Filmversionen: von „Ultimate“ und „Final“ Cuts

Neulich saß ich hier und dachte ich sollte endlich einmal wieder ‚The Wicker Man‘ (nicht das „NOT THE BEEEEES“ Nicolas Cage Remake, sondern das Original sehen). Ich nahm also meine BluRay, die ich noch nie geschaut habe, zur Hand und stutzte. Ich hatte die Wahl zwischen einer Kinofassung von 88 Minuten Laufzeit, einem Director’s Cut von 110 Minuten Laufzeit und einem Final Cut, der es auf 93 Minuten bringt. Was schauen? Welches ist die beste Version? Da ich in dem Moment keine Lust auf Recherche hatte, wanderte etwas anderes in den Player. Weiterlesen

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6 bizarre Videospielverfilmungen, die derzeit in Produktion sind

Wer kennt das nicht? Man sucht im Internet nach Informationen zu einer bestimmten Sache und endet bei etwas völlig anderem? Ich habe ein wenig Recherche betrieben, für einen Artikel zum Thema „Warum gelingen Videospielverfilmungen fast nie?“. Videospielfilme sind immerhin ein aktuelles Thema, schließlich pokemont demnächst ‚Detektiv Pikachu‘ auf die Leinwand (kann man Pokemon als Verb verwenden?) und wir haben vermutlich alle die seltsamen, aktuellen Bilder der Filmversion vom flinken Igel ‚Sonic‘ gesehen. Doch dann stieß ich auf immer bizarrere Videospielfilm-Projekte, die tatsächlich in Produktion sind. Der andere Artikel wird sicherlich irgendwann noch folgen, aber da ich weiß wie sehr das Internet Listen mag sind hier 6 (eigentlich mehr) reichlich merkwürdige Videospielfilmprojekte.

  1. ‚Tetris‘ Trilogie

https://www.denofgeek.com/us/movies/tetris/255477/tetris-movie-in-the-works-as-us-and-china-co-production

Eine solche Liste muss man wohl mit den geplanten ‚Tetris‘ Filmen eröffnen. Die „Handlung“ hinter ‚Tetris‘ sollte allgemein bekannt sein: von oben fallen verschiedenförmige Blöcke aus je vier Bausteinen herunter und der Spieler muss versuchen vollständige Reihen im Spielfeld daraus zu bauen, um sie verschwinden zu lassen, bevor die Blöcke das Feld zubauen. Der US Produzent Larry Kasanoff und der chinesische Produzent Bruno Wu scheinen darin – irgendwie – genug Material nicht für einen Film, sondern gleich für drei zu sehen und haben 80 Millionen Dollar in dieses Projekt gepumpt. Aber Bruno, Larry, jetzt mal ganz ehrlich, was zur Hölle macht ihr da eigentlich? Eine Trilogie, seid ihr verrückt? Aus ‚Tetris‘ muss man doch ganz offensichtlich eine Tetralogie machen, alles andere ist doch nur einfallsloser Quatsch. Und ich erwarte Dwayne „The Rock“ Johnson als einen der Viererblöcke zu sehen.

  1. ‚Altered Beast‘

https://variety.com/2016/film/asia/altered-beast-streets-of-rage-sega-movies-shows-1201933661/

Okay, Hand hoch! Wer erinnert sich an ‚Altered Beast‘? Das war der Pack-In Titel des Mega Drive, bevor Sega mit ‚Sonic‘ etwas Besseres gefunden hat. Gottvater Zeus erhebt darin einen römischen Zenturio aus dem Grab („Wise fwom your gwave“ nuschelte der Blitzeschleuderer dazu aus dem Mega Drive Soundchip), damit der seine Tochter Athene aus den Klauen des Dämonengottes Neff (wer kennt den nicht) befreit. Dazu latscht der Zenturio von links nach rechts und haut alles kaputt was ihm begegnet. Er sammelt Powerups auf, die ihn immer mehr zum extremen Muskelmann machen, bis das letzte ihn schließlich in ein Monster verwandelt und er sich mit dem Boss des Levels prügelt. Wir haben hier also ein Spiel, an das sich vielleicht 5 Leute erinnern, mit einer reichlich generischen Handlung. Die Rechte wurden von einer Produktionsfirma namens Circle of Confusion gekauft, die ihrem Namen hiermit immerhin alle Ehre machen. Dabei weiß doch jeder, dass ‚Streets of Rage 2‘ das beste Mega Drive Spiel überhaupt war. Oh, die Rechte daran hat Circle of Confusion auch… Nun, wie auch immer, ich erwarte natürlich Dwayne „The Rock“ Johnson als Zenturio zu sehen.

