‚Ghostbusters Legacy‘ (2021)

Tja. Dann muss ich wohl mal über den Film schreiben. Ich sage lieber gleich, mein Problem war (und ist), dass ich nicht wirklich weiß, was ich dazu sagen soll. Wer meinen Ghostbusters-Monat (oder Teile davon, weil Ihr zwischendurch aufgegeben habt, was nur vernünftig wäre) gelesen hat, weiß, dass ich eine durchaus vollständig ausgefüllte Ghostbusters Fanboykarte mein eigen nenne. Natürlich habe ich erwartet ‚Legacy‘ zu lieben, offensichtlicher Nepotismus bei der Regisseur-Wahl hin oder her. Nun, ich liebe ihn nicht. Ich mochte ihn nicht einmal besonders. Es ist aber nicht der kalte Zorn eines ‚Rise Of Skywalker‘, der mich hat entscheiden lassen, dass Star Wars und ich eine seeehr lange Pause brauchen, es ist mehr ein Gefühl der absoluten Leere. Der vollständigen Substanzlosigkeit, könnte man auch sagen. Wie ein Geist. Wie ein Geist, der die Handlungen, die sein Leben bestimmten, in fahler Imitation bis in alle Ewigkeit wiederholt.

Nur damit wir uns nicht falsch verstehen: ich sehe, dass der Film für viele von Euch funktioniert. Und das freut mich. Ehrlich gesagt bin ich sogar mehr als ein bisschen neidisch. Ich will ihn niemandem kaputtmachen, aber ich kann nur beschreiben wie er für mich funktioniert. Und dafür werde ich unten auch Spoiler verwenden müssen werde aber rechtzeitig vorher warnen und auch ihr Ende markieren.

Callie (Carrie Coon) findet heraus, dass ihr entfremdeter Vater Egon Spengler verstorben ist und ihr ein verfallenes Farmhaus nahe Summerville, Oklahoma vermacht hat. Mit ihren eigenen Kindern, Trevor (Finn Wolfhard) und Phoebe (McKenna Grace) macht sie sich, aufgrund akuter Mittellosigkeit, auf den Weg dorthin. Phoebe sieht sich alsbald von merkwürdigen Erscheinungen zu den Geheimnissen des Hauses geleitet. Ihr Großvater war ein Ghostbuster, der 1984 das Ende der Welt verhindert hat. Lehrer Mr. Grooberson (Paul Rudd) erzählt von merkwürdiger seismischer Aktivität rund um die alte Shandor Mine. Womöglich steht das Ende der Welt erneut bevor und diesmal müssen Phoebe, Trevor und ihre neuen Freunde Podcast (Logan Kim) und Lucky (Celeste O’Connor) ihm entgegentreten. Vielleicht mit etwas Hilfe der alten Garde.

Der Anfang wirkt, als würde er Jasons Reitmans Stärke als Regisseur, nämlich dem Comedy Drama, zuspielen. Callie ist keine gute Mutter und dem Alkohol ein wenig mehr als gesund zugetan. Phoebe hat Schwierigkeiten ihre Gefühle mitzuteilen, mit der Welt in Kontakt zu treten. Trevor ist ein linkischer, unsicherer Teenager in völlig neuer Umgebung. Daraus ergeben sich zahllose Story-Möglichkeiten. Jedenfalls theoretisch. Denn praktisch bleibt das alles wahnsinnig halbgar und höchstens grob umrissen. Die einzige, die hier wirklich Raum bekommt sich zu entfalten ist McKenna Grace. Und die ist, ohne jede Frage, mit ganz großem Abstand das Beste an diesem Film. Wie es ihr gelingt kleine Manierismen aus Harold Ramis‘ Egon Spengler-Darstellung in ihre eigene zu integrieren ist, gerade für eine so junge Darstellerin, beeindruckend. Der Rest aber wird verschwendet. Völlig verschwendet. Wolfhards Rolle wirkt als wäre sie, von den Plot-relevantesten Momenten abgesehen, quasi aus dem Film geschnitten. Carrie Coons und Paul Rudd entwicken zwischendurch, wenn sie gemeinsame Szenen haben, durchaus mal Charisma. Doch er ist dazu da um Exposition zu verbreiten und Coons beginnt jede Szene mit „boah, ich hasse meinen Vater!“. Ohne Witz!

