ist, dass Film quasi grundsätzlich eine Mischung aus Kunst und Kommerz ist. Teil der „legendären Großartigkeit“ von Filmen ist, zum Guten wie zum Schlechten, immer auch ihr finanzieller Erfolg. ‚Der Weiße Hai‘ ist nicht einfach nur ein grandioser Film, er ist auch der „Erfinder“ des Sommer-Blockbusters. Der finanzielle Erfolg, die Nummer 1 in den Charts zu sein ist dann natürlich noch einmal eigene, kostenfreie Werbung. Im Kino ist diese Erfolgsmessung relativ simpel. Wie viel der Film eingespielt (abzüglich versch. Kostenfaktoren) hat, aufgerechnet gegen sein Budget.

Netflix hat zwei ‚Knives Out‘ Sequels für über 400 Millionen Dollar gekauft. Wie viele neue Kunden müssen die anlocken, wie viele Kunden für ein weiteres Jahresabo halten, damit sich das rechnet? Und wie misst Netflix das überhaupt? Derartige Interna erfahren wir natürlich nicht. Die Kinos hingegen haben großes Interesse daran, dass öffentlich wird, welcher Film wie gut läuft, damit sie ihren begrenzten Raum möglichst ökonomisch nutzen können.

Jetzt kann man sagen, pah, wen interessieren denn heute noch klassische Werbekampagnen? Werbemails liest außerdem eh keiner. Wer guckt denn noch auf Charts, außer Langweiler mit Statistik-Fetisch? Steht ja eh ein Disneyfilm auf Platz 1. Wir leben im Zeitalter der sozialen Medien. Hier musst Du die Durchdringung schaffen. Hier kann es Dir gelingen „viral“ zu werden. Und weil es dafür kein Patentrezept gibt, demokratisiert das den Werbeprozess sogar. Eine etablierte Marketingfirma kann hier problemlos gegen ein glücklich platziertes Meme verlieren. Das kann alles sein. Allerdings ist das große Problem der sozialen Medien ihre Fragmentierung und ihre Volatilität. Nicht nur das man hier die scharf voneinander abgegrenzten Meinungsblasen hat, die sich oft genug nur begegnen um einander zu „flamen“, ein erfolgreiches Meme aus einem Film hat keineswegs die logische Folge, dass dadurch mehr Leute in den Film strömen. Beides ist ebenfalls scharf voneinander abgegrenzt. Und mit etwas Pech morgen ohnehin vergessen, wenn ein Video von einem Molinasittich auftaucht, der zum „Wellerman“ tanzt.

Was bleibt? Frau Jenkins Aussage zu „fake movies“ ist sicher eine reichlich dreiste und bewusst provozierende. Aber Tatsache bleibt auch, dass in der Content-Schwemme sicherlich eine ganze Menge hinten runter fällt. Unser kulturelles Gedächtnis scheint sich, nicht zuletzt aufgrund des Überangebots, immer mehr zu verkürzen. Der Entdeckerdrang die wirklich interessanten Dinge zu finden ist nicht mehr gegeben, einfach weil uns bereits so viel Adäquates automatisch vorgesetzt wird. Ich weiß nicht wie die Zukunft des Kinos aussieht. Ich weiß aber genauso wenig wie die Zukunft des Streamings aussieht. Wenn ich mir ansehe, wie Netflix mit Geld umgeht, frage ich mich manchmal, ob es überhaupt eine Zukunft hat. Oder ob die Zukunft von beidem nicht einfach Disney heißt.

* „Aren’t you seeing it? All of the films that streaming services are putting out, I’m sorry, they look like fake movies to me. I don’t hear about them, I don’t read about them. It’s not working as a model for establishing legendary greatness.“

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 4 – Finale! (bis zum Reboot)

Nun also zu den modernen Franchises. Gibt es hier Beispiele für „tote“ Reihen? Muss es ja geben, oder? Schauen wir zunächst doch mal in die 80er, die immer noch für Remakes hergenommen werden. Irgendwas muss da doch durch die Lappen gegangen sein, oder?

Ich dachte, ich könnte ganz elegant mit einer Parallele zur letzten Woche eröffnen. Da ging es um den belendenschurzten Pulphelden Tarzan. Und diese Woche? Conan! ‚Conan der Barbar‘ war nicht nur der Durchbruch für Arnold Schwarzenegger, er ist, wenigstens in meinen Augen, auch heute noch ein gelungener Film. Und sei es nur für Basil Pouledouris brachialen Soundtrack. Danach wurde die Reihe mit ‚Conan der Zerstörer‘ und ‚Red Sonya‘, den Schwarzenegger nutzte, um sich von weiteren Conan-Verpflichtungen zu befreien, direkt aufs Trash-Gleis gelenkt. Eine Serie mit Ralf Möller in den 90ern blieb denn auch genau da. Gleich zwei Zeichentrickserien für Kinder gab‘s in den 90ern auch. Keine Ahnung wie das funktioniert, bei einem Charakter, der dadurch definiert ist, dass er mit einem Breitschwert ordentlich hinlangt. Und das Reboot mit Jason Momoa darf wohl als umfassend gescheitert beurteilt werden. Seit fast 10 Jahren versucht Arnie nun erfolglos einen Film aus Conans späten Jahren, als König, auf den Weg zu bringen. Perfektes Beispiel also, dachte ich. Aber nö. Netflix arbeitet derzeit sowohl an einer Conan als auch einer Red Sonya Serie. Also überhaupt nicht tot.

Nein, ein besserer Ansatz wäre der Humor. ‚Police Academy‘ ist nämlich „tot“. Sieben Filme in zehn Jahren, eine Zeichentrickserie und eine Realserie. Keine schlechte Bilanz für die unfähigen Polizisten. In den frühen 2000ern hielten sich denn auch Gerüchte um eine Fortsetzung. Die wurden zu Gerüchten um ein Reboot. Aber ganz ehrlich, wenn Steve Guttenberg noch 2018 behauptet, das Reboot käme jeden Moment raus, dann scheint da inzwischen eher der Wunsch Vater des Gedanken.