  1. ‚Carmen Sandiego‘

https://variety.com/2018/film/news/gina-rodriguez-carmen-sandiego-movie-netflix-1202736514/

Carmen Sandiego war eine Reihe von Edutainment Spielen. Meisterdiebin Carmen stahl irgendein Monument und der Spieler musste ihr auf die Schliche kommen und lernte dabei einige Fakten über das Monument, das umgebende Land usw. Das könnte ehrlich gesagt sogar beinahe als Film funktionieren Carmen Sandiego hat das Format einer Bond-Schurkin und eine Handlung ließe sich sicher um eine größenwahnsinnige Monument-Diebin stricken. Die Frage ist nur, warum man dafür die Lizenz für die nicht wahnsinnig bekannte Spielereihe braucht. Ehrlich gesagt ist der Titel nur auf dieser Liste, damit ich einen Grund habe die Titelmelodie der alten Zeichentrickserie aus den frühen 90ern zu posten:

Und jetzt alle zusammen: „Wooo iiieeest Caaarmen Sandijeeego?“

Nun, wo auch immer sie ist, ich erwarte Dwayne „The Rock“ Johnson als eines der Monumente zu sehen, die Carmen klaut. Vielleicht als die Sphinx. Oder Alcatraz, da stimmt sogar der Name.

  1. ‚Centipede‘ und ‚Missile Command‘

https://www.slashfilm.com/centipede-missile-command-movie/

So, jetzt geht es gar zurück in selige Atari-Zeiten und die sind sogar noch älter als ich. In ‚Missile Command‘ kontrolliert der Spieler eine Raketenabwehr und muss vier Städte vor ständig stärker werdendem Raketenbeschuss schützen, indem er die Projektile abschießt. In ‚Centipede‘ spielt man (dank mangelnder Grafik ist eine weite Auslegung möglich) einen Mann mit Maschinengewehr, einen Elf, oder einen Gartenzwerg, der am unteren Rand des Bildschirms steht, während sich von oben, durch ein Labyrinth von Pilzen, ein riesiger Tausendfüßer nähert, den es abzuschießen gilt. Bereits 2011 arbeitete man bei Fox an einer Umsetzung von ‚Centipede‘. Aber womöglich hat der Misserfolg von ‚Battleship‘ (2012) klar gemacht, dass es mehr braucht als einen halbwegs bekannten(?) Namen. Vielleicht so etwas wie eine Geschichte. Oder aber, wie ‚Rampage‘ (2018) gezeigt hat, Dwayne „The Rock“ Johnson. Den erwarte ich natürlich als Missile Commander zu sehen und als Tausendfüßer. Einen Skorpion hat er immerhin schon einmal gespielt.

  1. ‚Fruit Ninja‘

https://www.hollywoodreporter.com/heat-vision/fruit-ninja-movie-works-896056

Okay, das ist eines der meistverkauften Mobile Games überhaupt. Hier kann man womöglich tatsächlich mit echter „Brand Recognition“ rechnen. Das hat für ‚Angry Birds‘ immerhin gut genug geklappt, dass der eine Fortsetzung bekommt. Am Drehbuch wird bereits gearbeitet, allerdings mit allerhöchster Geheimhaltung. Ich vermute aber einfach mal, dass das Durchschneiden von Früchten mit allerlei Schwertern, wie im Spiel im Mittelpunkt stehen dürfte. Es dürfte also eine Menge Obstsalat dabei rauskommen. Ich erwarte Dwayne „The Rock“ Johnson als Mango zu sehen (oder zumindest zu hören, das dürfte wohl ein Animationsfilm werden).

