‚Chopping Mall‘ (1986) – Robomallcops oder Mallrobocops?

Roger Corman ist bekanntlich der König Kaiser des schnell und billig produzierten B-Movies. 1984 gründete seine Ehefrau Julie ihre eigene Produktionsfirma, vermutlich weil gefühlt drei produzierte Filme am Tag von Roger nicht annähernd ausreichten. Hier produzierte sie zunächst Familienfilme, doch als sie einen Deal mit dem Verleih Vestron an Land zog, der einen Horrorfilm haben wollte, der in einem Shoppingcenter (oder „Mall“, wie der Amerikaner ebenso englisch aber kürzer sagt) spielt, sagte sie auch hier gern zu. Sie beauftragte den jungen Jim Wynorski, der für Roger Corman bereits mehrere Filme geschrieben und bei einem Regie geführt hatte mit der Entwicklung. Wynorski und Kumpel Steve Mitchell überlegten eine Art ‚Phantom der Mall‘ zu schreiben. Doch bald fiel ihnen auf, dass das ein allzu typischer Slasher-Film werden würde. Laut Wynorski hatte dann Mitchell die zündende Idee: Roboter! Die waren Mitte der 80er überall gern gesehen, vom Familienfilm (‚Nummer 5 lebt‘) bis zur düsteren SciFi-Dystopie (‚Terminator‘, ‚Robocop‘), selbst in ‚Rocky IV‘ war man vor ihnen nicht sicher. Warum also nicht als Slasher-Schurken? Schnell noch ein brillantes Wortspiel als Titel und fertig! Julie Corman und Vestron nickten die Idee ab, Wynorski musste den Film jetzt „nur noch“ mit quasi nicht vorhandenem Budget inszenieren. Denn Geld für Filme ausgeben lag beiden Cormans nicht.

Drei Pärchen wollen nach Ladenschluss eine Party im Möbelladen der Park Plaza Mall feiern. Kellnerin Allison (Kelli Maroney) und Nerd Ferdy (Tony O’Dell) werden hierbei von ihren Freunden als Blind Date zusammengebracht. Die Mall hat allerdings ein neues Sicherheitssystem. Protector 101 Roboter übernehmen die nächtliche Sicherheit des Einkaufsparadieses. Einer für jedes der drei Stockwerke der Mall. Doch für die Feierwütigen sollte das kein Problem sein, arbeiten doch die meisten von ihnen dort und haben entsprechende Ausweise, die sie den Wachbotern nur vorzeigen müssen. Doch leider schlägt ein Blitz ein, der dafür sorgt, dass die Roboter nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden und statt auf Betäubungsmittel und Taser plötzlich auf tödliche Laser und Sprengstoff (womit sie aus nicht gänzlich geklärten Gründen ausgestattet sind) zur Bekämpfung vermeintlicher Ladendiebe zurückgreifen. Doch zum Glück sind wir in einer Mall in den USA. So ist der nächste Waffenladen nicht weit und die jungen Leute können den, zugegeben immer noch sehr ungleichen, Kampf aufnehmen.

‚Chopping Mall‘ weiß exakt was für ein Film er ist. Nennt es B-Movie, nennt es Trash, nennt es Schund, alle Beteiligten wussten exakt, was sie produzierten und haben die spaßigst-mögliche Version dessen geschaffen. Das beginnt beim Design der Roboter, das irgendwie am perfekten Ort zwischen cool und albern landet, mit ihren Spindelarmen und Kettenfahrwerk, das vollständig inkompatibel zu den allgegenwärtigen Rolltreppen scheint. Sicherlich wirken sie billig, aber genau die Art billig, die man in einem Einkaufszentrum der 80er erwarten würde. Mit ihrem Standardsatz „Have a nice day!“, den Wynorski selbst einsprechen musste, weil für einen weiteren Sprecher kein Geld mehr da war, haben sie sogar einiges an Persönlichkeit.

Weiter geht es mit Chuck Cirinos Soundtrack der derart 80er Synthesizer ist, dass ich gar nicht anders kann als breit zu grinsen. Und wenn die Helden des Films schwer bewaffnet aus dem Knarrenladen  kommen und der Klang der Musik sich ein wenig Richtung Italowestern verschiebt, herrje, wer könnte denn da keinen Spaß dran haben?