Und wenn wir bei 80ern und Humor sind, landen wir schnell bei ZAZ. Zucker/Abrahams/Zucker nämlich, die verantwortlich sind für die damalige Welle der Parodiefilme. Das größte Franchise hier ist fraglos ‚Die Nackte Kanone‘. Und ich nehme an, die ist in der Tat „tot“, denn ich kann mir keine Welt vorstellen, in der eine nackte Kanone ohne das komische Talent von Leslie Nielsen funktionieren könnte. Aber warum ist zum Beispiel ‚Hot Shots!‘ eine Duologie geblieben? Alberne Actionfilmklischees hätte es sicherlich noch genug gegeben. Mein persönlicher Eindruck ist, dass die Filmschaffenden diese Art von Film unterschätzt haben. In den 2000ern gab es durchaus immer noch Beispiele für den Parodiefilm, jedoch haben diese eine eigene Geschichte weitgehend aufgegeben und sich rein auf die „Verarsche“ bestimmter bekannter Szenen konzentriert. Heraus kam eine Ansammlung alsbald veralteter und schon anfangs selten komischer Sketche. Und so holte man für die späteren Teile von ‚Scary Movie‘ David Zucker zurück, der wohl mit Teil 4 und 5 wohl durchaus wieder Qualität schaffte. So weit bin ich in der Reihe aber nie gekommen. Und ‚Scary Movie‘ ist übrigens ebenfalls „tot“. Aber womöglich ist die Lebenserwartung dieser Parodiefilme einfach immer eng an das geknüpft, was sie parodieren.

Aber was ist mit „ernsthaften“ Franchises? Hier habe ich mich wirklich schwergetan, bis ich in den 2010ern angekommen bin. ‚Die Tribute von Panem‘ löste hier eine ganze Welle von „Young Adult“-Dystopie-Verfilmungen aus. Und während ‚Die Tribute von Panem‘ keineswegs „tot“ ist, ein Spin Off/Prequel-Film ist in Arbeit, sieht das für viele der Epigonen anders aus. Zwar haben auch ‚Maze Runner‘ oder ‚Divergent‘ ihre obligatorische Trilogie vollbekommen, aber ein ‚Chroniken der Unterwelt‘ oder ‚Die 5. Welle‘ scheiterten bereits nach dem ersten Film. Und für ‚Maze Runner‘ sieht es mit weiteren Fortsetzungen ebenfalls düster aus. Sowohl ein vierter Film als auch eine TV Serie sind noch in der Planungsphase wieder eingestellt worden.

Sind wir hier womöglich etwas auf der Spur? Sind „Mitläuferfranchises“ grundsätzlich gefährdeter als andere? Was meine ich mit Mitläuferfranchise? Nun, ein Parodiefilm braucht, notwendigerweise, etwas, das er parodieren kann. Ohne das kann er nicht existieren. Und die Hunger Games Epigonen sind schlicht Mitläufer im gewöhnlichen Sinne des Wortes. Ein Divergent wäre ohne den Erfolg der Tribute vermutlich nie verfilmt worden. Tatsächlich funktioniert das auch, wenn wir uns die Versuche anschauen, dem Marvel Cinematic Universe nachzueifern. Sei es ein ‚Amazing Spider-Man‘, der sich mehr in Worldbuilding verliert, als darin eine Geschichte zu erzählen. Oder natürlich das längst zur Pointe gewordene „Dark Universe“. Oder ist das Scheitern schlicht sichtbarer, wenn man sich von Anfang an an einen Erfolg dranhängt? Wenn eine originelle Idee floppt kriegt es vermutlich niemand mit, aber wenn „der neue [etablierten Erfolg hier einsetzen]“ baden geht, dann sind da viele die vermutlich mit dem Finger zeigen und lachen.

Ich denke, um nach langer, langer Zeit einmal die Frage aus dem ersten Teil zu beantworten, dass meine Behauptung, dass kein Franchise mehr sterben darf falsch ist. Es ist immer noch möglich ein Franchise derart auf Grund zu setzen, dass es abgewrackt werden muss. Was jedoch nicht mehr (oder wenigstens deutlich weniger) passiert, ist dass ein Franchise, in dem noch ein Funken Leben steckt, enden darf. Solange noch genug Leute den Namen erkennen ist ein Reboot oder eine neue Auflage als Serie nur eine Frage der Zeit. Meine Phrase werde ich dementsprechend in „kein Franchise wird je wieder enden dürfen“ ändern. Aber viel wichtiger ist doch die Frage, woran das liegt. Sind die Studios heute einfach grundsätzlich gieriger als früher? Daran zweifle ich mal stark.

Ich würde vermuten, die Langlebigkeit von Franchises hängt zu einem guten Teil von ihrer Verfügbarkeit ab. Bis in die 50er lief ein Film im Kino, dann war er weg, wenn er nicht wiederaufgeführt wurde. Mit dem Fernsehen begannen die Archive der Studios sichtbar zu werden. Und mit der VHS war ab den 80ern zum ersten Mal ein großer Teil der Filme für Interessierte  auf Abruf verfügbar. Aber auch ein neuer Absatzmarkt geschaffen. Plötzlich konnte man ein mögliches Sequel, dass sich im Kino nicht gerechnet hätte mit ein paar Abstrichen als Heimvideo herausbringen. Disney etwa, die sich durch Wiederaufführungen der Zugkraft ihrer Zeichentrickklassiker bewusst waren, begannen günstige VHS Fortsetzungen zu produzieren, quasi ein gleichzeitig Gegenteil und Vorläufer der gigantisch produzierten Realfilm-Neuauflagen. Beides dient dazu den bekannten Namen zu bedienen. Und nicht nur die Studios selber versuchen die bekannten Namen zu nutzen. Mit dem Heimkino kam auch der Mockbuster, der sich dem Blockbuster in Titel und Aufmachung anlehnt und versucht über unaufmerksame Eltern eine Verbreitung zu finden.

Heute haben wir die Ära der Heimmedien fast schon wieder hinter uns gelassen. Mit Streaming ist die Verfügbarkeit von Filmen und Serien annähernd trivial geworden. Doch ist mit Streaming auch der Bedarf nach immer neuem „Content“ entstanden. Streamingdienste müssen bestehenden Kunden Neues bieten um sie zu halten, aber auch neue Kunden locken. Von Netflix wissen wir, dass es für sie lohnender ist, eine neue Staffel eins einer Serie zu produzieren als eine Staffel drei oder vier einer erfolgreichen. Weil eine erste Staffel immer die meisten Zuschauer hat. Und um diesen beständigen Hunger nach ewig „Neuem“ zu stillen, ist es fast schon offensichtlich auf Bekanntes zurückzugreifen. Warum nicht eine dem Namen nach noch vage bekannte Filmreihe als Serie umsetzen? Wird es ein Erfolg, super, wenn nicht gibt’s eine neue Staffel 1 von was anderem.

Im Kino hingegen regiert der Blockbuster. Und der ist nicht experimentierfreudig, weil er ein gigantisches Budget wieder einspielen muss und am besten hunderttausende Dollar Gewinn. Da hält man sich von vornherein an Altbekanntes. Und wenn etwas wie ‚Star Wars‘ seit bald 45 Jahren funktioniert, dann wird es das ja auch noch nächstes Jahr.

Und so führen beide der derzeit größten Vertriebswege für Filme auf unterschiedlichen Wegen, über unstillbaren Bedarf und über erbsenzählerische Vorsicht, zum Rückgriff auf bewährte Namen und Inhalte. Jedenfalls meiner Meinung nach. Und was die wert ist zeigt ja der Satz „kein Franchise wird jemals wieder sterben dürfen“.

