Spuktakuläre Filmmonster Kapitel 4: Bizarres

Hier sind die Regeln, wie ich sie verstehe: der 31. Oktober war einmal der Reformationstag. Nun ist er Halloween und Halloween ist nicht nur ein Tag, sondern ein Monat und dieser Monat ist gruselig! Ein guter Zeitpunkt also unser furchtsam zuckendes Auge auf ein paar Spuktakuläre Filmmonster zu richten!

Bizarres? Was soll das heißen? Wo sind Werwölfe, Kaijus, Dämonen oder maskierten Slasher? Nun, zum einen will ich mir einige der „Heavy Hitter“ für kommende Halloween-Zeiten aufheben, zum anderen stelle ich einmal die Frage in den Raum, was denn ein Monster eigentlich ist? Letztlich ist das Monster doch der ultimative Außenseiter. Sei es Frankensteins (Film) Monster, dass von niemandem Freundlichkeit erfährt, außer von einem kleinen Mädchen und einem blinden, alten Mann. Sei es die Hexe im Wald. Sei es der Vampir, der sich zwar inmitten der Gesellschaft verbergen aber nie Teil von ihr sein kann. Sei es der Zombie, der seine eigene simple Gegengesellschaft gründet. Das Monster steht außerhalb der Gesellschaft, deswegen fürchten wir es einerseits, projizieren andererseits aber auch unsere Wünsche darauf. Denn das Monster kann tun, was auch immer es will. Was würde also mehr Sinn machen, als einen Blick auf die Außenseiter unter den Monstern zu werfen? Dracula und Zombies sind die Rockstars mit ihren eigenen Groupies und vorsortierten M&Ms. Aber heute schauen wir einmal auf die Schüler-Punk-Band, wo der Drummer mehr so nach Gefühl spielt und der Bassist eigentlich nur dabei ist, weil er nun mal seine eigene Bassgitarre mitbringt. Es wird ein bisschen ungewöhnlich und auch ein bisschen albern, bizarr eben. Und ich habe endlich mal ein derart schwammiges Thema gewählt, dass ich mir keine Sorgen um Vollständigkeit machen muss, ha!

Die Führungsrolle unter den Monster-Außenseitern nimmt vermutlich der Clown ein. Coulrophobie, also die Angst vor Clowns, ist zwar keine wissenschaftlich anerkannte Phobie aber dennoch eine unter der viele Kinder und nicht wenige Erwachsene mehr oder weniger leiden. Das erstaunt eigentlich nicht, ist es für uns Menschen doch sehr wichtig den Gesichtsausdruck unseres Gegenübers lesen zu können. Ist der aber unter einer dicken Farbschicht versteckt und durch ein offensichtlich falsches Grinsen ersetzt, so kann das Angst machen. Der Clown ist normalerweise, wie das Monster, auch nicht Teil der Gesellschaft und verhält sich immer entgegen bestimmter Vorgaben. Anstatt sie zum Lachen zu bringen, macht das manchen Leuten Angst. Die Stunde null für den modernen Gruselclown dürfte wohl Stephen Kings Buch „ES“ von 1985 sein, zumindest teilweise inspiriert durch den Serienmörder John Wayne Gacy, der, unabhängig von seinen Morden, auch als Clown auftrat. Im Film taucht der böse Clown zum ersten Mal 1987 in der Komödie ‚Killer Klowns From Outer Space‘ auf. Hier sind es Außerirdische die zufällig wie Clowns aussehen (ihr Raumschiff sieht aus, wie ein Zirkuszelt) und ihre Opfer in etwas einspinnen, dass zufällig wie Zuckerwatte aussieht. 1990 folgte die erste Fernsehverfilmung von Kings ‚ES‘ mit einem beeindruckenden Tim Curry in der Titelrolle, der für die Coulrophobie vermutlich mehr geleistet hat als jeder andere. Rob Zombie bringt in vielen seiner Filme das Element des Horrorclowns zumindest am Rand unter und auch sonst taucht der Gruselclown gelegentlich auf. Im irischen ‚Stitches‘ (2012) zum Beispiel oder im von Eli Roth produzierten ‚Clown‘ (2014). Nachdem die Neuverfilmung von ‚ES‘ dieses Jahr zum erfolgreichsten Horrorfilm aller Zeiten geworden ist müssen wir uns wohl auf eine wahre Welle letaler Lustikusse einstellen. Ich wünsche uns viel Glück!

