‚Willy’s Wonderland‘ (2021)

Nach ‚Pig‘ hatte ich mal wieder Lust mehr vom aktuellen Nicolas Cage zu sehen. Was wäre der gegenteiligste Film zu ‚Pig‘ ohne dabei das allzu lahme billig-Thriller Territorium zu betreten, dass sich Cage mit Leuten wie Bruce Willis oder John Travolta teilt? Hm, wie wäre es mit ‚Willy’s Wonderland‘ wo Cage einen wortlosen Charakter gibt, der sich mit animatronischen Pelzkreaturen prügelt? Okay… ich muss nur eben schauen, ob wir Bier kaltgestellt haben. Haben wir, na dann mal los!

Irgendwo im tiefen Süden der USA platzen die Reifen am Muscle Car eines stillen Herumtreibers (Nicolas Cage). Offenbar lagen Stachelketten auf der Straße. Ein Abschleppwagen ist erstaunlich schnell zur Stelle und bringt ihn ins nahe Hayesville. Hier stellt sich heraus, dass der Preis für die Reparatur die Barschaft des Herumtreibers erheblich übersteigt. Doch eine Lösung ist schnell gefunden: im Ort ist das Familienunterhaltungszentrum Willy’s Wonderland, das Besitzer Tex MacAdoo (Ric Reitz) nach längerer Schließung, aufgrund gewisser Vorfälle, nun neueröffnen möchte. Dazu muss es aber auf Vordermann gebracht werden. Wenn der Herumtreiber es also über Nacht grundreinigt, übernimmt Tex die Reparatur seines Autos. Schnell wird man sich handelseinig. Der Herumtreiber erledigt seine Arbeit sorgfältig, nimmt seine Pausen ernst und lässt sich auch nicht von marodierenden, animatronischen Puppen um das namensgebende Wiesel Willy aus der Ruhe bringen. Stattdessen verarbeitet er sie zu Schrott. Doch als eine Gruppe Jugendlicher in Willy’s Wonderland eindringt, wird die Sache blutig.

Klingt idiotisch? Ist es auch! Aber die Macher um Regisseur Kevin Lewis tun sich selbst einen Gefallen und spielen das Ganze nicht augenzwinkernd, obwohl sie sich offensichtlich der Absurdität des ganzen Szenarios bewusst sind. Ich sag es mal direkt, als „Horror“-Film funktioniert der Film für mich überhaupt nicht. Weil ich vor animatronischen Puppen nun so überhaupt keine Angst habe. Das liegt vielleicht daran, dass das ein sehr amerikanisches Ding ist. Ich hätte als Kind vermutlich nicht mal gewusst, dass es sowas gibt. Das Schöne ist: Cages Charakter hat ebenfalls nicht die geringste Angst vor den Dingern. Eher genervt verwandelt er sie in Haufen aus Altmetall, Filz und erstaunlich viel Schmieröl. Denn sie stören seine Arbeit und – weit schlimmer – seine Pausen. In denen trinkt er eine Limo, wechselt sein Willy’s Wonderland Shirt, weil das letzte durch die Schlägerei allzu dreckig geworden ist und hat eine quasi-sexuelle Erfahrung mit einem Flipper Automaten. Will sagen, er setzt sein Becken erstaunlich stark ein, beim Flippern.

Parallel dazu läuft ein eher herkömmlicher Slasher. Eine Gruppe Jugendlicher aus dem Ort weiß, dass in Willy’s Wonderland immer wieder Fremde ums Leben kommen und will das Ding niederbrennen. Eine von ihnen (Emily Tosta) besteht darauf, vorher noch den unfreiwilligen Hausmeister rauszuholen. Damit beginnt für sie das Unglück. Denn die Teens sind weit weniger stoisch und weit verletzlicher im Angesicht der Filzterminatoren. Dieser Aspekt des Films erfüllt, durchaus absichtlich, sämtliche Klischees des Slashers. Zwei Teenager setzen sich gar ab, um das zu tun was Teenager in Slashern immer tun, obwohl sie genau wissen, dass mörderische Puppen umgehen. Und durch das Aufeinandertreffen dieses herkömmlichen Slashers und Cages höchst eigenem Charakter, erwächst der Charme des Films.