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 3

Also, kommen wir nun zu den sogenannten „toten“ Franchises. Gemäß meiner Behauptung, dass heute kein Franchise mehr sterben dürfe, müssten sich in früheren Jahren hier einige finden lassen.

Ich habe ja im ersten Teil argumentiert, dass nicht alle Verfilmungen einer literarischen Figur ein Franchise darstellen, aber es innerhalb dieser Verfilmungen durchaus Franchises geben kann. Das bringt uns zum ersten Beispiel: Tarzan. Moment, Tarzan ist doch nicht tot, kann man jetzt einwerfen. 2016 erst gab es den letzten Film und sooo unerfolgreich war der gar nicht. Schon, aber ein Tarzanfilm ist kein Ereignis mehr. Nicht jeder halbwegs Filminteressierte kann die letzten 2-3 Tarzan-Darsteller nennen, wie sie es bei Bond könnten. Von den frühen 30er Jahren bis in die späten 60er war das anders. Zwar gab es auch zuvor schon Tarzan-Filme, den ersten gar schon 1918, doch erst 1932, als der ehemalige Olympiasieger im Freistil-Schwimmen Johnny Weissmüller zum ersten Mal die Rolle übernahm, stellte sich der große Erfolg ein. Ob es den Athleten Weissmüller in der Rolle brauchte, oder den Tonfilm für den berühmten Tarzan-Schrei, wer weiß. Weissmüller würde die Rolle bis 1948 noch weitere 11-mal spielen. Danach übernahm Lex Barker (Old Shatterhand, Ihr erinnert Euch). Und nach ihm Gordon Scott, der die Reihe in den Farbfilm führte. Mit der Vorlage von Edgar Rice Burroughs hatte all das wenig zu tun. Die Filme führten aber eigene Elemente in die Filme ein. Anfangs wurde Jane zur ständigen Begleiterin von Tarzan, bis er später zum einsamen Helden wurde, wohl nicht zuletzt, weil die US-Zensoren Schwierigkeiten mit einem halbnackten Mann und einer Frau in allzugroßer Nähe zueinander hatten. Schimpanse Cheeta als comic relief stammt ebenfalls aus dieser Zeit. Und hat hier in Deutschland vor allem Bekanntheit erlangt, weil man für die „Rolle“, einen Affen aus einem Zoo holte, als Schwimmer Weissmüller einen Auftritt im Aktuellen Sportstudio Anfang der 70er hatte. Das ging exakt so aus, wie man erwarten würde. Der unfreiwillige Affendarsteller biss Weissmüller und pinkelte ihn an („comic relief“, hehe), bevor er seiner Ehefrau Maria die Perücke vom Kopf riss.

Natürlich gab es auch nach den 70ern zahlreiche Tarzan Verfilmungen. Und natürlich wissen heute auch noch die meisten wen Du darstellst, wenn Du Dir auf die Brust trommelst und UAHUAHUAAAH schreist. Ein wohlhabender Stadtteil von L.A. heißt „Tarzana“, nach Burroughs Ranch. Allein das dürfte verhindern, dass der Charakter je ganz vergessen wird. Und doch bezweifle ich, dass Tarzan derzeit zum großen Franchise taugt. Die zentrale, koloniale Idee des „weißen Herrn des Dschungels“ dürfte derzeit schlecht ankommen. Und doch, mit etwas Feintuning kann man sicherlich eine ökologische Botschaft in die Geschichte bringen. Ganz chancenlos ist eine Rückkehr also nicht.

Weit schlechter, und nicht zu Unrecht, sieht es da für Charlie Chan aus. Dabei liest sich zunächst alles wunderbar. 1925 erfand Schriftseller Earl Derr Biggers den hawaiianischen Polizisten chinesischer Herkunft. Basierend auf der realen Person Chang Apana, der sich wegen seiner großen Erfolge im Kampf gegen den Drogenschmuggel im rassistischen Polizeiapparat der USA durchsetzen konnte. Erste Verfilmungen mit asiatischen Darstellern waren jedoch kein Erfolg. Der stellte sich erst ein, als der aus Schweden stammende Darsteller Warner Oland 1931 die Rolle bekam. Oland hatte bereits Erfahrung darin gesammelt Chinesen zu spielen und war auch die aufwendige Maske gewohnt, die dafür notwendig war. Bis zu seinem Tod 1938 spielte er die Rolle des brillanten Detektivs noch 15 mal. Da der Erfolg jedoch ungebrochen war, heuerte FOX Sidney Toler als Nachfolger an. Der spielte die Rolle bis 1942 11 mal. Dann wollte FOX die Serie aufgeben. Toler erwarb die Rechte und nahm sie mit zu Monogram Pictures. Hier wurden weitere Filme mit deutlich reduziertem Budget gedreht. Nach Tolers Tod 1947 übernahm Roland Winters für 6 weitere Filme bis 1949. Das Publikumsinteresse war inzwischen jedoch niedrig.

Aus heutiger Sicht muss ich auf das Problem der Filme wohl kaum noch hinweisen. Weiße Darsteller im „Yellow Face“ sind zwar immer noch nicht ganz verschwunden, aber doch lautstarker Kritik ausgesetzt. Kontemporär, sollte man erwähnen, waren asiatisch-stämmige Amerikaner nicht durchgehend empört. Nicht wenige waren froh einmal ein positives Gegengewicht zum Stereotyp des „hinterhältigen“ Asiaten zu sehen. Bizarrerweise wurden die Söhne von Chan öfter von tatsächlichen Chinesen gespielt. Im Film ‚Dessert für eine Leiche‘ von 1976, der allerlei Detektivklischees aufs Korn nahm spielte Peter Sellers die Chan-Variante Sidney Wang. Der hatte absurderweise einen adoptierten japanischen Sohn, gespielt von Richard Narita. Doch nur weil man sich über die Absurdität der ganzen Sache bereits lustig machte, hieß das nicht, dass der Stoff nicht mehr zog. Noch 1980 spielte Peter Ustinov den Detektiv.

Eine Rückkehr der Reihe wäre heute wohl nur mit einem chinesischen Darsteller möglich. Ich halte sie dennoch für unwahrscheinlich. Zum einen weil sich Hollywood immer noch mit asiatischen Hauptdarstellern schwertut. Zum anderen, weil man sich wohl kaum mehrere Tonnen Ballast ohne Not ans Bein binden will. So bekannt ist der Name heute auch nicht mehr, dass er die Bedenken, die damit einhergehen wert wäre. Dasselbe könnte man über die ebenfalls erfolgreichen Franchises ‚Mr. Moto‘, ein Zeitgenosse von Chan und ebenfalls Detektiv, gespielt von Peter Lorre und natürlich die Fu Manchu Filme der 60er, wo Christopher Lee das kriminelle Genie mit dem auffälligen Bart spielt, sagen.