Des weiteren die Effekte, die fraglos billig und oft genug mit der heißen Nadel gestrickt sind. Handgemalte Effekte von Strom und Lasern auf der einen Seite, auf der anderen eine durchaus effektive Explosion eines Kopfes und ein recht eindrucksvoller Sturz aus dem dritten Stock. Apropos Explosion: der Film hat ein geradezu unendliches Vergnügen daran Dinge in die Luft zu jagen und tut dies bei jeder Gelegenheit und das ist nichts weniger als gut so. Wenn einer der Helden irgendsoein winziges Lastenfahrzeug, wie man sie höchstens mal am Flughafen sieht, mit ca. 5 km/h in einen der Roboter rammt, dann dürft Ihr Euch durchaus sicher sein, dass der effektvoll in die Luft geht. Wer hier jetzt allzu schnappatmend nach Logik fragt, wird hingegen vermutlich wenig Vergnügen an dem Film haben.

Eine wichtige Stütze des Films sind die gut aufgelegten Darsteller. Die Charaktere mögen allesamt ziemliche Klischees sein, doch schaffen es die Darsteller, allen voran sei hier die stets wunderbare Barbara Crampton erwähnt, ihnen Persönlichkeit und Sympathie zu verleihen. Das sind definitiv nicht diese Slasher-Charaktere, bei denen man auf die Uhr schaut, wann Jason endlich zuhaut. Hier wünscht man, wenigstens den meisten, dass sie es aus dem Zentrum raus schaffen und sie der Einkauf nicht, wie die originale Tagline sagt „ein Arm und ein Bein kostet“.

Autor/Regisseur Wynorski hat ebenfalls viel Spaß. Merkwürdige und alberne Charaktermomente, Darsteller aus anderen Corman-Produktionen, die Cameo-Auftritte absolvieren (darunter Joe Dante-Spezi Dick Miller), Anspielungen auf andere Corman Produktionen, mit einem Diner voll mit Corman Filmplakaten. Und Anspielungen auf die weitere Filmwelt, so heißt der Waffenladen hier „Peckinpah’s“. Brillante Oneliner wie „Let’s send these fuckers a Rambo-gram!“ runden das Ganze ab. Sicherlich, es ist immer noch ein Corman-Film und so ist hier durchaus „Sleaze“ zu finden. Ca. ¾ der Darstellerinnen zeigen kurz ihre Brüste, wenn sich die Möbelhausparty zur insgesamt doch recht züchtigen Beinahe-Orgie entwickelt. Das wirkt aber eher wie Pflichtprogramm, bevor der Film zum unterhaltsamen Teil kommt. Slasher-Killer, auch mechanische, müssen halt warten bis wer Sex hatte.

Ich habe Rezensionen gesehen, die in ‚Chopping Mall‘ einen Metafilm und einen Kommentar auf das Genre an sich sehen wollen. Soweit würde ich nicht gehen, er ist schlicht ein Film, der exakt verstanden hat was er ist und was sein Publikum will. Einen gewissen soziopolitischen Kommentar kann man sicherlich problemlos entdecken, hat man es hier doch mit einer Konsumgesellschaft zu tun, die den Schutz von Waren über den von Menschenleben zu stellen scheint. Ein Charakter rechnet gar aus, wieviel sie der Mall für die angerichteten Schäden schulden, falls sie überleben.

Am Ende wollen aber Wynorski, die Darsteller und alle Beteiligten vor allem eines: ihre Zuschauer gut unterhalten. Und das gelingt ihnen in den knapp 77 Minuten des Films, zumindest aus meiner Sicht, ganz wunderbar. Gebt mir ein Bier oder drei, eine Tüte Chips und ‚Chopping Mall‘ und so ziemlich jeder Abend ist gerettet.

Fun(?) Fact: gedreht wurde in der Sherman Oaks Galleria, die auch schon Arnie in ‚Phantom Kommando‘ unsicher gemacht hat. Da steckt irgendwo ein Killerroboter-Witz drin.

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