‚Shaun das Schaf – UFO-Alarm‘ (2019)

‚Shaun das Schaf – Der Film‘ ist einer meiner liebsten Stummfilme der Neuzeit. Und nein, keine Sorge, ich langweile Euch hier nicht mit einem weiteren Vortrag darüber wie wichtig ich den Stummfilm für das visuelle Medium Film finde, wie sehr seine Universalität verbindend wirken kann. ‚Shaun das Schaf – Der Film‘ war vor allem eines: rundum gelungener Slapstick. Da ist es mir persönlich völlig wurscht, ob die Zielgruppe ganze Jahrzehnte jünger ist als ich. Außerdem bin ich wirklich froh, die wollig-sympathische Belegschaft der Mossy Bottom Farm wieder besuchen zu dürfen.

Im beschaulichen Mossy Bottom herrscht allerdings helle Aufregung. Ein UFO soll im Wald gesichtet worden sein! Eine Sichtung so schrecklich, dass sie zum Verlust einer frischen Portion Fish & Chips geführt hat! Und zu einem Touristenstrom. Den will sich Farmer John natürlich monetär zunutze machen, um einen neuen Traktor anzuschaffen. Also lässt er die Schafe den Vergnügungspark „Farmageddon“ bauen, mit dem Ziel den UFO-Fans das Geld aus der Tasche zu ziehen. Gleichzeitig findet die Pilotin des UFOs, die knuddelige LU-LA, ihren Weg in den Schafstall und benötigt offensichtlich Hilfe um nach Hause zu kommen. Klar, dass Shaun und Crew da nicht tatenlos zusehen können. Dummerweise ruft ein Missgeschick von Hütehund Bitzer mit einem Leimeimer die bislang arg unterforderte, dafür hochmotivierte UFO-Behörde der Regierung auf den Plan.

Wenn Ihr den obigen Absatz gelesen habt und auch nur eine Handvoll Filme gesehen habt, dann wisst Ihr schon ziemlich gut was passieren wird. Und ja, auch all die zu erwartenden Zitate und Anspielungen, etwa auf ‚E.T.‘, ‚2001‘ ‚Akte X‘ oder ‚Doctor Who‘ sind vorhanden. Und wisst Ihr was? Das ist völlig okay. Eine Minute nach Beginn des Films begann ich zu grinsen. Ein Zustand der die gesamte Laufzeit des Films höchstens dadurch unterbrochen wurde, dass ich tatsächlich lachen musste. Der erste Film mag der insgesamt stärkere sein, aber ich fühle ernsthaftes Mitgefühl für jeden, der sich nicht zutiefst darüber amüsieren kann, wenn etwa LU-LA im akuten Zucker-High einen Supermarkt zerlegt.

LU-LA ist überhaupt eine interessante Figur. Sie ist die einzige, die ein wenig „spricht“, wenn auch vor allem ihren Namen. Alle anderen kommunizieren schließlich nur über Geräusche, vornehmlich natürlich „Mäh“, die LU-LA allerdings auch alle perfekt nachahmen kann. LU-LA nimmt sich durch Design und Farbe sofort wie ein Fremdkörper in Mossy Bottom aus, doch schließt man sie als Zuschauer, ebenso schnell ins Herz wie die Schafsherde. Sie ist außerdem ein sehr klassischer Aardman-Charakter, weil man an ihr, im wahrsten Sinne des Wortes, die Fingerabdrücke der Animatoren sehen kann. Was in anderen Filmen ein Bruch der vierten Wand wäre und auch hier dafür sorgt, dass man fast meint die Modelliermasse riechen zu können, ist für mich hier aber wesentliches Element für das Gelingen des Films. Denn diese Augenblicke geben den Charakteren etwas außergewöhnlich „haptisches“, eine Anwesenheit und Authentizität, die ein CGI-Charakter natürlich grundsätzlich nicht haben kann. Dadurch wirkt auch der Slapstick des Films sehr viel physischer und „echter“ und dadurch komischer. Weil wir merken, hier wird wirklich etwas vor der Kamera bewegt. (Randbemerkung: das soll kein grundsätzliches „Praktische Effekte besser als CGI“ sein. Beide haben ihre Stärken, ihre Schwächen und ihren Platz. Nur weiß man bei Aardman nach Jahrzehnten eben exakt, wie man das gewählte Stop-Motion Medium zur Perfektion nutzt.)

Im Design liefert Aaardman ebenfalls erneut Großes. Vom lauschigen Mossy Bottom, den saftigen tiefgrünen Wiesen und urigen, umgebenden Wäldern, über LU-Las Raumschiff, irgendwo zwischen iPhone und diesen Kleinkinderspielzeugen mit allerlei Knöpfen drauf, die Tiergeräusche machen, bis zur Geheimbasis der Alien-Jäger, wo sogar die Freizeit im gelben Ganzkörper-Schutzanzug verbracht wird.

Auf die Verwendung einiger Popsongs, die sich sehr deutlich an die junge Zielgruppe wenden, hätte ich persönlich gut verzichten können, bin aber zum Glück noch nicht grummeliger, alter Sack genug, um mich daran allzu ernstlich zu stören. Und wie gesagt, Gag für Gag war der erste Film sicherlich der stärkere und wäre für Shaun-Einsteiger meine erste Empfehlung, aber auch UFO Alarm ist einfach ein solcher Wohlfühlfilm. Was das angeht haben die Briten im Familienfilm der 2010er mit ‚Paddington‘ und eben den Shaun Filmen echt gezeigt was so möglich ist.

Ist es das filmische Äquivalent zu einer riesigen Portion Zuckerwatte? Vielleicht, aber sicherlich wird einem hinterher nicht schlecht! Und auf die Hüften geht das Schaf auch nicht. Bloß aufs Zwerchfell.

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