‚Lone Wolf‘ war eine von Louis Joseph Vance erdachte Figur. Ein Juwelendieb, der zum Detektiv wurde. Bereits 1918 gab es eine erste Verfilmung seiner Abenteuer. Doch zum echten Franchise wurden sie erst ab 1939 als Warren William die Rolle zum ersten Mal in ‚The Lone Wolf Spy Hunt‘ spielte. Und daraufhin noch 8 Mal bis 1943. Und hier dürften wir das erste tatsächlich vergessene Franchise vor uns haben. Exakt demselben Muster (Juwelendieb -> Detektiv) folgte Boston Blackie. Chester Morris spielte den zwischen 1941 und 48 ganze 14 Mal.

Wahrscheinlichkeit einer Rückkehr? Tja, vermutlich nicht null. Aber auch nicht sehr hoch, die Namen Boston Blackie und Lone Wolf (da denkt man vielleicht eher an die japanische Filmreihe…) haben nicht mehr eben viel Zugkraft.

‚Blondie‘ ist ein äußerst erfolgreicher Zeitungscomicstrip, der 1930 von Chic Young erdacht wurde. Er dreht sich um die lebensfrohe Blondie und ihren Ehemann Dagwood. Weil Dagwood die nicht standesgemäße Blondie heiratet, wird er von seinem Millionärsvater enterbt. Der Strip begleitet das Leben des Ehepaars und erscheint nach wie vor. In Deutschland etwa im Darmstädter Echo. Hier heißt Dagwood „Dankwart“. Für uns interessanter ist, dass Columbia 1938 die Filmrechte erwarb. Penny Singleton und Arthur Lake spielten die Hauptrollen in ‚Blondie‘. Der Film wurde ein Überraschungserfolg. Weitere 27 Mal(!) würden Singleton und Lake die Rollen bis 1950 übernehmen. Als Columbia die Reihe Mitte der 40er auslaufen lassen wollte gab es Zuschauerprotest. Parallel lief die Serie als Radiohörspiel, ebenfalls mit Singleton und Lake. Lake übernahm die Rolle 1957 noch einmal für das Fernsehen. Eine Weile konnte man ‚Blondie‘ (wenigstens wohl in den USA) kaum entkommen.

Seitdem wurde von Blondie (vom Strip abgesehen) wenig gehört. Und googelt man danach findet man vermutlich eher die New Wave Band um Debbie Harry. Und dennoch, eine Rückkehr als modernisierte TV/Stream-Version kann ich mir problemlos vorstellen.

Aber nicht nur Hollywood kann lange Franchises, die dann in Vergessenheit geraten. Wie wir im ersten Teil gesehen haben beherrscht auch Japan die lange Reihe sehr gut. Insbesondere multimediale Reihen aus Manga, Fernsehserie, Videospielen und Filmen, wie etwa ‚Kamen Rider‘ gelingen dort sogar besser als in der US-Traumfabrik. Aber auch Historienfilme („Jidaigeki“), gerade um Samurai, gehen immer.

Zatoichi ist ein blinder Masseur im Japan der Edo-Periode. Scheinbar ungeschickt und definitiv ein Glücksspieler, verbirgt sich in Zatoichis Blindenstock ein Schwert und hinter seinem harmlosen Äußeren jemand der damit umgehen kann. Gegen Ungerechtigkeit und allerlei Verschwörungen muss er dabei immer wieder vorgehen. Und immer wieder ist ein gutes Stichwort. Shintarō Katsu spielte die Rolle von 1962 bis 1989 26 Mal. Selbst eine „Verwestlichung“ wurde 1989 mit dem, in meinen Augen sehr unterhaltsamen, ‚Blind Fury‘ versucht.

Ist Zatoichi seitdem „tot“? Naja, nicht wirklich 2003 versuchte Takeshi Kitano den Charakter mit ‚Zatoichi – Der blinde Samurai‘ wiederzubeleben. So ganz gelang das nicht, doch gab es immer wieder mal Filme aus dem Universum. Etwa ‚Ichi – Die blinde Schwertkämpferin‘ (nicht verwechseln mit ‚Ichi The Killer‘!), in der wir Zatoichis erwachsene Tochter treffen.

In eine ähnliche Kerbe haut Tange Sazen. Der hat nur ein Auge und einen Arm und wird deshalb unterschätzt, ist aber ebenfalls ein großer Schwertkämpfer. Und deutlich älter als Zatoichi. Von 1928 bis 1966 erschienen 34 Filme um den zynischen Ronin. Auch im Fernsehen war er immer wieder einmal zu sehen. Und 2004 noch einmal in einem Fernsehfilm, der, vielleicht in Anlehnung an Kitaros Zatoichi, versuchte die Figur zurückzubringen.

Ich kann weder über Zatoichis noch über Tange Sazens Status in Japan viel sagen, doch scheint die große Zeit ihrer Franchises vorüber. Aber vergessen sind sie nicht, wie die Filme in den 2000ern zeigen.

Gut, damit haben wir gezeigt, ja, es gab eine Zeit als Franchises sterben durften und manchmal sogar vergessen wurden. Sei es weil sich die Zuschauerinteressen änderten oder weil der Ansatz nicht mehr gängigen kulturellen Vorstellungen entspricht. Aber die meisten Beispiele stammen aus der ersten Hälfte des 20ten Jahrhunderts. Hat sich wirklich etwas verändert, was Franchises langlebiger macht? Ist es die pure Gier der Studios oder womöglich doch komplexer? An einer Antwort versuche ich mich in Teil 4. Ich hab Euch ja gewarnt, dass das ausufert…

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 2 – deutscher Exkurs

Was als kurzer Blick auf deutsche, „tote“ Filmfranchises geplant war ist, mal wieder, etwas aus den Fugen geraten und erscheint hier nun als eigener Teil. Internationale Franchises folgen nächste Woche (es sei denn, es drängt sich wieder was dazwischen).

Nachdem wir uns letzte Woche mit den Definitionen der Begriffe „Franchise“ und „sterben“ gelangweilt haben und einen kurzen Blick auf langlebige Filmfranchises geworfen haben, wollen wir uns diese Woche eher den „toten“ Franchises zuwenden. Fangen wir mit dieser Betrachtung doch einfach mal in Deutschland an. Denn hier gibt es einige faszinierende Beispiele.

