Digitales Konserven-Schauspiel

Jeder, der über längere Zeit amerikanische Superheldencomics liest weiß, dass Zeit dort ein sehr relatives Konzept ist. Bruce Wayne wird (von Spezialausgaben ausgenommen) immer ein athletischer Mann in seinen Dreißigern sein, der sich nachts in schwarzes Leder kleidet und Verbrecher verprügelt. Das war er 1939 und das ist er heute immer noch. Anderswo vergeht Zeit, aber beinahe unmerklich langsam. Peter „Spider-Man“ Parker hat die Schule beendet, ein Studium abgeschlossen und eine Stelle als Dozent angetreten (nach meinem nicht mehr ganz frischen Wissensstand). Das heißt, für ihn sind seit 1962 gut 10 Jahre vergangen und damit dürfte er schon am extremen Ende liegen. Wie kann Marvels Filmuniversum damit umgehen? Wird man hier akzeptieren, dass Captain America alt wird und ihm der Schild irgendwann zu schwer? Wird Iron Man einen Erben benennen? Sicher, es gibt viel Spekulation um die Tatsache, dass nicht alle Helden den ‚Infinity War‘ überstehen werden, doch wissen Leser von Superheldencomics ebenso, dass „Tod“ dort ein sehr relativer Zustand ist. Die Frage nach dem Umgang mit dem Altern der Protagonisten gilt natürlich nicht nur für Marvel, sondern auch für alle anderen lukrativen Filmuniversen. Kann der Auftritt von CGI „Peter Cushing“ als Grand Moff Tarkin in ‚Rogue One‘ womöglich als ein erster Testballon betrachtet werden? Nähern wir uns womöglich einer Zeit an, in der die digitalen Klone von Schauspielern ihre Rollen bis in alle Ewigkeit spielen können, wie in Ari Folmanns Film ‚The Congress‘?

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Sagt mal, schaut Ihr noch fern?

Vor einiger Zeit schrieb ich hier über die Frage, ob man einen Film lieber im Kino oder zu Hause schauen möchte. Das hat mich jetzt, ganz organisch, zum ehemals mächtigsten Massenmedium geführt: dem Fernsehen. Und der Frage warum man es eigentlich noch schaut. Das „klassische“, „lineare“ Fernsehen, meine ich. Es hat einmal grundlegend verändert wie der Mensch lebt und wohnt, am sichtbarsten wohl insofern, als dass Wohnzimmereinrichtungen grundlegend auf den Fernseher ausgerichtet wurden, was den Fernseher wohl zum einschneidendsten Stück Inneneinrichtung seit Erfindung des Stuhles machen dürfte. Für die Filmstudios war es zunächst der große Buhmann, der böse gefürchtete Konkurrent, wurde aber schnell zur attraktiven Zweitverwertung von Archivtiteln und hat so vermutlich Großes für den Erhalt von Filmen geleistet. In England machte man sich anfangs Sorgen, ob es wohl Majestätsbeleidigung wäre, wenn ein Fernsehzuschauer bei der Krönung Elisabeth II. den Hut aufbehalte. Das Fernsehen schien wie eine neue Quelle demokratischer Macht, als Informationslieferant, Aufklärer und Beobachter. Und natürlich Allround-Entertainer in den eigenen vier Wänden. Dann bekam es irgendwann den Ruf der Verdummungsmaschine. Die Kinder lesen nicht mehr, sie spielen nicht mehr, sie glotzen nur noch. Dem Erfolg des Fernsehens tat das keinen Abbruch, vermutlich weil beide Ansichten in gleichem Maße wahr und korrekt sein können. Dann aber kam das Internet. Weiterlesen

Wer früher geht verpasst was nach dem Abspann kommt – auch an Ostern

Ah Freunde, das Osterfest steht vor der Tür! Wir feiern, dass dieser Hase von der Südpazifikinsel mit den Steinköpfen drauf, den Hühnern der Welt gezeigt hat wie man bunte Schokoeier legt! Oder die Auferstehung Jesus Christus, je nachdem. Worüber könnte ich zu diesem Anlass schreiben? Über den besten Film um Jesus (der deutlich mehr bekommen hat, als der Hase) vielleicht? Wie diese Einleitung zeigen mag, bin ich dafür vermutlich nicht ganz der Richtige, falls es aber doch jemanden interessieren sollte, mein Liebster ist Martin Scorceses ‚Die Letzte Versuchung Christi‘ von 1988. Nein, ich werde heute über etwas anderes schreiben (mit immerhin besserer Osterverbindung, als die furchtbare Überschrift vermuten lässt). Wir alle kennen „Easter Eggs“ im Film, kleine versteckte Gags für Aufmerksame und Mehrfachgucker. Und eine Form dieser Easter Eggs waren einmal Nach-Credit-Szenen. Inzwischen werden die bei Blockbustern ja schon erwartet. Aber wer hat damit angefangen und wie haben sie sich im Laufe der Zeit gewandelt? Schauen wir mal! Weiterlesen