  1. ‚Mortal Kombat‘

https://variety.com/2016/film/news/mortal-kombat-reboot-director-simon-mcquoid-james-wan-1201921068/

Wir alle wissen natürlich, dass ‚Mortal Kombat‘ von 1995 die bestmögliche Videospielverfilmung ist. Nur wenige Filme besitzen die Chuzpe dem Zuschauer als allererstes ihren eigenen Namen ins Gesicht zu brüllen, Paul W. S. Andersons Verfilmung des interdimensionalen Prügelspiels besitzt hingegen solche Hemmungen nicht. Ob die neue Verfilmung derart luftige Höhen erreicht ist allerdings noch ungewiss, wobei zumindest Zeitreisen ein wichtiges Element werden sollen und damit geht immerhin fast alles. Fest steht allerdings, dass Simon McQuoid als Regisseur gewonnen wurde. Wer ist Simon McQuoid, fragt ihr? Ein Mann der bislang nur bei Werbespots Regie geführt hat, was soll also schief gehen! Es sieht so aus, als würde Christopher Lambert als Raiden zurückkehren. Darauf doch mal ein herzliches „Eh heh heh heh!“

Und ich bin sicher irgendjemand wird klug genug sein, zu Dwayne „The Rock“ Johnson „get over here“ zu sagen. Ich erwarte nämlich ihn als Goro zu sehen.

 

Und das waren 6 merkwürdig-interessante Spielverfilmungen, die derzeit in Produktion sind. Sicher, ich hätte problemlos noch mehr nennen können. ‚Mega Man‘ (D„TR“J als Dr. Wily) etwa, oder ‚Spy Hunter‘ (D“TR“J als… öh… Auto?). Aber irgendwann wird es halt repetitiv und seien wir ehrlich: auch „Dwayne“ The Rock „Johnson“ kann nicht in allen Filmen der Welt mitspielen.

Freut Ihr Euch derzeit auf eine Videospielverfilmung? Habt Ihr Lieblinge unter den Bestehenden, neben ‚Mortal Kombat‘ natürlich, der ist gesetzt?

Letzte Worte vor den Oscars

Im Newslichter dieser Woche habe ich mir ja nun endgültig die Maske heruntergerissen und mich als einer dieser Cinephilen geoutet, die für die Oscars wenig mehr übrig haben als bittere Häme. Ich hoffe es ist am Text selbst deutlich geworden, dass das nicht ganz ernst zu nehmen ist. Damit will ich nicht sagen, dass die Oscars nicht zu kritisieren seien, ganz im Gegenteil. Ich stehe hinter allem, was in meinem „Brief“ steht. Aber sagen wir doch wie es ist: die Oscars sind ja gar nicht für mich gemacht. Weiterlesen

Film & Verbot 2: Der Film, der Disney ins Wanken brachte – ‚Taran und der Zauberkessel‘

Beim letzten Mal haben wir gesehen, was staatliche Verbote mit einem Film und einer ganzen Filmindustrie machen können. Doch Verbote von Filmen müssen nicht unbedingt von staatlicher Seite ausgehen. Oft genug sind es die Produzenten, die Studios, deren Geld im Werk steckt, die eine Veröffentlichung des Films in seiner von den Machern gedachten Form verhindern. Die Beispiele hier wären zahllos, doch ich habe mich hier für einen entschieden, der beinahe für die Schließung der Disney Zeichentrickstudios gesorgt hätte und damit fraglos die heutige Filmlandschaft vollständig verändert hätte. Wir reden heute über ‚Taran und der Zauberkessel‘.