Da wären zunächst natürlich einmal die Edgar Wallace-Filme. Da in Deutschland angesiedelte Krimis in der Nachkriegszeit nicht besonders erfolgreich waren, versuchte es der dänische Produzent Preben Philipsen 1959 mit der Verfilmung des Romans ‚Der Frosch mit der Maske‘ des Briten Edgar Wallace, angesiedelt in Foggy London Town. Nach dem grandiosen Erfolg dieses Films gründete Philipsen einen deutschen Ableger seiner Produktionsfirma Rialto Films und erwarb die exklusiven Filmrechte am Werk Wallaces. 32 Filme entstanden so bis 1972. Ab 1961 unter der Leitung von Produzent Horst Wendtlandt. Das Aussehen der Produktionen wurde dabei insbesondere von Regisseur Alfred Vohrer, der für 14 Filme verantwortlich zeichnet, geprägt, wobei Harald Reinl den Grundstein legte. Mehr noch aber durch häufig wiederkehrende Darsteller, allen voran Eddi Ahrent, Joachim Fuchsberger und Klaus Kinski. Aber auch internationale Stars waren zu sehen, etwa Christopher Lee. Klassische whodunnit Motive wurden mit sanftem Grusel maskierter Schurken und Humor verwoben. Ende der 60er ging der Erfolg erheblich zurück. Man holte italienische Produktionspartner ins Boot, doch 1972 war mit ‚Das Rätsel des silbernen Halbmondes‘, der fast völlig unter italienischer Aufsicht entstand Schluss. Die Edgar Walle reihe war „tot“. In Italien lebte sie sicher in gewisser Weise im Genre des Giallo fort. Und in Deutschland wurde sie ein häufig geschehener Gast im Fernsehen.

Und damit sind wir wieder beim Problem des „toten“ Franchises. Die Wallace Filme durchdrangen, auch nachdem es keine neuen mehr gab, immer noch die deutsche Popkultur. Genug, dass RTL und Otto Waalkes 1994 ‚Otto – die Serie‘ produzierten, in der Komiker Otto in Szenen der Serie mit mehr oder weniger humoristischem Effekt eingefügt wurde. 1995 folgte auf RTL auch eine „ernsthafte“ Fernsehversion mit 8 Filmen, sehr frei nach Wallace, die einige der alten Darsteller gewinnen konnte. 2004, mehr als 30 Jahre nach dem sogenannten „Tod“ des Franchises produzierte Oliver Kalkofe ‚Der Wixxer‘, eine namentliche Parodie auf ‚Der Hexer‘, die aber die Filmreihe als Ganzes auf den Arm nahm. Der Film war erfolgreich genug, um 2007 die Fortsetzung ‚Neues vom Wixxer‘ zu rechtfertigen. Wahrscheinlichkeit, dass man sich hier früher oder später an einer Neuauflage versucht? Sehr hoch.

Für das nächste Franchise kann ich einen guten Teil der oben erwähnten Namen schlicht wiederholen. Rialto Film, Horst Wendtlandt, Harald Reinl und Alfred Vohrer. Denn ab 1962 wollte man auch die kontemporär sehr beliebten Karl May Romane umsetzen. Allen voran die beliebten Geschichten um Winnetou. Erfolgsverwöhnt plante man hier direkt mit einer Serie. Für die Rolle des Old Shatterhand stand früh der Amerikaner und ehemalige Tarzan-Darsteller (behaltet das mal im Hinterkopf für nächste Woche…) Lex Barker fest. Für die Rolle des Winnetou entdeckte Wendtlandt den recht unbekannten Franzosen Pierre Brice. Der erste Film wurde zu einem Megaerfolg und um die Hauptdarsteller entwickelte sich gar eine Hysterie, die bei ihren Auftritten bei Filmpremieren annähernd Beatles-eske Züge annahm. Bis 1968 entstanden 9 weitere Filme der Rialto, die teilweise außer den Charakteren nichts mehr mit den Buchvorlagen zu tun hatten. An dem Erfolg beteiligte sich ebenfalls Produzent Artur Brauner mit seiner CCC-Film. Er produzierte Karl May Verfilmungen, die nichts mit Winnetou zu tun hatten. Für die Rolle des Kara ben Nemsi castete er ebenfalls Barker.

Auch hier darf man vermutlich wieder fragen, wie „tot“ das Franchise nach 1968 war. Denn nicht nur hat der Erfolg der Reihe in der DDR die DEFA Indianerfilme inspiriert, die bis in die 80er produziert wurden, auch im Westen gab es zahlreiche Fernseh- und Zeichentrickbearbeitungen von Karl May und Indianer-Stoffen. Auch Winnetou selbst wurde immer wieder gesehen. In ‚Winnetous Rückkehr‘, einem Zweiteiler des ZDF etwa, in dem Brice 1998 die Rolle noch einmal übernahm. Und noch 2015 war der Stoff auf RTL in ‚Winnetou – Der Mythos lebt‘ zu sehen. Und nicht zu vergessen die jährlichen Karl May-Spiele, die seit den frühen 50er Jahren May Abenteuer als Theater im Bad Segeberger Kalkstadion inszenieren (daneben gibt es zahlreiche weitere Karl May Spiele), die höchstens mal von einer globalen Pandemie aufgehalten werden. Doch der größte Erfolg ist hier die Parodie. Mit ‚Der Schuh des Manitu‘ landete Michael Bully Herbig 2001 einen der größten Erfolge der deutschen Kinogeschichte. Eine plump kalauernde Nummernrevue, die Bullys Sketchherkunft ganz deutlich erkennen lässt. Dabei ist die Umsetzung durchaus professionell und technisch kompetent. Aber natürlich erklärt sich ein ganz großer Teil des Erfolgs des Films über die ungebrochene Begeisterung für Winnetou. Wahrscheinlichkeit einer Neuauflage: naja, passiert doch schon dauernd, bringt heute aber nicht mehr den ganz großen Erfolg. Ich vermute, da es heute Kinogänger gibt, die eher Bullys Version als der originalen Nostalgie entgegenbringen, dürfte es eine große Neuauflage schwer haben.

Ob Ihr es glaubt oder nicht, für das nächste „tote“ Franchise sind wir schon wieder bei Rialto und Horst Wendtlandt. Otto Waalkes war ab den 70er Jahren eine Sensation in der deutschen Komik. Er verband Wortspiele und Kalauer mit clownesker Körpersprache und Geräuschen, allerlei komischen Liedern und immer wieder Parodien. Bezeichnend war auch, dass Waalkes in Interviews und ähnlichem stets „im Charakter“ blieb. Verlage wussten mit ihm anfangs wenig anzufangen, doch als sich seine Bücher und Schallplatten seiner Auftritte verkauften wie geschnitten Brot und erste Fernseherfolge hinzukamen, wurde ein Kinofilm immer mehr zum logischen nächsten Schritt. Umgesetzt von Rialto unter Produktion von Horst Wendtlandt. Und ‚Otto – der Film‘ wurde zu einem gigantischen, zum bis dahin größten, Erfolg des deutschen Kinos. Klar, dass der ein Franchise nach sich zieht. Bis zum Jahr 2000 folgten vier Fortsetzungen. Seitdem war Otto zwar noch häufiger im Kino, auch in Hauptrollen, zu sehen, die Filme hatten aber nicht mehr das „Otto“ Branding (von der Parodie ‚Otto’s Eleven‘ einmal abgesehen).