Auch wenn der Film seine Kamera durchaus stilsicher einzusetzen weiß, bleiben geringes Budget und eine gewisse Unsicherheit der Filmemacher immer sichtbar. So werden die Actionszenen, wenn Cage die Pelz-Robos zu Klump haut mit übelster Wackelkamera gefilmt. Als wär das Ding auf einem Presslufthammer installiert. Vermutlich um zu übertünchen, wie billig die Puppenanzüge aussehen. Aber hey, Filmemacher, das hab ich eh schon gesehen. Ich meine einer eurer „animatronischen“ Figuren ist schlicht eine Frau mit einer Puppenmaske, die wie ein Roboter läuft. Ich habe gesehen, wie billig der Film ist und das verdirbt ihn mir nicht. Solange ihr nicht mit der ‚Sharknado‘ Idee von „haha, wir WOLLEN einen beschissenen Film drehen“ herangeht, sind solche Imperfektionen in dieser Art von Film völlig okay. Jedenfalls besser als Shaky Cam!

Auch meint der Film allen Ernstes eine Hintergrundgeschichte dafür liefern zu müssen, warum die Figuren lebendig und mörderisch sind. Als ob irgendeine Antwort darauf besser sein könnte, als gar keine. Aber all diese Unsicherheiten werden ein Stück belanglos, wenn man zum, absolut selbstsicheren, Herzstück des Films kommt. Das wohl auch der Grund für das geringe Budget für alles andere sein dürfte. Dennoch, gut ausgegebenes Geld!

Denn der Film lebt von Cages Darstellung. Er verleiht seinem Charakter, grundsätzlich erst einmal der typische geheimnisvolle, schweigsame Fremde, so viele kleine Manierismen, seltsames, aber im Charakter konsistentes Verhalten, dass es ein absolutes Vergnügen ist ihm zuzuschauen. Egal, ob er gerade eine Alligatoren Animatronic zu Schrott verarbeitet, oder einen zuckrigen Energy-Drink herunterstürzt. Man darf sich vermutlich fragen, was von beidem für einen Mann in seinem Alter gefährlicher ist. Mal ganz davon ab, dass Cage „dreckig“ spielen kann, wie es kaum ein anderer in Hollywood vermag. Je schmuddeliger und verkrusteter sein Charakter ist, umso mehr scheint er zu wachsen. Und ihn stumm zu spielen war ebenfalls eine grandiose Idee. Nicht nur, weil die Dialoge kaum mäßiges Niveau erreichen, sondern weil das dem Charakter eine weitere Dimension gibt. Die Animatronics plappern unablässig vor sich hin und so wird plötzlich Cages Charakter zum stummen Slasher, der sie brutal ins Maschinenjenseits befördert. Die anderen Darsteller stinken größtenteils völlig dagegen ab. Erwähnen möchte ich bloß noch die hart arbeitende Charakterdarstellerin Beth Grant, die man mal in Oscar-Kandidaten wie ‚Jackie‘ sieht und dann wieder in Filmen, in den Nicolas Cage einen mechanischen Gorilla zerlegt und die ungeachtet dessen immer alles gibt.

Der Film ist nicht ganz so unterhaltsam, wie man von einem Film mit der These „Nicolas Cage vs. animatronisches, anthropomorphes Viehzeug“ erhoffen würde. Er ist aber auch nicht so schlecht, wie man eine solche Prämisse durchaus versauen könnte. Cage schleppt den Film problemlos über die Ziellinie, selbst wenn der sich gelegentlich selbst im Weg steht. Das eine oder andere kalte Bier sollte man vermutlich dennoch zur Hand haben, um das Maximum herauszuholen.

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