Walt Disney war stets so etwas wie ein kreativer Leitfaden für seine Firma. Insbesondere für die Zeichentrickfilme. Auch wenn er sich in seinen letzten Lebensjahren eher den Vergnügungsparks zuwandte, war er doch in die Produktion von ‚Das Dschungelbuch‘ eng involviert. Dessen Veröffentlichung 1967 sollte er nicht mehr erleben, nachdem er am 15. Dezember 1966 an den Folgen einer Operation wegen seines Lungenkrebses verstarb. In der Zeichentricksparte der Walt Disney Company war klar, dass man zunächst einmal Ideen umsetzen würde, die Walt bereits angestoßen, zumindest aber angedacht hatte. Daraus entstanden Filme wie ‚Robin Hood‘ und ‚Bernard und Bianca – Die Mäusepolizei‘ Doch während der Produktion von ‚Cap und Capper‘ kam es immer wieder zu kreativen Streitigkeiten. Streitigkeiten, die wieder und wieder mit der vermeintlichen Antwort auf die Frage „was hätte Walt gemacht?“ beigelegt wurden. Doch entpuppten sich diese Antworten als problematisch. Walt war zeitlebens jemand, der die Grenzen der Kreativität erweitern wollte. Die reine Rückschau auf seine Ideen führte aber notwendiger Weise zu Stagnation und Wiederholung. Und damit ziemlich genau zu dem, was Walt ganz sicher nicht gewollt hätte.

Es musste also etwas wirklich Neues her. Da besann man sich darauf, dass bereits seit 1971 eine Option auf die Verfilmung der Fantasy-Buchreihe „Die Chroniken von Prydain“ von Lloyd Alexander auf Halde lag. Die frühen 80er Jahre schienen der ideale Moment für deren Umsetzung, hatte doch gerade das Rollenspiel mit „Dungeons & Dragons“ Einzug in Kinderzimmer und Studentenbuden gleichermaßen gehalten. Ritter, Schlösser, Drachen, finstere Magier und strahlende Helden waren „in“. Und so begann die Produktion von ‚Taran und der Zauberkessel‘ unter Ted Berman und Richard Rich (wirklich). Dieser Film würde anders werden als bisheriger Disney Zeichentrick. Der Film sollte „Disney“ neu erfinden. Düsterer im Ton der Geschichte. Finsterer in den Bildern. Es würden sicherlich keine Lieder gesungen.  Fun Fact am Rande: Tim Burton legte eine ganze Reihe Charakterkonzeptzeichnungen für das Projekt vor, die aber alle verworfen wurden. Tatsächlich sollte der Film noch vor ‚Cap und Capper‘ erscheinen, doch gab es wieder und wieder Probleme in der Animation. So wurde letztlich Weihnachten 1984 als Veröffentlichungszeitpunkt angepeilt.

Die Handlung dreht sich um den jungen Schweinehirten Taran, der gerne ein großer Held wäre. Eines Tages wird seine weissagende Sau Henwen vom bösen Gehörnten König entführt, damit sie ihm den Weg zum Schwarzen Kessel weise, mit dem der Gehörnte eine unbesiegbare, untote Armee erschaffen will. Auf der Suche nach seinem Schwein trifft Taran auf eine sture Prinzessin, einen aufbrausenden Barden und auf Gurgi, ein Wesen irgendwo zwischen Rauhaardackel und Affe mit Einsteins Kopfbehaarung. Er begegnet Hexen und Elfen und lernt, dass ein Held zu sein mehr bedeutet als Ruhm und Ehre und es auf ganz andere Werte ankommt.

Aber während der Film in Produktion ging, kam es bei der bereits angeschlagen Walt Disney Company zu einigen Änderungen im Management. Für uns wichtig sind zwei Personen, die sich beide durch kapitalistisches Geschick, aufbrausende Persönlichkeiten und gigantische Egos auszeichnen: Jeffrey Katzenberg, als neuer Chef der Filmsparte und Michael Eisner als neuer Disney CEO. Katzenberg war anwesend bei der traditionellen Testvorführung von ‚Taran und der Zauberkessel‘ für Disneymitarbeiter, die auch ihre Kinder mitbringen durften. Und was er sah gefiel ihm überhaupt nicht. Immer mehr Kinder verließen, teilweise weinend, den Kinosaal. Frustriert konfrontierte er nach Ende der Vorführung die Macher und verlangte, dass der Film entschieden gekürzt würde. Produzent Joe Hale versuchte ihm zu erklären, dass das bei Zeichentrick nicht so einfach sei und monatelange Nacharbeit bedeuten würde. Katzenberg verlor die Geduld, ließ sich die Filmrollen aushändigen und ging damit in einen Schnittraum, um höchstpersönlich Hand anzulegen. Panisch informierten die Macher Eisner, der herüber eilte und das Schlimmste verhinderte. In der Sache war er allerdings einig mit Katzenberg: Kürzungen waren nötig. Die Veröffentlichung wurde auf Juli 1985 verschoben.