Doch könnte man durchaus argumentieren, dass Franchise Otto sei alles andere als „tot“ (Herrn Waalkes selbst wünsche ich selbstverständlich beste und lange Gesundheit!), schließlich ist er doch gerade jetzt, in diesem Moment, in der Hauptrolle von ‚Catweazle‘, einer Neuauflage einer britischen Serie der 70er, zu sehen. Aber es steht eben nicht mehr die „Otto“-Persona im Mittelpunkt, sondern eine Serie von der ich nicht überzeugt bin, wie viele sich an die noch erinnern. Vom erfolgreichsten deutschen Film dürfte der jedenfalls weit entfernt bleiben.

Otto steht hier auch mehr stellvertretend für eine ganze Reihe Komiker-Franchises der 80er Jahre. Seien es die Didi (Hallervorden) oder die Supernasen Filme. Mit Klamauk und aus dem Fernsehen bekannten Gesichtern war damals der Kinoerfolg schon halbwegs gesichert. Was heute nicht mehr unbedingt klappt. Wobei das Fernsehen sich für die Unterhaltung auch weitgehend auf „Reality“-Müll zurückgezogen hat. Woher sollen da die Charakternasen kommen?

Rialto war übrigens auch noch an der Produktion zahlreicher Spencer/Hill und Louis De Funes Filmen beteiligt, die also rein technisch hier auch auftauchen könnten. Aber das würde wohl zu weit führen. Es zeigt sich bei dieser groben Untersuchung, dass die 60er Jahre und die 80er Jahre des deutschen Kinos anscheinend besonders geeignet waren, erfolgreiche Franchises zu produzieren. In den 50ern war es eher das Genre des Heimatfilms, der derart happy endings hatte, dass eine Fortsetzung kaum Sinn geben würde. Und der „Neue Deutsche Film“ der 70er war eher künstlerisch als finanziell ausgerichtet. Natürlich gibt es auch heute noch erfolgreiche deutsche Franchises, man schaue nur auf ‚Fack ju, Göthe‘.

Selbstverständlich erhebt mein kurzer (heh) Text hier keinerlei Anspruch auch auf nur annähernde Vollständigkeit. Nicht zuletzt, weil ich mich rein auf die Nachkriegszeit konzentriert habe. Auch davor gab es durchaus Franchises, erwähnt sei hier nur als Beispiel Paul Wegeners ‚Der Golem‘-Filme (inklusive eines nie realisierten „Crossovers“ mit ‚Alraune‘). Doch beenden wir diesen Exkurs an dieser Stelle und kehren nächste Woche zum internationaleren Thema zurück. Wenn Ihr lebende oder „tote“ deutsche Franchises in den Kommentaren ergänzen wollt, freue ich mich darüber natürlich.

PS: ist der „Til Schweiger Film“ ein Franchise?

Die Lebenserwartung von Franchises Teil 1

„Kein Franchise wird jemals wieder sterben dürfen!“ Das ist so ein neunmalkluger Satz, den ich gern, vor allem beim Newslichter verwende. Allerdings bin ich ein Scharlatan, der keine Ahnung hat, wovon er spricht. Darum traue ich solchem Blödsinn, den ich von mir gebe erst einmal nicht. Von daher lohnt es sich vermutlich, diesen Satz mal genauer zu untersuchen. Er sagt genau genommen zwei Sachen aus. Explizit, eben genau das was da steht, jetzt und in Zukunft wird kein Filmstudio (dies ist ein Filmblog, deshalb schränke ich diesen unachtsam allgemein formulierten Satz einmal auf dieses Medium ein) mehr ein Franchise „sterben“ (oh, diese Anführungszeichen sind ein Omen) lassen. Implizit sagt er aber auch, dass es mal eine „gute alte Zeit“ gab, in der Franchises gestorben sind.

Prima, das sind doch Dinge, die sich mit vermutlich minimaler  Recherche leicht be- oder widerlegen lassen! Dachte ich. Weil ich ein Scharlatan bin. Ein Nixwisser, ein Trottel, der mit seiner Zeit nicht umzugehen weiß. Also dann, definieren wir doch mal was ich mit „Franchises“, die für die Aussage qualifiziert sind, meine.

Erst mal natürlich Filmfranchises. Also eine Filmreihe mit mehr als einem Film, die in derselben Kontinuität spielen, oder die wenigstens thematisch eng zusammenhängen. ‚Ghostbusters‘ etwa, um mal ein völlig zufälliges Beispiel zu wählen. Allerdings wächst so ein Franchise natürlich schnell über den Film hinaus. Im Fall von ‚Ghostbusters‘ mit Zeichentrickserien, Spielzeug, Videospielen, Brettspielen und Tonnen von Merchandise. Was bedeuten könnte ein Franchise „stirbt“ als Filmfranchise, überlebt aber in einer anderen Nische.

Das gilt natürlich noch mehr für Franchises, die schon bestehen, bevor es einen Film gibt. Die können sich wohl auch mit einem Film schon als „Franchise“ im Sinne des Satzes qualifizieren. Zahllose Videospiel- oder Comicverfilmungen, etwa. Wenn dieser eine Film schlecht genug läuft, um ein solches Franchise zu zerstören, wäre es sicher qualifiziert. Kann man (oder wenigstens ich) sich aber kaum vorstellen. Die Ninja Turtles dürfte es kaum an ihrer harten Schale kratzen, dass die letzten beiden Filme eher so mittel waren. Dafür haben sie zu viele Eisen im Ooze. Ein Super Mario oder Assassins Creed werden ihre mäßigen Filme in ihren Hauptabsatzmärkten, den Spielen, kaum bemerken.

Eine Einschränkung wird allerdings an dieser Stelle nötig. In meinen Augen sind nicht alle ‚Dracula‘ Filme, alle ‚Sherlock Holmes‘ oder alle ‚Robin Hood‘ Filme usw. ein Franchise. Das sind verschiedene Verfilmungen derselben literarischen Figur. Allerdings gib es innerhalb dieser zahlreichen Verfilmungen durchaus wieder Franchises. Etwa die Universal Dracula-Filme. Oder die der Hammer Studios. Bei Holmes die 14(!) Rathbone/Bruce Produktionen, oder die im Vergleich kümmerlichen zwei Downey jr./Law Filme.

Was definitiv auch nicht gilt, sind versuchte, aber schon im Ansatz gescheiterte Franchises. ‚John Carter‘? Kein Franchise. Das „Dark Universe“? Kein Franchise. Die Filme, die als solches qualifiziert werden könnten, wie ‚Invisible Man“ erscheinen sicher nicht zufällig ohne dieses Branding. Hier gab es nie ein Franchise, das hätte „sterben“ können.