Ich weiß übrigens nicht, ob Ihr es schon wusstet aber Drogen sind schlimm! Auf diesem argumentatorischen Niveau bewegen sich viel zu viele Anti-Drogen-Filme. ‚Blood Freak‘ von 1972 ist da keine Ausnahme. Der heimgekehrte Vietnamveteran Herschell hat nicht nur vorehelichen Sex, nein er raucht auch noch Marihuana! Er nimmt einen Job als Tester für chemisch verändertes Truthahnfleisch(!) an und verändert sich durch dessen Genuss in einen Mann mit einer albernen Maske ein Wesen halb Mensch, halb Truthahn! Und er dürstet nach Blut! Aber nicht irgendein Blut, nein Herschell braucht Kifferblut! Denn, spätestens jetzt wisst Ihr es, Drogen sind wirklich schlimm!

Abhängigkeit etwas geschickter und ein ganzes Stück wahnsinniger stellt Frank Hennenlotter in ‚Brain Damage‘ (1988) dar. Ich versuche gar nicht erst Frank Hennenlotter als Filmemacher zu beschreiben, dazu fehlt mir vermutlich auch ein Abschluss in Psychologie. Sagen wir nur so viel, seine Filme sind stets ein wenig wahnsinniger als man erwartet. In ‚Brain Damage‘ heftet sich der höfliche Parasit Aylmer, der aussieht wie ein Stück blauer Scheiße mit madenartigen Zähnen, nach ausdrücklicher Nachfrage an den Hals von Brian und pumpt eine blaue, halluzinogene Flüssigkeit in dessen Hirn. Zum Ausgleich muss Brian für Aylmer Opfer besorgen, deren Hirne er fressen kann. Aylmer hat seinen eigenen Song:

Jede Menge Hirne und jede Menge Schaden, seid gewarnt, der hier ist wirklich bizarr!

Nachdem Stuart Gordon in ‚Re-Animator‘ seine eigene Version des Zombies geschaffen hat wurde es in ‚From Beyond‘ (1987)… seltsam. Dr. Pretorius hat den Resonator entwickelt. Damit kann man in parallele Dimensionen blicken. Die sehen einen dann aber auch. Oh und der Resonator funktioniert via Überstimulation der Zirbeldrüse, was einen erhöhten Sexualtrieb zur Folge hat. Und die Zirbeldrüse wird irgendwann so groß, dass sie durch die Stirn bricht. Und Dr. Pretorius ist inzwischen ein pinkes Schleimmonster und hat weit mehr Spaß in der Paralleldimension als je zuvor. Der Film zeigt eindrucksvoll was passiert, wenn Gordon zumindest ein gewisses Budget für Spezialeffekte hat, wird aber letztlich von den guten Darstellungen von Jeffrey Combs und vor allem Barbara Crampton getragen und ist deshalb sehenswert!

Lässt der Gedanke an Schneemänner Euch einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen? Vermutlich nicht, sollte er aber, wenn es nach ‚Jack Frost‘ (1997) geht. Hier kommt ein Serienmörder nach seinem Tod als Schneemann zurück und mordet selbstverständlich weiter. Leider bringt es auch nichts ihn zu schmelzen, er setzt sich T1000artig immer wieder zusammen. Zum Glück wird seine große Schwäche aber doch noch gefunden: Frostschutzmittel. Der Film sollte nicht mit ‚Jack Frost‘ (1998) verwechselt werden, in dem Michael Keaton als Vater nach dem Tod als Schneemann zu seinen Kindern zurückkehrt. In dem stirbt nämlich niemand durch orales Einführen von Weihnachtskugeln. Ob das für oder gegen einen der Filme spricht müsst Ihr selbst entscheiden.