Zwölf Minuten fielen der Schere letztlich zum Opfer. Die Kontinuität konnte dank Nachanimationen einigermaßen gewahrt werden. Doch die ohnehin nicht ganz klare Handlung, die bereits weit vom Buch entfernt war, wurde durch die Schnitte nicht eben nachvollziehbarer. Auch hatte Komponist Elmer Bernstein keine Zeit seine Musik anzupassen, so dass hörbare Sprünge im Soundtrack verblieben. Die mehrere Jahre dauernde Produktion hatte am Ende etwa 45 Millionen Dollar gekostet. Damit war ‚Taran‘ in diesem Moment der teuerste Animationsfilm aller Zeiten. Die erhoffte Erneuerung  würde allerdings eine herbe Blamage für Disney werden.

Die Kritiken waren lauwarm bis negativ. Die Animation wurde gelobt, technische Innovation (früher Einsatz von Computeranimationen) gar gefeiert, doch fehlte eben die „Magie“ der klassischen Disneyfilme. Zur eigentlichen Katastrophe wurde aber die Kinokasse. Nur gut 20 Millionen Dollar spielte der Film in den USA ein. Um die Schande noch zu vergrößern: ‚Der Glücksbärchi-Film‘ des kleinen Animationsstudios Nelvana, der gerade einmal 2 Millionen in der Produktion gekostet hatte, schlug ‚Taran‘ problemlos an den Kinokassen und spielte fast doppelt so viel ein wie der. David hatte Goliath geschlagen und der hätte nun einer saftigen Ladung Glückstrahlen aus Bärenbäuchen bedurft, um alle negativen Gefühle zu vertreiben. Sicher, außerhalb der USA war ‚Taran‘ erfolgreicher, doch das reichte bei weitem nicht, um auch nur die Kosten wieder einzuspielen. Merchandise oder Zweitverwertung in den Parks stand außer Frage (Ausnahme: eine einzige Attraktion im Disneyland Tokio). Bei Disney wollte man den Film einfach nur vergessen wissen.

Tatsächlich waren Katzenberg und Eisner sogar kurz davor die Animationssparte komplett zu schließen. Disney zu einem reinen Live Action Studio zu machen. Eine erstaunliche Überlegung, sah es doch bei der Realfilmproduktion ähnlich düster aus. ‚Das scharze Loch‘ (1979) und ‚Tron‘ (1982) etwa hatten, angeregt durch die Star Wars Euphorie, mit gigantischen Budgets finanziell enttäuscht. Einer der Gründe warum Disney in diesem Moment der Pleite näher war als je zuvor und – bislang – später. Aus der Rückschau kann man sagen, die Schließung der Zeichentricksparte hätte den Untergang zumindest der Filmabteilung von Dsiney gesichert. Denn das hätte bedeutet es gäbe keine ‚Arielle, die Meerjungfrau‘ im Kino, kein ‚Ducktales‘ im Fernsehen. Und damit kein gigantisches Comeback für Disney während der 90er, das endlich die kreative Renaissance herbeiführte. Sicher wäre Disney nicht der Mediengigant, der sie heute sind. Aber es kam anders. Mit kleinem Budget und kurzer Produktionszeit wurde der großartige ‚Basil, der große Mäusedetektiv‘ auf den Weg gebracht und der wurde, bereits im nächsten Jahr, immerhin zu einem Achtungserfolg.

Und was wurde aus ‚Taran und der Zauberkessel‘? Nun, Disney spricht anscheinend bis heute nicht gern über den Film. Es gibt zumindest eine recht lieblose DVD Veröffentlichung der gekürzten Version. An eine BluRay ist wohl nicht zu denken. Es war ebenfalls nicht einfach einen halbwegs vernünftigen Trailer aufzutreiben. Und die eigentliche, ungekürzte Fassung? Ich habe meine Zweifel, ob es überhaupt noch in einem Archiv eine Kopie der ursprünglichen Version, des „echten“ Films gibt. Obwohl im Internet immer wieder einmal Gerüchte auftauchen. Ich mag die Rumpfversion von ‚Taran‘, die wir bekommen haben eigentlich ganz gern, aber die ungekürzte Fassung wäre so etwas wie ein heiliger Gral. Was hat Katzenberg als zu finster empfunden und floss die Handlung ursprünglich besser? Wir werden es vermutlich nie vollständig erfahren.