In Ordnung, damit haben wir die Idee des Wortes „Franchise“ in meiner Aussage gut genug umrissen, um uns auf die Suche nach Beispielen zu machen. Kommen wir jetzt zur Definition des Wortes  „sterben“ (und hier verabschieden sich vermutlich auch die letzten paar Leser). Dieses Wort ist schwierig. Denn es gibt einen Unterschied zwischen „sterben“ und „enden“. ‚Zurück in die Zukunft‘ hat geendet. Es ist in keiner Art und Weise gestorben. Es gibt immer noch Fans, immer noch neue Veröffentlichungen der Filme und Bildbände, Spiele, Hintergrundmaterial usw.. Vor allem hängt aber immer noch das Damoklesschwert des Remakes über der Reihe. Also, eine Reihe, die noch mit anhaltendem Erfolg beendet wird endet. Sterben tut ein Franchise, bei dem langsam Erfolg und Budgets immer kleiner werden, die Filme immer schwächer, bis das Franchise ein klägliches Ende nimmt. Ein Musterbeispiel hierfür wären die ‚Planet der Affen‘ Filme. Wären sie, wenn sich hier das Damokles-Schwert des Reboots/Prequels nicht als kleiner Segen erwiesen hätte und für drei gelungene Filme vor ein paar Jahren gesorgt hätte. Was natürlich in gewisser Weise meine Aussage bestätigt. Aber soweit sind wir noch nicht. Aber ja, ich gebe zu, der „Tod“ eines Franchises ist schwer zu bestimmen. Solange noch ein leises Echo seines Namens durch die Popkultur geistert, kann es jeder Zeit wieder auferstehen. Aber gemeint ist hier mit „Sterben“ „aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit weitestgehend verschwunden, abgesehen vielleicht von einer kleinen Gruppe Fans“.

So damit haben wir, sicher keinen wissenschaftlichen Standards standhaltenden, aber für unsere Zwecke genügende Definitionen der Begriffe „Franchise“ und „sterben“ im medialen Sinne geschaffen. Jetzt geht die Recherche los. Eine Recherche, die weit anstrengender war, als ich mir das vorgestellt hätte. Doch dazu werden wir mehr in Teil zwei sehen.

Damit dieser Teil aber irgendeinen halbwegs unterhaltsam/informativen Inhalt hat und nicht gänzlich aus trockenen Definitionen besteht, schauen wir doch erst einmal das genaue Gegenteil eines gestorbenen Franchises an. Was ist das langlebigste Film-Franchise? Mein Bauchgefühl sagte sofort, in einer very sophisticated Stimme: „Bond, James Bond!“

Und, zugegeben, der Geheimagent ihrer Majestät hat beste Karten (wie bei jedem Baccara-Spiel), um zu gewinnen. Seit 1962 erschienen 24 (demnächst 25) offizielle Filme von Eon und zwei „inoffizielle“. Trotz wechselnder Darsteller und sich verändernder Kontinuität bilden die Filme ein einheitliches Franchise. Tatsächlich könnte Bond sogar gewinnen. Wenn wir die Definition etwas strecken, um eine Fernsehverfilmung von ‚Casino Royale‘ aus dem Jahr 1954 mit einzuschließen. Hier hieß James allerdings „Jimmy“ und arbeitete (schockschwere Not!) für die CIA. Doch während wir noch mit solchen Dehnübungen beschäftigt sind, ertönt ein markerschütternder Schrei und „Jimmy“, samt Tux und Martiniglas, wird von einem weißen Glühen auf seine subatomaren Bestandteile reduziert.

‚Godzilla‘ ist hier, um uns daran zu erinnern, dass er seit 1954 in 32 japanischen und vier amerikanischen Filmen aufgetreten ist (und zwar donnernd). Sicherlich, man könnte hier argumentieren, ob es sich tatsächlich um ein einziges Franchise handelt, da die Filme von verschiedenen Studios gehandhabt wurden, es verschiedene Kontinuitäten gibt und auch der Tonfall der einzelnen Filme oft genug extrem unterschiedlich ist. Doch ganz Ähnliches könnte man über Bond sagen. Und vermutlich bleibt das auch gar nicht aus, bei einer Filmreihe, die Jahrzehnte umspannt. Aber Godzilla hat einen festen Platz in der Popkultur, hohen Wiedererkennungswert und hat sich bereits mehrfach mit King Kong und, im Comic, mit den Avengers geprügelt. Und er ist Ehrenbürger von Tokio. Sorry, aber da kann so ein Geheimagent einfach nicht mithalten. Godzilla ist nicht nur König der Monster, er ist auch der Ludwig XIV. unter den Franchises, was die Amtszeit angeht. 

Doch beide dieser ewiglangen Franchises werden uns sicher auch durch die absehbare Zukunft begleiten. Werden sich weiterändern und weiterwachsen. Wir werden uns nächste Woche für den zweiten Teil wiedersehen, wo wir uns hoffentlich ein paar tote Franchises angucken können. Wenn Ihr bis dahin ein paar weitere besonders langlebige (womöglich noch langlebiger als die atomare Echse?) Franchises in die Kommentare posten wollt, würde ich mich darüber sehr freuen. Bis dann.

Gibt es noch Filmstars?

Die Frage aus der Überschrift ist eine, die man häufig liest. Und jede Leserin wird darauf vermutlich ihre eigene Antwort finden. Fast interessanter finde ich aber, warum sich diese Frage stellt.

Die Geschichte geht etwa so: Im letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts begann in Hollywood die Zeit der Regisseure. Die Macht der Studios war schon eine ganze Weile gebrochen und plötzlich stelle sich heraus, dass bärtige, langhaarige Weirdos wie George Lucas oder Stephen Spielberg mit ihren seltsamen Ideen hunderte Millionen an der Kinokasse machen konnten. Der Blockbuster war geboren und auch wenn gelegentlich mal einer davon baden ging, wurde er zu einer wichtigen Geldquelle für die Filmstudios. So wichtig, dass man die Kontrolle darüber irgendwann nicht mehr den gar nicht mehr so langhaarigen, aber immer noch bärtigen Weirdos überlassen wollte. Blockbuster wurden zu Franchises, zu Marken. Und Marken verlangen nach Kontrolle, wenn sie auch in 20 Jahren noch funktionieren sollen. Und so kam die Studiokontrolle zurück, der eiserne Griff härter als je zuvor. Der Regisseur wurde wieder zum Erfüllungsgehilfen, der seine Rolle in der Maschinerie zu spielen hatte und tat er das nicht, gab es dutzende andere bärtige Weirdos, die gerne seinen Platz einnehmen. Es reichte nun nicht mehr, wenn ein Blockbuster das Doppelte oder Dreifache seines Budgets einspielte, jetzt geht es darum Rekorde zu brechen. Ein Platz in den Top Ten der erfolgreichsten Filme aller Zeiten, Minimum. Ein solcher Erfolgsdruck lässt denn auch keinen Platz für Innovation. Hier wird präsentiert was sicher funktioniert. Superhelden, Jedi, Dinosaurier und gelegentlich Geheimagenten. Was es hier nicht braucht sind Stars. Viel wichtiger ist, dass das Publikum den Namen des Charakters kennt, anstatt seines Darstellers. Robert Downey jr. ist ein fähiger Darsteller, eine charismatische Präsenz. Sicherlich wird die eine oder der andere seinetwegen in die Filme gegangen sein. Doch der Großteil wollte Tony Stark sehen, den Downey nun einmal verkörperte.