Kino oder Wohnzimmer? Die ewige Frage

Ich weiß, ich weiß, einfallsreiches Thema. Wohl jeder der gelegentlich über Filme kolumniert landet früher oder später bei dieser Frage. Seit über dreißig Jahren gibt es Artikel, die Heimmedien als das Damoklesschwert über dem Haupt des Kinos betrachten und die der über 100 Jahre alten Institution ein baldiges Ende voraussagen. Dafür halten sie sich eigentlich noch ganz gut, die Kinos. Das mag auch daran liegen, dass ein Kinobesuch mehr ist als „nur“ den Film zu sehen. Oftmals ist es ein gemeinschaftliches Erlebnis verbunden mit Essengehen oder sonstigen Unternehmungen. Ich könnte die Frage stellen, was die größere Gefahr für die Kinos ist, ein Ausbleiben von Besuchern oder der Disney-Konzern, der mit ‚Die Letzten Jedi‘ die Abgaben für Kinos auf brutale zwei Drittel des Kartenpreises erhöht hat und… hey, hey kommt zurück! Nein, das ist keine getarnte, weitere Disney-Bedenkenträgerei, auch wenn die angemessen wäre. Ich möchte für mich darlegen, warum ich nur noch sehr wenig ins Kino gehe und vieles lieber daheim schaue. Und natürlich Eure Meinung dazu wissen. Weiterlesen

Frisches Blut: weibliche Regisseure im Horror – Teil 2

Horror hat – nicht ganz zu Unrecht – den Ruf Frauen selten mehr als schreiende Opferrollen zuzudenken. Ich bin der Meinung dieser Trend hat in den letzten zwanzig Jahren zumindest den Beginn einer Veränderung erfahren. Nicht zuletzt, weil mehr Frauen im Bereich des Horrors hinter der Kamera arbeiten. Ohne lange Vorrede geht es heute da weiter, wo Teil 1 letzte Woche aufgehört hat (und wo Ihr, bei Bedarf, auch eine lange Vorrede findet). Weiterlesen

Frisches Blut: weibliche Regisseure im Horror – Teil 1

Für regelmäßige Leser dieses Blogs ist es wohl keine Überraschung, dass Horror ein Genre ist, dem ich mich sehr zugeneigt fühle. Ich habe schon das eine oder andere Mal darüber geschrieben. Allerdings ist mir selbst vor kurzem erst aufgefallen, wie sehr mich die weibliche Sicht auf das Genre fasziniert. Auch das kann man an meinem Blog recht gut nachvollziehen. Mein erster Artikel beschäftigte sich mit Jessica Hausners großartigem ‚Hotel‘ (der Artikel selbst ist übrigens… nicht sooo gut, ähem), ‚Ich seh, ich seh‘ (Veronika Franz Co-Regie) hat mich sehr beeindruckt, genauso im letzten Jahr Alice Lowes hochschwangere Doppelrolle als Regisseurin und Hauptdarstellerin von ‚Prevenge‘. Und nicht zuletzt habe ich Julia Ducournaus brillanten „cannibaling-of-age-movie“ ‚Raw‘ zu einem der liebsten Filme, die ich 2017 gesehen habe, erklärt. Und das beschreibt nur die Arbeit von Frauen hinter der Kamera. ‚May‘ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme und Angela Bettis liefert eine meiner liebsten darstellerischen Leistungen ab. Oder ‚Spring‘, der das alte (schon im Märchen vorhandene) Klischee der Frau, die sich ins Monster verliebt umdreht. Was macht eine weibliche Perspektive im Horror für mich so faszinierend? Das ist eine gute Frage, die ich selbst nicht vollständig beantworten kann. Ich nehme aber an, die Tatsache, dass in meiner Jugend, als meine Faszination für den Horror entstand, das Genre rein männlich geprägt war, etwas damit zu tun haben dürfte. Denn neue Perspektiven sind ja grundsätzlich interessant. Deshalb will ich, auch anlässlich des Internationalen Frauentags, heute (und damit nur zwei Tage zu spät) und nächsten Samstag (und damit nur neun Tage zu spät) ein paar weitere Horror-Werke von Frauen vorstellen, die mich schwer beeindruckt haben. Ich beschränke mich dabei auf die Arbeit hinter der Kamera, um das Ganze zumindest halbwegs im Rahmen zu halten. Weiterlesen