Riesige Tiere, so hat uns das Kino beigebracht, sind eigentlich immer furchterregend. Wenn also in ‚Angriff der Riesenkralle‘ von 1957 ein gigantischer Vogel „groß, wie ein Kriegsschiff“ angreift, dann ist der Horror garantiert! Tatsächlich war der Vogel so furchtbar, dass die Filmemacher sehr darauf geachtet haben, dass die Schauspieler das Wesen nie zu sehen bekommen. Das war vermutlich gut so, denn der menschliche Geist kann nur so viel ertragen, bevor er zerbricht. Deswegen seid gewarnt, bevor ihr auf das Video klickt!

Okay, vielleicht sah der Pappkondor mit Punkfrisur auch nur einfach sehr, sehr albern aus.

Manche Tiere müssen aber gar nicht riesig sein, um uns Angst zu machen. Hier ist ein toller Zaubertrick: macht eine mentale Liste mit den drei Tieren, die ihr am meisten fürchtet! Fertig? Gut, jetzt sage ich Euch, was definitiv nicht auf der Liste steht: Hasen! ‚Rabbits‘ (‚Night of the Lepus‘ OT) von 1972 sieht das allerdings anders. Mutierte Hasen sind hier für eine Reihe von Morden verantwortlich. Aber obwohl sie einen Geschmack für Fleisch entwickelt haben, deutlich größer als normal sind (aber nicht riesig!) und gar erschreckend brüllen sind die Häschen nachwievor einfach ein bisschen zu liebenswert. Auch ein Auftritt von DeForest „Pille“ Kelley kann den Film nicht gruseliger machen. Unfreiwillig höchst unterhaltsam ist er aber allemal, man kann beinahe das frustrierte „aber bei ‚Die Vögel‘ hat es doch funktioniert“ hören. Ebenfalls nicht auf Eurer Liste sind übrigens Schafe. Wenn sich in Fred Hobbs No Budget Film von 1973 ein Schaf durch eine Mutagenwolke in das das namensgebende ‚Godmonster of Indian Flats‘ (was, so gebe ich gern zu, ein großartiger Name ist) verwandelt, dann ist vielleicht der erste Instinkt es nicht ganz ernst zu nehmen. Das wäre allerdings ein fataler Fehler, denn dem Monster stehen noch alle Mordwerkzeuge eines durchschnittlichen Schafes zur Verfügung, wie zum Beispiel….

Wenn ich den Anführer einer satanischen Sekte besetzen sollte, dann würde meine erste Wahl wohl nicht auf den stets sympathischen Ernest Borgnine fallen. Meine zweite bis fünfunddreißigste wohl auch nicht. ‚Devils Rain‘ von 1975 sieht das anders. Da Borgnine aber ein durchaus fähiger Schauspieler ist wäre diese Wahl an sich noch nicht bizarr. Auch nicht Tom Skerrit und William „Captain Kirk“ Shatner zu den Helden zu machen. Wenn sich Borgnine gegen Ende in einen ziegenähnlichen Dämon verwandelt, tja, dann wird es langsam bizarr. Doch dann folgt eine Szene, die allein den Film sehenswert macht: Borgnine und seine Satanistenkumpels schmelzen im namensgebenden Teufelsregen. Das klingt bei weitem nicht so bizarr wie es aussieht, darum hier die Szene zum Ansehen mit Euren eigenen Augen:

Unter den außerirdischen Invasoren nimmt sicherlich ‚Der Blob‘ eine Sonderstellung ein. Ob 1958 oder 1988, ein meschenfressender, rapide wachsender Klecks Erdbeermarmelade ist ebenso albern, wie verstörend. Ebenso wie ein 30 Jahre alter Steve McQueen in der Rolle eines Teenagers aber darum soll es hier nicht gehen. Wo der Blob seine Opfer aber noch mit roher Gewalt… blobbelt, da geht sein naher Verwandter aus ‚The Stuff‘ (1985) deutlich perfidere Wege. Der blubbert als weißliche Substanz aus dem Boden. Die ist allerdings superlecker und wird somit schnell als neues Fast Food verwertet. Als das beste Fast Food überhaupt, denn sie ist nicht nur cremig und süß, sondern hat auch noch 0 Kalorien. Genau genommen sogar negative Kalorien, denn das Zeug frisst den Konsumenten von innen auf. Und da heißt es McDonalds sei ungesund. Verglichen mit ‚The Stuff‘ ist das Health Food!

Das sei es von meiner Seite an bizarren bis dämlichen Monstern erst einmal gewesen. Fraglos ist noch mehr als genug kreativer Unsinn übrig um zwei bis fünfzig weitere bizarre Kapitel zu füllen aber für dieses Jahr schließt sich das Buch der Spuktakulären Filmmonster erst einmal. Wenn Ihr noch Ungewöhnliches, Bizarres oder schlicht Dämliches beizutragen habt, tut Euch bloß keinen Zwang an und schreibt es in die Kommentare. Ich hoffe Ihr hattet etwas Freude an dieser kurzen Serie, ich für meinen Teil habe jedenfalls große Lust sie nächstes Jahr fortzusetzen. Und dann ist vielleicht auch Euer Lieblingsmonster dabei. Was das ist könnt ihr mir übrigens auch gerne in die Kommentare schreiben. Und jetzt entschuldigt mich, ein Hase und ein Schaf haben mir eine Süßspeise ohne Kalorien vorbeigebracht. Mhhh.

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10 Gedanken zu “Spuktakuläre Filmmonster Kapitel 4: Bizarres

  1. Sehr guter Artikel. Zum Thema „Bizarres“ ließe sich vermutlich noch jede Menge sagen. Aber das würde sich dann aber auch ganz schnell zu einem Fass ohne Boden entwickeln.
    Die eingefügten Filmbeispiele sind ganz toll. The Devil‘s Rain könnte – sofern überhaupt in der Kürze der Zeit zu bekommen – in mein Halloween Menue aufgenommen werden. Danke für die Anregung.

    Gefällt 2 Personen

    • Devils Rain habe ich in einer Kollektion mit einem koreanischen King Kong Ripoff. Das ist ein Mann im Affenkostüm, der in einer Szene einen Spielzeughelikopter zerschmettert und ihm danach den Mittelfinger zeigt… der hätte eigentlich auch verdient im Artikel zu sein. 😉

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  2. Um ehrlich zu sein kenne ich nicht einen einzigen Film, der hier besprochen wird. An bizarren Monstern würden mir spontan Frankenfurter aus der Rocky Horror Picture Show und Audrey 2 aus dem kleinen Horror adenau einfallen. Denn ein transsexuelles Alien und eine sprechende, außerirdische Fleischfressende Pflanze sind schon ziemlich bizarr.

    Gefällt 1 Person

    • Naja, die Idee war ja mal in die merkwürdigen zweiten und ddritten reihen zu schauen. Frankenfurter wäre in der Tat eine gute Idee und Audrey 2 (nicht zu verwechseln mit Audrey Tautou!) wäre beinahe auf die Liste gekommen aber dann habe ich beschlossen, dass Killerpflanzen ihr eigenes Kapitel verdienen. Triffids, der Baum aus Evil Dead, alle Pflanzen aus The Happening…. da kommt genug zusammen.

      Echte Empfehlungen sind aber From Beyond und natürlich Killer Klowns From Outer Space!!

      Gefällt 1 Person

  3. Pingback: Filmforum Bremen » Das Bloggen der Anderen (30-10-17)

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