Und diese Blockbuster sind nun so groß, müssen so viel Umsatz machen, dass sie im wahrsten Sinne die Luft aus dem Raum saugen. Sie sind im Multiplex nicht in einem oder zwei Sälen zu sehen, sondern in fünf oder sechs. Wofür bleibt da noch Raum? Für den kleinen Film, den auch Streaming Studios immer mehr produzieren. Für romantische Komödien, für Horror und auch den, natürlich, überlebenden Auteur-Film. Filme, die ihrerseits wieder keine Stars benötigen. Sie leben von ihrer originellen Geschichte, visuellem Einfallsreichtum. Genau die Mid-Budget Produktionen, die die womöglich davon leben, dass mehrere Stars interagieren, die von ihrer Chemie leben, die haben am meisten gelitten. Die gibt es fast nicht mehr, sind erdrückt von den unvorstellbaren Massen der Blockbuster und ihrer Marken. Und deshalb gibt es heute keine Filmstars mehr.

Eine in sich durchaus logische Geschichte, die sicherlich nicht ganz falsch ist. Aber auch nicht ganz richtig, denn sie lässt sich problemlos widerlegen. „Oh, es gibt keine Actionstars mehr!“ hört man häufig. Echt nicht? Und was ist mit Dwayne „The Rock Johnson? Man sollte meinen, der sei in jeder Hinsicht schwer zu übersehen. Wie in den 80ern Schwarzenegger hat es Johnson geschafft, sich selbst zu einer Marke zu machen. Geht man in einen Film mit Dwayne Johnson weiß man ziemlich genau was einen erwartet. Vor dem gelegentlichen Flop ist auch er nicht gewappnet, aber das waren Stallone oder Schwarzenegger nun wahrlich auch nicht. Aber jenseits des Rock wird es schon wieder dünn, oder? Vin Diesel? Ist vollkommen an den Erfolg der Marke Fast & Furious geknüpft. Alles was er in den letzten Jahren abseits davon versucht hat ging krachend schief. Tom Cruise? Ist ebenfalls mehr oder weniger an Mission: Impossible geknüpft. ‚Jack Reacher‘ lief nicht, ‚Oblivion‘ fand quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und ‚Edge of Tomorrow‘ hat „nur“ sein Budget verdoppelt. Das zählt halt nix mehr. Von ‚Die Mumie‘ wollen wir lieber gar nicht reden.

Aber Cruise zeigt ein weiteres Problem des Action Kinos: fehlender Nachwuchs. Es treiben sich zu einem guten Teil immer noch dieselben Nasen herum wie in den 90ern. Manche mehr (Keanu Reeves) andere weniger (Bruce Willis) elegant.

Mal ganz von Genre abgesehen gibt es natürlich auch noch die Stars, die drehen können was sie wollen und ein eingebautes Publikum haben. Leonardo Di Caprio ist vielleicht das beste Beispiel. Oder auch Brad Pitt. Aber auch hier wieder: nicht mehr ganz junge Beispiele. Ist es vielleicht einzig der Restglanz eines früheren Startums, der hier nachwirkt?

Vor ein paar Jahren äußerte Will Smith (sicher selbst ein gutes Beispiel für einen Star, der nicht mehr wirklich zieht) gegenüber dem Magazin Hollywood Reporter, dass es heute kaum noch neue Stars geben könne, aufgrund der sozialen Medien. Die Nähe zu den Fans sei so viel größer geworden, dass der entfernte Glamour eines Stars nicht mehr machbar sei.

Hier fange ich dann an mich zu fragen: sind es vielleicht gar nicht die Studios, wollen womöglich wir als Publikum gar keine Stars mehr? Wir haben es schon seit mindestens den 80er Jahren genossen, wenn Papparazzi den achso eleganten Stars das Podest unter den Füßen weggetreten haben. Wenn wir Fotos gesehen haben, auf denen sie in schmuddeliger Jogginghose den Müll rausbringen. Wenn am privaten Pool eine Plauze zum Vorschein kam, die nicht unbedingt kleiner als die eigene war. Wenn sie plötzlich ihre Alimente nicht mehr zahlen konnten oder wollten. Kurz, wenn sie eben nicht mehr wirklich Stars waren, sondern normale Menschen. Und heute? Heute braucht es gar keine Paparazzi, heute posten sie selbst auf Instagram wie sie in schmuddeliger Hose den Müll rausbringen. Gerade in der Pandemie war zu sehen, wer sich hier allzu abgehoben statt in Bluejeans präsentierte fiel eher durch.

Oder ist der Begriff des „Stars“ in sich einfach vollkommen ausgehöhlt? „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ machte ihn zu einem gelegentlich recht ekligen Witz. Schafft man es in Lifestyle-Magazine oder irgendwelche Reality Shows kann man heute ein Star sein, nur weil man relativ unerträglich ist. Da muss man nix für können, man muss nur wissen wo man die Nase in die Kamera hält. Oder man wird ein Star auf Youtube weil man Essen probiert, Videospiele kommentiert, oder unterhaltsam irgendwo runterfällt. Warum sollte da die Idee eines „Stars“ noch irgendwen hinter dem Fernwärme-Heizkörper hervorlocken?

Vielleicht sind es wirklich wir als Publikum, die Schauspieler nicht mehr als, im wahrsten Sinne des Wortes, Lichtgestalten wahrnehmen wollen, sondern als ganz normale Menschen, die morgens aufstehen und ihren Job machen. Machen sie den gut, sind wir durchaus bereit zu klatschen und die Batzen Geld nicht zu neiden, die sie dafür bekommen. Aber die Idee des Stars hat sich womöglich einfach überholt. Jedenfalls für den Moment. Bis die Leute als Gewinner dastehen, die nie auf Twitter waren, oder auf Instagram ihren Kleiderschrank präsentieren und sich ihre geheimnisvolle Aura bewahrt haben. Bis es dann wieder eine Reaktion in die andere Richtung gibt und so weiter. Weder Film noch Schauspieler werden in nächster Zeit verschwinden. Zum Glück. Ihr Status hingegen wird immer im Fluss bleiben. Und das ist völlig okay.