Apropos, ohne Witz. Das ist vielleicht das größte Problem des Films. Er ist nicht komisch. Das 2016er Reboot ist vermutlich viel zu weit in Richtung Albernheit getanzt, doch dieser Film überkorrigiert. Die Einzige, die Witze macht ist Phoebe, jemand die, laut Story, keine Witze erzählen kann. Und das stimmt! Doch bald wird tragisch klar warum der Film so halbgar, lieblos und humorlos bleibt. Der Film ist nicht interessiert an seinen Charakteren, Der Film ist nicht interessiert an Humor. Der Film ist dafür da, um uns an ‚Ghostbusters‘ zu erinnern. Da kommen Hände aus einem Sessel, wie in ‚Ghostbusters‘! Bücher sind gerade aufgestapelt, wie nie ein Mensch es könnte, wie in ‚Ghostbusters‘! Graces Charakter findet in Egons Uniform ein Crunch-Riegel Papier, wie in ‚Ghostbusters‘! Im Handschuhfach von Ecto 1 liegt ein Twinkie, wie in ‚Ghostbusters‘! Und, mein Gott, die quasi-religiöse Verehrung für die Gadgets aus dem ersten Film!! Da schwillt die Musik an, wenn eine Geisterfalle gezeigt wird, als würden wir einer heiligen Reliquie gewahr. Ein Protonen-Päckchen erhält visuelle Verehrung wie ein Zehennagel der heiligen Agnes. Wo sind wir denn hier? In der Kirche von ‚Ghostbusters‘? Der erste Film war vieles und vieles wurde über seine Politik geschrieben, aber eines war er ganz bestimmt nicht: respektvoll gegenüber Autoritäten. Oder respektvoll gegenüber irgendwem. Dazu passt die merkwürde, zahnschmerzverursachende Verehrung nun überhaupt nicht. Paul Rudds Charakter nimmt dabei die Rolle ein, die der Film offenbar ‚Ghostbusters‘ Fans zuschreibt. Die absoluter Faszination mit den Requisiten.

Ich habe hier schon einmal deutlich gemacht, für wie grandios ich das Produktionsdesign des ersten GB Films halte. Aber darum ging es nie. Als Kind war es das Abenteuer, als Erwachsener der wunderbare Humor und stets die Charaktere, die ich an dem Film liebe. Vier zigarettenrauchende Tölpel, die nicht genau wissen was sie tun, verhindern die Apokalypse. DAS IST DER WITZ! Aber hier wird offenbar erwartet, dass ich beim Anblick des PKE Meters in devotionalen Schweiß ausbreche.

Nach 40 Minuten hat der Film seine Handlung eh satt und beginnt Szenen aus dem ersten Film nachzustellen. Teils mit den gleichen Dialogen. Aber aufm Land und nicht in New York, also ganz anders! Hier jagen die Jugendlichen halt Muncher statt Slimer. Der übrigens aussieht wie eine Mischung aus einem Coelin-blauen Slimer und einem weiß behaarten Skrotum. Daraufhin werden sie verhaftet, weil sie die halbe Mainstreet zerlegt haben. Und was sagt der Sheriff (ein vollends verschwendeter Bokeem Woodbine) als Phoebe ihren Anruf verlangt. Er sagt, allen Ernstes, „Who you gonna call?“. Und ich habe aufgegeben. In einem lustigeren Film wäre das vermutlich auch schiefgegangen. In diesem seltsam steifen, weitgehend spaßlosen Stück salbadernder Nostalgie ging es krachend daneben.

Es folgen SPOILER für den Film!!!

Fein, reden wir über das Finale. Ich wusste bereits, dass Harold Ramis als CGI Geist auftauchen würde. Und ich wusste bereits, dass mich das ärgern würde. Als es dann soweit war ließ es mich vollständig kalt. Ich war dermaßen raus aus dem Film, dass mich das nicht einmal mehr interessierte. Es ist und bleibt jedoch zynisch und ich mag es nicht im Geringsten. Ich schätze den Darsteller Ramis. Aber der ist mehr als ein Gesicht. Er war ein Mensch, der in bestimmten Momenten bestimmte Reaktionen gezeigt hat, die zu seinem Charakter passen. Das ist mit CGI nicht nachzuvollziehen. Mal ganz ab von der Frage wie geschmackvoll es ist einen Verstorbenen als Geist auftreten zu lassen. Ausgerechnet in ‚Ghostbusters‘!! Den Cameo Auftritt der alten Ghostbusters kann man quasi vergessen. Bill Murray macht ein paar müde Witze, Dan Aykroyd spielt auf den alten „ARE YOU A GOD?!“-Gag an (wie in ‚Ghostbusters‘!!!). Und Annie Potts und Ernie Hudson haben die mit Abstand beste Szene des Films. Nach dem Abspann. Ein kleines Gespräch zwischen beiden, das mir gezeigt hat, wie wenig sie in den beiden originalen Filmen interagieren und wie charmant sie zusammen sind.  Mein Fanboy-Herz wäre so leicht zufriedenzustellen gewesen. Auch Sigourney Weaver taucht nur für eine Szene in den Credits auf. Auch die ist gelungen. Wär schon was gewesen, wenn die im Film gewesen wäre… J.K. Simmons hingegen ist im Film, als Kultführer Ivo Shandor, der im ersten Film erwähnt wird. Eine „Rolle“, für die „verschwendet“ noch übertrieben wäre. Und bei Gozer hatte ich einen Max Schreck aus ‚Batman Returns‘-Moment, wo der sich fragt, warum Bruce Wayne wie Batman angezogen ist. Ich dachte hier, oh hey, Olivia Wilde in einem Gozer-Halloweenkostüm. Warum? Objektiv ist das Kostüm hier weit besser als das Spandex-mit-Tischtennisbällen-drauf des ersten Films. Doch während Gozer dort eine distanziert-mysteriöse Macht blieb, ist sie hier schlicht eine Superschurkin. Öde und doof. Aber hey, wie in ‚Ghostbusters‘!