Und die Macher? Ted Berman musste nach mehr als 50jähriger Karriere bei Disney seinen Hut nehmen. Und Richard Rich zeichnete später verantwortlich für einige dieser Direct-to-Video Fortsetzungen von Disney Zeichentrickerfolgen. Katzenberg fühlte sich von Eisner bei einer Beförderung übergangen, verließ Disney 1994 und wechselte zu Spielbergs „Dreamworks Animation“. Hier produzierte er unter anderem ‚Shrek‘. Dessen Schurke Lord Farquaad lebte nicht nur in einer Kopie des Disney Schlosses, auch von Aussehen und Manierismen erinnert er frappierend an Michael Eisner. Der führte Disney derweil zum finanziellen Erfolg. Zwar setze Disney unter ihm  seltener Trends doch wusste er immer sie geschickt auszunutzen. Von wenigen (finanziellen) Fehltritten sowohl im Zeichentrickbereich (‚Der Schatzplanet‘) und abseits davon („Euro Disney“) machte er Disney mehr und mehr zu einem echten Platzhirsch in Hollywood. Sein Fall kam letztlich von ganz unerwarteter Seite. Roy E. Disney*, Walts Neffe und letztes kreativ involviertes Familienmitglied, entledigte sich 2003 unter lautem Medienecho aller seiner Ämter innerhalb des Disney Konzerns. Disney unter Eisner beschrieb er als „habgierig, seelenlos und stets auf der Suche nach dem schnellen Dollar“. Zwei Jahre später beendete Eisner unter stetig lauter werdender Kritik sowohl von innerhalb als auch außerhalb des Konzerns sein Arbeitsverhältnis und übergab die Geschäfte an Bob Iger. Und Tim Burton war vermutlich rückblickend ganz froh, dass seine Charakterkonzepte keine Verwendung fanden.

 

*Roy galt übrigens häufig als Quelle dafür, dass es die vollständige Version von ‚Taran‘ noch gäbe.

Horrorfilme auf die ich mich 2019 freue

Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude. Und ich bin nachwievor der Meinung wir erleben derzeit eine sehr gute Zeit für Horrorfilme. 2019 wird ein Jahr, in dem neue Filme von einigen Regisseuren zu erwarten sind, deren Werke mir in den letzten Jahren besonders gut gefallen haben. Dies wird keine Trailerpräsentation, denn zu den meisten genannten Filmen gibt es noch keine. Es wird einfach eine Liste mit Filmen, auf die ich mich freue und diese Freude will ich mit Euch teilen. Also los. Weiterlesen

Magie und Kino

Am 17. März des Jahres 1904 hatte Erich Weiss ein Problem. Er hatte eine Herausforderung angenommen, die er womöglich nicht würde gewinnen können. Weiss war ein Illusionist, Entfesselungskünstler und Selbstdarsteller, besser bekannt unter seinem Bühnennamen Harry Houdini. Sein Ego schien es ihm nicht zu erlauben, Herausforderungen aus dem Weg zu gehen. Das würde dafür sorgen, dass er im Laufe seiner Karriere gefesselt in einer Kiste auf den Grund eines Flusses versenkt würde, oder sich von einem Kran hängend aus einer Zwangsjacke befreien müsste. Doch an diesem Tag hatte er eine Herausforderung der britischen Zeitung London Daily Mirror angenommen. Diese hatte von einem Schlossermeister aus Birmingham ein paar Handschellen erhalten, die ihr Macher als unentrinnbar bezeichnete. Die Redaktion legte das Fesselwerkzeug Schlossern und Ingenieuren vor, die diesen Eindruck bestätigten. Eine Herausforderung an Houdini wurde ausgesprochen und der nahm an. Weiterlesen