SPOILER ENDE

‚Ghostbusters Legacy‘ scheint sich einzig und allein als ein Vehikel für Nostalgie zu begreifen. Seine Aufgabe darin zu sehen, uns an die guten, alten Momente zu erinnern. Und genau das begreife ich nicht. Denn wenn ich an die guten, alten Momente erinnert werden will, dann schaue ich ‚Ghostbusters‘. Das geht heute leichter als je zuvor. Sollte der Film nicht wenigstens ein winziges Interesse daran haben gute, NEUE Momente zu schaffen? Daran scheitert er für mich jedenfalls grandios. Weil er es gar nicht erst versucht. Und wenn sich Jason Reitman nun hinstellt und für den nächsten Film eine Rückkehr von Vigo dem Karpaten anteasert, dann weiß ich echt nicht mehr was das alles soll. Natürlich schau ich ihn dennoch, wie ein guter Fanboy, weil hier momentan noch ein Tritt in die Eier mit der Wucht eines ‚Rise of Skywalker‘ fehlt. Am ärgerlichsten aber finde ich, dass der erste Film offenbar nicht einmal verstanden wurde. Anders kann ich mir diese Elende Verehrung echt nicht erklären.

PS: huch, ich hab mich doch mehr in Rage geschrieben, als ich dachte. Und ich hab noch nicht einmal über die Musik, die müde Elmer Bernstein (wie in ‚Ghostbusters‘) nachklimpert, gemotzt…

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8 Gedanken zu “‚Ghostbusters Legacy‘ (2021)

  1. Ohje, das klingt ja nicht berauschend. Habe bisher nur Positives über den Film gelesen. Werde ihn wohl auch schauen müssen, um mir eine Meinung zu bilden. (Wenn doch nur der Zwergofant schon alt genug wäre für die alten Teile… hach…)

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    • Ja, bilde Dir unbedingt ein eigenes Urteil, ich bin hier definitv in der Minderheit!

      „(Wenn doch nur der Zwergofant schon alt genug wäre für die alten Teile… hach…)“

      Haha, das erinnert mich daran, dass ich meine Eltern bedrängt habe, dass wir für meinen 9ten oder 10ten (defintiv jünger als die Alterfreigabe von 12) Geburtstag unbedingt GBII im Kino mit all meinen Freunden sehen müssten. Meine Eltern haben dann noch über Tage wütende Anrufe von deren Eltern bekommen, aufgrund der teilweise doch recht heftigen Bilder (aufgespießte Köpfe in der Ubahn zb…). Da war der erste deutlich zahmer (aber gerade der Anfang durchaus gruselig!).

      Gefällt 1 Person

      • Solche Geschichten habe ich nun schon häufiger über die Filme gehört (ich selbst habe sie erst mit 14 oder so gesehen). Auch der Zwergofant ist da eher sensibel, was auch nur leichten Grusel angeht. Denke da werden wir tatsächlich noch warten; zumindest bis das offizielle Freigabealter erreicht ist.

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        • Ihr könntet aber die Zeichentrickserie schauen! Unter 80er/90er Spielzeugverkaufsserien war die eine der besseren. Zumindest die ersten Staffeln. Sie haben sogar den Film eingebaut, der hier auf den Erlebnissen der „echten“ GB beruht, sie aber natürlich völlig überzogen wiedergibt. Und Peter beschwert sich, dass Murray kein Stück wie er aussieht. 😉

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